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Full text of "Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin"

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Abhandlungen 

der 

Königlichen 

Akademie der Wissenschaften 

zu Berlin. 
1841. 



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Abhandlungen 



dei 



Königlichen 

Akademie der Wissenschaften 

zu Berlin. 



Aus dem Jahre 

1841. 

Erster Theil. 









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J % 



Berlin. 









Gedruckt in der Druckerei der Königlichen Akademie 
der Wissenschaften. 



1843. 



I ii liummissinn bei f. Diimmter. 



I n.h a 1 t. 



i\\A'v\'\'»'*w\ 



Historische Einleitung Seite I 

Verzeichnifs der Mitglieder und Correspondenten der Akademie - VIII 



Physikalische Abhandlungen. 

V. Buch über Productus oder Leptaena Seile 1 

' Karsten über die chemische Verbindung der Körper (siebente Abhandlung) .... - 41 

• Magnus über die J ' - -<g der Gase durch die Wärme - 59 

^Dove über Indr .rch eM-'-nmagnetisirtes Eisen - 85 

'• MÜLLER RJ - 1 Bau des Pentaci . aput Medusae - 177 

v Weiss über das Krystallsystem des Euklases - 249 

Link über den Bau der Farrnkr'auter (vierte Abhandlung) - 283 

•Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs des mikroskopischen Lebens in Süd- und 

Nord - Amerika - 291 



Mathematische Abhandlungen, 
»v. LlNDENAU: Versuch einer Bestimmung der Nutations- und Aberrations- 

Constanten aus beobachteten Geraden -Aufsteigungen des Polaris Seile 1 
^Crelle: Notizen über die analytischen Besultate der Aufgabe des Apollonius von 

der Berührung von Kreisen - 65 

vDlRKSEN: Bemerkungen über die Methode der Maxima und Minima - 105 

Lejeune-T)irichlet: Untersuchungen über die Theorie der complexen Zahlen. . - 141 

Philologische und historische Abhandlungen. 

v LacHMANN: Fernere Betrachtungen über die Ilias Seite 1 

• Bekjcer: Die ungedruckten Byzantinischen Historiker der St. Marcus Bibliothek. . - 43 



'Neander : Charakteristik des Eustathius von Thessalonich in seiner reformatori- 
schen Richtung Seite 67 

Panofka: Von dem Einflufs der Gottheiten auf die Ortsnamen (zweiter Theil) . - 81 
Gerhard: König Atlas im Hesperidenmythos - 109 



Jahr 184 1 



Di 



'ie öffentliche Sitzung zur Feier des Geburtstages Friedrichs 
des Zweiten am 28. Januar wurde durch die Gegenwart Sr. Ma- 
jestät des Königs und durch die Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von 
Preufsen verherrlicht. In der Einleitungsrede untersuchte der Vor- 
sitzende Sekretär der physikalisch - mathematischen Klasse Hr. Encke 
die Frage, ob eine gröfsere Öffentlichkeit, als bisher bei der einge- 
führten Form der Sitzungen, der monatlichen Herausgabe des Be- 
richts und der jährlichen Bekanntmachung der Abhandlungen statt 
gefunden, für die Akademie wünschenswerth sei. Er knüpfte daran 
einige Betrachlungen über die Folgen, welche die von dem Hoch- 
seligen Könige der Akademie verliehene Befugnifs, ihre Mitglieder 
selbst zu wählen, für die letzteren gehabt hat. Am Schlüsse erin- 
nerte er an die denkwürdige Feier des vergangenen Jahrs zum Ge- 
dächtnifs Friedrichs des Zweiten. Hierauf las Herr v. Räumer über 
Karl XI. von Schweden. 

Die öffentliche Sitzung zur Feier des Leibnitzischen Jahres- 
tages am 8. Julius eröffnete der Sekretär der physikalisch -mathema- 
tischen Klasse, Herr Erman. 

Hierauf hielten die Herren von der Hagen, Wilh. Grimm, 
Schott und H. E. Dirksen, als neu erwählte Mitglieder, ihre An- 
trittsreden, welche von dem Sekretär der philosophisch -historischen 
Klasse, Hrn. Böckh, beantwortet wurden. 

Nach diesen Vorträgen verkündete Hr. Erman das Ergebnifs 
der von der physikalisch -mathematischen Klasse veranlafsten Preis- 
Bewerbung. Im Jahre 1839 hatte diese Klasse zu dem Jahre 1841 
aus dem Cotheniusschen Legate einen Preis von 100 Dukaten auf 



II 

die Lösung der von ihr gestellten Aufgabe „über die Wirkung 
„der mineralischen Substanzen und Salze, welche die Pflan- 
zen aus dem Boden aufnehmen", gesetzt. Hierauf ist nur eine 
Bewerbungsschrift eingegangen, welche sich durch eine klare Ausein- 
andersetzung der wichtigsten Punkte, auf welche es bei dieser Un- 
tersuchung ankommt, durch eine richtige Beurtheilung der früheren 
Versuche, durch zweckmäfsig angestellte eigene Versuche, durch eigen- 
thümliche Ideen, durch viele bisher unbekannte Thatsachen und viele 
landwirtschaftliche Erfahrungen auszeichnet. Die analytischen Un- 
tersuchungen des Verfassers sind mit Umsicht angestellt und mit 
Sorgfalt ausgeführt und verdienen Zutrauen; von besonderer Wich- 
tigkeit ist die Untersuchung der Körner und des Strohs vom Wei- 
zen, welchen er auf verschiedenen Boden -Arten kultivirte. Die Klasse 
hatte einen Gegenstand gewählt, welcher von verschiedenen Seiten 
bearbeitet werden konnte, und von dem einzelne Theile selbst seit 
der Aufstellung der Preisfrage einer näheren Untersuchung unter- 
worfen worden sind: sie konnte es nicht voraussetzen, dafs in so 
kurzer Zeit die Frage vollständig beantwortet werde, und im Sinne 
des Legats war es daher ihre Absicht, durch diese Preisfrage Unter- 
suchungen, wodurch die landwirthschaftlichen Erfahrungen und Kennt- 
nisse vermehrt werden, zu veranlassen. Da die eingesandte Abhand- 
lung in dieser Beziehung allen Anforderungen entspricht, so ertheilt 
sie ihr den Preis und hofft, dafs der Verfasser durch diese öffent- 
liche Anerkennung veranlafst und aufgemuntert werde, auf dem ein- 
geschlagenen Wege theils seine Untersuchungen fortzusetzen und wei- 
ter auszudehnen, theils auch fremde einer gründlicheren Prüfung zu 
unterwerfen, als es ihm in der kurzen Zeit möglich war. Die Er- 
öffnung des beigefügten Zettels ergab als Verfasser den Herrn Dr. 
Franz Schulze, Lehrer an der Königl. Staats- und landwirthschaft- 
lichen Akademie zu Eldena. 

Nächstdem trug Hr. Böckh dasjenige vor, was sich auf die 
Preisaufgaben der philosophisch -historischen Klasse bezog. Dieselbe 



III 

hatte auf das Jahr 1841 in der öffentlichen Sitzung am Leibnitzi- 
schen Jahrestage, den 5. Juli 1838, folgende Preisaufgabe bekannt 
gemacht : 

„Die Formen der Kirchen- und Staats-Verfassungen stehen in ge- 
genseitiger Verbindung und Wechselwirkung; sie haben gleichzei- 
tig oder abwechselnd die Thätigkeit der ausgezeichnetsten Geister 
„ in Anspruch genommen und das allgemeinste Interesse erregt. 
„Im 18ten Jahi'hundert ward vorzugsweise eine Erneuerung und 
„Umgestaltung der Staats-Verfassungen, im löten der Kirchen -Ver- 
fassung versucht. Zwischen beiden Versuchen linden sowohl Ähn- 
lichkeiten als Unähnlichkeiten statt; jedenfalls dürfte eine ge- 
schichtliche und kritische Darstellung und Vergleichung so anzie- 
hend als lehrreich sein. Die Königl. Akademie hat es deshalb 
„für angemessen gehalten, die Thätigkeit der Sachverständigen 
„durch Aufstellung einer Preisaufgabe diesen Gegenständen zuzu- 
.. wenden. Sie wünscht also: 

„„erstens, eine geschichtliche Darstellung jener Versuche, die 
„ „Kirchen -Vei-fassung im 15ten Jahrhundert zu befestigen, zu 
„ „ erneuen oder umzugestalten. Mit Weglassung alles Theolo- 
„ „ gischen und Dogmatischen würde also von den Gründen und 
„„der Art der Berufung der grofsen Kirchen -Versammlungen, 
„„ihren Ansprüchen und Piechten, ihrem Verhältnisse zu Pabst, 
„ ., Geistlichkeit und Laienwelt, ihrer Geschäftsführung, dem Ab- 
„„ stimmen und Beschliefsen, kurz von Allem zu handeln sein, 
„„was die zum Theil gleichartigen, zum Theil unter einander 
„„abweichenden Formen und Zwecke der Konzilien von Pisa, 
„„Kostnitz und Basel betrifft. Piückblicke auf die früheren und 
„ „Hinblicke auf die späteren Zeiten dürften zur gründlichen Er- 
„ „ örterung des Gegenstandes beitragen. Mit dieser geschichtli- 
,, „chen Entwickelung ist zweitens eine Untersuchung der leiten- 
„ „ den Grundsätze und eine Beurtheilung ihrer praktischen An- 
„ „ wendbarkeit zu verbinden. Von hier aus bietet sich drittens 

b 



IV 



„ „ Gelegenheit dar zu einer Vergleichung jener Bestrebungen des 
„ „ 15ten Jahrhunderts mit den staatsrechtlichen der folgenden 
„ „ Jahrhunderte, damit sich zuletzt ergebe, ob und was im All- 
„ „ gemeinen oder Besonderen für eine oder für alle Zeiten als 
„„Wahrheit und Fortschritt, oder als Irrthum und Rückschritt 
„„zu bezeichnen, und welcher echte Gewinn der Wissenschaft 
„ „ und der Menschheit überhaupt daraus erwachsen sei."' 
Zur Lösung dieser Aufgabe, für welche der gewöhnliche Preis von 
100 Dukaten ausgesetzt war, ist keine Abhandlung eingegangen. Die 
Klasse hat daher beschlossen, da diese Aufgabe nicht minder wissen- 
schaftlich bedeutend als zeitgemäfs ist, dieselbe unabhängig von der 
Reihefolge der von der Akademie zu stellenden Preisfragen unter 
Aussetzung desselben Preises noch ein Mal zu stellen. Die Frist für 
die Einsendung der Beantwortungen, welche in Deutscher, Lateini- 
scher oder Französischer Sprache geschrieben sein können, ist der 
1. März 1844. Jede Bewerbungsschrift ist mit einem Wahlspruche 
zu versehen, und derselbe auf der äulsersten Seite des versiegelten 
Zettels, welcher den Namen des Verfassers enthält, zu wiederholen. 
Die Ertheilung des Preises geschieht in der öffentlichen Sitzung am 
Leibnitzischen Jahrestage im Monat Julius des gedachten Jahres. 

Aus dem von Hrn. v. Miloszewski gestifteten Legate für Preis- 
fragen zur Untersuchung philosophischer Wahrheiten stellt die phi- 
losophisch-historische Klasse außerdem als Aufgabe: 

„Die genetische Entwickelung der Gegensätze des Nomi- 
„nalismus und Realismus nach ihren verschiedenen Sta- 
„dien." 
Sie fordert die Bewerber insbesondere auf, die Bedeutung dieses Ge- 
gensatzes für die Geschichte der Philosophie im Mittelalter genau zu 
erforschen; den Zusammenhang, in welchem diese Richtungen mit 
der Geistes - Eigentümlichkeit und den Systemen der Stifter und 
Repräsentanten der verschiedenen Schulen stehen, mit sorgfältiger 
Benutzung der Quellen darzustellen; diesen Gegensatz mit dem des 



Idealismus und Realismus, des Rationalismus und Empirismus zu ver- 
gleichen; die wahren und scheinbaren, die innerlichen und äufseren 
Ursachen davon zu erforschen, woher gerade diese Form des Ge- 
gensatzes die Geister des Mittelalters so viel beschäftigte; den Ein- 
flufs dieses Gegensatzes auf die philosophischen und theologischen 
Streitigkeiten und die grofsen Geistesbewegungen des Mittelalters mit 
Unterscheidung des Nothwendigen und Zufälligen aus einander zu 
setzen. Die Frist für die Einsendung der Beantwortungen dieser 
Preisfrage, welche ebenfalls in Deutscher, Lateinischer oder Franzö- 
sischer Sprache, geschrieben sein können, und für welche in Rück- 
sicht der Bezeichnung und des beizufügenden versiegelten Zettels 
dasselbe wie für die vorhergehende Aufgabe gilt, ist der 1. März 
1844. Die Ertheilung des Preises von 100 Dukaten erfolgt in der 
öffentlichen Sitzung am Leibnitzischen Jahrestage im Monat Julius 
des gedachten Jahres. 

Über beide Preisaufgaben ist nächstdem ein besonderes Pro- 
gramm in Deutscher und Lateinischer Sprache erschienen. 

Die öffentliche Sitzung zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät 
des Königs am 21. Oktober wurde durch den Vorsitzenden Sekretär 
Hrn. v. R.aumer mit einer Rede eröffnet, in der er erzählte, in wie 
mannigfacher Weise Se. Majestät der Akademie bereits Ihre Huld 
und Theilnahme zu erkennen gegeben, durch persönliche Anwesen- 
heit, ehrenvolle Aufträge, Berufung ausgezeichneter Männer u. s. w. 
Ferner machte Hr. v. Räumer aufmerksam auf die Stellung und 
Bedeutung der Akademie als einer Korporation und auf ihr Verhält- 
nis zu andern Ständen und Körperschaften. 

Hierauf las Herr Steffens seine Abhandlung über Jordanus 
Brunus. 

Zu wissenschaftlichen Zwecken hat die Akademie in gegenwär- 
tigem Jahr folgende Summen bewilligt: 

Hrn. Panofka 400 Rthlr. gegen Ablieferung von 20 Exemplaren 

bz 



VI 



seines Werkes über die vorzüglichsten Terrakotten der hiesigen 
Königl. Museen. 

Hrn. Böckh als Hauptredacteur des Corpus Inscriptionum Grae- 
carum 200 Rthlr. und Hrn. Prof. Franz für seine Mühwaltung 
bei der Ausarbeitung dieses Werkes 400 Rthlr. 

Hrn. Dr. Bremiker 200 Rthlr. zur Vollendung der drei im vo- 
rigen Jahr von ihm angefangenen Blatter der akademischen 
Sternkarten. 

Hrn. Crelle die Wiedererstattung der aufgewandten Kosten bei 
der Aufsuchung der Theiler aller Zahlen zwischen 3 und 6 Mil- 
lionen. 

Hrn. Dr. Rammeisberg 100 Rthlr. zur Fortsetzung seiner Un- 
tersuchungen über das Brom. 

400 Rthlr. für Sternkarten. 

400 Rthlr. Hrn. Poggendorff für physikalische Apparate. 

Subscriptionsgelder für 20 Exemplare des Werkes des Hrn. Dr. 
Lepsius: Sammlung Umbrischer und Oskischer Inschriften. 



Se. Majestät der König haben zu Anfange dieses Jahres der 
Akademie der Wissenschaften die Herausgabe der Schriften Frie- 
drichs II. übertragen. Die Akademie hat zu dem Ende eine Com- 
mission ernannt, an deren Spitze Hr. Böckh steht. 



Zu Mitgliedern und Correspondenten sind im Jahre 1841 er- 
wählt worden: 

Zu ordentlichen Mitgliedern der philosophisch - historischen 
Klasse : 
Hr. Jacob Grimm, bisheriges auswärtiges Mitglied seit dem 7- Mai 

1832 trat in Folge seiner Hieherberufung als 
ordentliches Mitglied ein. 



VII 

Hr. von der Hagen \ erwählt am 11. Febr. 

» Wilh. Grimm, bisher Correspondent I und bestätigt durch die 

» Schott j Königl. Kabinets- Ordre 

» H. E. Dirksen J vom 9. März. 

Zu Correspondenten der physikalisch -mathematischen Klasse: 

Hr. Fechner in Leipzig 
» Kämtz in Halle 
•> Sefström in Stockholm 
» C. T. E. von Siebold in Erlangen 
» Piud. Wagner in Göttingen 



. erwählt am 25. März. 



In diesem Jahr legte Hr. Erman sein seit beinahe 30 Jahren 
verwaltetes Sekretariat der physikalischen Klasse nieder. 



Gestorben sind im Jahre 1841: 

Hr. Graff, ordentl. Mitglied der philosophisch -historischen Klasse. 
» de Candolle in Genf, Correspondent der physikalisch -mathe- 
matischen Klasse. 
» Cattaneo in Mailand. Correspondent der philosophisch -histori- 
schen Klasse. 



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VIII 



Verzeichnifs 

der Mitglieder und Correspondenten der Akademie. 

December 184 1. 



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I. Ordentliche Mitglied e 



ph 



Herr GriiSOll, Veteran .... 

A. v. Humboldt . . . 

EyteUvein, Veteran . . 

■v. Buch 

Ermatl, Veteran 

Lichtenstein, Veteran . 

- Weifs 

Link 

Mitscherlich 

Karsten 

Encke, Sekretär 

- Dirksen (E. H.) . . . 
Ehrenberg 



ysi kaiisch -mathematische Klasse. 

Datum der Künigl. 
Bestätigung. 



Datum der Königl. 
Bestätigung. 



1798 Febr. 22. Herr Crelle 1827 Aug. 23. 

1800 Aug. 4. - Horkel 1830 Jan. II. 

1803 Jan. 27. - Klug 1830 Jan. 11. 

1806 März 27. - Kunth 1830 Jan. II. 

1806 März 27. - Dirichlet 1832 Febr. 13. 

1814 Mai 14. - H. Rose 1832 Febr. 13. 

1815 Mai 3. - Müller 1834 Juli 16. 

1815 Juli 15. - G. Rose 1834 Juli 16. 

1822 Febr. 7. - Steiner 1834 Juli 16. 

1822 April 18. - v. Olfers 1837 Jan. 4. 

1825 Juni 21. - Dove 1837 Jan. 4. 

1825 Juni 21. - Poggendorff 1839 Febr. 4. 

1827 Juni 18. - Magnus 1840 Jan. 27. 



Philosophisch -historische Klasse. 



Herr Ideler, Veteran .... 

V. Sauigny, Veteran . 
BÖckll, Veteran, Sekretär 

Bekker 

- Ritter 

- Bopp 

V. Raumer, Sekretär . 

Meineke 

Lachmann 

Hoffmann 

Eichhorn 



1810 April 7. Herr Ranke 1832 Febr. 13. 

1811 April 29. - Jac. Grimm 1832 Mai 7. 

1814 Mai 14. - Zumpt 1835 März 12. 

1815 Mai 3. - Steffens 1835 März 12. 

1822 April 18. - Gerhard 1835 März 12. 

1822 April 18. - Panqfka 1836 April 5. 

1827 Juni 18. - Neander 1839 März 14. 

1830 Juni 11. - von der Hagen ... 1841 März 9. 

1830 Juni 11. - Wilh. Grimm .... 1841 März 9. 

1832 Febr. 13. - Schott 1841 März9. 

1832 Febr. 13. - Dirksen (H.E.) ... 1841 März 9. 



IX 



II. Auswärtige Mitglieder. 

Physikalisch- mathematische Klasse. 

Datum der Küiiigl. 
Bestätigung 

Herr Gau/s in Göttingen 1810 Juli 18. 

- Bessel in Königsberg 1812 Juli 16. 

- Freih. v. Berzelius in Stockholm 1825 Juni 28. 

- Arago in Paris 1828 Jan. 4. 

- Robert Brown in London 1834 März 20. 

- Cauchy in Paris 1836 Aprils. 

- C. G. I. Jacobi in Königsberg 1S36 April 5. 

- Herschel in Hawkhurst in der Grafschaft Kent 1839 Febr. 4. 

Philosophisch -Ins lorische Klasse. 

Herr Gottfried Hermann in Leipzig 1820 Sept. 3. 

- A. W. v. Schlegel in Bonn 1822 April 1». 

- Heeren in Göttingen 1831 Jan. 4. 

- H. Ritter in Göttingen 1832 Febr. 13. 

- Letronne in Paris 1832 Mai 7. 

- Cousin in Paris 1832 Mai 7. 

- v. Schelling in München 1832 Mai 7. 

Lobeck in Königsberg 1832 Mai 7. 

- Jacobs in Gotha 1832 Mai 7. 

- H. H. Wilson in Oxford 1839 April 21. 

- Guizot in Paris 1840 Dec. 14. 



111. E h r e n - M i t g 1 i e d e r. 

Herr Imbert Delonnes in Paris 1801 Oct. 22. 

- Graf v. Hoffmansegg in Dresden 1S!5 Mai 3. 

n'illiam Hamilton in London 1815 Juni 22. 

- Leake in London 1815 Juni 22. 

Gen.-Lieuteuant Freih. v. AJinutoli in Berlin 1820 Mai 5. 

- General d. Infant. Freih. v.Müffling in Berlin 1823 Juni 23. 

- ■v. Hisinger auf Skiuskatteberg bei Köping 

in Schweden 1828 Jan. 4. 

- v. Lindenau in Dresden 1828 Jan. 4. 



Datum der König. 
Bestätigung. 

Herr Bunsen in London 1835 Jan. 7. 

Duca di Serradifalco in Palermo 1836 Juli 29. 

Graf zu Munster in Baireuth . . . 1837 Jan. 4. 

- Prokesch von Osten in Athen . . . 1839 März M. 

- Duc de Lujnes in Paris 1840 Dec. 14. 



IV. Correspondenten. 

Für die physikalisch-mathematische Klasse. 

Datum der Wahl. 

Herr Agassiz in Neuchätel 1836 März 24. 

Biddel Airj in Greenwich 1834 Juni 5. 

Amici in Florenz 1836 Dec. I. 

- Argelander in Bonn 1836 März 24. 

- v. Baer in Sf. Petersburg 1834 Febr. 13. 

Becquerel in Paris 1835 Febr. 19. 

- P. Berthier in Paris 1829 Dec. 10. 

- Biot in Paris 1820 Juni 1. 

- Brandt in St. Petersburg 1839 Dec. 19. 

Brewster in Edinburg 1827 Dec. 13. 

Adolphe Brongniart in Paris . . . 1835 Mai 7. 

Alexandre Brongniart in Paris . . 1827 Dec. 13. 

- Carlini in Mailand 1826 Juni 22. 

- Carus in Dresden 1827 Dec. 13. 

Chevreul in Paris 1834 Juni 5. 

Conßgliacchi in Pavia 1818 Juni 25. 

- Baiton in Manchester 1827 Dec. 13. 

Döbereiner in Jena 1835 Febr. 19. 

Diifrenoj in Paris 1835 Febr. 19. 

/. B. Dumas in Paris 1834 Juni 5. 

Elie de Beaumont in Paris .... 1827 Dec. 13. 

- Faraday in London 1833 Juni 20. 

Fechner in Leipzig 1841 März 25. 

- F. E. L. Fischer in St. Petersburg 1832 Jan. 19. 

- Gotthelf Fischer in Moskau .... 1832 Jan. 19. 

- Flauti in Neapel 1829 Dec. 10. 

- Freiesleben in Freiberg 1827 Dec. 13. 



über 

PRODUCTUS oder LEPTAENA 



H ,n ' v. V BUCH. 



[Gelesen in der Akademie Jet Wissenschaften am 28. October 1841.] 



Di 



'ie erstaunenswürdige Thatsache, dafs die Folge oder das ursprüngliche 
Aufeinanderliegen der Gebirgsschichten, aus welchen die Oberfläche des Erd- 
balls gebildet ist, auf das Bestimmteste aus den organischen Resten erkannt 
werden kann, welche von diesen Schichten eingehüllt werden, eröffnet so 
wichtige und so überraschende Schlufsfolgen, dafs eben deshalb die ganze 
Thätkkeit der Geosmosten seit einer Reihe von Jahren fortdauernd sich da- 
hin gerichtet hat, überall neue Beobachtungen zu sammeln, welche diese 
Thatsache immer mehr in hellem und klarem Lichte hervortreten lassen. 

Was kann auch erregender sein, als die immer fortgesetzte Ent- 
deckung einer ganz neuen Schöpfung, fast in jeder Schicht, die uns Gestal- 
ten vorführt, durch welche häufig die innere Einrichtung, der Zweck und 
man möchte sagen, die Geschichte dieser inneren Organisation der noch le- 
benden Geschöpfe erst begreiflich und anschaulich wird! Was kann festhal- 
tender sein, als wenn wir, durch Beobachtungen, uns immer mehr überzeu- 
gen müssen, wie wenige Muscheln oder andere organische Reste im Stande 
sind, uns durch das Labyrinth der so oft durch einander geworfenen, zer- 
sprengten, übergestürzten oder gänzlich zerrissenen Schichten in den Gebir- 
gen, so sicher zu leiten, dafs sie sogar zu praktischen Anwendungen benutzt 
werden können. In der That glaubt auch wirklich schon selbst der den- 
kende Bergmann, dafs er zu seinen Beschäftigungen der Paläontologie gar 
nicht entbehren könne, was vor dreifsig Jahren Niemandem hätte in den Sinn 
kommen können, und mit Recht für Aberwitz gehalten worden sein würde. 

Die Producten gehören zu den organischen Formen, welche solche 
Betrachtungen in hohem Maafse und mehr als viele andere erregen; denn an 
Physik.- math. KL 184 1 . A 



2 V. B U C H 

sich schon, als Gestalten, welche lebend nie wieder vorkommen und schon 
sehr früh aus der Schöpfung verschwinden, der höchsten Aufmerksamkeit 
würdig, werden sie es ehen so sehr durch die Bestimmtheit, mit welcher sie 
die Formation oder Bildung bezeichnen, welche der Hauptformation der 
Steinkohlen unmittelbar zur Grundlage dient, und diese von älteren Transi- 
tionsgebirgsarten trennt. Sollte man daher nicht glauben, dafs sie schon 
längst mit allen ihren Eigentümlichkeiten erforscht und beschrieben sein 
müfsten. Sollte man nicht denken, dafs bei dem regen Eifer der Naturfor- 
scher, sie aus allen Theilen der Welt zusammenzubringen, man gar nicht in 
Zweifel sein könne, in wieviel Arten sich das ganze Geschlecht zerspalte oder 
auch durch welche Merkmale und Eigenthümlichkeiten es sich wesentlich 
von allen ähnlichen Geschlechtern unterscheide! — Allein noch hat kein 
Zoologe sich mit diesen Formen ernstlich beschäftigt, denn noch immer wen- 
det er sich mit Widerwillen von der Paläontologie zurück, und noch immer 
findet man die ausgedehntesten und reichsten Sammlungen von Versteine- 
rungen, nicht wo man sie erwarten sollte, mit den zoologischen Sammlungen 
vereinigt, sondern, höchst widersinniger Weise, als Theile der Mineralogie 
aufgeführt. — Dennoch hat man kaum den Muth, diese Nichtachtung dem 
Zoologen vorzuwerfen, wenn man sieht, mit welcher Leichtfertigkeit, mit 
welcher Unbesonnenheit und Mangel an Beurtheilung die Geognosten aus 
jedem, einer organischen Form ähnlichen Bruchstück eine Art oder gar ein 
Geschlecht bilden, und glauben einen grofsen Ruhm erreicht zu haben, wenn 
sie die Menge der neu benannten Arten zu Hunderten zu zählen vermögen ! 
Was würde man wohl von einem Zoologen denken, der einen Fuchs be- 
schriebe, dann dem Thiere die Haut abzöge und das ausgebälgte Thier wie- 
der als neue Art und mit einem neuen Namen aufführte. Dann das Skelet 
hervorzöge und dieses wieder, vielleicht die vordere Hälfte als ein eigenes 
Geschlecht, die hintere als ein anderes, verschiedenes angäbe, — so ist es 
doch gar vielen Petrefacten und unter ihnen ganz vorzüglich den Producten 
gegangen, und dennoch glaubt man diese Gestalten zu kennen! 

Es ist einleuchtend, wie sehr der Geognost, dem einigermafsen die 
Wahrheit am Herzen liegt, sich verwahren müsse, auf so unsicherer und so 
unüberlegt hingestellter Grundlage Schlufsfolgen zu bauen, welche in das 
Ganze der Gebirgslehre nothwendig eingreifen und grofse Verwirrung her- 
vorbringen müssen. Es wird daher der Beitrag, den ich auszuführen beab- 



über Productus oder Leptaena. 3 

sichtige, diese Verwirrung zu lösen, in soweit sie aus der Betrachtung der 
Producten entsteht, sollte er auch diesen Zweck nicht völlig erreichen, doch 
der Aufmerksamkeit der Naturforscher nicht unwürdig sein, um so mehr, da 
er sich den wohlwollend aufgenommenen Beschreibungen der von mir früher 
bearbeiteten Geschlechter der Brachiopoden, deren Kenntnifs für die Ge- 
birgslehre so wichtig ist, anreiht und sie zu einem Ganzen verbindet. 



Geschichte der Producten. 

Es ist schwer zu bestimmen, wann die Kenntnifs irgend eines natür- 
lichen Körpers angefangen habe, und wem diese Kenntnifs zugeschrieben 
werden müsse. Ist es der, welcher den Körper zuerst aus der Masse des 
Unbekannten hervorgezogen, oder der, welcher zuerst die besondere Natur 
und die Individualität dieser Körper erkannt hat, oder der, welcher zuerst 
für sie einen besonderen Namen erfand? Offenbar würde man sich weder 
für den Finder, noch für den Namengeber entscheiden, sondern für den Na- 
turforscher, der zuerst das Besondere zu erkennen gelehrt hat, wodurch sich 
das Geschöpf von allen ähnlichen wesentlich absondert und unterscheidet. 
Aber diese Kenntnifs tritt nur sehr langsam und allmälig hervor, und bleibt 
mit sehr Vielem vermengt, was man im Laufe der Zeiten als Irrthum erken- 
nen mufs; es ist daher gar häufig anzugeben kaum möglich, in welchen Zeit- 
punkt die erste Entdeckung eines Naturprodukts zu setzen sein möge. So 
auch mit den Producten. Als Walch 1780 im Naturforscher (St. 14) die 
Gryphiten von Gera beschrieb, und auseinandersetzte, wie die langen Sta- 
cheln, welche von diesen Gryphiten ausgiengen, sich auf anderen Gryphiten 
nicht fänden, und gar richtig und gut bemerkte, dafs diese sogenannten Sta- 
cheln als Bohren angesehen werden müfsten, welche von innen heraus fort- 
wachsen, was eigentliche Stacheln nicht thun, so hatte der Mann doch etwas 
so wesentliches und ausgezeichnetes der Producten angegeben und beschrie- 
ben, dafs man ihn unmöglich übergehen kann, wenn von Entdeckern dieser 
Gestalten die Bede ist. Er hatte jedoch seine Beobachtung auf andere For- 
men nicht ausgedehnt, und dadurch blieb die von ihm beschriebene Muschel, 
selbst in Schlottheim's Werk, immer mit den Gryphiten vereinigt. Dafs 
Schlottheim selbst anderen Arten von Producten einige Aufmerksamkeit 
zugewandt habe, ist aus seinem Buche nicht ersichtlich, und nur in den viel 

A2 



4 v. Buch 

später (1822) erschienenen Nachträgen erwähnt er, dafs Martini (Conch. Cab. 
P. VII, T.63, F. 605) unter dem Kamen eines Anomiten von Namur eine Mu- 
schel abgebildet habe, welche in dem Kupferwerk der Eucyclopedie metho- 
dique von Bruguieres copirt und als Area aufgeführt worden war. Auch 
Schlottheim selbst giebt von seinem Exemplar eine neue Figur, als Anomia 
thecaria. Sie ist gegenwärtig als Productus punetatus bekannt. So bleibt 
also auch hier, wie bei Spirifer, das gröfsere Verdienst für Bekanntmachung 
und Erkennung dieser Gestalten dem Naturforscher William Martin von 
Derbyshire, nach mehr als vierzig Jahren immer noch dem genauesten und 
gründlichsten aller Petrefactologfn in England. Ohnerachtet auch er noch 
von Anomien redet, so stellt er sie doch mit Terebrateln und Spirifer nahe 
zusammen, und zeigt dadurch, wie sehr gut er ihre nahe Verwandtschaft er- 
kannte. Aber das gerade Schlofs sagt er, und die Nichtdurchbohrung, oder 
vielmehr das fehlende Heftband in der gröfseren Schaale unterscheidet diese 
Anomien als besondere Section, oder als ein besonderes Geschlecht. Dafs 
an vielen Arten die Oberschaale so bedeutend über die flache oder einge- 
senkte Unterschaale herabhängt, war ihm besonders merkwürdig und er gab 
deshalb von der ausgezeichnetsten dieser Arten eine treffliche Figur und 
nannte sie Anomites productus. Sie führt gegenwärtig seinen Namen Pro- 
ductus JMartini. — Sowerby, durch ihn geleitet, und durch Übersendung 
vieler ähnlichen Muscheln aus Schottland durch den Geistlichen Fleming 
aufgefordert, machte sie schon sehr früh zu Gegenständen seiner Bearbei- 
tung. Sie gehören zu den ersten, welche er in seinem bekannten Werke 
abgebildet hat, und erschienen schon 1814, welches doch Martin nicht 
mehr erlebte. Sowerby bemerkt, dafs sie zu Anomien nicht gerechnet 
werden könnten, sondern als ein eigenes Geschlecht aufgeführt werden 
müfsten, und Fleming rieth ihm, dieses Geschlecht nach dem Entdecker 
Martinia zu nennen. Leider aber glaubte Sowerby der Name Produ- 
ctus sei bezeichnender und vorzuziehen; eine Meinung, welche spätere Na- 
turforscher nicht mit ihm getheilt haben, theils wegen falscher Bildung des 
Namens, theils weil er auf einem ganz unwesentlichen Kennzeichen beruht. 
Selbst der Sohn glaubte 1822 Productus in Producta umändern zu müs- 
sen, wodurch denn doch nicht viel gebessert war. Dafs übrigens Sowerby 
die Producten den Brachiopoden zugerechnet habe, ersieht man weder aus 
seiner Charakteristik des Geschlechts, noch aus seinen Erläuterungen und 



über Productus oder Leptaena. 5 

Beschreibungen, und daher kommt es denn, dafs er so viele Steinkerne, de- 
nen die äufsere Sehaale fehlt, als eigene und verschiedene Arten beschrieben 
hat. Die innere Organisation der Brachiopoden würde einen so aufmerk- 
samen und genauen Beobachter zuverlässig sehr bald gelehrt haben, auch in 
Steinkernen die mit Schaalen versehenen Arten wiederzuerkennen. Viel rich- 
tiger und bestimmter entwickelte Dalman in Stockholm die Verwandtschaft 
dieser Gestalten in seiner bekannten Abhandlung über Schwedische Terebra- 
telu (18-27). Ihm ist es schon gar nicht mehr zweifelhaft, dafs die Producten 
zu den Brachiopoden gehören. Aber mit dem Sowerby'schen Namen wenig 
zufrieden, verändert er ihn in Leptaena wegen der Dünnheit der Muschel, 
nicht der Schaale. Dafs er nicht blofs alle Schwedische Arten hierher rech- 
nete, sondern auch alle Sowerby'sche Productus, selbst auch den Gryphiten 
aus dem Zechstein von Gera, beweist eine Anmerkung seiner Schrift (p. 10), 
in welcher alle diese Arten als Leptaena aufgeführt sind. Auch ist seine Cha- 
rakteristik bestimmt genug, und im Ganzen wohl noch jetzt anwendbar: Tc- 
sta subaequ'walvis, acquilalera, complanala, margine compresso flexo. Margo 
transversales, recülincus, laüssimus, foramine destitutus. J alva altera denli- 
bus cardinatibus duobus obtusis. Das freilich war das Wesentliche, dafs sich 
keine Öffnung für den Austritt eines Heftbandes findet, wie bei Terebratula 
und Spirifer, daher auch keine Area, welches eine ganz verschiedene Lebens- 
art und innere Organisation dieser Muscheln voraussetzt. Allein sonderbarer 
Weise sind alle von Dalman aufgeführte Leptänen den Producten wenig 
ähnlich, denn sie sind alle ohne Bohren am Bande, und sie scheinen mit 
einer deutlichen, wenn auch sehr niedrigen Area versehen zu sein. Ich habe 
sie deshalb schon längst in meiner Monographie von Delthyris als Orthis- 
arten beschrieben, Leptaena depressa, rugosa, euglypha, transversalis Dahn. 
Doch ist es unläugbar, dafs sie einen Übergang zu den gröfseren Productus 
bilden, und wäre es erwiesen, dafs ein Heftband und die Öffnung es durch- 
zulassen ihnen fehlt, so stehen sie offenbar dem Productus näher, als den 
Orthisarten. Es bleibt aufser ihnen für Schweden nur noch eine einzige 
Leptaena oder Productus übrig, Leptaena lata (Terebratulites sarcinulatus 
Schi.), und gerade eben diese ist von Dalman in ihrer wahren Natur nicht 
erkannt worden, sondern er hat sie, nach sehr unvollkommenen Exemplaren, 
als Orlhis slriatella beschrieben. 



6 t. Buch 

Im April 1828 liefs Hr. Höninghaufs in Crefeld ein Blatt stechen, 
auf welchem mehrere Procluctusarten von Vise und von Ratingen und Crom- 
ford an der Ruhr abgebildet sind, in der Absicht zu zeigen, wie man im In- 
nern der Muschel ein Gerüst finde, dem des Innern der Terebrateln ganz 
ähnlich. Dieses Blatt ist weit vertheilt worden, und hat, nach Des Hayes' 
Zeugnifs (1832), die Französischen Naturforscher völlig überzeugt, dafs Pro- 
ductus zur Klasse der Brachiopoden gehöre (Encyclop. methodique. Article 
Productus). Ferussac und Latreille hatten sie bisher den Austern nahe 
gestellt. Des Hayes meint, der Mangel eines Heftbandes erweise, dafs diese 
Mollusken einer freien Bewegung fäbig gewesen sind, welches sie mehr 
zu einem besonderen Geschlecht erhebe, als alles, was Spirifer von Tere- 
hratula trenne. Schwerlich würden doch die Schaalen sich, wie fast immer, 
umwenden und sich an fremde Körper mit ihren Rändern herabhängen und 
anheften, wenn sie den Ort ihres Aufenthalts hätten verändern können oder 
mögen. Auch läfst sich diese freiwillige Ortsveränderung nicht gut voraus- 
setzen, wenn man sieht, wie Alles in der Muschel darauf berechnet zu sein 
scheint, die Schaalen so fest als möglich an einander zu schliefsen. Übrigens 
ist die Charakteristik, welche Des Hayes vom Productus giebt, weit weniger 
scharf und richtig, als die, welche Dalman fünf Jahre vor ihm gegeben 
hatte: ,,Coquille incquivah-e, quelquefois symetrique (sie ist es immer) souvent 
inequilaterale; valve supt'rieure (die untere) operculiformc plane ou concave; 
vahe inferieure fort grande a crocliet plus ou moins saillant, non perfore; 
charniere lineaire simple ou subarticultc dans le milieu, le plus souvent droite 
et transveise, rarement arquee; des apophyses branchus en arbuscule dans 
V intcricur des valves." Bronn, in der trefflichen Lethaea (1835), behandelt 
die Productus mit seiner gewöhnlichen Genauigkeit, Umsicht und Kritik. 
Er verwirft Sowerby's Benennung und entscheidet sich für eine aus Ame- 
rika gekommene, Strophomena, die doch weniger beachtet worden ist, als 
Dalman's Leptaena. „Der Productus", sagt Bronn, ,, ist zweiklappig, 
ungleichklappig, gleichseitig, der Schlofsrand lang, gerade. Die gröfsere 
Klappe oder Schaale ist sehr convex, mit niedrigem, linearem Schlofsfelde 
und kleiner, halbkegelförmiger deltoider Öffnung (nicht Deltidium, wie 
Bronn sagt), in welcher ein kegelförmiger, innen getheilter Zahn der klei- 
neren, flacheren oder concaven Klappe hineintritt". Diese Zahnbildung ist 
in der That etwas für das ganze Geschlecht Wesentliches, welches genau mit 



über Proäuctus oder Leptaena. 7 

der inneren Einrichtung xind mit dem Mangel eines Heftbandes zusammen- 
hängt. — Phillips' höchst verdienstvolles und lehrreiches Werk über die 
Transitionsgebirge von Yorkshire erschien 1S36. Durch ihn wurden vor- 
züglich die Producten den silurischen Schichten entzogen und dem Berg- 
kalke zugewandt, welches ein bedeutender Fortschritt in der Gebirgslehre 
war. Im Besitz so vieler verschiedener Arten von Productus, denn er hat 
23 verschiedene Arten beschrieben und abgebildet, hätte man nun durch ihn 
die genaueste Belehrung über diese Gestalten erwartet; allein es scheint, als 
habe er sich mit Untersuchung der Verwandtschaft der Formen dieser Mol- 
lusken und der Art und Weise, wie man sich ihre innere Einrichtung und 
ihre Lebensart vorstellen müsse, gar nicht, und nur allein mit Bildung von 
Arten beschäftigt, blofs nach den Verschiedenheiten, welche gar häufig nur 
aus dem verschiedenen Zustande der Erhaltung der Schaalen entsteht. — Im 
gegenwärtigen Jahr (1841) hat Hr. Phillips wiederum eine Menge verstei- 
nerter Muscheln aus Cornwall, Devonshire und Somerset und darinnen wie- 
der viele, nach ihm neue, Arten von Productus beschrieben. Der Beschrei- 
bung dieser Arten geht eine allgemeine Übersicht der Brachiopoden voraus, 
welche die von mir in der Beschreibung der Terebrateln gegebene noch 
vollständiger entwickeln soll. Das Wesentlichste aber dieser Veränderung 
besteht in der Zerspaltung der Terebrateln in drei verschiedenen Abtheilun- 
gen oder Geschlechtern, welche Cleiothyris, Epithyris und Hypothyris ge- 
nannt werden, nach sehr unwesentlichen, das Innere der Organisation gar 
nicht berührenden Kennzeichen, und hierdurch soll der Name der Terebra- 
tula gänzlich verschwinden. Von den Producten sagt Phillips nichts mehr, 
als dafs die gröfsere Schaale nicht durchbohrt sei, und dafs sie keine Area, wie 
Spirifer, besitze. Man kann daher die Fortschritte, welche die Kenntnifs 
der Productus oder der Leptaena, wie sie jetzt sogar auch der jüngere So- 
werby nennt, soweit sie Phillips bearbeitet hat, nicht eben für sehr be- 
deutend ansehen. — 



Von den Eigenschaften der Producten oder Leptänen. 

Productus oder Leptaena ist eine Muschel aus der Klasse 
der Brachiopoden, daher symmetrisch in allen ihren Theilen und 
im Innern mit zwei Spiralarmen versehen, die am Bande mit Fran- 



8 v. B xt c h 

zen oder Wimpern besetzt sind. — Ihr eigenthümlich ist ein, in 
seiner ganzen Länge fort gerader Schlofsrand, horizontal, wenn 
die Schaalen mit ihrer Länge senkrecht stehen. Beide Schaalen 
stofsen am Schlofsrande eng zusammen, tind sind ohne Spur von 
Area. In der Mitte des Schlosses treten zwei Zähne der Ober- 
schaale divergirend hervor, und umfassen zwei eng mit einander 
zu einem Knöpfchen vereinigte Zähne der unteren Ventralschaale, 
Zähne, die durch eine sehr kleine dreieckige Öffnung in den 
Buckel oder Schnabel der oberen Schaale eindringen, und diese 
Öffnung völlig verschliefsen. Es geht durchaus kein Heftband 
aus dieser Öffnung hervor. Dagegen stehen hohle Röhren an der 
ganzen Länge des Schlosses hin, und häufig auch auf der Fläche 
deröberschaale. Im Innern sind beide Schaalen mit einer grofsen 
Menge über die ganze Fläche des Innern zerstreuten (Branchien-) 
Spitzen bedeckt. 

Die Producten unterscheiden sich daher von Spirifer und Orthis vor- 
züglich durch Mangel eines Heftbandes und durch fehlende Area. Was bei 
Prod. como'ides oder g7>a,?nicht selten eine Area zu sein scheint, (und als solche 
ist sie auch von Sowerby (Plat 329, Prod. como'ides) und von Phillips 
(Yorkshire II, viii, 6. Prod.pugilis) abgebildet), ist nur die innere Fläche des 
Ohres der Schaalen, keine fortwachsende Area, wie man sich leicht durch die 
an dieser Fläche heraufgehenden Röhren überzeugt und an ihrem Dichtauf- 
einanderliegen von beiden Seiten her. Aufserdera fehlen auch dem Produc- 
tus die beiden inneren Lamellen oder auseinanderlaufenden Scheidewände, 
durch welche die Spiralarme der Spirifer genöthigt sind, sich nach entgegen- 
gesetzten Seiten hin zu verbreiten. 

Die Producten oder Leptänen haben, fast ohne Ausnahme, ein 
so auffallendes Ansehen, einen ihnen so sehr eigenthümlichen Habitus, dafs 
man sie, auch ohne Aufsuchung der bestimmenden Kennzeichen, leicht von 
ähnlichen Gestalten unterscheidet. Vor allen ist die hohe, gewölbte Form 
der oberen Schaale sehr auffallend, und ihre feine, wenig regelmäfsige und 
allezeit gespaltene oder dichotomirende Streifung. Nie sieht man auf der 
Oberfläche scharfe oder gar einfache Falten, wie sie auf Spirifer ganz ge- 
wöhnlich sind, und fast immer sind die Streifen wellig gebogen, zu dicken 
Falten auf einander gelegt und auch wohl durch andere Falten ganz aufgeho- 



XI 



Datum der Wahl 

Herr Fuchs in München 1834 Febr. 13. 

- Gaudichaud in Paris 1834 Febr. 13. 

Gay-Lussac in Paris 1812 

- Gergonne in Montpellier 1832 Jan. 19. 

- C. G. Gmelin in Tübingen 1834 Febr. 13. 

- L. Gmelin in Heidelberg 1827 Dec. 13. 

Göppert in Breslau 1839 Juni 6. 

Thom. Graham in London 1835 Febr. 19. 

- W. R. Hamilton in Dublin .... 1839 Juni 6. 

- Hansen in Gotha 1832 Jan. 19. 

Hansteeri iu Chiistiania 1827 Dec. 13. 

- Hausmann in Göttingen 1812 

- Hooker in Glasgow 1834 Febr. 13. 

- Jameson in Ediuburg 1820 Juni 1. 

- Ivory in London 1826 Juni 22. 

- Kämtz in Halle 1841 März 25. 

Kielmeyer in Stuttgard 1812 

v. Krusemtern in St. Petersburg . 1827 Dec. 13. 

- Kummer in Liegnitz 1839 Juni 6. 

- Lame in Paris 1838 Dec, 20. 

Larrey in Paris 1812 

- v. Ledebour in Dorpat 1832 Jan. 19. 

- Liebig in Giefsen 1833 Juni 20. 

- Graf Libri in Paris 1832 Jan. 19. 

- Lindley in London 1834 Febr. 13. 

- Liouville in Paris 1839 Dec. 19. 

- v.Martius in München 1832 Jan. 19. 

- Melloni in Neapel 1836 März 24. 

- Möbius in Leipzig 1829 Dec. 10. 

- van Mons in Löwen 1812 

- Morin in Metz 1839 Juni 6. 

- F. E. Neumann in Königsberg . . 1833 Juni 20. 
Oersted in Kopenhagen 1820 Nov. 23. 

- Ohm in Nürnberg 1839 Juni 6. 

- Otto in Breslau 1832 Jan. 19. 

- R. Owen in London 1836 März 24. 

- de Pambour in Paris 1839 Juni 6. 

- Pfaff in Kiel 1812 

c 



XII 



Datum der Wahl. 

Herr Plana in Turin 1832 Jan. 19. 

- Poncelet in Paris 1832 Jan. 19. 

- de Pontecoulant in Paris 1832 Jan. 19. 

- Presl in Prag 1838 Mai 3. 

Purkinje in Breslau 1832 Jan. 19. 

Quetelet in Brüssel 1832 Jan. 19. 

- Rathke in Königsberg 1834 Febr. 19. 

- Achille Richard in Paris 1835 Mai 7. 

. de la Rive in Genf 1835 Febr. 13. 

- Aug. de Saint -Hilaire in Paris . . 1834 Febr. 13. 

- Jul. Cesar da Snvigny In Paiis . . 1S26 April 13. 

- v. Schlechtendal in Halle 1834 Febr. 13. 

- Schumacher in Altona 1826 Juni 22. 

- Sefström in Stockholm 1841 März 25. 

- Marcel de Serres in Montpellier . 1826 April 13. 

- v. Siebold in Erlangen 1841 März 25. 

- i). Stephan in St. Petersburg . . . 1812 

- Struve in St. Petersburg 1832 Jan. 19. 

- Sturm in Paris 1835 Febr. 19. 

- Tenore in Neapel 1812 

Thenard in Paris 1812 

Tiedemann in Heidelberg 1812 

Tilesius in Leipzig 1812 

Treviranus in Bonn 1834 Febr. 13. 

Aug. Valenciennes in Paris .... 1836 März 24. 

- Rud. Wagner in Göttingen .... 1841 März 25. 
Wahlenberg in Upsala 1814 März 17. 

- Wallich in Calcutta 1832 Jan. 19. 

- E. H. Weber in Leipzig 1827 Dec. 13. 

- W: E. Weber in Göttingen .... 1834 Febr. 13. 

- Wähler in Göttingen 1833 Juni 20. 

Für die philosophisch-historische Klasse. 

Herr Aveüino in Neapel 1812 

- Graf Rorghesi in St. Marino. . . . 1836 Juni 23. 

- Brandis in Bonn 1832 April 12. 

Bröndsted in Kopenhagen 1815 Juni 22. 

- Burnouf in Paris 1837 Febr. 16. 



XIII 



Dalum der Wahl 

Herr de Chambray in Paris i 83 3 Juni 20. 

- Graf Clarac in Paris i 82 i Aug. 16. 

- Constantinus Oeconomus in St. Petersburg 1832 Dec. 13. 

- Charl. Purton Cooper in London 1836 Febr. 18. 

- Degerando in Paris 1812 

- Delbrück in Bonn 1812 

- v. Frähn in St. Petersburg 1834 Dec. 4. 

Freytag in Bonn 1829 Dec . I0 . 

- Fries in Jena j 8I2 

- Del Furia in Florenz 1319 Febr. 4 

Geel in Leyden 1836 Jimi23 . 

- Geijer in Upsala 1836 Juni23 

Gesenius in Halle 1826 Juni22 

- Freih. v. Hammer -Purgstall in Wien. . . 1814 März 17. 

- Hase in Paris j 812 

Haughton in London 1837 Febr 16 

- C. F. Hermann in Marburg i 840 ]y ov 5 

v. Hormayr in Bremen 1829 Febr 12 

- Jomard in Paris 1821 Aug 16 

- Kopitar in Wien 1836 Juni 23 

- Kosegarten in Greifswald ]829 jj ec l0 

- Linde in Warschau 18I2 

- J. J. da Costa de Macedo in Lissabon . . . 1838 Febr. 15. 

Madvig in Kopenhagen , 836 Juni 23 

Finn Magnussen in Kopenhagen 1836 Juni 23. 

Mai in Rom 1822 Febr 2g 

Meier in Halle , 824 Juni , ? 

Millingen in Florenz 1840 Febr 13 

Mustoxides in Corfu , 8I5 Juni 22 . 

- de Navarrete in Madrid i 836 Febr I8 

- C. F. Neumann in München j 82 g D ec 10 

- v. Orelli in Zürich , S36 j uni 23 

Palgrave in London ]836 Febr J8 

- Pertz in Hannover , 840 Nov 5 

Peyron in Turin 1836 Fcbr , 8 

/. Pichering in Boston 1840 Fe br. 13. 

Et. Quatremere in Paris j 8 i 2 

Raoul-rwchette in Paris 1S32 April , 2 

C2 



XIV 



Dalitm d«T Wahl. 

Herr v. Reiffenberg in Brüssel 1837 Dec. 7. 

- Rosellini in Pisa 1834 Febr. 13. 

- Rofs in Athen 1836 Febr. 18. 

- Schaffarik in Prag 1840 Febr. 13. 

- Schneller in München 1836 Febr. 18. 

Schümann in Greifswald 1824 Juni 17. 

- Sinwnde - Sismondi in Genf 1812 

Thiersch in München 1825 Juni 9. 



WM iWfc-» i\W1IWit 



Physikalische 

Abhandlungen 

der 
Königlichen 

Akademie der Wissenschaften 

zu Berlin. 



Aus dem Jahre 

1841. 



Berlin. 

Gedruckt in der Druckerei der Königl. Akademie 
der Wissenschaften. 

1843. 

In Commission bei F. Dümmler. 



Inhalt. 



* »\\% ■V'fc'fc'» 



v. Buch über Productus oder Leptaena Seile 1 

KARSTEN" über die chemische Verbindung der Körper (siebente Abhandlung) .... - 41 

Magnus über die Ausdehnung der Gase durch die Warme - ölt 

Dove über Induction durch elektromagnetisirtes Eisen - 85 

MÜLLER über den Bau des Penlacrinus Caput Medusae - 177 

Weiss über das Krystallsystem des Euklases - 2411 

Link über den Bau der Farrnkräuter (vierte Abhandlung) - 283 

EHRENBERG : Verbreitung und Einflufs des mikroskopischen Lebens in Süd- und 

Nord - Amerika - 291 



über Productus oder Lcptaena. 9 

ben und verdrückt. Diese Unregelruäfsigkeiten zeigen sich vorzüglich in 
dem unteren Theile der Schaalen, der tief herabhängt und vom Thiere selbst 
nichts mehr, als Piespirationsorgane umschliefst. Daher entgeht diesem un- 
teren Theile auch das Ansehn der Symmetrie, wodurch alle Brachiopoden- 
geschlechter sich so besonders auszeichnen, und die auch bei allen Produc- 
ten ohne Mühe aufgefunden werden kann. Und dieses vorzüglich im Innern, 
wenn die äufsere umhüllende Schaale abgehoben und das innere Gerüst die- 
ser aui'serordentlichen Thiere dargelegt worden ist. Das gelingt freilich nur 
selten, und nicht leicht kann man erwarten, alle Theile auf demselben Stück 
ganz deutlich hervortreten zu sehen; doch ist es möglich, durch Zusammen- 
setzung aus dem, was man im Innern mehrerer Stücke bemerkt, sich eine 
klare Vorstellung der ganzen inneren Einrichtung zu verschaffen, und da sie 
bisher noch nirgends entwickelt worden, aber durch das Wenige, was man 
sah, zu sehr falschen Ansichten und Irrthümern verleitet hat, so ist es wohl 
nothwendig, darüber einige Worte zu sagen. 

Das Gesetz, nach welchem die Organe anderer Brachiopoden, vorzüg- 
lich in Terebrateln und Spirifer, vertheilt sind, verläugnet sich auch bei den 
Producten nicht. Die hier eng zusammenstehenden, ja sogar an einander ge- 
hefteten Zähne der Unterschaale werden, wie in allen Brachiopoden von den 
Zähnen der Oberschaale umfafst, und tragen, wie überall, auch hier das ganze 
Knochengerüst schwebend im Freien. Eine Scheidewand geht zuvörderst 
aus der Mitte der Zähne bis zur Hälfte der Schaale, und entläfst in einiger 
Entfernung, von beiden Seiten das Gerüst, welches die Spiralarme unter- 
stützt. Diese Spiralen wenden sich von Aufsen nach Innen und steigen 
mit ihrer Spitze gegen die Dorsalschaale herauf; sehr verschieden von Spiri- 
fer, wo diese Spiralen von der Mitte nach auswärts und auf einer, für beide 
Spiralen gleichen Spiralaxe fortgehen, aber ganz dem ähnlich, was wir in Or- 
bicula sehen, selbst in denen noch lebenden Arten (cf. Owen.). Diese 
Arme drängen mächtig gegen die Oberschaale herauf, und sie sind es vorzüg- 
lich, durchweiche diese Kerne oft wunderbare Formen erhalten. Sowerby 
hat viele solcher Kerne als eigene Arten aufgeführt, Productus humerosus, cal- 
vus,personatus und andere, ohnerachtet man ohne Mühe die Schaalen auffin- 
den kann, welche zu solchen Kernen gehören, und welche die grofsen Vertie- 
fungen im Innern verdecken und gröfstentheils ganz wieder ausgleichen. Auf 
der unteren, nie aber auf der oberen Schaale ziehen sich zwei glatte, glän- 
Phjsih.-math. Kl. 1841. B 



10 v. Buch 

zende, schmale Lamellen mit hervorstehendem Rande, divergirend von der 
mittleren Scheidewand, um die Basis der Arme. Wozu sie dienen, ist nicht 
recht deutlich, doch scheint es, als sei durch diese Lamellen den Armen, die 
darauf liegen, bei ihrem Anfange eine gröfsere Unterstützung gegeben. Hr. 
Höninghaufs hat sie fast auf allen seinenFiguren gezeichnet, woraus hervor- 
geht, dafs er nur Unterschaalen, nicht Oberschaalen hat abbilden lassen. — 
Zwischen den Buckeln der Arme und demSchlofs erscheinen die ebenfalls von 
den Zähnen ausgehende, gegen die Seiten divergirende, mächtige, langgezo- 
gene Muskeleindrücke, welche sehr tief in die Oberschale eindringen, und 
auf den Kernen eine bedeutende Erhöhung bilden. Auf ihrer Oberfläche sind 
diese Eindrücke tief gestreift, senkrecht herab, offenbar von dem Eindruck 
der dicken Fasern, aus welchen der Muskel zusammengesetzt war. Man sieht, 
wie sehr das Thier besorgt gewesen, das Öffnen der Schaalen zu verhindern, 
und sie, wenigstens in dem oberen Theile, welcher die Ernährungsorgane 
enthält, fest an einander zu schliefsen. Auf der unteren Schaale sieht man 
doch nur wenig von dem Eindruck dieses Muskels und keine Längsfasern. 
Zwischen den Armen und dem Schlofs erscheint eine an der Scheidewand 
herablaufende, seitwärts in eine stumpfe Spitze auslaufende dreieckige Erhö- 
hung, welche von ihrem Rande aus tief blattförmig eingeschnitten ist. Hr. 
Höninghaufs hat sie schön und richtig in vielen Figuren gezeichnet. Wel- 
ches Organ sie hervorgebracht haben mag, ist schwer zu enträthseln. Doch 
findet sich diese sonderbare Gestalt nur allein auf der unteren Schaale, höher, 
unter der Oberschaale, ist es nur ein rauher, mit vielen kleinen Öffnungen 
versehener Eindruck. — Die ganze innere Fläche beider Schaalen ist vom 
Schnabel bis zum äufsersten Rande mit einer unglaublichen Menge Spitzen 
besetzt, welche oft wie dicke Thränen hinter einander fortliegen oder auch an 
die Spitzen eines Hermelinmantels erinnern. Sie sind bei allen Productusarten 
so auffallend, dafs sie schon allein hinreichen, einen Productus von ähnlichen 
Formen zu unterscheiden; und sie sind es, welche Phillips, wie auch So- 
werby, verleitet haben, eine Menge Arten zu bilden, welche von anderen 
vorher bestimmten, aber noch mit ihrer Schaale versehenen Arten gar nicht ab- 
weichen. Dennoch ist es nichts, welches als etwas Ausschliefsliches den Pro- 
ducten zugerechnet werden könnte. Es sind, ziemlich offenbar, die verhärte- 
ten Wimpern oder Branchienansätze auf der inneren Seite, am Rande des 
Mantels, welche das Thier benutzt, aufserhalb des Mantels das Wasser in Be- 



über Productus oder Leplaena. 1 1 

wegung zu setzen und es zu den Branchialgefäfsen zu führen, die auch in feinen 
Adern am Rande des Mantels sich endigen. Weiden die Wimpern zu hart, so 
treten sie auf der inneren Seite des Mantels zurück, und neue Wimpern drin- 
gen hervor. Das ist eine Einrichtung, welche allen Brachiopoden gemein ist. 
Auf Terebrateln, vorzüglich auf den glatten, sind diese Wimperneindrücke, 
als unzählige kleine Poren, ganz deutlich, sobald die äufsere Schaale entfernt 
ist, und man wird sie, vorzüglich wenn man sie mit der Loupe aufsucht, nie- 
mals vermissen. Sowerby's Terebratula punctata, welche nur nach sol- 
chen etwas stärker hervortretenden Wimperneindrücken bestimmt ist, giebt 
von dieser Einrichtung ein sehr einleuchtendes Beispiel, und in der lebenden 
Terebratula dorsata erscheint im Innern der Schaale jede Spitze als der Mit- 
telpunkt, von dem feinere Wimpern nach dem Rande auslaufen, in Tere- 
bratula spinosa treten diese Wimperspitzen sogar über die äufsere Ober- 
fläche heraus. Es mag sein, dafs man nach Gröfse und Yertheilung dieser 
Spitzen bei den Productus Arten zu bestimmen vermag, doch gewifs nicht 
eher, als bis man sie genau mit ihrer äufseren Bekleidung verglichen hat. 

Die sonderbaren Röhren, welche an den Schlofsrändern der Pro- 
dueten hervortreten, und zuweilen auch auf ihrer Oberschaale, sind ihnen 
bisher noch ganz allein eigen geblieben, und daher sind sie ganz auszeich- 
nend für dieses Geschlecht. Sie scheinen eine Folge des festen Aneinander- 
schliefsens der Schaalen und des Mangels eines Heftbandes; denn da diese Er- 
scheinungen immer mit einander verbunden sind, so müssen sie wohl von 
einander in Abhängigkeit stehen. Doch wird eine Befestigung durch diese 
Röhren sehr zweifelhaft, wenn man sieht, wie bei Productus aculeatus, dafs 
sie in Länge die ganze Muschel übertreffen. Walch hat sehr wohl bemerkt, 
dafs diese Röhren mit der Muschel immer fortwachsen, denn im Innern sind 
Anwachslamellen gar gut zu bemerken, und das unterscheidet sie ganz we- 
sentlich von den Hermelinspitzen des Innern. Diese letzteren vergröfsern 
sich nicht, und wenn sie auch einen Theil der Schaale durchdringen, so blei- 
ben sie doch in der Schaale versenkt, mit ihrer Länge gleichlaufend und mit 
der Spitze nach unten. Die Röhren dagegen steigen auf, von den unteren 
Rändern abgewandt, und sind sie abgebrochen und verloren, so zeigen doch 
ihre Narben eine völlig zirkeiförmige Öffnung, senkrecht auf die Fläche der 
Schaale, wie das die Spitzen nie thun. — Auch werden Röhren, aufser am 
äufsersten Schlofsrande, niemals auf der Fläche der Unterschaale bemerkt, 

B2 



12 v. Buch 

dagegen aber bedecken die Spitzen das Innere der Unterschaale in gleicher 
Menge und mit derselben Vertbeilung wie sie die Oberschaale beobachten 
läfst. — Da die Röhren sehr leicht abbrechen, so wie auch die Schlofsrän- 
der der Producten, so geschieht es wohl, dafs man sie sehr häufig vermifst, 
auch wohl dafs man sie an einigen Arten noch gar nicht aufgefunden hat, al- 
lein gewifs nur, weil die Schaalen nicht vollständig erhalten waren, da so leicht 
die obere Bedeckung verloren geht, oder weil man diese Arten nur nach 
Steinkernen zu bestimmen im Stande gewesen ist. Man hat diese Röhren an 
so verschiedenen Arten entdeckt, und an vielen, welche in so naher Verbin- 
dung mit solchen stehen, an welchen sie noch nicht aufgefunden worden 
sind, dafs man alle Analogie aufgeben müfste, wenn man die Allgemeinheit 
der Erscheinung für alle Productusarten bezweifeln wollte. — Phillips und 
Sowerby haben überall Röhren und Branchienspitzen mit einander ver- 
wechselt. 

Endlich verdient auch wohl die lange Schleppe, welche die meisten 
Arten dieses Geschlechts hinter sich herziehen, unter ihren Eigenthümlich- 
keiten besonders ausgezeichnet zu werden. Nicht leicht ist eine ähnliche Er- 
scheinung bei anderen Muscheln zu finden. Der Mantel, seit er das Gerüst 
der Arme verläfst, fällt sogleich herab; gewöhnlich im rechten Winkel gegen 
die Richtung vom Schnabel aus. Je mehr aber hierdurch die ganz flach und 
dünn aufeinanderliegenden Schaalen sich herabsenken, um so mehr drängen 
sich die oberen und wesentlicheren Theile des Thieres nach der entgegenge- 
setzten Seite gegen das Schlofs. Auf diese Weise ist die Biegung des Schna- 
bels und sein Eingreifen in die Unterschaale immer der Schleppenfortsetzung 
der unteren Ränder gemäfs und hält ihr gewissermaafsen das Gleichgewicht. 
Wie verschieden daher die Form des Ganzen sein müsse, ehe der Mantel sich 
herabgesenkt hat, in der ersten Jugend der Muschel, ist einleuchtend und 
klar. Der Schnabel wird dann nur noch wenig in die Unterschaale eingrei- 
fen, und das Mifsverhältnifs beider Schaalen wird weniger auffallend hervor- 
treten. 

Von der Eintheilung der Producten. 

Könnten wir von allen Producten das Innere genau untersuchen, c ,"> 
würden wir über Eintheilungsgründe der Arten nicht in grofser Verlegenheit 
sein. Allein diese Untersuchung ist nur selten möglich und auch wohl nie- 



über Procluctus oder Leptaena. 13 

nials vollständig genug. Die äufsere Form aber ist in derselben Art so vie- 
len Veränderungen und Zufälligkeiten unterworfen, dafs man kaum wagen 
darf, sie in einer Beschreibung aufzunehmen, viel weniger noch Arten dar- 
nach zu bestimmen. Nach vielen Versuchen scheint es am zweckmäfsigsten, 
die Producten zuerst in solche einzutheilen, deren Oberschaale auf dem 
Rücken ohne Einsenkung völlig gewölbt ist, Dorsati, und solche, welche 
in der Mitte des Rückens durch eine flache und breite Furche getheilt sind, 
Lobati; eine Furche, welche durch die Entfernung der beiden aufsteigen- 
den Kegel der Arme entsteht, zwischen welchen der Mantel und somit auch 
die Schaale einsinkt. Da diese gröfsere und geringere Entfernung nicht als 
aus einer wesentlich verschiedenen Organisation entsprungen angesehen wer- 
den kann, so ist es klar, dafs der ganze Eintheilungsgrund nicht sehr tief auf- 
gefafst ist. 

Die Streifen der Oberfläche der Schaalen gehören unstreitig zu den 
Hauptkennzeichen der Arten, um so mehr da nur wenige Arten ungestreift 
gefunden werden. Diese Streifen sind niemals dachförmig mit flachen Sei- 
ten, wie die Falten der Spirifer, sondern abgerundet wie Fäden. Sie sind 
immer getheilt in ihrem Fortlauf; allein auf zweierlei Art. Die Zertheilung 
geschieht nehmlich entweder 1) durch Einsetzung, oder 2) durch Zer- 
spaltung. Im ersteren Falle, der Einsetzung, erscheint im Zwischenraum 
zweier Fäden ein schwacher Anfang eines neuen Fadens, der mit keinem der 
Fäden zur Seite zusammenhängt. Er wird bald stärker und erreicht in we- 
nigem Fortlauf die Stärke seiner Nachbarn, welche er dann beibehält. Bei 
der Zertheilung durch Zerspaltung hingegen geschieht diese Theilung auf 
Kosten eines bestimmten Fadens oder Streifens. Er wird in der That in 
zwei Hälften zerspalten, von denen jede einen kleinen Raum fortzulaufen 
hat, ehe sie die ursprüngliche Breite wieder erreicht. Productus giganteus 
oder comoides ist hierdurch ohne Mühe vom Productus antiquatus oder Mar- 
tini zu unterscheiden. 

Auch die Anwachsstreifen sind ein vortreffliches Kennzeichen. Sie bil- 
den, wo sie mit Längsstreifen deutlich und scharf hervortreten, ein sehr auf- 
fallendes Gitter auf der Obei-schaale, allein, merkwürdig genug, immer nur so 
T*-eit diese Oberschaale nicht umgebogen oder schleppenartig fortgezogen oder 
producirt ist. Auf dieser Schleppe selbst sind keine Anwachsstreifen zu fin- 
den. Es ist daher einleuchtend, dafs auch diese Produktion wohl Beachtung 



14 v. B u c h 

verdient; doch bleibt ihre Betrachtung immer nur von sehr untergeordnetem 
Werthe. — Und so auch die Form des Ganzen. Productus aculcatus des 
Zechsteins findet sich quadratisch, oder langgezogen, oder fast kugelförmig und 
in vielerlei anderen Gestalten, ohne doch seine Natur zu verändern, welche 
aus der Lage und Vertheilung der Röhren und aus der völlig glatten Ober- 
fläche mit Bestimmtheit erkannt wird. Das Verhältnifs von Länge und Breite 
kann daher bei diesen Muscheln nur mit grofser Behutsamkeit angewandt 
werden. 

Ob die Form und die Vertheilung der Spitzen so wichtig sind, dafs 
nach ihnen Arten bestimmt werden können, ohne weder das innere Gerüst, 
noch die äufsere Oberfläche zu kennen, wie Sowerby und Phillips so oft 
gethan haben, ist doch sehr zu bezweifeln. Die Spitzen dringen freilich oft 
sehr tief in die Schaalen und stehen sogar über die äufsere Oberfläche hervor, 
und das mag wohl eine Art begründen können (Productus spinulosus); allein 
die Länge dieser Spitzen und ihre Menge ist sehr vielen Veränderlichkeiten 
ausgesetzt, wie das bald aus den Stücken, die an demselben Ort gefunden 
werden, deutlich hervorgeht. 

Dagegen sind die Röhren am Schlofs von gröfserer Bedeutung; denn 
es scheinen unverändei'liche und wesentliche Organe des Thieres zu sein, 
bald erscheinen doppelte Reihen von Röhren am Schlofs, eine auf jeder 
Schaale, bald sind es nur wenige in einfacher Reihe, dann wieder gar viele 
dicht neben einander, bald sind sie nur am Schlofsrande befindlich, dann 
wieder über die Oberschaale zerstreut oder gegen den Rand herunter in Rei- 
hen geordnet. Und diese Vertheilung scheint auf jeder Art ganz gleichmäfsig 
zu sein. Die Beschreibung oder die Kenntnifs einer Art kann daher nicht als 
vollständig angesehen werden, so lange die Lage und Vertheilung der Röh- 
ren auf ihrer Oberfläche unbekannt bleibt. 

Nach diesen wesentlicheren und einigen anderen untergeordneten 
Kennzeichen habe ich die verschiedenen Arten der Producten so scharf als 
möglich zu umgränzen und zu beschreiben versucht, immer mit der Ansicht, 
dafs Alles von verschiedenen Orten, was in Hauptsachen übereinstimmt, als 
gleich angesehen werden müsse, und Alles, was in Kennzeichen von geringe- 
rem Werthe abweicht, nur als Abänderung angesehen werden könne. Petre- 
factologen, welche hierauf nicht achten, sind ganz solchen Naturforschern 
ähnlich, die eben so viele Menschenspecies annehmen wollten, als es Völker 



über Productus oder Leptaena. 15 

in der Welt giebt. Ein Chinese gleicht zuverlässig einem Spanier weit we- 
niger, als die meisten der Productusarten, die Phillips aufstellt, es unter 
sich thun. Die ganze Menge der bekannten Arten wird hierdurch um ein 
Bedeutendes vermindert, und statt einiger dreifsig werden sie die Zahl von 
acht oder zehn verschiedenen Arten kaum übersteigen. 

Von der geognostischen Vertheilung der Producten. 

Das eben macht die genaue Kenntnifs der verschiedenen Arten von 
Producten der Gebirgslehre so wichtig, dafs sie überhaupt nur auf eine gar 
schmale und enge Zone in der Reihe der Gebirgsarten eingeschränkt sind. 
Wo sie in Menge erscheinen, wo Productus giganteus, como'ides, antiquatus 
in den Kalksteinen hervortreten, da ist man sehr gewifs von der grofsen 
Steinkohlenformation nicht sehr weit entfernt. In früheren, silurischen 
Schichten, selbst in den oberen sind sie nur selten, und können in ihnen fast 
nur als Fremdlinge angesehen werden, auch sind es keine von denen, die der 
schleppenartige Fortsatz der Schaalen so auffallend macht. In neueren 
Schichten aber, über dem Kohlengebirge, wird das ganze Vorkommen der 
Producten mit dem Productus aculeatus {horridus, cah'us, humerosus) des 
Zechsteins (magnesian limestone) scharf und schneidend beendigt, und von 
der ganzen Form findet sich seitdem, und noch weniger in der lebenden 
Schöpfung irgend etwas ähnliches wieder. Man könnte daher die ganze For- 
mation des Kohlenkalksteines sehr viel bezeichnender Producten- oder 
Leptänenkalk nennen; um so mehr, da er sich doch über grofse Räume 
ausdehnen kann, ohne dafs Steinkohlen darauf folgen, und wiederum es nicht 
eben nothwendig ist, dafs er jederzeit als Trennungsglied zwischen siluri- 
schen und Kohlenschichten wirklich vorkommen müsse. So ist er in der 
That in Deutschland recht selten. Es ist bekannt, welchen grofsen Raum 
die Transitionsgebirge in der Mitte von Deutschland einnehmen. Der gröfste 
Theil der Ardennen, des Hundsrücks, der Eyfel, des Westerwaldes, 
des Taunus, des Harzes, des Fichtelgebirges, des Voigtlandes sind 
daraus gebildet. Allein diese Transitionsschichten gehören überall zu älte- 
ren Bildungen. Unter allen mannigfaltigen Versteinerungen, welche darin- 
nen vorkommen, finden sich keine Producten, und nur an den äufsersten 
Rändern erscheinen sie als einzeln für sich stehend und ohne Zusammenhang. 



16 v. Buch 

So sieht man sie in der Nähe von Hoff, bei Trogenau nnd hei Plansch- 
witz, so bei Ratingen an der Ruhr, wo die Kohlenschichten ihnen in we- 
niger Entfernung darauf folgen. Einen zusammenhängenden Productenkalk, 
Bergkalk oder Kohlenkalk würde man auf einer Karte Deutschlands gar nicht 
angeben können. Anders ist es, sobald man die Maas überschreitet; schon 
lange sind die Producten von Vise bei Maastricht, von Choquier, von 
Namur, von Dinant, von Tournay bekannt. Die Productenschicbten 
begleiten hier die Kohlen ununterbrochen fort, und selbst am westlichsten 
Ende bei Boulogne erscheinen sie wieder. Sie bilden die östliche Begren- 
zung der grofsen Mulde, die sich über Belgien und dem gröfseren Theile 
von England und Schottland verbreitet und die in ihrem tiefsten Punkte vom 
Canal, wie von einer Axe, durchschnitten wird. — Eine ähnliche Mulde fin- 
det sich im Innern von Nordamerika wieder. Der Staat von New -York ist 
vom Atlantischen Meer bis zu den Kanadischen Seen von Productenkalkstein 
umgeben, und in gleicher Ausdehnung haben ihn Reisende und Amerika- 
nische Geognosten an der westlichen Seite des Missouri gefunden. Den un- 
ermüdlichen tüchtigen Naturforschern Aleide d'Orbigny und Pentland 
verdankt man die Kenntnifs der grofsen Verbreitung eben dieses Producten- 
kalksteins mit Producten, welche den Europäischen ganz ähnlich sind, auf 
der Höhe der And es im Staat von Bolivia, an der östlichen Seite des Sees 
von Titicaca und bis zum Gipfel der höchsten Berge der Erde. Eine an- 
dere Mulde, der Westeuropäischen ähnlich, verbreitet sich in kolossalem 
Maafsstabe zwischen Finnland, dem südlichen Theile von Rufsland und 
dem Ural, und eben, wie in dieser, erscheint auch nun hier der Producten- 
kalkstein in ungeheurer Ausdehnung fort. Viele aufmerksame und geistreiche 
Beobachter haben ihn von den Ufern des Eismeeres bis zum Ausfiufs des 
Dniepr verfolgt, und die Resultate dieser Untersuchungen sind auf die an- 
schaulichste Art auf den Charten aufgetragen, welche man dem Baron von 
Meyendorf, dem Herrn von Helmersen und vorzüglich der kritischen, 
umsichtigen und lehrreichen Arbeit des Herrn Adolph Erman verdankt. 
Deutschland und die Skandinavische Halbinsel bilden einen Damm zwischen 
diesen beiden Europäischen Mulden, welchen der Productenkalk in Deutsch- 
land kaum erreicht, in Schweden und Norwegen aber gar nicht. Denn in 
diesen Ländern, welche silurische Schichten bis zum Polarkreise aufweisen 
können, ist doch von Producten des Bergkalks noch keine Spur entdeckt 



über Productus oder Leptaena. 1 7 

worden. — Eine Versuchsarbeit auf Kohlen in Schlesien hat vor wenigen 
Jahren bei Altwasser ohnweit Waidenburg eine Menge organischer Reste 
an den Tag gebracht, welche in einem kleinen Räume alles vereinigt zeigen, 
was in Rufsland auf so ausgedehnten Landstrichen aufgefunden worden ist; 
unter ihnen auch die Producten in gewaltiger Gröfse, und ähnliche erschei- 
nen auf einem kleinen Punkte bei Neudorff in der Grafschaft Glatz und 
bei Falkenberg. Das sind die einzigen Orte ihres Vorkommens in Schle- 
sien. In der Schweiz, in Italien hat man sie bisher noch nirgends gesehen, 
in den Alpen bis jetzt überhaupt nur allein ganz unerwartet zwischen Jura- 
schichten am Fufse des Bleiberges inKärnthen. Sehr viel von diesen Gestei- 
nen mag durch Granithebungen zerstört oder in eine neue Form gebracht 
worden sein. 



Phjsih.-math. Kl. 1811. 



18 



v. 



Bu 



c II 



C L AVI S. 



10. 



Prodtjcten oder Leptänen erscheinen: 
1. Mit gewölbtem Rücken. DÖRSATI. 2. 

LOBATI. n. 

LOBATI. 

Die Obersehaale schleppenartig herabhan 
gend. 



Mit flachem oder eingesenktem Rücken. 



DORSATI. 
Die Obersehaale schleppenartig herabhan- 
gend. Producirt. 3. 
Die Obersehaale ohne schleppenartigen 
Fortsatz. Nicht Producirt. 5. 
Die Prodnction unsymmetrisch, vom 
höchst schmalen Schlofs aus, sehr lang 
und weit verbreitet. Pmduclus lirnae- 
formis. (Nowgorod. Vise. Anglesea. 
Lima tvaldaira.) 

Die Production wenig breiter, als das 
Schlofs, oder schmaler. 4. 
Mit flachen, dünn aufeinanderliegenden 
Ohren am Schlots. Productus coruni'des. 
(Vise. Eolland. Ratingen. Altwasser.) 
(Pugilis Ph.) 

Mit dick aufgebläheten Ohren am Schlofs. 
Productus gigantcus {personatus, auritus 
Ph. Editturghensis. I*hJ) (Nowgorod. Der- 
byshire.) 

Mit Längsstreifen, welche über die An- 
wachsrunzeln hervortreten. 6. 
Mit Anwachsringen oder Runzeln, welche 
die Längsstreifen verdecken. 9. 
Schlofs um vieles breiter, als die Mitte 
der Schaale. Productus latissimus. (Ale- 
xin und Tarousa an der Okka. Czerna 
bei Krakau. Yorkshire.) 
Schlofs kürzer, als die Mitte der Schaale. 7. 
Ohne bemerkbare Anwachsringe. Querob- 
long. Productus sarcinulatus. Scblotth.: 
(Leptaena lata.) (Silurisch. Gothland. Ey- 
fel. Wales, auch Ratingen.) 
Mit Anwachsrunzeln oder Ringen. 8. 
Mit feinen flachen Streifen. Queroval. 
Productus Scoticus. 

Mit groben runden Streifen. Productus 
margaritaceus. (Vise.) 
Mit dachförmigen entfernten Anwachsrin- 
gen. Productus fimhriatus. (Sow. 459, 1.) 
(Refrath bei Rensberg, silurisch. Pafrath.) 
Mit runden naheliegenden Anwachsrun- 
zeln oder Streifen. 10. 
Schlofs gröfser, als die Breite der Mitte 
der Schaale. Productus spinutosus. (Sow. 
68, 3.) (Altwasser. Vise. Geroldstein.) 
Schlofs schmaler, als die Breite der Mitte. 
Productus aculeatus. (Martin: 1808. Sow. 

68, 4.) 



11. 



Producirt. 12. 
Die Obersehaale ohne schleppenartigen 
Fortsatz. Nicht Producirt. 

12. Rücken breit; am Schnabel nicht einge- 
senkt. 13. 

Rücken bis in den Schnabel eingesenkt. 14. 

13. Seiten mit dem Schnabel in gleicher 
Ebene. Productus plicalilis. (Sow. 459, 
2.) (Ratingen. Vise. Donetz. Podolsk 
bei Moskau.) 

Seiten herabhangend. Productus Martini. 

14. Glatt. Productus horridus (aculeatus 
Schlotth.). (Zechstein Gera. Lauban. 
Büdingen. Durham.) 

Quer- oder längsgestreift. 15. 

15. Mit Längsstreifen, welche über die An- 
wachsrunzcln hervortreten. 16. 

Mit Anwachsringen oder Runzeln, welche 
die Längsstreifen verdecken. Productus 
punclatus. (Sow. 823.) (Derbysbire. 
Vise. Alexin an der Okka. Cork.) 

16. Längsstreifen rund, mit den Intervallen 
gleich breit. 17. 

Längsstreifen breiter als die Intervalle. 
Productus coslatus (sulcatus Sow. 560, 1. 

319, 2.) 

17. Stark gestreift, am Schnabel gegittert. 18. 
Seidenartig gestreift. Productus concin- 
nus. 

18. Ohne bemerkbare Röhren auf dem Rük- 
ken. Grofs. Productus anlü/uatus (Sow. 
317,1-6.). (Ratingen. Vise\ Kirilow.) 
Vier Röhren im Halbkreis auf der unte- 
ren Hälfte des Pvückens. Productus lo- 
batus (Sow. 318, 2-5.). (Altwasser. Nor- 
den von England.) 



über Produclus oder Lcptacna. 19 

DORSATI. 

1. PRODrcTrs Gigas oder giganteus. 

Martin Foss. Derb. pl. 15. 16. Sowerby 320. Fischer Moskau T. XXI. Sowerby 561 Pr. 
hemisphaericus. Sow. 321 Pr.personatus. Innere Kern. Phillips "VIII, 5. VII, 5 Edilburg- 

hensis. VII, 4 auritus. 

Oft von der Gröfse einer mäfsigen Hirnschaale. Der breite Schlofs- 
rand geht weit über die Schaalen und endigt sich mit zwei, nach oben hin 
sehr aufgebläheten Hörnern. Das den Producten gewöhnliche flache Ohr an 
den Seiten wird zu einer Wulst, mit welcher der obere Schlofsrand 
den unteren überragt und umfafst. — Der Rücken ist mächtig erhoben, 
halbkuglich sogar, und dadurch wird der Schnabel so tief hinabgedrückt, 
dafs eine Linie von der Spitze zum unteren Rande der Schleppe gar oft sehr 
nahe der Durchmesser einer Halbkugel wird, von welcher der Rücken die 
Oberfläche bildet. Feine Streifen laufen über die Schaalen; aber mit weniger 
Regelmäfsigkeit. Sie dichotomiren durch Einsetzung, laufen auch nicht selten 
wieder zusammen und werden von anderen Streifen verdrückt und zerstört. 
Dort, wo die Erhöhungen der Spiralarme sich endigen, allein nicht eher, 
wird die Schaale in dicke,, unregelmäfsige, herabhängende Falten 
producirt, Falten, welche auf der langen Schleppe bald sich zertheilen, 
bald sich übereinanderlegen und eine unter der anderen verschwinden; ganz 
so wie man sie an einem von einer Wan$ herabhängenden breiten Teppich 
bemerken würde. Die beiden überaus stark längsgestreiften Muskeleindrücke 
unter der Oberschaale gehen, zu beiden Seiten, über die Erhöhungen der 
Spiralarme heraus. — 

Mit Recht hat Martin diesen Productus den Namen des Riesigen gegeben; ihm kommt 
an Gröfe kein anderer gleich. In Breite sieht man ihn bis zu einem Fufs grofs; in Länge bis zu 
neun Zoll. Und doch ist es ein sehr kleines Thier im Verhältnifs dieser mächtigen Ausdehnung. 
Die Schaalen liegen so nahe über einander, dafs nicht ein Zoll, kaum noch ein halber Zoll für 
die Erhebung der Spiralarme übrig bleibt, und die wesentlichen Theile des Thieres, Ernährungs- 
organe, Ovarien, Leber und Spiralarme erfüllen nicht den dritten Theil der ganzen Ausdehnung 
der Schaale. — Das Aufgeblähete der Homer unterscheidet besonders diese von ähnlichen Ar- 
ten. Es entsteht daraus ein so starkes Herabbiegen der Schlofskante nach Innen, dafs ihr Rand 
gewöhnlich im Gestein versteckt bleibt; daher werden die Röhren auf diesem Rande nur selten 
hervortreten. — Mit einiger Aufmerksamkeit entdeckt man sie doch leicht in Menge, abgebro- 

C2 



20 v. B u c 



ri 



chen, glatten Dentalien gleich, im Gestein umherliegen. Ihre Narben stehen auf der Kante 
ziemlich entfernt von einander, vielleicht nur zehn auf jeder Seite, da ähnliche Arten bei glei- 
cher Gröfse wohl doppelt so viel aufweisen können. Auch stehen nicht selten Röhrennarben 
auf dem Rücken der Schaale zerstreut; eine Gesetzmäfsigkeit läfst sich jedoch in ihrer Verthei- 
lung nicht auffinden. — Die Anwachsrunzeln auf der oberen Fläche bis zur Schleppe sind sehr 
unregelmäfsig; sie laufen oft wieder zusammen, entstehen auch wohl erst in der Mitte. Wie ge- 
wöhnlich verschwinden sie auf dem producirten Theile. — Unter den sehr dicken gestreiften 
Schaalen erscheinen die Eindrücke der Rranchienspitzen sehr gedrängt und in engen Linien ne- 
ben einander; es ist ganz deutlich, wie diese Spitzen es sind, welche den Mantel zu feinen 
Streifen erheben und auf diese Art auch mit feinen Streifen die Schaalen bedecken. 

Im Tnncru treten die längsgestreiften Muskeleindrücke weit über die Spiralarme seit- 
wärts heraus, das ist für die Art sehr eigenthümlich. 

In Rufsland glaubt man sich überzeugt zu haben (G. von Helme rsen), dafs Pr.gi- 
ganleus nur unteren Schichten des Kohlenkalkes eigenthümlich sei, in den oberen dagegen Spi- 
rifer mosquensis (chorisllles') ihn gleichsam vertrete. Reide fliehen sich, sagt Graf Keyserling. 
In der That stehen die Schichten, welche die Producten enthalten, den älteren Schichten viel 
näher, als die, in denen man sie vermifst. So finden sie sich, und wie es scheint, gar nicht sel- 
ten zu Rorowitschie an der Msta, Nowgorod, am Flusse Kamenka und am Flusse Re- 
laja bei Podborje, beide in demselben Gouvernement. Und ganz kolossal südwärts von 
Moskau an der Okka bei Serpoukhoff, bei Taruga und Alexin im schwarzen Kalkstein, 
und wahrscheinlich unter dem weifsen, kreideartigen Kalkstein von Miatsko wa und P o dolsk, 
wo man diesen Productus nicht fand. 

Auch in England scheint Pr. giganteus nur unteren, zum Theil mit Kohlen abwechseln- 
den Schichten zu gehören, wenn auch die Englischen Geognosten dieses nicht ausdrücklich ver- 
sichern. Aidstone Moor, Hawes, Askrigg, Dentdale, Rokeby, in Yorkshire, 
die Phillips anführt, werden alle von tieferen Schichten umgeben; dahin gehören auch die 
von Ruxton in Derbyshire und Closeburn, Myniddcareg bei Kidwelly, Caermar- 
thenshirc, auch in Cumberland. Ganz so, wie in Rorowitschie, erscheint er wieder bei 
Altwasser und Falckenberg in Schlesien, wenn auch weniger häufig, als die nahe verwandten 
Arten. — In den Catskill mountains, Albany und Lexington, New -York (Höning- 
haufs). 

Mit aller Mühe ist es unmöglich, irgend etwas Wesentliches aufzufinden, was Pr. gigan- 
teus von Pr.hemisphaericus (S o w. 5öt. 32S) als Art mit Restimmtheit unterscheiden könnte. 
Sowerby sagt, es fehlten dem letzteren die (Rranchien-) Spitzen, welche er doch selbst (F. 3) 
im Innern der Schaalen zeichnet; die Reschreibungen aber sind zu wenig scharf und abson- 
dernd, um leiten zu köunen. 



über Productus oder Lcptaena. 21 

2. Productus comoldes. 

T. I, F. t. 2. 3. 
Sow. 329- Phillips Yorkshirell, vn, 4. vm, 6 Pr. pugilis. 

Sehr grofs. Bis über acht Zoll in der Breite. Die Seiten des Schlofs- 
randes treten über die Schaale hervor, von beiden Seiten, als Flügel, die 
bis zur Erhebung der Oberschaale ganz flach und dünn sich her- 
abziehen. Trennen sich nun beide Schaalen vom Flügel, so glaubt man 
eine flache bis zur Schlofsmitte fortsetzende Area zu sehen, auf 
■welcher die Röhren wie seukiecnte Streifen herabgehen. — Die Streifen 
der Flächen sind sehr fein, im Ganzen gleichlaufend und vorzüglich nur auf 
der Schleppe durch Einsetzung zertheilt. Sie sind doch auch häufig ganz 
wellenförmig, auf einander geworfen und im Fortlauf unter einander ver- 
steckt. Auf der Schleppe erheben sie sich, wenn auch nicht jederzeit, zu 
dicken Falten, wie an einem herabhängenden Teppich. Anwachsrunzeln 
durchschneiden die Längsstreifen in wenig concentrischen, oft in einander 
fliefsenden Kreisen. Viele kleine Röhren auf dem Schlofsrande, nahe an 
einander, wohl mehr als zwanzig auf jeder Seite. 

Es ist schwer, hinreichend durchgreifende Merkmale zu finden, welche Pr. comöides 
wesentlich als Art von/V. giganteus unterscheiden. Die feinen und gekämmten Streifen, welche 
dem ersteren hesonders eigenthümlich sein sollen, erscheinen nur, wenn die weifse Schaale voll- 
kommen erhalten, nicht aber, wenn sie abgesprengt und verloren ist, und das bemerkt man auf 
dieselbe Art bei Pr. giganteus, nur weniger häufig, wahrscheinlich weil die Schaale mehr ge- 
wölbt ist, und daher leichter abspringt. Es bleibt nur noch als entscheidend das flache Ohr, in 
welches der Schlofsrand auf jeder Seite ausläuft, und die falsche Area, welche erscheint, wenn 
Ober- und Unterschaale, wenigstens in diesem Theile, von einander getrennt sind. Sowerby 
hat diese Area auf allen seinen Figuren gezeichnet und findet darinnen auch, mit Recht, etwas 
Unterscheidendes für die Art; weniger hat sie Phillips beachtet {Pr. pugilis). Er begnügt sich 
anzuführen, dafs die Ohren scharf und mit Dornen besetzt sind. Allein besser ist die Zeichnung, 
auf welcher die Röhren, nicht Dornen oder Spitzen, erscheinen, wie sie auf der scheinbaren 
Area fortstehen, vom unteren Rande der Area herauf, wo sie zwischen beiden Schaalen ver- 
steckt bleiben, bis sie am oberen Rande hervortreten und sich verbreiten. Phillips' Zeichnung 
Iäfst übrigens auch noch gut beobachten, wie auf der Schleppe sich die Streifen zu dicken Fal- 
ten erheben. — Die Menge der Röhren ist recht auffallend und mag um so mehr als 
Kennzeichen der Art hervorgehoben werden, da sie oder doch die zurückgebliebenen Reste am 
Rande, oder die Röhren, abgebrochen und im Gestein umherliegend, sich leicht beobachten 



22 v, Buch 

lassen. Auf einem Räume, auf welchem bei anderen Producten nur fünf oder sechs Röhren ste- 
hen, würden hier schon zwölf gezählt werden können. 

Von Pr. pücaiilis, wenn bei diesem die gitterartige Zeichnung des Rückens weniger 
hervortritt, unterscheidet sich Pr. comoi'des durch den fehlenden Sinus auf der Schleppe und 
durch das stete Dichotomiren der feinen Streifen durch Einsetzung, in den viel stärkeren 
Streifen des Pr. plkatilis geschieht es durch Zerspaltung. In der That ist die Wölbung und 
Erhebung des Rückens bei Weitem nicht so stark, als bei Pr.giganteus, zuweilen wohl so breit, 
dafs er an Pr.plicaiilis erinnert. 

Im weifsen Kalkstein von Ratingen an der Ruhr mit Pr.antiquatus und punctalus, 
eben so weifs zu Choquier hd Lattich, schwarz zu Vise an der Maas, zu Lunelle bei 
Boulogne (Verneuil), wo Pr. Martini noch höher vorkommen soll. Bei Hausdorff und 
Falckenberg in der Grafschaft Glatz mit Rostellaria angulata, Pr.antiquatus und sarcinula- 
tus (lata), wie bei Choquier. Und durchaus diesen Schlesischen ähnlich, eben so schwarz, 
eben so grofs und flach, mit ganz gleicher Streifung und Röhrenmenge, Röhren, die wohl Zoll 
lang wie glänzende, gekrümmte Fäden umherliegen, am Flufs Kamenka, Gouv. Nowgorod. 
An den Stromschnellen der Msta über Rorowitschie. Sehr grofs zu Tarousa an der 
Okka; in England, Bolland in Yorkshire, Conishead, Llangavenny auf Angle- 
sea; bei Sparta, Grafschaft Francklin, New Yersey mit Spirifer striatus, im Wiener Ca- 
binet. An der Ostseile des Urals, am Flufs Läla beiBoguslowsk und nahe bei Kamenki 
Südost von Katharinenburg (Rose Rerl. Cabinet.). 



3. Prodüctüs limaeformis. 

T.I. F. 4. 5. 6. 

Lima waldaica Beilr. zur Best, der Geb. in Rufsland p. 63. Fischer Gouv. deMoscou T. xix, F. 4 

Mytilus elongalus sehr unvollkommen. 

Das Schlofs ist ungemein klein, kaum den dritten Theil so grofs, 
als die Schaale breit, oder den vierten Theil, als sie lang ist. Zwei flache 
Ohren gehen von den Schlofsecken zur Seite herunter. Die Schaale hebt 
sich schnell, von der Schlofsmitte herauf und verbreitet sich sogleich 
weit auf den Seiten. Sie verliert alle Spur von Symmetrie, und zeigt sich 
in mannigfaltig veränderten Formen in Hinsicht des Verhältnisses der Länge 
zur Breite, oder eines Kieles auf dem Rücken, der fast stets einem Seiten- 
rande viel näher liegt, als dem anderen, — eine Mytilusform. So sind 
auch die feinen abgerundeten Streifen, welche sehr zierlich, die ganze Ober- 



über Productus oder Leptaena. 23 

fläche bedecken. Schon vom Wirbel aus wenden sie sich ganz an den Rand, 
den sie fast im rechten Winkel erreichen. Neue Streifen erscheinen durch 
Einsetzung zwischen den älteren in solcher Menge, dafs sie überall gleiche 
Stärke behalten. Anwachsrunzeln, mehr oder weniger stark, durchschneiden 
die Streifen und suchen alle das schmale Schlofs in stark erhobenen 
Falten zu erreichen, wodurch sie völlig drei Viertheile eines Zirkelbogens 
einnehmen. 

Alles Anselin von Symmetrie ist in diesen, ganz ungesetzmäfsig scheinenden Gestalten 
verschwunden, und gern würde man •sie aus der Reihe der Producten verweisen, wären sie 
nicht durch Schlofs, Anwachsrunzeln und vorzüglich durch die Streifung gar zu nahe mit Pr. 
como't'des verbunden, so sehr dafs man alle Unregelmäfsigkeit dem gar zu wenig ausgedehnten 
Schlofsrande beizumessen geneigt wird, der nicht im Stande ist, die Ausbreitung der Schaale 
gehörig in Ordnung zu hallen. Die Schaalen selbst sind so ungemein dünn (wie bei Mono- 
tis salinuria), dafs man noch nie innere Abdrücke von Muskeleindrücken oder Spiralarmen hat 
auffinden können. — An den Ohren sind doch unter der Schaale Branchienspitzen ziemlich 
deutlich, und auf dem Rücken, wo die Streifen einem Hindernifs auszuweichen scheinen und 
sich biegen, geschieht es durch eine kleine Warze, welche einer Röhrennarbe ganz ähnlich ist. 
Auf Stücken von Vise mit breitem Rücken und halbzirkelförmigem Umrifs, in Hrn. Rey rieh's 
Sammlung, sind auch am Schlofsrande Röhrennarben nicht zu verkennen — gewöhnlich 2<, Zoll 
lang, liZoll breit — . 

Die nahe Verwandtschaft mit Pr. comoides wird noch mehr unterstützt, wenn man sieht, 
dafs beide fast überall zusammen vorkommen. Am Fufse der Waldaihügel in RuTsland am 
Flufs S tolobenka und an den Ufern der Prikscha unweit der Msta, beide im Gouv. Now- 
gorod, wie ein Conglomerat aufeinander, eine Schaale dicht in die andere gedrängt, meistens 
von Mytilusform, seltener (an der Stolobenka) von orbiculärem Umrifs, mit Sanguinolan'a sul- 
cata, welche obere Schichten bezeichnet, an der Mosch inka bei Zvenigorod, Moskau. — 
In schwarzem Kalkstein zu Vise an der Maas; in sehr weifsem Kalkstein, hochgewölbt und 
sehr in die Rrcite ausgedehnt zu Redwharf auf Anglesey, im Berliner Cabinet. — Zu 
Grobowsk, Urals Westseite unfern der Tschussowaja. (Rose Berl. Cab.) 

4. Prodxtcttjs latissimus. 
Sow. 330. Phillips VIII, 1. 

Das Schlofs ist viel breiter, als die Mitte der Schaale. Diese ist wenig 
oder gar nicht producirt. Ihre Seiten laufen schnell zusammen, von den 



24 v. Buch 

Schlofsecken gegen den Rand, so dafs der Umrifs des Ganzen zum stumpfen 
Dreieck wird, mit sehr breiter Grundfläche. Die Ohren sind aufgebläht, und 
diese Wulst setzt gleichmäfsig fort über die ganze Breite der Schaale. Die 
Streifen der Oberfläche haben eine ungewöhnliche Regelmäfsigkeit. Sie zer- 
theilen sich nur wenig und gleichen Zwirnsfäden, die, vorzüglich in der Mitte 
des Rückens, zuweilen über einander gelegt sind. Dünne Röhren (nicht 
Spitzen) stehen über die Oberfläche des Rückens zerstreut. 

Diese Form bleibt sieb an den verschiedenen Orten ihres Vorkommens so gleich, dafs 
man sie wohl als für Eine Art bestimmend erkennen nuifjs; ihre grofse Breite, das Zusammenlau- 
fen der Seiten, das Convoluie nach Richtung der Breite, endlich auch die nie fehlende sehr spitze 
kleine Nadeln (Röhren), welche hin und wieder sich auf den Streifen erheben, geben dem Gan- 
zen einen schnell auszeichnenden Anblick. Der Rücken ist nicht immer schwach gewölbt, son- 
dern sogar auch schon zuweilen breit und flach eingesenkt, daher auch die Fäden oder Streifen 
eine Neigung zeigen, sich in der Mitte aufeinander zu legen. Sehr lange und glatte, dentalien- 
gleiche, aber nur nadelstarke Röhren, liegen in Menge im umgebenden Gestein, vorzüglich in 
der Nähe des Schlosses. Die Unterschaale ist noch nicht gesehen worden, sie scheint tief in der 
Oberschaale versenkt. 

In unteren Schichten des Kohlenkalks; vorzüglich schön und familienweise versam- 
melt zu Czerna, Nordwest von Krakau, bei Nowa Gora, in röthlich braunem Kalkstein, 
durch Hrn. Zeuschner; zu Tarusa und Alexin an der Okka und bei Kaluga, durch Hrn. 
Blasius; zuKillymeal bei Dungannon in Irland; zu Tyddinawrfarm auf Anglesea ; 
zu Fountainfell, Otterburn, Kirby Lonsdale inYorkshire. 



5. Prodttctus scoticus. 
Sow. 69. 

Nicht producirt. Schwach gewölbt. Breiter als lang; das Schlofs et- 
was kürzer, als die gröfste Breite; Seiten und untere Rand zu einem zier- 
lichen querovalen oder elliptischen Umrifs mit einander verbunden. Ohren 
sehr flach, mit starken, aber wenig concentrischen, zusammenfliefsenden An- 
wachsrunzeln bedeckt, welche über den Rücken sich verlieren. Wellige, fa- 
denförmige, wenig zertheilte Streifen über der äufseren Fläche. Viele Röh- 
ren am Schlofsrande hin, vielleicht fünfzehn auf jeder Seite. Hin und 
wieder treten Branchienspitzen aus der Oberschaale hervor. 



über Productus oder Leptaena. 25 

Unterscheidend sind der bestimmte Umrifs, das Wellige, nicht Starre der Streifen und 
die starken Anwachsrunzeln. Diese trennen Pr. scoticus schon durch den flüchtigen Eindruck 
von Pr. sarcinulatus. 

Aufser Schottland nicht selten zu Altwasser in Schlesien li Zoll breit, 1 Zoll lang. 

Phillips' Pr.margaritaceus (T.VIII, F. 5) hat in der Beschreibung Nichts, was ihn von 
Pr. scoticus unterschiede. Auch ist, der Abbildung zufolge, der Umrifs noch derselbe. Die 
Streifen sollen stärker sein, und weniger getheilt; allein wenn die weifse natürliche Schaale 
der Muschel zerstört ist, wie offenbar in der Abbildung, so erscheinen die darunter hervorkom- 
menden Streifen jederzeit stärker, und runder, als die, von welchen sie bedeckt werden. Von 
Florence Court bei Inneskillen in Irland. 



6. Productvs sarcinulatus Hüpsch. 

Hüpsch Naturgesch. Niederdeutschi. T. I, F. 5. Schiott heim Pctrefactenkunde T. 29, F. 3. Dal- 
man Terebrat. T. I, F. 5 Ortliis slriatella (sehr unrollkommen). Murchison Silur. T. 3, F. 10. 12«- 

T. 5. F. 13 Leptaena lata. 

Umrifs und Form sind scharf und bestimmt; ohne allen schlep- 
penartigen Fortsatz. Der Umrifs ist queroblong, mit geradem Schlofs, und 
fast eben so geradem parallelem unterem Stirnrande; beide durch halbzirkel- 
förmig gebogene Seiten verbunden. Die Oberscbaale, sanft gewölbt, ohne 
scharfen Rücken, ist nur, dem unteren Rande nahe, etwas flacher verbreitet, 
selten sogar zu einem sehr breiten und flachen Sinus eingesenkt. Die flachen 
Ohren, scharf, erheben sich ohne Unterbrechung, gleichförmig zum Rücken. 
Die Oberfläche ist sehr dicht mit scharf hervortretenden Streifen bedeckt, 
die strahlenförmig, sehr gerade, nie wellig, sich vom Wirbel ver- 
breiten, dem Schlofsrande gleichlaufend im ersten Anfange. Die Streifen 
dichotomiren sehr häufig durch Einsetzung. Sehr deutliche und lange Röh- 
ren erheben sich vom Schlofsrande, in einfacher Reihe, sechs Röhren auf 
jeder Seite. Die Rreite ist ungefähr das Doppelte der Länge. Selten einen 
halben Zoll breit. Von Anwachsabsätzen oder Runzeln auf der Oberfläche 
erscheint kaum eine Spur, oder nur höchst dunkel an den Seiten des unte- 
ren Randes. 

Diese durch Form und Streifen höchst zierliche Gestalt ist eine wahre Leitmuschel für 
obere silurische Schichten; und sie ist um so bemerkenswerther, da sie fast ausschliefs- 
lich diesen Schichten angehört, und nur als seltene Ausnahme in Kohlenkalkstein gesehen wird. 

Phjsik.-math. KL 1841. D 



26 v. B it c h 

Dabei ist es fast der einzige Productus, den silurische Schichten aufweisen können. Das ganze 
äufsere Ansehn würde auch weit mehr an eine Orthis erinnern, wofür sie auch Da Im an gehal- 
ten hat, wären nicht die Röhren des Randes, die fehlende Area, der Mangel zweier divergiren- 
der Lamellen im Innern für Productus völlig entscheidend. — Die Schaalen sind äufserst dünn 
und gewöhnlich sehr wohl erhalten; allein Branchienspitzen zeigen sich niemals im Innern. 
Wahrscheinlich sind sie mit den Streifen, die auch im Innern stark hervortreten, gänzlich ver- 
wachsen. 

Diese Muscheln leben gewöhnlich gesellschaftlich vereinigt; ihre Schaalen liegen dick 
auf einander und bilden ganze Schichten. Auf Gothland zu Wamblingbo (in Stockholm's 
Academie-Cabinet) und diesen völlig ähnlich findet man sie in Stücken, welche in grofser Menge 
über Pommern, Mecklenburg und die Mark zerstreut sind, sogar noch in der Nähe von Halle 
bei Gimritz liegen sie, frisch wie auf der Lagerstätte, auf den Feldern umher. Sehr schön und 
häufig in anstehenden Schichten zuKlinka in Schonen mit Avicula retroflexa His. vereinigt 
(Copenhagner Univers. Sammlung durch Angelin). Und genau eben so in ganzen Schich- 
ten mit der gleichen Ao.retroflexa bei Hoburg, Südspitze von Gothland (Mus. Hising.). 

Bei Schalk enmehren in der Ey fei. — Hr. Beyrich fand sie ausgezeichnet schön, 
mit weifser, sehr fein gestreifter Schaale zu Choquier bei Lütt ich im Kohlenkalkstein ; auch 
finden sie sich bei Hausdorf und Falckenberg, Grafschaft Glatz. 

Murchison (Sil. Syst. p. 6 10) nennt eine grofse Menge Orte in Wallis, wo dieser Pro- 
ductus vorkommt, und stets in sehr grofser Menge ; er fügt noch hinzu, er sei höchst auszeich- 
nend für die Formation ; obere Ludlowschichten der silurischen Reihe, mit Spirifer trapezoi'dalis, 
Orthis elegantula (caria/is) und Terebratula primipilaris {pentagona S o w. G. Transac : n. S. V. 
Explan, of plate57, 5 et 6). Selten in den höher liegenden Schichten von „Old Red" zu Fe- 
lindre undHorel chapel. 

Es ist auffallend, dafs man ihn in Rufsland nur noch sehr selten gesehen hat. Die in 
Curland gefundenen Stücke gleichen den Findlingen der südbaltischen Länder. Dagegen sind 
die von Hrn. Blasius zu Ko wscha zwischen dem On ega und Biela Osero beobachteten 
denen von Witegra ziemlich ähnlichen Schichten ganz mit Pr. sarcinulatus erfüllt; die gröfsere 
Erhebung des Rückens würde zwar eine eigene Art vermuthen lassen, um so mehr da an allen 
Stücken die Eindrücke der Branchienspitzen, die sonst nicht gesehen werden, deutlich und in 
Menge hervortreten; allein Übergänge bis zur ganz flachen Form finden sich nicht selten ; die 
Röhren, vier oder fünf auf jeder Seite, die höchst feine Streifung, das Scharfabgeschnittene des 
Umrisses, der Mangel der Anwachsringe, die vorherrschende Breitenausdehnung verbinden aber 
beide Formen zu einer so auffallend ähnlichen Facies, dafs man sie doch nur sehr gezwungen 
und durch keine scharfe Merkmale von einander würde trennen können. 



über Productus oder Leptaena. 27 

7. Pkodüctis ßmbriatus. 

T.II, F. 21. 22. 23. 
Sow. 459, F. 1. Phillips VIII, 11. 12. 

Ohne sichtbare Längsstreifen. Ohne Sinus des Rückens. Die 
Anwachsstreifen stehen entfernt von einander; die Branchienspitzen er- 
heben sich aus der dünnen Schaale und stehen wie ein Saum oberhalb 
des Anwachsringes herum. Der Rücken ist gewölbt, ohne Ohren, der 
Umkreis fast kreisrund. Das Schlofs ist ein wenig gekrümmt. Die Ventral- 
schaale ist concav und dringt tief in die Dorsalschaale ein. 

Die Anwachsrunzeln sind zuweilen dachförmig erhoben, wie bei Astarte. Das Ganze 
hat die runde Form einer Terebratel. Das Saumfönnige oder Wimpernartige der Branchien- 
spitzen unmittelbar über dem concentrischen Kreise ist wahrscheinlich das Ausgezeichnetste der 
Art. Unter den Kreisen sieht man die Spitzen nicht. Sie dringen nur nach und nach wieder 
hervor. Das Schlofs ist schmäler, als die gröfste Breite. Der Sinus unterscheidet Pr. punctatus 
und ßmbriatus. 

Von Rat in gen an der Ruhr, Derbyshire, Bolland. 

8. Pkoductus spinulosus. 

T.II, F. 16. 
Sow. 6S, 3. Phillips VII, 14. 

Ohne Längsstreifen. Die Anwachsringe stehen eng zusammen, 
und die Branchienspitzen erscheinen darauf sehr einzeln und sehr stark her- 
vortretend. Der gerade Schlofsrand ist breiter, als die Mitte; die Breite 
aber gröfser, als die Länge. 

Die Spitzen stehen zuweilen sehr gedrängt unter den engen, schuppigen Anwachsrin- 
gen hervor, sie treten auch wohl über den unteren Rand heraus als Dornen, welche die untere 
Seite umgeben. 

Ohnerachtet auch diese Productusart, wie fast alle anderen, vorzüglich dem Kohlenkalk 
eigen ist, so gehört sie doch zu den Wenigen, welche auch in silurischen Schichten vorkom- 
men. ZuPafrath bei Köln, zuRefrath. 

9. PßODucTrs aculeatus Sow. (non Schlottheim). 

Sow. 68,4. 
Ohne Längsstreifen. Die Anwachsringe stehen eng zusammen. 
Das Schlofs ist etwas gebogen und viel kürzer, als die Breite der Schaale. 

D2 



28 v. B u c h 

Der Umrifs nahe kreisförmig. Der Rücken erhoben gewölbt. Die Bran- 
chienspitzen treten wie Stacheln oder Dornen hervor, aber stets nach unten 
gerichtet, und der untere Rand ist durch sie mit Dornenspitzen besetzt. 

Einer Nufs ähnlich, auch ohngefähr gleich grofs. Auf Terebratula prisca zu Refrath 
und zu Pafrath bei Köln in oberen silurischen Schichten. Im Kohlenkalk bei Altwasser in 
Schlesien. In Schottland. Am Ilmensee bei Buregi, Nowgorod. Devon zuSlo- 
bodka bei Tula. 



LOBATI. 

10. Prodttctus antiquatus. 

T. II, F. 7. 8. 9. 12. 

Martin Fossilia Derbyensia T. 32. Sowerby T. 317. Fischer Descr. du Gouv. de Moscou 

T.XXVI, F.l (mit Röhren.). Bronn Lethaea T. III, F. 6. 

Flacher, bis in den Schnabel fortgesetzter Sinus, vom Schnabel aus 
über den Rücken, durch eine lange Schleppe halbmondförmig gekrümmt. 
Die Seiten fallen steil ab gegen den Rand. Die Production äufsert sich auch 
auf den Seiten, so dafs die Oberschaale am Rande breiter ist, als am Schlofs. 
Stark gestreift mit geraden, kaum welligen Streifen, welche durch Zerspal- 
tung dichotomiren. Anwachsrunzeln, in regelmäfsigen Halbkreisen um die 
Schnabelspitze, durchschneiden gitterartig die Längsstreifen. Die Halbkreise 
stofsen rechtwinklich an dem Schlofsrande ab und haben sie die äufsersten 
Ecken dieses Schlofsrandes vereinigt, so endigen sie auch auf dem Rücken, 
und der übrige Theil der Schaale oder die Schleppe ist nur mit Längsstrei- 
fen, nicht mehr mit Querrunzeln bedeckt. 

Die untere Schaale stöfst an die durch das Erheben der Spiralarme gewölbten Ober- 
schaale und hebt sie zu einer Runzel. Wenn aber die Arme diese erhebende Wirkung nicht 
mehr ausüben können, laufen beide Schaalen dicht auf einander als lange Schleppe herunter. 
Daher ist das ausgezeichnet Gegitterte der Muschel nur auf ihrer oberen Hälfte sichtbar, wes- 
halb sie auch Martin Anomia semireticulata nannte, ein Name, den Sowerby nicht hätte ver- 
ändern sollen. 

Die Schlofsränder beider Schaalen liegen flach auf einander und bilden ein langes Ohr, 
auf welchem 5 oder 6 Röhren auf jeder Seite sich fortziehen. Eine andere Reihe erscheint in 



über Productus oder Leptaena. 29 

schiefer Richtung da, wo die stark abfallende Seite sich mit dem Ohre verbindet; was ziemlich 
überall geschieht, wo dieses Ohr nicht aufgebläht ist. Ob diese Reihe noch über den unteren 
Theil der Schleppe fortgesetzt sei, wo eine Menge von Narben auf den Kernen (vorzüglich auf 
Stücken von R a t i n g e n ) eine solche Fortsetzung wohl glaublich machen könnten (F. 1 2), mufs 
noch näher untersucht werden. Sind diese Kerne mit Schaalen versehen, so bemerkt man 
sie nicht. 

Die Oberfläche der Kerne, zunächst unter der Schaale, erscheint ganz mit eng zusam- 
menstehe nden Branchienspitzen bedeckt. Offenbar sieht man, wie diese Spitzen den Mantel 
in Reihen erheben und dadurch die Streifung der Schaalen bewirken. Ist der Kern noch tiefer 
entblöfst, so erblickt man den erhöheten Abdruck der Spiralarme und der beiden oberen Muskel- 
eindrücke (F. 9). Die Buckel der beiden Arme bilden schiefe Kegel, welche mit ihrer Spitze nach 
vorwärts gegen den Schnabel hin sich neigen. Die Muskeleindrücke stehen senkrecht darüber; 
sie sind stark in die Länge gefurcht und gehen seitwärts über die Kegel der Arme nicht heraus. 
In der grofsen Vertiefung zwischen Kegeln und Muskeleindrücken erscheint der laubartige Ein- 
druck der inneren Organe. Diese grofse Vertiefung der Kerne wird fast ganz durch die äufsere 
Schaale wieder ausgeglichen. Sie scheint in gar keinem Verhältnifs zum flach eingesenkten Si- 
nus zu stehen. 

Ohne auf die verschiedenen Grade der Erhaltung der Schaalen zu aehten, könnte man 
geneigt sein, sehr viele Arten in dieser einzigen zu sehen ; um so mehr, da die äufsere Form hier 
nur wenig leitet. Denn zuweilen sind die Schaalen sehr weit auf den Seiten ausgedehnt, sie 
scheinen breiter, als lang; zuweilen überwiegt die Länge um Vieles. So auch die Streifen ; eine 
tief und scharf gegitterte Schaale scheint bei dem ersten Anblick mit einer solchen nicht ver- 
einigt werden zu können, auf welcher kaum noch Streifen sichtbar erscheinen. Eine aufmerk- 
same Zusammenstellung aller bestimmenden Kennzeichen führt doch ohne Mühe zur Wahrheit. 
Nicht seilen ist die ganze Schaale zerstört, und der innere Kern läfst nur noch die tiefen Ein- 
drücke der Branchienspitzen bemerken. Solche Kerne sind als eigene Arten aufgeführt: Pro- 
ductus scabriculus (Phill.II, S. 20. Sow. 69, l), gewifs Pr.anliqualus oder Pr.pustulosus, ru- 
gatus, quinquuncia/is (P h. T. VII), welche ohne Kenntnifs der äufseren Schaale gar nicht be- 
stimmt werden sollten. Sie werden sich wahrscheinlich zwischen Pr. antiquatus und Pr. Martini 
vertheilen. 

Pr. antiquatus ist eine der häufigsten und weit verbreitetsten aller Arten dieses Ge- 
schlechts und sie kann für den Kohlenkalk als Leitmuschel angesehen werden. Martin sagt: 
sie fände sich überall in Derbyshire, wo Kalkstein vorkomme. Phillips nennt eine Menge 
Orte in ähnlichen Verhältnissen in Yorks hire und in anderen nördlichen Englischen Graf- 
schaften. Sehr schön und häufig zu Kildare in Irland. — In schwarzem Kalkstein, stark und 
scharf gegittert bei Vise an der Maas. Häufig zu Ratingen und Cromford an der Ruhr in 



30 v. Buch 

weifsem Kalkstein und Dolomit fast immer als Kern. In Rufsland scheint, wie auch in England, 
Pr.antiquatus zur oberen Abtheilung des Bergkalks zu gehören, welche durch Spirifer ckori- 
sti/es ausgezeichnet wird. Dieser Kalkstein ist fast überall besonders weifs und körnig. In ihm 
sah man den Pr. antiquatus bei Peredki (Nowgorod. Beitr. zur Best, der Form, in Rufsland, 
p.6l) und am Flufs Stolobenka, in den grofsen Brüchen von Miatskowa und am Flufs 
Wasusa ohnweit Moskau (l.c.p.67. Fischer Gouvern. de Moscou, tab. XXVI, F. 4. 5), auch 
bei Podolsk, Süd. von Moskau, wo ganze Conglomerate von langen, gekörnten und gereiften 
Cidarisstacheln, denen in Juragesteinen täuschend ähnlich, vereinigt vorkommen. — Bei Kiri- 
low 60°lat. zwischen Onega und Jaroslav, durch Hrn. Blasius aufgefunden, bei Alexin an 
der Okka und zu Zissitschanski am Donetz (Beitr. 1. c. p. 72). — Endlich hat Hr. Aleide 
d'Orbigny dieselbe Art von Productus, eben so lobirt, eben so gegittert am Schnabel, mit 
gleichen herabhängenden Seiten und mit gleicher Vertheilung und gleichem Verhältnifs von Röh- 
ren am Rande, von den Höhen der And es gebracht, von der Insel Quebaja in dem auf dem 
Gebirge liegenden See von Titicaca. 



1 1 . Productus Martini. 

Martin Fossilia Derbyensia T. 22, F. 1-3. Sowerby 317, 2. Phillips Yorkshire II, T. vn, 1. 
T. vm, 19- Fischer Gouv. deMoscou T. xxvi, F. i. 

Der sehr flache Sinus der Dorsalschaale ist vorzüglich in der unteren 
Hälfte bemerklich; er geht nicht in den Schnabel. Dieser wird mehr 
oder weniger breit und flach. Die Seiten hängen vom Rücken ab fast senk- 
recht herunter. Die Ohren des Schlofsrandes treten etwas über die Breite 
der Schaale hervor. Der Schnabel ist in weitem Halbkreise gekrümmt. Die 
Streifung der Schaalen ist scharf, gerade und gleichlaufend, nicht wellig, 
sparsam durch Zerspaltung dichotomirend, bis zum Anfang der Schleppe 
gegittert von Anwachsrunzeln, welche auf den Ohren sehr stark erhoben 
sind, weniger auf den Seiten und nur wenig bemerklich im flachen Sinus. 
Die Schleppe der Schaalen hängt tief herab, ohne doch auf den Seiten sich 
auszudehnen. 

Eine Art, welche sich mehr durch ihr äufseres Ansehn, durch ihre Facies, als durch 
scharfe Merkmale von anderen naheliegenden Arten unterscheidet. Sie ist sehr schmal gegen 
die Länge und scheint wie von beiden Seiten zusammengeprefst. Pr. antiquatus dagegen ist 
überall hin mehr ausgeschweift. Doch sind zwischen beiden die Übergänge unmerklich, und 
kaum wird es gelingen, eine scharfe Grenzlinie zwischen ihnen zu ziehen. 



über Productus oder Leptaena. 31 

Pr. Martinihat im Innern weniger und längere Branchienspitzen, als Pr.antiquatus, wo 
sie eng und zusammengedrängt stehen. Daher bemerkt man auch leichter bei ersterem ihre ab- 
wechselnd hoch und tiefer stehende Lage (en quinconce). Phillips' Pr. quinquuncialis (T. VII, 
F. S) ist deshalb wahrscheinlich nur eine Abbildung des Innern von Pr. Martini, vielleicht auch 
Pr.scabriculus. — An der Schlofskante hin stehen auf jeder Seite sechs Röhren oder viel- 
mehr ihre cylinderförmige Narben, und eben so viel in schiefer Richtung vom Buckel an dem 
unteren Ende des Ohres herab, welches gewöhnlich zu sein pflegt an allen Arten, an welchen 
die Seiten gegen die Schlofsecken hin zu einem Ohr sich verflachen. Auch scheinen Röhren 
noch auf der Schleppe über die Oberschaale weg sich im Halbkreise fortzuziehen. Phillips 
hat sie (T. VIII, F. 19) gezeichnet. 

Martin bemerkt, dafs bei jedem Stück der obere Helm der Muschel durch einen gerin- 
gen Schlag von der Schleppe scharf abgetrennt werde. Dann erscheint auf dem Zurückbleiben- 
den die flache nur wenig in die Oberschaale eingesenkte Unterschaale, welche dann sehr leicht 
für Pr.plicatilis angesehen werden kann. So wichtig diese Bemerkung auch ist, so darf man 
doch nicht glauben, wie es nach den Beschreibungen wohl scheinen möchte, dafs diese Unter- 
schaale da, wo die Schleppe anfängt herabzuhängen, sich endige und scharf abstofse. Sie geht, 
wie die Fortsetzung der Oberschaale, herab ; beide liegen aber so dicht auf einander, dafs man 
nur in seltenen Fällen, bei erhaltenen Schaalen, dieses Aufliegen beobachten kann. 

Fast überall findet sich Pr. Martini mit Pr.antiquatus vereinigt. In Derbyshire, in 
Yorkshire, zu Lunelle bei Boulogne, zu Ratingen an der Ruhr, ausgezeichnet bei 
Tournay. In Rufsland in oberen Schichten des Kohlensandsteins, zu Alexin an der Okka, 
zu Kirilow (60°lat.), zu Miatskowa und Vereia bei Moskau (Fischer). 

12. Productus plicatilis. 

T.II, F. 18. 19. 
Sowerby PI. 459, F. 2. Phillips Yorkshire II, T.vm, F. 4 nur die Production und die untere 

Schaale. 

Alle Theile der Oberschaale aufser der Schleppe liegen 
fast in einer Ebene. Die Flügel hangen nicht oder nur wenig herab, und 
die Ohren stehen mit dem Schnabel gleich hoch. Daher ist auch der Schna- 
bel nur wenig gebogen, und der Schlofsrand steht ebenfalls mit der Fläche 
der Schaale in gleicher Höhe. Die Oberfläche ist stark gegittert durch 
engliegende Anwachsrunzeln. Die Längsstreifen, welche sie zertheilen, sind 
ebenfalls eng zusammenliegend, durch Zerspaltung dichotomisch und nur 
gegen den Rand wenig nach auswärts gebogen. Die Schleppe hängt im rech- 



32 v. B u c h 

ten Winkel an der Oberschaale und ist nicht mehr von Anwachsrunzeln be- 
deckt. Der sehr flache Sinus endigt sich gewöhnlich schon auf der Mitte der 
Fläche und geht nicht bis in den Schnabel. 

Ohnerachtet die Flachheit der Oberschaale dem Ganzen ein schon bei dem ersten An- 
blick eigenthümliches Ansehn giebt, so ist doch auch hier ein Übergang zu Pr. antiquatus 
so nahe liegend, dafs man wohl geglaubt hat, Pr. plicatilis sei nur die jüngere Form, und 
durch Erheben der Spiralarme und dadurch der beiden Loben der Oberschaale senke sich der 
Schnabel und zugleich auch die Flügel und der Schlofsrand, wodurch die Form von Pr. anti- 
quatus, wenigstens von Pr. Martini, entsteht. Indessen finden sich doch Stücke bis zu i%. Zoll 
Breite, in denen die Schaale immer noch gleich flach bleibt, und die Flügel in gleicher Horizon- 
tal-Ebene erhoben sind, so dafs man hierinnen etwas eine besondere Art Bestimmendes vermu- 
then darf. Doch ist eine Verwechslung mit der Unterschaale von Pr. antiquatus zu vermei- 
den, denn auch bei dieser stehen Wirbel und Schlofsohren in einer Ebene. 

Die Röhren am Schlofsrande sind nur selten zu sehen; auf Stücken von Ratingen er- 
scheinen jedoch mehr als zwölf Röhrennarben auf jeder Seite des Schlosses. Der Schlofsrand 
ist schmaler, als die gröfste Breite der Schaale, welche sich in der unteren Hälfte befindet. 
Beide Seiten erreichen den unteren Rand in zierlichen Bogen. Dadurch entsteht eine grofse 
Ähnlichkeit der Form mit Pr.sarcinulatus (latus); dieser hat aber kaum jemals eine Spur von 
Sinus und seine viel feinere Streifen sind nicht durch Zerspaltung, sondern durch Einsetzung 
zertheilt. — 

In oberem Bergkalk. In weifsem und schwarzem Kalkstein zu Ratingen an der 
Ruhr, schwarz zu Vis e an der Maas. Zu Miatskowa und Drogomilow bei Moskau. 
In sehr weifsem, kreideartigem Kalkstein zu Podolsk, Süd. von Moskau, zu Alexin an der 
Okka. Sehr schön mit kohligen Schilfstücken zu Zissisanskoi am Donetz. Selten in Eng- 
land, nur bei Castleton. Sehr zierlich, mit feinen, im Sinus sich auf einander legenden Strei- 
fen im weifsen Kalkstein am Flusse Stolobenka (Gouv. Nowgorod) bei Kriviakin, un- 
weit Iwanof, Gouv. Orel, mit Fenestella antiqua, Cidaris rossicus. Am Anfange der Schleppe 
ziehen sich acht bis zehn Röhren über die Oberschaale hin. 

13. PßODTTCTTjs lobatus. 

T.II, F. 17. 

Sowerby PI. 313, F. 1-6. Phillips VIII, F. 7. So w. PI. 68, 1 Longispinus, vielleicht Pr. seto- 

sus Ph. VIII, 9. 

Klein. Haselnufsgrofs. Aufser drei oder vier Röhren auf jeder Seite 
des Schlosses stehen vier Röhren, zwei auf jeder Seite, auf der Ober- 



über Productus oder Leptaena. 33 

schaale an ihrem unteren Rande, da wo die gegitterte Oberfläche dieser 
Schaale schon aufgehört hat, und die Längsstreifen nur noch auf der 
Schleppe fortsetzen. Der Sinus geht bis in den Schnabel, doch mehr oder 
weniger deutlich. Die Seiten fallen, nahe senkrecht, herab (wie bei Pr. 
Martini). Die Schlofsohren sind umgebogen, an den Ecken wie eine kleine 
Hohlkehle, sehr dünn. Das Schlofs und die Seitenkanten stehen im rechten 
Winkel auf einander, seltener ist das Schlofs noch etwas breiter. Die Unter- 
schaale ist in die Oberschaale tief eingesenkt, mit einer dem Sinus entspre- 
chenden Wulst in der Mitte. 

Das Hervorstechende der Art sind die vier Rühren am unteren Rande. Auch Sowerby 
hat sie (Tab. 31 S, F. 6) gezeichnet. Sie sind weder auf Pr. Martini, noch auf Pr.antiquatus, auf- 
zufinden. Die Streifen im Sinus sind viel feiner, als auf den beiden Wülsten der Seite, wo sie 
ganz breit werden (breiter als ihre Zwischenräume), und kaum noch dichotomiren. Einige 
Spitzen drängen sich zuweilen über die Oberfläche hervor und können leicht für Röhren ange- 
sehen werden. 

Zu Altwasser bei Waidenburg in Schlesien. Sehr schön im weifsen Kalkstein 
zu Steschowa an der Wolga. Gouv.Twer. Arran. Linlithgow, No rthumberland, 
Derbyshire, überall in oberen Schichten des Kohlenkalks. 

IL Productus costatus. 

Sowerby 560, 1. sulcatus 319,2. Phillips Yorkshire II, T. vn, F. 2. 

Die Streifen sind sehr flach und breit, zwei- oder dreimal so breit, als 
ihre Zwischenräume. Sie zertheilen sich fast gar nicht. Die Seiten der Ober- 
schaale fallen nahe senkrecht herab. Das Schlofs ist an den Ecken mit einer 
Hohlkehle beendigt. Der Sinus geht bis in den Schnabel. Der obere Theil 
der Schaale ist durch Anwachsrunzeln gegittert. 

Es ist fast wahrscheinlich, dafs diese Gestalten mit Pr. lobaius zusammenfallen. Auch 
finden sie sich in denselben Verhältnissen, nahe den Kohlen, vielleicht auch an denselben Or- 
ten ; bei Glasgow, Bolland und Richmond in Yorkshire. Es ist keine sehr ausgezeich- 
nete Art. — 

15. Productus concinnus. 
Sowerby T.318, F.l. Phillips VII, 9. 

Die Streifen sind fast seidenartig fein und sehr gerade, gleich- 
laufend, daher zuweilen kaum zerspalten. Der Sinus der Mitte ist flach; 
Physlkrmath. El 1841. E 



34 v. Buch 

die Seiten herabhängend. Die Anwachsringe stehen sehr entfernt und brin- 
gen auf dem Rücken keine gitterartige Zeichnung hervor. 

Gröfstentheils ist diese Art nur klein; aber ihre Eigentümlichkeiten und ihr Recht 
eine besondere Art zu bilden sind noch nicht gehörig scharf aufgefafst und entwickelt worden. 
Der Sinus in der Mitte ist zuweilen ganz unmerklich. 

16. Productus punctalus. 
T.II, F. 10. lt. 

Martin Petr. Derb. T. 37, F. 6. 7. S. So wei by PI. 32S. Schlot theim Nachltage XVI, 1 Ano- 
mia thecaria. Fischer Moskau T. 22, F. 2. Phillips VIII, 10. 

Sehr dünne Schaale. Die Anwachsrunzeln (welche hier nicht blofs 
Runzeln sind, sondern scharf auf der Oberfläche absetzen) treten so sehr 
hervor, dafs Längsstreifen kaum noch erscheinen. Sie stehen dabei so ent- 
fernt von einander, dafs nur sechs bis acht Ringe auf einem Raum fallen, 
welcher der Breite einer Seite gleich ist. In der Mitte senkt sich ein flacher 
Sinus fast stets bis in den Schnabel, die Brachienspitzen durchbohren überall 
die dünnen Schaalen und stehen als ein Saum oder Gürtel über dem An- 
wachsringe, verlieren sich aber in der Höhe gegen den Ring, der zunächst 
darüber steht. Die Schaalen scheinen niemals producirt zu sein; doch ist die 
Oberschaale im Halbkreise gebogen. Da die Unterschaale ganz flach ist, nicht einge- 
bogen, mit einer Wulst in der Mitte, so bleibt dem Thiere, im Verh'altnifs anderer dieses Ge- 
schlechts, zur Ausbreitung ein bedeutender Raum, vorzüglich der Arme in die Höhe hinauf. Das 
Schlo fs ist kürzer als die gröfste Breite der Seh aale. — Die Röhren am Schlofs ste- 
hen entfernt von einander: fünf oder sechs auf jeder Seite. Es ist, wie fast stets, wo ein Ohr 
hervortritt, eine doppelte Reihe: eine am Schlofsrande fort, eine andere schief herabgehende 
zwischen dem Ohr und der aufsteigenden Seite. — 

Eine ausgezeichnete Art. Die quergestreifte Dose (Martini Conchyl. Cab. 
F. 605), nehmlich die flache Unterschaale. Durch Mangel der Längsstreifen wird sie sogleich 
auffallend; dann durch die besonders regelmäfsig, doch abwechselnd höher und tiefer stehenden, 
über die Anwachsringe umherlaufenden Spitzen. Vom Pr.spinulotus und aculeatus (Martin 
und Sow.) ist sie durch den Sinus verschieden, der diesen fehlt, und durch die auffallend ent- 
fernt stehenden Anwachsringe. — 

Sie scheint im Rergkalk nicht selten. Im schwarzen Kalkstein von Vise und Namur. 
In Rufsland im braunen Kalkstein am Flusse Prikscha, Gouv. Nowgorod; zuZvenigo- 
rod bei Moskau ; im oberen, hellgrauen, kieselartigen Kalkstein von Alexin an derOkka. 
Zu Cork in Irland, in Derby shire. 



über Produclus oder Leptaena. 35 



17. Productus aculeatus Schlottheim, horridus Sow. 

T.n, F. 13. iL 15. 

Bronn Lelhaea T. III,F. 1. 2 {optima). Quenstedt Wiegman Archiv. 1839. T.I,F.2. Sowerby 

T.560, 2-APr. calvus. T.322 Pr./iumerosus, innere Kein. T.319, 1 Pr. horridus. Knorr Verstein. 

II,T.fl, l,rf, F. 5. 6. 

Vielleicht der merkwürdigste aller Producten. So glatt und glän- 
zend auf der Oberfläche erscheint keine andere Art. Eben so wenig steht 
auf anderen wie hier die Röhrenreihe am Schlofsrande, auf dem Rande der 
Unterschaale, und nur die schiefe Röhrenreihe zwischen Ohrfeld und 
Seite steht auf der Oberschaale. Endlich gehen zwei Reihen von Röhren in 
unbestimmten Entfernungen auf dem Gipfel der beiden Rückenwülste bis in 
die Schleppe herunter. 

Die Anwachsrunzeln stehen entfernt, und bilden nur leichte Wellen auf der Fläche. 
Längsstreifen dagegen zeigen sich nur erst, wo die Arme aufhören, die Schaalen zu erheben, 
und wo die Production oder die Schleppe herabhängt. Sie sind dann breit, gleichlaufend mit 
einander und treten nur wenig hervor. Deutlicher und feiner erscheinen sie unter der glatten 
Oberschaale, wenn diese weggesprengt ist. Daher geschieht es, dafs man an dieser Art, wie 
doch an so vielen anderen, keine Spur einer gitterartigen Oberfläche in der Nähe des Schnabels 
und auf den Seiten bemerkt. — Ein tiefer Sinus drängt sich in der Mitte des Rückens bis 
zur äufsersten Spitze des Schnabels, und da die Seiten gegen die Ohren oder die Flügel sehr 
steil, fast senkrecht, abfallen, so wird hierdurch der Rücken in zwei hervorstehende, abgerun- 
dete Wülste getheilt. — Die Unterschaale, immer sehr tief in die Oberschaale einge- 
senkt, läfst, dieser auf das Genaueste entsprechend, die Wülste als tiefe Einsenkungen bemer- 
ken, den Sinus als einen vom Schnabel ausgehenden, bis zum äufsersten Ende fortsetzenden 
Damm, wodurch die Unterschaale in zwei Hälften zertheilt wird. — Die Anwachsrunzeln sind 
auf ihrer Fläche deutlich und enger, als auf der oberen Fläche. — Auf keiner Art zeigen sich 
die Röhren so deutlich, so bestimmt und so lang. Sie übertreffen in Länge um Vieles die Mu- 
schel selbst, und liegen, glänzenden Dentalien ähnlich, gewöhnlich in grofser Menge, im Ge- 
stein, welches diese Producten umgiebt. Walch (Naturforscher Stück 14. 27) hat sie genau un- 
tersucht(l7S0) und gewifs auch noch immer am Besten beschrieben. Es sind lange, cylindrische, 
hohle Nadeln, sagt er, auf ihrer Oberfläche sehr glatt und glänzend, silbergrau, etwas stärker 
auf ihrer Grundfläche, nicht seilen 2 bis 2^ Zoll lang (und wie eine Rabenfeder dick, sagt 
Schlottheim). Ihr unterer Theil geht durch alle Lamellen der Schaale; er besteht aus so 
viel Lamellen, als die Schaale selbst, und diese insgesammt winden sich aus der Schaale, 
mit der sie ein Ganzes machen, in die Höhe empor. — Dieser innere Bau unterscheidet Röhren 

E2 



36 v. Buch 

und Branchienspitzen mit grofser Bestimmtheit. — Die Vertheilung derRühren auf der 
Oberfläche der Schaalen, welche so viel Eigentümliches hat, ist von Hrn. Quenstedt zuerst 
genau untersucht, beschrieben und abgebildet worden. (Wiegman's Archiv 1839, 76). Es 
strahlen, sagt er, zunächst auf der Ventralschaale von den Wirbeln nach beiden Seiten auf jeder 
Seite sechs oder mehr Röhren, die sich nur um ein Geringes vom geraden Schlofsrande entfer- 
nen. — Auf allen übrigen bisher bekannten Productusarten stehen diese Schlofsröhren auf dem 
Rande der Dorsal-, nicht aber der Ventralschaale; gewifs eine merkwürdige Abweichung in die- 
ser letzten von allen, in den Formationsschichten erscheinenden, Productusarten. — Diesen 
Ventralröhren, fährt Hr. Quenstedt fort, entspricht auf der entgegengesetzten Seite auf der 
Dorsalschaale eine Reihe von Vertiefungen, die genau auf derselben Stelle sich befinden, 
wo auf der Ventralseite die Stacheln sich herausheben, so dafs es aussieht, als sei die Muschel 
vom Rücken aus mit einer Nadel durchstochen. Umgekehrt erhebt sich auf jeder Seite des 
Schnabels, auf der Dorsalschaale, eine Reihe ähnlicher Röhren im flachen Logen, der nach 
der Schlofskante hin sich öffnet. Genau entspricht auf der \entralseite diesen Rühren ein 
gleichgeformter Rogen von Vertiefungen. Ja, da zuweilen auch an anderen Theilen der (Dor- 
sal-) Schaale sich Röhren finden, so scheint es wohl oft, als wenn auch diesen Röhren auf der 
entgegengesetzten Seite Vertiefungen entsprächen. — Offenbar können nur Muskelfasern durch 
die Röhren so mächtig auf das ganze Thier einwirken, um auch die entgegengesetzte Seite des 
Mantels, und somit auch der Schaale, nach sich ziehen zu können. — Die Röhren auf dem 
Rücken und bis selbst auf die Schleppe herunter sind nur sparsam vertheilt; man bemerkt selten 
mehr als vier oder fünf in einer Reihe und in gleichen Abständen, und gar oft fehlen sie ganz. 
Aber es darf nicht übersehen werden, dafs sie niemals, eben so wenig wie auf anderen Arten, auf 
der Ventralschaale vorkommen. Ihre Narben dürfen nicht mit den Eindrücken der Brancliien- 
spitzen, wie das Walch gethan hat, verwechselt werden. 

In der äufseren Form liegt, bei diesem Productus, wenig Bestimmtheit. Im Allge- 
meinen übertrifft wohl die Breite am Schlofsrande um Vieles die Länge, selbst mit producirter 
Schaale; der Schlofsrand endigt sich mit hervortretenden Hörnern an zwei flach auslaufenden 
Ohren, doch sind auch Stücke nicht selten, an welchen die Breite hinter der Länge zurück- 
bleibt, ohnerachtet sonst alle übrige ausgezeichnete Eigenschaften sich gleich bleiben. Immer aber 
ist in der Seitenansicht der Umrifs vom sehr gekrümmten Schnabel bis zum unteren Rande der 
Schaale, kein Halbkreis, wie bei Pr. antiqualas und ähnlichen, sondern eine sehr flach ge- 
drückte Ellipse, eine Form, welche sich in jedem Stück wiederfindet und an Englischen so 
gut wie an Deutschen, welches von der geringeren Erhebung der Spiralarme herzurühren 
scheint. — In der That zeigen sich auch die beiden Muskeleindrücke zwischen Spiralarme und 
Wirbel, weniger über den Sinus erhöht, als in anderen Arten, doch immer noch, eben wie diese, 
stark senkrecht gestreift. Auf der Unterschaale sind diese Eindrücke, wie gewöhnlich, wenig 



über Proäuctus oder Leplaena. 37 

bemerklich ; die blattförmigen Erhöhungen auf beiden Seiten der aufsteigenden mittleren Scheide- 
wand treten deutlich hervor, und von ihrer Basis aus entfernen sich in entgegengesetzter Rich- 
tung die beiden zungenförmigen Lamellen, aufweichen die Spiralarme ruhen. Sie sind es, nicht 
Muskeleindrücke, welche Sowerby (PI. 560, F. 5) im Innern der Unlerschaale seines Pr.calvus 
gezeichnet hat. 

Die Eindrücke der Branchienspitzen auf der inneren Flache der Schaale stehen nahe 
zusammengedrängt, mehr als auf Pr. Martini, doch nicht so nahe als auf Pr.antiquatus. Auch 
sind die Spitzen weniger regelmäßig vertheilt, als auf den letzteren; wahrscheinlich weil hier 
bestimmtere Anwachsrunzeln auch den Spitzen eine bestimmtere Lage anweisen. 

Walch sagt, der Pr.aculeatus fände sich auf der ganzen Erstreckung des Zechsteins, 
der bedeutendsten in Deutschland, welche über Neustadt an der Orla, über Pösncck, Kö- 
nitz, Saalfeld, Blanckenb urg, Königsee sich fortziehe. Allein das kann in diesem 
Räume doch nicht überall sein. Vielmehr scheint es, sei er nur den unteren Schichten des 
Zechsteins eigen, von den diese Formation besonders auszeichnenden Corallcn entfernt. Dahin 
deuten auch die näheren Angaben des Vorkommens, welche sich alle im Liegenden finden; die 
merkwürdigsten sind: die Gegend zwischen Bucha und Gosswitz bei Künitz, wo diese 
Muscheln in einem Stincksteine liegen, welcher das Dach eines zwölf bis dreizehn Lachter mäch- 
tigen Flötzes von schwarzen, überall mit Kupfererzen durchzogenen Kalkstein bildet. — In 
gleicher Lage scheinen auch die von Gräfenhain und von Schmerbach bei Gotha vorzu- 
kommen, und nicht anders auch die, an welchen die Umgebung von Gera so reich ist, vorzüg- 
lich bei den Dörfern Röpsen und Schwaare und zu Corbusen bei Ronneburg. Dagegen 
sah man in den corallcrfülltcn Dolomiten von Glücksbrunn an der Südseite des Thürin- 
ger Waldes bisher diese Productusart noch nicht. — In grofser Menge und von ausgezeich- 
neter Schönheit fand man sie bei Büdingen in der We tterau. Sonst aber in Deutschland 
nicht weiter, nicht bei Eisleben und auch nicht an der Nordseite des Harzes. — Auch in 
England scheint dieser Productus mehr den unteren Schichten des Zechsteins zu gehören. 
Pr.korridus soll, nach Sowerby, im „magnesian limestone" von Derbyshire ganz gewöhn- 
lich sein. Die Figur, die auf der Ventralschlofskante stehende Röhrenreihe, der Mangel einer 
bestimmten Streifung läfst über Gleichheit der Art keinen Zweifel; so auch der Kern (Pr.hume- 
rosus) von Bredon in Derbyshire. Zwar sagt Sedgwick (Geol.Transac: N.S.on the in- 
ternal strueture of the magnesian limestone p. 119), der über den Abdrücken von Palaeotbrissum 
zu Midderidge N. der Tees vorkommende Productus gehöre zum Pr. antiquatus Sow.; es 
ist aber durchaus nichts angeführt, welches diese sehr unwahrscheinliche Meinung begründen 
könnte; die Productuskcrne von Humbleton an der Tees finden sich vielleicht in mittleren 
Schichten, und so auch Pr.calvus von N osterfield N. von Ripon. — In keinem anderen 
Lande hat man, aufser den obigen, diese merkwürdige Productusart wiedergefunden. 



v. Buch 



Erklärung der Kupfer. 



Tab.I. 

Fig.l. Productus como'ides. Obersctiaale von Innen. Die Kegel, welche aus dem Zusam- 
menleimen der Spiralarme entstehen, und die Muskeleindrücke darüber tre- 
ten hervor. Anfänge der zahlreichen Arme am Schlofsrande. 

FIg.2. Productus como'ides. Unterschaale von Innen. Die beiden starken Lamellen, welche 
die beiden Kegel der Spiralarme umgeben, die Muskeleindrücke und die 
beiden zu einem Knötchen vereinigten Zähne der Unterschaale werden vor- 
züglich sichtbar. 

Fig. 3. Productus como'ides. Oberschaale aufserhalb. Oben mit natürlicher Streifung. Auf 
der unteren Seite fehlt die obere Bedeckung, und es zeigt sich, wie erst 
dann die Spitzen auf der inneren Seite erblickt werden. Von Altwas- 
ser in Schlesien. 

Fig. 4. 5. 6. Productus limaeformis. Von Vise an der Maas. Hrn. Bey rieh's Sammlung. 

Tab. II. 

Fig. 7. Productus antiquatus. Von oben mit Rudimenten von Röhren. Streifimg und Sinus 
zeichnen ihn aus. Hrn. Hön in gsh aufs' Samml. 

Fig. 8. Productus antiquatus. Ohne obere Schaale, daher ganz mit Spitzen bedeckt. Hrn. 
Höninghaufs' Samml. Ratingen. 

Fig.9. Productus antiquatus. Innerer Kern. Man sieht die beiden, nach oben hingeneigten 
Kegel der Spiralarme und die Muskeleindrücke, welche über die Breite der 
Spiralarme nicht hervorgehen. Königl. Samml. Ratingen. 

Fig. 10. Productus punetatus. Oberschaale mit tiefem Sinus und ohne Längsstreifung; dage- 
gen mit concentrischen Anwachsstreifen, über welchen die Branchienspitzen 
auch aufserhalb hervortreten. 

Fig. 11. Productus punetatus. Unterschaale. 

Fig. 12. Productus antiquatus. Von der Seite, um den Sinus bis zum Schnabel hervortreten 
zu lassen, und das Herabhangen der Seiten, das Producirte der Schaalen, 
endlich die Narben auf der Schleppe, wie ein Gürtel umher. Ratingen. 
Hr. Beyrich. 

Fig. 13. Productus acu/eatus Schlotth. Oberschaale mit Röhrenanfängen im Bogen vom 
Schnabel weg, und mehrere auf dem Buckel des Rückens (von welchen 
doch fast immer nur noch die Narben übrig bleiben), auch mit den Ein- 
drücken am Schlofsrande der auf der Unterschaale befindlichen Röhren. 



über' Productus oder Leptaena. 39 

Fig. 14. Productus aculeatus Schi otth. Unterschaale von Innen, mit den Muskeleindrücken 

und mittlerem Dissepiment. 
Fig. 1.5. Productus aculeatus Schi otth. Unterschaale von Aufsen, mit Röhrenanfängen am 

Schlofsrande und mit den Eindrücken der bogenförmigen Röhrenreihe der 

Oberschaale. 
Fig. 16. Productus spinulosus. 

Fig. 17. Productus lobatus. Mit vier Röhren auf dem Rücken. 
Fig. 18. Productus plicatitis. Obere Ansicht. 

Fig. 19. Productus plicatilis. Seitenansicht, das Wenigherabhängende der Flügel zu zeigen. 
Fig.20. Productus fimbrialus. Mit erhöhetem Rücken. 

Fig. 20. "I Productus fimbrialus. Rreite Abänderung mit dachförmigen Anwachsfaltcu, ohne 
Fig. 21. J Längsfalten. Vielleicht eine eigene Art. Von Ratingen. Höninghaufs. 



40 



v. Buch über Troductus oder Leptaena. 



Regi 



ster 



Die mit Cursivschrift gedruckten Namen sind die beschriebenen Arten. Ein zweiter Name binter dem enteren bestimmt, unter wel- 
chem Namen sie beschrieben worden. Die ohne doppelten Namen erlauben wegen Mangel an hinreichender Abbildung und Beschreibung 

die genauere Bestimmung nicht. 

Seite 



Acu lealus Schiott h 

aculeatus Sow 

analogus Ph. antiquatus Unterschaale. 

Andiid'Orb. 

aurittis Phi II. giganteus. 

Boliviensis d'Orb. 

calvusSow. aculeatus Seh lotth. 
caperalus Sow. 

comoides 

complanatus Murch. an Ter. prisca? 

concinnus Sow - 

costatus 



Seite 

. 35 

. 27 



21 

33 
33 



depressus So w. Orthis. 

dubius Münster. 

duplicatus Murch. Innere von Orthis. 

Edilburghensis Ph. giganleus. 
euglypha (Leptaena) Da Im. Orthis. 

Jimbrialus Sow 

Flemingii So w. spinulosus. 
fragrariaSow. fimbriatus? 



27 



19 



giganteus 

granulosus Ph. fimbriatus? 

hemisphaericus Sow. giganteus. 
liorridus Sow. aculeatus Schlotth. 
Humboldtii d'Orb. 
humerosus Sow. aculeatus Schlotth. 

Inca d'Orb. 

interruplus Sow. (Leptaena). an fimbriatus? 

laevigatus Murch. Orthis. 
lata (Leptaena). sarcinulalus. 

latissimus 23 

laxispinus Ph. 
Leonhardi Münster. 

limaeformis 22 

lobalus 32 



longispinus Sow. lobatus. 

margaiitaceusPh. scoticus. 

Martini 30 

niembi anaceus Ph. 

mesolobus Ph. 

minima (Leptaena) Murch. Orthis. 

muricatus Ph. 

nodulosus Ph. nur Unterschaale. 

ovalis Ph. punetalus. 

personatus Sow. giganteus. 

pectino'ides Ph. 

Peruvianus d'Orb. innereSpilzen von antiquat. 

plicatilis 31 

praelonga Sow (Leptaena). 
pugilis Ph. comoides. 

punetalus Sow 34 

pustulosus Ph. punetalus? 

quincuncialis Ph. Martini. 

rugatus Ph. antiquatus. 

rugosa Dalm. (Leptaena). Orthis. 

sarcinulalus 25 

scabriculus Ph. antiquatus. 

scoticus 24 

sericea Murch. (Leptaena). Orthis. 
setosus Ph. lobatus. 
sordida Sow. (Leptaena). 

spinulosus Sow 27 

sulcatusSow. costatus. 

Iransversalis (Leptaena). Orthis. 
tenuistriala Murch. (Leptaena). Unterschaale 
von Otthiszonata?*) 

variolatus d'Orb. 
villersii d 'Orb. 

zonata Dalm. (Leptaena). Orthis. 



*) Oder gehört diese Scbaale lu Murch. Sil. XXII, 4. 5 ? was fast gewifs ein verdrückter Productns ist, und bisher der einzige die- 
ser Art in siluriscben Schichten. 



v. Buch über Productus oder Leptaena. 40" 



Zusatz. 



Zup.28. 

9*. Productus proboseideus. 

deVerneuil Bulletin de la Soc. ge'ol. de Paris T.XI. PI. III. F. 3 a. b.c. Goldfufs T. 160. 
Y .11 (Clavagella prisca). deKoninck flwoyj/. des animaux fossiles du terrain houiller etc. 

T.XI. F. 4. 

Diese, ganz aus den gewöhnlichen Formen hervortretende Gestalt ist 
zuerst von Hrn. de Verneuil gar genau beschrieben und schön abgebildet 
worden. Auch hat er ihre Natur gar wohl erkannt. Die sonst als Schleppe 
verlängerte Oberschaale vereinigt sich hier zu einer wahren geschlosse- 
nen Röhre, welche inwendig offen bleibt. 

Die Oberschaale selbst ist flach, mit wenig gewölbten Rücken, ohne Einsenkung in der 
Mitte; gröfstentheils von der Gröfse einer Haselnufs; breiter als lang; mit einem geraden 
Schlots, welches kürzer ist, als die Breite der Mitte; daher dem Pr. aculeatus Sow. sehr nahe 
stehend. Drei oder vier Röhrennarben lassen sich an der Aufsenseite des Schlosses bemerken. 
Starke, entfernt stehende Anwachswellen bedecken die Oberfläche. Aufserdem ist diese noch 
gar fein in die Länge gestreift. Der Schnabel ist nur klein, verbirgt aber die beiden verei- 
nigten Zähne der Unterschaale, welche bei seinem Absprengen deutlich hervortreten. Die Un- 
terschaale ist jederzeit concav; mit feinen, eng gedrängten Anwachsslreifen bedeckt, 
und mit noch viel feineren Längsstreifen. — Sie wird ganz von der Oberschaale umgeben. 
Diese letztere nehmlich verbreitet sich auf den Seiten (wie bei Pr. limaeformis); soweit, dafs 
endlich die Ränder beider Seiten sich berühren und am unteren Rande der Unterschaale in 
einer scharfen Kante zusammenstofsen. Dann vereinigen sie sich zu einer Röhre, die sehr 
bald ganz cylindrisch wird. Die Unterschaale wird durch diese Ausdehnung weit zurückge- 
drängt und von der Oberschaale so sehr entfernt, dafs beide oft in einem rechten Winkel gegen- 
cinanderstehen. Anwachsrunzeln bedecken ziemlich unregelmäßig die Oberfläche der Röhre 
und, was sehr auffallend ist, auch die feine Streifung der Oberschaale zieht sich fast ununter- 
brochen an der ganzen Röhre herunter. Zuweilen verbindet sich sogar die Oberfläche dieser 
Röhre der Mitte ihrer Länge gemäfs und bildet auf diese Art zwei Röhren (vgl. Hrn. de Ko- 
ni uck's Abbildungen). Eine grofse, nie fehlende Falte trennt auf dem Rücken (nicht an den 



40 4 v. Buch über Productus oder Leptaena. 

Seiten) den unteren Rand der Oberschaale von der fortsetzenden Röhre. Diese Cylinder sind 
gewöhnlich drei bis viermal länger als die Schaalen. Wenn sie abbrechen, gleichen sie einer 
Serpula und mögen auch wohl schon dafür gehalten worden sein. 

Diese wunderbare Gestalt ist bisher nur noch in oberen Schichten des Kohlenkalks von 
Vise unter Lüttich gefunden worden. Da offenbar im ersten Anfange die beiden Schaalen 
ohne Cylinderfortsatz vorhanden gewesen sein müssen, so ist wohl Rehutsamkeit nöthig, solche 
nicht fortgesetzte Schaalen nicht für eine, von denen durch die Cylinder- Röhre fortgesetzten, 
verschiedene Art anzusehen. 

Zu p.37. 

Unter den Fundorten des Productus aculeatus Schi Ott he im darf der Zechstein zu 
Lauban am Queifs nicht übergangen werden; es ist der östlichste Ort in Deutschland, an 
welchem er bisher gesehen worden ist. 



Zu (/fr .//•/, .1 tfi-Jii,./, „/■ Hvduetur -fS4* 



Taf. I. 




i/'it/ / Productus comovdes, ff,,,/;/,.,,,/. ,,■„ ,„,„„ . Ä/. 2.JrveZuctus cojnoides, r„ u, •/;•/„,„/,. ,„,, ,,,„,„ Fn/ 3 Iroductus 
COm ottft: f. />/„r/;/i„„/s deroiere '/'/,,,/ i;>///f„„,/,r/. ,/ f/ - untere ,'A/,r äus/ire ^Bedeckung. Fiy. ■/, ,,. 5. JfroductilS / '//i<r</ ,>///>( 's 



et .Ynf ,'f* " flWfiWn //"if 7rt>/'iJtf/ . 



~,i ritr -ib/l .1 // r Jln./l „/, Jlo./iirt,,., 18M. 



Taf.n. 




FrotfuftUf: Flqr.~8.ff./2.1 , .ariti</Uatt{S. ,' „,it J/,../,„,.,,t.„ ,:■„ Kohr-en. 8„Ane vier, StA«*/,. ./.,/,,,■ „,it Spitzt* t, <*,,*, . Agmnrjm. 
/!! S<i«,i -ft^/r f/ff. /0 //. J J /'////, r„/l/s. /r>./rr,<r/l-h n .,t t . //. r,,r, c /W, aa /c . ttff. /3 . /■*-. /.f. P. (7ft//<af7/S « „.„ /?.;/„-,„ Anfängen 
tu äyrpelter ft'i/i*- n <rn/' </<■"' Ku,A:,i /'/-. rn r.r-/. -h<t«te von /n/t.-r,./^ r~nt<r/c/*«a7r f t >n ~/its/in. Z'Yl/. /(f. Z*. Stfl'/l It {OSU S '. T^TC*. /~ /' 

lobatus. /'"/V/. /8 . /<?. F. />/i,af///s /8 „«„,./,</;./,, 1&. sdtm-^nfühc . F'iff. 20. 2/. -P. /vrnbriatlts . 2/. t™t< „«w,™,,,. 

.( . 0lerfiAaa2t . f> !'nt<rfcAt*«?r . 



./ _V„r.„, „ „ r /r , /r.T,o/./,,. 



über 



die chemische Verbindung der Körper. 



(Siebente Abhandlung.) 



Von der Intensität der chemischen Verbind 



ungen. 



*S Von 

H ra - KARSTEN. 



«W><\W\WV\'WM 



w. 



[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 9. Dec. 1841.] 



renn die, bei einer bestimmten Temperatur, gesättigten Auflösungen 
eines willkührlich zusammengesetzten Gemenges von neutralen Salzen in 
Wasser, — insofern sieb nicht schwerauflösliche Verbindungen absondern, 
— unter allen Umständen flüssige Mischungen von völlig gleicher chemi- 
scher Zusammensetzung darstellen, so sollte dieser Erfolg nothwendi^ zu 
dem Urtheil führen, dafs jene Flüssigkeit eine wahre chemische Verbindung 
ist, weil ihre Mischungsverhältnisse eben so bestimmt und unveränderlich 
bleiben, wie die irgend eines starren Körpers, welcher eine besondere Art 
bildet. Dies Urtheil, ganz verträglich mit derjenigen Betrachtungsweise, 
nach welcher bei den chemischen Verbindungen der Körper eine vollstän- 
dige wechselseitige Durchdringung des aufgelösten Körpers und des Auflö- 
sungsmittels vorausgesetzt wird, läfst sich mit der chemischen Ansicht über 
die Zusammensetzung der Körper aus den Theilen ihrer Bestandtheile nicht 
vereinigen. Die Auflösungen der Salze in Wasser sind, nach dieser Voraus- 
setzung, eben so wie die Auflösung eines jeden starren Körpers von bestimm- 
ter Art in dem im Uberschufs vorhandenen Auflösungsmittel, eine Vereini- 
gung des schon in der Flüssigkeit gebildet vorhandenen starren 
Körpers mit seinem Auflösungsmittel, wobei noch näher zu bestimmen sein 
würde, in welcher Art die Vereinigung zu Stande gebracht wird und wie die 
Physik - math. Kl. 1 S 4 1 . F 



42 Kaesten 

Atome sich zu gruppiren haben. Die Auflösung des Chlorgoldes in beliebi- 
gen Quantitäten verdünnter Salzsäure, Wasser, Weingeist oder Äther, ist 
eine völlig homogene Flüssigkeit, aus welcher sich das Chlorgold, ungeach- 
tet seines aufserordentlich überwiegenden specifischen Gewichts, nicht ab- 
sondert; sie ist so wenig ein mechanisches Gemenge von Chlorgold mit dem 
Auflösungsmittel, dafs ihr vielmehr, wegen ihrer vollkommenen Gleichartig- 
keit, der Charakter einer wahren chemischen Verbindung nicht abgesprochen 
werden kann. Dafs durch Entfernung des Auflösungsmittels, sei es durch 
Verflüchtigung oder auf andere Weise, hier das Chlorgold und dort die Salze, 
in denselben Verhältnissen und in derselben Zusammensetzung, die sie vor 
ihrer Auflösung hatten, wieder dargestellt werden, kann das Urtheil über die 
Beschaffenheit der flüssigen Mischungen nicht bestimmen. 

Es ist indefs überhaupt nicht das bestimmte oder unbestimmte Verbin- 
dungsverhältnifs, in welchem sich ein im Uberschufs seines Auflösungsmittels 
von der Flüssigkeit aufgenommener starrer Körper in der flüssigen Mischung 
befindet, — denn bei jeder in einer bestimmten Temperatur gesättigten Auf- 
lösung eines Salzes in Wasser zeigt sich ja ein festes und unveränderliches 
Verhältnifs des Salzes zum Wasser, — sondern es sind Verhältnisse anderer 
Art, welche Veranlassung gegeben haben, bei flüssigen Mischungen zwischen 
einer chemischen Verbindung (combinaison) und einer einfachen Auflösung 
(dissoluliori) einen Unterschied zu machen. Für die dynamische Ansicht fin- 
det dieser Unterschied insofern nicht statt, als die wechselseitige Durchdrin- 
gung der Materien, die sich durch die vollkommene Gleichartigkeit der Mi- 
schung zu erkennen giebt, unter allen Verhältnissen des aufgelöseten Körpers 
zu seinem Auflösungsmittel in der homogenen flüssigen Mischung vollbracht 
wird. Nach der Ansicht über die mechanische Zusammensetzung der Kör- 
per aus Theilchen, ist diestetige Erfüllung des endlichen Raumes durch keine 
Mischung irgend einer Art zu gestatten, dagegen wird es sehr wohl zulässig 
sein, durch die verschiedene Stellung und Lage der Körpertheilchen gegen 
einander, über das verschiedenartige Verhalten flüssiger Mischungen, die sich 
im Zustande der Neutralität befinden, oder bei denen der eine Bestandtheil 
im Ubermaafs vorhanden ist, eine passende Erklärung zu geben. Sind Gründe 
vorhanden, Auflösung und chemische Verbindung von einander zu unterschei- 
den, so würde der dynamischen Hypothese der Vorwurf zu machen sein, dafs 
sie über das verschiedenartige Verhalten der flüssigen Mischungen, welches 



über die chemiscJie Verbindung der Körper. 43 

durch die verschiedene Gruppirung der Körpertheilchen so leicht und ein- 
fach construirt werden kann, keinen Aufschlufs giebt. 

Lassen sich auch die Grenzen zwischen Auflösungen und chemischen 
Verbindungen nicht feststellen, so bleibt es wenigstens gewifs, dafs ganze 
Klassen von flüssigen Mischungen ein anderes Verhalten zeigen als andere, 
und dafs der empirische Unterschied zwischen Auflösung und chemischer 
Verbindung nicht weggeläugnet werden kann. Die Verschiedenheit des Ver- 
haltens der flüssigen Mischungen der einen und der andern Art, während 
ihrer Bildung und während ihres Bestehens, giebt sich auf mehrfache Weise 
zu erkennen. 

1) Durch Wärmephänomene während des Auflösungsprozesses. Bei 
allen chemischen Verbindungen der Körper mit einander wird Wärme ent- 
wickelt, wogegen bei der einfachen Auflösung eines Körpers in Wasser oder 
auch in seinem im Ubermaafs vorhandenen Auflösungsmittel, vielleicht nur 
mit wenigen Ausnahmen, Wärme gebunden, also Kälte erzeugt wird. Dies 
verschiedenartige Verhalten zwischen chemischen Verbindungen und einfa- 
chen Auflösungen ist um so merkwürdiger, als in der Regel das speeifische 
Gewicht der Auflösungen gröfser ist, als es nach den speeifischen Gewichten 
der zur Auflösung angewendeten Körper sein sollte, so dafs durch die Ver- 
dichtung nicht Wärme gebunden, sondern entwickelt werden müfste. Es ist 
kein Salz bekannt, bei dessen Auflösung in Wasser nicht Wärme gebunden 
würde, und es giebt wenig Salze, deren wässerige Auflösungen nicht ein 
gröfseres speeifisches Gewicht besäfsen, als ihnen nach der Berechnung zu- 
kommt. Nur der Salmiak, vielleicht auch die übrigen ammoniakalischen 
Salze, machen von jener Regel eine Ausnahme, indem das mittlere speei- 
fische Gewicht ihrer wässerigen Auflösungen kleiner ist, als es nach der Be- 
rechnung sein sollte. Dafs beim Auflösen der ammoniakalischen Salze in 
Wasser Wärme gebunden wird, ist daher ganz in der Ordnung, aber es läfst 
sich nicht einsehen, warum Kälte entsteht, wenn Salze in Wasser aufgelöst 
werden, deren Auflösungen ein speeifisches Gewicht besitzen, welches das 
berechnete mittlere speeifische Gewicht bedeutend überschreitet. 15 Ge- 
wichtstheile Kalisalpeter, bei einer Temperatur von 15°Reaum. in 60 Thei- 
len Wasser aufgelöst, verursachen eine fünfmal gröfsere Depression des 
Thermometers als dieselben Quantitäten Kochsalz und Wasser. Die wässe- 
rigen Auflösungen beider Salze zeigen eine ansehnliche Verdichtung, welche 

F2 



44 Karsten 

bei der des Kochsalzes gröfser ist als bei der Auflösung des Kalisalpeters in 
Wasser, woraus sich zwar die gröfsere Kälteerzeugung bei diesem als bei je- 
nem Salz, aber nicht die Ursache der Wärmebindung überhaupt erklären läfst. 
Es ist nicht zu bezweifeln, dafs diese Wärmephänomene, bei einer gründ- 
licheren Kenntnifs der specifischen Wärme des Wassers, der verschiedenen 
Salzarten und deren wässerigen Auflösungen, ihre vollständige Erklärung fin- 
den werden, indefs sollte hier nicht auf den Grund des Verhaltens, sondern 
auf das verschiedenartige Verhalten selbst, nämlich auf die Wärmeentwicke- 
lung bei den chemischen Verbindungen und auf die Wärmebindung bei den 
einfachen Auflösungen hingedeutet werden. Alle Salze mit Krystallwasser, 
welche an der Luft einen Theil desselben durch sogenannte Verwitterung 
verloren haben, erhitzen sich mit Wasser und erzeugen beim Auflösen keine 
Kälte, weil die Verbindung des Salzes mit so viel Wasser, als zum Ersatz des 
durch Verwitterung verlorenen Krystallwassers und zur Wiedererzeugung 
einer bestimmten Art erforderlich ist, nicht als eine Auflösung, sondern als 
eine wirkliche chemische Verbindung betrachtet werden mufs. 

2) Durch den Einflufs der Temperatur oder auch zuweilen (bei der 
Vereinigung gasartiger Substanzen mit einander, oder mit flüssigen und star- 
ren Körpern) des äufsern Drucks auf die Quantitätsverhältnisse der Mischung. 
Bei einer einfachen Auflösung ist das Verhältnifs des auflösenden zu dem auf- 
zulösenden Körper ganz abhängig von der Temperatur. Bei einer wirklichen 
chemischen Vei'bindung haben Temperatur und Druck keinen Einflufs auf 
das Verbindungsverhältnifs, indem die Körper sich nur in einem einzigen be- 
stimmten Verhältnifs vereinigen, oder, wenn mehre Verbindungsstufen vor- 
kommen, das Mischungsverhältnifs immer von der Art ist, dafs der aufzulö- 
sende Körper in der doppelten, dreifachen Menge, oder in irgend einem an- 
dern bestimmten Verhältnifs zu dem als Einheit erkannten Grundverhältnifs 
von dem auflösenden Körper aufgenommen wird. Bei der einfachen Auflö- 
sung erfolgt die Verbindung der Körper nicht sprung- oder stufenweise, son- 
dern die Temperatur und andere äufsere Einflüsse bestimmen das Verhältnifs 
des aufzulösenden Körpers zu seinem Auflösungsraittel in der flüssigen Mi- 
schung. Eine gewisse Quantität Schwefelsäure löst in der Frostkälte nicht 
mehr oder weniger Zink auf, als in der Siedhitze des Wassers, und nach voll- 
brachter Auflösung läfst sich immer nur dieselbe Quantität Zinkvitriol aus 
der Mischung darstellen. Die Menge des Zinkvitriols, sowie die eines jeden 



über die chemische Verbindung der Körper. 45 

andern Salzes, welche vom Wasser oder von einem andern Auflösungsmittel 
aufgenommen wird, hängt ganz allein von der Temperatur ab, und es giebt 
daher eben so viele Sättigungsgrade als sich Temperaturdifferenzen denken 
lassen. 

3) Durch das Verhalten der flüssigen Mischungen zu einem dritten 
Körper. Bei einer wirklichen chemischen Verbindung kann sich das Auflö- 
sungsmittel, wenn es die Sättigungsstufe mit einem Körper erreicht hat, nicht 
noch mit einem dritten Körper verbinden, oder doch nur in dem Fall, wenn 
von dem zuerst aufgelösten Körper eine den Mischungsgewichten entspre- 
chende Quantität aus der Mischung wieder abgesondert wird. Bei der ge- 
wöhnlichen Aullösung vermag das Auflösungsmittel, wenn es mit dem Körper 
a in einer bestimmten Temperatur gesättigt ist, häufig noch gewisse Quanti- 
täten von den Körpern b, c, d .... in derselben Temperatur aufzunehmen, 
ohne dafs dadurch die Verbindung mit dem Körper a aufgehoben werden 
dürfte. 

4) Durch den verschiedenartigen Einflufs der Wärme auf die schon 
gebildeten flüssigen Mischungen. V\ enn sich nämlich das Auflösungsmittel 
in der gewöhnlichen oder auch in einer etwas erhöheten Temperatur ver- 
flüchtigen läfst, so wird das Verhältnifs desselben zu dem aufgelösten Kör- 
per ununterbrochen vermindert, ohne dafs dadurch die Natur des letztern, 
sobald er aus der flüssigen Mischung als eine besondere Art dargestellt wird, 
verändert würde. Die Verminderung findet ihre Gränze erst dann, wenn 
der Punkt erreicht ist, wo das Verhältnifs des Auflösungsmittels nicht weiter 
abnehmen kann, ohne den aufgelösten Körper selbst zu zerstören oder seine 
Natur zu verändern. Was hier als Wirkung der Wärme erscheint, kann in 
manchen Fällen durch einen Zusatz eines Körpers zu der flüssigen Mischung 
bewirkt werden, wenn der zuzusetzende Körper die Fähigkeit besitzt, sich 
mit dem im Ubermaafs vorhandenen Auflösungsmittel zu verbinden, ohne 
eine chemische Einwirkung auf den aufgelösten Körper zu äufsern. Aus der 
wässerigen Auflösung kann durch Zusatz von Alkohol, von concentrirter 
Schwefelsäure oder von anderen Substanzen, welche eine grofse Verbin- 
dungsfähigkeit mit dem Wasser zeigen, ein Theil des aufgelösten Salzes nie- 
dergeschlagen werden, aber die Wirkung erstreckt sich nicht weiter als auf 
diese Absonderung, denn auf das Salz selbst oder auf die wahre und eigent- 
liche chemische Verbindung hat der hinzugefügte Körper keinen Einflufs. 



46 Karsten 

Man mag sich über den Zustand, in welchem sich der aufgelöste Kör- 
per und sein Auflösungsmittel in der flüssigen Mischung befinden, eine Vor- 
stellung machen, welche man will, so mufs doch zugestanden werden, dafs 
die Mischungen, sowohl bei ihrem Entstehen als bei ihrem Bestehen und bei 
ihrer Zerstörung, ein so abweichendes Verhalten zeigen, dafs der Zustand 
der Verbindung als ein wesentlich verschiedener betrachtet werden mufs, 
und dafs der Unterschied zwischen Auflösung und chemischer Verbindung 
ganz gerechtfertigt erscheint. Vielleicht giebt es, um diesen Unterschied 
deutlich einzusehen, kein auffallenderes Beispiel als das Verhalten, welches 
die Schwefelsäure und die schwefelichte Säure, beide mit Wasser verbun- 
den, beim Zusammengiefsen in bestimmten Verhältnissen darbieten. 5Theile 
Schwefelsäure und 4 Theile schwefelichte Säure enthalten den Schwefel und 
den Sauerstoff in denselben Verhältnissen, wie sie in der Unterschwefelsäure 
aufgefunden sind. Die Mischung von beiden Säuren ist vollkommen homo- 
gen, und der Dynamiker ist genöthigt, eine chemische Durchdringung der 
in der Mischung befindlichen Körper in derselben Art einzuräumen, wie er 
dieselbe bei jeder Auflösung, wie etwa bei der eines Salzes in Wasser, in An- 
spruch nimmt. Die Mischung verhält sich aber durchaus nicht wie Unter- 
schwefelsäure, denn wenn sie mit einer Base versetzt wird, die zu beiden 
Säuren eine Verbindungsfähigkeit besitzt, so erhält man kein unterschwefel- 
saures, sondern ein Gemenge von schwefelsaurem und schwefelichtsaurem 
Salz. Für die Atomenlehre ist dieses Verhalten ein Beweis für die von ihr 
vorausgesetzte Gruppirung der Schwefel- und der Sauerstoffatome zu Schwe- 
felsäure und zu schwefelichter Säure, die durch das Zusammengiefsen beider 
Säuren nicht verändert wird. 

Das Verhalten der flüssigen Mischungen, von denen sich nicht erwei- 
sen läfst, dafs sie sich im Zustande eines blofsen Gemenges befinden, führt 
einfach zu der Ansicht, dafs es nicht genügt, die Beschaffenheit einer Mi- 
schung nach dem Verbindungsverhältnifs allein zu beurtheilen, sondern dafs 
nothwendig auch die Intensität der Verbindung, nämlich der Grad der 
Verdichtung, den die Körper bei ihrer Vereinigung wechselseitig erfahren, 
berücksichtigt werden mufs. Bei jeder chemischen Verbindung werden das 
Verbindungsverhältnifs und der Verdichtungszustand der Mischung für deren 
Natur und Beschaffenheit entscheidend sein. Man könnte lockerere und in- 
nigere Verbindungen unterscheiden, um durch den Namen schon den Grad 



über- die chemische T ' erbindung der Körper. 47 

der Verdichtung der Materie in der Mischung anzudeuten. Je lockerer die 
Vereinigung, desto leichter wird sie auch wieder aufgehoben werden. Die 
lockersten Verbindungen sind wahrscheinlich die Verbindungen der Gasarten, 
die sich nicht oder nur wenig verdichten. Ein Beispiel von einer solchen 
Verbindung bietet die atmosphärische Luft dar. Man kennt nicht die Mittel, 
welche die Natur anwendet, um das Verhältnifs des Sauerstoffgases zum Stick- 
gase auf eine wunderbar überraschende ^ eise in der Atmosphäre aufrecht 
zu erhalten. So locker die Verbindung der beiden Gasarten auch sein mag, 
so ist das Verbindungsverhältnifs doch wahrscheinlich schon genügend, um 
die Absonderung des einen, oder die Aufnahme des anderen Bestandtheils 
befördern und erleichtern zu helfen, wenn einer über den andern durch ir- 
gend einen Prozefs der Natur ein Übergewicht erhalten sollte. Beide Gas- 
arten erhalten sich wechselseitig etwa in derselben Art im Gleichgewicht, 
wie zwei Salze, die bis zur Sättigung im Wasser aufgelöst sind und von denen 
das eine durch das andere verhindert wird, sich in derjenigen Menge mit dem 
Wasser zu verbinden, wie es ohne die Gegenwart des andern Salzes gesche- 
hen sein würde; oder wie zwei Salze, die sich wechselseitig aus der Auflö- 
sung in Wasser niederschlagen, um unverändert dieselben Verhältnisse in der 
Auflösung festzuhalten, die ihnen für einen bestimmten Grad der Tempera- 
tur zukommen. 

Etwas inniger als die Verbindungen von Gasarten, welche durch die 
sogenannte Diffusion derselben entstehen, mögen diejenigen Verbindungen 
sein, welche bei den Absorptionsphänomenen erbalten werden. Diese Ver- 
bindungen tragen schon mebr den Charakter der chemischen Vereinigung an 
sich, indem bei der Absorption der Gasarten durch Flüssigkeiten oder durch 
poröse Körper Wärme entwickelt wird und das Maximum der Gasarten nach- 
gewiesen werden kann, welches sich durch Absorption mit den flüssigen oder 
mit den porösen starren Körpern verbindet. Man weifs sogar, dafs das eine 
Gas durch das andere theilweise ausgetrieben wird, wobei sich kein Vorzug 
des einen Gases vor dem andern weiter geltend macht, als derjenige, welcher 
aus den Verbindungsverhältnissen selbst entspringt. Von dem, was man nä- 
here oder entferntere Verwandtschaft genannt hat, zeigt sich bei diesen Ver- 
bindungen nichts, sondern die Gasarten verdrängen sich wechselsweise und 
setzen sich in ein Gleichgewicht, genau so, wie sich einige Salze wechselseitig 
aus der wässerigen Auflösung so lange verdrängen, bis sie das für eine be- 



48 Karsten 

stimmte Temperatur ihnen zustehende Gleichgewicht in der flüssigen Mi- 
schung erreicht hahen. Durch geringe Temperaturerhöhung werden diese 
lockeren Verbindungen in der Regel schon wieder aufgehoben. 

Dafs auch bei der Auflösung der Salze in Wasser oder in dem im 
Ubermaafs vorhandenen Auflösungsmittel, oder in irgend einer andern Flüs- 
sigkeit, zu welcher die Salze eine Verbindungsfähigkeit besitzen, eine bedeu- 
tende Verdichtung des auflösenden und des aufzulösenden Körpers nicht er- 
folge, ergiebt sich aus der Wärmeabsorption, die mit dem Auflösungsprozefs 
verbunden ist. Auch diese flüssigen Mischungen müssen daher als sehr lok- 
kere Verbindungen betrachtet werden, und es kann nicht befremden, dafs die 
Verbindung durch Verdampfen des im Ubermaafs vorhandenen Auflösungs- 
mittels oder durch Hinzubringen eines andern Körpers, welcher sich mit dem 
Auflösungsmittel vereinigt, wieder aufgehoben wird. Dennoch ist der Verbin- 
dungszustand innig genug, um zu bewirken, dafs sich das Auflösungsmittel 
zwischen dem aufgelösten Salz und dem hinzugefügten Körper theilt, so dafs 
es niemals gelingt, durch vergröfserte Zusätze des letztern das aufgelöste Salz 
ganz abzusondern. Aus einer wässerigen Auflösung von Kochsalz schlägt ab- 
soluter Alkohol in einer bestimmten Temperatur immer nur eine gewisse 
Quantität Kochsalz nieder, und die gänzliche Absonderung des letztern durch 
Alkohol ist ganz unstatthaft, es mag die Quantität desselben auch noch so 
sehr vergröfsert werden. Dieser Erfolg läfst sich nicht — wie es gewöhnlich 
geschieht, — dadurch erklären, dafs der mit Wasser verbundene Alkohol die 
Eigenschaft besitze, das Kochsalz aufzulösen, sondern er findet seine Erklä- 
rung darin, dafs Kochsalz und Alkohol um die Verbindung mit dem Wasser 
kämpfen und sich in dessen Besitz theilen, weil sowohl die Verbindung des 
Kochsalzes, als die des Alkohols, mit dem Wasser Vereinigungen von gerin- 
ger Intensität und schwacher Verdichtung darstellen, so dafs keine von die- 
sen Verbindungen die andere vollständig überwältigen kann. 

Von anderer Art sind die Erscheinungen, welche sich beim Auflösen 
eines an der Luft zerfallenen oder verwitterten Salzes in Wasser darbieten. 
Die erste Wechselwirkung beider Körper auf einander besteht darin, dafs 
sich eine neue Art bildet, welche sich zuerst absondert, aber sogleich nach 
erfolgter Bildung vom Wasser aufgelöst wird. Der Prozefs ist also ein zu- 
sammengesetzter, bei welchem zuerst eine starke Verdichtung und demnächst 
eine schwache eintritt. Dem krystallisirten Salz mit Krvstallwasser vermag 



über die chemische T erbindung der Körper. 49 

der Alkohol dieses, wenigstens in der gewöhnlichen Temperatur, nicht mehr, 
oder nur zu einem geringen Theil zu entziehen. In einer erhöheten Tempe- 
ratur wird die Verbindung lockerer, und nun gelingt es dem Alkohol, sich 
eines gröfsern Antheils des Krystallwassers des Salzes zu bemächtigen. 

Am gröfsten ist die Verdichtung und daher auch am stärksten die 
Wärmeentbindung, wenn zwei Körper sich in den zur Bildung einer beson- 
dern Art erforderlichen Verhältnissen mit einander vereinigen. Auch bei 
solchen Arten, in deren Mischung das Wasser mit eingeht, ist die Verdichtung 
zuweilen so grofs, dafs sie den höchsten Graden der Temperatur ausgesetzt 
werden können, ohne den Lockerheitszustand zu erhalten, welcher zur Was- 
serbildung und Wasserentziehung durch Verflüchtigung erforderlich ist. Mit 
Recht sind es die chemischen Verbindungen, die eine bestimmte Art bilden, 
welche die Aufmerksamkeit der Chemiker vorzugsweise beschäftigt haben. 
Sie sind es auch zugleich, welche nach der Ansicht über die Zusammen- 
setzung der Körper aus einfachen und zusammengesetzten Atomen, nur al- 
lein als wahre chemische Verbindungen angesehen werden. Zu einer solchen 
Annahme ist für den Dynamiker kein Grund vorhanden, weil die Verbin- 
dungsverhältnisse der Mischung so wenig, als der \ erdichtungszustand der 
Materie, über den Begriff von einer chemischen Verbindung entscheiden. 
Nun läfst sich aber über den Zustand der Körper in einer flüssigen Mischung 
durch Erfahrung oder durch einen Versuch kein Urtheil abgeben. Keine 
Erfahrung berechtigt, in der Flüssigkeit das Vorhandensein einer schon ge- 
bildeten Art vorauszusetzen, aber die Erfahrung kann auch nicht die Über- 
zeugung verschaffen, dafs bei einer homogenen flüssigen Mischung eine voll- 
ständige Durchdringung aller ihrer Bestandtheile dergestalt stattgefunden 
habe, dafs jeder derselben ganz, einen und denselben Raum erfüllt. Nur 
der Verstand, — so scheint es — ist genöthigt, bei einer vollkommen gleich- 
artigen flüssigen Mischung, die einen endlichen Raum einnimmt, diese Gleich- 
artigkeit in jedem unendlich kleinen Theil dieses Raumes als vorhanden an- 
zuerkennen. Man betrachtet atomistisch die flüssigen Mischungen aber als 
Aggregate einer bestimmten Art mit Wasserthcilchen oder mit den Theil- 
chen eines oder des andern des im Ubermaafs vorhandenen und im flüssigen 
Zustande befindlichen Bestandtheils. Nach der dynamischen Ansicht kann 
die Art nicht gebildet in der flüssigen Mischung vorhanden sein, weil diese 
eine homogene Vereinigung aller ihrer Bestandtheile ist. Wenn eine aus 
Physik.-math. Kl. 1841. G 



50 Karsten 

Kali und Salpetersäure, mit einem Uberschufs des einen oder des andern Be- 
standteils gebildete, flüssige Mischung gegeben wäre, so wird vorausgesetzt, 
dafs in der Mischung Kalisalpeter vorhanden und mit Atomen von Kali oder 
von Salpetersäure umlagert ist, indem beim Verdampfen der Flüssigkeit im- 
mer nur neutraler Kalisalpeter gebildet wird. Die gänzliche Verschiedenar- 
tigkeit des Zustandes der flüssigen Mischung und des als eine besondere Art 
aus derselben ausgeschiedenen Kalisalpeters giebt dem Dynamiker dagegen 
die Überzeugung, dafs keiner von beiden Körpern in der flüssigen Mischung 
befindlich, sondern dafs ein neuer Körper gebildet worden ist, der nur so 
lange existirt, als die Verhältnisse fortdauern, unter welchen die flüssige Mi- 
schung entstanden ist. Wenn sich die Atomenlehre auf die Erfahrung be- 
ruft, dafs noch niemals eine Verbindung von Kali und Salpetersäure, aufser 
in den Mischungsverhältnissen, die den beiden Körpern im Kalisalpeter zu- 
kommen, dargestellt worden sei; so räumt der Dynamiker ein, dafs die Ver- 
bindung beider Körper zu einer besondern Art zwar nur in dem einzigen 
bisher aufgefundenen Mischungsverhältnifs statthabe, dafs aber eine unend- 
liche Menge von chemischen Verbindungen zwischen beiden Körpern, so 
lange sich die Mischung im flüssigen und homogenen Zustande befindet, als 
möglich und als wirklich vorhanden, zugegeben werden müsse. Welche von 
beiden Hypothesen die richtige sei, darüber kann auch dann nicht entschie- 
den werden, wenn statt des Kali eine andere, in Wasser unauflösliche Base, 
ein Metall oder ein Metalloxyd, gesetzt wird. Der auf diese Art abgeänderte 
Versuch kann keinen andern Aufschlufs geben, als den, dafs die in Wasser 
nicht auflösbaren Basen das bekannte Verbindungsverhältnifs mit der Säure 
auch im flüssigen Zustande der Mischung nicht überschreiten. So charakte- 
ristisch aber auch dies Verhalten der flüssigen, nach bestimmten Verbindungs- 
verhältnissen gebildeten Mischungen sein mag, so wenig kann es als ein ab- 
solut unabänderliches betrachtet werden. Es dürften nur wenige Metalle 
und Metalloxyde vorhanden sein, die in erhöhter Temperatur, nämlich in 
anhaltender Siedhitze, nicht noch ein anderes, als das sogenannte neutrale, 
Verbindungsverhältnifs, mit der Säure eingehen. Dafs die dabei entstehen- 
den Verbindungen nicht aufgelöst bleiben, sondern als besondere Arten aus 
der Flüssigkeit ausgeschieden werden, weil sie in derselben nicht auflöslich 
sind, ändert im Erfolge nichts ab, und dieser Erfolg besteht wesentlich darin, 
dafs sich die Säure in der Siedhitze mit der im Wasser unauflöslichen Basis 



über die chemische Verbindung der Körper. 51 

eben so wohl als mit der darin auflöslichen, mit einer gröfsern Quantität der 
Basis verbindet, wie in der gewöhnlichen Temperatur. Dieser Erfolg zeigt 
offenbar, dafs die Mischungen, welche man nur allein als chemische Verbin- 
dungen zu betrachten geneigt ist, durch allmälige Übergänge sich den soge- 
nannten Auflösungen annähern, so wie die Auflösungen den Absorbtionserfol- 
gen und diese den Diffusionserscheinungen bei den Gasen. Setzt man statt 
der unauflöslichen, eine in Wasser auflösliche Base, so ist man vollkommen 
berechtigt, die homogene flüssige Mischung gleichfalls als eine basische Ver- 
bindung der Säure mit der Basis, wenngleich in unbestimmten Verhältnissen 
und in einem als eine besondere Art nicht darstellbaren Zustande, zu betrach- 
ten. Auch einige Erden liefern basische Verbindungen, wenn sie mit ihren 
neutralen Salzen anhaltend in der Siedhitze behandelt werden. Tritt ein ähn- 
licher Erfolg bei den alkalischen Basen nicht ein, so kann der Grund in der 
leichten Auflöslichkeit der Alkalien und der alkalischen basischen, für sieb 
nicht darstellbaren Salze gesucht werden. Die Bildung basischer Salze, als 
für sich darstellbarer Arten, wird in dem Maafse schwieriger, in welchem die 
Intensität der Verbindung zu neutralen Salzen, d.h. die Verdichtung der Be- 
standteile der Mischung, gröfser wird. Von den Alkalien und den mehrsten 
Erden ist es bekannt, dafs sie sich im Zustande einer aufserordentlichen Ver- 
dichtung befinden, indem sie als Oxyde ein gröfseres speeifisches Gewicht, 
wie im metallischen Zustande, besitzen, eine Eigenschaft, welche sie auf die 
neutralen Verbindungen mit Säuren übertragen. 

Aus dem Zustand der flüssigen Mischungen läfst sich also nicht ent- 
nehmen, wie die Verbindung der Körper, aus denen sie hervorgegangen sind, 
vollbracht wird. Aber das Verhalten dieser Mischungen setzt es aufsei* Zwei- 
fel, dafs sich der neu gebildete flüssige Körper, nach den Umständen unter 
welchen er entstanden ist, in einem sehr verschiedenen Grade der Verdich- 
tung befinden kann, eine Verschiedenheit, die sich vorzugsweise durch 
Wärmeerscheinungen im Akt seiner Bildung, durch die Wärmecapacität und 
durch das speeifische Gewicht während seines Bestehens, so wie durch die 
leichtere und schwierigere Zersetzbarkeit bei der Einwirkung der Wärme 
oder einer fremden Materie in dem Augenblick seiner Vernichtung, zu er- 
kennen geben mufs. Nur diejenigen flüssigen Mischungen, welche eine für 
sich bestehende eigenthümliche Art bilden, und denen der flüssige Cohä- 
sionszustand in der gewöhnlichen Temperatur eigentümlich ist, zeigen stets 

G2 



52 Karsten 

und nothwendig eine Zusammensetzung nach bestimmten Verhältnissen, 
welche sich bei ihrer Zerstörung nach Maafs und Gewicht nachweisen las- 
sen. Diese Zusammensetzung, als das Resultat der Analyse, wird für Flüs- 
sigkeiten, die ganz verschiedene Wärmecapacitäten und verschiedene speci- 
fische Gewichte besitzen, und welche ganz verschiedenen Zerstörungsformen 
in der erhöheten Temperatur oder durch die Einwirkung fremder Stoffe un- 
terliegen, also für Flüssigkeiten, die in der Natur und in ihrem Verhalten 
durchaus verschieden sind, möglicherweise ganz gleich gefunden werden 
können. Auf dies Resultat, so überraschend es scheint, ist man schon durch 
das verschiedenartige Verhalten der flüssigen Mischungen nach unbestimmten 
Verbindungsverhältnissen vorbereitet; es erscheint als eine nothwendige Folge 
der verschiedenartigen Verdichtung der Materie, worauf die Verbindungsver- 
hältnisse an sich ohne Einflufs sind. 

Bei den nicht einfachen, festen oder starren Körpern ist, mit wenigen 
Ausnahmen deren Betrachtung nicht hierher gehört, stets eine Zusammen- 
setzung nach bestimmten Verhältnissen der Mischung vorauszusetzen, weil sie 
sich schon als eine bestimmte Art aus einer flüssig gewesenen Mischung ab- 
gesondert haben. Bei ihnen wird, fast noch mehr wie bei den flüssigen Mi- 
schungen, der Einflufs der gröfsern und geringern Verdichtung der Materie 
auf das physikalische und chemische Verhalten des Körpers erkennbar. 
Selbst bei den einfachsten Verbindungsverhältnissen zeigt sich diese Ver- 
schiedenheit. Wie verschieden ist das Verhalten der geglühten und der 
nicht geglühten oxydirten Körper, des auf nassem Wege bereiteten schwar- 
zen und des durch Sublimation gewonnenen rothen Zinnobers, des Schwe- 
fel- und des Kammkieses, des Kalkspaths und des Arragons, des Granat und 
des Vesuvian? Erst durch genaue und wiederholte Analysen ist es endlich 
gelungen, sich die Überzeugung zu verschaffen, dafs diese Körper und viele 
andere, die noch genannt werden könnten, in ihrer chemischen Zusammen- 
setzung nicht abweichen, obgleich ihr physikalisches und chemisches Verhal- 
ten diese Voraussetzung vollkommen rechtfertigten, so lange durch die Ana- 
lyse das Gegentheil noch nicht erwiesen war. Sogar bei einfachen Stoffen 
zeigt sich bekanntlich das ganz verschiedenartige Verhalten, welches nur al- 
lein durch die verschiedenen Grade der Verdichtung der Materie veranlafst 
wird. Wie verschieden mufs, um ein Beispiel von minder zusammengesetz- 
ten Körpern anzuführen, die Verdichtung des Eisens und des Sauerstoffs im 



über die chemische Verbindung der Körper. 53 

Magneteisenstein und im Eisenglanz, wie verschieden die Verdichtung des 
Eisens und des Schwefels im Magnetkies und im Schwefelkies sein, indem 
der Eisenglanz den Magneteisenstein, der Schwefelkies den Magnetkies im 
speeifischen Gewicht übertreffen, obgleich nach den Verbindungsverhältnis- 
sen gerade das Gegentheil hätte eintreten sollen. Ist es etwa die Verschie- 
denheit in der chemischen Zusammensetzung und ist es nicht vielmehr blofs 
der verschiedene Grad der Verdichtung der Materie, wodurch der bei 148°C. 
erhitzte Gips dem natürlichen Anhydrit ähnlich wird und die Eigenschaft, 
sich mit Wasser zu verbinden, verloren hat, welche er in hohem Grade be- 
sitzt, wenn die Erhitzung die Temperatur von 132° C. nicht überschreitet? 
Das physikalische und das chemische Verhalten der Körper sind also offen- 
bar von ihrer chemischen Zusammensetzung und von den Verbindungsver- 
hältnissen der Stoffe, aus denen sie hervorgegangen sind, allein nicht abhän- 
gig, sondern der Grad der Verdichtung der Materie ist nicht minder das Be- 
stimmende für ihr Verhalten und für ihre physikalischen und chemischen 
Eigenschaften. Die wichtige und einflufsreiche Lehre von der Isomorphie 
der Körper, deren Begründung und scharfsinnige Ausführung die Wissen- 
schaft Herrn Mitscherlich zu verdanken hat, findet ihren letzten Grund in 
der Verschiedenheit der Verdichtungsgrade der Materie, welcher für einzelne 
Reihen von Körpern einem gemeinschaftlichen und übereinstimmenden Ge- 
setz unterworfen zu sein scheint, während für andere Reihen von Körpern 
ein abweichender Verdichtungszustand derselben Materie stattfinden kann. 

Es ist sehr schwer, die Gränze zwischen einer organischen und unor- 
ganischen chemischen Verbindung zu bestimmen. Allenfalls könnte man die- 
jenigen Verbindungen organische nennen, bei denen ein solcher Grad der 
Verdichtung ihrer Grundbestandtheile stattfindet, dafs sie aus diesen ihren 
Grundbestandtheilen durch die bis jetzt bekannten chemischen Reactionen 
nicht dargestellt werden können. Die Vorstellung, dafs organische Körper 
Verbindungen von wenigstens drei Elementen sind, hat längst wieder aufge- 
geben werden müssen, oder man würde auch die Sauerkleesäure, das Citro- 
nenöl, das Terpentinöl zu den unorganischen Verbindungen deshalb zählen 
müssen, weil nur zwei Elemente in ihre Mischung eingehen. Aufserdem ist 
die Vorstellungsart von der Zusammensetzung der Körper nach binären, ter- 
nären u. s. f. Verbindungen mit eingestreuten leeren Räumen, wobei die Stel- 
lung und durch eine beliebige Vervielfachung sogar die Gröfse der Atome 



54 Karsten 

und der leeren Fiäume dem jedesmaligen Bedürfnifs gemäfs verändert werden 
kann, eine ganz hypothetische und völlig unerweishare. Macht etwa der An- 
blick eines reinen klaren Bergkrystalles, oder des Isländischen Doppelspaths 
den Eindruck der Ungleichartigkeit der Materie, welche den Raum erfüllt? 
Den Eindruck, als ob Atome von Sauerstoff und Silicium, oder Atome von 
Sauerstoff, Kohle und Calcium mit einer unendlichen Anzahl von leeren 
Räumen in der Masse des Krystalles abwechseln? Schon vor einem halben 
Jahrhundert urtheilte Kant über diese Vorstellungsart: „Alles was uns des 
Bedürfnisses überhebt, zu leeren Räumen unsere Zuflucht zu nehmen, ist 
wirklicher Gewinn für die Naturwissenschaft. Denn diese geben gar zu viel 
Freiheit der Einbildungskraft, den Mangel der innern Naturkenntnifs durch 
Erdichtung zu ersetzen. Das absolut Leere und das absolut Dichte sind in 
der Naturlehre ohngefähr das, was der blinde Zufall und das blinde Schick- 
sal in der metaphysischen Wissenschaft sind, nämlich ein Schlagbaum für die 
herrschende Vernunft, damit entweder Erdichtung ihre Stelle einnehme oder 
sie auf dem Polster dunkler Qualitäten zur Ruhe gebracht werde". — Man 
wird hinzusetzen müssen, dafs auch der Begriff von dem Wesen der Körper- 
theilchen, welche durch die leeren Räume unterbrochen werden, nicht ge- 
eignet ist, die inneren Widersprüche zu heben, zu welchen die Atomenlehre 
führen mufs. Alles, was ausgedehnt ist, mufs theilbar sein; man gesteht da- 
her den Atomen die geometrische Theilbarkeit zu, spricht ihnen aber die 
physische ab. Will man sich auch über diese Vorstellung, mit welcher der 
Mathematiker am wenigsten einverstanden sein kann, hinwegsetzen, und gelingt 
es dem widerstrebenden Verstände, sich die Atome der Körper als mathema- 
tisch theilbare und physisch untheilbare, feste und starre Theilchen zu den- 
ken; so bleibt ihm noch die zweite Schwierigkeit zu überwinden, sich nicht 
allein die starren, sondern auch die tropfbar flüssigen und die luftförmigen 
Körper als Aggregate von solchen festen, starren, absolut dichten und wider- 
stehenden Körpertheilchen vorzustellen. Die stetige Erfüllung eines end- 
lichen Raumes durch die Materie, welche die Atomenlehre verwirft, mufs sie 
also für einen unendlich kleinen Theil dieses Raumes nothwendig voraus- 
setzen, mit welcher Voraussetzung aber die physische Theilbarkeit der Atome 
im Widerspruch steht. Wollte man, um diesem Widerspruch zu entgehen, 
die physische ebenso, wie die mathematische Theilbarkeit der Atome einräu- 
men, so würde dadurch der Begriff von Atomen aufgehoben werden, und die 



über die chemische Verbindung der Körper. 55 

Atomenlehre wird genöthigt sein, die stetige Erfüllung eines endlichen Rau- 
mes durch die Materie gleichzeitig zu läugnen und zu behaupten. Die orga- 
nischen Verbindungen sind es, bei welchen die Vervielfachung und die Ver- 
änderung in der Lage der Atome besonders in Anspruch genommen werden. 
Der Grund liegt darin, dafs bei den organischen Verbindungen noch häufiger, 
als bei den unorganischen, der Fall eintritt, dafs die verschiedenartige Ver- 
dichtung der Materie, bei übrigens gleicher chemischer Zusammensetzung, 
eine grofse Verschiedenartigkeit im physikalischen und chemischen Verhalten 
der Körper veranlafst. 

Während man den Begriff von chemischer Verbindung zu sehr zu be- 
schränken und nur auf Verbindungen von bestimmten Verhältnissen anzu- 
wenden bemüht gewesen ist, hat man dem Begriff von chemischer Trennung 
eine ungebührliche Ausdehnung, und, wie es scheint, nur allein aus dem 
Grunde gegeben, weil die Bildung einer neuen Art durch die Aufhebung 
der Mischungsverhältnisse anderer Arten bewirkt werden mufs. Erhöhete 
Temperatur macht die unorganischen Verbindungen bald lockerer, bald ver- 
dichtet sie dieselben mehr. Die organischen Verbindungen werden, wohl 
ohne Ausnahme, lockerer und schon in mäfsig gesteigerten Temperaturen 
vernichtet und zu neuen Arten umgebildet. Dieser Vernichtung liegt keine 
chemische Einwirkung auf den Körper zum Grunde; sie ist ganz allein eine 
Folge der Auflockerung oder der geringern Verdichtung der Materie, wes- 
halb gewöhnlich die Beschaffenheit der entstehenden Produkte von der Höhe 
der Temperatur abhängt, in welcher die Entmischung des Körpers erfolgt. 
Auch die unorganischen Verbindungen werden in erhöhten Temperaturen 
nicht in Folge eines chemischen Prozesses entmischt, sondern bald mehr auf- 
gelockert, bald stärker verdichtet; in beiden Fällen aber neue Arten gebildet. 

Die Entmischung organischer Verbindungen und die damit verbun- 
dene Bildung neuer Arten, durch die blofse Anwesenheit eines andern Kör- 
pers, welcher an den Veränderungen oder an den inneren Bewegungen der 
Materie keinen Antheil nimmt, so wie die Verdichtungen der Gasarten durch 
Metalle, sind ohne Zweifel Wirkungen der Contact-Elektricität. Wenigstens 
stimmen die Erscheinungen bei diesen Prozessen theils mit den Elektricitäts- 
äufserungen bei der Berührung heterogener Flüssigkeiten, theils mit den 
Vorgängen in der Zersetzungszelle der Volta'schen Säule so sehr überein, 
dafs man wohl berechtigt ist, die inneren Veränderungen der Materie durch 



56 Karsten 

den Contact, von einem eigentümlichen Prozefs abzuleiten, welcher durch 
elektrische Ausgleichungen zwischen den sich berührenden Körpern zuerst 
eingeleitet wird. Diese Wirkungen sind so wenig die Erfolge eines chemi- 
schen Prozesses, dafs sie vielmehr aufhören oder mindestens geschwächt und 
rnodificirt werden würden, wenn eine chemische Einwirkung zwischen dem 
berührenden Körper und der zu zersetzenden Mischung, oder auch zwischen 
dem starren Elektricitätsleiter und der Flüssigkeit in den Zellen der Säule 
einträte. Die Kraft, durch welche eine chemische Vereinigung zweier Kör- 
per hervorgebracht wird, ist eine die Materie durchdringende Kraft, 
durchweiche sich ein Körper in den Raum des qualitativ andern, so wie die- 
ser in den Raum des ersten fortsetzt, so dafs beide gemeinschaftlich einen 
und denselben Raum erfüllen und keine mathematische Gränze zwischen bei- 
den mehr angegeben werden kann. Die elektrische Kraft ist eine Flächen- 
kraft, welche die Gränze der Körper nicht überschreitet, und daher nur so 
lange wirksam sein kann, als bei der Berührung die Gränze zwischen beiden 
Körpern aufrecht erhalten wird. Diese fortdauernde Trennung der Gränzen 
bei der Berührung ist also die nothwendige Bedingung für die Erregung des 
elektrischen Zustandes der Materie, welcher in demselben Augenblick auf- 
hören mufs, wo sich ein wirklicher chemischer Prozefs einleitet, d.h. wo die 
Gränzen der Körper zusammenfallen und vollständig aufgehoben werden. 
Die Entmischung des flüssigen Körpers durch Elektricität in der galvanischen 
Kette wird nicht durch einen chemischen Prozefs, sondern durch das polare 
Auseinandertreten des in ihm selbst erregten elektrischen Zustandes, in der 
Art hervorgebracht, dafs durch die Elektricitäten der verbundenen starren 
Leiter die entgegengesetzten Elektricitäten der Flüssigkeit angezogen werden 
und die Materie, als Träger der Kraft, den Polen zugeführt wird. Wie bei 
der chemischen Durchdringung, so auch bei der elektrischen Erregung durch 
Berührung, ist die Wirkung der Körper wechselseitig, und die starren Elek- 
tromotoren werden nicht blofs durch die Berührung mit einander, sondern 
zugleich auch durch die mit der Flüssigkeit, so wie diese wieder durch die 
Berührung mit den starren Leitern, in den entgegengesetzten elektrischen 
Zustand versetzt. Der elektrische Strom, welcher sich durch die galvanische 
Kette bewegt, leitet daher seine Quelle aus der Flüssigkeit ab, welche dabei 
verändert wird, und die Annahme, dafs ein elektrischer Strom durch die 
Flüssigkeit gehe, ist eine unerwiesene, sehr unwahrscheinliche Hypothese. 



über die chemische Verbindung der Körper. 57 

Anders verhält es sich mit der Reibungs-Electricität wenn sie in eine Flüs- 
sigkeit geleitet wird. Diese bewegt sich in der That von einem Pol zum an- 
deren durch die Flüssigkeit; aber eben deshalb sind die sogenannten chemi- 
schen Wirkungen dieser freien Electricität auf die Flüssigkeit auch so schwach 
und so unbedeutend, dafs sie mit den Erfolgen durch die Contacts- Electri- 
cität nicht zu vergleichen sind und fast bis zum Unkenntlichwerden ver- 
schwinden. 

Die Trennung der Bestandtheile einer Mischung durch chemischen 
Prozefs kann nur durch die chemische Einwirkung einer Materie auf die an- 
dere bewirkt werden und dann müssen nothwendig beide Körper an dieser 
Mischungsveränderung Theil nehmen. Das Wesen des chemischen Prozes- 
ses ist aber nicht Trennung, sondern Vereinigung qualitativ verschiedener 
Materien und was sich als eine besondere Art aus einer flüssigen Mischung 
absondert, das trennt sich nicht durch chemische Kräfte, sondern durch eine 
denselben widerstrebende Kraft. Nähere und entferntere, oder gröfsere und 
geringere chemische Verwandtschaft sind folglich nur bildliche Bezeichnun- 
gen für diese Kraft, welche man in der organischen Welt schon längst mit 
dem unbestimmten Namen der Bildungskraft bezeichnet hat und welche auch 
bei den unorganischen Verbindungen ihr Recht übt. 



Physik. - math. Kl. 1 84 1 . H 



Über 

die Ausdehnung der Gase durch die Wärme, 

H ,n MAGNUS. 



W W *■*.%* V\W V VW 



[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 25. November 1841.] 



D ; 



"ie Genauigkeit der Resultate einer Untersuchung ist zwar abhängig von 
der Beobachtungsgabe dessen der sie anstellt, von seiner Geschicklichkeit 
und Gewissenhaftigkeit, aufserdem aber beruht sie auf den Hülfsmitteln wel- 
che der jedesmalige Zustand der W issenschaft für die Beobachtung darbie- 
tet. Diese Hülfsmittel vermehren sich mit dem Fortschreiten der Wissen- 
schaft und mit ihnen vervollkommnen sich die Beobachtungen und machen 
ältere unvollkommnere überflüssig und verwerfbar. Deshalb sind gewisse 
Untersuchungen in der Physik fast zu allen Zeiten wiederholt worden, um 
immer zuverlässigere und genauere Resultate zu erhalten. Mit wenigen ist 
dies in solchem Maafse der Fall gewesen, als mit der Bestimmung der Aus- 
dehnung der Luft durch die Wärme. So lange man überhaupt weifs, dafs 
die Luft durch die Wärme sich ausdehnt, oder seit 200 Jahren, wo Dreb- 
bel zuerst diese Ausdehnung benutzte, um Unterschiede in der Wärme zu 
bestimmen, ist man zu allen Zeiten bemüht gewesen, dieselbe genau zu 
messen. 

Es liegt nicht in meiner Absicht eine Geschichte der vielfachen Un- 
tersuchungen zu geben, die in dieser Beziehung angestellt sind. Sie würde 
von geringem Interesse sein, und überdies hat schon theils Hr. Gay-Lussac 
bei seiner Untersuchung über diesen Gegenstand, theils Gilbert in den An- 
merkungen zu der Gay-Lussacschen Arbeit ('), so wie in einem beson- 
dern Aufsalz ( 2 ) „Bemerkungen zu Dalton's Versuchen über die Ausdeh- 



(') Gilbert's Annalen XII. p.257. 
( 2 ) Ebendaselbst XIV. p.266. 

H2 



60 Magnus 

nung der expansibeln Flüssigkeiten durch Wärme etc." Einiges von den frü- 
heren Arbeiten angeführt. 

Ich will mich hier darauf beschränken anzuführen, dafs die ersten ge- 
nauem Versuche über die Ausdehnung der Luft von Amonton(') in den 
ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts angestellt sind. Er wandte dazu das 
von ihm construirte Luftthermometer an, und bestimmte mittelst desselben 
die Temperatur des schmelzenden Eises, und des kochenden Wassers, von 
welcher letzteren er schon wufste, dafs sie unveränderlich sei, denn er nennt 
sie Degre de chaleur qui fait boullier l eau et quelle ne peut passer. Aus 
seinen Bestimmungen ergiebt sich die Ausdehnung der Luft innerhalb dieser 
Temperaturen, zu 0,417 Theilen von dem Volumen der Luft bei 0°. 

Ihm folgten eine grofse Menge von Physikern, die auf ähnliche Weise 
während des ganzen vorigen Jahrhunderts zu verschiedenen Zeiten diese Un- 
tersuchung wiederholten, wie Nuguet, LaHire, Hawksbee, Bonne, 
Crucquius, Poleni, Musshenbroeck, Pristley, Berthollet, Monge, 
der ältere Saussure, Guyton de Morveau, G. G. Schmidt und vier 
Mitglieder dieser Academie, Sulzer ( 2 ), Lambert, Achard und Tremb- 
ley ( 3 ), welcher letztere die Arbeit von Prieur und Guyton Morveau 
revidirte. Sie erhielten alle die verschiedensten Zahlenwerthe. Interessant 
aber ist, dafs das richtigste Resultat dieser Academie angehört. Lambert( 4 ) 
fand nämlich 0,375 für die Ausdehnung der Luft. Doch schenkte er selbst 
dieser Zahl kein grofses Vertraun, denn seine Versuche gaben, nachdem er 
sie, so weit er es vermochte, corrigirt hatte 0,354, und nur, weil er gewisse 
Werthe nicht corrigiren konnte, meint er, dafs man besser thue, den uncor- 
rigirten Werth 0,375 als richtig anzunehmen. Jedenfalls ist es ein Zufall 
wenn Lambert's Resultat richtiger ist, als die der Andern, denn er wandte 
ebenso wie jene die Luft an ohne sie zu trocknen. Erst 1787 machte 
Achard in einer Arbeit über barometrische und hygrometrische Messungen, 
in den Schriften dieser Academie ( 5 ), darauf aufmerksam, dafs die feuchte 
Luft sich stärker ausdehne, als die trockne, nachdem er im Jahre vor- 

(') Histoire de V Academie. de Paris 1703. p. 200. 

( 2 ) Histoire de l' Academie de Berlin 1753. p. 124. 

( 3 ) Desgleichen 1798. p.38. 
(*) Pjrometrie p.47. 

( 6 ) Memoires de /'Academie pnur 1787. p.7. 



über die Ausdehnung der Gase durch die TVärme. 61 



o 



her(') seine Untersuchung über die Ausdehnung der verschiedenen Gasar- 
ten, ohne Berücksichtigung dieses Unistandes bekannt gemacht hatte. So 
wenig gelangten aber damals die Arbeiten Einzelner zu allgemeinerer Kennt- 
nifs, dafs trotz Achards Bemerkungen und trotz der Untersuchung des Ka- 
plan Luz über denselben Gegenstand, die schon 1784 in seiner Beschrei- 
bung von allen Barometern erschienen war, Guyton de Morveau ( 2 ) und 
Prieur Duvernois bei ihrer 1789 erschienenen Arbeit noch nicht für nö- 
thig fanden die Luft auszutrocknen; und G. G. Schmidt ( 3 ) im Jahre 1797 
neue Versuche bekannt machte, durch welche er die Verschiedenheit der 
Ausdehnung von trockner und feuchter Luft nachwies. 

Durch so viele freilich auf mangelhafter Grundlage beruhende Ver- 
suche, waren am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts die widersprechendsten 
Resultate erhalten worden. Es war nicht nur unbekannt um wie viel sich 
die Luft ausdehne, sondern während Einige gefunden hatten, dafs sie sich 
gleichförmig ausdehnt d. h. proportional mit dem Quecksilber, widerspra- 
chen dies Andere und behaupteten, die Ausdehnung der Luft nehme in einem 
steigenden Verhältnifs mit der Temperatur zu. 

Erst zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde diese letztere Meinung 
durch eine sehr umfassende Untersuchung des Hrn. Gay-Lussac ( A ) wi- 
derlegt, in welcher derselbe zugleich zeigte, dafs die Ausdehnung der trok- 
kenen Luft von 0° bis 100° gleich 0,375 ihres Volumens bei 0° betrage, und 
dafs alle Gase und Dämpfe sich um denselben Werth innerhalb dieser Tem- 
peratur ausdehnen. Fast zu derselben Zeit hatte auch Herr Dalton ( 5 ) in 
Manchester denselben Gegenstand untersucht und gefunden dafs keine voll- 
kommene Proportionalität zwischen den Ausdehnungen der Luft und des 
Quecksilbers stattfinde, dafs aber 1000 Theile Luft von 55° F. sich um 321 
Theile ausdehnen, wenn sie bis 212° F. erwärmt werden, hierzu rechnete er 
noch 4 Theile für die Ausdehnung des Glases, und erhielt dadurch eine Ver- 
mehrung des Volumens um 0,325. Berechnet man hieraus die Ausdehnung 
der Luft von 32° F. bis 212° F., so findet man dieselbe = 0,372 vom Volumen 

(') Memoire* de VAcadernie pour 1786. p.19. 

( 2 ) Annales de Chimie I. p.256. 

( 3 ) Gren's Neues Journal der Physik IV. p.3'20. 
( ) Annales de Chimie XLIII. p. 137. 

( 5 ) Memoirs of the Literary and Philosoph. Society of Manchester Vol.V. Part. II. 598. 



62 Magnus 

der Luft bei 55° F. Diese Zahl stimmte so gut mit der von Herrn Gay- 
Lussac gefundenen überein, dafs man wahrscheinlich deshalb vergessen hat, 
dafs für diese letztere das Volumen der Luft bei 0° C. als Einheit angenom- 
men ist. Denn nimmt man für die von Herrn Dalton gefundene Aus- 
dehnung dieselbe Einheit, so wird diese = 0,3912. Auf diesen Irrthum 
hat schon Gilbert (') bald nach der Bekanntmachung der Daltonschen 
Untersuchung aufmerksam gemacht, doch scheint ihn Herr Dalton selbst 
übersehn zu haben, wie aus seinem New System of chemical Philosopliy 
hervorgeht ( 2 ). Vielleicht hat diese irrthümliche Übereinstimmung zwischen 
dem Resultate des Hrn. Dalton und dem des Hrn. Gay-Lussac dazu bei- 
getragen diese, durch den wissenschaftlichen Ruf des letzteren schon hinläng- 
lich verbürgte Zahl, als vollkommen sicher zu betrachten; noch mehr aber 
hat ohne Zweifel die Bestätigung dazu gedient, welche Herr Gay-Lussac 
durch eine, von der ersten ganz verschiedene, zweite Untersuchung lieferte. 

Bei der ersten Untersuchung hatte derselbe eine mit einem Hahn 
versehene und mit trockner Luft gefüllte Glaskugel angewendet, welche in 
ein Gefäfs mit Wasser gebracht und mit diesem bis zum Kochen erhitzt 
wurde. Um sie unter Wasser zu erhalten, war sie in einem eisernen Gestell 
befestigt. Mittelst einer eigenen Hebel-Vorrichtung konnte der nach unten 
gewendete Hahn geöffnet werden. Ein Theil der erhitzten Luft trat alsdann 
aus demselben heraus, während der übrige die Kugel erfüllte. Erkaltete 
diese dann, so zog sich die in ihr enthaltene Luft zusammen und es trat 
Wasser durch den Hahn hinein. Dieser wurde geschlossen, die Kugel aus 
dem Wasser genommen, und das in ihr enthaltene Wasser gewogen. Ebenso 
wurde der ganze Inhalt der Kugel mittelst Wasser ausgewogen und aus die- 
sen beiden Daten die Ausdehnung der Luft berechnet. 

Die Ungenauigkeit dieser Methode veranlafste Herrn Gay-Lussac 
ohne Zweifel später eine andere vollkommnere anzuwenden. Höchst in- 
teressant aber ist es zu sehn, wie selbst eine ungenaue Methode, wenn sie 
von der Hand eines Physikers wie Herr Gay-Lussac angewendet wird, zu 
den genausten, wenigstens zu ganz übereinstimmenden Resultaten führen 
kann. Herr Gay-Lussac brauchte bei seiner zweiten Untersuchung keinen 



(') Gilbert's Annalen XIV. p.266. 

( 2 ) Rudberg in Poggendorffs Annalen XLIV. p.123. 



über die Ausdehnung der Gase durch die Wärme. 63 

von den Zahlenwerthen zu widerrufen, die ihm die erste geliefert hatte. Bei 
dieser hatte er nämlich gefunden, dafs alle Gasarten sich von der Tempera- 
tur des schmelzenden Eises bis zu der des kochenden Wassers um 0,375 
Theile ihres Volumens bei 0° ausdehnen. Der kleinste Werth, den er er- 
hielt war 0,3710 und der höchste 0,3760. 

Die zweite Methode welche Herr Gay-Lussac anwandte hat der- 
selbe ebenso wenig als die durch sie erhaltenen Resultate, so viel mir be- 
kannt ist, mitgetheilt. Nur Herr Biot beschreibt sie in seinem Traue de 
Phjsique ('). Sie bestand darin, dafs in einer an dem Ende einer engen 
Glasröhre angeschmolzenen Kugel, ein bestimmtes Volumen Luft durch 
einen Tropfen Quecksilber abgesperrt wurde, der sich in der engen Röhre 
befand, und durch seine Capillarität diese stempelartig schlofs. Dieser Ap- 
parat wurde vollkommen horizontal in einen viereckigen Kasten gebracht 
und in demselben zuerst mit schmelzendem Eise und dann mit kochendem 
\Vas"ser umgeben. Die Röhre war vorher calibrirt, und das Verhältnifs der 
Röhre zur Kugel durch Auswägen mit Quecksilber bestimmt. 

Durch diese Methode erhielt Herr Gay-Lussac genau dasselbe Re- 
sultat, als durch die frühere, und da bei derselben alle Vorsichtsmafsregeln 
angewendet wurden, wie dies besonders von La Place in der Mechanique 
Celeste T.IV. p.270. angeführt wird, so schien kein Zweifel vorhanden, dafs 
die wahre Ausdehnung der Luft zwischen 0° und 100° genau 0,375 betrage. 
Eine vollkommene Bestätigung aber erhielt diese Zahl noch durch die 1816 
angestellten Untersuchungen der Hrn. D u 1 o n g und P e t i t über die Wärme ( 2 ). 
Diese verglichen nämlich die Ausdehnung der Luft mit der Ausdehnung des 
Quecksilbers für Temperaturen, die höher sind, als die des kochenden Was- 
sers-, mufsten aber zu dem Ende die Ausdehnung der Luft zwischen dem 
Frostpunkte und dem Kochpunkte des Wassers noch einmal bestimmen. Sie 
wandten hierfür verschiedene Methoden an, am häufigsten verfuhren sie auf 
folgende Weise: Die Luft wurde in einer weiten, vollkommnen trocknen 
Röhre eingeschlossen, und diese horizontal in einen Kasten eingelegt, in 
dem sie den verschiedenen Temperaturen ausgesetzt werden konnte. Diese 
Röhre war an dem einen Ende zugeschmolzen und an dem andern in eine 

(') Tom. I. p.182. 

(*) Annales de Chim. et de Phjsiq. ü. p. 240. u. VII. p.120. 



64 Magnus 

sehr feine Röhre ausgezogen, deren Inhalt nur ein zu vernachlässigender 
Theil des Inhalts der ganzen Röhre war. 

Wenn die Luft die Temperatur angenommen, bis zu der sie erwärmt 
werden sollte, so wurde die feine Spitze, die aus dem Kasten hervorragte, 
mit dem Löthrohr zugeblasen, dann die Röhre bis zur Temperatur der um- 
gebenden Luft abgekühlt und die feine Spitze unter Quecksilber abgebro- 
chen. Es trat Quecksilber in die Röhre, und aus der Vergleicbung des Ge- 
wichts desselben mit der Quecksilbermasse, welcbe die Röhre ganz füllte, 
wurde die Ausdehnung der Luft, mit Berücksichtigung der stattfindenden 
Druckverhältnisse bestimmt. Sie erhielten dabei genau denselben Coefficien- 
ten als Herr Gay-Lussac und sagen ausdrücklich ('): Nous ne nous pro- 
posiofis nullement de vcrißer par la une dctermination sur laquelle on ne peut 
elever aucun doute; mais la co'incidence de notre resultat avec celui de M. 
Gay-Lussac a ete pour nous la meilleure preuve de la rigoureuse exacütude 
du procede dont nous nous sommes servis. Daher wurde der Gay-Lussac- 
sche Coefficient ganz allgemein von Astronomen und Physikern als richtig 
angenommen, und ich inufs gestehn, es ist zu verwundern, dafs überhaupt 
noch jemand die Richtigkeit desselben in Zweifel zu ziehn und eine neue 
Untersuchung zu unternehmen wagte, nachdem Herr Gay-Lussac durch 
zwei verschiedene Methoden übereinstimmende Resultate erhalten und die 
Herrn Dulong und Petit, Physiker, die in Betreff ihrer Zuverlässigkeit 
und Genauigkeit das gröfste Vertrauen geniefsen, dasselbe bestätigt hatten. 
Aber nachdem fast während vier Decennien diese Zahl als eine der festesten 
und am sichersten ermittelten, betrachtet worden, trat Herr Rudberg in 
Upsala mit einer neuen Arbeit über diesen Gegenstand hervor, durch welche 
er gefunden hatte, dafs die Ausdehnung der Luft nicht 0,375, sondern nur 
0,364 bis 0,365 betrage. 

Die Methode, deren sich Herr Rudberg ( 2 ) bei seiner Untersuchung 
bediente, war wesentlich verschieden von der des Herrn Gay-Lussac, so 
wie von der so eben beschriebenen der Herrn Dulong und Petit. Diese 
hatten die Veränderung des Volumens der Luft bestimmt, wobei dieselbe 



(') I.e. IL 249. 

( 2 ) Poggendorffs Annalen XLI. p. 271. und Vetenskaps Academiens Handlingar för 
1837. p.140. 



über die Ausdehnung der Gase durch die TVärme. 65 

unter demselben oder fast demselben Drucke, nämlich dem der Atmosphäre 
blieb. Bei der Metbode des Herrn Rudberg änderte sich hingegen das 
Volumen der Luft und der Druck unter dem sie sich befand. 

Er wandte für dieselbe eine Klaskugel an, die mit einer Thermome- 
ter-Röhre versehn und mit trockner Luft gefüllt war. Diese wurde in ver- 
ticaler Richtung in einen Siedeapparat gebracht, während das offene Ende 
der Thermometer-Röhre mit einer Chlorcalcium-Röhre verbunden war. 
Nachdem die Kugel die Temperatur des kochenden Wassers angenommen 
hatte, wurde die Chlorcalcium-Röhre entfernt und die Spitze der Thermo- 
meter-Röhre zugeschmolzen. Hierauf wurde die Kugel gewogen und dann 
die Spitze unter Quecksilber abgebrochen, die Kugel mit Eis umgeben und 
die Höhe des Quecksilbers in der Röhre gemessen. Nachdem dies geschehn 
war, wurde sie wieder gewogen, dann ganz mit Quecksilber bei 0° gefüllt 
und noch einmal gewogen. 

Später wandte Herr Rudberg noch ein anderes Verfahren an, bei 
welchem er nur die Veränderung der Elasticität bestimmte, welche die Luft 
bei den verschiedenen Temperaturen zeigt. Er bediente sich hiezu eines 
Apparates, den auch ich angewendet habe, und den ich später beschreiben 
werde. 

Mit beiden Methoden hat Herr Rudberg aber nur die Ausdehnung 
der atmosphärischen Luft vom Frostpunkt bis zum Kochpunkt des Wassers 
bestimmt, dahingegen hat Herr Gay-Lussac auch eine grofse Menge von 
anderen Gasarten untersucht und für sie wie schon bemerkt denselben Aus- 
dehnungs-Coefficienten gefunden, als für die atmosphärische Luft. Für 
höhere Temperaturen haben die Herrn Dulong und Petit gleichfalls den- 
selben Coefficienten für Wasserstoff als für atmosphärische Luft gefunden, 
und hielten sich berechtigt daraus zu schliefsen, dafs derselbe auch für alle 
andern Gasarten in höhern Temperaturen gelte. 

So genau nun auch die Arbeit des Herrn Rudberg ist, so sehr auch 
die Sicherheit ihres Resultates durch die Anwendung zweier abweichenden 
Methoden erhöht wird, so sprach doch das Ansehn der frühem Experimen- 
tatoren gegen die von ihm gefundenen Zahlen, und da derselbe unterlassen 
den Ausdehnungscoefficienten für die übrigen Gasarten zu bestimmen und 
es daher ganz ungewifs blieb, ob der von Herrn Gay-Lussac gefundene 
Ausdehnungscoefficient auch für die andern Gasarten geändert werden müsse 
Fhysüi.-math. Kl 1841. I 



66 Magnus 

oder nicht, so war man allgemein zweifelhaft, ob man den von ihm gefun- 
denen Ausdehnungscoefficienten ohne Bedenken annehmen sollte oder nicht. 
Wenn auch einige, den Französischen Experimentatoren weniger Vertrauen 
schenkend, den Rudbergschen Coefficienten ohne Weiteres annahmen und 
sogar für die übrigen Gasarten ausdehnten ( ] ), so behielten doch andere 
theils den Gay-Lussacschen bei ( 2 ), theils liefsen sie es zweifelhaft, wel- 
cher von beiden der richtige sei ( 3 ). 

(') Poggendorffln dem Handwörterb. d. Chem. v. Liebig u. Poggendorff I. p. 612. 

( 2 ) Pouillet Elernens de Physique troisierne Kdit. I. p.236. 

( 3 ) So sagt z.B. Herr Lame in seinem Cours de Ph/sique deuxieme Edition p. 250.: 
^Uexactitude du coefficient de dilalalion des gaz a ete contestee dans ces derniers temps; 
plusieurs physiciens, ayant rcpe'te les experiences de M. Gay -Lussac, disent avoir obtenu des 
nombres sensiblement moindrcs que 0,00375, mais ne sont pas d'accord sur Velendue de Ver- 
reur qu'i/s prelendent signaler. Si ce defaut de constance dans les resullals n'est pas du a 
l'oubli de quelque pre'caution indispensable, il faudra en conclure Vex.isten.ce d'une action con- 
densanle, exerce'e par les parois des rcservoir en verre sur les gaz qu'ils renferrnent, laquelle 
varierail avec la tempcralure, avec la nature du verre, et dont l'inßuence de'pendrait du rap- 
port de la surface au volume du reserooir. Celle action singuliere serait du merne genre que 
Celle exerce'e par le p/atine, dans le nouveau pyrome'tre a gaz de M. Pouillet. Quoi qu'il en 
soit, il jaul que de nouvelles e'ludes expcrimentales constatent et expliquent l'erreur annoncee, 
avant que Von puisse changer, dans les applicalions, le coefficient de dilalalion de gaz obtenu 
par M. Gay -LussacT Und 

Herr Bessel änfsert sich in seinen Bemerkungen über barometrisches Höhen- 
messen (Schumacher Astronomische Nachrichten XV. p. 354.) über denselben Gegen- 
stand: „Es ist bekannt, dafs Gay- Lussac den hier durch k bezeichneten Werth, durch 
fast vollkommen unter einander übereinstimmende Versuche = 0,00375 gefunden hat; auch 
dafs Dalton aus den seinigen genau dasselbe Besultat erhalten hat. Beide grofse Physi- 
ker haben beabsichtigt, die Vergrüfserung unmittelbar zu bestimmen, welche die Baumes- 
einheit trockner Luft erfährt, indem man sie bei gleichbleibendem Drucke aus der Wärme 
des gefrierenden Wassers in die des siedenden bringt. Nicht nur die Übereinstimmung der 
einzelnen Versuche beider Beiben unter einander, sondern auch die Besultate beider, hat die 
Annahme allgemein gemacht, dafs die Bestimmung k = 0,00375 zu den sichersten gehöre, 
welche man besitzt; und es würde kein Grund, diese Annahme in Zweifel zu ziehn, vor- 
handen sein, wenn nicht neuerlich eine Arbeit von Budberg bekannt geworden wäre, 
welche sich durch grofse darauf verwandte Vorsicht, namentlich in der Austrocknung der 
angewandten Luft, auszeichnet, allein ein beträchtlich kleineres Besultat, nämlich k = 0,003648, 
ergiebt. Indessen sollte jede neuere Bestimmung, welche gegen eine ältere, durch eigenes 
Gewicht und durch häufige allgemeine Anwendung gewissermafsen classisch gewordene, 
streitet, immer nur von einer genauen Critik der älteren begleitet, auftreten; nur wenn sich 
aus dieser Critik Gründe zum Mifstrauen gegen die ältere ergeben, darf billigerweise ange- 
nommen werden, dafs die neuere den Vorzug verdient. B.udberg hat sich auf diese Cri- 



über die Ausdehnung der Gase durch die JVärme. 67 

Der Tod hat leider Herrn Rudberg bald nach der Vollendung der 
erwähnten Untersuchung zum grofsen ^ erlust für die Wissenschaft hinweg- 
genommen, so dafs durch ihn seine Arbeit für andere Gasarten nicht ausge- 
dehnt werden konnte. Da jetzt fast fünf Jahre seit der Bekanntmachung der- 
selben verflossen sind, ohne dafs Jemand etwas zur Entscheidung des Ge- 
genstandes veröffentlicht hat, so entchlofs ich mich denselben von Neuem 
zu untersuchen, wohl wissend, dafs von einer solchen Arbeit, so zeitraubend 
und mühevoll sie auch ist, kein Ruhm zu ernten sei, da es sich bei derselben 
nur darum handelt, entweder den einen oder den andern der schon bekann- 
ten Zahlenwerthe zu bestätigen. Es schien mir aber zu wichtig zu wissen, 
ob eines der allgemeinsten Gesetze der Physik richtig sei oder nicht, ob näm- 
lich alle Gasarten sich um denselben Coefficienten ausdehnen oder nicht. 
Ferner ist dieser Coefficient selbst, so unbedeutend der Unterschied zwi- 
schen 0,375 und 0,365 auch erscheinen mag, abgesehn von seinem Einflufs 
bei der astronomischen Refraction, und bei den Messungen von Höhen mit- 
telst des Barometers, von so grofser ^Vichtigkeit für seine mannigfaltigen 
übrigen Anwendungen, dafs es mir vor allem Andern nöthig schien densel- 
ben wieder festzustellen. Denn es ist bekannt, dafs die Ausdehnung der 
Luft, seit der Untersuchung der Herrn Dulong und Petit fast ganz allge- 
mein als Maafs für die Temperatur benutzt wird, und von welchem Einflufs 
hiefür der erwähnte Unterschied ist, leuchtet von selbst ein. Aber aufser- 
dem sollen, wie Herr Gay-Lussac gefunden, die Dämpfe sich ebenfalls um 
0,375 ausdehnen. Es ist daher bei der vielfältigen technischen Anwendung 
der Wasserdämpfe nicht nur von praktischem Interesse, zu wissen, ob diese 
Zahl die richtige ist oder nicht, sondern dieselbe mufs auch bei einer grofsen 
Menge von rein wissenschaftlichen Untersuchungen zu Grunde gelegt wer- 

tik nicht eingelassen. Da der Unterschied heider Bestimmungen nicht durch die zufälligen 
Fehler der ^ ersuche, wie sich aus der Übereinstimmung der einzelnen, sowohl der frü- 
her als der später gemachten, ergiebt, erklärt werden kann, also auf einen beständigen Feh- 
ler deutet, so darf von dem arithmetischen Mittel beider Resultate nicht die Rede sein. 
Meiner Meinung nach darf für jetzt nichts Anderes geschehn, als beide Resultate anzuwen- 
den und über den Unterschied des dadurch Erlangten spätere Entscheidung abzuwarten." 
Und in einer Anmerkung fügt er hinzu: „Ich selbst habe zwar die Zahl, welche man statt 
A-, bei der Berechnung der astronomischen Strahlenbrechungen anwenden mufs, aus meinen 
Beobachtungen bestimmt und = 0,003648 gefunden; allein diese Zahl mufs verschieden von 
k, und zwar kleiner sein." 

12 



68 Magnus 

den, unter denen ich nur die, für die Chemie ganz unentbehrlich gewor- 
dene Methode zur Bestimmung der Contraction, welche bei chemischen Ver- 
bindungen stattfindet, und zur Bestimmung des specifischen Gewichts der 
Körper im dampfförmigen Zustande, erwähnen will. 

Da die Methoden des Hrn. Budberg, die derselbe ganz ausführlich 
mitgetheilt hat, durchaus keinen Irrthum vermuthen lassen, andererseits es 
aber kaum denkbar erscheint, dafs die Herrn Dulong und Petit genau das- 
selbe Resultat gefunden haben sollten als Herr Gay-Lussac, und dennoch 
der von diesem gefundene Zahlenwerth falsch sein sollte, so glaubte ich, 
dafs es möglich wäre, dafs beide Coefficienten richtig seien. Wenn nämlich 
die Luft bei der Temperatur von 100° nicht mehr genau dem Mariotteschen 
Gesetze folgen sollte, so mufste Herr Rudberg, der nur die Veränderung 
der Elasticität bestimmt hat, einen andern Werth erhalten haben, als Herr 
Gay-Lussac, der die Veränderung des Volumens bei constanter Elasticität 
beobachtete. Es schien mir aus diesem Grunde vorzugsweise wünschens- 
werth nach der Methode des Herrn Gay-Lussac, die Ausdehnung der Luft 
von Neuem zu untersuchen. Aufserdem aber hoffte ich hierdurch am leich- 
testen die Ursache der Verschiedenheit beider Resultate auffinden zu kön- 
nen. Ich wandte die zweite Methode des Herrn Gay-Lussac an und zwar 
im Wesentlichen ganz so wie sie von Herrn Biot in seinem Traue de Phys. 
Tome I. p. 182. beschrieben ist. 

Da indefs dort nicht erwähnt ist wie grofs die Kugeln, und wie weit 
die Röhren gewesen sind, die Herr Gay-Lussac benutzte, so untersuchte 
ich zuerst bei welchem Durchmesser der Röhren ein Quecksilbertropfen die- 
selben noch stempelartig verschliefst und weder durch Schütteln noch Klop- 
fen Luft durchläfst. Ich wandte jedoch Röhren an die einen viel geringeren 
Durchmesser hatten. Die gröfste Weite, die ich benutzte, betrug 3,5 Mil- 
limeter, bei vielen Versuchen aber nur 1,0 Millm. Die Gröfse der Kugel 
war so, dafs die Ausdehnung der Luft eine Länge "von etwa 0,2 Meters in 
der Röhre einnahm. Kugel und Röhre wurden mit trocknem Quecksilber 
gefüllt und dies in ihnen ausgekocht, dann wurde eine Röhre mit geschmol- 
zenem Chlorcalcium an das offene Ende luftdicht befestigt, und ganz so wie 
es Herr Gay-Lussac vorschreibt mittelst eines eisernen Drathes oder eines 
Glasfadens, der durch die Röhre mit Chlorcalcium hindurch ging, das 
Quecksilber aus der engen mit Quecksilber gefüllten Röhre so weit abge- 



über die AusdeJinun^ der Gase durch die TVürme. 69 



*Ö 



lassen, dafs nur ein Tropfen in derselben zum Absperren der Luft zu- 
rückblieb. 

Um die Rubren in versebiedene Temperaturen zu bringen wurden sie 
mit ibren Kugeln in einen oblongiscben Kasten aus Eisenblecb eingelegt, und 
in demselben entweder mit feingestofsenem scbmelzendem Eise umgeben, 
oder den Dämpfen des koebenden Wassers ausgesetzt. Herr Gay-Lussac 
sebeint die Kugeln in das kochende Wasser selbst gebracht zu haben, und 
dies könnte vielleicht die Ursache sein, dafs sein Resultat höher als das des 
Herrn Rudberg ist. Übrigens wurden bei meinen Versuchen, wie bei de- 
nen des Herrn Gay-Lussac die Röhren stets so weit in den Kasten einge- 
schoben, dafs der Quecksilbertropfen sich dicht an der Öffnung befand. Um 
die Röhren sicher in horizontaler Lage zu erhalten, war dicht vor dem er- 
wähnten Kasten ein Stück Holz etwa 4 Zoll lang und eben so breit vollkom- 
men horizontal ganz unwandelbar befestigt. In diesem befand sich eine enge 
Rinne, in welche die Röhre genau pafste, und in der sie zwar vor- und 
rückwärts geschoben werden konnte, ohne dafs sie aber dabei aus ihrer ho- 
rizontalen Lage kam. Übrigens habe ich mich überzeugt, dafs selbst eine 
Neigung der Röhre von mehreren Graden keine wahrnehmbare Veränderung 
in der Stellung des Quecksilbertropfens hervorbringt. Herr Gay-Lussac 
hatte die Röhren, die er zu seinen Versuchen anwandte calibrirt und in glei- 
che Volumen -Theile getheilt. Er konnte daher auf dieser Tbeilung das 
Verhältnifs der Volumina der Luft bei 0° und bei der Temperatur des ko- 
chenden Wassers unmittelbar ablesen. Ich habe statt dessen die Stelle, wel- 
che der Quecksilbertropfen bei diesen Temperaturen einnahm, oder die Vo- 
lumina der Luft bei diesen Temperaturen, mittelst eines Diamants auf der 
Röhre bezeichnet. Nach Reendigung des Versuches wurden die Röhren leer 
gewogen, sodann mit trocknem Quecksilber bis zu der Stelle gefüllt, welche 
das Volumen der Luft bei 0° bezeichnete und wiederum gewogen; und end- 
lich bis zu der Stelle mit Quecksilber gefüllt, welche die Luft bei der Tem- 
peratur des kochenden Wassers eingenommen hatte, und gleichfalls gewo- 
gen. Damit das Quecksilber bei beiden Füllungen von derselben Tempe- 
ratur war, wurden die Piöbrcn bei jeder Füllung in ein grofses Gefäfs mit 
Wasser gelegt und dies unverändert auf derselben Temperatur erhalten, die 
Gewichte des Quecksilbers lieferten das Verhältnifs der Volumina der Luft 



70 Magnus 

bei 0° und bei der Temperatur des kochenden Wassers. Wiederholte Fül- 
lungen desselben Rohres gaben stets dasselbe Resultat. 

Um zu prüfen bis zu welchem Grade diese Methode zuverlässig sei, 
legte ich stets zwei Röhren neben einander in den Kasten ein, allein die Re- 
sultate, welche mit beiden erhalten wurden, stimmten fast niemals mit ein- 
ander überein. 

Ich brauche wohl nicht zu sagen, dafs ich Alles, was in meinen Kräf- 
ten war, versucht habe, um eine gröfsere Übereinstimmung hervorzubrin- 
gen. Denn ich konnte mir nicht denken, und kann es auch jetzt noch nicht, 
dafs Herr Gay-Lussac eine Methode angewandt haben sollte, die keine si- 
chern Resultate liefert, und dafs Herr Biot eine solche Methode der altern 
des Herrn Gay-Lussac vorzieht, mit welcher dieser Physiker doch Resul- 
tate erhalten hat, die auf überraschende Weise mit einander übereinstim- 
men. Ich habe zunächst den Kasten, in dem die Pxöhren den Dämpfen des 
Wassers ausgesetzt wurden und den ich später ausführlicher beschreiben 
werde, mannigfaltig abgeändert, um jede zufallige und locale Abkühlung 
desselben zu vermeiden; ich habe geprüft, welche Veränderungen in der 
Temperatur des Dampfes durch die Art des Feuerns eintreten, oder durch 
das Auflegen frischer Kohlen, oder das Schliefsen der Offnungen im Deckel 
des Kastens; ich habe das Caliber der Röhren mehrfach abgeändert; habe 
sie, um sicher zu sein dafs alle Feuchtigkeit beim Auskochen mit Quecksil- 
ber entfernt worden, einige Male nicht selbst ausgekocht, sondern von einem 
sehr geschickten Glasbläser auskochen lassen; sie auch mitunter auf die 
Weise getrocknet, dafs, während sie sich in den Dämpfen von kochendem 
Wasser befanden, die Luft etwa 60 Mal aus ihnen ausgepumpt und durch 
eine drei Fufs lange mit Chlorcalcium gefüllte Röhre wieder eingelassen 
wurde — aber alle diese Bemühungen waren vergebens, die Resultate von 
zwei gleichzeitigen Beobachtungen stimmten fast niemals mit einander 
überein. 

Ich glaube, dafs der Grund hievon darin zu suchen ist, dafs das Queck- 
silber in einer solchen Röhre niemals vollkommen dicht schliefst, und na- 
mentlich nicht in die feinen, fast unsichtbaren Vertiefungen eindringt, die oft 
auf der innern Wand einer Glasröhre vorhanden sind. Denn wenn die Ku- 
geln erst in schmelzendes Eis gebracht, dann den Dämpfen des kochenden 
Wassers ausgesetzt, und nachher wieder mit schmelzendem Eise umgeben 



über die Ausdehnung der Gase durch die TVärme. 



o 



wurden, so zeigte die Luft fast niemals wieder dasselbe Volumen, das sie bei 
dem ersten Umgeben mit schmelzendem Eise annabm. Oft war dasselbe klei- 
ner oft auch gröfser, offenbar je nachdem die Luft bei der Abkühlung oder 
bei der Erwärmung der Kugel neben dem Quecksilbertropfen entwichen war. 
Die folgende Tabelle enthält die Resultate der Versuche, die ich nach dieser 
Methode erhalten habe, berechnet für einen Druck von 28 Zoll Par. bei 0° 
mit Berücksichtigung der Ausdehnung des Glases. Die beiden mit einander 
verbundenen Zahlen sind die Resultate von zwei gleichzeitig angestellten Ver- 
suchen. Wenn man überhaupt aus so unsichern Zahlen ein Mittel nehmen 
darf, so wäre dies = 0,36930, und also immer schon geringer als 0,375. 

Resultate der Versuche nach der Methode des Herrn Gay-Lussac. 

1. f 0,37386 9. f 0,36972 17. f 0,36569 25. f 0,38769 

2. I 0,38269 10. I 0,37140 18. I 6,36229 26. I 0,36031 

3. f 0,36912 11. f 0,37062 19. f 0,36673 27. f 0,37**5 



3. f 0,36912 11. f 0,37062 19. f 0,36673 27. f 

i. I 0,37651 12. I 0,36903 20. I 0,35500 28. I 

5. f 0,36607 13. f 0,36888 21. 0,36774 29. f 

6. I 0,36731 14. 1 0,36926 22. 30. I 

7. f 0,36431 15. f 0,36663 23. f 0,37254 31. f 

8. I 0,35985 16. I 0,36709 24. I 0,36351 32. I 

Mittel 0,36930 



Als ich nach einem leider zu grofsen Zeitverlust diese Methode auf- 
gab, schien mir keine geeigneter die Ausdehnung von verschiedenen Gasar- 
ten zu untersuchen, als die, welche Herr Rudberg zuletzt angewendet hat. 
Ich liefs deshalb einen Apparat fertigen ganz ähnlich wie der, welchen Herr 
Rudberg beschreibt. Derselbe ist in fig. 1. abgebildet. AB ist ein cvlin- 
drisches Gefäfs, ganz ähnlich wie das Gefäfs eines Fortinschen Barometers, 
nur gröfser. Der obere Theil desselben AC ist aus Glas. Es enthält einen 
ledernen Beutel ('), dessen Volumen durch die Schraube S verändert wer- 
den kann, und wodurch das in ihm enthaltene Quecksilber herauf und her- 
unter bewegt werden kann. Durch den luftdicht schliessenden Deckel dieses 
Gefäfses geht bei D eine etwa 20 Zoll lange und an beiden Enden offene 
Barometerröhre, neben der sich eine messingene Scale befindet. Eine zweite 



(') Das Leder liefs stets Quecksilber durch, wenn der Druck der Quecksilbersäule et- 
was bedeutend wurde. Ich wandte deshalb statt des Leders eine dünne Caoutchoukplatte 
an, die aufsen mit Leder umgeben war. 



72 Magnus 

Röhre FG welche zu dem Behälter KL gehört, in dem die trockne Luft 
enthalten ist, geht bei F luftdicht durch den Deckel; beide Röhren reichen 
bis in das Quecksilber hinab. Neben GF befindet sich gleichfalls ein kurzes 
Stück einer messingenen Scale nach demselben Maafse getheilt, als die ne- 
ben DE befindliche. Schraubt man alsdann das Quecksilber in die Höhe, so 
wird die Luft in dem Gefäfse AC zusammengedrückt, und das Quecksilber 
steigt in beiden Röhren. Es wird bis zu einer bestimmten Stelle G der kleinen 
Scale hinaufgeschraubt, und zwar bis zu derselben sowohl wenn KL mit Eis 
umgeben, als auch wenn es der Temperatur des kochenden Wassers ausge- 
setzt ist, und man beobachtet alsdann um wieviel das Quecksilber in der 
Röhre DE höher steht als bei G . Zu dem Ende ist es nothwendig, dafs der 
Apparat vollkommen horizontal stehe, damit die entsprechenden Funkte bei- 
der Scalen vollkommen in einer Horizontal -Ebene liegen. Da das Queck- 
silber in der Röhre DE bei der grofsen Nähe des schmelzenden Eises und 
des kochenden Wassers seine Temperatur leicht ändert, so ist diese Röhre 
mit ihrer Scale in einer weiteren Glasröhre eingeschlossen, die mit Wasser 
gefüllt werden kann. Ich fand indefs das Wasser überflüssig, wenn die wei- 
tere Röhre oben leicht bedeckt wird; man kann alsdann die Temperatur der 
Luft in der weiteren Röhre für die des Quecksilbers in der Barometerröhre 
nehmen und das Wasser, welches das Ablesen der Scale erschwert, ent- 
behren. 

Um den Theil des Apparats GKL welcher die zu untersuchende Gas- 
art enthält bei F zu befestigen, kittete ich denselben in eine metallene Hülse, 
die mittelst eines eingeschliffenen Conus und einer Überwurfs -Schraube in 
den Deckel AD luftdicht eingesetzt wurde. Man konnte ihn auf diese Weise 
leicht entfernen und durch einen anderen ersetzen. Die Röbre GM, in der 
das Quecksilber hinaufgedriickt wurde, hatte 1 bis 2 mra im Durchmesser, war 
sie enger, so war die Capillar-Depression zu bedeutend und leistete einen so 
grofsen Widerstand, dafs das Quecksilber nicht gleichförmig, sondern stofs- 
weise in der Röhre stieg. Die Röhre GL war ein ganz enges Thermometer- 
rohr, und KL war ungefähr 9 Zoll lang, -| Zoll im Durchmesser, und hatte 
einen Inhalt von etwa 80 Cub. Centimetres. Der Inhalt des Stückes GL be- 
trug ungefähr 0,05 Cub. Cent, oder etwa ^- von dem Inhalt von KL. 

Wenn KL der Temperatur des schmelzenden Eises oder des kochen- 
den Wassers ausgesetzt werden sollte, so wurde dieser Theil des Apparates 



über die Ausdehnung der Gase durch die TVärme. 73 



"6 



in einen oblongischen Kasten aus Eisenblech eingebracht, der gleichfalls in 
Figur 1 abgebildet ist. Er hat bei N eine Öffnung, durch die KL einge- 
bracht wird. Uni eine theilweise Abkühlung im Innern zu verhindern, ent- 
hält er einen Einsatz OPQ, der bis auf die Oberfläche des Wassers QP hin- 
abgeht, und oben bis an den Deckel des Kastens reicht. In diesen Einsatz 
wird ein innerer Deckel RT eingelegt, der gleichsam ein Dach bildet, des- 
sen obere Kante oder First geneigt ist, damit das Wasser, das durch die 
Condensation der Dämpfe an demselben gebildet wird, nur an den Rändern 
herabfliefsen , nicht aber in der Mitte herabtropfen und möglicher Weise 
das Gefäfs KL theilweise abkühlen kann. Der Kasten ist mit einem über- 
greifenden Deckel versehen, in dem an mehreren Stellen Offnungen ange- 
bracht sind, um Thermometer einführen zu können. Ebenso enthält er bei 
ZJzwei Öffnungen, in deren eine ein Ausflufs -Thermometer eingelegt wurde 
und durch die bei den Versuchen nach der Gay-Lussacschen Methode die 
Röhren gingen. Um während des Kochens ein Spritzen gegen das Gefäfs 
KL zu vermeiden, wodurch eine zu starke Erwärmung desselben hätte ein- 
treten können, wurde noch über der Oberfläche des Wassers ein Gewebe 
von Gase P, das auf einen Rahmen von Drath gespannt war, in den Ein- 
satz OPQ befestigt. Bei dem Umgeben des Gefäfses KL mit gestofsenem 
Eis wurde auf dieses Gewebe ein Blech gelegt und darauf das Eis geschüttet, 
so dafs es den ganzen Einsatz OPQ erfüllte. Damit bei dem Kochen des 
Wassers die strahlende Wärme den Apparat ABD nicht treffe, wurde ein 
Schirm XY aus zwei Blechplatten, die eine Luftschicht einschlössen, zwi- 
schen den Kasten und diesen Apparat gestellt. 

Das Füllen der Röhren FGK mit trockner atmosphärischer Luft ge- 
schah gewöhnlich auf die Weise, dafs das offene Ende i" derselben durch 
eine etwa drei Fufs lange mit Chlorcalcium gefüllte Röhre mit einer Luft- 
pumpe in Verbindung gebracht, und, während die Röhre in dem eben be- 
schriebenen Kasten der Temperatur des kochenden Wassers ausgesetzt war, 
die Luft 50 bis 60 Mal ausgepumpt und durch die Chlorcalcium -Röhre wie- 
der eingelassen wurde. War auf diese Weise die Austrocknung beendigt, 
so wurde KL in den Kasten MU durch Umgeben mit kaltem Wasser abge- 
kühlt und bei I zugeschmolzen; hierauf in die Hülse F eingekittet und in 
einer Quecksilber -Wanne die Spitze bei / abgebrochen und mittelst einer 
eigenen kleinen Vorrichtung, welche die Spitze mit Quecksilber gesperrt 
Physik -math. Kl. 1841. K 



74 Magnus 

erhielt, in das Gefäfs ABD hinübergehoben und in die conische Vertiefung 
bei F eingeschraubt. 

Sollte GK mit einer andern Luftart gefüllt werden, so war bei üf noch 
ein feines Rohr angeschmolzen ; während alsdann GK in dem Kasten NU 
sich in der Temperatur des kochenden Wassers befand, wurde die vorher 
getrocknete Gasart durch dasselbe hindurcbgeleitet, und wenn dies so lange 
stattgefunden hatte, dafs alle atmosphärische Luft verdrängt war, wurde das 
Rohr bei JTund bei I zugeschmolzen und wie vorhin verfahren. 

Ich will hier sogleich eine Vorrichtung beschreiben, die ich angewen- 
det habe, um einige Gasarten, von denen ich befürchtete, dafs sie bei dem 
Durchströmen durch eine Röhre mit Chlorcalcium nicht vollständig trocken 
werden möchten, eine längere Zeit über Chlorcalcium aufzubewahren. Sie 
ist in Fig. 2. abgebildet und besteht aus einer Flasche, die mit einem Kork 
verschlossen ist, durch den zwei Röhren gehn, die eine Röhre cb ist bei b 
mit einem Hahn versehen, die andere a d geht fast bis auf den Boden der 
Flasche und ist heberförmig gebogen, so dafs das Ende e derselben tiefer 
liegt, als der Boden der Flasche. Dieses offene Ende e steht in einer wei- 
tern Röhre fg und diese in einem weiten Cylinder hk. Bringt man zunächst 
geschmolzenes Chlorcalcium in die Flasche, setzt dann den Kork ac luft- 
dicht auf und giefst, nachdem man den Hahn bei b geöffnet hat, die Röhre 
fg ganz voll Quecksilber, so kann man durch Saugen bei b zunächst den 
Heber ade füllen, und wenn man hierauf Quecksilber in die Röhre fg 
nachgiefst, so fliefst dies in die Flasche. Man kann dieselbe auf diese Weise 
ganz mit Quecksilber füllen und alle Luft entfernen. Bringt man hierauf 
den Hahn b mit einem Gasentbindungs -Apparat in Verbindung, so tritt das 
Gas in die Flasche und das Quecksilber fliefst in die Röhre fg zurück, und 
wenn diese voll ist über ihren Rand in den Cylinder hh. Durch Senken 
oder Heben der Röhre fg kann man die Oberfläche des Quecksilbers in der- 
selben höher oder niedriger stellen, als die Oberfläche des Quecksilbers in 
der Flasche, und dadurch die Luft in derseUjen unter verschiedenen Druck 
versetzen. Ist die Flasche mit der zu trocknenden Gasart gefüllt, so wird 
der Hahn b geschlossen und der Gasentbindungs -Apparat entfernt. Will 
man darauf später das Gas benutzen, so läfst man es durch den Hahn b aus- 
strömen, indem man die Oberfläche des Quecksilbers in fg höher stellt als 
die in der Flasche, und sie durch Nachgiefsen von Quecksilber höher erhält. 



über die Ausdehnung der Gase durch die Wärme. 75 



■& 



Dieser Apparat bildet ein Gasometer, das mit Quecksilber gesperrt ist, und 
eine im Verhältnifs zu dem Zweck sebr kleine Menge von Quecksilber erfor- 
dert, was neben dem Vortbeil der Ersparnifs noeb den darbietet, dafs das- 
selbe sehr leicht zu handhaben, und auch in jedem Augenblick leicht herzu- 
stellen ist. 

Die Capillar-Depression, welche bei G stattfindet, mufste für jede 
neue Röhre FGK ermittelt werden, bevor dieselbe mit der zu untersuchen- 
den Gasart gefüllt wurde. Zu dem Ende wurde die Röhre vorläufig in die 
Hülse bei F eingekittet, zwischen G und L abgeschnitten und das Quecksil- 
ber bis nach G hinaufgeschraubt, um zu sehn wieviel es in CD höher stehe 
als bei G. Alsdann wurde der abgeschnittene Theil wieder angeschmolzen, 
die Röhre aus der Hülse bei F ausgekittet, und mit der zu untersuchenden 
Luftart gefüllt. War sie bei IC mit der engen Röhre zum Durchleiten der 
Gasarten versehn, also offen, so brauchte sie nicht vorher abgeschnitten 
zu werden. 

Die Capillar-Depression variirte bei den von mir angewandten Röh- 
ren zwischen 1,5 und 0,25 Linien Par. Herr Rudberg giebt an, dafs sie 
bei seinen Versuchen 1,85 Centim. oder etwa 8 Linien betragen habe( 1 ). 
Wenn dies kein Druckfehler ist und vielleicht Millimeter statt Centiineter 
heifsen soll, was man aus der Abhandlung selbst nicht ersehen kann; so be- 
greife ich nicht, wie Herr Rudberg das Quecksilber hat sicher einstellen 
können, mir hat dies wenigstens bei so engen Röhren nicht gelingen wollen. 

Bevor ich zu den Resultaten übergehe, welche ich bei diesen Versu- 
chen erhalten habe, mufs ich die Formel erwähnen, nach welcher dieselben 
berechnet worden sind, es ist dieselbe, deren sich auch Herr Rudberg be- 
dient hat. Wenn 

a die Ausdehnung der Luft zwischen 0° und 100° C. 

h den Barometerstand bei 0° 

h' den Barometerstand bei der Temperatur des kochenden Wassers, redu- 

cirt auf 0° 
II den Höhenunterschied des Quecksilbers in den Röhren GF und DE bei 
der Temperatur des schmelzenden Eises 



(') Aus dieser Angabe wird es übrigens wahrscheinlich dafs Herr Rudberg nur eine 
einzige Röhre und eine einzige Quantität von Luft bei diesen Versuchen angewandt hat. 

K2 



76 Magnus 

H' diesen Unterschied bei der Temperatur des kochenden Wassers, redu- 
cirt auf 0° 
e die Capillar- Depression 

£ die Ausdehnung des angewandten Glases zwischen 0° und 100° und 
T die Temperatur des kochenden Wassers bei dem Barometerstande K 
bedeutet, so dafs T ■=. 100 wenn der Barometerstand 28,00 Zoll Par. ist; 

so ist 

[ff'-hti — e / ST\ i 100 

Es ist hierbei angenommen dafs die Luft in der Röhre GW stets dieselbe 
Temperatur als die übrige in LK enthaltene Luft hat. Dies ist zwar nicht 
der Fall, und man könnte eine Correction für diese Luftmasse anbringen, 
allein dieselbe beträgt wie schon oben pag. 72. angeführt ist mir ^^ VO n der 
ganzen Luftmasse GLK. Die Correction würde daher noch ganz innerhalb 
der Grenzen der Beobachtungsfehler fallen, wefshalb sie fortgelassen wor- 
den ist. 

Die Werthe h h! II IT e sind durch die Beobachtung gegeben, T mufs 
aber jedesmal berechnet werden. Herr Rudberg giebt dafür in seiner Ab- 
handlung über die Construction des Thermometers ( 4 ) die Formel 

t = 0,037818 & — 0,0018563 £ 2 . 

in der r -f- 100° die Temperatur des kochenden Wassers in der Celsiusschen 
Scale und £ die Elasticität oder den Druck der Atmosphäre in Millimeter 
ausgedrückt bedeutet. Derselbe sagt, dafs sie hinreichend genau mit den 
Versuchen von Southern, so wie von Dulong und Arago übereinstimme. 
Allein dies ist durchaus nicht der Fall, vielmehr giebt sie ganz andere Wer- 
the und es mufs in Betreff derselben ein Versehen, wahrscheinlich schon im 
Manuscript des Herrn Rudberg vorgefallen sein, denn sie ist im Schwedi- 
schen Original ganz ebenso enthalten, als in Poggendorffs Annalen, nur 
eine einzige Zahl ist verschieden, was unwesentlich ist. Ich habe mich der 
von Herrn Egen aufgestellten Formel oder vielmehr der von ihm gegebenen 



(') Kongl. Vetenskaps Akademien* Handlingar for Ar 1834. p.365. und 
Poggendorff Annal. XL. p.39. 



über die Ausdehnung der Gase durch die TVärme. 77 



*ö 



Correctionen (') bedient, die, wie ich mich überzeugt habe, sehr genau mit 
der von Dulong und Arago gegebenen Formel übereinstimmt. 

Das Barometer, das zur Bestimmung von h und K benutzt wurde war 
nach Fortin s Construction in Pariser Zolle getheilt und mit einem Ther- 
mometer versehn, das die Temperatur der Scale anzeigte. Die Reduction 
auf 0° geschah mittelst der von Herrn Schumacher in seinem Jahrbuch 
der Astronomie für 1836 mitgetheilten Tafeln, die nicht nur die Ausdeh- 
nung des Quecksilbers, sondern auch die der Scalen aus Messing berück- 
sichtigen. Mit Hülfe derselben Tafeln ist auch II ' corrigirt. II war stets 
so klein, dafs es keiner Correction bedurfte. 

Die Ausdehnung des Glases h mufste durch besondere Versuche er- 
mittelt werden. Ich wandte hierfür ein Ausflufs- Thermometer an, das aus 
derselben Glassorte als die Röhre KL geblasen war, und etwa 100 Grammes 
Quecksilber enthielt. Es wurde in den oben beschriebenen Kasten NU ein- 
gelegt in derselben Höhe als KL und gleichzeitig mit diesem mit Eis umge- 
ben und den Dämpfen des kochenden Wassers ausgesetzt. 

Die Anwendung dieses Thermometers hatte den doppelten Zweck, 
die Temperatur des Kochpunkts zu bestimmen, oder vielmehr die anschei- 
nende Ausdehnung des Quecksilbers mit der der Luft zu vergleichen, und 
zugleich die Ausdehnung des Glases kennen zu lernen. Wenn p das Ge- 
wicht des. Quecksilbers bedeutet, welches das Thermometer bei der Tempe- 
ratur 0° ganz füllt, und tt das Gewicht des Quecksilbers, das bei der Erwär- 
mung bis zur Temperatur des kochenden Wassers ausfliefst ; so ist die an- 
scheinende Ausdehnung von 0° bis zu dieser Temperatur gleich — . Bezeich- 
net ß diese anscheinende Ausdehnung bis zur Temperatur des kochenden 
Wassers unter dem Drucke von 28 Zoll Par. oder bis zu 100° und £ die 
Ausdehnung des Glases, so wie q die absolute Ausdehnung des Quecksilbers 
für dieselbe Temperatur-Differenz, so ist 



-ß 

Für die absolute Ausdehnung des Quecksilbers q kennt man keine genauere 
Bestimmung als die von Dulong und Petit, welche q = 0,018018 gefun- 
den haben. Mit Hülfe dieses Werthes und der angeführten Formel ist die 

(') Poggendorff Annal. XXVH. p. 39. 



78 



Magnus 



folgende Tafel berechnet, welche die für p und -rt beobachteten Werthe, so 
wie die jedesmaligen Barometerstände enthält, aus denen die Temperatur T 
mit der von Egen angegebenen Correction bestimmt ist. Die 18 ange- 
führten Beobachtungen ergeben als Mittel für die anscheinende Ausdehnung 
des Quecksilbers von 0° bis 100° 

ß = 0,0154309 

und als Mittel für die Ausdehnung des Glases 

d = 0,002547. 







TT 






Ausdehnung des 


Ausdehnung 


p 


7T 


P 


Barometer. 


T 


Quecksilbers. 


des Glases. 


66,64675 


1,0260 


0,0153946 


332,98 


99,750 


0,0154332 


0,002545 


106,4185 


1,637 


0,0153826 


331,40 


99,618 


0,0154416 


0,002537 


108,4665 


1,656 


0,0152674 


331,40 


99,618 


0,0153260 


0,002652 


106,4135 


1,642 


0,0154304 


335,76 


99,980 


0,0154334 


0,002545 


108,4630 


1,671 


0,0154062 


335,76 


99,980 


0,0154092 


0,002569 


106,4165 


1,6405 


0,0154158 


334,00 


99,834 


0,0154415 


0,002537 


108,465 


1,6701 


0,0154059 


334,00 


99,834 


0,0154315 


0,002547 


106,4125 


1,645 


0,0154587 


337,437 


100,119 


0,0154403 


0,002538 


108,462 


1,67625 


0,0154547 


337,437 


100,119 


0,0154364 


0,002542 


106,4145 


1,6415 


0,0154255 


335,11 


99,926 


0,0154369 


0,002542 


108,464 


1,6765 


0,0154567 


335,11 


99,926 


0,0154681 


0,002511 


106,4075 


1,646 


0,0154688 


337,56 


100,129 


0,0154489 


0,002530 


108,464 


1,672 


0,0154153 


335,16 


99,930 


0,0154260 


0,002552 


106,414 


1,639 


0,0154021 


333,33 


99,778 


0,0154364 


0,002543 


106,4135 


1,640 


0,0154116 


333,82 


99,819 


0,0154395 


0,002540 


108,473 


1,669 


0,0153863 


334,95 


99,913 


0,0153998 


0,002578 


105,14475 


1,6275 


0,0154786 


339,45 


100,286 


0,0154345 


0,002544 


105,13925 


1,6325 


0,0155270 


340,25 


100,353 
Mittel 


0,0154724 


0,002507 


0,0154309 


0,002547 



Die Herren Dulong und Petit haben ß = 0,0154321 gefunden und aus 
den Versuchen des Herrn Budberg ergiebt sich ß = 0,015454, wobei je- 
doch besonders zu bemerken ist, dafs die Temperatur des kochenden Was- 
sers von Budberg unter 0™76 Druck genommen ist, und wahrscheinlich 
auch von Dulong und Petit, wiewohl diese es an keiner Stelle bestimmt 
sagen. Dahingegen habe ich die Temperatur des kochenden Wassers unter 
28 Zoll Par. genommen. Um daher beide Zahlen vergleichen zu können, 



über die Ausdehnung der Gase durch die IVärme. 79 

mufste der von mir gefundene Werth mit 1°00075 miütiplicirt werden, als- 
dann wird 

ß = 0,0154424. 

Für die Ausdehnung des Glases haben die Herren Dulong und Petit £ = 
0,0025S39 gefunden (*); dahingegen erhielt Herr Rudberg 0,002285. Der- 
selbe meint, dafs dieser Unterschied darauf beruhe, dafs das von ihm ange- 
wandte Glas Kaliglas gewesen sei, während das von Dulong und Petit an- 
gewandte Natronglas war. Eine Analyse des Glases, das ich angewandt 

habe, ergab: 

Kieselsäure 67,305 p. C. 

Thonerde 1,258 » 

Kalkerde 11,892 » 

Kali 12,401 »> 

Natron 7,141 » 

100,000 

Es war dasselbe also ein Gemisch aus Kali und Natronglas, und daher liegt 
auch der Ausdehnungscoefficient desselben zwischen dem des Kali und des 
Natronglases. Bei der Berechnung meiner Versuche sind die von mir ge- 
fundenen Werthe ß = 0,0154309 und £ = 0,002547 benutzt. 

Die Versuche sind nicht nur mit atmosphärischer Luft, sondern auch 
mit Wasserstoff, Kohlensäure und schweflichter Säure angestellt. Ich habe 
grade diese Gase gewählt, weil die schweflichte Säure vor allen andern Ga- 
sen bei dem niedrigsten Drucke tropfbar flüssig wird, und aufserdem Was- 
serstoff die leichteste und Kohlensäure eine der schwersten Glasarten ist. 

In der folgenden Tafel sind die Versuche zusammengestellt. Behufs 
einer bessern Controlle habe ich neben den Resultaten auch die Beobach- 
tungen selbst mitgetheilt. Die ersten fünf Spalten enthalten die W T erthe von 
h, H, h', H' und e in Pariser Linien, und mit Hülfe der oben erwähnten 
Schu mach er sehen Tafeln auf 0° reducirt, die sechste Spalte enthält die aus 
dem Barometerstande h' berechnete Temperatur T, die siebente enthält die 



(') In der Abhandlung des Hrn. Rudberg (sowohl in den Vetenskaps Handlingar for 
1837, als in Poggendorff Annalen XLI.) wird irrthümlich angegeben, dafs sie dieselbe 
= 0,002546 gefunden hätten. 



80 



Magnus 



Ausdehnung der Luft von 0° bis T ohne Rücksicht auf die Ausdehnung des 
Glases oder H „ * ,' ~l , und endlich die achte Spalte diese Ausdehnung von 



0° bis 100° mit Berücksichtigung der Ausdehnung des Glases oder a 



Nro. 



H 



II' 



H' -t-h' — e 



H + h — e 









Atmosphärische 


Luft 






I. 


333,32 


+ 1,75 


333"'82 


122" 83 


o','25 


99,82 


1,36312 


II. 


334,95 


-»- 0,5 


334,95 


121,6 


0,25 


99,92 


1,36128 


III. 


335,29 


-h 5,00 


335,33 


128,0 


0,75 


99,95 


1,36237 


IV. 


339,36 


+•0,5 


339,45 


123,75 


0,75 


100,28 


1,36371 


X. 


333,38 


+ 6,25 


332,92 


129,9 


0,75 


99,75 


1,36352 


XIV. 


332,51 


+ 5,9 


332,51 


127,93 


0,75 


99,70 


1,36140 


XV. 


333,9 


+ 2,5 


333,65 


124,4 


0,75 


99,81 


1,36243 


XIX. 


342,87 


— 6,5 


341,70 


117,3 


0,75 


100,47 


1,36539 



V. 

VIII. 

XII. 

XIII. 



VI. 

VII. 

XI. 

XVIII. 



IX. 

XVI. 

XVII. 



Wasserstoff. 



Kohlensäure. 



Schweflichte Säure ('). 



0,367241 
0,365032 
0,366033 
0,366164 
0,367899 
0,365948 
0,366596 
0,367154 



,„ 


f 






m 







336,314 


— 2,85 


336,464 


117,5 


0,75 


100,03 


1,36217 


333,33 


+ 0,25 


332,83 


121,0 


0,75 


99,74 


1,36129 


333,2 


— 6,5 


335,32 


109,33 


1 


99,94 


1,36214 


332,67 


— 5,75 


332,93 


111,69 


1 


99,73 


1,36113 



0,366508 



0,365530 
0,365701 
0,365829 
0,365577 



334,05 


+ 7,0 


334"05 


W 

130,94 


tu 

0,8 


99,84 


1,36426 


333,55 


+ 7,5 


333,49 


131,71 


0,8 


99,80 


1,36487 


333,38 


+ 2,0 


333,45 


123,7 


1 


99,79 


1,36417 


342,92 


— 2,25 


342,88 


123,00 


1,5 


100,57 


1,36916 



0,365659 



0,368319 

0,369078 
0,368404 
0,370547 



III 


in 


in 











340,423 


+ 1,75 


340,246 


134,16 


1,00 


100,35 


1,38758 


334,03 


+ 3,4 


334,77 


130,5 


1 


99,90 


1,37999 


343,03 


0,0 


343,13 


130,34 


1,5 


100,59 


1,38193 



0,369087 



0,389761 
0,383884 
0,383209 



0,385618 



Mittel 



Mittel 



Mittel 



Mittel 



(') Ich habe später noch einige Versuche mit schweflichter Säure angestellt, bei denen 
dieselbe durch Schwefelsäure getrocknet wurde, womit kleine Bimsteinstiicke befeuchtet wa- 
ren. Da man glauben konnte, dafs die grofse Verschiedenheit des Coefficienten dieser Gas- 
art von den übrigen davon herrührt, dafs eine Verdichtung derselben an der Wand des 
Gefäfses stattfinde, so wurden einige dieser Versuche mit einer grofsen Glaskugel angestellt, 



über die Ausdehnung der' Gase durch die TVärrne. 81 



'S 



Es darf nicht unerwähnt bleiben, tlafs bei jeder neuen Füllung auch 
stets eine neue Röhre angevveudet wurde. Mit derselben Füllung sind bei 
der atmosphärischen Luft die Versuche I und II, ferner III, IV, X, und 
endlich XV und XIX angestellt, so dafs die Versuche mit vier verschiedenen 
Füllungen vorgenommen wurden. Da in dem Zimmer Kohlenfeuer war, 
um das Wasser im Kasten NU zu kochen, so wurde die Luft, um sicher 
zu sein, dafs sie keine sehr grofse Menge Kohlensäure enthalte, bei den 
Versuchen XV und XIX mittelst gläserner Röhren aus einem freien grofsen 
Hof in den Apparat geleitet. 

Bei dem Wasserstoff sind die Versuche V und VIII, und eben so die 
Versuche XII und XIII mit derselben Füllung vorgenommen. Für beide 
Füllungen war das Gas aus Zink mittelst Schwefelsäure entwickelt, zunächst 
durch caustisches Kali und dann durch Kalkwasser geleitet; durch letzteres, 
um sicher zu sein, dafs es frei von Kohlensäure sei. Darauf wurde es durch 
eine drei Fufs lange, mit geschmolzenem Chlorcalcium gefüllte Röhre ge- 
trocknet. 

Bei der Kohlensäure sind nur die Versuche VI und VIII mit derselben 
Füllung vorgenommen. Für alle drei Füllungen wurde die Kohlensäure aus 
doppelt kohlensaurem Natron mittelst Schwefelsäure entwickelt, und durch 
eine Auflösung desselben Salzes geleitet, um die etwa mit übergerissenen 
Dämpfe von Schwefelsäure zurückzuhalten. Für die beiden ersten Füllun- 
gen wurde das Gas durch eine drei Fufs lange Chlorcalcium-Röhre getrock- 
net, für den Versuch XVIII war es 48 Stunden mit Chlorcalcium in Berüh- 
rung gewesen. 



bei der folglich die Wand im Verliältnifs zum Inhalt viel geringer war, als bei den ge- 
wöhnlich angewandten Röhren. Von den folgenden Versuchen sind XVEH und XIX mit 
einer Röhre von 80 Cub. Cent. Inhalt, XX und XXI mit der oben erwähnten Kugel von 
996 Cub. Cent. Inhalt angestellt. 

XVHI 0,3847 

XIX 0,3839 

XX 0,3849 

XXI 0,3842 



Mittel 0,3844 

Es geht hieraus hervor, dafs keine merkbare Condensation an der Wand des Gefäfses statt- 
findet. 

Physih.-math. Kl. 1841. L 



82 Magnus 

Bei der schweflichten Säure haben drei Füllungen statt gefunden, für 
alle drei war das Gas aus Schwefelsäure und Quecksilber entwickelt. Für 
die erste (Versuch IX) wurde es durch eine Auflösung von schweflichtsaurem 
Kali geleitet, um die mit übergerissene Schwefelsäure zurückzuhalten, und 
dann durch eine vier Fufs lange Röhre mit Chlorcalcium getrocknet. Die 
gröfsere Ausdehnung dieser Gasart, als der übrigen, liefs mich befürchten, 
dafs sie nicht hinreichend getrocknet worden. Für die zweite Füllung (Ver- 
such XIV) wurde deshalb das Gas nicht durch die Auflösung von schweflicht- 
saurem Kali, sondern statt dessen, durch eine sechs Fufs lange enge Glas- 
röhre geleitet, die beständig kalt erhalten wurde, und dann durch die Chlor- 
calcium -Röhre getrocknet. Endlich für die dritte Füllung (Versuch XVII) 
war das Gas 48 Stunden über Chlorcalcium aufbewahrt worden. 

Die verschiedene Art der Füllung scheint ohne allen Einflufs zu sein. 
Aber ganz entschieden zeigt es sich, dafs die Ausdehnung der Kohlensäure 
etwas gröfser, als die der atmosphärischen Luft ist, und dafs die der schwef- 
lichten Säure bedeutend gröfser als die der Luft tind der Kohlensäure ist. 
Auch scheint die des Wasserstoffgases geringer als die der atmosphärischen 
Luft zu sein. Die Unterschiede sind zwar nur gering, aber sie zeigen sich 
doch bei jedem einzelnen Versuche, (ich brauche wohl nicht zu erwähnen, 
dafs ich keinen unterschlagen habe.) 

Es ist also das allgemeine Gesetz der vollkommenen Gleichheit der 
Ausdehnung aller Gasarten in aller Strenge nicht ricbtig. Wovon die Ver- 
schiedenheiten herrühren, wage ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wahr- 
scheinlich haben sie ihren Grund darin, dafs die leicht compressibeln Gas- 
arten dem Mariotteschen Gesetze nicht vollständig folgen. Denn die Ab- 
weichungen von diesem Gesetze finden nicht nur in der nächsten Nähe ihres 
Condensations- Punktes statt, sondern erstrecken sich auch noch, nach den 
Versuchen von Oerstädt und Despretz, die ich selbst wiederholt habe, 
bis zu einem Drucke, der um mehrere Atmosphären niedriger ist, als der, 
bei welchem die Gasart tropfbar flüssig wird. Möglich wäre es auch, dafs 
die vei-schiedenen Gasarten sich verschieden ausdehnen, und hierfür sprechen 
die Unterschiede zwischen Wasserstoff und atmosphärischer Luft, denn bei 
diesen Gasarten, deren Condensations -Punkt so weit entfernt liegt, kann 
man keine Abweichung vom Mariotteschen Gesetze annehmen. Die Bestim- 



über die Ausdehnung de?- Gase durch die IVärme. 83 



"6 



inung der Ausdehnung von Dämpfen tropfbarer Flüssigkeiten würde hierü- 
ber am besten Aufschlufs geben. 

Herr Rudberg hat bei seinen Versuchen für die Ausdehnung der at- 
mosphärischen Luft im Mittel bei der ersten Arbeit 0,3647 uud bei der zwei- 
ten 0,36457 oder im Mittel von beiden 0,36463 erhalten, ich hingegen 0,3665, 
wobei bemerkenswerth ist, dafs der kleinste Y\ erth, den ich erhalten habe, 
noch immer 0,3650 ist. Die Verschiedenheit zwischen beiden Resultaten 
wird aber noch gröfser, wenn man bedenkt, dafs die von Herrn Rudberg 
gefundene Zahl die Ausdehnung bezeichnet von 0° bis zur Temperatur des 
kochenden Wassers unter 0™76 Druck, und die, welche ich erhalten habe, 
die Ausdehnung bis zur Temperatur des kochenden Wassers unter dem Druck 
von 28 Zoll Par. Diese beiden Temperaturen sind aber verschieden, denn 
0,76 Meter = 28 Zoll 0,905 Linien, und daher ist die Temperatur, bei 
welcher das Wasser unter dem letztern Drucke kocht, gleich 100J075, wenn 
die, bei welcher es unter dem Drucke von 28 Zoll kocht, gleich 100° ge- 
setzt wird. Es ist folglich die Ausdehnung in dem Verhältnifs dieser Tempe- 
raturen gröfser, und dann wird das Mittel aus meinen Versuchen 0,366782. 

Eine Verschiedenheit findet zwar bei der Berechnung unserer Zahlen 
statt, denn Herr Rudberg hat bei der Correction der Barometerhöhen einen 
andern von ihm selbst (') gefundenen Coefficienten für die Ausdehnung des 
Messings angewandt, als Herr Schuhmacher in den oben erwähnten und 
von mir benutzten Tafeln. Diese Verschiedenheit ist indefs so gering, dafs 
sie ganz ohne allen bemerkbaren Einflufs bleibt. 

Man könnte vermuthen, dafs der Unterschied in unsern Resultaten 
seinen Grund in der Bestimmung der Temperaturen habe, darin nämlich, 
dafs die Temperatur des schmelzenden Eises bei meinen Versuchen zu ge- 
ring, oder die des kochenden Wassers zu hoch war. Es stimmt indefs die 
anscheinende Ausdehnung des Quecksilber, wie sie aus den Versuchen des 
Herrn Rudberg hervorgeht, nämlich 0,015454, so vollkommen mit der, 
welche ich für dieselbe Temperatur -Differenz gefunden habe, nämlich 
0,015442, dafs der Unterschied in der Temperatur, w r enn wir beide reines 
Quecksilber angewandt haben, höchstens 0°lC. betragen haben könnte, wäh- 



(') Vetenskaps Academiens Handligar 1837. p. 172. 

L2 



84 Magnus über die Ausdehnung der Gase durch die TITärme. 



rend der Unterschied der Coefficienten 0,3650 und 0,3667 eine Verschie- 
denheit der Temperatur von fast 0°5C. voraussetzen würde. 

Man könnte ferner glauben, dafs die Verschiedenheit in einem Fehler 
des Apparats, und namentlich in einer Unrichtigkeit der Scale DE zu su- 
chen sei. Ich habe die von mir angewandte mit einem guten Etalon ver- 
glichen, nach dem hier die Barometer gefeitigt werden, und mit diesem 
stimmte sie genau genug überein. Denn der Fehler dieser Scale müfste fast 
0"'5 Par. betragen, wenn von ihm allein die Abweichung der gefundenen 
Werthe herrühren sollte. Wir haben beide dieselbe Formel für die Be- 
rechnung unserer Resultate zu Grunde gelegt, ohne eine Correction für die 
Luft in der Röhre GN vorzunehmen. Durch eine solche würde der Aus- 
dehnungscoefßcient etwas gröfser ausfallen, und zwar um so gröfser, je be- 
deutender das Volumen der in GN enthaltenen Luft im Verhältnifs zu der 
ganzen Luftmasse GNLK ist. Herr Rudberg giebt zwar nicht an, wie 
grofs der Inhalt dieses Stücks bei seinen Versuchen gewesen, aber er kann 
nicht gut kleiner gewesen sein als bei meinen. Es wäre daher wohl möglich, 
dafs hierin die Verschiedenheit unserer Resultate zu suchen ist. Um die 
Correction vornehmen zu können, mufs man die Temperatur der in GN 
enthaltenen Luft kennen, was nicht mit Genauigkeit möglich ist. Nimmt 
man statt derselben die Temperatur der umgebenden Luft, so begeht man 
offenbar einen Fehler, da die Temperatur des Stückes GN sich ändert durch 
die Temperatur der übrigen Luftmasse NLK. Defshalb, glaube ich, ist es 
gut das Stück GN so klein als möglich zu machen, um gar keiner Correction 
zu bedürfen. 



cur 



des Mn, Jfcupizts liier m<> <7fusc&fai.ung c&r "„/,■ a&trcA "V II,,.--,-, .s,i 

Fi.i. 2. 

i 



Inj J 




TT. UhzeZmann iA" tt sc 



Über 

Induction durch elektromagnetisirtes Eisen. 

Von 

H'n- *D V E. 

«VW» 'VWWWl 'VW* 

[Auszug aus den am 19. Februar und 14. Juni 1838, am 22. April und 24. October 1839, 
am 28. October 1841, am 18. April und 11. August 1842 gelesenen Abhandlungen.] 



D, 



ie nachfolgenden Untersuchungen bezwecken den Einllufs nachzuweisen, 
welchen das Auflösen einer massiven Eisenstange in Drathbündel 
und die Art dieselbe zu magnetisiren auf die elektrischen Ströme äufsert, 
welche sie in einem sie umgebenden Drathe inducirt. Bachhoffner und 
Sturgeon (') haben gezeigt, dafs der Offnungsschlag einer galvanischen 
Kette durch Einführung eiserner Drathbündel in den spiralförmigen 
Schliefsungsdrath derselben viel bedeutender verstärkt wird, als durch Eisen 
in Form einer massiven Stange. Die Art, wie der Gegenstrom (Extra- 
current) entsteht, gestattet aber nur seine physiologischen Wirkungen zu 
prüfen und die Lebhaftigkeit des bei Öffnung des Schliefsungsdrathes er- 
scheinenden Funkens. Aufserdem vermischen sich in dem letzteren drei 
Wirkungen, nämlich der Funke des primären galvanischen Stromes, die Stei- 
gerung desselben durch die Wirkung der spiralförmigen Windungen des 
Schliefsungsdrathes auf einander und der von dem verschwindenden Magne- 
tismus des eingeführten Eisens herrührende Effect. Für die physiologi- 
schen Wirkungen concurriren die beiden letztern Ursachen allein, da eine 
durch einen kurzen gerade ausgespannten Drath geschlossene galvanische 
Kette keinen Offnungsschlag giebt. Indem ich statt des Gegenstromes 
den Nebenstrom untersuchte, d.h. den das eiserne Drathbündel spiral- 
förmig umhüllenden Schliefsungsdrath der galvanischen Kette auf einen von 
ihm getrennten ihm parallelen Drath wirken liefs, konnte ich den resulti- 

(') Annais of Electrkity I, p. 481. 



86 D o v e 

renden Strom auch durch andre rheometrische Mittel prüfen als durch Ge- 
fühl und Lebhaftigkeit der Funken. Es blieb nun noch übrig, die Wirkung 
des verschwindenden Magnetismus allein im Residtat zu bebalten, und dies 
erreichte ich durch Construclion eines Differentialinductors, bei wel- 
chem zwei gleiche Scbliefsungsspiralen auf zwei gleiche Nebenspiralen 
wirken, welche, da sie kreuzweise mit einander verbunden sind, ihre Wir- 
kung vollkommen neutralsiren. Die durch Einführen von Eisen in 
eine dieser Spiralen eintretende Störung des vorher bei leeren Spiralen be- 
standenen Gleichgewicbts ist daher ein Effect dieses Eisens allein. Die 
Resultate, welche ich erhielt, wenn der primäre Strom der einer galvani- 
schen Kette oder Thermokette war, habe ich der Akademie am 24.0cto- 
ber 1839 vorgelegt. Sie waren der Art, dafs eine Ausdehnung derselben 
auf andre Magnetisirungsweisen des Eisens, als durch den Strom einer gal- 
vanischen Kette, wünschenswerth erschien. Die vermittelst der Entladung 
einer elektrischen Flaschenbatterie erhaltenen Ergebnisse wurden 
der Akademie am 28. October 1841 vorgelegt, die durch Annähern des 
Eisens an einen Magneten hingegen am 18. April 1842. Bei dieser letz- 
ten Magnetisirungsweise konnten ähnliche Untersuchungen für den An- 
fangsgegenstrom angestellt werden. Die Verstärkung der physiologischen 
Wirkung secundärer Ströme höherer Ordnungen durch eiserne 
Drathbündel war endlich der Gegenstand einer der Akademie am 11. Au- 
gust 1842 vorgelegten Arbeit. Sämmtliche ein Ganzes bildende Untersu- 
chungen erscheinen hier mit Bewilligung der Akademie in eine Abhandlung 
vereinigt in der Reihefolge, welche mir die übersichtlichste scheint, da die, 
in welcher sie veröffentlicht wurden, unmittelbar aus den Berichten der Aka- 
demie (') erhellt. 

( 1 ) Über einen magneto- elektrischen Apparat zur Hervorbringung inducirter Ströme 
gleicher Intensität in von einander vollkommen getrennten Dräthen und die Anwendung 
einander compensirender Spiralen überhaupt 1838, p. 21 u. 95. 

Über das Verhältnifs des grauen und weifsen Gufseisens zu Schmiedeeisen, hartem 
und weichem Stahl in Beziehung auf die durch dieselben hervorgebrachten Inductionser- 
scheinungen 1839, p. 72. 

Über magneto - elektrische Ströme, welche, wenn sie am Galvanometer im Gleich- 
gewicht sind, den menschlichen Körper heftig erschüttern, hingegen, wenn sie ihre physio- 
logische Wirkung gegenseitig neutralisiren, die Magnetnadel in starke Bewegung versetzen 
1839, p. 163. 



über Induction durch clelttromagnctisirtes Eisen. 87 

Bekanntlich kann man bei elektrischen Strömen verschiedenen Ur- 
sprungs daraus, dafs sie die Nadel eines und desselben Galvanometers um 
gleich viel ablenken, nicht auf ihre Gleichheit schliefsen, denn da nach 
Ohm's Theorie die Intensität eines Stromes gleich ist der ihn hervorbrin- 
genden elektromotorischen Kraft dividirt durch den Leitungswiderstand al- 
ler Theile, welche der Strom durchläuft, so mufs in dem Falle, dafs der 
Leitungswiderstand, von welchem der Drath des Galvanometers nur einen 
Theil hervorbringt, ungleich ist, aus der Gleichheit der Ablenkung der Gal- 
vanometernadel auf eine Ungleichheit der elektromotorischen Kraft geschlos- 
sen werden. Diese Ungleichheit mufs dann hervortreten, wenn man den Lei- 
tungswiderstand beider Ströme um gleich viel vermehrt oder vermindert. 
Auf diese Weise erklärt sich z. B. bekanntlich, warum eine Thermokette 
und eine galvanische bei gleicher V\ irkung am Galvanometer sich sehr ver- 
schieden verhalten, wenn in den Schliefsungsbogen eine Flüssigkeit einge- 
schaltet wird. Dasselbe gilt für eine Volta'sche Säule und ein galvanisches 
Element, welche, am Galvanometer als gleich erkannt, sich in Beziehung 
auf den menschlichen Körper oder einen Zersetzungsapparat sehr verschie- 
den verhalten. Ist aber der Leitungswiderstand für beide Ströme derselbe, 
indem sie z.B. in demselben Leiter sich bewegen und geben sie, am Galva- 
nometer gemessen, dieselbe Ablenkung, so wird eine Gleichheit der elektro- 
motorischen Kraft bei beiden vorausgesetzt werden müssen. Wirken nun 
diese Ströme in Fällen, wo der Leitungswiderstand durch gleich grofse Ver- 



über die durch Magnetisiren des Eisens vermittelst Reibungselektricität inducirten 
Ströme 1841, p. 296. 

Über den Gegenstrom zu Anfang und zu Ende eines primären 1842, p. 99. 

Über die durch Annähern von massivem Eisen und von eisernen Drathbündeln an 
einen Stahlmagneten inducirten elektrischen Ströme 1842, p. 112. 

Über elektrische Ströme, welche der verschwindende Magnetismus elektro-magneti- 
sirter Eisenstangen und Drathbündel inducirt, wenn der dieselben mangnetisirende Strom 
entsteht 

1) durch Annähern eines geschlossenen Kupferdrathes an einen Stahlmagneten, 

2) durch Annähern von weichem Eisen an einen Stahlmagneten, 

3) durch die Combination beider Wirkungen vermittelst der Saxtonschen Maschine, 
1842, August. 

Über den Einflufs eiserner Stangen und Drathbündel auf inducirte Ströme höherer 
Ordnungen 1842, August. 



88 D o v e 

änclerung beider gleich bleibt, verschieden, so kann diese Verschiedenheit 
nicht einer Verschiedenheit der elektromotorischen Kraft zugeschrieben wer- 
den, sondern ist in andern Ursachen zu suchen. 

Versteht man unter elektrischem Strome das Abgleichen eines irgend 
wie hervorgerufenen elektrischen Gegensatzes, so treten in dieses Abglei- 
chen zwei Momente ein: die anfängliche Stärke dieses Gegensatzes und die 
Zeit, innerhalb welcher sich derselbe auf Null reducirt. Unterschiede der 
Wirkung zweier Ströme, welche durch Abgleichen eines gleich grofsen 
elektrischen Gegensatzes entstehen, müssen daher der Verschiedenheit der 
Dauer dieses Abgleichens zugeschrieben werden. 

Hingen die magnetischen, chemischen, physiologischen und 
thermischen Wirkungen eines elektrischen Stromes in gleicher Weise 
von seiner Stärke und Dauer ab, so würden zwei in einer jener Bezie- 
hungen als gleich erkannte Ströme es auch in den drei andern Beziehun- 
gen sein. Diefs ist aber nicht der Fall. 

In Beziehung auf das Verhältnifs des galvanometrischen Effectes eines 
Stromes zu seiner chemischen Wirkung kann es durch eine grofse Anzahl 
das Faradaysche Gesetz der festen elektrolytischen Action direct bestä- 
tigender Versuche von Pouillet ('), Jacobi ( 2 ), Weber ( 3 ) als er- 
wiesen angesehen werden, dafs für die auf galvanischem Wege erhaltenen 
elektrischen Ströme die Wasserzersetzung innerhalb eines gegebenen Zeit- 
raumes der während desselben durch den Multiplicator ( 4 ) gemessenen con- 
stanten Stärke dieser Ströme proportional sei. Von zwei galvanometrisch 
als gleich erkannten Strömen kann man daher gleiche chemische Wir- 
kungen erwarten. 

Im Gebiete der Inductionserscheinungen hat man bisher aus einer 
Verstärkung der physiologischen Wirkung auf eine gröfsere sie hervor- 
bringende in Bewegung gesetzte Elektricitätsmenge als Ursache ge- 
schlossen und daher indirect angenommen, dafs bei magnetoelektrischen 



(') Compt. rend. V, p. 785. 

( 2 ) Bulletin scientique de V Academie de St. Petersbourg 1839, p. 354. 

( 3 ) Resultate des magnet. Vereins 1840, p. 96. 

( 4 ) Sei er nun eine Sinusbussole oder eine Tangentenbussole oder eine bifilar aufge- 
hängte durch den Erdmagnetismus gerichtete Drathrolle. 



über Induction durch clelclromagnetisirtes Eisen. 89 

Strömen die physiologische Wirkung der Ablenkung der Galvanometernadel 
und den Gasmengen des Voltameters proportional sei. Für die Maschinen- 
elektricität hat man in dieser Beziehung längst einen Unterschied gefunden, 
denn der den Körper heftig erschütternde Schlag einer Kleist'schen Flasche 
vermag nicht eine Magnetnadel abzulenken, er erlangt diese Eigenschaft erst 
dadurch, dafs man durch Einschalten eines nassen Fadens in den Schlie- 
fsungsbogen dessen Leitungswiderstand vermehrt. Dabei vermindert sich 
die physiologische Wirkung in einer auffallenden Weise, während sich das 
blendend weifse Licht des Funkens in ein gelblichrothes verwandelt. Ebenso 
verschwindet die Erschütterung vollkommen, wenn man die eine Belegung 
der Flasche in der Hand hält, der andern aber sich mit einer im Dunkeln 
bläulich leuchtenden Spitze allmählig nähert oder nach Lord Mahons An- 
gabe die Flasche vermittelst Elfenbein entladet. Auch unter dieser Bedin- 
gung der allmähligen Entladung durch eine genäherte Spitze tritt, wie 
Colladon (') zuerst gezeigt hat, eine Wirkung auf die Magnetnadel ein. 
Denkt man sich hier die Elektricität beider Belegungen auf zwei Elektrome- 
ter vertheilt, von denen die Blättchen des einen um eben so viel Grade po- 
sitiv divergiren, als die des andern negativ, so würde, wenn man beide durch 
einen Leiter verbindet, bei langsamen Zusammenfallen der Blättchen eine 
neben dem Leiter befindliche Magnetnadel abgelenkt, ein, die Abgleichung 
hervorbringender menschlicher Körper aber nicht erschüttert werden, bei 
schnellem Zusammenfallen der Blättchen hingegen eine Erschütterung ein- 
treten, während die Magnetnadel ruhig bliebe. 

Den hier geltend gemachten Unterschieden der physiologischen 
und galvanometrischen Wirkungen derselben Elektricitätsmenge, je nach- 
dem sie in längerer oder kürzerer Zeit einen Leiter durchströmt, stellen sich 
noch andre an die Seite. Bei den durch Bewegung eines in sich zurücklau- 
fenden Leiters in der Nähe eines Magneten erzeugten elektrischen Strömen 
ist die Stärke derselben der Geschwindigkeit direct proportional, die 
Dauer derselben der Geschwindigkeit umgekehrt proportional, die 
Anregung zur Bewegung einer während der Dauer des Stromes gegen die 
Windungen des Multiplicators unveränderlich gerichteten Nadel daher von 

(') Annales de Cliirnie et de P/iysique XXXIII, p. 62. 

Physik-math. Kl 1841. M 



90 D o v e 

der Geschwindigkeit ganz unabhängig, wie Gauss (') gezeigt hat. Der 
physiologische Eindruck, ist aber nicht ein Produkt der Dauer in die 
Stärke, er wird vorzugsweise durch die letztere bestimmt, steigert sich da- 
her mit der Geschwindigkeit der Bewegung, ohne dafs das Gefühl in der 
verminderten Dauer einer schmerzhaften Empfindung eine Compensation für 
ihre gröfsere Stärke erhält. 

Ahnliche Bestimmungen, wie für die physiologische Wirkung des 
Stromes, gelten auch für seine Eigenschaft, gehärteten Stahl zu magne- 
tisiren, denn entladet man eine Kleistische Flasche allmählig durch eine 
Spitze oder ein Stäbchen von Elfenbein, so ist, wie bereits Seebeck ( 2 ) ge- 
zeigt hat, der durch den Schliefsungsdrath in einer Stahlnadel hervorge- 
brachte Magnetismus entweder ganz unmerklich, oder viel geringer als bei 
der gewöhnlichen Entladungsweise durch einen in eine Kugel endenden 
Auslader. 

Wenn daher von zwei in demselben Leiter erregten Strömen, von 
denen der eine durch eine elektromagnetisirte Eisenstange inducirt wurde, 
der andre durch ein elektromagnetisirtes Drathbündel und welche am 
Galvanometer dieselbe Ablenkung hervorbringen, der letztere eine stär- 
kere physiologische Wirkung und lebhaftere Funken zeigt als der 
erstere, und zugleich Stahl stärker magnetisirt, so wird man voraus- 
setzen dürfen, dafs in dem letzteren eine gleiche Elektricitätsmenge in kür- 
zerer Zeit bewegt werde als in dem ersteren, und umgekehrt wird bei glei- 
cher physiologischer und magnetisirender Wirkung beider Ströme 
der von geringerem galvanometrischem Effect eine im Verhältnifs seiner 
verminderten Stärke gröfsere Geschwindigkeit haben. 

Ich werde nun zuerst an einem einfachen Schema den bei den Ver- 
suchen angewendeten Apparat erläutern und dann die nähere Beschreibung 
desselben folgen lassen. 

1. Princip des Differentialinductors. 
1. Wenn man in zwei gleichen Dräthen ab und cd (Fig. 1.), welche 
durch einen Drath bc mit einander verbunden sind, einen elektrischen Strom 

(') Schumachers astronomisches Jahrhuch 1836, p. 42. 

( 2 ) Magn. d. galv. Kette p. 45. Abhandlungen der Berliner Akademie 1821. 



über Induclion durch elektromagnetisirtes Eisen. 91 



Ö" 



erregt, so wird dieser bei seinem Aufhören in zwei den ersten parallelen 
Drathen aß und 7^ einen mit ihm gleichgerichteten Nebenstrom erzeugen. 
Verbindet man hingegen diese Dräthe kreuzweise d.h. (Fig. 2.) a mit 7 und 
ß mit S, so werden die von dem primären Strome ad in aß und in y$ indu- 
cirten Ströme einander entgegenwirken und, bei Gleichheit derselben, ein- 
ander vollkommen aufheben. Befindet sich aber neben ab ein zweiter ge- 
schlossener Drath cfgh (Fig. 2.), so wirkt der in demselben inducirte Strom 
auf ab und aß zurück, und zwar, da er mit den Strömen in ab und aß gleich- 
gerichtet ist, verzögernd d.h. schwächend für alle die Prüfungsmittel, 
welche von derselben Elektricitätsmenge, wenn sie in längerer Zeit einen 
Drath durchläuft, weniger afficirt werden, als wenn diefs in kürzerer Zeit 
geschieht, also schwächend für die physiologische Wirkung und das 
Magnetisiren des Stahls, während der galvanometrische Effect und 
die Eigenschaft weiches Eisen zu magnetisiren dadurch nicht verän- 
dert wird. Die in Beziehung auf jene Prüfungsmittel durch die Anwesen- 
heit von efgh im Drathe aßy$ nach aufgehobenem Stromgleichgewicht her- 
vortretenden Inductionserscheinungen werden demnach durch einen von ß 
nach a gerichteten Strom erzeugt erscheinen, da der in 7^ von cd inducirte 
unverzögerte Strom überwiegt über den von ab in aß inducirten, aber durch 
efgh verzögerten Strom. Auch sind diese Inductionserscheinungen allein 
der Wirkung von efgh auf aß zuzuschreiben, da die directe Wirkung von 
ab auf aß durch die Anwesenheit von efgh nicht vermindert wird, wie 
aus dem auf hintereinander liegende Drathwindungen bei Inductionen an- 
wendbaren Mulliplicationsprincip unmittelbar folgt. 

2. Substituirt man statt des in sich zurücklaufenden Drathes efgh eine 
auf der Ebene desselben lothrechte Eisenstange sn (Fig. 2.), so wird der pri- 
märe Strom diese magnetisiren. Der bei dem Aufhören des primären Stro- 
mes ab verschwindende Magnetismus dieser Eisenstange inducirt aber in aß 
ebenfalls einen Strom und zwar gleichgerichtet mit dem, welchen der in ab 
bestehende elektrische Strom im Moment seines Auf hörens in aß hervorruft. 
Das vorher in aßy& bestandene Stromgleichgewicht wird also ebenfalls auf- 
gehoben werden, der resultirende Strom wird aber, und zwar für alle Prü- 
fungsmittel, die entgegengesetzte Bichtung zeigen, nämlich von a nach ß, 
da nämlich jetzt das verstärkte aß über das unverstärkte 7^ überwiegt. Den- 
ken wir uns endlich jenes elektromagnetisirte Eisen sn von einem leitenden 

M2 



92 D o v e 

Drath efgli umgeben, so wird wegen des in sn verschwindenden Magnetis- 
mus im Drathe aß eine gröfsere Elektricitätsmenge in Bewegung versetzt 
als im Drathe y&, wegen des in cfgh zugleich erregten elektrischen Stromes 
wird aber diese Elektricitätsmenge langsamer bewegt werden, als die ge- 
ringere Menge im Drathe y&. 

Hier können also drei verschiedene Fälle eintreten: 

1) die vermehrte Elektricitätsmenge steigert irgend eine bestimmte Wir- 
kung des Stromes mehr, als die Verzögerung des Stromes sie vermindert; 

2) die durch die Vermehrung der Elektricitätsmenge gesteigerte Wirkung 
wird genau compensirt durch die Verzögerung des Stromes; 

3) die Verzögerung des Stromes schwächt eine bestimmte Wirkung mehr, 
als diese' durch die vermehrte Elektricitätsmenge gesteigert wird. 

Im ersten Falle wird der Strom von a nach ß gerichtet sein, im zweiten wird 
das Stromgleichgewicht bestehen bleiben, im dritten wird der Strom von ß 
nach a fliefsen. Ist der primäre das Eisen magnetisirende Strom der einer 
galvanischen Kette, der einer Thermosäule oder Thermokette oder 
der inducirte einer Saxtonschen Maschine, so beobachtet man stets nur 
den ersten Fall, ist hingegen der primäre Strom der einer sich entladenden 
Kleistischen Flasche oder elektrischen Batterie, so tritt auch der 
dritte und unter besondern Umständen auch der zweite ein, so aber, dafs 
wenn für ein Prüfungsmittel des Stromes der erste eintritt, für ein an- 
deres der dritte und umgekehrt eintreten kann. Endlich kann der pri- 
märe Strom der Saxtonschen Maschine vermittelst des von ihm erzeugten 
Gegenstromes so modificirt werden, dafs an ihm alle drei Fälle beobachtet 
werden können. 

Ein aus isolirten Eisendräthen bestehendes Bündel gestattet nicht 
die Bildung peripherischer das ganze Bündel umgebender elektrischer Ströme. 
Schliefst man dasselbe hingegen in eine leitende Hülle ein, z.B. in eine 
geschlossene Messingröhre, so wird das eiserne Drathbündel den Mag- 
net sn, die Hülle den Drath cfgh repräsentiren. Bei einer massiven Eisen- 
stange wird die Oberfläche derselben als die umschliefsende Umhüllung efgh 
angesehen werden können. Ein solcher Elektromagnet ist also sn mit seinem 
einschliefsenden Drathe efgh. 

3. Befindet sich neben cJeine ähnliche Combination s,n, und e,fg,h,, 
so wird das Stromgleichgewicht auf doppelte Weise aufgehoben; aus der 



über Induction durch elelitromagnetisirtes Eisen. 93 

Richtung des resultirenden Stromes wird aber erhellen, welche von beiden 
Störungen des Gleichgewichts die bedeutendere sei. Vermindert man diese 
durch Modification des stärkeren sn oder stärkeren efgh, so wird das ge- 
störte Gleichgewicht wieder hergestellt werden können. Der Apparat wird 
dann eine messende Vorrichtung werden. 

Zur Verstärkung der Wirkung ist es passend, sowohl den magnetisi- 
renden Dräthen ab und cd, als den Dräthen aß und y£, auf welche die in- 
ducirende Wirkung erfolgt, die Form von Spiralen zu geben, von denen die 
letztern auf die erstem isolirend aufgeschoben werden, während in die erstem 
hinein sowohl die zu magnetisirenden Eisenstangen gelegt werden als auch 
die Vorrichtungen, welche den Leiter efgh repräsentiren. 

4. Die in die Spiralen gelegten Metallstangen waren theils Cylinder, 
theils prismatische Stangen von quadratischem Querschnitt. Die Cylin- 
der hatten gleiche Dimensionen, nämlich 11 Zoll 7 Linien Länge und H^Li- 
nie Durchmesser. Es waren deren dreizehn, von Messing, Zinn, Zink, 
Blei, gehärtetem Stahl, grauem Roheisen aus dem Tigelofen, 
grauem Roheisen aus dem Cupoloofen mit warmen Wind geblasen, 
grauem Roheisen aus dem Cupoloofen mit kalten Wind geblasen, wei- 
fsem Roheisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen, weifsem 
Roheisen Tigelgufs, und zwei Cylinder von sehr weichem Schmiede- 
eisen, aufserdem der Länge nach aufgeschnittene und unaufgeschnit- 
tene Flintenläufe, eine aufgeschnittene und eine unaufgeschnit- 
tene Messingröhre, eine Röhre von Blei, von Zinn, von Neusilber, 
von Nickel, von vernietetem und der Länge nach aufgeschnittenem 
Eisenblech, sämmtlich von denselben Dimensionen als die Cylinder. Die 
Dräthe der Bündel hatten dieselbe Länge als die Röhren. Es waren de- 
rer vier Sorten von weichem Eisendrath, von 0"'70, 1702, 1"'46, 2767 
Durchmesser, die erste Sorte mit Schellack gut überfirnifst. x\uch wurden 
Bündel von weichem Stahldrath von 0757, von hartem Stahldrath 
von 0'."87 und von überfirnifstem Messingdrath von 0.70, von Kupfer- 
dräthen von 0775, von Zinndräthen von 1710, von Bleidräthen von 
0'"80, von Zinkdräthen von 0"60 Durchmesser gebildet, aufserdem Cy- 
linder construirt von feinen eisernen Bohrspänen in Glasröhren einge- 
schlossen, und Säulen geschichtet aus Scheiben von Stahlblech, von 
verzinntem Eisenblech und aus Eisenplatten, die einzelnen Scheiben 



94 D o v e 

durch Papierscheiben isolirt, endlich ein Cylinder aus verzinnten Eisen- 
blechscheiben mit zvvischengelegten Silbermünzen. Der Durchmesser dieser 
aus einigen hundert Lagen bestehenden Scheibensäulen betrug 9 Linien. Die 
prismatischen Stangen waren von Nickel, Antimon, Wismuth, Zink, 
Blei, Kupfer, Eisen, Messing, 18 Zoll lang und von 5 Linien Seite. 
Gold, Silber, Piatina und Iridium wurden in zusammengelegten Strei- 
fen angewendet. 

5. Obgleich man sich für verschiedene primäre Elektricitätsquellen 
derselben magnetisirenden Spiralen ah und cd und derselben Inductionsspi- 
ralen aß und yt$ bedienen kann, so ist es für galvanische Ströme, wenn 
man starke Wirkung verlangt, doch vorzuziehen, dem Schliefsungsdrathe 
gröfsere Dicke, dem Nebendrathe hingegen mehr Windungen zu geben, als 
diefs bei Reibungselektricität verlangt wird, wobei es nicht nöthig ist 
auf die Isolation eine so grofse Sorgfalt zu verwenden, als diese erheischt. 
Wird hingegen das Magnetisiren des Eisens unmittelbar durch Annähern 
desselben an einen Stahlmagnet hervorgebracht, so erfordert der Appa- 
rat eine wesentlich verschiedene Construction. Ich habe mich bei den fol- 
genden Versuchen daher vier verschiedener Differentialinductoren bedient, 
von denen die drei ersten im Folgenden beschrieben sind, der letztere aber 
erst später zur Sprache kommen wird. 

2. Differentialinductor für galvanische und für Thermoelektricität. 

6. Zwei in die Züge zweier gleichgeschnittenen Holzschrauben ge- 
wundene Spiralen (') von 29 Windungen eines 2^ Linien dicken, durch Schel- 
lack isolirten Kupferdrathes von 18^ Linien innerer Weite bilden mit einan- 
der verbunden, den Schliefsungsdrath der galvanischen Kette. In die cy- 
lindrisch ausgebohrten Holzschrauben werden die zu vergleichenden Eisen- 
cylinder und Drathbündel geschoben, welche, durch den Kupferdrath elektro- 
magnetisirt, inducirend auf 2 aufgeschobene Rollen eines \ Linie dicken, mit 
Seide umsponnenen Drathes wirken, von denen jede eine Drathlänge von 
400 Fufs besitzt. Die freien Enden dieser kreuzweise verbundenen Inducti- 
onsrollen werden vermittelst Handhaben durch den Körper oder durch ein 



(') Will man den hier beschriebenen Apparat zugleich zu einer elektromagnetischen 
Maschine anwenden, in welcher die Liduction durch ein elektromagnetisirtes Hufeisen ge- 



über Induclion durch eleklromagnetislrtes Eisen. 



95 



Galvanometer geschlossen und ihre gegenseitige Compensation in beiden Fäl- 
len ermittelt ('). Das durch Einschieben eines Eisencylinders in die eine 



schieht, so kann man sich des in der folgenden Figur dargestellten Arangements bedienen. 

,1 




Eine hufeisenförmige gebogene cylindrische Stange weichen Eisens pp' ist an ihrer gekrümm- 
ten Mitte von einer durch einen isolirenden t berzug von der Berührung mit derselben ge- 
schützten Spirale dicken Kupferdrathes cd umwickelt. Auf die ebenfalls isolirend überzo- 
genen geraden einander parallelen Schenkel lassen sich 2 gerade cylindrische Spiralen ab 
und el desselben Drathes aufschieben, in demselben Sinne als cd gewickelt, so dafs, wenn 
b mit c, und d mit e verbunden ist, ab edel eine stets in demselben Sinne fortlaufende 
Spirale bildet. Die Enden a, l dieser beiden Spiralen laufen auf der äufsern Seite der 
Schenkel in der Richtung dieser letztern geradlinig fort, damit sie weder dem Ansetzen des 
Ankers an die Pole pp' im Wege sind, noch das Aufschieben der aus langem dünnen Drath 
gewickelten Inductionsspiralen aß und sX auf die von dickem Drath gewundenen magneti- 
sirenden Spiralen ba und el hindern. 

(') Wenn die Inductionsspiralen nicht dieselbe Länge haben als die magnetisirenden 
Spiralen, denen sie aufgeschoben sind, und eine Inductionsspirale an verschiedenen Stellen 
eines geradlinigen Elektromagneten einen inducirten Strom verschiedener Intensität zeigt, 
so wird man durch Verschieben der einen Inductionsspirale auf ihrer magnetisirenden eine 
noch nicht vollständig erreichte Compensation eben so bewirken können, als wenn man von 
der stärkeren Inductionsspirale Drath abwickelt. Um nun zu entscheiden, an welcher Stelle 
ein Elektromagnet am stärksen inducirend wirkt, wurde ein umsponnener Kupferdrath in 
zwei Spiralen von 60 Windungen geschlungen, die durch ein langes gerade fortlaufendes 
Ende mit einander verbunden waren. Jede dieser Spiralen wurde anf einen der Pole eines 
22 Zoll langen 14 Linien dicken Elektromagneten geschoben, welchen ein 2'"5 dicker 
Kupferdrath in 60 Windungen umgab. Nachdem die Compensation der Spiralen nahe an 
den Enden des Elektromagneten am Galvanometer ermittelt worden, wurde die eine der 



96 D o v e 

der Spiralen gestörte Gleichgewicht wird darauf durch allcnähliges Hinzufü- 
gen von Eisendräthen in die andre Spirale wieder hergestellt. Bei allen die- 
sen Versuchen geschieht die Induction nicht durch Einschieben des noch un- 
magnetisirten Eisens in die bereits die galvanische Kette schliefsende und da- 
her das bewegte Eisen magnetisirende Spirale, sondern indem durch Schlie- 
fsen und Öffnen der galvanischen Kette das in der Spirale bereits ruhende 
Eisen polarisirt und depolarisirt wird. Alle hier betrachteten Ströme gehö- 
ren daher zu den sogenannten momentanen. Bei der angegebenen Beob- 
achtungsart ist, wie oben auseinandergesetzt worden, der resultirende Strom 
nur hervorgerufen durch das eingeführte Eisen, da die directe Wirkung des 
Schliefsungsdrathes auf den Nebendrath vollkommen compensirt wird. 

Die hierbei angewendeten galvanischen Ketten waren theils klei- 
nere Calorimotoren aus zwei Windungen von 4 Zoll Höhe, theils gröfsere 
vielplattige zu einem Element verbundene Tröge von 13 Zoll Seite mit vier 
eingesetzten Kupfer- und amalgamirten Zinkplatten. Später wurden mitVor- 
theil constante Ketten angewendet, theils Bunsensche Zinkkohlenketten, 
theils Grovesche Platinzinkketten. Die Versuche mit Thermoelektrici- 
tät wurden mit einer Thermosäule angestellt, bestehend aus acht Thermo- 
ketten von Antimon und Wismuth, welche an ihren obern und untern En- 
den ein Schachbrett von 16 gleichen Quadraten bildeten, jedes von 8 Linien 
Seite, während die Höhe der Stäbe 3 Zoll 8 Linien beträgt. Die in weite 
Quecksilbergefäfse endenden Pole dieser Säule wurden durch die magnetisi- 
rende Spirale geschlossen, die Temperaturungleichheit aber durch vermit- 
telst Schnee auf Null gehaltenes Wasser und eine darübergehängte glühende 
eiserne Platte hervorgerufen. Später wurde eine einfache Thermokette 
angewendet, bestehend aus zwei aneinander gelötheten Wismuth und Anti- 



Spiralen bei unveränderter Lage der andern an einer der Mitte nähern Stelle angebracht 
und die Verbindung des Elektromagneten mit der galvanischen Kette aufgehoben. Sogleich 
zeigten sich starke Ablenkungen und zwar im entgegengesetzten Sinne, wenn die vorher 
von der Mitte entferntere Spirale die ihr nähere wurde. Die Ablenkungen geschahen stets 
im Sinne der der Mitte näheren Spirale, auch blieben sie dieselben, wenn das 
vorher direct elektromagnetisirte Hufeisen nun als Anker an einen andern Elektromagne- 
ten angelegt wurde, welcher durch Schliefsen und Öffnen der Kette polarisirt und depola- 
risirt wurde. Die vortheilhafteste Stelle einer Inductionsspirale ist daher die Mitte des 
Elektromagneten. 



über Induction durch eleldrotna^netisirtes Eisen. 97 



b 



mon- Stäben von 3" T" Länge, und quadratischem Querschnitt von S'."5 Seite, 
welche an der Löthungsstelle durch eine Spiritusflamme erwärmt wurden. 
Alle Verbindungen der dicken Dräthe geschahen durch querdurchbohrte cy- 
lindrische Quecksilbergefäfse, alle Verbindungen des dünnen Drahtes durch 
doppelt der Quere (') nach senkrecht auf einander durchbohrte Drath- 
klemmen. 

3. Differentialinductor für Magnetoelektricität. 

7. War der primäre Strom der einer Saxtonschen Maschine, so 
wurden statt der innern Spirale von dickem Kupferdrath zwei Spiralen von 
dünnem Drath von V" Dicke angewendet, jede von 400' Länge, einen Zoll 
im Lichten und einen Fufs lang. Die äufseren Spiralen waren die bei dem 
vorigen Differentialinductor angewendeten. 

4. Differentialinductor für Reibungselektricität. 

8. Auf zwei starke cylindrische Glasröhren von 1 Fufs Länge und 
1 Zoll Weite (Fig. 3.) sind zwei Spiralen von Kupferdrath in gleichem Sinne 
gewickelt und ganz in Schellack eingelassen, welches auswendig mit Papier 
überzogen ist. Jede der Spiralen bildet bei 32 Fufs Drathlänge 80 Win- 
dungen. Von den Drathklemmen, in welche diese Spiralen enden, wird a 
mit der innern, d mit der äufsern Belegung der isolirten Batterie verbunden, 
nachdem diese vermittelst einer selbstentladenden Flasche eine constante 
Ladung erhalten hat. Da die Klemmen b und c durch einen Querdrath ver- 
bunden sind, so bilden die beiden Spiralen ab und cd zusammen den Schlie- 
fsungsdrath der Batterie. Die darauf zu schiebenden, in gleichem Sinne als 
die innern gewickelten Inductionsspiralen sind auf Röhren von Pappe in 
Schellack eingelassen, und haben bei 80 Windungen jede eine Drathlänge 
von 45 Fufs. Die Dicke des Drahtes dieser Spiralen ist dieselbe als die des 
Drahtes der Schliefsungsspiralen, nämlich eine halbe Linie, die beiden En- 



(') Durchschneiden die Querlöcher einander senkrecht, so kann man vermittelst einer 
Schraube die gekreuzten Drähte festklemmen. Das Querdurchbohren der Klemmen bietet 
aufserdem den Vortheil dar, dafs man die Drähte nicht blofs an ihren Enden verbinden 
kann, sondern dadurch, dafs man den einen beliebig weit hindurchzieht, auch den einen an 
der Mitte des andern befestigen kann. 

Physik. - math. Kl. 1 84 1 . N 



98 D o v e 

den jeder Nebensphale befinden sich auf derselben Seite (der Vorderseite 
der Figur), es läuft daher das umgebogene längere Ende jeder Spirale (ß, 7) 
in einer Glasröhre neben der äufseren Papierbekleidung hin, und ist daran 
durch zwei seidne Bänder vermittelst daruntergelegter Korkstücke befestigt. 
Von den vier Enden dieser Spiralen sind zwei a und 7 durch einen Quer- 
drath verbunden, während die andern ß und & entweder, wie es die Figur 
zeigt, in Handhaben enden, oder durch eine, eine unmagnetische Stahlnadel 
enthaltende Spirale, durch ein Galvanometer, einen Elektromagneten, einen 
Zersetzungsapparat, ein elektrisches Luftthermometer oder ein Breguetsches 
Metallthermometer, ein isolirtes Froschpräparat, einen Condensator oder 
eine Spitzenvorrichtung mit isolirter Zwischenscheibe von Harz zur Darstel- 
lung von Harzfiguren verbunden sind. Jede der Schliefsungsspiralen ab 
und cd, liegt mit ihrer einhüllenden Nebenspirale, aß und <y£, auf zwei gut 
mit Schellack überzogenen Glasfüfsen von ^ Zoll Durchmesser, welche in 
einer Höhe von 81 Zoll sich gabelförmig öffnen in zwei Glasstangen, welche 
bei einer Länge von 3 Zoll, oben 1^ Zoll von einander abstehen, und an 
den lothrechten Stangen durch Messinghülsen festgekittet sind. In die in- 
nern Glasröhren werden die zu vergleichenden metallenen Cylinder und 
Drathbündel hineingelegt, wie es die Figur zeigt, in welcher die Spirale cd 
einen massiven Cylinder, die Spirale ab ein in eine Metallhülle eingeschlos- 
senes Drathbündel enthält. Der Apparat wurde von Hrn. Kleiner mit ge- 
wohnter Sorgfalt ausgeführt. 

Ich wende mich nun zu den Versuchen selbst. 

I. Ströme inducirt durch den verschwindenden Magnetismus elek- 
tromagnetisirter Eisenstangen und Drathbündel, wenn der diesel- 
ben magnetisirende Strom der einer galvanischen Kette. 

1. Vergleichung der galvanometrischen und physiologischen 

Wirkung. 
9. Befindet sich in der einen Spirale des Differentialinductors eine 
massive Eisenstange, in der andern ein Drathbündel, welches dieser 
Eisenstange am Galvanometer das Gleichgewicht hält, so erhält man von 
diesen einander galvanometrisch compensirenden Strömen bei dem Einschal- 
ten des menschlichen Körpers heftige Erschütterungen. Durch Herausnehmen 



über Induction durch clektromagnetisirtes Eisen. 99 



o' 



von Drähten lassen diese Erschütterungen sich his auf Null reduciren, aber 
nun erfolgt von diesen physiologisch einander das Gleichgewicht haltenden 
Strömen eine starke Ablenkung am Galvanometer im Sinne des massiven 
Cylinders. Wie grofs dieser Unterschied ist, davon mag eine der Versuchs- 
reihen mit dem eine Linie starken Drathe ein Beispiel geben. Die zur Com- 
pensation erforderliche Anzahl Dräthe war nämlich folgende : 



für das für das 

Galvanometer Gefühl 



Schmiedeeisen HO-f-a? 15 

graues Eisen aus dem Tigelofen 92 24 

weicher Stahl 91 9 

graues Eisen aus dem Cupoloofen mit warmen Wind geblasen 45 18 

weifses - - - kaltem - - 43 8 

weifses - Tigelgufs 41 10 

harter Stahl 28 7 

graues Eisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen 27 11 

Bei dem Schmiedeeisen reichte die in die Holzschraube hineinge- 
hende Anzahl Dräthe noch nicht zur Compensation am Galvanometer hin. 

Ohne Ausnahme ist also die zur Compensation einer massiven Ei- 
senmasse erforderliche Drathmenge für das Galvanometer gröfser als für 
das Gefühl, oder anders ausgedrückt, bei gleicher am Galvanometer 
bestimmter Intensität des Stromes ist die von dem Drathbündel 
erzeugte Erschütterung bedeutender als die von der massiven 
Eisenmasse. Um dieses Resultat auf eine andre Weise zu prüfen, wurde 
folgender Versuch angestellt: Ein sogenanntes Differential- Galvanometer 
von zwei gleichen Dräthen, deren jeder in 100 Windungen den Rahmen um- 
gab, wurde so mit den vorher getrennten Inductionsspiralen verbunden, dafs 
der Strom der einen Spirale die 100 Windungen des einen Drathes des Gal- 
vanometers in entgegengesetzter Richtung durchlief, als der Strom der an- 
dern Spirale die 100 Windungen des andern Drahtes, und nachdem das 
Gleichgewicht für den massiven Cylinder und das Drathbündel an der 
astatischen Nadel ermittelt worden, abwechselnd die Stärke der Erschütte- 
rungen der beiden getrennten Spiralen geprüft, wo die des Drathbündels 
entschieden stärker sich ergab. 

N2 



100 D o v e 

10. Obgleich dadurch, dafs die Ströme bei der früheren Versuchs- 
reihe stets in demselben Drath circulirten, unmittelbar erwiesen ist, dafs das 
Nichtvorhandensein des Gleichgewichts für das Gefühl bei Einschalten des 
menschlichen Körpers in den am Galvanometer keine Ablenkung gebenden 
Strom nicht durch eine Vermehrung des Leitungswiderstandes erklärt wer- 
den kann, so wurde, als Prüfung innerhalb engerer Grenzen, noch folgender 
Versuch angestellt. Den Inductionsspiralen wurde eine Länge von 300 
Fufs gegeben, so dafs die einander entgegengesetzten Ströme im Ganzen 
400 Fufs Drath durchliefen. Darauf wurden 2000 Fufs Drath und später 
weit gröfsere Längen Drath eingeschaltet, ohne dafs das Gleichgewicht am 
Galvanometer irgend gestört wurde. Eine bedeutende Vervielfältigung 
des Leitungswiderstandes war also ohne Einflufs. 

11. Die für Eisen gefundenen Resultate schienen auch auf Nickel 
eine Anwendung zu finden. Eine durch eiserne Dräthe für das Gefühl com- 
pensirte quadratische Stange von Nickel gab am Galvanometer einen Aus- 
schlag im Sinne des durch sie erzeugten Stromes. 

12. In Beziehung auf das galvanometrische Gleichgewicht mufs 
noch eine eigenthümliche Erscheinung erwähnt werden, welche dafür spricht, 
dafs die Steigerung der Ströme bis zu dem Maximum ihrer Intensität bei glei- 
cher mittlerer Stärke nicht in derselben Zeit geschieht. Angenommen die 
Anzahl der Dräthe überwiege den massiven Cylinder, so dafs der Ausschlag 
der Nadel im Sinne des durch die Dräthe erzeugten Stromes geschieht, und 
man vermindert diesen Uberschufs durch Herausnehmen von Dräthen all- 
mählig, so sieht man nicht die Ablenkung durch immer kleiner werdende 
Ausschläge in die entgegengesetzte durch Null übergehen, sondern man sieht 
die Nadel, wie von einem schnellen, kurzen Stofse getrieben, nach der Seite 
des früheren Ausschlages sich bewegen, dann plötzlich anhalten und im 
Sinne des andern Stromes weit langsamer zurückgehen. Diese zuckende 
Bewegung findet auch dann noch statt, wenn der zweite Strom bereits über- 
wiegt, so dafs dem kurzen Stofse nach der einen Seite dann eine weitere 
Schwingung nach der entgegengesetzten folgt. Bezeichnet ac (Fig. 4.) die 
Dauer des ersten, ae die des zweiten Stromes, abc die Intensitätscurve des 
ersten, ade die des zweiten, und ist der Flächenraum abc = ade, so sieht 
man leicht, warum die Nadel nur an dem Durchschnittspunkte d im Gleich- 
gewicht zuerst sich im Sinne des Stromes abc und dann im Sinne von ade 



über Induction durch elektromagnetisirtes Eisen. 101 

bewegt, ja wie diefs noch eine Zeit lang stattfinden kann, wenn der Flächen- 
raum ade gröfser als abc geworden. Die Zuckung der Nadel zeigt sich deut- 
licher bei dem Schliefsen als bei dem Offnen der erregenden Kette, aber in 
beiden Fällen im Sinne des Drathstromes. 

Mit dieser Erscheinung steht eine andre im unmittelbaren Zusammen- 
hanse. Da nämlich die Nadel des Galvanometers durch den Unterschied 
zweier Ströme bewegt wird, dieser Unterschied aber zunimmt, im Verhält- 
nifs, dafs beide Ströme stärker werden, so wird der anfängliche Ausschlag 
zunehmen bei einer Verstärkung des Stromes. Erreicht dieser Unterschied 
eine merkliche Gröfse, so findet der zweite Strom die Nadel in einer un- 
günstigem Stellung zu den Windungen des Multiplicators als der anfäng- 
liche und es kann dadurch derselbe scheinbar überwiegen. Diefs wurde 
mehrfach beobachtet, wenn Calorimotoren mit recht trocknen Platten ange- 
wendet wurden, nachdem mit bereits feuchten Ketten die kleine Zuckung 
erhalten worden war. Auf diese Weise erklärt sich dann auch, warum man 
bei starken Strömen durch mehr Dräthe dem massiven Cylinder das Gleich- 
gewicht hält, als bei schwächern ('). 

13. Ist die Beobachtungsmethode vermittelst einander compensiren- 
der Spiralen daher vorzugsweise geeignet auf Unterschiede zweier Ströme, 
wie die angeregten, aufmerksam zu machen, so sieht man doch, dafs die oben 
gegebenen, senkrecht untereinander stehenden Zahlen nur unter Vorausset- 
zung einer constant wirkenden Kette eine wirkliche numerische Relation 
darstellen. Die mir damals zu Gebote stehenden Ketten genügten dieser 
Bedingung nicht. Auch bleibt bei der häufigen Anwendung loser Dräthe 
die Isolation der eisernen Dräthe nicht zu allen Zeiten dieselbe, da der 
Schellackfirnifs von einzelnen Stellen sich abscheuert. Ich habe daher die 
galvanometrische Reihenfolge der angewendeten Metalle mit einer an- 
dern gut gefirnifsten Drathsorte von 0.70 Linien Dicke zu ermitteln gesucht 
und mich dabei einer Bunsenschen Zinkkohlenkette zur Hervorbringung des 
magnetisirenden Stromes bedient. In die Röhren konnten 170 Dräthe die- 

(') Das hier Gesagte gilt natürlich nur, wenn ein von einem elektromagnetisirten Drath- 
bündel. inducirter Strom einem von einer massiven Eisenstange inducirten entgegenwirkt, 
nicht aber, wenn zwei massive Eisenstangen einander entgegenwirken. Hat man für diese 
einmal bei schwachen Ketten die Compensation erreicht, so bleibt diese auch bei stärkeren 
bestehen. 



102 



D O V E 



ser Dicke gelegt werden, welche aber von dem Cylinder von weichem 
Eisen, von Flintenläufen und von aufgeschnittenen Röhren von 
Eisenblech überboten wurden, während eine vernietete Röhre von 
doppeltem Eisenblech dadurch eben im Gleichgewicht gehalten wurde. 
Der Grund des Uberwiegens der aufgeschnittenen Röhre über die ver- 
nietete mag darin zu suchen sein, dafs jene federnd einen gröfsern äufsern 
Umfang hatte als diese. Bei dieser Versuchsweise wurde folgende Reihen- 
folge erhalten: 



Substanzen 



Erforderliche Dratbmcnge von 0'"70 Dicke 
für galvanomelrische Compensation 

A 



Cylinder von weichem Eisen 

Flintenlauf 

aufgeschnittene Röhre von doppeltem Eisenblech 
vernietete - 

Cylinder von weichem Stahl 

- grauem Roheisen aus d. Tigelofen . 

- - Cupoloofen 

mit warmen Wind 

Cylinder von weifsem Roheisen Tigelgufsl 

> ■ • • 

Röhre von Eisenblech J 

Cylinder von weifsem Roheisen aus dem Cupolo- 
ofen mit kaltem Wind 

Cylinder von hartem Stahl 

grauem Roheisen aus dem Cupolo 

ofen mit kaltem Wind 

quadratische Nickelstange (4'."75 Seite) 

Röhre von Nickel 1 

Säule von Eisenscheiben durch Papier getrennt/ 
Stahlscheiben ... 
Weifsblechscheiben d. Papier getrennt 

Röhre von Neusilber 

Cylinder von feinen eisernen Bohrspänen .... 



! 



~-N 



170. 

170- 

170 

170 

150 

140 

86 

84 

83 
67 

10 

4 

2 



x, 
■x„ 



14. Die galvanometrische Reihenfolge der verschiedenen Ei- 
sensorten habe ich auf eine directere Weise untersucht, indem ich jedem 



über Induction durch elektromagneüsirtes Eisen. 103 



o 



der eisernen Cjlinder in der einen Spirale die übrigen 8 andern der Reihe 
nach in der andern Spirale entgegenwirken liefs, und aus dem Sinne der Ab- 
lenkung der Galvanometernadel bestimmte, welcher Cylinder stärker wirkte. 
Es ergab sich dabei für Eisensorten folgende Reihenfolge (') mit einigen 
Abweichungen in den einzelnen \ ersuchsreihen : 

weiches Eisen 

graues Eisen aus dem Tigelofen 

weicher Stahl 

graues Eisen aus dem Cupoloofen mit warmen Wind geblasen 

weifses Eisen Tigelgufs 

graues Eisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen 

weifses Eisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen 

harter Stahl. 

16. Für das Gefühl ist die Bestimmung der wahren Anzahl der Drä- 
the, welche einem Cjlinder das Gleichgewicht halten, aus einem andern 
Grunde schwierig. Bei jeder Stärke der Kette bleibt sie kleiner als die 
zur Compensation am Galvanometer erforderliche, wo man aber bei schwä- 
cheren Strömen den Uberschufs des einen über den andern nicht mehr als 
Schlag empfindet, ist dies bei stärkeren der Fall. Auch bleibt die letzte 
Empfindung lange in scheinbar unveränderter Stärke, so dafs das Her- 
ausnehmen der Dräthe darin keinen zu bemerkenden Unterschied hervor- 
bringt. 

17. Ich habe daher die physiologische Reihenfolge der massi- 
ven Stangen auch auf eine andere Weise zu ermitteln gesucht. Erhält man 
nämlich von zwei einander entgegenwirkenden Cvlindern einen Schlag, als 
Uberschufs eines Stromes über den andern, so braucht man nur, um zu er- 
mitteln, von welcher Stange dieser Schlag ausging, die eine derselben aus 



(*) Es braucht wohl kaum bevorwortet zu werden, dafs die Aufstellung solcher Reihen- 
folgen nur den Zweck hat darauf aufmerksam zu machen, dafs geringe Änderungen in der 
Beschaffenheit des Gufseisens und Stahls die inducirenden Wirkungen des Eisens wesent- 
lich verändern, nicht aber den Zweck, durch den Namen einer Substanz die Stelle entschie- 
den zu bezeichnen, welche sie in der Reihenfolge einnimmt. Nur wenn identische Sub- 
stanzen mit denselben Namen bezeichnet werden könnten, würde eine solche Reihenfolge 
eine absolute Gültigkeit haben. 



104 D o v e 

der sie magnetisirenden Spirale herauszuziehen, und während dieses Heraus- 
ziehens vermittelst eines gedrehten gezähnten Rades oder eines Blitzrades die 
Kette continuirlich zu öffnen und zu schliefsen. Geschieht das Herauszie- 
hen an der schwächern Stange, so werden die Erschütterungen fortwährend 
stärker, geschieht es hingegen an der stärker wirkenden, so werden sie schwä- 
cher bis zu einer bestimmten Weite des Herausziehens, wo sie vollkommen 
verschwinden. Wird diese Grenze überschritten, so erhält man allmählig 
steigende Erschütterungen des entgegengesetzten Stromes, wobei das Maafs 
des Herausziehens ein quantitatives Bestimmungselement der beiden einan- 
der entgegenwirkenden Ströme abgiebt. Graues Eisen aus dem Tigelofen 
zeigte sich weit überwiegend dem weichen und dem harten Stahl. Das 
sehr harte weifse Eisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen 
verhält sich nahe wie weicher Stahl, übertraf aber sehr merklich den har- 
ten. Der Unterschied zwischen Schmiedeeisen und Gufseisen war un- 
bedeutender als der zwischen Schmiedeeisen und Stahl, und zwar war 
der erstere bei einigen Gufseisensorten so unbedeutend, dafs er durch Her- 
ausziehen ncht genau ermittelt werden konnte. 

18. Aus diesen Versuchen und den mit Drathbündeln folgt, dafs die 
für das Galvanometer sich ergebende Reihenfolge der verglichenen Ei- 
sensorten eine andere ist als die auf physiologischem Wege erhaltene. 

Die physiologische Wirkung hängt daber einerseits von der me- 
chanischen Discoutinuität der Masse, anderntheils von der Beschaf- 
fenheit des Eisens ab. Daraus folgt, dafs Dräthe von weichem Eisen von 
anderem Durchmesser einen Cylinder von einer bestimmten Eisensorte zu- 
gleich in Beziehung auf die Magnetnadel und auf das Gefühl compensiren 
können. Diefs fand sich z. B. bei zwölf Dräthen von 2.67 Linien Durch- 
messer und dem Cylinder von grauem Eisen aus dem Tigelofen. Der Ein- 
flufs der individuellen Beschaffenheit der Eisensorte geht auch daraus hervor, 
dafs der bei dem Schliefsen der Kette durch Polarisiren des Cylinders erfol- 
gende Inductionsschlag sich von dem bei Depolarisation des Cylinders 
erfolgenden Offnungsschlage nicht unterscheidet, wenn der Cylinder von 
gehärtetem Stahl, dafs dieser Unterschied bei weichem Eisen schon 
merklich ist, bei gufseisernen Cvlindern und Drathbündeln aber sehr 
bedeutend wird, wo der Offnungsschlag stärker als der bei dem Schliefsen 
der Kette erfolgende. Dafs dieser Unterschied aber mehr von der Natur 



über Induclion durch elchlromagnetlsirles Elsen. 105 

des Eisens als seiner mechanischen Discontinnität abhängt, folgt daraus, dafs 
er gröfser bei 11 weichen Eisendräthen als bei 15 harten Stahldrä- 
then war, die, einander entgegenwirkend, ibre physiologische Wirkung ge- 
genseitig aufhoben. 

19. Aus allen bisherigen Versuchen geht aufserdem hervor, dafs das 
graue Roheisen sich in seinen inducirenden Wirkungen am meisten an 
Drathbündel anschliefst, da seine physiologische Wirkung verhältnifsmä- 
fsig gröfser ist als nach der am Galvanometer ermittelten Intensität des Stro- 
mes zu erwarten wäre. Nach seinen inducirenden Wirkungen hätte man da- 
her das graue Roheisen als eine Substanz anzusehen, in welcher das mag- 
netisirbare Eisen kein zusammenhängendes Continuum bildet, ein Resultat, 
welches mit den chemischen Untersuchungen des Hrn. Karsten überein- 
stimmt. 

Einflufs der Umkehrung der magnetischen Polarität auf den 
inducirten Strom. 

20. Rei den bisherigen Erscheinungen ist ein wesentlicher Umstand 
noch nicht zur Sprache gekommen, ohne dessen Rerücksichtigung es un- 
möglich sein würde, verschiedene Eisensorten mit einander zu vergleichen, 
ich meine den Einflufs der Umkehrung der magnetischen Polarität 
auf den inducirten Strom. Da nämlich Schmiedeeisen, Stahl, Nickel 
und Gufseisen immer einen geringen oder grofsen Theil des in ihnen mo- 
mentan erregten Magnetismus behalten, so wird bei fortgesetztem Elektro- 
magnetisiren es darauf ankommen, auf welche Weise die bereits magnetische 
Metallstange in der sie magnetisirenden Spirale liegt, ob nämlich so, dafs das 
erneuerte Magnetisiren in dem Sinne des bereits vorhandenen Magnetismus 
erfolgt, oder in entgegengesetztem Sinne. Welchen Einflufs diefs auf 
die Inductionserscheinungen äufsert, wurde dadurch ermittelt, dafs, nachdem 
das Gleichgewicht zweier Cylinder am Galvanometer erhalten worden war, 
dem einen in seiner Spirale eine umgekehrte Lage gegeben wurde, so 
dafs die von neuem geschlossene Kette ihn nun umgekehrt magnetisirte. Die 
dadurch erfolgende Störung des Gleichgewichts ergab stets, dafs durch die 
Umkehrung der inducirte Strom verstärkt wurde. Vorheriges Magneti- 
siren durch Streichen giebt ganz analoge Resultate als Elektromagnetisi- 
ren. Wendet man Hufeisen an, welche mit dem einen ihrer Schenkel in 

Physik-math. Kl. 1841. O 



106 D o v e 

die Spiralen bis zum Indifferenzpunkt eintauchen, so verwandeln sie sich da- 
bei in dreipolige Magnete. Da nun ein elektrischer Strom von hinlänglicher 
Intensität, wenn er in entgegengesetztem Sinne auf eine Eisenstange magne- 
tisirend wirkt, die nachhaltige Polarität des früheren Magnetisirens sogleich 
zu Null reducirt, und nun das ihm zukommende Maximum der Polarisirung 
erzeugt, so läfst sich die angeführte Thatsache auf den Satz zurückführen, 
dafs die stärkste inducirende Wirkung dem Metalle zukommt, in 
welchem die gröfste Veränderung seines magnetischen Verhal- 
tens vorgeht ('). Die Aussagen der Magnetnadel gehen hierbei denen 
des Gefühls parallel, bei den härteren Gufseisensorten ist nämlich die 
Wirkung der Umkehrung so stark, dafs von zwei einander das Gleichgewicht 
haltenden Cylindern man bei Umkehrung des einen eine Erschütterung er- 
hält. Wie nothwendig die Berücksichtigung dieser in der Umkehrung der 
Lage liegenden Verstärkung sei, davon einige Beispiele: 

21. Bei gleichbleibender Erregung ist die inducirende Wirkung des 
weichen Eisens stärker als die des weichen Stahls, diese wieder bedeu- 
tender als die des gehärteten. Stehen diese letztern in ihrer Wirkung 
nicht weit auseinander, so erhält man, wenn in der einen Spirale des Diffe- 
rentialinductors der Cylinder von weichem Stahl, in der andern in umge- 
kehrter Lage der gehärtete liegt, die sonderbare Erscheinung einer bei dem 
Schliefsen der Kette in demselben Sinne als bei dem Offnen derselben 
stattfindenden Ablenkung der Galvanometernadel. Durch die Umkehrung 
der Polarität des gehärteten Stahls bei dem Schliefsen wird nämlich der 
von ihm erregte Strom stärker, als der durch das in gleichem Sinne als vor- 
her stattfindende Magnetisiren des weichen Stahls erregte. Bei dem Off- 
nen der Kette verliert aber der weiche Stahlcylinder mehr von dem er- 
haltenen Magnetismus als der gehärtete, und daher wirkt er nun stärker 
inducirend. Da aber die Richtung des bei dem Öffnen der Kette durch den 
verschwindenden Magnetismus inducirten Stromes entgegengesetzt ist der 
Richtung des Stromes, welcher durch den bei dem Schliefsen der Kette ent- 
stehenden Magnetismus inducirt wird, so geht in beiden Fällen der Strom 
in gleicher Richtung durch die mit einander verbundenen Inductionsspiralen. 



(') Für die Construction magnetoelektrischer Maschinen folgt daraus unmittelbar, dafs in 
dem Alterniren der Ströme ein eigenthiimliches Verstärkungsprincip derselben liegt. 



über Induction durch clektromagnetisirtes Eisen. 107 



5' 



Ganz ähnliche Verhältnisse zeigten sich am Gufseisen, nur mit dem Un- 
terschiede, dafs mitunter ein wiederholtes Offnen und Schliefsen der 
Kette erfordert wird, um diefs Phänomen hervorzubringen, welches bei dem 
gehärteten Stahl schon bei kurzdauerndem einmaligen Schliefsen ein- 
tritt, woraus hervorzugehen scheint, dafs besonders weifses Gufseisen 
stärker einer Umkehrung der Polarität widersteht als Stahl. 

22. Die früher angegebene Reihe würde daher ganz anders ausfallen, 
wenn auf dieses Verstärkungsprincip keine Rücksicht genommen worden 
wäre. Während nämlich bei unveränderter Polarität alle Gufseisensor- 
ten schwächer als Schmiedeeisen wirken, tritt bei der Umkehrung graues 
und weifses Gufseisen aus dem Cupoloofen mit kaltem Wind geblasen, 
darüber, während weifses Eisen, Tigelgufs, ungefähr sich gleich verhält, 
hingegen graues Eisen aus dem Tigelofen und aus dem Cupoloofen mit 
warmen Wind geblasen hinter ihnen zurückbleiben. So tritt weicher und 
harter Stahl bei Umkehrung der Polarität über alle Gufseisensorten, 
wird hingegen die Polarität dieser umgekehrt, so wirken sie stärker als wei- 
cher und harter Stahl. Eben so ist bei Umkehrung der einzelnen Gufs- 
eisensorten, wenn sie unter einander verglichen werden, stets die stärkere 
Wirkung im Sinne des Gufseiseisens, dessen Polarität verändert wurde. 
Ahnliche Verhältnisse zeigen Drathbündel. 

23. Die eben angeführten Versuche scheinen mir zugleich eine Er- 
scheinung zu erklären, welche man mehrfach zu Gunsten der Ansicht aufge- 
stellt hat, dafs eine Verzögerung des Stromes die physiologische Wir- 
kung desselben steigert. Die Erscheinung ist die, dafs der Schlag stärker 
wird, wenn man durch Schleifen des Drathes die Kette entladet, als wenn 
diefs durch senkrechte Trennung geschieht. Ich finde, dafs der Schlag 
der Inductionsspirale stärker wird, wenn das Offnen der Kette schnell dem 
Schliefsen folgt, und erkläre mir die Erscheinung dadurch, dafs der erste 
Strom, welcher durch das Schliefsen erzeugt wird, noch nicht vollkommen 
verschwunden ist, wenn der zweite beginnt, da das Erzeugen und Verschwin- 
den des Magnetismus im Eisen eine Zeit erfordert. Hier findet also der 
zweite Strom einen Leiter vor, der von einem entgegengesetzten Strom durch- 
laufen wird, und wahrscheinlich geschieht diese Veränderung schneller, als 
wenn der Leiter vorher von keinem Strome durchflössen wird, da das Re- 
streben des Leiters, in seinen natürlichen unelektrischen Zustand zurückzu- 

2 



108 D o v e 

kehren, zusammentrifft mit der Wirkung des zweiten entgegengesetzten Stro- 
mes. Schleifen heifst aber nichts anderes als mehrfach schnell wie- 
derholtes Offnen und Schliefsen, wie man deutlich im Dunkeln sieht, 
daher die gesteigerte physiologische Wirkung. 

2. Vergleichung der Wirkung des Stromes Stahl zu magnetisiren 
mit der weiches Eisen zu magnetisiren. 

24. Hundert Fufs mit Seide besponnenen, gut gehrnifsten Drathes 
umgaben in "200 Windungen einen Holzrahmen, in welchem senkrecht auf 
den magnetischen Meridian, dem die Drathwindungen parallel waren, die 
zu magnetisirenden Nadeln (sogenannte Stopfnadeln) gelegt wurden. Die 
freien Enden der kreuzweise verbundenen Inductionsspiralen wurden vermit- 
telst Quecksilbergefäfsen mit den Drathenden des Rahmens verbunden, und 
zwar so, dafs bei dem Schliefsen der galvanischen Kette diese Verbindung 
nicht stattfand, wohl aber bei dem wiederholten Offnen derselben. Das 
Magnetisiren geschah daher stets in derselben Weise, nicht abwechselnd 
in entgegengesetztem Sinne. Der überwiegende Einflufs der Drathbündel 
war so bedeutend, dafs selbst bei 70 eine Linie dicken Dräthen in der einen 
Spirale und dem Cylinder von weichem Eisen in der andern, das Magne- 
tisiren des Stahls im Sinne des von dem Drathbündel erregten Stromes ge- 
schah, obgleich 110 Dräthe seine Wirkung am Galvanometer noch nicht auf- 
hoben. Wurden die Inductionsspiralen in gleichem Sinne verbunden und 
befanden sich Drathbündel in beiden, so gelang es, die Polarität einer gut 
gehärteten Galvanometernadel umzukehren. Überhaupt bemerkt man bei 
den Versuchen mit solchen Strömen, wie bei galvanometrischen Messungen 
der Maschinenelektricität, an einer vorher astatischen Nadel, grofse Verän- 
derungen der Schwingungsdauer. 

25. Es wurde nun ein mit Drath umwickeltes Hufeisen von weichem 
Eisen mit den Inductionsspiralen verbunden. Sowohl der von dem massi- 
ven Cylinder als der von dem Drathbündel erregte Strom magnetisirte 
es in der Weise, dafs darauf gestreute Eisenfeile sich aufrichteten und eine in 
der Nähe gestellte Magnetnadel stark abgelenkt wurde. Bei entgegenwir- 
kenden Strömen, von denen der eine durch den Cylinder von weichem 
Eisen, der andere durch 100 Dräthe hervorgebracht wurde, geschah, wenn 
die Magnetisirungsspirale mit der Stahlnadel und das umwickelte Hufeisen 



über Inducüon durch elektromagnetisirtes Eisen. 



109 



von weichem Eisen sich gleichzeitig in dem geschlossenen Kreise des indu- 
cirten Stromes befanden, das Magnetisiren des weichen Hufeisens im 
Sinne des ersten Stromes, während das Magnetisiren der Stahlnadel in ent- 
gegengesetztem Sinne erfolgte, d. h. durch die Dräthe bestimmt wurde. Da 
nun das Elektromagnetismen des weichen Eisens einen andauernden Strom 
erfordert, das Magnetisiren des Stahls auch bei den plötzlichsten Entla- 
dungen erfolgt, so kann dieser Versuch als ziemlich entscheidend für die aus 
allen übrigen Thatsachen bereits folgende Annahme angesehen werden, dafs 
in einem durch ein Drathbündel inducirten Strome eine be- 
stimmte Electricitätsmenge in kürzerer Zeit sich bewegt, als 
wenn dieselbe durch einen massiven Cylinder in Bewegung ver- 
setzt wird. 



3. Funken, Erwärmung und chemische Zersetzung. 
26. Wird ein und derselbe Drath von zwei entgegengesetzt fliefsenden 
Strömen durchflössen, so wird, wenn beide einander vollkommen das Gleich- 
gewicht halten, bei der Unterbrechung des Drathes kein Funken entstehen. 
Erscheint also, wenn ein massiver Cylinder einem Drathbündel ent- 
gegenwirkt, am Differentialinduktor ein Funken, so wird man durch Hinzu- 
fügen oder Herausnehmen von Dräthen diesen zum Verschwinden bringen 
können. Auf diesem Wege würde man aber geringe Differenzen schwer- 
lich zu beobachten im Stande sein, da der Strom überhaupt schon eine be- 
stimmte Intensität haben mufs um bei seiner Unterbrechung zu einem Fun- 
ken Veranlassung zu geben. Ich habe daher mich eines andern Verfahrens 
bedient. Auf einer gemeinsamen Rotationsachse wurden drei Zackenräder 
angebracht, von denen in der folgenden Figur zwei abgebildet sind. 




Neben jedem Zackenrade und zwar durch eine kupferne Hülse mit ihm ver- 
bunden befindet sich eine Scheibe, welche ununterbrochen in ein Quecksil- 



HO D o v e 

bergefäfs eintaucht, während das Zackenrad sich aus seinem Quecksilberge- 
fäfs abwechselnd heraushebt. Dadurch wird eine vorher bestandene metal- 
lische Schliefsung unterbrochen. Bekanntlich ist diese als Blitzrad oder 
Mutator jetzt häufig angewendete Vorrichtung schnell aufeinanderfolgen- 
der Unterbrechungen in Deutschland schon vor 1804 erfunden worden und 
in Aldini's Traue du Galvanisme beschrieben I. p.202 Taf.VI. fig.2 u. 5. Da 
zwei solche alternirend mit einander verbundene Unterbrecher, dazu bestimmt, 
einen alternirenden Strom in einen gleichgerichteten zu verwandeln, Com- 
mutator genannt worden sind, so werde ich drei gleichgestellte Zackenräder, 
dazu bestimmt, zwei gleiche inducirte Ströme in vollkommen von einander ge- 
trennten Dräthen gleichzeitig zu unterbrechen, Disjunctor nennen. Sind 
alle drei durch Klemmschrauben um ihre gemeinsame Achse drehbare Zacken- 
räder gleich gestellt, so wird das erste 7** vermittelst des quer cvlindrisch 
durchbohrten Quecksilbergefäfses i mit der galvanischen Kette verbunden, 
das zweite gr mit der Inductionsspirale aß, das dritte fip, mit der Inductionsspi- 
rale y^( { ). Man erhält also, wenn die Spiralen leer sind, zwei genau gleiche 
Ströme in vollkommen getrennten Dräthen, da ihre Compensation bei ge- 
genseitiger Verbindung vorher ermittelt wurde. Auch werden sie gleichzeitig 
unterbrochen, da die Zacken sich gleichzeitig aus dem Quecksilber heraus- 
heben. Legt man nun verschiedene Eisenstangen oder Drathbündel in die 
getrennten Spiralen, so werden die vorher gleichen Unterbrechungsfunken 
verschieden. Dabei sieht man sehr deutlich, dafs ein am Galvanometer eine 
weiche Eisenstange vorher compensirendes Drathbündel nach der 
Trennung einen viel lebhafteren Funken erzeugt als die Eisenstange. 

27. Auf ganz ähnliche Weise kann man die Erwärmung an zwei elek- 
trischen Thermometern messen, durch welche man jede der getrennten 



(') Des oben angegebenen aus 3 Zackenrädern bestellenden Disjunctors kann man sich 
auch bedienen um zu ermitteln, welchen Einflufs es auf einen induclrten Strom hat, wenn 
er nach seiner Erzeugung noch einige Zeit in einem geschlossenen Drathe circulirt. Stellt 
man nämlich das zweite und dritte Rad etwas verschieden, so geschieht die Öffnung nicht 
gleichzeitig, und man kann an den getrennten Dräthen nun prüfen, von welchem man die 
physiologische oder eine andere Wirkung am stärksten erhält. Zur Prüfung der Intensität 
der Funken ist Quecksilber am besten, für andre Wirkungen aber Unterbrechung durch ein- 
gesetzte Glasstücken vorzuziehen. Dieser Apparat war von Hrn. Wagner sehr sorgfältig 
construirt worden. 



über Induction durch eleldromagnetisirtes Eisen. 111 



5' 



Inckictionsspiralen schliefst, eben so die chemische Zersetzung, wenn 
der Schlufs durch zwei Voltameter erfolgt. Es sind aber in dieser Bezie- 
hung keine Messungen angestellt worden, sondern nur ermittelt, dafs sowohl 
die Erwärmung als auch die chemische Zersetzung der leeren Spiralen 
vergröfsert wird durch Hineinlegen von eisernen Stangen und Drath- 
bündeln. 

4. Versuche mit eisernen Röhren. 
28. Aus früher von mir angestellten Versuchen [Bullet, de VAcad. de 
St. Petersb. 8, II.p.20 und Rcpert. I. p.276) hatte sich ergeben, dafs eine elek- 
tromagnetische Spirale, welche eine eiserne Röhre von den Dimensio- 
nen eines Flintenlaufes umgiebt, einen in derselben befindlichen Eisency- 
linder nicht zu magnetisiren vermag, und umgekehrt, dafs ein in dieser 
Röhre befindlicher beweglicher Magnet oder unbewegter Elektromagnet 
keine Inductionserscheinungen in einer sie umgebenden Spirale entwickelt ('). 
Es folgt daraus von selbst, dafs in dem Gebiete der hier beobachteten Er- 
scheinungen Drathbündel, in einen Flintenlauf eingeschlossen, die Wirkung 
desselben nicht steigern können ; denn durch ihre eiserne Umhüllung sind sie 
eben so geschützt gegen die magnetisirende W irkung der die Kette schlie- 
fsenden Spirale, als ihre inducirende Wirkung selbst auf die Spirale von 
dünnem Drath gehemmt wird. Auch bemerkt schon Sturgeon, dafs Drä- 
the in einer Rolle von Eisenblech dessen Wirkung nicht verstärken. Hat 
hingegen die den Elektromagneten von der Inductionsspirale trennende ei- 
serne Pvuhre dünne YS ände bei bedeutendem Durchmesser, so sind die Er- 
schütterungen, sowohl wenn derselbe geschlossen als der Länge nach aufge- 



(') Analoge Erscheinungen bieten hohle eiserne Röhren dar, welche einen geradlinigen 
Stahlmagneten umhüllen, und als Anker angesehen werden können, welche auf der ganzen 
Peripherie des Magneten die entgegengesetzten Pole desselben verbinden. Ein in einen 
hohlen Eisencylinder enganschliefsend hineingeschobener Stahlmagnet zeigt nämlich, wenn 
der Cylinder die Dimensionen eines Flintenlaufes oder noch dickere Wände hat, nach Au- 
fsen fast gar keine "Wirkung. In eine Spirale getaucht, inducirt er so gut wie keinen Strom, 
an Seide aufgehängt, wird jedes Ende desselben von beiden Polen eines zur Seite gehalte- 
nen Magneten angezogen, er rotirt nicht unter dem Einflufs einer rotirenden Kupferscheibe, 
ist also viel mehr neutralisirt als ein Hufeisen durch einen geradlinigen Anker, welches un- 
ter diesen Bedingungen wenn auch schwach rotirt. 



112 D o v e 

schnitten ist, sehr merklich ( 1 ). Auch läfst ein massiver Elektromagnet, 
dessen eine Hälfte von einem geschlossenen Flintenlauf, die andere 
von einem der Länge nach aufgeschnittenen umgehen ist, zwei einander 
vorher am Galvanometer neutralisirende Spiralen nahe im Gleichgewicht, 
wenn die eine den geschlossenen, die andere den aufgeschnittenen Flinten- 
lauf umgiebt, woraus folgt, dafs die Ungetrenntheit der Röhren hierbei keine 
wesentliche Bedingung ist. Für Drathbündel aber ergeben sich folgende 
Erscheinungen : 

29. Hält eine geschlossene eiserne Röhre in ihrer inducirenden 
Wirkung am Galvanometer einer der Länge nach aufgeschnittenen das 
Gleichgewicht, so bleibt dieses Gleichgewicht nahe bestehen, wenn man in 
die eine oder die andere eine beliebige Anzahl Dräthe legt, d.h. beiDrath- 
bündeln, welche in geschlossenen oder der Länge nach aufgeschnit- 
tenen eisernen Röhren enthalten sind, geht die am Galvanometer ge- 
messene inducirende Wirkung fast nur von der eisernen Hülle aus. Ganz 
anders verhält es sich in Beziehung auf die physiologische Wirkung. 
Hier wird die Wirkung der in der Pvöhre enthaltenen Dräthe fast vernichtet, 
wenn die umschliefsende Röhre geschlossen, nicht aber wenn sie aufge- 
schnitten ist. 

30. Diese für hohle Cylinder von der Stärke eines Flintenlaufes 
gefundenen Piesultate modificiren sich bei den aus Eisenblech verfertigten 
Röhren. In Beziehung auf das Galvanometer wirken die Dräthe durch 
sie stärker hindurch, so dafs also ein Hineinlegen von Dräthen in die eine 
Röhre den galvanometrischen Effect derselben steigert. Wurden die beiden 
vernieteten Röhren in einander geschoben und eben so die aufgeschnit- 
tenen und zwar die letzteren in der Weise, dafs die Schnitte auf einander 
fielen, so zeigte sich die Wirkung der hineingelegten Dräthe geringer als in 
einer geschlossenen oder aufgeschnittenen Röhre von einfachem Eisenblech. 



(') Auf Jen einen Schenkel eines Elektromagneten von 28 Zoll Länge umwickelt mit 
65 Windungen eines 1\ 2 Linie dicken Kupferdrathes wurde eine 4 Zoll 2 Linien weite Rolle 
eines 500' langen und \, Linie dicken Drathes geschoben und die Erschütterungen des indu- 
cirten Stromes dieser Rolle geprüft, wenn die Verbindung des Elektromagneten mit der 
galvanischen Kette unterbrochen wurde. Sie blieb fast eben so kräftig, wenn ein 35 Linien 
weiter Eisencylinder von dünnem Eisenblech zuerst vernietet, dann der Länge nach aufge- 
schnitten zwischen dem Elektromagneten und der Inductionsspirale eingeschaltet wurde. 



über Induction durch delttromagnctisirtcs Eisen. 113 



ö' 



Je stärker daher die eiserne Hülle ist, desto mehr beschränkt sich die am 
Galvanometer gemessene Wirkung auf dieselbe, und eine mechanische Tren- 
nung durch Aufschneiden der Röhre hat einen unbedeutenden Einflufs. Für 
die physiologische \^ irkung bewirkt aber das Aufschneiden der Röh- 
ren auch bei dünnen Wänden eine, wenn auch schwache, Steigerung. 
Die physiologische Wirkung der Dräthe endlich ist in einer Röhre 
von Eisenblech verhältnifsmäfsig gering, aber bedeutender, wenn sie auf- 
geschnitten wird, als wenn sie geschlossen ist. Hat man nämlich zwi- 
schen einer aufgeschnittenen und einer unaufgeschnittenen auf ir- 
gend eine Weise physiologisches Gleichgewicht hervorgebracht, so bleibt 
diefs nicht bestehen, wenn in beide Röhren gleich wirkende Drathbündel 
eingeschoben werden, und zwar geht der Schlag von der aufgeschnitte- 
nen Röhre aus. 

5. Versuch mit geschlossenen und ungeschlossenen die Drathbündel 
umgebenden leitenden Hüllen. 

31. Von zwei einander das Gleichgewicht haltenden Drathbündeln 
wurde das eine ohne Hülle in die Holzröhre der magnetisirenden Spirale 
gelegt, das andere eingeschlossen in eine Pappröhre, welche mit einer 
Spirale von mehr als ^OO Windungen eines mit Seide besponnenen Kupfer- 
drathes umwickelt war, so dafs die Windungen die ganze Länge des Drath- 
bündels einschlössen. Die aus der Holzröhre ragenden Enden dieser Spi- 
ralen, welche, zum Unterschiede der mit der galvanischen Kette verbunde- 
nen magnetisirenden und der diesen aufgeschobenen, durch das Galvano- 
meter oder den menschlichen Körper geschlossenen Inductionsspiralen, 
die einhüllenden heifsen mögen, konnten äufserlich durch eine Drath- 
klemme verbunden werden, oder zur Nachweisung des in ihnen erregten se- 
eundären Stromes mit einem Galvanometer. Solcher Pappröhren waren 
vier, die Spirale der einen rechts, die der andern links, die der dritten 
halb rechts, halb links, die der vierten aus zusammengelegtem 
Drath gewickelt, welche daher aus zwei gleich gewundenen Spiralen be- 
stehend angesehen werden kann, welche unsymmetrisch verbunden sind. 
Die beiden letzten Spiralen zeigten sich sowohl mit verbundenen als mit 
unverbundenen Enden unwirksam, nicht aber die beiden ersten, wor- 
aus unmittelbar folgt, dafs die von denselben geäufserte Wirkung einem elek- 
Physik. - math. El 1841 . P 



114 D o v e 

trischen Strome zugeschrieben werden mufs, der in den beiden letzten 
in zwei sich einander aufhebende Hälften zerfiel. Denkt man sich die Wir- 
kung des eisernen Drathbündels durch die eines elektrodynamischen Sole- 
noids ersetzt, so sieht man leicht, dafs die Windungen desselben den engen 
Windungen der einhüllenden Spirale nahe parallel bleiben, ob diese in 
gleichem oder entgegengesetztem Sinne gewickelt ist. Es mufs demnach für 
eine gegebene Polarität des Drathbündels der Sinn der Windungen der 
einhüllenden Spirale, wenn sie nur dieselben in der ganzen Länge der Spi- 
rale bleiben, gleichgültig sein, wie auch die Versuche zeigten. Die Ergeb- 
nisse derselben waren folgende : 

32. Liegt von zwei einander, wenn sie beide frei liegen, das Gleich- 
gewicht haltenden Drathbündeln das eine in einer einfach gewickelten 
einhüllenden Spirale mit verbundenen Enden, so unterscheidet sich die 
galvanometrische Wirkung desselben von der des freiliegenden ganz auf 
dieselbe Weise, als die eines massiven Cylinders von der eines Drath- 
bündels. Während nämlich das galvanometrische Gleichgewicht nahe 
fortbesteht, treten jene charakteristischen Zuckungen der Nadel ein, wel- 
che früher bereits erwähnt worden und zwar geschieht dieser anfängliche 
Stofs im Sinne des freiliegenden Drathbündels. Die einhüllende Spi- 
rale schwächt hingegen den physiologischen Effect aufserordentlich, so 
dafs man eine von dem freiliegenden Bündel ausgehende starke Erschütte- 
rung erhält. Eine das Drathbündel umgebende geschlossene Messing- 
röhre verhält sich analog einer Drathspirale mit verbundenen Enden, 
eine der Länge nach aufgeschnittene ist hingegen nur etwas wirksamer als 
eine Spirale mit unverbundenen Enden. Auch bei solchen Röhren kann 
der elektrische Strom, welcher sich bilden will, durch ein Galvanometer 
nachgewiesen werden, wenn man die aufgeschnittenen Ränder durch das- 
selbe schliefst. 

33. Den physiologischen Wirkungen parallel geht die Eigenschaft 
des Stromes den harten Stahl zu magnetisiren. Während nämlich 70 
offen liegende Dräthe, dem massiven Eisencylinder entgegenwir- 
kend, die Stahlnadel im Sinne des durch sie erzeugten Stromes magnetisir- 
ten, geschah die magnetische Erregung im Sinne des von dem massiven Cy- 
linder bedingten Stromes, wenn diese Dräthe in dem geschlossenen Mes- 
singrohre sich befanden. Auch die aufgeschlitzte Röhre gab eine 



über Induction durch clektromagnetisii'tes Eisen. 115 

Schwächung der den Stahl magnetisirenden Wirkung des Stromes, wahr- 
scheinlich weil, wenn sie mit Dräthen gefüllt ist, die die Spalte wenigstens 
theil weise schliefsen, sich peripherische Ströme, wenn auch unvollkommner 
entwickeln. Vertauscht man nämlich die Kupferspiralen mit Spiralen von 
dünnem Neusilberdrath und die Messingröhre mit einer von Neu- 
silber, so nimmt die verzögernde Wirkung der Hülle ebenfalls ab. Wir- 
ken jene Drathbündel einander entgegen, eins in einer geschlossenen, 
das andre in einer offenen Rühre, so überwiegt auch bei dem Magnetisiren 
des Stahls die offene Röhre über die geschlossene. 

6. Versuche mit eisernen Scheibensäulen und mit Cylindern von 

Eisenfeilspänen. 

34. So wie die Trennung eines Eisencylinders durch Längenschnitte 
parallel der Achse die Bildung peripherischer elektrischer Ströme 
verhindert, ohne dem Hervortreten magnetischer Polarität Eintrag zu 
thun, so wird umgekehrt durch Querschnitte senkrecht auf die Achse die mag- 
netische Polarität kräftig sich zu entwickeln verhindert, der Bildung periphe- 
rischer elektrischer Ströme hingegen kein Eintrag gethan. Eine aus eiser- 
nen, durch zwischen gelegte Papierscheiben getrennten Scheiben, aufge- 
schichtete Säule, kann also wegen ihrer geringen magnetischen Polarität nur 
eine geringe Wirkung auf das Galvanometer äufsern, wegen der Leichtigkeit, 
mit welcher sich in ihr elektrische Ströme entwickeln, nur eine geringe phy- 
siologische, wie es auch die Versuche zeigten. Bei einer Säule aus Eisen- 
feilspähnen wird zugleich wegen der Längentrennung die Bildung der elek- 
trischen Ströme verhindert, sie wird also, obgleich schwach, doch verhältnifs- 
mäfsig stärker physiologisch wirken als eine Scheibensäule. Diefs bestätigten 
die in der früheren Reihe (13) angeführten Versuche. 

35. Aus der Gesamtheit aller bisher erwähnten Versuche geht hervor, 
dafs die ein Drathbündel umgebende metallische Hülle (oder wie es bei 
einem massiven eisernen Cylinder der Fall ist, die die einzelnen Dräthe zu 
einem metallischen Ganzen verbindende leitende metallische Oberfläche) 
nicht den von ihm inducirten Strom schwächt, sondern denselben verzö- 
gert, d.h. die Abgleichung der durch das Verschwinden des Magnetismus in 
dem umhüllenden Drath in Bewegung gesetzten Elektricitätsmenge auf einen 
gröfseren Zeitraum vertheilt, ohne diese Menge selbst zu vermindern. Diese 

P2 



116 D o v e 

Verzögerung ist daher ohne Einflufs auf die Magnetnadel, welche die Effecte 
des Stromes addirt, wobei es gleichgültig ist, wie lange dieses Suramiren 
dauert. Das Entfernen der metallischen Hülle oder die Vervielfältigung der 
Unterbrechung des metallischen Zusammenhanges ist der Beschleunigung der 
Bewegung eines auf einen Magnet aufgeschobenen Inductors zu vergleichen, 
welche seine physiologische Wirkung steigert, ohne seinen galvanome- 
trischen Effect zu vermehren. 

7. Schlag und Funken bei dem Öffnen der Kette durch Spiralen 

und Elektromagneten. 

Wenn die aus der gleichzeitigen Berücksichtigung des galvanometri- 
schen und physiologischen Effectes gefolgerte Ansicht, dafs die Steigerung 
des letztern bei Auflösen einer massiven Eisenstange in ein Drathbün- 
del nur einer Beschleunigung des Stromes zuzuschreiben sei, nicht einer 
Verstärkung der überhaupt in Bewegung gesetzten Elektricitätsmenge, auf 
Erscheinungen eines Gebietes übertragen werden soll, innerhalb dessen 
nur die physiologischen Wirkungen, nicht aber die galvanometfischen Wir- 
kungen einer genauen Prüfung unterworfen werden können, so mufs, wenn 
dieses gerechtfertigt werden soll, ein vollständiger Parallelismus der physio- 
logischen Erscheinungen in beiden Gebieten vorhanden sein. Nun sind 
aber die physiologischen Wirkungen des Gegenstromes (Extracurrent) be- 
reits aus den Versuchen von Sturgeon (*) und Magnus ( 2 ) bekannt, und 
analog den bisher erörterten des Nebenstromes, denn ersterer hat gezeigt, dafs 
der Offnungsschlag einer galvanischen Kette stärker ist, wenn in dem spi- 
ralförmigen Schliefsungsdrath statt einer massiven Eisenstange ein ei- 
sernes Drathbündel eingeschlossen ist, letzterer hingegen, dafs die Inten- 
sität dieses Schlages wiederum vermindert wird, wenn das Bündel in einer 
geschlossenen leitenden Hülle eingeschlossen wird. Ich füge daher 
nur hier einige Versuche hinzu, welche zeigen, dafs die metallische Hülle 
nicht das Bündel von dem Schliefsungsdrath zu trennen braucht, sondern 
dafs dieselben Erscheinungen sich zeigen, wenn diese Hülle den Drathelek- 
tromagneten äufserlich umschliefst, und dafs Spiralen eben so wirken als 

(') Annais of Electricity I. p. 481. 

( 2 ) Pogg. Ann. 48. p. 95. 



über Induction durch clelitromagnetisirtes Eisen. 117 



o 



Hüllen, wodurch die Zurückführung der hemmenden Ursache auf einen in- 
ducirten elektrischen Strom näher nachgewiesen wird. 

36. Um Bündel von 25 bis 50 Eisendräthen wurden Spiralen 
umsponnenen Kupferdrathes gewickelt und durch den so gebildeten Elek- 
tromagneten und andre aus massivem Eisen gebildete eine galvanische 
Kette vermittelst Handhaben geschlossen. Bei dem Offnen erfolgte ein glän- 
zender sprühender Funke und eine lebhafte Erschütterung. Die aus dem 
Drathbündel gebildeten Elektromagnete wurden nun in eine unaufge- 
schnittene Messingröhre hineingeschoben. Die Erschütterungen 
waren nun fast vollkommen verschwunden, der Funke sehr schwach. Die 
der Länge nach aufgeschnittene Messingröhre liefs hingegen die Wir- 
kung der Elektromagnete unverändert, der Funke behielt seinen starken 
Glanz, die Erschütterungen ihre vorige Stärke. 

Dieselben Besultate wurden mit dem geschlossenen und unauf- 
geschnittenen Flintenlauf erhallen, wenn diese das elektromagnetisirte 
Drathbündel umgaben nur mit dem Unterschiede, dafs in dem geschlos- 
senen Flintenlaufe eine sehr schwache Erschütterung bemerkt wurde. Das- 
selbe gilt von Eisenblechröhren. Auch in allen diesen Versuchen ver- 
halten sich einhüllende Spiralen von Kupferdrath, welche die Spiralen 
umgeben, wie aufgeschnittene Messingröhren, wenn die Enden der 
Spirale frei sind, hingegen wie geschlossene, wenn ihre Enden unver- 
bunden sind. 

Obgleich nun der Parallelismus des Nebenstroms und Gegen- 
stroms sich nicht weiter verfolgen läfst, so wird es doch erlaubt sein, ihn 
auch für die galvanometrische Prüfung anzunehmen, da, wie später (§55.) ge- 
zeigt werden wird, auch für den inducirten Strom der Kleistischen Flasche 
zwischen beiden Strömen Yollkommne Übereinstimmung sich nachweisen läfst. 

II. Ströme inducirt durch den verschwindenden Magnetismus 
elektromagnetisirter Eisenstangen und Drathbündel, wenn der die- 
selben magnetisirende Strom der einer Thermokette oder 

Thermosäule. 

37. Verbindet man die Pole der oben (6) beschriebenen Thermo- 
säule durch einen kräftigen Elektromagnet von 2<, Linie dickem Drath, so 



118 D o v e 

sieht man Öffnungsfunken wie bei der Verbindung vermittelst einer flachen 
Spirale von Kupferblech. Zugleich zeigt das Hufeisen sehr deutliche Anzie- 
hung des Ankers. Schliefst man mit feuchten Händen die in Handhaben aus- 
gehenden Enden der dem Elektromagnet aufgeschobenen Inductionsspiralen, 
so erhält man bei dem Offnen der Kette oder Säule einen Schlag. Der Schlag 
eines Drathbündels verschwindet, wenn es in einer geschlossenen Mes- 
singröhre liegt. Hingegen ist die galvanometrische Wirkung in beiden 
Fällen dieselbe. Die Erschütterung scheint auch hier intensiver, wenn das 
Öffnen der Säule schnell dem Schliefsen folgt. 

38. Der Öffnungsschlag der Säule, mittelbar durch den aus einer 
flachen Spirale von Kupferblech bestehenden Schliefsungsdrath derselben 
ist deutlich, wenn die Entladung vermittelst Platinspatel durch die Zunge er- 
folgt, und wird durch Einführung von Drathbündeln sehr verstärkt. 
Diese letztere Verstärkung konnte nicht an den Erschütterungen einer Säule 
von kleinern Elementen von den Dimensionen einer Nobilischen Säule für 
Leitungswärme bemerkt werden. 

Der durch den Schliefsungsdrath einer Thermosäule inducirte 
Strom verhält sich also genau so, als der durch den Schliefsungsdrath einer 
galvanischen Kette hervorgebrachte. 

III. Ströme inducirt durch den verschwindenden Magnetismus 
electromagnetisirter Eisenstangen und Drathbündel, wenn der die- 
selben magnetisirende Strom entsteht 

1. dureh Annähern eines geschlossenen Kupferdrathes an einen Stahl- 
magneten. 

2. durch Annähern von weichem Eisen an einen Stahlmagneten. 

3. durch die Combination beider Erregungsarten bei der Saxtonschen 
Maschine. 

39. Während ein ruhender Magnet nur auf die sogenannten mag- 
netischen Metalle wirkt, indem er in ihnen magnetische Polarität durch 
Vertheilung erregt, erstreckt sich die Wirkung eines bewegten Magneten 
bekanntlich auf alle Metalle, er erzeugt darin elektrische Ströme. Statt 
einen Magnet mechanisch zu bewegen, kann aber auch in einer ruhenden 
Eisenstange durch Annähern und Entfernen eines Stahlmagneten Magnetis- 



über Induction durch clcktromagnetisirtes Eisen. 



119 



raus erzeugt und vernichtet werden. Soll die Wirkung kräftig sein, so mufs 
der Drath, in welchem der elektrische Strom erzeugt werden soll, in vielfa- 
chen Windungen die Eisenstange, welche magnetisirt wird, umgeben. Ge- 
schieht dieses Magnetisiren durch Annähern eines Magneten an die Eisen- 
stange, so erhält man eine aus zwei Erregungen gemischte Wirkung, denn 
indem der Magnet sich dem Eisen nähert, nähert sich derselbe zugleich den 
dasselbe umgebenden Drathwindungen. Die Wirkung dieser Annäherung 
ist keinesweges eine zu vernachlässigende Gröfse, denn ich habe mit einer 
nach dem Principe der Saxtonschen Maschine construirten Maschine, deren 
Drath rollen aber kein Eisen enthielten, mit nassen Händen bei schnel- 
ler Rotation des Ankers so starke Erschütterungen erhalten, dafs es schwer 
war wegen des entstehenden Krampfes die Hand zu öffnen. Aber es giebt 
ein Mittel die Wirkung der Annäherung des Drathes an den Magnet zu neu- 
tralisiren. Da nämlich eine Spirale dem Südpole eines Magneten genähert 
den entgegengesetzten Strom von dem erzeugt, welcher in einer gleichen 
Spirale inducirt wird, die sich einem Nordpole nähert, so braucht man nur 
den die Eisenstange umhüllenden Drath noch einmal zu einer ganz gleichen 
Spirale zu wickeln, und diese leere Spirale in gleicher Weise dem Südpole 
zu nähern, in welcher die den Eisenkern enthaltende sich dem Nordpole nä- 
hert. Die durch Annähern des Drathes an den Magnet erzeugten Ströme 
heben sich dann vollkommen auf und es bleibt nur auf den Drath die Wir- 
kung des im Eisenkern erzeugten Magnetismus. Statt zwei gleich gewundene 
Spiralen den beiden Polen eines Magneten zu nähern, kann man auch eine 
links und eine rechts gewundene Spirale kreuzweise verbinden. Nach die- 
sem Principe liefs ich folgenden Apparat construiren : 

40. Die folgende Abbildung bezeichnet den rotirenden Anker einer im 




Übrigen nach dem Princip der Saxtonschen von Hrn. Oertling construirten 
Maschine, der aus einer auf die Rotationsachse aufgesetzten Holzplatte besteht, 



120 D o v e 

auf welcher zwei hohle Drathrollen fest aufgesetzt sind, jede von 400 Fufs 
Drathlänge bei \ Linie Drathdicke. In diese leeren Drathrollen ^ und rr 
können massive Eisencylinder d oder Drathbündel d von 13 "6 Durchmesser 
bei 22"'5 Höhe gesteckt, und durch eine Schraube * in die Querholzplatte 
des Ankers festgeschraubt werden. Um die beiden Drathrollen gleichartig 
und alternirend zu verbinden, müssen die Enden der beiden Rollen nicht 
unmittelbar mit der unterbrechenden Vorrichtung des Ankers verbunden 
werden sondern frei bleiben. Eine Verbindung dieser freien Enden durch 
Drathklemmeu ist aber mifslich, da bei nicht ganz festem Anklemmen und 
schnell rotirendem Anker diese Klemmen leicht abgeschleudert werden kön- 
nen. Ich habe daher am Anker eine Vorrichtung angebracht, die, da sie 
zum compensiren bestimmt ist, Compensator heifsen mag, und welche 
durch zwei bewegliche Zeiger x, x, erlaubt, beide Rollen gleichartig, beide 
alternirend zu verbinden und auch nur eine Rolle wirken zu lassen. Im er- 
sten Falle stehen in der Zeichnung die Zeiger auf + +, im zweiten auf , 

und im dritten auf H . Rei der Stellung der Zeiger H — h ist nämlich die Ver- 
bindung pßaban, bei der Stellung hingegen paßban, bei der Stellung 

H endlich pban, wobei es gleichgültig ist, ob die Verbindung an dem 

oberen oder unteren Plättchen geschieht. H und h sind nämlich zwei 

unter einander befindliche Kupferplätteben, unter dem oberen ist ß, unter 
dem unteren a eingeklemmt. Der Drehpunkt des Zeigers x, führt vermit- 
telst p zu der einen Eisenwalze, auf welcher die unterbrechenden Federn 
schleifen ('), der Drehpunkt des Zeigers x vermittelst der ganzen Drathrolle 
ba durch n zu der andern. 

Rei der Stellung des Compensators ++ und leeren Spiralen erhält 
man einen Strom, inducirt durch die Annäherung eines geschlossenen Lei- 
ters an einen Stahlmagneten. Rei der Stellung des Compensators und 

leeren Spiralen findet für physische, chemische und physiologische Prüfun- 
gen Stromgleichgewicht statt. Refindet sich hingegen in einer der Rollen 
dann ein massiver Eisencylinder, so erhält man einen Strom, inducirt durch 
die alleinige Wirkung der in dem Eisencylinder entstehenden magnetischen 
Polarität. Die Achse des Ankers mufs natürlich mit konischen Zapfen ohne 



(') Die nähere Beschreibung dieser in Figur 7 abgebildeten Walzen *>, w 2 erfolgt un- 
ter §. 70. 



über Induction durch eleldromagnetisirf.es Eisen. 121 

Schlottern in konisch versenkten Löchern sich drehen, weil nun bei der Ro- 
tation die bewegten Massen nicht mehr symmetrisch in Beziehung auf die 
Rotationsachse vertheilt sind. Befindet sich hingegen bei der Stellung H — \- 
des Compensators in jeder der beiden Rollen ein Eisencylinder, so erhält 
man einen Strom inducirt durch das Hervortreten magnetischer Polarität in 
diesen Eisencylindern und durch Annähern eines geschlossenen Kupferdra- 
thes an einen Stahlmagneten, also die stärkste Wirkung. Da dieses Arran- 
gement auf das einer Saxtonschen Maschine gewöhnlicher Construction hinaus- 
kommt, so habe ich mich bei diesen Versuchen der später §. 70 zu beschrei- 
benden und (in Fig. 7) abgebildeten Maschine bedient, bei welcher die Quer- 
platte ebenfalls von Eisen ist und bei welcher der Drath so verbunden wer- 
den kann, dafs beide Rollen nach Art einer Parallelschliefsung mit Anfang 
und Ende zusammenhängen. 

Der auf diese dreifache Weise in den Drathrollen des Ankers er- 
regte Strom durchlief nun die inneren Spiralen des dritten Differentialinduc- 
tors, bei welchem die inneren und äufseren Spiralen jede eine Drathlänge von 
400' haben. Dieser Apparat war, wenn beide Inductionen combinirt sind, 
so empfindlich, dafs eine Röhre von dünnem Nickelblech noch eine 
deutliche positive Wirkung gab, auch konnte das negativ gestörte Gleichge- 
wicht des Differentialinductors durch eine in eine der Spiralen gelegte Mes- 
sin gstange noch gespürt werden, wenn der Schlufs im Munde geschah. 
Die Versuche ergaben folgendes: 

41. Ein offnes Drathbündel und eins in einer aufgeschnitte- 
nen Röhre halten einander physiologisch nahe das Gleichgewicht, wirkt 
hingegen das offene einem geschlossenen entgegen, so erhält man starke 
Schläge. Am Galvanometer hat ein massiver Eisencylinder noch 
über 140 dünne Eisendräthe das Übergewicht, während 36 ihm bereits 
physiologisch das Gleichgewicht hielten. Es wurde nun durch Heraus- 
ziehen der einander entgegenwirkenden Stangen die physiologische Rei- 
henfolge der nachfolgenden Substanzen ermittelt. Sie war mit der am 
stärksten wirkenden Substanz beginnend folgende : 

offnes eisernes Drathbündel 

dasselbe Bündel in aufgeschlitzter Röhre 

offne Eisenblechröhre 

geschlossene Eisenblechröhre 
Physik-math. Kl 1841. Q 



122 D o v e 

offner Flintenlauf 

geschlossener Flintenlauf 

weicher Eisencylinder 

Cylinder von weifsem und grauem Roheisen 

weicher Stahl 

harter Stahl 

Nickelröhre und quadratische Nickelstange 

eisernes Drathhündel in geschlossener Messingröhre. 
Diese Reihenfolge sowohl als die Gesaramtheit der beobachteten Er- 
scheinungen ist denen analog, welche erhalten wurden, wenn das Eisen ver- 
mittelst einer galvanischen Kette magnetisirt wurde. 

42. Die beiden andern Erregungsarten des Stromes vermittelst eines 
leeren Drathankers und gleichartig verbundenen Drathrollen einerseits 
und mit compensirten Rollen, in deren einer sich eine Eisenstange befand, 
andrerseits, gaben analoge Resultate, nämlich eine Erschütterung, wenn 
ein offenes Drathbündel einem geschlossenen entgegenwirkt, welches es 
galvanometrisch compensirte. 

Man erhält also übereinstimmende Resultate, wenn der primäre 
Strom : 

1. der einer galvanischen Kette 

2. der einer Thermosäule 

3. der einer Saxtonschen Maschine 

4. erregt durch Annähern eines geschlossenen Leiters an einen Magneten 

5. erregt durch Magnetisiren des Eisens in einem umhüllenden Drathe 
vermittelst eines Stahlmagneten. 

Wesentlich davon verschieden sind die Erscheinungen, wenn der 
primäre Strom der einer sich entladenden Kleistischen Flasche. 

IV. Ströme inducirt durch Eisen, welches durch die Entladung 
einer elektrischen Batterie elektromagnetisirt wurde. 

43. Entladet man die vermittelst einer selbstentladenden Flasche auf 
eine constante Ladung gebrachte Batterie ( 4 ) durch die innern Spiralen des 

(') Bei den Versuchen wurden verschiedene Batterien angewendet, theils von kleineren, 
theils von gröfseren Flaschen, auch wurde die Anzahl der Flaschen verändert, aber nicht 



über Induction durch elektromagnetisirtes Eisen. 123 



o' 



oben (§.8 Fig. 3) beschriebenen Differentialinductors für Reibungselektrici- 
tät, so erhält man von den gleichartig verbundenen Nebenspiralen den Schlag 
des mit dem primären Strom gleichgerichteten inducirten Stromes; welchen 
Henry (') und Riess ( 2 ) unabhängig von einander nachgewiesen haben. 
Diese Erschütterung wird verändert, wenn in die vorher leeren Röhren me- 
tallische Substanzen gelegt werden. Ob eine solche Veränderung eine Ver- 
stärkung oder Schwächung sei, läfst sich bei geringen Unterschieden oft 
schwer beurtheilen, und es bedarf daher andrer Prüfungsmittel, um darüber 
sicher zu entscheiden. Bei kreuzweiser Verbindung der Nebenspiralen fin- 
det für alle hier anwendbaren Prüfungsmittel Stromgleichgewicht statt, wel- 
ches durch Einführung eines Metalls in eine der compensirenden Spiralen 
sogleich aufgehoben wird. Der dann hervortretende Strom wirkt aber nicht 
ablenkend auf die Galvanometernadel, da auch bei der sorgfältigsten 
Isolirung der Windungen von einander durch Uberfirnissen des mit Seide 
besponnenen, auf einen Glasrahmen gewickelten Drathes Funken zwischen 
den Windungen überspringen, er giebt, auf Jodkalium geprüft, keine che- 
mische Zersetzung, und magnetisirt weiches Eisen nicht in der 
Weise, dafs eine daneben stehende Magnetnadel abgelenkt würde oder dar- 
auf gestreute Eisenfeile sich aufrichteten. Es bleibt also zur Ermittelung 
der Richtung des Stromes nur das von Hrn. Riess angegebene Verfahren 
mittelst Harzfiguren ( 3 ) und mittelst des Condensators übrig ( 4 ) und 
eine physiologische Prüfung (52), aufweiche ich im Verlaufe der Ver- 
suche geführt wurde. Das Ergebnifs war folgendes : 

1. Physiologische und elektroskopische Wirkungen des inducirten 

Stromes. 
44. Die physiologische Wirkung des durch den Schliefsungsdrath der 
Batterie im Nebendrath inducirten Stromes wird geschwächt durch alle un- 

in derselben Versuchsreihe. Die mit diesen verschiedenen Batterien erhaltenen Resultate 
waren übereinstimmend. 

(') Transact. of the American Philos. Society Vol.VI. p.17. 

C) Pogg. Ann. 50. p.l. 

O Pogg. Ann. 51. p.353. 

( 4 ) Diese und einige andre der folgenden Versuche habe ich in Gemeinschaft mit Hrn. 
Riess angestellt, der mir dabei die Benutzung seines Apparates gestattete. Die von Pa- 

Q2 



124 D o v e 

magnetischen Metalle, und zwar desto stärker, je besser leitend das Metall 
ist. Diese Schwächung ist daher bei Antimon, Wismuth und Blei viel 
unbedeutender als bei Kupfer und Messing. Bei vorher compensirten 
Spiralen erhält man daher eine desto stärkere Erschütterung, je besser lei- 
tend das in eine derselben hineingelegte Metall ist. Der am Condensator 
und durch Harzfiguren geprüfte Strom geht dabei von der leeren Spirale 
aus, die hervortretende Erschütterung ist also eine Folge des schwächen- 
den Einflusses des eingeführten Metalls auf die Spirale, in der es liegt. 

45. Legt man in eine der Schliefsungsspiralen, statt eines massiven 
metallischen Cylinders oder einer metallischen Röhre eine auf eine Papp- 
röhre gewickelte Spirale von mit Seide übersponnenen Kupferdrath, so 
bleibt das Stromgleichgewicht in den Nebenspiralen bestehen, wenn ihre 
Enden unverbunden sind, wird hingegen aufgehoben bei verbundenen 
Enden. Eine aus einem einmal zusammengelegten Drathe gewickelte Spi- 
rale, welche als aus zwei gleichen, widersinnig verbundenen Spiralen beste- 
hend angesehen werden kann, hebt auch bei verbundenen Enden das 
Stromgleichgewicht in den Nebenspiralen nicht auf, die Wirksamkeit der er- 
sten Spirale entsteht also durch einen in derselben erzeugten elektrischen 
Strom, die Wirkungslosigkeit der zweiten dadurch, dafs zwei gleiche elektri- 
sche Ströme ihren hemmenden Einflufs gegenseitig neutralisiren. 

46. Solche elektrische Ströme müssen auch in massiven Cylindern 
und geschlossenen Röhren entstehen; denn die Wirksamkeit der erste- 
ren vermindert sich durch Trennen im Sinne der Längenrichtung, d.h. 
durch Verwandeln des Messingcylinders in ein Bündel gut isolirter Mes- 
singdräthe, die Wirksamkeit der letztern wird ebenso geschwächt durch 
einen Längenschnitt. Bündel von Messingdräthen wirken schwächer 
hemmend als eine geschlossene Röhre von viel geringerer Masse bei glei- 
chem äufsern Umfang der Röhre und des Bündels. Ein einfaches Prüfungs- 
mittel, ob ein in eine der Röhren gelegter Metallstab das physiologisch er- 
mittelte Sti'omgleichgewicht der Nebenspiralen dadurch aufhebt, dafs er die 
Wirkung seiner Spirale schwächt, ist daher das Hineinlegen von Mes- 



cinotti und Joule angegebenen Verfahrungsarten, vermittelst eines durchbohrten Karten- 
blattes und des überspringenden Funkeus bei übergreifenden Drathenden sind erst später 
bekannt gemacht worden. 



über Induclion durch elektromagnetisirtes Eisen. 125 



o' 



singdräthen in die andre leere Röhre, von denen eine gewisse Anzahl zu- 
letzt das gestörte Stromgleichgewicht wieder herstellen mufs. 

47. Schmiedeeisen, weicher und harter Stahl, weifses und 
graues Roheisen in Form massiver Cylinder und prismatischer 
Stangen, ferner in Form geschlossener Röhren, als Flintenläufe 
und vernietete Blehröhren schwächt ebenfalls die physiologische 
Wirkung des inducirten Stromes. Dasselbe gilt von Säulen aus Scheiben 
von Stahl, von Schmiedeeisen und von verzinntem Eisenblech, 
sowohl mit isolirenden als mit leitenden Zwischenscheiben. Der am Con- 
densator und durch Harzfiguren für Schmiedeeisen und für Stahl 
geprüfte Strom ging von der leeren Spirale aus. Der schwächende Ein- 
flufs der verschiedenen Sorten von Schmiedeeisen, Stahl und Rohei- 
sen ist aber verschieden; denn bei zwei in den compensirten Spiralen ein- 
ander entgegenwirkenden Cylindern von verschiedenen Eisensorten, erhält 
man an einem isolirten Froschpräparate stets Zuckungen. 

48. Die physiologische Wirkung wird hingegen verstärkt durch 
der Länge nach aufgeschnittene Flintenläufe und besonders durch gut 
isolirte Drathbündel von Eisen. Ein in den Handgelenken fühlbarer 
Schlag der gleichartig verbundenen Nebenspiralen ging bei Einführung 
zweier solcher Drathbündel bis in die Hälfte des Oberarms, war hingegen 
bei Einführung zweier Cylinder von Schmiedeeisen so geschwächt, dafs 
er nur in den Vorderhänden bemerkt wurde. Der am Condensator und 
durch Harzfiguren geprüfte Strom ging bei compensirten Spiralen von 
der Spirale aus, in welcher das Drathbündel lag. 

Hier zeigt sich also ein wesentlicher Unterschied in der inducirenden 
Wirkung des Eisens, je nachdem dasselbe durch den Strom einer galvani- 
schen Kette oder den einer sich entladenden Leydner Flasche magnetisirt 
wird. Die inducirende Wirkung des spiralförmigen Schliefsungsdrathes 
einer galvanischen Kette auf einen Nebendrath wird nämlich stärker, wenn 
Eisen beliebiger Form in denselben hineingelegt wird, während der Schlie- 
fsungsdrath einer Kleistischen Flasche schwächer inducirend auf einen Ne- 
bendrath wirkt, wenn eine massive Eisenstange in ihn hineingelegt wird, als 
wenn er leer ist, hingegen stärker, wenn diefs Eisen in Form eines Drath- 
bündels angewendet wird. 



126 D 



O V E 



49. Ein von einer geschlossenen Messingröhre umgebenes Bün- 
del isolirter Eisendräthe verhält sich hingegen wie ein massiver Eisen- 
cylinder, d.h. es schwächt den Schlag seiner Spirale und giebt einen von 
der leeren Spirale ausgehenden Strom. Dasselbe gilt, wenn es von einer 
stets in demselben Sinne gewickelten Spirale von Kupferdrath mit ver- 
bundenen Enden umgeben ist. Auch zeigt es eine freilich sehr geringe 
schwächende Wirkung, wenn diese Spirale schlecht leitend, nämlich von 
Neusilber ist, und es wäre nicht unmöglich, dafs bei einer gröfsern Drath- 
menge im Innern derselben und bei einer dünnern Drathspirale die Wirkung 
umgekehrt ausfiele. Eine aus einem zusammengelegten Kupferdrathe 
gewickelte Spirale mit verbundenen Enden hat auch hier keinen Einflufs, 
denn ein Drathbündel in eine solche eingehüllt, hält einem freiliegen- 
den Drathbündel in der andern Röhre das Gleichgewicht. 

50. Eine massive Nickelstange giebt bei compensirten Spiralen 
eine kaum merkbare physiologische Wirkung. Der von ihr erzeugte Strom 
geht, durch Harz figuren und denCondensator geprüft, hingegen von der 
Spirale aus, in welcher sie liegt. Massiver Nickel verstärkt also die in- 
ducirende Wirkung, während massives Eisen sie schwächt. Auch hat 
die vorher vorhandene Polarität des Nickels darauf keinen Einflufs ; denn die 
Richtung des Stromes bleibt dieselbe, wenn man der Nickelstange in ih- 
rer Spirale die umgekehrte Lage giebt. Bei überfirnifsten Nickeldräthen 
ist daher eine noch bedeutendere Verstärkung zu erwarten. 

51. Alle hier gefundenen Ergebnisse sind unabhängig von der relati- 
ven Lage der Schliefsungsspirale, der Nebenspirale und des Cylinders zu 
einander; denn sie wurden in gleicher Weise erhalten, wenn die Batterie 
durch die äufsern Spiralen entladen, die Induction hingegen an den innern 
Spiralen geprüft wurde. 

52. Ob eine in einer der Röhren liegende Stange physiologisch ver- 
stärke, kann dadurch geprüft werden, dafs man durch Eisendräthe in der 
andern Röhre zuletzt das gestörte Gleichgewicht wieder herstellt, während, in 
demFalle dafs die hineingelegte Stange schwächt, das gestörte Gleichgewicht 
nur durch hineingelegte Dräthe eines unmagnetischen Metalls, z.B. Messing- 
dräthe wieder hergestellt werden kann. Zu solchen Prüfungen mufs man 
aber dünne Dräthe wählen; denn da ein einzelner Drath als Cylinder be- 
trachtet werden kann, welcher demnach besonders bei einer gewissen Dicke 



über Induction durch eleldromasnetisirtes Eisen. 127 



ö' 



schwächt, so wird es für eine gegebene Dicke der Dräthe eine Anzahl geben, 
welche unwirksam ist. Eine solche unwirksame Verbindung von Dräthen 
wurde bei der stärksten Sorte für eine bestimmte Batterieladung wirklich 
nahe erhalten. Diese Anzahl mufs, wenn Dräthe zur Prüfung der Verstär- 
kung einer andern Substanz gewählt werden, daher stets überschritten sein, 
ist also durch einen vorläufigen Versuch zu bestimmen. 

2. Magnetisiren des Stahls durch den inducirten Strom. 

Um Anomalien zu vermeiden, wurden dazu starke Nadeln gewählt, 
dabei blieb die Drathlänge stets unverändert, auch wurde der Batterie 
vermittelst einer selbstentladenden Flasche stets eine constante Ladung 
gegeben. 

53. Hebt man bei compensirten Spiralen das Stromgleichgewicht 
durch Einschalten einer leitenden Substanz in die eine der Spiralen auf, 
so zeigt die Polarität einer durch den überwiegenden Strom magnetisirten 
Stahlnadel an, dafs der Strom von der leeren Spirale ausgeht, wenn die ein- 
geführte Substanz (') ein Blech von Iridium, Platin, Gold, Silber, ist, 
oder eine Stange von Kupfer, Messing, Zinn, Zink, Blei oder eine 
Legirung von 1 Kupfer und 1 Wismuth, von 3 Kupfer und 1 Wis- 
muth, von 3 Kupfer und 1 Antimon, von 1 Zink und 1 Wismuth, 
von Kupfer, Zinn, Blei, Zink und Antimon, von Blei und Eisen, 
von Messing und Eisen, von Glockenmetall, endlich der Quere nach 
zusammengeschmolzene Streifen von Kupfer und Antimon, von Glok- 
kengut und Antimon, von Antimon und Wismuth. Das Stromgleich- 
gewicht blieb bestehen, wenn diese Stange von Antimon oder von Wis- 
muth war oder eine Legirung von 1 Wismuth und 1 Antimon oder von 
3 Wismuth und 1 Antimon. Hingegen zeigte die Polarität einen von 
der gefüllten Spirale ausgehenden Strom, wenn sie ein freiliegendes oder 
in einer geschlossenen Röhre enthaltenes Drathbündel, eine Säule aus 
Scheiben von Stahl, Eisen oder Weifsblech, ein massiver Cylinder 
von Schmiedeeisen, weichem oder hartem Stahl, weifsem und 



(') Die Resultate, welche erhalten werden, wenn das Jn Form einer Stange als unmag- 
netisch wirkende Metall in Form eines isolirten Drathbündels in die magnetisiren- 
den Spiralen gelegt wird, werden erst unter §. 62 zur Sprache kommen. 



128 D o v e 

grauem Roheisen, endlich auch eine Stange oder Röhre von Nickel war. 
Eine Trennung der Eisenmasse in Dräthe steigert den magnetisirenden Ef- 
fect aufserordentlich ; denn Drathhündel einem Cylinder von Schmiede- 
eisen, Stahl und Roheisen in der andern Spirale entgegenwirkend, über- 
wiegen auch dann, wenn die Masse derselben ein bedeutendes Vielfaches ih- 
rer Masse ist, 14 isolirte Dräthe von 0770 Durchmesser neutralisiren näm- 
lich genau die Wirkung des Cylinders von Schmiedeeisen. Sind hinge- 
gen kräftig überwiegende Drathbündel in einer unaufgeschnittenen 
Messingröhre eingeschlossen, so werden sie in ihrer magnetisirenden Wir- 
kung von denselben massiven Cylindern überboten. 

In Beziehung auf das Magnetisiren der Stahlnadeln sind also die 
Erscheinungen ganz dieselben, das Magnetisiren mag durch galvanische 
oder Reibungselektricität hevorgebracht werden, und es findet hier 
nicht der Unterschied statt, welcher in Beziehung auf die physiologischen 
Effecte sich zeigt, d.h. Eisen in jeder beliebigen Form und irgend wie rnag- 
netisirt verstärkt die Stahl magnetisirende Wirkung des von dem 
Schliefsungsdrath im Nebendrath inducirten Stromes, während es durch die 
Entladung einer Batterie magnetisirt, die physiologische Wirkung der 
Spirale nur unter der Bedingung, dafs es in Dräthe aufgelöst ist oder eine 
aufgeschnittene Röhre bildet, verstärkt, hingegen dies in jeder Form thut, 
wenn es durch einen galvanischen Strom magnetisirt wurde. 

3. Thermische Wirkung des inducirten Stromes. 

Die Erwärmung durch den inducirten Strom ist unabhängig von 
der Richtung desselben. Ihre Messung geschah daher an einem einzigen 
Spiralenpaare, welches leer angewendet wurde und in welches dann die zu 
prüfenden Substanzen gelegt wurden. Eine Steigerung der Erwärmung läfst 
dabei unmittelbar auf eine Verstärkung, eine Verminderung derselben auf 
eine Schwächung durch die eingeführte Substanz schliefsen. Zur Messung 
der Temperatur wurde dabei sowohl ein elektrisches Luftthermometer als 
ein Breguetsches Metallthermometer angewendet. 

54. Bei dem Magnetisiren durch Reibungselektricität schwä- 
chen sowohl eiserne Drathbündel als eiserne Stäbe und Nickel den 
thermisch gemessenen Effect des von dem Schliefsungsdrathe im Nebendra- 
the inducirten Stromes, und verhalten sich also wie unmagnetische Me- 



über Induction durch elehlromagnelisirtes Eisen. 129 

talle, von denen Hr. Riess diefs bereits nachgewiesen hat. Ist hingegen 
der primäre magnetisirende Strom ein galvanischer, so verstärken Ei- 
senmassen und Bündel von Eisendräthen den thermischen Effect des 
inducirten Stromes. 



4. Induction des Schliefsungsdrathes der Leydner Flasche auf 

sich selbst. 

55. Diese ist, so viel mir bekannt ist, überhaupt noch nicht empirisch 
nachgewiesen worden. Man erhält sie aber leicht auf folgende Art. Be- 
zeichnet mn (Fig. 5) den Schliefsungsdrath der Leydner Flasche und ab den 
spiralförmig gekrümmten Theil desselben, chhd eine Nebenschliefsung, die 
bei den Handhaben hh durch den Körper vollzogen wird, so erhält man im 
Moment, wo der Funke bei n überspringt, eine Erschütterung, nicht aber, 
wenn die Nebenschliefsung wie in Fig. 6 angebracht ist, auch wenn die zwi- 
schen h und h enthaltene Drathlänge in beiden Fällen genau dieselbe ist. 
Im ersten Falle ist der spiralförmige Theil des Schliefsungsdrathes durch den 
h und h verbindenden Körper geschlossen, im letzteren aber nicht. Rührte 
die Erschütterung von einer Theilung des Stromes her, so müfsten sie in bei- 
den Fällen eintreten. Da diefs nicht der Fall ist, so ist sie die Wirkung einer 
wahrhaften Induction. Die Verstärkung des Schlages durch ein Drath- 
bündel ist sehr deutlich. Es wurde nun ein Cylinder von Nickel, 4 Zoll 
lang und iU Zoll dick, eingeführt, ohne dafs bestimmt werden konnte, in 
welchem Sinne die Veränderung sei, da sie bei der Stärke des Schlages un- 
bedeutend war. Bei Einführung eines massiven Eisencylinders wird 
hingegen die Erschütterung sehr merklich geschwächt, eben so durch einen 
Cylinder eines unmagnetischen Metalles. Eine geschlossene, den 
spiralförmigen Theil des Schliefsungsdrathes umhüllende Nebenspirale 
schwächt den Inductionsschlag des Schliefsungsdrathes bedeutend, sehr we- 
nig aber, wenn sie aus zwei widersinnig verbundenen Theilen besteht. Die 
thermische Prüfung zeigt bei Einführung des Eisens in beliebiger Form 
eine Schwächung in der Nebenschliefsung, die Untersuchung vermittelst 
einer zu magnetisirenden Stahlnadel hingegen eine Verstärkung. Die 
Induction dieses Gegenstromes ist also identisch mit der des Neben- 
stromes in getrennten Dräthen. 

Physik. - math. Kl. 1 84 1 . R 



130 D o v e 



5. Ergebnisse der Versuche mit elektrornagnetisirtein Eisen. 

56. Fafst man die Resultate, welche für die zum Magnetisiren des Ei- 
sens angewendeten verschiedenen Elektricitätsquellen erhalten wurden, in 
eine gemeinsame Übersicht zusammen, so erhält man: 

ä) Eisen in Form massiver Stangen, geschlossener oder der 
Länge nach aufgeschnittener Röhren, isolirter Drathbündel mit oder 
ohne leitende Hüllen, endlich in der Form von Scheibensäulen, fer- 
ner als Schmiedeeisen, weicher oder harter Stahl, weifses oder 
graues Roheisen und Nickel, durch den Strom einer galvanischen 
Kette, einer Thermosäule oder Thermokette , einer Saxtonschen 
Maschine, durch Annähern eines geschlossenen Drathes an einen 
Magneten, endlich durch Wirkung eines sich an einen Stahlmagne- 
ten annähernden Eisens auf einen geschlossenen es umhüllenden 
Drath elektromagnetisirt, bedingt elektrische Ströme in einem es umgeben- 
den Drathe, wenn dieser Magnetismus verschwindet. 

b) Die inducirende Wirkung derselben Eisenmasse als ununterbro- 
chenes Continuum ist im Allgemeinen sehr verschieden von der Wirkung 
derselben Eisenmasse, wenn sie in Dräthe aufgelöst ist; diese Verschieden- 
heit ist aber andrer Art nach der Weise, wie das Eisen elektromagnetisirt 
wird . 

c) Bei dem Magnetisiren des Eisens durch den Schliefsungsdrath einer 
galvanischen Kette, einer Thermokette und durch einen magneto- 
elektrischen Strom der drei oben unterschiedenen Arten, bleibt, bei dem 
Auflösen des Eisens in Drathbündel, zwar die galvanometrische Wirkung 
des Stromes, welchen der bei dem Offnen der Kette verschwindende Mag- 
netismus erzeugt, dieselbe, so wie die Eigenschaft dieses Stromes, weiches 
Eisen zu magnetisiren; seine physiologischen Wirkungen, die bei 
seiner Unterbrechung entstehenden Funken, und der durch ihn im Stahl 
hervorgerufene Magnetismus sind aber viel kräftiger. Umgiebt man das 
Drathbündel mit einer leitenden Hülle, nämlich einer un aufgeschnit- 
tenen Röhre oder einer einfach gewickelten Spirale mit verbunde- 
nen Enden, so verhält es sich wie eine massive Eisenmasse. Ist die Hülle 
dagegen geöffnet, d.h. eine der Länge nach aufgeschnittene Röhre oder 



über Induclion durch elchtromagnetisirtes Eisen. 131 

eine einfach gewickelte Spirale mit unverbundenen Enden, so wirkt 
es fast so kräftig wie ein offen liegendes. Eine ans einem zusammenge- 
legten Drathe gewickelte das Drathbündel umhüllende Spirale ist mit ver- 
bundenen Enden eben so unwirkam als eine einfach gewickelte mit 
unverbundenen Enden. Trennt man die Eisenmasse durch auf die Län- 
genrichtung senkrechte Schnitte in Scheiben, so schwächt man besonders 
die physiologische Wirkung des von dieser Scheibensäule inducirten Stro- 
mes ausnehmend. 

d) Die eben angeführten Unterschiede zwischen eisernen Stangen 
und eisernen Drathbündeln erreichen ihr Extrem, wenn das Magnetisi- 
ren derselben durch den Entladungsschlag einer Leydner Flasche ge- 
schieht. Eine Drathspirale mit Eisenkern inducirt nämlich einen in seinen 
physiologischen, magnetisirenden, galvanometrischen, thermi- 
schen und chemischen Wirkungen stärkern Strom in einer sie umgeben- 
den Nebenspirale, als die leere Drathspirale ohne Eisenkern, wenn der gal- 
vanische Strom, welcher dieses Eisen magnetisirt, aufhört. Die Verstärkung 
der physiologischen Wirkung durch Auflösen dieses Eisenkernes in Dräthe 
und die dabei sich steigernde Lebhaftigkeit der Funken des inducirten Stro- 
mes so wie der kräftiger werdende Magnetismus einer durch den Strom po- 
larisirten Stahlnadel sind daher eine Steigerung der von dem massiven Eisen 
bereits auch ausgeübten Wirkungen. Die inducirende Wirkung der von 
dem momentanen Strome einer sich entladenden Leydner Flasche durchflos- 
senen leeren Spirale ist hingegen, was die physiologischen und elek- 
troskopischen Wirkungen des Nebenstroms betrifft, gröfser, als wenn 
ein massiver Eisenkern in derselben enthalten ist, hingegen kleiner, als die, 
welche ein darin befindliches eisernes Drathbündel, eine aufgeschnit- 
tene eiserne Röhre und eine massive Nickelstange hervorbringt. 
Umgiebt man das Drathbündel mit einer geschlossenen Hülle, so wirkt das 
vorher verstärkende Bündel nun wie eine massive Stange, d.h. schwächend. 
Der thermische Effect des Nebenstroms wird hingegen, sowohl durch 
massives Eisen als Drathbündel, überhaupt durch Eisen jeder Form so 
wie durch unmagnetische Metalle geschwächt, die Eigenschaft Stahl zu 
magnetisiren hingegen durch Eisen und Nickel jeder beliebigen Form ver- 
stärkt, hingegen durch massive Stangen unmagnetischer Metalle ge- 
schwächt. 

R2 



132 D o v e 

e) Wirkt der Schliefsungsdrath der galvanischen Kette oder der 
Kleistischen Flasche nicht auf einen Nebendralh, sondern auf seine eige- 
nen nebeneinander liegenden Windungen inducirend, so zeigt dieser Gegen- 
strom (Extracurrent) in allen nachweisbaren Wirkungen dieselben Verhält- 
nisse als der Nebenstrom. 

f) Der Einflufs leitender Hüllen entsteht durch einen von dem 
Schliefsungsdrathe in denselben inducirten elektrischen Strom, der sich 
in ihnen nachweisen läfst, wenn man die Ränder der der Länge nach aufge- 
schnittenen Hüllen durch ein Galvanometer oder ein andres Rheoskop 
schliefst. Dasselbe gilt von den Enden einhüllender Drathspiralen, 
welche einfach gewickelt einen Strom zeigen, wenn ihre Enden durch das 
Galvanometer geschlossen sind, hingegen keinen, wenn sie aus einem zusam- 
mengelegten Drathe bestehen und nun das Galvanometer schliefsen. Röh- 
ren und einhüllende Spiralen schwächen die physiologische Wirkung der in 
ihm enthaltenen Drathbündel desto bedeutender, je besser leitend die Schlie- 
ssung ist, aus der sie bestehen. Bei massiven Eisenstangen wirkt die Ober- 
fläche derselben, wie die leitende Hülle, welche ein isolirtes Drathbündel 
einschliefst. Dadurch erklärt sich, dafs Nickel als massive Stange, durch 
die Entladung einer Kleistischen Flasche magnetisirt, stärker inducirt als Ei- 
sen. Es verhält sich wie ein Drathbündel in einer schlechter leitenden 
Hülle, Eisen wie ein Bündel in einer gut leitenden. 

g) Der durch ein freiliegendes Drathbündel inducirte Strom er- 
reicht früher das Maximum seiner Intensität als der durch eine massive Ei- 
senstange oder von einem in einer geschlossenen Hülle enthaltenen Drath- 
bündel inducirte, wenn die von beiden in Bewegung gesetzte Elektricitäts- 
menge dieselbe, denn von zwei einander am Galvanometer im Gleicbgewicht 
haltenden Strömen zeigt die Nadel eine zuckende Bewegung, zuerst im Sinne 
des Drathstromes sich bewegend, dann im Sinne des vom massiven Eisen in- 
ducirten. Aus demselben Grunde ist bei galvanometrischer Gleichheit die 
physiologische Wirkung, ferner die Wirkung Stahl zu magnetisiren und die 
Lebhaftigkeit der Funken des ersten Stromes gröfser als die des letztern. 

h) Gufseisen zeigt eine gröfsere physiologische Wirkung als sich 
nach seiner galvanometrischen Wirkung erwarten läfst. Es schliefs sich da- 
her in seinen inducirenden Wirkungen näher an isolirte Drathbündel an als 
an Schmiedeeisen. 



über Induclion durch elektromagnetisirtcs Eisen. 133 

i) Alle Eisensorten geben bei wiederholtem Elektromagnetismen stär- 
kere Iutluctionsströme, wenn sie abwechseld in entgegengesetztem 
Sinne magnetisirt werden, als wenn diefs stets in demselben Sinne geschieht. 
Alle behalten nämlich einen Antheil des in ihnen erregten Magnetismus, er- 
fahren daher eine stärkere magnetische Veränderung, wenn sie alternirend 
magnetisirt werden als wenn diefs gleichartig geschieht. 

6. Einige Bemerkungen in Beziehung auf die Amperesche Theorie. 

57. Von dem Satze ausgehend, dafs gleichfliefsende elektrische Ströme 
einander anziehen, entgegengesetzt fliefsende einander abstofsen, hat Am- 
pere gezeigt, dafs jede magnetische Wirkung auf die Wirkung geschlossener 
elektrischer Ströme zurückgeführt werden kann. Ampere ist dann noch 
einen Schritt weiter gegangen, er hat die Identität elektromagnetischer 
und magnetischer Phänomene ausgesprochen, und demnach angenommen, 
dafs jedes Eisentheilchen von einem elektrischen Strome umflossen sei, 
welche Ströme im unmagnetischen Eisen beliebig gerichtet seien und durch 
die Wirkung eines Magneten oder eines elektrischen Stromes erst parallel 
gerichtet würden. Diese Annahme hat bedeutend an Wahrscheinlichkeit 
durch die Entdeckung der Magnetoelektricität gewonnen, indem jede mag- 
netische Wirkung eines elektrischen Stromes, wenn sie auf eine andre Weise 
als durch den elektrischen Strom hervorgebracht wird, den entgegengesetz- 
ten elektrischen Strom von dem veranlafst, der sie selbst hervorgerufen haben 
würde. Je mannigfacher aber die Berührungspunkte beider Gebiete sind, 
desto nothwendiger ist es, die Erscheinungen hervorzuheben, welche mit 
ihrer Identität nicht vereinbar scheinen. 

Was zunächst das Hervortreten der magnetischen Polarität unter der 
Einwirkung eines elektrischen Stromes betrifft, so erfolgt es unter den Be- 
dingungen, unter welchen nie elektrische Ströme sich bilden. Ein elektri- 
scher Strom nämlich erzeugt in einem neben ihm befindlichen Leiter einen 
andern schnell vorübergehenden elektrischen Strom, nur wenn er beginnt 
und wenn er aufhört, nicht aber so lange er fortdauert. Er erzeugt hin- 
gegen während seines ganzen Bestehens in einem neben ihm befindlichen Ei- 
sen Magnetismus, der sich in einer merkbaren Zeit zu seinem Maximum stei- 
gert. Die von Ampere zur Erläuterung dieses Magnetismus hypothetisch 
angenommenen die Eisentheilchen umkreisenden elektrischen Ströme unter- 



134 D o v e 

scheiden sich also, tinter der Voraussetzung, dafs sie erst entstehen, von 
allen bekannten elektrischen Strömen dadurch, dafs sie während der Dauer 
eines elektrischen Stromes sich bilden, d.h. unter Umständen eintreten, wo 
sich nie andre elektrische Ströme bilden. Diese Schwierigkeit umgeht die 
Theorie dadurch, dafs sie annimmt, es werden bereits vorhandene die 
Eisentheilchen umkreisende Ströme durch einen äufsern Strom nur gerich- 
tet, nicht erzeugt. Dann aber entbehrt die Erscheinung, dafs ein Elek- 
tromagnet in seinen unmagnetischen Zustand zurückkehrt, wenn der primäre 
ihn magnetisirende Strom aufhört, durchaus der Analogie in andern Gebie- 
ten. Ein polarisirter Lichtstrahl bleibt polarisirt, wenn er der Wirkungs- 
sphäre des spiegelnden oder brechenden Körpers entrückt ist, welcher ihn 
polarisirte, er depolarisirt sich nicht selbst, d.h. die parallel gewordenen 
Schwingungsrichtungen der Athertheilchen bleiben parallel, nachdem sie 
es einmal geworden sind. Aus welchem Grunde hören denn die parallel 
gewordenen Elementarströme auf parallel zu sein, wenn der Strom, welcher 
sie in diese parallele Lage brachte, zu wirken aufhört, da in ihnen selbst 
doch nicht das Bestreben liegen kann, aus der parallelen Stellung wieder 
herauszuweichen? Der Grund, welcher diese Erscheinung bedingt, sei aber 
welcher er wolle, so mufs er doch im Sinne der Hypothese elektrischer 
Natur sein. Warum hängt er aber dann nicht mit der Leitungsfähigkeit der 
Metalle zusammen? 

58. Die Ergebnisse der in dieser Abhandlung dargelegten Versuche 
zeigen, wenn wir sie ohne alle hypothetische Voraussetzungen betrachten, 
dafs bei dem Elektromagnetisiren des Eisens in demselben zwei einander ent- 
gegenwirkende Erscheinungen bedingt werden, nämlich Erregen elektrischer 
Ströme und Hervorrufen magnetischer Polarität. Bei den bisher in diesem 
Gebiete angestellten Untersuchungen überwog der Effect der magnetischen 
Polarisirung stets den hemmenden der zugleich erregten elektrischen Ströme, 
man erhielt daher, indem man diese letztern mehr oder minder sich zu bilden 
hinderte, nur eine Verstärkung einer durch die magnetische Polarisirung be- 
reits hervorgebrachten Wirkung. Die vermittelst Reibungselektricität ange- 
stellten Versuche zeigten unter denselben Bedingungen eine vollkommene 
Umkehrung dieser Wirkung in die entgegengesetzte. Diese Umkehrung 
tritt aber für die physiologischen Wirkungen der inducirten Ströme, für 
ihre magnetisirenden Eigenschaften und für ihre thermischen Wirkun- 



über Incluction durch eleldromagnetisirtcs Eisen. 135 



5' 



gen nicht zugleich ein, so dafs dieselbe experimentelle Vorrichtung, welche 
die eine dieser Wirkungen noch verstärkt, für die andre bereits einen 
schwächenden Einflufs äufsert. Dadurch werden alle Erklärungen besei- 
tigt, welche aufgestellt worden sind, um eine dieser Wirkungen in ihren 
verschiedenen Modifikationen allein zu erläutern. Da es nun nicht passend 
scheint, zwei Naturthäligkeiten, von denen die eine unter Umständen zu wir- 
ken beginnt, bei welchen die andre nie hervortritt, und welche, wenn sie 
zugleich in demselben Körper thätig sind, einander so entgegenwirken, dafs 
bald die eine, bald die andre überwiegt, als identisch durch denselben Na- 
men zu bezeichnen, so scheint es zunächst zweckmäfsiger, die magnetische 
Polarisirung als ein von den im Eisen erregten elektrischen Strömen nicht 
nur unabhängiges, sondern entgegen wirkendes Agens anzuerkennen. 
Die Erklärung der hier beobachteten Phänomene würde dann folgende: 

59. Der in einem das Eisen spiralförmig umgebenden Drathe wirk- 
same primäre elektrische Strom erzeugt in dem Momente, wo er entsteht, 
in dem Eisen elektrische Ströme, während seiner Dauer magnetische Pola- 
rität, welche sich langsamer steigert als jener Strom, im Moment seines 
Aufhörens wiederum einen elektrischen Strom. Der bei dem Aufhören des 
primären Stromes erzeugte zweite elektrische mit dem primären gleich ge- 
richtete Strom wirkt dem durch den Magnetismus erzeugten entgegen. Hatte, 
wie es bei galvanischem Magnetisiren der Fall ist, der Magnetismus während 
der längern Dauer des Stromes Zeit sich zu entwickeln, so überwiegt die 
Wirkung desselben die entgegengesetzte des bei dem Aufhören des primären 
Stromes erzeugten elektrischen Stromes. Alle gegen die Bildung elektri- 
scher Ströme angewendeten Mittel steigern daher nur eine vom massiven Ei- 
sen bereits auch ausgeübte Wirkung. Ist hingegen der primäre Strom so 
schnell vorübergehend, wie der einer sich entladenden elektrischen Batterie, 
hatte also der Magnetismus nicht Zeit sich vollständig zu entwickeln, so 
überwiegt der bei dem Aufhören des primären Stromes erzeugte elektrische 
die Wirkung des verschwindenden Magnetismus ('). Das Zerstören dieser 
elektrischen Ströme durch Aullösen der Masse in Dräthe, oder die Hemmung 



(') Unter §.77 wird durch ein andres Verfahren bei magneto I ektrischer Induction 
dasselbe Resultat erhalten, nämlich Schwächung der physiologischen Wirkung eines Stromes 
durch Einführung von massivem Eisen und Verstärkung desselben durch eiserne Drathbiindel. 



136 D o v e 

ihrer Bildung in einer schlecht leitenden Masse wie hei dem Nickel, kehrt 
daher hier die Wirkung vollständig um, indem es den Ausschlag erst auf 
Seiten des verschwindenden Magnetismus hringt, der vor dieser Trennung 
auf Seiten der elektrischen Ströme war. Die Gleicbgewichtsgrenze 
beider ist aber für die thermischen, physiologischen und magnetisi- 
renden Wirkungen nicht dieselbe, weil nämlich die Abhängigkeit jeder ein- 
zelnen derselben von der Intensität des verschwindenden Magnetismus eine 
andre sein wird, als ihre Veränderung durch den entgegenwirkenden elektri- 
schen Strom; für die magnetisirenden Wirkungen waltet daher noch die 
Wirkung des verschwindenden Magnetismus vor, wenn für die thermischen 
hingegen der elektrische Strom überwiegt, und die physiologischen Er- 
scheinungen auf beide Seiten dieser Grenze fallen. 

Ampere sah anfangs einen Magneten als eine Eisenstange an, welche 
peripherisch von elektrischen Strömen umgeben ist. So wie aber in der 
Coulombschen Ansicht nur von der Vertheilung des Magnetismus in einer 
Eisenstange Rechenschaft gegeben werden kann, wenn man sie bestehend 
annimmt aus linearen neben einander liegenden magnetischen Elementarla- 
mellen, so substituirte Ampere für die erste Annahme ein elektrodynami- 
sches Solenoid, dessen annähernde Realisation ein elektromagnetisirtes Drath- 
bündel ist. Um die inducirende Wirkung eines massiven Elektromag- 
neten aber auf die eines Drathbün dels zurückzuführen, mufs das letztere 
von einer leitenden Hülle umgeben sein. Ein massiver Elektromagnet 
wäre demnach Eisen, in welchem aufser den einander parallelen elektrischen 
Strömen um die einzelnen Theilchen noch peripherische Ströme das Ganze 
umgeben. Eisen elektromagnetisiren hiefse daher vorhandene elektri- 
sche Ströme richten und aufserdem neue und zwar andrer Art erzeu- 
gen, da die Wirkung der letztern die der erstem hemmt. Ist man aber ein- 
mal genöthigt, die nachweisbaren elektrischen Ströme im Eisen zu unter- 
scheiden von den hypothetischen, welche den Magnetismus bedingen, so 
scheint es einfacher, einen Schritt weiter zu gehen, und Elektricität und 
Magnetismus als zwei verschiedene Naturkräfte anzuerkennen. 

Es fragt sich nun, welche Inductionserscheinungen bietet eine Eisen- 
stange dar, in welcher der Magnetismus verschwindet, ohne dafs zugleich im 
Eisen elektrische Ströme erregt werden und welche bieten unmagnetische 
Metalle dar, in welchen die peripherischen elektrischen Ströme durch Auf- 



über Induction durch cleklromagnetisirtes Eisen. 137 

lösen in Dräthe zerstört werden. Die Beantwortung dieser Fragen bildet den 
Gegenstand der beiden nachfolgenden Abschnitte. 

V. Ströme inducirt durch Annähern von massivem Eisen und 
von eisernen Drathbündeln an einen Stahlmagneten. 

60. Hat man an dem (§.-10) beschriebenen nach dem Princip einer 
Saxtonschen Maschine construirten Apparat bei der Stellung des Compensa- 
tors 




für die leeren Spiralen für physische, chemische und physiologische Prüfun- 
gen Stromgleichgewicht erhalten, so wird ein Aufheben dieses Stromgleich- 
gewichts durch Hineinlegen verschiedener Substanzen in die Rollen zeigen, 
dafs die hineingelegten Substanzen verschieden wirken und aus der Richtung 
des hervortretenden Stromes sich bestimmen lassen, welche überwiegt. 
Hierzu wurden massive Eisencylinder und Drathbündel angewendet. 
Die massiven Eisencylinder hatten 13"'6 Durchmesser bei 22'o Höhe. 
Die Drathbündel hatten gleiche Dimensionen, doch fällt in Beziehung auf 
die Länge die messingne Bodenplatte der Seitenhülle weg, in Beziehung auf 
den Durchmesser die Dicke der umfassenden Hülle von Papier, Holz oder 
Messing. Da nämlich das Abreifsen der schleifenden Feder für die Mitte 
der Rollen stets in gleicher Weise geschehen mufs, so müssen die Eisendrä- 
the in Beziehung auf die Achse der Drathrolle symmetrisch liegen, also ein 
für allemal befestigt sein. Diefs geschieht in Holzfassungen und in Messing- 
fassungen, von denen bei zwei gleichen eine der Länge nach aufgeschnitten 
und eine geschlossen war. Solcher mit Dräthen gefüllter Einsatzstücke d 
waren neun vorhanden, von 44 Dräthen bis 310, die letztern mit einer Pa- 
pierhülle, deren Dräthe durch Lack zusammengehalten waren. Alle Eisen- 
dräthe sind zur bessern Isolation gefirnifst. 

Physik.-math. Kl. 1841. S 



138 D o v e 

61. Das Endergebnifs der mit diesem Apparat angestellten sehr weit- 
läufigen Versuchsreihe war, dafs in Beziehung auf physiologische Wir- 
kung, Erwärmung des elektrischen Thermometers, Ablenkung der Gal- 
vanometernadel, Magnetisiren des weichen Eisens, chemische 
Zersetzung und Funken der massiven Cylinder überwiegt über ei- 
serne Drathbündel. Wirkt nämlich ein Drathbündel in der einen Rolle 
einem massiven Cylinder entgegen, so werden mit Vermehrung der Dräthe 
die Erschütterungen immer schwächer. Das Experimentum crucis in diesem 
Gebiete ist das, dafs zwei gleiche eiserne Drathbündel, eins in einer ge- 
schlossenen, das andre in einer der Länge nach aufgeschnittenen Röhre 
einander physiologisch vollkommen das Gleichgewicht halten, wenn der 
Schlufs der Handhaben mit trocknen Händen vollführt wird. Die sehr 
schwache Wirkung, welche man mit nassen Händen erhält, rührt davon her, 
dafs der in den Drathrollen unmittelbar durch Annähern derselben an den 
Stahlmagneten inducirte Strom einen secundären in der umschliefsenden 
Hülle erzeugt, sie findet also auch statt wenn gar keine eisernen Drathbün- 
del in den compensirten Rollen befindlich sind, und ist gar nicht zu verglei- 
chen mit den starken Unterschieden, welche bei elektromagnetisirten Drath- 
bündeln sich zeigen, die offen liegen oder in Hüllen eingeschlossen sind. 
Die durch directes Magnetisiren des Eisens inducirten Ströme unterschei- 
den sich demnach von den durch Elektromagnetisiren des Eisens erreg- 
ten dadurch, dafs jenen die charakteristischen Kennzeichen fehlen, welche 
bei diesen durch gleichzeitig im Eisen erregte elektrische Ströme erklärt wer- 
den können. 



VI. Magnetismus der sogenannten unmagnetischen Metalle. 

62. Wenn man die Naturkörper in Beziehung auf irgend ein physika- 
lisches Agens eintheilt, so findet man bald, dafs die zunächst sich darbietende 
Vorstellung eines Gegensatzes, in welchen die Körper in Beziehung auf das- 
selbe zerfallen, aufgegeben werden mufs; denn die Wirkung, welche ener- 
gisch in gewissen Körpern hervortritt, in andern vollkommen zu fehlen 
scheint, stuft sich in der Reihenfolge derselben so allmählig ab, dafs der 
Übergang unmerklich wird. So schalten sich zwischen den leuchtenden 
und dunkeln Körper die phosphorescirenden ein, zwischen den elektrischen 



über Inäuction durch elektromagnetisirtes Eisen. 139 

Leitern und Isolatoren die Halbleiter, so gehen die diathermanen in die 
atherinanen allmählig über, so die Leiter für \\ arme in die Nichtleiter der- 
selben. Nur von den magnetischen Metallen zu den unmagnetischen Metal- 
len ist dieser Übergang so plötzlich, dafs, während über den Magnetismus 
jener alle Naturforscher einig sind, die Magnetisirbarkeit der letztern eben 
so oft behauptet worden ist, als ihr widersprochen wurde. 

Das Verfahren, welches man seit Brugmans stets angewendet hat, 
um den Magnetismus andrer Substanzen als des Eisens und Nickels zu er- 
weisen, bestand entweder darin, dafs man leicht bewegliche Substanzen durch 
kräftige Magnete, oder umgekehrt leicht bewegliche Magnete durch jene 
Substanzen zu richten und zu bewegen suchte. Der doppelte Magnetismus 
von Hauy und die seit Lebaillif's Sideroskop häufig wiederholte Anwen- 
dung astatischer Doppelnadeln gehört zu der zweiten Art, während die erste 
Methode sich bei den verschiedenen Naturforschern nur in der Weise unter- 
scheidet, wie die Körper beweglich gemacht wurden, entweder nämlich durch 
Schwimmen auf Wasser und Quecksilber vermittelst Korkstückchen, oder 
durch Aufhängung an Fäden von höchst geringer Torsion. 

Der von mir eingeschlagene Weg ist hingegen ein anderer. Ich habe 
die Magnetisirbarkeit der verschiedenen Metalle durch die elektrischen Ströme 
geprüft, welche von ihnen, bei dem Verschwinden des in ihnen erregten 
Magnetismus, in einem sie spiralförmig umgebenden Leitungsdrath inducirt 
werden. In wie fern sich die auf diesem Wege erhaltenen Resultate an die 
früheren Beobachtungen andrer Naturforscher anschliefsen, wird am besten 
beurtheilt werden können, wenn die Ergebnisse derselben hier kurz ange- 
deutet werden. 

63. NachBrugmans (*) besitzt Blei, Zinn, Antimon, Gold und 
Silber keine magnetische Kraft, hingegen wird auf Wasser oder Quecksil- 
ber schwimmendes Kupfer schwach angezogen, stärker Zink, ebenso Wis- 
muth von weifser glänzender Silberfarbe, während hingegen das dunkle und 
fast violett gefärbte Wismuth von beiden Polen des Magneten zurückgestofsen 
wird. Kobalt äufsert eine sehr schwache Verwandtschaft und dem Arse- 
nik fehlt sie ganz; hingegen können im Messing Pole und ein Indifferenz- 



( ) Magnetismus seu de affinitatibus magnelicis observationes academicae 1778. 4. 

S2 



140 D o v e 

punkt hervorgebracht werden. Lehmann (*) suchte ausführlich zu zeigen, 
dafs der Magnetismus des Messings beigemengtem Eisen zuzuschreiben sei, 
während hingegen Cavallo ( 2 ) in Folge eigner Versuche zu der entgegen- 
gesetzten Ansicht gelangte. Brugmans sieht Anziehung durch den Magne- 
ten als Beweis für beigemengtes Eisen an. 

Coulomb ( 3 ) liefs Nadeln von Gold, Silber, Blei, Kupfer, 
Zinn, 7 Millimeter lang und 40 Milligramm schwer, zwischen den entgegen- 
gesetzten Polen kräftiger Magnete schwingen, und fand die zu vier Schwin- 
gungen erforderliche Zeit 22" 20^' 18" 22^' 19^' während jede derselben au- 
fserhalb des Wirkungskreises jener Stäbe 44" hrauchte, um vier Schwingun- 
gen zu vollenden. Bei der Wiederholung der Coulombschen Versuche in 
der Royal Institution erhielt Thomas Young weniger bestimmte Resultate 
als Coulomb. Coulomb selbst zeigte durch künstliche Combinationen 
von Eisenfeilen und Wachs, wie wenig Eisen erforderlich sei, um ähnliche 
Wirkungen hervorzubringen. Biot ( 4 ) meint, die Alternative, ob diese Er- 
scheinungen durch wirklichen Magnetismus der Metalle oder durch beige- 
mengtes Eisen hervorgebracht wären, sei nicht nothwendig, da sie auch Fol- 
gen einer andern Kraft sein könnten. Ähnlich drückt sich Lame ( 5 ) in Be- 
ziehung auf die Versuche von Coulomb, Becquerel und Lebaillif aus. 

Lebaillif( 6 ) bemerkte an seinem Sideroskop Anziehung durch Pla- 
tin, Eisen, Nickel und Kobalt, hingegen Repulsion durch Wismuth 
und Antimon. Saigey ( 7 ) erklärt in Folge einer weitläuftigen Versuchs- 
reihe, diese Repulsion als allgemeine Eigenschaft aller in der Luft aufge- 
hängter Körper, wahrgenommene Anziehungen hingegen durch Anwesenheit 
von Eisen. 

Ampere und de la Rive untersuchten die Wirkungen eines kräftigen 
Magneten auf eine Kupferscheibe, die in einem von einem elektrischen Strome 
durchflossenen Drathe beweglich aufgehängt war. 



(') de cupro et orichalco magnetico. Nov. Com. Petr. 12 p. 368. 

( 2 ) Treatise on magnetism 1787. p. 283. 

( 3 ) Journal de physique LIV. p. 367 und 454. 1802. 
( ) Precis clcmentaire de physique. sec. ed. II. p. 78. 

( 5 ) Cours de physique II. 149. 

( 6 ) Bulletin universel VIII. p. 87. 

O Ibid. IX. p. 95. 



über Induction durch elelüromamietisirtes Eisen. 141 



ö' 



Dieses elektromagnetisirte Kupfer soll sich, nach einer mir unvoll- 
ständig bekannt gewordenen Notiz, analog dem elektromagnetisirten Eisen 
gegen die Pole eines kräftigen Magneten verhalten haben. Hingegen fand 
Becquerel (') keinen vollständigen Parallelismus der Erscheinungen zwi- 
schen einer Kupfer- und einer Eisennadel, wenn beide in die Windungen 
eines Multiplicators gehängt wurden. Seine Versuche kommen mit denen 
von Muncke ( 2 ) überein, welcher an eisenhaltigem Messing nachwies, 
dafs es sich zwischen den gleichartigen Polen zweier Magnete mehr oder 
minder transversal stelle. Seebeck ( 3 ) hat dieselbe Eigenschaft auch von 
andern als nickelhaltigen Substanzen nachgewiesen. Bei diesen Versuchen 
zeigten folgende Metalle transversale magnetische Polarisation : 

1) Dräthe von Kupfer von l r, bis 4 Linien Dicke 

2) Platin in Form von Stangen, Blechen, und als Schwamm 

3) eine gegossene Stange von Speiskobalt, Arsenik und Nickel ent- 
haltend 

4) ein Gold streifen mit 1 Proc. Silber, Kupfer und Eisen, und ein mit 
Antimon gereinigter 

5) regulinischer Arsenik, eisenhaltig 

6) Alliagen ( 4 ) von 3 Kupfer und 1 Antimon, und 1 Kupfer und 
1 Antimon 

7) Alliagen von 5 Kupfer nnd 1 Wismuth, 1 Kupfer und 1 Wis- 
muth, 1 Kupfer und 3 Wismuth. 

Hingegen zeigten sich indifferent : 

Quecksilber, Wismuth, Antimon Schwefelantimon, Blei, 
Zinn, Zink, Cadmium, reines Silber, reiner regulinischer Arse- 
nik, eine Legirung von 4 Antimon und 1 Eisen, und eine von Ku- 
pfer und Nickel. 

Anziehung von Kupfer auf astatische Nadeln ist häufig bei der Con- 
struction von Multiplicatoren beobachtet worden. So fand vor mehreren 
Jahren Hr. Professor Nervander aus Helsingfors bei seiner Anwesenheit 

(') Annales de Chimie et de Physique XXV. p. 269. 

( 2 ) Poggendorffs Annalen VI. p.361. 

( 3 ) Abhandlungen der Berliner Akademie 1827. p. 147. 

( ) Diese Alliagen sind dieselben als die unter §. 53 angeführten. 



142 D o v e 

in Berlin unter sehr vielen geprüften Kupfersorten nur eine mir gehörige 
Stange von Japanischem Kupfer, welche auf die empfindliche Nadel seines 
Multiplicators nicht anziehend wirkte. Hingegen hat Faraday (') selbst 
Kobalt und Chrom, welche bisher für magnetisch galten, unmagnetisch 
gefunden, sobald sie von Eisen frei waren. Bei dem bedeutend schwächen- 
den Einflufs der Temperatur auf die magnetische Intensität des Eisens und 
Nickels, wäre es aber möglich, dafs bei niedriger Temperatur Metalle mag- 
netisch würden, welche es bei gewöhnlicher nicht sind. Doch zeigten selbst 
bei — 60° bis — 70° F. folgende Metalle sich, auf eine empfindliche Doppel- 
nadel geprüft, unmagnetisch: 

Arsenik, Antimon, Wismuth, Cadmium, Kobalt, Chrom, Ku- 
pfer, Gold, Blei, Quecksilber, Palladium, Silber, Zinn, Zink. 
Dennoch behauptet Pouillet ( 2 ) in der später erschienenen Auflage seiner 
Physik, 

1) dafs Kobalt stets magnetisch bleibt, auch bei hellster Rothgluth; 

2) dafs Chrom seinen Magnetismus etwas unter dunkler Rothglühhitze 
verliert; 

3) dafs Mangan bei — 20° bis — 25° C. magnetisch wird. 

Endlich hat neuerdings Hr. Poggendorff ( 3 ) das Phänomen der 
von ihm an der Saxtonschen Maschine zuerst nachgewiesenen doppelsinnigen 
Ablenkung als ein Mittel angewendet, die Magnetisirbarkeit von Metallen 
nachzuweisen, welche bisher nicht als Träger des Magnetismus bekannt wa- 
ren. Aber nur Nickel, Eisen und Stahl gaben positive Resultate, selbst 
Packfong nicht. 

64) Im vierten Abschnitt (53) haben wir gesehen, dafs die durch die 
Entladung einer elektrischen Batterie im Eisen erregte magnetische Polarität 
bei ihrem Verschwinden einen elektrischen Strom in einem Nebendrath er- 
regt, der sich stets durch Magnetisiren einer Stahlnadel nachweisen läfst. 
Die Polarität dieser Stahlnadel bleibt nämlich immer dieselbe, wenn ein 
magnetisirbares Metall in eine der vorher compensirten Spiralen des Diffe- 
rentialinductors gelegt wird, aber sie ist schwächer, wenn das magnetisirbare 

(') London and Edinb. Phil. Mag. 8. p. 177. 
( z ) tlemens de Physique 3. edit. I. p. 381. 

( 3 ) Poggendorffs Annalen 4.5. p. 371. 



über Induction durch elelrfromagnetisirtes Eisen. 143 

Metall eine massive Stange oder Scheibensäule, als wenn es ein Bündel iso- 
lirter Dräthe ist. Die Polarität dieser Nadel ist hingegen die umgekehrte, 
wenn das hineingelegte Metall ein unmagnetisches ist. In diesen Fällen wird 
sie nämlich von .einem von der leeren Spirale ausgehenden Strome bestimmt. 

Bei den elektroskopischen und physiologischen Phänomenen des vom 
elektromagnetisirten Eisen und Nickel inducirten Stromes wurde hingegen 
die auffallende Thatsache wahrgenommen, dafs der schwächer magnetische 
Nickel verstärkend wirkt, das stärker magnetische Eisen hingegen schwä- 
chend, weil in jenem schlechter leitenden Metall die verzögernden elektri- 
schen Ströme sich nicht so gut bilden können als in dem besser leitenden Ei- 
sen, d. h. in Beziehung auf elektroskopische und physiologische Prüfung ver- 
hält sich das massive Eisen wie ein unmagnetisches Metall, während es für das 
Magnetisiren der Stahlnadel noch als magnetisches wirkt. Es liegt nun die 
Vermuthung nahe, dafs die sogenannten unmagnetischen Metalle sich in 
Beziehung auf die Eigenschaft des Stromes, Stahl zu magnetisiren, so verhal- 
ten, wie Eisen für die elektroskopischen und phvsiologischen Eigenschaften 
desselben, d. h., dafs sie unmagnetisch scheinen, weil die mit dem Mag- 
netisiren gleichzeitig erregten elektrischen Ströme die Wirkung der magneti- 
schen Polarität verdecken, dafs sie es aber in der That nicht sind. Es 
kommt also, um die letztere hervortreten zu lassen, nur darauf an, die Bil- 
dung der elektrischen Ströme zu verhindern, d.h. sie ebenfalls in Dräthe 
aufzulösen und dann die Richtung des inducirten Stromes durch Magnetisi- 
ren einer Stahlnadel zu prüfen. Geht der Strom von der mit dem Drath- 
bündel gefüllten Spirale aus, so ist das Metall ein magnetisches, geht er hin- 
gegen von der leeren aus, ein unmagnetisches. 

65. Zu vorläufigen Versuchen wurde Messing gewählt. In Form 
eines Cylinders schwächte es den Strom seiner Spirale, denn der resultirende 
Strom ging von der leeren aus; bei einer bestimmten Dicke der hineingeleg- 
ten Messingdräthe blieb das Stromgleichgewicht bestehen; bei Anwendung 
dünner, gut gefirnifster Messingdräthe ging hingegen der Strom von der vol- 
len Spirale aus. In dieser Form wurde also das vorher unmagnetische Mes- 
sing magnetisch. 

Diese Versuche wurden nun auf Antimon, Blei, Wismuth, Zinn, 
Zink und Quecksilber ausgedehnt. Die Isolation bei dem Quecksilber 
war dadurch hervorgebracht, dafs es in oben und unten versiegelte Glasröh- 



144 D o v e 

ren eingeschlossen war, die Dräthe der übrigen Metalle waren mit Schellack 
überzogen. 

Das Kupfer war nach der Analyse von Hrn. Heinrich Rose eisen- 
frei, das Blei enthielt hingegen eine sehr schwache Spur von Eisen; Zinn, 
Antimon und Wismuth hingegen mehr, das Zink war nach den Untersu- 
chungen des Hrn. Dr. Marchand chemisch rein. Die Versuche werde ich 
mit einigen Metallen, die ich seitdem rein erhalten habe, wiederholen. 

Die Dicke der Dräthe war folgende: Kupfer 0"75, Zinn 1710, 
Blei 0".'80, Zink 0'."60, Messing 0'."75, Antimon 2'."S0, Wismuth 2':'80, 
das Quecksilber war in gewöhnlichen Thermometerröhren eingeschlossen. 

Bei den Versuchen wurde stets ein und dieselbe Art starker Nähna- 
deln (sogenannte Stopfnadeln) angewendet, und die elektrische Batterie 
durch eine selbstentladende Flasche auf gleiche Ladung gebracht. Zeigte 
sich die Compensation der leeren Spiralen nicht vollständig, so konnte sie 
entweder durch ein geringes Verschieben der innern in der äufsern erhalten 
werden, oder sie wurde durch Hineinlegen von Messingdräthen vorher er- 
mittelt. 

Das Ergebnifs der Versuche war bei Kupfer ein sehr merklicher Mag- 
netismus, eben so entschieden bei Zinn, Quecksilber, Antimon und 
Wismuth, schwächer bei Zink und sehr unbedeutend bei Blei. 

Eine Röhre von Messing schwächt die Wirkung ihrer Spirale, wirkt 
also unmagnetisch. Eine Röhre von Neusilber, und ebenso gezogene 
Röhren von Zinn und von Blei wirkten hingegen stark magnetisch, und 
zwar stärker als Drathbündel von Zinn und Blei. Es ist daher wahrschein- 
lich, dafs bei dem Ziehen dieser weichen Metalle zu Röhren sie sich mit 
einer dünnen Eisenschichl bedecken. 

Das positive Resultat für Quecksilber ist deswegen wichtig, weil 
hier ein etwaiges Anhaften von Eisen durch das Ziehen nicht stattfindet. 
Auch sind früher (53) Legirungen von Eisen aufgeführt, welche in Form 
von Stangen sich, in derselben Weise geprüft, unmagnetisch verhalten, die 
Beimengung des Eisens, als solche, kann also das Resultat nicht bestimmen. 

Übrigens ist der Magnetismus dieser Metalle, mit dem des Eisens ver- 
glichen, stets so schwach, dafs ein einziger Eisendrath gleicher Dicke, ein 
ganzes Bündel des andern Metalls in seiner magnetisirenden Wirkung über- 



über Induction durch elektromagnetisirtes Eisen. 145 

trifft. Eine wirkliche Reihenfolge der Metalle unter einander zu bestim- 
men, möchte aber zu früh sein. 

VII. Einflufs der Anwesenheit des Eisens bei inducirten Strömen 

höherer Ordnungen. 

Ein von dem Schliefsungsdrathe einer galvanischen Kette oder einer 
elektrischen Batterie inducirter Strom kann, wie Henry ( J ) neuerdings ge- 
zeigt hat, wiederum als ein primärer angewendet werden, und so einen zwei- 
ten Strom induciren, dieser einen dritten und so fort. Hr. Henry hat sich 
bei der Untersuchung dieser Ströme flacher Bandspiralen (coils) bedient, alle 
seine Untersuchungen sind daher nur elektrodynamisch. Die Frage, ob das 
Verstärkungsprincip durch Drathbündel auf diese Ströme eine Anwen- 
dung finde, schien mir aus einem doppelten Grunde der Beantwortung werth, 
aus einem praktischen, weil man dadurch in Stand gesetzt wird, diese Ströme 
zu untersuchen, auch wenn dem Experimentator nicht solche Massen von 
Kupferdrath und Kupferstreifen zu Gebote stehen, als die mit denen Hr. 
Henry experimentirt hat, und einem theoretischen, da es wichtig ist zu wis- 
sen, ob zwischen den inducirten Strömen höherer Ordnungen sich dieselben 
Unterschiede zeigen, welche bei den inducirten Strömen der ersten Ordnung 
bemerkt wurden, wenn der primäre Strom nämlich entweder der einer gal- 
vanischen Kette, oder der einer elektrischen Batterie ist. 

1. Ströme höherer Ordnungen, wenn der erste inducirte ein 
elektrodynamisch inducirter ist. 

66. Der erste inducirte Strom, welcher Ströme höherer Ordnungen 
hervorruft, kann entweder elektrodynamisch inducirt werden, oder ein 
magnetoelektrischer sein, und beide Erregungsarten gestatten wiederum 
mehrere Modificationen. Elektrodynamische Induction tritt nämlich be- 
kanntlich auf eine doppelte Weise ein, entweder dadurch, dafs einem dau- 
ernden Strome (also z. B. dem Schliefsungsdrathe einer galvanischen oder 
einer Thermokette) ein geschlossener Drath sich nähert oder sich von ihm 
entfernt, oder zweitens dadurch, dafs in dem einen von zwei gleich ent- 

(') Transact. of (he American Phil. Society. Vol. VI. p. 17. 

Physik.-math. lü. 1841. T 



146 D o v e 

fernt bleibenden parallelen Dräthen ein elektrischer Strom erregt wird oder 
aufhört. Für die erste Art der Induction kann man sich des folgenden 
Apparates bedienen. Denkt man sich zwei kreisförmige Ströme so einander 
durchschneidend, wie zwei gröfste Kreise einer Kugel, so werden sie ein- 
ander in eine Ebene zu drehen suchen, nach dem Ampereschen Satz, 
dafs zwei einander schneidende Ströme einander anziehen, wenn beide von 
der Winkelspitze abfliefsen oder beide ihr zuströmen, hingegen einander ab- 
stofsen, wenn einer ihr zuströmt, der andere von ihr abiliefst. Ist nun einer 
dieser Kreise ein fester Drathring, in dessen Windungen der Strom einer 
galvanischen Kette circulirt, der andre ein um diesen drehbarer geschlossener 
Drathring von etwas gröfserem Durchmesser, so sieht man leicht, dafs bei 
jeder ganzen Umdrehung dieses Ringes um den ersten in demselben zwei al- 
ternirende Ströme gleicher Intensität inducirt werden. Dieser Ring auf die 
Achse einer Saxtonschen Maschine gesetzt, giebt einen entsprechenden In- 
ductionsapparat, welcher aber durchaus elektrodynamischer Natur ist (*). 
In Ermangelung eines solchen Apparates habe ich nur die zweite Art elek- 
trodynamischer Induction angewendet, bei welcher ein beginnender oder 
aufhörender Strom auf einen ruhenden Nebendrath wirkt. 

Ein Grovesches Platinzinkelement wurde durch eine Spirale A von 
dickem Kupferdrath geschlossen. Eine zweite Spirale B von dünnem Ku- 
pferdrath von 400' Länge umgab jene erste Spirale, und war selbst mit einer 
dritten Spirale C von 400' Länge und derselben Drathdicke verbunden. 
Dieser dritten Spirale C war eine vierte D isolirt aufgeschoben von 400' 
Länge, welche durch Handhaben oder ein andres Prüfungsmittel des Stro- 
mes geschlossen wurde. Der in dem Schliefsungsdrath A circulirende gal- 
vanische Strom inducirte also zunächst einen secundären Strom in B, wel- 
cher in C fliefsend, einen Strom dritter Ordnung in D hervorruft. Es wur- 
den nun die Veränderungen untersucht, welche in dem Strom dritter Ord- 
nung sich zeigen, wenn in die Spirale C massive Eisencylinder oder 
eiserne Drathbündel in geschlossenen oder aufgeschnittenen Röh- 



(') Statt des hier beschriebenen Apparates kann man sich auch eines von Hrn. Henry 
vorgeschlagenen bedienen, bei welchem der leere Anker der Saxtonschen Maschine statt vor 
einem Magneten, vor zwei gleichen von einem galvanischen Strome durchflossenen Drath- 
rollen rotirt. 



über Induction durch clektromagnetisirtes Eisen. 147 



Ö' 



ren gelegt werden. Auf ähnliche Weise wurde verfahren, wenn der primäre 
Strom der einer sich entladenden elektrischen Batterie war. Eine in 
Harz eingelassene flache Kupferspirale A t von lli Zoll Durchmesser, beste- 
hend aus 31 Windungen eines 53 1 , Fufs langen, ^ Linien dicken Kupferdra- 
thes bildeten auf einem isolirenden Glasfufs einen Theil des Schliefsungsbo- 
gens der Batterie. Ihr gegenüber, nur durch eine Glasplatte oder eine Glim- 
merplatte getrennt, befand sich eine zweite flache Spirale, deren Windungen 
der ersten genau parallel waren und vermittelst eines Schlittens ihr beliebig 
genähert werden konnte. Diese Spirale B, war mit den beiden innern cy- 
lindrischen Spiralen des Differentialinductors ab und cd für Reibungselek- 
tricität (Fig. 3) verbunden, welche bei der Entladung der Batterie in den 
äufsern gleichartig verbundenen Spiralen aß und y& einen Strom dritter Ord- 
nung inducirten, dessen physiologische Wirkungen geprüft wurden, wenn 
ab und cd leer waren, oder Eisen enthielten. Endlich wurde der Fall un- 
tersucht, wo der primäre Strom der einer Saxtonschen Maschine war. 
Die Drathrollen derselben (Fig. 7) wurden mit einer Spirale A„ von 400' 
Länge verbunden, welche inducirend auf eine ihr aufgeschobene Drathrolle 
B„ von 400' Länge wirkte. Diese erste äufsere Spirale B„ war mit einer 
zweiten innern C„ und mit A„ vollkommen übereinstimmenden von 400' 
Länge verbunden, welche inducirend auf eine zweite äufsere D„ wirkte, die 
mit B„ vollkommen übereinstimmt. Der Strom dieser Spirale D„ wurde ge- 
prüft, wenn C„ Eisen enthielt oder leer war. 

Das Ergebnifs dieser Versuche war, dafs diese zweiten inducirten 
Ströme, oder wie Henry sie nennt, die Ströme dritter Ordnung sich 
verhalten wie die Ströme zweiter Ordnung, welche sie selbst 
hervorrufen, d.h. die Ströme, deren primärer Strom durch Maschin en- 
elektricität hervorgebracht war, wurden durch massives Eisen ge- 
schwächt, durch eiserne Drathbündel hingegen verstärkt, während 
die galvanisch inducirten durch beide verstärkt wurden, aber durch 
Drathbündel mehr als durch eiserne Stangen. Dasselbe gilt von den 
Strömen dritter Ordnung der Saxtonschen Maschine. 

2 Ströme höherer Ordnungen, wenn der erste inducirte ein 
magnetoelektrischer ist. 
67. Befindet sich in der Schliefsungsspirale A der galvanischen 
Kette oder der Kleistischen Flasche bereits Eisen, so ist der erste in- 

T2 



148 D o v e 

ducirte Strom nicht blofs ein elektrodynamisch hervorgerufener, sondern 
gröfstentheils erregt durch den verschwindenden Magnetismus des elektro- 
magnetisirten Eisens. Will man den magnetoelektrischen Antheil desselben 
allein als primären Strom für die Ströme höherer Ordnungen anwenden, so 
mufs man die galvanische Kette oder elektrische Batterie durch einen Diffe- 
rentialinductor schliefsen und nur in eine der Spiralen desselben Eisen hin- 
einlegen. Der durch dasselbe inducirte Strom wirkt nun inducirend auf die 
folgende Spirale. Combinirt man hingegen die elektrodynamische und mag- 
netoelektrische Induction, so können Ströme höherer Ordnungen als ohne 
diese Combination untersucht werden. 

Für Maschinenelektricität wurde folgende Anordnung getroffen. 
Die Batterie wurde durch die eine innere Spirale ab des Differentialinduc- 
tors (Fig. 3) entladen. Die ihr aufgeschobene Spirale aß wurde mit der 
zweiten innern cd verbunden, endlich die ihr aufgeschobene y<§ mit der fla- 
chen (66) beschriebenen Spirale A it und an der ihr parallelen Spirale B t 
die Erschütterungen geprüft, wenn in ab und cd massive Eisenstangen oder 
Drathbündel sich befanden. Man erhält dann : 
in ab den primären Strom, 
in aß und cd den Strom zweiter Ordnung, 
in 7^ und A l den Strom dritter Ordnung, 
in B t den Strom vierter Ordnung. 
Die Ströme fünfter Ordnung, erzeugt durch kleinere flache Spiralen 
C t D t konnten nicht mehr physiologisch nachgewiesen werden. Diefs ge- 
lang hingegen sehr leicht 

Bei der Saxtonschen Maschine, oder wenn der primäre Strom der 
einer galvanischen Kette war, denn obgleieh die inneren Spiralen für 
höhere Ordnungen oft nur zwei Drathlagen über einander hatten, so waren 
sie doch an frisch präparirten Fröschen sehr kräftig und auch mit nassen 
Händen deutlich fühlbar. Da jede höhere Ordnung zwei neue Spiralen er- 
fordert, so mufsten zu diesen Versuchen Spiralen angewendet werden, wel- 
che, ursprünglich zu andern Zwecken bestimmt, oft für den vorliegenden 
Zweck ungünstig gewickelt waren, indem der Abstand zwischen der innern 
und äufsern Spirale oft sehr bedeutend ausfiel. 

Die verstärkende Wirkung eingeführter eiserner Drathbündel 
tritt hier mit der gröfsten Energie hervor, denn es werden durch dieselben 



über Induction durch eleldromagnetisirtes Eisen. 149 



o 



Ströme äufserst fühlbar, wo bei elektrodynamischer Induction keine Spur 
von Wirkung sich zeigt. Der schwächende Einflufs einschliefs ender 
Röhren oder geschlossener Umhüllungsspiralen ist daher hier aus- 
nehmend merklich. Die Nadel des Galvanometers zuckte bei höheren Ord- 
nungen galvanischer Induction und bei der Saxtonschen Maschine zuletzt wie 
von dem allerkürzesten Stofse getrieben und wurde von den Strömen fünf- 
ter Ordnung bei deutlich physiologischer Wirkung nicht mehr afficirt. 
Wahrscheinlich nähern sich diese inducirten Ströme höherer Ordnungen 
immer mehr den momentanen Entladungen der Reibungselektricität. Es ge- 
lang aber nicht, diefs empirisch nachzuweisen, d.h. eine Schwächung der 
physiologischen Wirkung einer Spirale durch Einführung von massivem Ei- 
sen zu erhalten, welches vielleicht mit einer gröfsern Anzahl besonders zu 
diesem Zwecke gewickelter Spiralen zu erreichen wäre, wo höhere Ordnun- 
gen untersucht werden können. Gewifs ist, dafs, so wie die von elektro- 
magnetisirten Drathbündeln inducirten Ströme nach den an ihnen nachge- 
wiesenen Eigenschaften überhaupt die weite Kluft zwischen andauernden 
galvanischen Strömen und den momentanen der Reibungselektricität durch 
eine Menge Zwischenstufen ausfüllen, vermittelst der secundären Ströme hö- 
herer Ordnungen wahrscheinlich die zwischen jenen Endgliedern bleibende 
Lücke noch weiter ergänzt werden könnte. 

Haben die in dieser Abhandlung bisher dargelegten Untersuchungen 
den Einflufs kennen gelehrt, welchen für verschiedene primäre Ströme die 
Anwesenheit massiven Eisens und isolirter Drathbündel auf inducirte Ströme 
äufsert, sie mögen nun als Nebenströme in getrennten Dräthen entwickelt 
werden, oder in der Form des sogenannten Extracurrent in den eignen Win- 
dungen des Schliefsuugsdrathes bei Unterbrechung der Elektricitätscruelle 
entstehen, so bleibt noch zu untersuchen, welchen Einflufs dieses Eisen äu- 
fsert bei dem Anfangsgegenstrome, welchen ein beginnender primärer 
in seinen eigenen Windungen hervorruft. Da aber von den physiologischen 
Wirkungen dieses Stromes überhaupt nichts bekannt ist, so mufste zunächst 
auf Mittel gedacht werden, ihn in einer Weise darzustellen, welche die An- 
wendung beliebiger rheometrischer Mittel gestattet. Der folgende Abschnitt 
enthält die sich hierauf beziehenden Untersuchungen. 



150 D o v e 

VIII. Gegenstrom zu Anfang und zu Ende eines primären und 
seine Modifikationen durch Anwesenheit von Eisen. 

Da ein elektrischer Strom, dessen Intensität zunimmt, in jedem 
Augenblicke als aus zwei Theilen bestehend gedacht werden kann, einem 
unverändert Weihenden Antheil und einem dazu neu hinzukommenden, in 
einem Strome, dessen Intensität abnimmt, in gleicher Weise der verschwin- 
dende Antheil gesondert werden kann von dem unverändert bleibenden, so 
wird das Inductionsgesetz, dafs ein primärer Strom bei seinem Beginn 
einen entgegengesetzt fliefsenden inducirt, bei seinem Aufhören einen ihm 
gleich gerichteten, dafs derselbe während seiner Dauer hingegen gar keinen 
Strom inducirt, allgemeiner so ausgedrückt werden können: ein primärer 
Strom inducirt, so lange sich seine Intensität steigert, einen entgegengesetzt ge- 
richteten, so lange sie abnimmt, einen gleich gerichteten secundären Strom. 
Nennt man nun Neben ström einen von einem primären Strome in einem ihm 
parallelen, aber von ihm getrennten Drathe inducirten Strom, Gegenstrom 
(Extracurrent) hingegen den in einem spiralförmigen Schliefsungsdrathe mit 
oder ohne Eisenkern durch Wirkung jeder einzelnen Windung auf die zu- 
nächstliegenden hervortretenden secundären, sieht man also diesen Gegen- 
strom als einen speciellen Fall dieses Nebenstromes an, bei welchem näm- 
lich ein und derselbe Drath den Weg abgiebt für den primären Strom und 
den inducirten, so werden die für den Nebenstrom gefundenen Erscheinun- 
gen auch in Beziehung auf den Gegenstrom als wahrscheinlich verausgesetzt 
werden können. Nun ist aber der bei dem Offnen einer geschlossenen gal- 
vanischen Kette erscheinende Funke stärker, wenn die Kette durch einen 
langen spiralförmigen Drath geschlossen ist, als durch einen kurzen gerade 
ausgestreckten, auch treten, besonders wenn dieser spiralförmige Drath Ei- 
sen umgiebt, kräftige physiologische Wirkungen hervor, welche bei kürzeren 
geraden Schliefsungsdräthen nicht bemerkt werden. Farad ay, welcher aus 
diesen Erscheinungen auf die Existenz des Gegenstromes schliefst, vermu- 
thet daher (§. 1104) dafs entsprechende Effecte durch eine Spirale und einen 
Elektromagneten jedesmal entstehen, wenn der Elektromotor geschlossen 
wird. Diese Effecte müssen im ersten Moment einen Widerstand erzeu- 
gen, also etwas dem Schlage und Funken entgegengesetztes bewirken. Es 



über Induction durch eleldromagnetisirtes Eisen. 151 



o 



sei aber schwer, Mittel anzugeben für die Nachweisung solcher negativer 
Effecte. Faraday sucht sie daher durch positive nachzuweisen, welche 
gleichzeitig in einer Nebenschliefsung entstehen. Da nun bei späteren Ver- 
suchen in diesem Gebiete die eigentliche experimentelle Schwierigkeil, näm- 
lich zu verhindern, dafs der bei dem Offnen entstehende Gegenstrom sich 
bilde, nicht beseitigt ist, da aufserdem keine der Steigerung der Funken und 
physiologischen Wirkung des Extracurrent am Ende entsprechende Schwä- 
chung für den zu Anfang supponirten Gegenstrom nachgewiesen ist, so wer- 
den die folgenden Untersuchungen als eine Ergänzung dieser Lücke angese- 
hen werden können, in so fern durch sie das Verlangte in so augenfälliger 
Weise geleistet wird, dafs diese Versuche unmittelbar in den Kreis gewöhn- 
licher experimenteller Darstellungen eintreten können. 

68. Der primäre Strom wurde durch eine Saxtonsche von Hrn. Oert- 
ling construirte und in Fig. 7 abgebildete Maschine hervorgebracht, bei wel- 
cher die Unterbrechung durch Messingfedern geschieht, welche auf zwei, 
mit hölzernen Einsatzstücken versehenen eisernen Walzen schleifen. Die 
erste dieser Walzen w t ist isolirt auf die Achse AB des Ankers aufgesetzt, 
und nimmt das eine Drathende n der Umwickelung des Ankers auf, die 
zweite w 2 ist unmittelbar auf dieser Achse befestigt, und dadurch mit dem 
andern Ende p der Umwickelung in leitender Verbindung. Die an der Seite 
der Walze w t , w 2 und w 4 befindlichen Holzeinsätze nehmen die Hälfte des 
Umfanges dieser Walze ein, der auf der Walze w 2 in der Mitte derselben bei 
a sichtbare Holzeinsatz ist hingegen nur ir des Umfanges, da diametral ge- 
genüber ein ganz entsprechender nochmals vorhanden ist, um alternirende 
Ströme gleicher Intensität hervorzubringen. Eine der Federn 1) oder 5) 
schleift continuirlich auf der ersten Walze, ebenso wie 9) auf der zweiten, 
die dritte 3) entweder ebenfalls ununterbrochen oder gelangt einmal ( ! ) im 
Azimuth 90° (d.h. bei senkrechter Stellung des Ankers lothrecht auf die 
Verbindungslinie der Pole des Magneten) oder zweimal im Azimuth 90° und 
270° auf den isolirenden Holzeinsatz. Im ersten Falle (welcher nur bei gal- 
vanometrischen Prüfungen und chemischen Zersetzuugen eintritt) wird der 
stets metallisch geschlossene Drath der Umwickelung des Ankers von alter- 



(') sie wird dann etwas schief eingesteckt, so dafs sie den nach dem Magnete hin lie- 
genden Holzeinsatz am Rande berührt. 



152 D o v e 

nirenden Strömen durchlaufen, die im Azimuth 0° und 180° in einander 
übergehen und wegen der symmetrischen Vertheilung des Ganzen im Azi- 
muth 90° und 270° ohngefähr ( J ) ihr Maximum haben werden. Geschieht 
die Unterbrechung der intermittirenden Feder einmal bei 90,° so erhält die 
nun allein den Zusammenhang in den Handhaben I und II vermittelst des 
Körpers oder eines andern Prüfungsmittels des Stromes herstellende Neben- 
schliefsung den positiven Strom in voller Intensität, geschieht sie zweimal 
während jeder ganzen Umdrehung des Ankers, hingegen zwei entgegenge- 
setzt fliefsende Ströme in alternirender Folge, ist ein Voltameter eingeschal- 
tet, daher Knallluft an beiden Elektroden. Dieses Alterniren kann aufgeho- 
ben werden durch zwei in Form eines Y gespaltene Federn yy, welche mit 
ihren beiden Armen gleichzeitig auf beide Walzen fassen, auf der einen Holz 
berühren, wenn sie auf der andern Metall berühren, und nach dem Princip 
des Commutators die alternirenden Ströme in gleichgerichtete verwan- 
deln. Die Berührungsstellen der einen Feder liegen denen der andern dia- 
metral gegenüber, die eine y vom höheren Ständer 10) ausgehend, schleift 
auf der unteren Fläche der beiden Walzen, die andere y von 2) ausgehend 
auf der oberen. Diese Vorrichtung giebt bei chemischer Zersetzung die 
Gase getrennt und zwar in doppelter Quantität als bei der gewöhnlichen 
Einrichtung, bei welcher der entgegengesetzte Strom nicht umgekehrt, son- 
dern durch Unterbrechung des Schlusses aufgehoben wird. 

Die verschiedenen Combinationen der Federn sind demnach folgende. 
Bei gewöhnlichen Versuchen ohne Einschaltung einer Spirale zur Hervor- 
bringung des Extracurrent schleift 9) und 3) auf der Walze w 2 , wie es in 
Figur 7 angegeben ist; auf der Walze w t hingegen statt der von 5) ausgehen- 
den Feder eine von der Drathklemme 1) ausgehende und zwar 1) und 9) 
continuirlich, hingegen 3) intermittirend. Man erhält dann alternirende 
Ströme, hingegen, so wie die bisherige Nebenschliefsung eine Hauptschlie- 
fsung geworden ist, gleichgerichtete, wenn sie schief geneigt, an dem einmal 
unterbrochenen Rande schleift. Das Galvanometer, Voltameter, die Vor- 
richtungen für Glühen des Platins und der Kohle, so wie der menschliche 
Körper werden zwischen 4) und 8) eingeschaltet. Für gleichgerichtete 



(') bei schneller Drehung noch etwas darüber hinaus, dann sind nämlich sowohl die Fun- 
ken als auch die Erschütterungen am lebhaftesten. 



über Inüuclion durch dcl<troma"ncüsirtes Eisen. 153 



b" 



ununterbrochene Ströme wurrlen yr allein angewendet. Die Anordnung 
bei eingeschaltener Spirale ist für alternirende Ströme in der Figur 7 darge- 
stellt. Will man die Funken des Nebenstromes nicht untersuchen, so fallen 
die Federn 13) und 14) weg. Für gleichgerichtete Ströme sind dann die 
Federn yy allein eingeklemmt, die strommessenden Vorrichtungen aber 
zwischen I und III, nicht zwischen I und II eingeschaltet. Soll der Strom 
während einer Umdrehung des Ankers vielfach unterbrochen werden, so 
schleift die Feder 3) auf der 'Walze tv 3 . 

Das Gewicht des umsponnenen Drathes ist 1220 Grammen, die Dicke 
des unbewickelten etwa %'" seine Länge 880'. Die Höhe der cylindrischenDrath- 
rollen beträgt i\ Zoll, ihr Durchmesser im Lichten 11"' der der äufsern Um- 
wickelung 2 1 ,". Die eiserne Bodenplatte des Ankers ist 5" lang, 2" breit und 
V dick. Jede der vier Walzen w hat einen Durchmesser von 16" der aus 
vier Lamellen bestehende Magnet ist 10" lang, die Höhe der vier Lamellen 
beträgt zusammen 22'". Der innere Abstand der Pole ist 1," der äufsere 4 3 4 ". 
Die, um das Scheuern der sich kreuzenden Schnur zu vermeiden, etwas vor- 
geneigte Drehscheibe befindet sich auf der Seite, und kann aus der Boden- 
platte der Maschine herausgezogen werden, wodurch die Schnur beliebig ge- 
spannt wird. Bei jeder Umdrehung der Scheibe macht der Anker 8^ Um- 
läufe. Der Ständer 8 bis 1 l der linken Seite ist 5" hoch, die Ständer auf der 
rechten Seite hingegen nur 2" hoch, wodurch die Seitenansicht des Apparates 
übersichtlicher wird. Die Entfernung des rotirenden Ankers von dem Mag- 
net wird durch die Schrauben, zwischen welchen die Achse läuft, regulirt. 

Die beiden die Schenkel des Ankers umgebenden Drathrollen können 
auf doppelte Weise verbunden werden, entweder so, dafs die eine die Fort- 
setzung der andern bildet, oder so, dafs beide mit ihren Anfängen und mit 
ihren Enden verbunden sind, wo sie eine sogenannte Parallelschliefsung von 
410' Länge darstellen. Welche Veränderungen bei einer gegebenen Drath- 
umwickelung in der Intensität des resultirenden Stromes dadurch hervorge- 
bracht werden, hat neuerdings Hr. Lenz (') näher nachgewiesen. Ist näm- 
lich L der Leitungswiderstand der einen Drathrolle, A der Leitungswider- 
stand der eingeschalteten strommessenden Vorrichtung, so werden bei der 
Parallelschliefsung dem in der Drathrolle inducirten Strome bei seinem Aus- 

(') Bulletin scientißque de l'Acade'mie de St. Pe'lersbourg. IX. p. 78. 

Phjsik-math. Kl 1841. U 



154 D o v e 

tritt aus derselben zwei Wege dargeboten, die strommessende Vorrichtung 
nämlich und die andre Drathrolle, zwischen welchen er sich im umgekehr- 
ten Verhältnifs ihres Leitungswiderstandes theilt. Bezeichnet daher A die 
elektromotorische Kraft einer Drathrolle, so wird bei der Parallelschliefsung 
durch die strommessende Vorrichtung ein Strom von der Intensität — 2 / . , 
bei der successiven Verbindung hingegen ein Strom von der Intensität 

iA 



j- hindurchgehen. Bietet demnach die strommessende Vorrichtung 
einen eben so grofsen Leitungswiderstand dar als eine der elektromotorischen 
Drathrollen, d.h. ist A = L, so ist die parallele Verbindung eben so vortheilhaft 
als die successive, in diesem Falle also eine Vorrichtung, beide Verbindungen 
herzustellen, unnöthig. Da man aber an derselben Maschine Versuche 
mit verschiedenen strommessenden Vorrichtungen anstellen will, und man 
für jede derselben nicht einen besonders umwickelten Anker haben wird, so 
ist es vortheilhaft, für grofsen Leitungswiderstand darbietende Strommesser 
die zweite Combination zu wählen, für geringeren Widerstand darbietende, 
die erste. Da nun unter den angewendeten Strommessern der menschliche 
Körper den gröfsten Widerstand darbietet, so wird zum Behufe physiolo- 
gischer Versuche die successive Verbindung der parallelen vorzuziehen 
sein, bei dem Glühen eines Platindrathes und von Kohlenspitzen, bei den Fun- 
ken, welche die Unterbrechung einer kurzen Schliefsung begleiten, bei dem 
Magnetisiren von weichem Eisen, welches in einer Schliefsungsspirale ent- 
halten ist, hingegen die parallele Verbindung vorteilhafter werden. Welche 
Combination bei der chemischen Zersetzung zu wählen sei, wird für eine 
gegebene Drathdicke von dem Abstände der Elektroden des Voltameters von 
einander und von dem Leitungswiderstande der zu zersetzenden Flüssigkeit 
abhängen. Die parallele Combination der Drathrollen kann daher mit dem- 
selben Bechte physikalisch genannt werden, mit welchem die successive 
physiologisch genannt wird. Die Vorrichtung, welche die beiden Ver- 
bindungen durch Drehung eines Zeigers vermittelt und welche Pachytrop 
heifsen mag, ist in Figur 7) auf der viereckigen auf den Anker aufgeschraub- 
ten Holzplatte weggelassen, um die Zeichnung nicht zu verwirren, dafür aber 
in dem folgenden Holzschnitt besonders dargestellt, und zwar in der ersten 
Stellung des drehbaren Zeigers auf der rechten Seite für die successive Ver- 
bindung, d.h. für physiologische Wirkung, in der zweiten für parallele Ver- 
bindung, d.h. für physikalische Wirkungen. 



über Induction durch cleldromagnctisirles Eisen. 



155 





Die durch einen diametralen Schnitt in zwei gleiche Hälften getheilte 
Kupferscheibe kann, da diese getrennten Hälften auf einer Holzunterlage 
festsitzen, vermittelst des Zeigers unter den vier Kupferplättchen gedreht 
werden, so dafs sich der Zeiger abwechselud an das links, oder an das rechts 
befindliche obere Plättchen anlegt. a,b sind die Enden der einen Drathrolle, 
a, ß die der andern, p ist ein Yerbindungsdrath an dem Plättchen, unter 
welchem b eingeklemmt ist, nach der Achse des Ankers und vermittelst der- 
selben zur Walze w„ (Fig. 7), n ein von dem Plätteben links unten aus- 
gehender Verbindungsdrath nach der Walze w t , an welcher das Ende a un- 
mittelbar befestigt ist. Das ausgeschnittene Stück ist durch Elfenbein er- 
gänzt. Bei der Stellung des Zeigers rechts in der ersten Figur kommt die- 
ses Elfenbeinplättchen grade unter das Kupferplättchen zu stehen, unter wel- 
chem der Verbindungsdrath n eingeklemmt ist, folglich ist nur der Anfang a 
der rechten Drathrolle mit der Walze w t verbunden, das Ende ß vermittelst 
der rechten Hälfte der Kupferscheibe mit dem Anfang a der zweiten Spirale, 
deren Ende b durch p mit der zweiten Walze w 2 in leitende Verbindung tritt. 
Diese Verbindung ist also nußabp, d.h. beide Drathrollen sind hintereinan- 
der verbunden. In der zweiten Figur hingegen ist a durch die sich ohne 
Berührung kreuzenden Dräthe vermittelst der linken Hälfte der Kupfer- 
scheibe mit a verbunden, ß durch die rechte Hälfte derselben mit b, die 
Verbindung ist also "{lß}p; die Ströme beider Rollen sind also sowohl bei 
ihrem Eintritt in dieselben, als bei ihrem Austritt aus denselben mit einander 
vereinigt. 

69. Denkt man sich in Figur 7 den Pachytrop auf der Bodenplatte des 
Ankers befestigt, die Walzen w 3 und w k hinweg genommen, eben so die 
Ständer E, F, G, nebst den von ihnen ausgehenden Federn und die Extra- 
spirale nicht vorhanden, so erhält man die Saxtonsche Maschine in der we- 
ll 2 



156 D o v e 

sentlich verbesserten Construction, welche Hr. Oertling ihr bereits gege- 
ben hat. Zum Behufe der folgenden Versuche habe ich die eben genannten 
Stücke hinzugefügt. In dieser Form kann dann der Apparat als ein zur De- 
monstration der Wirkungen des Extracurrent zu Anfang und zu Ende eines 
primären Stromes sehr bequemer empfohlen werden. Der Ständer E hat 
den Zweck, die Spirale zur Hervorbringung des Extracurrent einzuschalten. 
Die Walze w t wird durch die nach 5) gehende Feder vermittelst des in 6) 
eingeklemmten Drathes >S mit der Spirale verbunden. Die Verbindung geht 
dann weiter durch 1) und 3) vermittelst der intermittirenden Feder nach der 
Walze w„. Die beiden andern Ständer F und G so wie die Walze w k haben 
nur den Zweck, den Funken des Nebenstromes nachzuweisen und werden 
erst unter §. 83 zur Sprache kommen. Die nach Art eines Blitzrades oder 
Mutators construirte Walze w 3 hat 18 Unterbrechungen für die intermitti- 
rende Feder 3). Sie dient dazu, das Steigen und Fallen der physiologischen 
Wirkung während einer ganzen Umdrehung des Ankers fühlbar zu machen. 
Die Walzen w t und h\ sind isolirt auf die gemeinsame Drehungsachse auf- 
gesetzt, die Walzen w 2 und w 3 hingegen unmittelbar, also in leitender Ver- 
bindung mit derselben. Die Spirale SS, welche Extraspirale heifsen mag, 
bestand, wenn es nicht anders ausdrücklich angegeben wird, aus zwei Rollen 
gut gefirnifsten umsponnenen Kupferdrathes von 400' Drathlänge jede, von 
welchen in der Zeichnung Figur 7) nur eine abgebildet ist. Die Dicke des 
Drathes ist ^ Linie, die Stärke der Rollen im Lichten 2" bis 4^" Länge. 
Diese beiden Spiralen können gleichartig und kreuzweise verbunden werden. 
Da diefs bekanntlich auf die Erscheinungen des Extracurrent keinen Einflufs 
hat, so erhält man durch diese Einrichtung ein einfaches Prüfungsmittel, ob 
man es mit diesem zu thun habe oder nicht. In die drei Ständer sind Dräthe 
I, II, III eingeschraubt, von denen je zwei durch den Körper vermittelst 
Handhaben (*), oder durch ein Voltameter, Galvanometer, wie bereits an- 



(') Die bei den gewöhnlichen Saxtonschen Maschinen zur Befestigung der Handhaben 
angewendeten mit Metall durchflochtenen sogenannten Goldschnüre sind, wenn es sich um 
Bestimmung der Intensität der physiologischen Wirkung handelt, durchaus zu verwerfen. 
Die Intensität des Schlages hängt nämlich bei denselben wesentlich von dem Grade ab, 
in welchem man diese Schnüre anspannt. Spiralförmig gewundene Kupferdräthe, die mit 
Schrauben festgeklemmt werden, federn hinlänglich und geben immer gleiche Berührung, 
sind daher anzuwenden. 



über Induction durch eleldromagnetisirtcs Eisen. 157 



o" 



geführt wurde, geschlossen werden können. Der Apparat ist also nach fol- 
gendem Schema angeordnet: 

M 



s 



in welchem a den umwickelten rotirenden Anker, * die Extraspirale, u die 
Unterbrechung vermittelst der intermittirnnden Feder 3) auf der Walze w 2 , 
endlich I, II, III die Zuleitungsdräthe zum Strommesser bezeichnen. Diese 
letztern gestatten drei verschiedene Verbindungen, nämlich I und II, I und 
III und II und III. Bei der ersten ist Anker und Extraspirale in der Ver- 
bindung, bei der zweiten nur der Anker, bei der letzten nur die Spirale. 

70. Es wird nach der detaillirten Beschreibung des Apparates nun 
leicht sein, sich von dem, was bei der Drehung des Ankers vor sich geht, 
Rechenschaft zu geben. Während der Rotation des Ankers von 0° bis 90°, 
d.h. von der horizontalen Stellung vor den Polen des Magneten bis zur loth- 
rechten senkrecht auf die Verbindungslinie derselben, ist der umhüllende 
Drath desselben vollkommen metallisch geschlossen, da die Feder 3) auf der 
Walze w 2 Metall berührt. Die sich in dem Drathe steigernde Intensität des 
primären Stromes p entwickelt in der Spirale s einen entgegengesetzt fliefsen- 
den Gegenstrom A, welcher die Wirkung des primären demnach schwächt. 
Im Moment der senkrechten Stellung gelangt die Feder 3) auf den Holzein- 
satz u der Walze w„, der primäre Strom des Ankers a hört auf und es ent- 
wickelt sich dann, wenn nämlich die Spirale s ein in sich zurücklaufendes 
Ganze bildet, in derselben ein mit dem primären gleichgerichteter Gegen- 
strom E, der die Wirkung des primären verstärkt. Soll die Bildung dieses 
zweiten mit dem primären gleichgerichteten Gegenstromes vermieden wer- 
den, so mufs im Moment der Öffnung bei u die Extraspirale S aus der schlie- 
fsenden Verbindung heraustreten. Diefs geschieht, wenn I mit III verbun- 
den wird. Schliefst man hingegen I mit II, so erhält man den primären 
Strom p vermindert durch den Einflufs des entgegengesetzt fliefsenden wäh- 
rend der Rotation des Ankers von 0° bis 90° sich bildenden Anfangsgegen- 
stromes A und vermehrt durch die Wirkung des bei der Öffnung von u sich 
bildenden mit dem primären gleichgerichteten Endgegenstromes E. In wel- 



158 D o v e 

chem Sinne hier nun die Endwirkimg geschehe, d.h. ob p — A-\-E gröfser 
oder kleiner als p, kann beurtheilt werden, wenn man statt der Spirale £ 
eine einen gleichen Leitungswiderstand bietende, aber keine Spirale bildende 
Drathlänge (*) einschaltet. Die Schliefsung durch I und II giebt dann die 
Wirkung des primären Stromes allein. Schliefst man endlich II und III, so 
erhält man, wenn ^geradlinig ausgespannt ist, gar keine physiologische Wir- 
kung, hingegen, wenn S eine Spirale, einen mit dem primären gleichgerich- 
teten Strom, d.h. die Wirkung des Endgegenstromes allein. 

71. Bei eingeschaltetem geraden Drath erhält man also bei physio- 
logischer Prüfung : 

bei der Schliefsung I und II den Strom p 
- - I und III den Strom p 

- II und III keinen Strom, 

bei eingeschalteter Extraspirale hingegen : 

bei der Schliefsung I und II den Strom p — A + E 
- - - I und III den Strom p — A 

- II und III den Strom E. 

Dafs man bei der Schliefsung II und III keine physiologische Wirkung 
erhält, wenn der eingeschaltete Drath ein gerade ausgespannter ist, gilt na- 
türlich nur dann, wenn die Intensität des Magneten nicht zu bedeutend ist. 
Ist hingegen der bei der Maschine angewendete ein sehr kräftiger, so wird 
der Einflufs des menschlichen Körpers als Nebenschliefsung auf den Haupt- 
strom nicht mehr vernachlässigt werden können. Man erhält nämlich für 
einen sehr starken Magneten, selbst bei continuirlich schleifenden Federn, 
ohne eingeschaltete Spirale sehr fühlbare Erschütterungen. Diefs war bei 
der hier beschriebenen Maschine nicht der Fall, denn so kräftig auch die 
Erschütterungen (bei schnellem Drehen durchaus unerträglich) bei intermit- 
tirender Feder waren, so erfolgten doch keine bei ununterbrochen schlei- 
fender. Es ist daher erlaubt, den Einflufs des Körpers, so lange er eine 
Nebenschliefsung bildet (0° bis 90° und 180° bis 270°), hier zu vernachläs- 



(') am bequemsten wendet man dazu einen nach Art der 2V Striche hin und hergehen- 
den dünnen Neusilberdrath an, oder den von "Wheatstone angegebenen, aus einer Holz- 
und einer Metallschraube, auf welchen sich der Drath auf und abwickelt, bestehenden Wi- 
derstandsmesser. 



über Induction durch elelitromagnetisirtes Eisen. 159 



o 



sigen. Diefs erleichtert die Untersuchung der verwickelten Erscheinungen 
dieses Gebietes sehr, denn durch das Wegfallen der physiologischen Wir- 
kung bei eingeschaltetem geraden Drath und der Schliessung II und III er- 
giebt sich unmittelbar, dafs die für den spiralförmigen Drath erhaltene kräf- 
tige Wirkung nur dem Endgegenstrome E zuzuschreiben ist. Für andre 
rheoskopische Prüfungen hat dagegen bei der Schliefsung II und III der 
Strom p einen gröfsern oder geringern Antheil an den erhaltenen Resultaten. 

1. Physiologische Wirkung. 

72. Ohne Einschaltung der Spirale erhält man stärkere Erschütterun- 
gen, sowohl bei einmaliger als zweimaliger Öffnung (90° oder 90° und 270°), 
wenn der Zeiger des Pachytrop auf physiologisch gestellt ist, als auf physi- 
kalisch. Die folgenden Erscheinungen hingegen zeigen sich sämmtlich viel 
deutlicher, wenn dieser Zeiger auf physikalisch steht, in welchem Falle der 
primäre Strom die Eigenschaft hat, weiches Eisen kräftiger zu magnetisiren ( 1 ). 

Schliefst man I und III (p — A) vermittelst der Handhaben durch den 
menschlichen Körper, so sind die Erschütterungen schwächer bei eingeschal- 
teten Spiralen, als ohne dieselben, wovon der Grund ersichtlich. Diese phy- 
siologische Wirkung wird aber noch bedeutend geschwächt durch Hineinle- 
gen von offnen eisernen Drathbündeln und Röhren von Eisen- 
blech in die Spiralen; weniger geschwächt durch Hineinlegen eiserner 
Drathbündel in geschlossenen Röhren, massiver Stangen von 
weichem Eisen, weichem und hartem Stahl, Gufseisen und Nickel; 
bleibt nahe wie bei eingeschalteten leeren Spiralen, wenn die hineingelegten 
Stangen von Kupfer, Zink, Zinn, Messing, Wismuth, Antimon, 

(') Entfernt man den Magneten der Saxtonschen Maschine und schaltet statt der Extra- 
spirale zwischen S und S eine galvanische Kette ein, so erhält man von den Handhahen 
I und II und I und DI, bei der Rotation des Ankers, den Öffnungsschlag der galvanischen 
Kette, indem der Anker sich in einen die galvanische Kette schliefsenden Elcctromagnet 
verwandelt, dessen Magnetismus, so wie die intermittirende Feder auf den Holzeinsatz ge- 
langt, verschwindet, und dadurch in den Drathwindungen den Gegenstrom inducirt. Dieser 
inducirte Strom geht hei der Schliefsung I und II durch die Kette und den Körper, bei 
der Schliefsung I und III nur durch den Körper. II und III gieht, weil der Elektromag- 
net ausgeschlossen wird, und nur die Kette in der Schliefsung bleibt, keinen Schlag. Diese 
Erschütterung war für den gegebenen Anker der Maschine ebenfalls stärker, wenn der Zei- 
ger des Pachytrop auf physikalisch zeigte, als wenn er auf physiologisch wiefs. 



160 D o v e 

überhaupt von sogenannten unmagnetischen Metallen. Alle diese Er- 
scheinungen bleiben dieselben, wenn die Spiralen gleichartig oder alternirend 
verbunden sind. Die hier angeführten Thatsachen deuten also auf einen Ex- 
tracurrent, welcher entgegengesetzt gerichtet ist dem primären. Auf 
diese Wirkung hat es aufserdem keinen Einflufs, ob der primäre Strom ein 
stets gleich gerichteter oder alternirender ist. 

73. Ist aber die beobachtete Schwächung der physiologischen Wir- 
kung einem entgegengesetzt fliefsenden Gegenstrome zuzuschreiben, so raufs 
diese Schwächung sich in viel geringerem Grade zeigen, wenn man die Ex- 
traspirale auf einen ihr parallelen Nebendrath inducirend wirken läfst. Um 
diefs zu prüfen, wurde zwischen den Drathklemmen 1) und 6) eine engere 
Extraspirale von 400' Drathlänge eingeschaltet und auf diese eine Spirale, 
welche Nebenspirale heifsen mag, von ebenfalls 400' Drathlänge, aufge- 
schoben. Lag nun ein eisernes Drathbündel oder eine massive ei- 
serne Stange in der Extraspirale, so waren die Erschütterungen in den 
Handhaben I und III sehr unbedeutend, so lange die äufsere Nebenspirale 
nicht geschlossen war, sich also in ihr kein Nebenstrom bilden konnte. 
So wie hingegen diese Nebenspirale geschlossen wurde, und in ihr der 
durch beliebige Prüfungsmittel nachweisbare Nebenstrom zu Stande kam, 
wurden die Erschütterungen in den Handhaben I und III wieder kräftig. 
Es wurden nun zwischen den Drathklemmen 1) und 6) zwei Extraspiralen, 
jede von 400', eingeschaltet und auf jede derselben eine Nebenspirale von 
ebenfalls 400' aufgeschoben. Bei kreuzweiser Verbindung dieser Nebenspi- 
ralen hoben sich die inducirten Nebenströme auf, nicht aber bei gleicharti- 
ger. Die Erschütterungen in den Handhaben I und III waren im ersten Fall 
viel stärker als im letztern, weil die kreuzweise verbundenen Nebenspiralen 
sich wie eine geöffnete verhalten. 

74. Die bei dem Einschalten der mit Eisen gefüllten Extraspirale ein- 
tretende Schwächung hat einen dreifachen Grund. Der in den Drathwin- 
dungen des umwickelten Ankers vor dem Offnen der Feder circulirende 
Strom durchläuft nun auch die Windungen der Extraspirale, wodurch er 
einen gröfsern Leitungswiderstand erfährt. Hat die eingeschaltete Spirale, 
wie es hier der Fall war, dieselbe Drathlänge als die Umwickelung des Ankers, 
so wird dieser Widerstand, wenn der Zeiger auf physikalisch zeigt, fünfmal grö- 
fser. Die bei dem Offnen des geschlossenen Kreises eintretende Erschütterung 



iiher Induction durch clcldroma^nctisirtes Eisen. 161 



ö' 



nimmt also schon merklich ah, selbst wenn der Drath der Spirale geradlinig 
ausgespannt ist. Nun wirken aher aufserdem die Windungen dieser Spi- 
rale inducirend auf einander, ebenso der im hineingelegten Eisen hervortre- 
tende Magnetismus. Der dadurch in dem Drathe der Extraspirale hervor- 
tretende Anfangsgegenstrom steigert daher die Wirkung des vermehrten Lei- 
tungswiderstandes und es ist klar, dafs, da diese Ursachen in gleichem Sinne 
wirken, eine Vervielfältigung der Extraspiralen diese Wirkung fortwährend 
steigern wird. Diefs geschieht auch wirklich so auffallend, dafs, als 5 Spi- 
ralen von 2000 Fufs Drathlänge zusammen eingeschaltet wurden, durch Hin- 
einlegen von Eisen die Erschütterungen zuletzt fast vollkommen verschwan- 
den. 

75. Schliefst man II und III (E), in welchem Falle die leere Extra- 
spirale allein in der Schliefsung bleibt, so erhält man kräftigere Schläge, 
wenn der Zeiger des Pachytrop auf physikalisch steht als auf physiolo- 
gisch. Hineinlegen von offnen Drathbünd ein und Eisenblechröh- 
ren verstärkt den Schlag aufserordentlich. Diese Verstärkung ist geringer 
durch eiserne Drathbündel in geschlossenen Röhren, massivem 
Eisen, Stahl, Gufseisen und Nickel. Bei unmagnetischen Metal- 
len war die Veränderung zu unbedeutend, um sagen zu können, in welchem 
Sinne sie stattfinde. Umgiebt man die ein eisernes Drathbündel enthaltende 
Extraspirale mit der unter 73) angeführten Nebenspirale, so werden die bei 
offner Nebenspirale äufserst kräftigen Erschütterungen in den Handha- 
ben II und III sehr geschwächt, so wie diese Nebenspirale metallisch ge- 
schlossen wird. Wurden zwei Nebenspiralen auf zwei Extraspiralen ge- 
schoben, so waren bei kreuzweiser Verbindung der erstem die Erschütterun- 
gen in den Handhaben II und III kräftig, hingegen geschwächt bei gleichar- 
tiger, wo der Nebenstrom sich nicht aufhebt. 

Aus der Verbindung der unter 72) und 75) erhaltenen Resultate folgt, 
dafs der Extracurrent zu Anfang in seinen negativen Wirkungen durch die- 
selben Mittel gesteigert wird als der Extracurrent zu Ende in seinen positi- 
ven und dafs in beiden Fällen Drathbündel stärker physiologisch wirken 
als massives Eisen. 

76. Im vierten Abschnitt ist die merkwürdige Erscheinung bespro- 
chen worden, dafs die physiologische Wirkung des Nebenstromes der Leyd- 

Physik. - math. Kl. 84 1 1 . X 



162 D o v e 

ner Flasche durch Einführung von massivem Eisen in die Schliessungs- 
spirale geschwächt wird, hingegen verstärkt durch Einführung von eisernen 
Drathbündeln. Diefs wurde dadurch erklärt, dafs die im Eisen durch 
die Wirkung des Schliefsungsdrathes gleichzeitig hervortretenden Ersheinun- 
gen, nämlich magnetische Polarisirung und elektrische Ströme, hier so wir- 
ken, dafs der hemmende Einflufs der elektrischen Ströme die verstärkende 
Wirkung der magnetischen Polarisirung übertrifft und daher das Endresultat 
bei massivem Eisen eine Schwächung wird, während bei länger dauernden 
Strömen, z. B. den galvanischen, wo der Magnetismus Zeit hat, sich vollstän- 
dig zu entwickeln, dessen Wirkung die der elektrischen Ströme überwiegt, 
und daher eine Verstärkung auch durch massives Eisen bedingt wird. Diese 
Ansicht, dafs der Nebenstrom der Kleistischen Flasche sich nur durch die 
Kürze des primären Stroms, welcher ihn hervorruft, von andern inducirten 
Strömen unterscheide, welche Kürze auf die im Eisen inducirten elektrischen 
Ströme keinen Einflufs hat, aber den Magnetismus desselben sich nicht voll- 
ständig zu entwickeln gestattet, gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn es ge- 
lingt, dieselbe Erscheinung auf anderm Wege als durch Reibungselektricität 
hervorzurufen; diefs kann aber auf folgende Ai - t geschehen : 

77. Umgiebt man die Extraspirale mit einer Nebenspirale, so wird, 
wie wir unter 73) gesehen haben, die physiologische Wirkung jener vermin- 
dert. Die Oberfläche eines massiven Eisencylinders wirkt wie eine solche 
Nebenspirale. Durch Verlängerung des Drathes der Extraspirale wird der 
primäre Strom geschwächt. Vervielfältigt man nun die Zahl der eingeschal- 
teten Extraspiralen, und legt in jede einen massiven Eisencylinder, so 
wird der durch die Verlängerung des Drathes geschwächte primäre Strom in 
diesen Eisencylindern nur einen geringen Magnetismus zu erzeugen vermö- 
gen. Nimmt nun die Intensität der von den Windungen der Extraspirale in 
der Oberfläche des Eisencylinders erregten elektrischen Ströme nicht in 
demselben, sondern in einem geringeren Grade ab als der durch diese Ströme 
in der Eisenmasse gleichzeitig erregte Magnetismus, so mufs man bei einer 
gewissen Anzahl Spiralen durch massives Eisen eine Schwächung statt einer 
Verstärkung erhalten. Diefs wurde entschieden beobachtet, wenn dem An- 
ker der Maschine fünf Spiralen jede von 400' hinzugefügt wurden, während 
eiserne Drathbündel dann die Wirkung eben so entschieden verstärkten. 



über Induction durch eleldromagnetisirtes Eisen. 163 



b 



Diese Erscheinung ist also ganz dieselbe als die bei der Induction durch Ma- 
schinenelektricität beobachtete ( 1 ). 

78. Schliefst man I und II (p — A ' + E), in welchem Falle der Anker 
und die Extraspirale in der Schliefsung bleiben, so erhält mau Erscheinun- 
gen, welche eine Combination der bei der Schliefsung I und III (p — A) 
und der bei der Schliefsung II und III (E) beobachteten sind. Schaltet man 
nur eine oder zwei leere Extraspiralen ein, so sind die Erschütterungen 
selbst bei langsamer Drehung noch sehr kräftig. Diese grofse Intensi- 
tät der Schläge macht die Untersuchung, wie hineingelegtes Eisen wirke, 
daher schwierig. Nun haben wir unter 74) gesehen, dafs bei der Schlie- 
fsung I und III (p — A) mit Verlängerung des eingeschalteten Drathes, und 
besonders wenn dieser die Form auf einander folgender Spiralen hat, der 
resultirende Strom immer schwächer wird, ja bei fünf Spiralen zuletzt fast 
unmerklich. Wenn nun p — A nahe gleich Null, so wird p — A + E im- 
mer mehr die Form von E annehmen. Nun zeigte sich aber unter 77), dafs 
bei der Schliefsung II und ITI (E) bei Einschaltung einer Spirale massives 
Eisen noch verstärkt, hingegen bei fünf Spiralen, in deren jede eine Stange 
desselben gelegt wird, schwächt, während eiserne Drathbündel auch im letz- 
tern Falle noch entschieden verstärken. Ist nun bei der Schliefsung I und 
II (p — A -f- E) und Einschaltung einer Spirale die Verstärkung des Stro- 
mes p durch E vermittelst Eisen gröfser als die Schwächung dieses Stromes 
p durch A vermittelst desselben Eisens, so wird man überhaupt eine Ver- 
stärkung erhalten. Bei Anwendung vieler Spiralen steigert sich die Wirkung 
des negativen A immer mehr, aber E verhält sich dann auch wie eine nega- 
tive Gröfse, da die im weichen Eisen inducirten elektrischen Ströme die 
physiologische Wirkung der Extraspirale mehr schwächen als der in jenen 
erzeugte Magnetismus sie steigert. Es mufs also dann der resultirende Strom 
durch Hinzufügen von massivem Eisen ebenfalls geschwächt werden, und die 
Verstärkung bei einer Spirale mufs durch ein Stadium der Wirkungslosigkeit 



(') Es ist mir nicht unwahrscheinlich, ich habe aber keine besondern Versuche darüber 
angestellt, dafs man ähnliche Versuche mit dem Extracurrcnt der galvanischen Kette anstel- 
len kann. Bei einer hinlänglichen Anzahl Spiralen miilste man durch Hineinlegen von mas- 
sivem Eisen eine Schwächung des Öffnungsschlages erhalten, durch Drathbüudel hingegen 
eine Verstärkung. 

X2 



164 D o v e 

in eine Schwächung übergehen, wenn die Anzahl der Spiralen allmälig ver- 
mehrt wird. 

Durch einen sonderbaren Zufall war die Bedingung der Wirkungslo- 
sigkeit grade durch die beiden Spiralen erfüllt, welche, wenn es nicht anders 
ausdrücklich bemerkt ist, bei den Versuchen mit der Saxtonschen Maschine 
stets die Extraspirale bildeten. Ich erhielt nämlich nur bei dem Hineinlegen 
von massivem Eisen mit einiger Sicherheit eine Schwächung, bei andern Ei- 
sensorten war die Intensität der Erschütterung unverändert. Ich schlofs 
daraus, dafs also beide Gegenströme A und E einander fast vollkommen das 
Gleichgewicht hielten und dafs Hineinlegen von Eisen die beinahe gleiche 
Verstärkung zweier eine Differenz bildender Gröfsen sei. Als ich aber statt 
jener beiden weiten Spiralen eine an den Eisencylinder eng anschliefsende 
wählte, welche der ganzen Länge nach diesen Cylinder umgab, wurde die 
physiologische Wirkung durch weiches Eisen entschieden und noch mehr 
durch eiserne Drathbündel verstärkt. Wurde auf diese Extraspirale eine 
Nebenspirale geschoben, so wurden die Erschütterungen in den Handha- 
ben I und H durch Schliefsen der Nebenspirale merklich vermindert. 
Ja jene Verstärkung durch Eisen fand noch bei zwei engen Extraspiralen 
statt. Wurden nämlich auf diese zwei Nebenspiralen gleichartig oder alter- 
nirend verbunden aufgeschoben, so waren im erstem Falle die Erschütte- 
rungen schwächer als im letztern, alles Beweise dafür, dafs die positive Wir- 
kung von E überwiegt über die negative von A. Wurden hingegen fünf 
Spiralen eingeschaltet, so erhielt man, wie bei der Schliefsung II und HI, 
wenn massives Eisen sich in den Spiralen befand, eine Schwächung, wa- 
ren hingegen Drathbündel darin, eine Verstärkung der Erschütterung. 

79. Mit den bisher angeführten übereinstimmende Resultate wurden 
erhalten, wenn die Öffnung durch die intermittirende Feder 3) nicht im Azi- 
muth 90° sondern bei 45° oder bei alternirenden Strömen im Azimuth 45° 
und 215° geschah ('). Doch zeigte sich bei den Schliefsungen I und II und II 

(') Die Walze iv 2 , auf welcher die intermittirende Feder 3) schleift, kann nämlich, so wie 
w> 3 nnd iv 4 gedreht werden, so dafs diese Feder in jedem beliebigen Azimuth sich öffnen 
kann. Diese Drehbarkeit erreicht man bequem dadurch, dafs man die Zwischenräume der 
"Walzen «>,, <v 2 , iv 3 , iv 4 mit Holzbekleidungen der Achse ausfüllt, und sie durch eine Fe- 
der bei B sämmtlich an die erste Walze, welche nicht drehbar ist, anprefst. Diese Feder 
ist in Fig. 7) nicht abgebildet, ebensowenig die Holzausfullungen, um deutlicher zu zeigen, 



über Induction durch elcläromagnetisirtes Ehen. 165 



5' 



und III, in welchen beiden Fällen der Endgegenstrom mitwirkt, die eigen- 
tümliche Erscheinung, dafs die bei dem Hineinlegen von Eisen in die aus 
den zwei gewöhnlich angewendeten Spiralen bestehende Extraspirale wahr- 
nehmbaren Stöfse bei schnellem Drehen des Ankers verschwanden, und bei 
noch schnellerem Drehen wieder eine physiologische Wirkung hervortrat. 
Diefs möchte in der Annahme eine Erklärung finden, dafs bei langsamen 
Drehen der aus der Wirkung der Drathwindungen auf einander in der Ex- 
traspirale entstehende Strom gleichzeitig sich bildet mit dem durch Ver- 
schwinden des Magnetismus des hineingelegten Eisens in diese Windungen 
inducirten Strome, so dafs also dann die Intensitätsmaxima beider Ströme 
zusammenfallen. Bei schnellem Drehen blieb hingegen dieser letztere Strom 
hinter jenem zurück, so dafs bei einer gewissen Drehungsgeschwindigkeit die 
Maxima desselben auf die Minima des ersten fielen. In diesem Falle würde 
dann ein Strom von unveränderter Intensität durch den Körper gehen, wel- 
welcher als vollkommen gleich bleibender Reiz nicht empfunden würde, 
wofür sich bei Froschversuchen entsprechende Erscheinungen finden. Bei 
noch schnellerem Drehen werden dann wieder durch Zusammenfallen der 
Maxima Ungleichheiten der Intensität entstehen, welche empfunden werden. 
Dadurch würde sich auch erklären, dafs diese physiologischen Interferenz- 
erscheinungen nur bei einer bestimmten Eisenmasse in voller Reinheit, näm- 
lich bis zum vollkommenen Verschwinden sich zeigen, und dafs man durch 
Eisendräthe, deren Menge sich demgemäfs reguliren läfst, sie am leichtesten 
zu erhalten vermag ('). 

2. Funken. 
80. Da während des vollständigen metallischen Schlusses die Extra- 
spirale und der Anker in den Kreis des Stromes aufgenommen sind, so er- 
weiche Walzen isolirt und welche unmittelbar leitend auf die Achse aufgesetzt sind. Sind 
die Walzen nicht drehbar, so wird für jedes Azimuth eine intermittirende Feder von be- 
stimmter Länge erfordert. 

(') Bei allen in dieser Arbeit enthaltenen Bestimmungen der Verstärkung oder Vermin- 
derung einer physiologischen Wirkung habe ich mich nie auf mein Urtheil allein verlas- 
sen, sondern stets auch das andrer zu Bathe gezogen. Im Verlaufe der oft sehr weitläuf- 
tigen Versuchsreihen, welche in der Begel zwei Beobachter gleichzeitig erforderten, habe 
ich mich der Hülfe der Herren von Wys, Kopp, du Bois und Karsten zu erfreuen 
gehabt. 



166 D o v e 

hält man hier unmittelbar auf der Walze w 2 den Fall, der bei physiologi- 
schen Versuchen durch Schliefsung von I und II bestimmt wird, nämlich 
p — A + E. Weil aber während der Rotation des Ankers von 0° bis 90° 
das in der Extraspirale befindliche Eisen magnetisirt wird, welcher Magnetis- 
mus im Moment des Offnens nicht sogleich ganz verschwinden kann, so wird 
die Anwesenheit des Eisens A mehr verstärken als E, der Funken also über- 
haupt schwächer werden (* ). Diefs ist nun in so auffallendem Grade der Fall, 
dafs bei dem Hineinlegen von Eisencylindern in die Spirale der vorher an der 
Unterbrechungsstelle u der Walze w, 2 entstehende glänzende Funke fast voll- 
kommen verlischt. Dafs diese Schwächung des Funkens aber durch einen 
von der Spirale erzeugten Gegenstrom bewirkt werde, geht daraus hervor, 
dafs, so wie man II und III metallisch schliefst, der Offnungsfunke bei u 
wiederum seinen vollen Glanz erhält, während die Schliefsungen I und II 
oder I und III natürlich jeden Funken bei u verhindern. Umgiebt man 
endlich die Extraspirale mit einer ihr aufgeschobenen Nebenspirale, so ver- 
stärkt die Schliefsung derselben den Funken bei u bedeutend. 

81. Wie unter 78) bereits angeführt wurde, dafs nur bei massiven Ei- 
senstangen eine deutliche Verminderung der Schläge gespürt wird, wo Drath- 
bündel noch eine unverkennbare Steigerung zeigen, so ist auch die Schwä- 



(') Es ist durch viele Beobachtungen sehr wahrscheinlich, dafs ein galvanischer Strom, 
durch welchen Eisen magnetisirt wird, früher das Maximum seiner Intensität erreicht, als 
das Eisen das Maximum seiner magnetischen Polarität. Es ist daher nicht unmöglich, dafs 
wenn der elektrische Strom schon unterbrochen wird, während der Magnetismus des Eisens 
sich noch steigert, auch nach Unterbrechung des elektrischen Stromes die magnetische In- 
tensität des Eisens noch kurze Zeit zunehme. Denkt man sich im Sinne der Ampereschen 
Theorie das Magnetisiren als ein Richten bereits vorhandener, die einzelnen Theilchen um- 
kreisender, elektrischer Ströme, so würde das soviel heifsen, als dafs die in drehender Be- 
wegung begriffenen Elementarströme im Momente, wo die sie bewegende Ursache aufhört, 
nicht augenblicklich in ihre ursprüngliche Lage zurückkehren, sondern sich noch eine kurze 
Zeit in dem Sinne der vorigen Bewegung fortbewegen. Bei der Coulombschen Vorstel- 
lung würde man für die Elementarströme Elementarmagnete zu setzen haben. So lange nun 
der Magnetismus sich steigert, wird A im Schliefsungsdrath inducirt, nicht JE. Das Eintre- 
ten von E würde also durch die Anwesenheit des Eisens weiter hinausgerückt werden, 
überhaupt also die Entladungsdauer verlängert werden. Alle diese Erscheinungen werden 
aber nicht stattfinden, wenn der primäre Strom so lange angehalten hat, dafs sowohl er, als 
der von ihm hervorgerufene Magnetismus, vor der Unterbrechung bereits ihre Maxima er- 
reicht haben und daher stationär geworden sind. 



über Incluction durch eleldromagnetisirtes Eisen. 167 

chung des Funkens durch Hineinlegen von massiven Eisenstangen be- 
deutender als durch Hineinlegen derselben Eisenmasse in Form isolirter 
Drathbündel, und stärker, wenn das Drathbündel in einer leitenden 
Hülle (einer Messingröhre) als ohne dieselbe. Alles nämlich was eine Stei- 
gerung der Gegenströnie bewirkt, wird die Maxima ihrer Intensität der Zeit 
nach weiter hinausrücken. Dadurch wird also die Wirkung des Anfangsge- 
genstromes vermehrt, die des Endgegenstromes hingegen vermindert wer- 
den. Bei Hineinlegen von unmagnetischen Metallen in die Extraspirale 
wurde übrigens keine Verminderung des Funkens wahrgenommen, selbst als 
diese aus fünf verbindenden Spiralen bestand. 

82. Aus diesen Thatsachen erklärt sich daher wohl auch, dafs bei 
einer im Azimuth 13 )° sich erst öffnenden Feder bei Hineinlegen von Eisen 
in die Spirale noch eine, freilich sehr schwache, Verminderung der Hellig- 
keit des Funkens erfolgt, und dafs die physiologische Wirkung bei dem 
Schliefsen von I und II durch den Körper dann ebenfalls etwas vermindert 
erscheint, obgleich ohne Einschalten der Spirale bei dieser Stellung des An- 
kers der primäre Strom sein Maximum bereits überschritten haben wird. 
Im Allgemeinen nämlich wird, an welcher Stelle auch immer im zweiten 
Quadranten die Unterbrechung erfolgt, der erste Gegenstrom immer längere 
Zeit durch das eingeführte Eisen verstärkt worden sein als der zweite, der 
primäre Strom also mehr an Intensität im ersten Quadranten durch den Ge- 
genstrom verloren haben, als er im zweiten bis zur Unterbrechung durch 
Hineinlegen des Eisens zunimmt. Auch scheint in der That die Intensität 
des primären Stromes im zweiten Quadranten viel langsamer abzunehmen, 
als sie im ersten Quadranten zunimmt. Denn sowohl die Funken als die Er- 
schütterungen sind viel lebhafter, wenn die Feder im Azimuth 135° sich öff- 
net als wenn diefs im Azimuth 45° geschieht. Dafs diefs auch dann stattfin- 
det, wenn gar keine Extraspirale eingeschaltet ist, rührt daher, dafs man in 
gewissem Sinne die Umwickelung des Ankers selbst mit dem in ihr enthalte- 
nen Eisenkern als ihre eigene Extraspirale ansehen kann. 

83. Will man den physiologischen Versuchen, bei welchen der Kör- 
per entweder I und HI oder II und IH schlofs, entsprechende für den Fun- 
ken anstellen, so mufs eine Vorrichtung vorhanden sein, die metallischen 
Schliefsungen I und III oder II und III in dem Augenblicke zu öffnen, wo 
die Feder bei u geöffnet wird. Diefs geschah durch Aufsetzen einer mit der 



168 D o v e 

Walze Wo, an welcher u fedeit, identischen, und zwar von der Axe isolir- 
ten vierten Walze w 4 (Fig. 7), auf welcher je zwei der Schliefsungen I und 
III oder II und III federnd schleifen, eine, nämlich die in 14) des Ständers 
G eingeklemmte continuirlich, die andre, von 13) des Ständers .F ausgehend, 
intermittirend. Verbindet man nämlich die Klemme 7) mit 12) durch einen 
in Figur 7 punktirt angedeuteten Drath, und ebenso 15) mit 4) durch einen 
zweiten Drath, so wird im Moment, wo die von 13) ausgehende Feder auf 
Holz gelangt, die bisher bestandene Nebenschliefsung II und III geöffnet; 
verbindet man hingegen 7) mit 12) und 15) mit 8) durch Dräthe, so wird, 
wenn jene Feder auf Holz gelangt, die bisher bestandene Nebenschliefsung 
I und II geöffnet. 

Hier mufs aber berücksichtigt werden, dafs dieser Fall, so wie der so- 
gleich zu betrachtende der chemischen Zersetzung, doch nicht vollkommen 
der experimentellen Anordnung bei den physiologischen Versuchen sich 
vergleichen läfst. Da nämlich der Körper einen bedeutenden Leitungswi- 
derstand darbietet, so konnte sein Einflufs auf den Hauptstrom, so lange er bei 
geschlossenem u eine Nebenschliefsung bildet, vernachlässigt werden. Diefs 
ist aber keinesweges der Fall, wenn, wie hier, bei geschlossenem u entweder 
I und H oder II und III eine ganz metallische Nebenschliefsung bildet, bei 
welcher das Galvanometer anzeigt, dafs ein grofser Theil des Hauptstroms 
diesen Weg nimmt. Nun wird man sich aber immer den in der Extraspirale 
entstehenden Gegenstrom unter dem Bilde eines gröfsern Widerstandes den- 
ken können, welchen diese Spirale dem durch den Anker erzeugten primä- 
ren Strom p entgegensetzt. Hineinlegen von Eisen vermehrt diesen Wider- 
stand, und es wird in diesem Falle also ein gröfserer Theil von p den Weg 
durch die Nebenschliefsung I und II nehmen, als wenn kein Eisen in der 
Extraspirale vorhanden ist. Und in der That wird dann auch der Funke 
hier, nämlich auf der Walze (v A viel lebhafter, während der bei u auf der 
Walze w z fast erlischt. Für die Schliefsung II und III ist die Verstärkung 
des Funkens in der Nebenschliefsung auf w^ nichts Unerwartetes, in so fern 
da E gesteigert wird. Da bei der getroffenen Einrichtung des Apparates der 
Offnungsfunke bei u auf der Walze w„ und der zwischen I und III, oder II 
und III auf der Walze w A unmittelbar neben einander entstehen, so bildet, 
wenn Eisen in die Extraspirale gelegt wird, die wachsende Intensität des einen, 
entsprechend der abnehmenden des andern, ein sehr belehrendes Schauspiel. 



über Induction durch clehtromagnetisirles Eisen. 169 



3. Chemische Zersetzung. 

84. Wird der Strom vermittelst der gespaltenen Federn yy in stets 
gleicher Richtung erhalten und soll das Voltameter unmittelbar in den Kreis 
dieses Stromes, nicht aber als Nebenschliefsung, aufgenommen werden, so 
wird die Verbindung bei Einschaltung einer Extraspirale eine andere als 
ohne dieselbe. Führen nämlich die von 4) und 8) ausgehenden Dräthe I 
und II nach dem Voltameter, so bildet diefs immer den Schlufs zwischen den 
beiden Walzen u-, und w 2 vermittelst der Ständer C und D, da stets nur der 
eine Arm der Feder eine Walze metallisch berührt, jeder Ständer also auch 
immer nur mit einer Walze in metallischer Verbindung ist. Schaltet man 
hingegen das Voltameter zwischen den Dräthen I und III ein, so geht die 
Verbindung vom Ständer D durch die Extraspirale zum Ständer E und von 
diesem aus zum Voltameter. Im ersten Falle bestand der Leitungswider- 
stand aus dem Widerstände des den Anker umhüllenden Drathes und dem 
der Flüssigkeit zwischen den Electroden des \ oltameters. Durch Hinzufügen 
der gewöhnlichen Extraspirale wird der erste Theil dieses Widerstandes etwa 
verfünffacht. Dennoch war dann die gesammte erhaltene Gasmenge nur etwa t 
der ohne Extraspirale erhaltenen und bei Hineinlegen von Eisen in Form von 
Stangen oder Drathbündeln noch viel unbedeutender. Sieht man daher die 
erhaltene Gasmenge als Maafs der innerhalb einer gegebenen Zeit durch den 
Drath hindurchgegangenen Electricitätsmenge an, so wird diese in der That 
vermindert durch die YSirkung der Bindungen der Extraspirale auf einan- 
der und durch den Magnetismus des von ihr umschlossenen Eisens. 

Wendet man statt der gespaltenen Federn y y die gewöhnlichen 3), 
5), 9) an, so aber, dafs auch 3) ununterbrochen die Walze w 2 metallisch be- 
rührt, und schaltet das Voltameter zuerst ohne Spirale unmittelbar statt der- 
selben zwischen 1) und 6) ein, dann mit dieser Spirale ein, wo man es sich 
in der Mitte des Zuleitungsdrathes S angebracht denken kann, so erhält man 
für die nun alternirenden Ströme analoge Erscheinungen als die bei gleich- 
gerichteten Strömen eben angeführten. 

85. Soll hingegen das Voltameter bei ununterbrochenen Strömen eine 
Nebenschliefsung bilden, einmal des Ankers und dann der Extraspirale, so 
mufs es bei gleicher Stellung der Federn 3), 5), 9) einmal zwischen I und 

Physik. -math. Kl. 1841. Y 



170 D o v e 

III, dann zwischen II und III eingeschaltet werden. In beiden Fallen wird 
durch Hineinlegen von Eisen die Wasserzersetzung bedeutend gesteigert. 
Der sich in die Haupt- und Nebenschliefsung theilende Strom findet also, 
wenn Eisen in der Extraspirale sich befindet, sowohl in den Windungen die- 
ser Spirale, als auch in den Windungen der den Anker umgebenden Drath- 
rolle gröfsern Widerstand, als wenn die Extraspirale kein Eisen enthält. Bil- 
det hingegen das Voltameter die Nebenschliefsung zu gerade ausgespannten 
Theilen der Hauptschliefsung, so geht nur ein unbemerkbarer Theil durch 
dieselbe, denn ist u stets metallisch geschlossen und I und II durch das Vol- 
tameter, so erfolgt keine Zersetzung. Ganz ähnliche Verhältnisse für I 
und III zeigen sich, wenn bei u im Azimuth 90° oder 90° und 270° geöffnet 
wird, d.h. wenn das Voltameter, nachdem es eine Zeit lang eine Neben- 
schliefsung bildete, nun Hauptschliefsung wird. Dann giebt aber auch das 
Voltameter zwischen I und II bei einmaliger Öffnung im Azimuth 90° also 
stets gleichgerichtetem Strome, Gas, und zwar bedeutend mehr bei leeren 
Spiralen, als wenn Eisen darin liegt. 

Die chemischen Wirkungen gehen also parallel den bei den Funken 
beobachteten Erscheinungen. Auch hier sind die von dem Gegenstrome ab- 
hängigen Erscheinungen auffallender, wenn der Zeiger des Pachvtrop auf 
physikalisch steht als auf physiologisch. 

86. Endlich kann noch gefragt werden, welche Erscheinungen dann 
eintreten, wenn der Anfangs in einem metallischen Kreise ohne Nebenschlie- 
fsung circulirende Strom, bei der Öffnung dieses Kreises durch das Volta- 
meter geschlossen wird. Es mufs dann in dem Schema, im Moment wo u 
geöffnet wird, I und III oder II und III durch das Voltameter erst geschlos- 
sen werden. Diefs erreicht man auf folgende Weise. Angenommen der 
primäre Strom wird nur einmal im Azimuth 90° unterbrochen und das Vol- 
tameter ist zwischen 8) und 15) eingeschaltet. Die Federn 13) und 14) wer- 
den auf der Walze u\ so weit links geneigt (*), dafs, wenn die Feder 3) auf 
Holz gelangt, die Feder 14) auf (v 4 Metall berührt und umgekehrt, während 



(') Der der Walze iv 3 zugekehrte Holzeinsatz auf i*> 4 ist für alternirende Ströme be- 
stimmt, hat daher mir \ des Umfauges, weil er diametral gegenüber noch einmal vorkommt. 
Der dem Ende der Achse B zugekehrte Holzeinsatz umfafst hingegen den halben Umfang 
der Walze. 



über Induction durch clehtroma^nctisirtes Eisen. 171 



b 1 



13) ununterbrochen Metall berührt. Aufserdem ist 7) mit 12) durch einen 
Querdrath verbunden. So lange 3) auf w 2 Metall berührt, geht die Verbin- 
dung von w 3 durch 5), 6), die Spirale und 1), 3) nach w„, während dasVolta- 
meter wegen der Unterbrechung auf w 4 keine Nebenschliefsung bildet. Ge- 
langt aber 3) auf den Holzeinsatz, so ist die Verbindung von w t nach w 2 ge- 
geben durch 5), 7), 12), 13), u\, 15), das Voltameter und S), 9), also die Spi- 
rale ausgeschlossen. Aber man sieht leicht, dafs man doch hier nicht die 
reine Wirkung von/j — A erhält, weil nun während der Rotation des Ankers 
durch den nächsten Halbkreis das Voltameter wie in §. Si unmittelbar in den 
Kreis des Stromes eingeschaltet ist, da der Anker eben in der Verbindung 
bleibt. Diefs ist nicht der Fall, wenn das Voltameter, statt zwischen I und 
III, vielmehr zwischen II und III eingeschaltet wird. Hier bleibt die Spirale 
in der Verbindung und der Anker tritt heraus. Geschieht das Comrautiren 
hier ein wenig zu spät, so erhält man daher gar keine Wirkung, und bei I 
und III, je nachdem der vorhergehende Strom mitwirkt oder nicht, eine 
durch Hineinlegen von Eisen in die Spirale veränderliche oder unveränderte 
Gasmenge. Eine weitere Verfolgung dieser Untersuchung erschien daher 
nicht rathsam, da die geringste Änderung der Berührungsstelle der Feder 
auf der Walze hier von erheblichem Einflufs ist. 



4. Galvanometer. 

87. Da bei continuirlich schleifenden Federn alternirende Ströme mit 
einander abwechseln, so erhält man in diesem Falle, selbst wenn das Galva- 
nometer (') eine Nebenschliefsung bildet, die Erscheinungen der sogenann- 



(') Bei galvanometrischen Versuchen mufs die Extraspirale von der Saxtonschen Ma- 
schine erheblich entfernt werden. So wie n'andich der rotirende Anker derselben aus der 
horizontalen Lage vor den Polen des Magneten in die senkrechte Stellung gebracht wird, 
wirkt der frei werdende Magnetismus des Magneten vertheilend auf das in der Extraspirale 
befindliche Eisen. Der dadurch in der Spirale inducirte Strom ist bei recht astatischer 
Galvanometernadel auf sehr erhebliche Entfernungen merklich. Um die Entfernung kennen 
zu lernen, in welcher dieser störende Einllufs aufhört, braucht man nur die Enden der Ex- 
traspirale SS zuerst allein mit dem Galvanometer zu verbinden und dann den Anker zu 
drehen. Erfolgt dann keine Wirkung, so hat die Spirale die gehörige Entfernung von der 
Maschine. 

Y2 



172 



D 



O V E 



ten doppelsinnigen Ablenkung, bei welcher die Nadel in dem Sinne bewegt 
wird, in welcbem sie bereits gegen die Windungen des Galvanometers, ohne 
von einem Strome bewegt zu sein, gerichtet ist. Etwas Ahnliches findet na- 
türlich statt, wenn bei zweimal unterbrechender Feder (Azimuth 90° und 
270°) der Drath des Galvanometers während der Rotation des Ankers durch 
den zweiten und vierten Quadranten keine Nebenschliefsung, sondern die 
Hauptschliefsung bildet. In diesem letztern Falle tritt daher die Erschei- 
nung kräftiger hervor. 

88. Wird hingegen die intermittirende Feder 3) nur einmal im Azi- 
muth 90° geöffnet, so wird allerdings das Galvanometer ebenfalls von alter- 
nirenden Strömen durchflössen, dennoch erhält man nur bei dem zwischen 




I und III eingeschalteten Galvanometer doppelsinnige Ablenkung, bei den 
Schliefsungen I und II und II und III hingegen einen normalen Strom, wel- 
cher besonders bei rascher Drehung über den alternirenden überwiegt. 
Fliefst dieser Strom in dem zwischen II und I eingeschalteten Galvanometer 
von I nach II, so zeigt das zwischen II und III eingeschaltete Galvanometer 
einen von III nach II gerichteten, aber mit der Besonderheit, dafs der stä- 
tig wei'denden Ablenkung bei der ersten Umdrehung ein entgegengesetzter 
Strom vorausgeht, welchen man auch erhält, wenn man dem Anker, ohne 
ihn in Rotation zu versetzen, nur eine halbe Umdrehung giebt. 

Hierbei mufs nun aber berücksichtigt werden, dafs man auf diesem 
Wege überhaupt nicht analoge Erscheinungen von denen erhält, welche bei 
andern Prüfungsmitteln gefunden wurden. Das Eintreten des Endgegen- 
stromes in seiner Energie erfordert, dafs der vorher in einem metallisch ge- 
schlossenen Kreise circulirende Strom plötzlich an Intensität bedeutend ver- 
mindert werde, sei es nun, dafs, wie bei den Funken, der Kreis wirklich un- 
terbrochen wird, oder dadurch, dafs, wie bei physiologischen und chemi- 
schen Wirkungen, eine einen viel greiseren Leitungswiderstand darbietende 
Substanz (das Voltameter oder der menschliche Körper) in den sich öffnenden 



über Induction durch elekiromagnetisirtes Eisen. 173 



Kreis eingeschaltet wird. Wird die entstehende Lücke bei u durch ein Gal- 
vanometer ausgefüllt (wie bei der Schliefsung I und II), oder bleibt bei der 
Öffnung durch u der im rotirenden Anker erzeugte Strom doch durch das 
Galvanometer zwischen I und III geschlossen, so findet überhaupt keine Un- 
terbrechung statt und der Nullpunkt des Stromes wird auf das Azimuth 180° 
verlegt. Nur bei der Schliefsung II und III wird der Kreis wirklich geöff- 
net und E kann sich bilden. Dasselbe gilt natürlich, wenn man, um alter- 
nirende Ströme zu vermeiden, den Anker nur eine halbe Umdrehung machen 
läfst. 

89. Es wurde nun vermittelst der Federn 13), 14) das Galvanometer 
erst in dem Moment eingeschaltet, wenn die Feder 3) bei u im Azimuth 90° 
sich einmal öffnete und der Anker in continuirliche Rotation versetzt. Die 
Resultate waren folgende : 

1. Galvanometer zwischen 8) und 15). Bei der Öffnung tritt die Spi- 
rale aus der Verbindung, das Galvanometer in dieselbe. Diefs ent- 
spricht also der Schliefsung III und I. Der Strom ging von I nach 
III, also im Schema von s nach a. 
'2. Galvanometer zwischen 8) und 4). Es ist zuerst Nebenschliefsung 
und dann Hauptschliefsung. Sowohl der Anker als die Extraspirale 
bleiben in der Verbindung. Strom von I nach II, im Schema also 
ebenfalls von s nach a. 
3. Galvanometer zwischen 4) und 15). Bei der Öffnung tritt der An- 
ker aus der Verbindung und das Voltameter tritt in die Verbindung 
mit der Extraspirale. Strom von 15) nach 4). Diefs entspricht im 
Schema III nach II. Hier also der Strom ebenfalls von s nach a 
gerichtet. 

Ferner ergab sich, dafs bei gespaltenen Federn die constante Richtung 
des Stromes, bestimmt an dem in die Schliefsung unmittelbar aufgenom- 
menen Galvanometer, dieselbe ist mit eingeschalteter Spirale als ohne die- 
selbe, also p gleichgerichtet mit p — A-\-E. 



5. Versuche mit dem leeren Drathanker. 
90. Obgleich es von vorn herein wahrscheiulich ist, dafs primäre 
Ströme, welche durch Magnetisiren von weichem Eisen erregt werden, sich 



174 D o v e 

identisch verhalten mit Strömen, welche von einem bewegten Magneten in- 
ducirt werden, so schien es doch wünschenswerth, auch diefs empirisch 
nachzuweisen. Statt des mit Drath umwickelten eisernen Ankers wurde der 
S. 40 beschriehene leere Anker angewendet. Das Einschalten der Spirale, 
seihst ohne Eisenkern, bewirkte für diesen hohlen Drathanker genau diesel- 
ben Modificationen der physiologischen Wirkung als die unter 72) für den 
eisernen Anker beschriebenen. Das Ergebnifs ist deswegen wichtig, weil es 
die Ansicht beseitigt, dafs, um A über E überwiegend zu erhalten, Anwe- 
senheit von Eisen erfordert werde, und weil nun gerechtfertigt erscheint, 
dafs in der bisherigen Untersuchung die Rückwirkung des Gegenstromes auf 
den Magnetismus des rotirenden Ankers nicht berücksichtigt worden ist. 
Auch hat die Form des Eisens, welches inducireud wirkt, keinen Einfhifs, 
denn dieselben Erscheinungen werden erhalten, wenn der Anker der Ma- 
schine aus eisernen Drathbündeln besteht. 



6. Augenblickliches Eintreten des Funkens bei Unterbrechung der 

Leitung. 

91. Schliefslich verdient eine bei den Untersuchungen mit der Sax- 
tonschen Maschine bemerkte Erscheinung noch eine kurze Erwähnung, weil 
sie ein Mittel abgiebt die Frage zu beantworten, ob der Funken, welcher bei 
Unterbrechung eines einen elektrischen Strom leitenden Drathes wahrge- 
nommen wird, im Moment der Unterbrechung erscheint, oder eine mefsbare 
Zeit nach dieser Unterbrechung. Diese erfolgt bei der Saxtonschen Ma- 
schine dann, wenn die schleifende Feder von dem Metall auf Holz gelangt, 
welches bei einer bestimmten Stellung des Ankers eintritt. Erscheint der 
Funken im Augenblick der Unterbrechung, so mufs der Anker diese Stellung 
haben, erscheint er später, so mufs seine Stellung einem späteren Stadium 
der Rotation entsprechen. Der Unterschied beider Stellungen wird desto 
gröfser werden, je schneller der Anker sich dreht. Nun scheint aber der 
Anker, wenn die Maschine im Finstern langsam oder schnell gedreht wird, 
von den entstehenden Funken beleuchtet, vollkommen in jener ersten Stel- 
lung still zu stehen, selbst wenn man ein mit einem Fadenkreuz versehenes 
Fernrohr auf eine Marke des Ankers einstellt. Es vergeht also keine durch 
diese Mittel (obgleich sie eine geringere Gröfse als ^ Secunde messen las- 



über Induction durch clekti-omas'netisirtcs Eisen. 175 



O' 



sen) mefsbare Zeit zwischen Unterbrechung der Leitung und Entstehung des 
Funkens. 

92. Durch die in diesem Abschnitte dargelegten Untersuchungen ist 
der Beweis geführt worden, dafs die Anwesenheit des Eisens die negativen 
Wirkungen des Anfangsgegenstromes in gleicher Weise modificirt als die po- 
sitiven des Endgegenstromes, und dafs beide sich in allen nachweisbaren Ei- 
genschaften genau an die Nebenströme anschliefsen. Allerdings erstrecken sich 
diese Untersuchungen nur auf den besondern Fall, dafs der primäre Strom 
ein magnetoelektrischer ist. Aber diese Ströme scheinen zunächst den einzig 
zugänglichen Weg zu solchen Untersuchungea darzubieten. Aufserdem würde 
ohne sie die bei der Induction durch Reibungselektricität beobachtete That- 
sache, einer Verstärkung der physiologischen Y\ irkung durch eiserne Drath- 
bündel, und eine Schwächung durch massives Eisen, ganz ohne Analogie 
dastehen. In §. 77 dieses Abschnittes gelang es aber, dasselbe Phänomen 
vermittelst der Saxtonschen Maschine darzustellen. Diefs scheint dafür zu 
sprechen, dafs, so wie die Modißcationen der VN irkung des Eisens auf die 
von ihm inducirten Ströme, je nachdem es in Form massiver Stangen oder 
eiserner Drathbündel angewendet wird, sich zurückführen lassen auf eine 
Veränderung der Dauer dieser Ströme, so auch der Nebenstrom der Leyd- 
ner Flasche sich von den durch andre Elektricitätsquellen inducirten Strömen 
nur durch die Augenblicklichkeit des primären Stromes unterscheidet, wel- 
cher ihn hervorruft und durch seine diesem entsprechende kurze Dauer. 

93. Aus den Versuchen, welche Faraday (') in der fünfzehnten 
Reihe über die Elektricität des Gymnotus, und aus denen, welche Mat- 
teucci (-) über die des Zitterrochen angestellt hat, läfst sich schliefsen, dafs 
es möglich sein wird, durch den primären Strom derselben Nebenströme von 
hinlänglicher Stärke zu erhalten, um diese ähnlichen Prüfungen zu unter- 
werfen, als hier für die Nebenströme andrer Elektricitätsquellen geschehen 
ist. \^ enn der Fisch vermittelst Collectoren durch die innern Spiralen eines 
Differentialinductors geschlossen würde, so würde sich dann dadurch, dafs 
ein Drathbündel in der einen Spirale einem massiven Eisencylinder in der 
andern entgegenwirkt, ermitteln lassen, welchen Einflufs auf diese Ströme 

(') Philos. Transact. for 1839. pt. I. 

( ) Essai sur /es phe'nomenes electriques des animaux. Paris 1840. 8. 



176 D ove über Induction durch eleldromagnetisirtcs Eisen. 

das Auflösen einer Eisenmasse in Drathbündel hat. Daraus liefse sich dann 
näher bestimmen, welche Stelle jene Ströme in der Reihe der durch andre 
Electricitätsquellen bedingten einnehmen. Ordnet man diese nämlich nach 
der Zeitdauer, in welcher eine gegebene Elektricitätsmenge abgeglichen wird, 
so möchten sie etwa folgende Reihe bilden : 

1. Strom der sich entladenden Leydner Flasche, Gegenstrom der- 
selben, Nebenströme erster und höherer Ordnungen, endlich Ströme indu- 
cirt durch eiserne Dratbbündel, welche durch eine elektrische Flaschenbat- 
terie elektromagnetisirt wurden. Bei starker physiologischer Wirkung affi- 
ciren sie ohne Verzögerung des Stromes die Galvanometernadel nicht. 

2. Ströme inducirt durch massives, vermittelst Reibungselektricität 
magnetisirtes Eisen. 

3. Ströme höherer Ordnungen, inducirt durch elektromagnetisirte 
Drathbündel, wenn der primäre Strom ein galvanischer oder magnetoelek- 
trischer ist. Je niedriger die Ordnung, desto deutlicher tritt die galvanome- 
trische Wirkung hervor. 

4. Ströme erster Ordnung durch Drathbündel inducirt, wenn der 
magnetisirende Strom ein galvanischer, thermoelektrischer oder magnetoelek- 
trischer. 

5. Dieselben Ströme durch massives Eisen inducirt. 

6. Strom der Saxtonschen Maschine mit leerem Drathanker. 

7. Strom derselben mit eisernem, umwickelten Anker. 

8. Strom der geschlossenen Thermokette und Hydrokette. 

In der Geschichte der Wissenschaft ist das Anfangsglied und Endglied 
dieser Reihe zuerst bekannt geworden. Sie standen so weit auseinander, 
dafs man an ihrer Identität zweifelte. Jetzt, wo durch die Inductionser- 
scheinungen eine Menge Mittelglieder gegeben sind, ist die Abstufung so all- 
mählig geworden, dafs irgendwo eine Grenze zu ziehen, eine vollkommene 
Willkühr sein würde. 



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Zu Hrn. Daves j'lbh.n In.hutioi 




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Über 

den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 



•'Von 

H rn - MÜLLER. 



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[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 30. April 1840 und 13. Mai 1841.] 



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Erster Abschnitt. 
Historische Bemerkungen. 



enlacrinus caput Medusae, die einzige bis jetzt bekannte, nocb lebende 
Art der Gattung Pentacrinus wurde zuerst in der Mitte des vorigen Jahrhun- 
derts entdeckt. De Boisjourdain erhielt ein Exemplar desselben auf Mar- 
tinique von einem Seeofficier, der von Ostindien kam und nicht angeben 
konnte, in welchem Meere das Thier gefischt worden (*). Diese unbe- 
stimmte Nachricht gab Veranlassung, das Vaterland des Pentacrinus caput 
JMedusae nach Ostindien zu versetzen. Es ist indefs sehr wahrscheinlich, 
dafs in Hinsicht dieses Specimens der Sammlung von De Boisjourdain 
eine Verwechselung statt gefunden hat und dafs dasselbe von Martinique 
oder einer andern Insel der kleinen Antillen war, da die übrigen nach 
Europa gebrachten Exemplare sämmtlich von den kleinen Antillen her- 
rühren. Die ersten Nachrichten von jenem Thier gab nach jenem jetzt im 
Museum zu Paris befindlichen trocknen Exemplar Guettard in den Memoi- 
res de V Academie rojale des Sciences vom Jahr 1755 p.224 und 318. Die- 
selben enhalten eine in manchen Punkten genaue Zergliederung der Skelet- 
theile des Stengels, der Ranken oder Cirren desselben und der Arme. Der 
sämmtliche Glieder des Stengels, der Cirren, der Arme und der Pinnulae 
derselben durchziehende Canal, der sogenannte Nahrungscanal, die fünfblät- 
terigen gezähnelten Gelenkfacetten der Stengelglieder und die an der Bauch- 
fläche der Arme und Pinnulae befindliche Rinne sind bereits hier beschrie- 

(') Guettard in Mem. de l'Acad. roy. des Sciences a. 1755. Paris 1761. p.224. 

Physik.-math. Kl. 1841. Z 



178 Müller 

ben : aber die Stellung der Pinnulae an den Armen und die an den Pfändern 
der Rinne der Arme befindlichen Kalkplättchen sind nicht ganz richtig ange- 
geben und letztere irrthümlich für Saugnäpfe gehalten. Ellis ('), welcher 
ein von Barbados nach England gekommenes Exemplar kurz beschrieb und 
abbildete, hat zur weitern Kenntnifs dieses Thieres nichts hinzugethan. 

Die Ähnlichkeit der Arme des Pentacrinus caput JSledusae mit Linck's 
caput RIedusae cinereüm und brunncum, ungestielten Crinoiden, wurde schon 
von Guettard eingesehen. Diese, welche Linne als eine Species betrach- 
tete und Asterias multiradiala nannte, gehören dem Genus Alecto Leach, 
Comalula Lamarck an. Gleichwohl stellte Lamarck noch im Jahre 1816 
die Encrinen unter den Polypen, die Comatulen unter den Echinodermen 
auf, indem er die Polypen an die Pinnulae der Arme versetzte. Schweig- 
ger ( 2 ), welcher die Comatulen näher untersuchte, leuchtete die Ähnlich- 
keit derselben mit den gestielten Crinoiden ein und er bemerkte, dafs die 
Encrinen der Gattung Alecto Leach, Comalula Lamarck zunächst ver- 
wandt seien. 

Mit grofser Klarheit entwickelt Miller ( 3 ) die Verwandtschaft der 
Crinoiden unter einander und ihre Eigenthümlichkeiten in der Klasse der 
Echinodermen in seinem klassischen Werke über die Crinoiden, welches eine 
genaue Zergliederung des Skelets des Pentacrinus caput Medusae so wie al- 
ler damals bekannten Crinoiden enthält. Miller betrachtete die Comatulen 
als Pentacrinen ohne Stiel. 

Die Kenntnisse über die innere Structur der Comatulen waren damals 
noch sehr mangelhaft. Kaum hatte man durch J. Adams ( 4 ) die Existenz 
eines Afters neben dem Munde erfahren. Dieser hatte nämlich bei seiner 
Aslerias pectinata (Alecto europaea L e a c h , Comalula mediterranca La m.) 
zwei Offnungen an der Scheibe bemerkt, die eine an dem Zusammentreffen 
der Valveln, die andere seitlich in der gröfsten Valvel. Schweigger hat 
nur sehr wenig über den Bau dieser Thiere mitgetheilt, worunter dasjenige 
über den Centralcanal der Arme und die Höhle des Centralstücks des Ske- 

(') Philos. Transact. 1761. Vol. 52. p. 1. 1762. 

( 2 ) Beobachtungen auf naturhistorischen Reisen. Berlin 1819, und Handb. der skeletlo- 
sen ungegliederten Thiere. Leipzig 1820. p. 528. 

( 3 ) A natural his/ory of the Cnnoidea. Bristol 1821. 
(") Trans, of the Linn. Soc. Vol.V. London 1800. 



über den Bau des Pentacrinus Caput Jledusae. 1 79 

lets, von welchem die Arme ausgehen, das bemerkenswertheste ist. Denn 
die Angaben über die Verdauungsorgane waren noch sehr unvollkommen; 
Schweigger hatte den Mund in der Mitte der Scheibe übersehen und die 
seitliche Öffnung für Mund und After zugleich genommen. 

Die beiden Offnungen wurden von Leuckart neuerdings selbststän- 
dig wiedergefunden und die mittlere als Mund, die seitliche in eine Pvöhre 
verlängerte als After nachgewiesen. In einem 1822 an v. Schlottheim ge- 
richteten Briefe legte derselbe sowohl hierüber als insbesondere über die 
Verwandtschaft der Pentacrinen und Comatulen lehrreiche Bemerkungen 
nieder. Hier heifst es, dafs das Genus Comatula sich von dem Stiele der 
Pentacrinen befreit und nur jene kleinen Fortsätze, Cirri, an der untern Seite 
des centralen Skelettheiles behalten habe. Daher sei es bemerkenswerth, 
dafs gerade der untere Mittelpunkt der Comatula mediterranea frei, d. h. 
ohne diese Fortsätze ist, und dafs sich diese rund um den Mittelpunkt fest- 
setzen ('). Die Verschiedenheit der Mund- und Afteröffnung wurde auch 
von Meckel ( 2 ) beobachtet. 

Weitere Mittheilungen über die Anatomie der Comatulen lieferte 
Heusinger ( 3 ). Seine zweite verdienstliche Arbeit über diesen Gegen- 
stand hat den Bau dieser Thiere wesentlich aufgeklärt. Das folgende ist 
ein Auszug der Ergebnisse dieser Untersuchung der C. mediterranea Lam. 
Die Arme der Comatula werden an ihrer Basis durch eine Haut vereinigt, 
welche, weicher werdend, in die obere Fläche der Scheibe und der Strahlen 
übergeht, unten setzt sie sich unmittelbar in die kalkigen Theile fort. Von 
einer fünfseitigen centralen Vertiefung von weifser Farbe, in deren Mitte der 
Mund, gehen über die rothe Oberfläche 5 weifse Rinnen aus, die sich da, 
wo sich die Strahlen theilen, ebenfalls theilen, so dafs nach einem jeden 
Strahle ebenfalls eine solche Rinne läuft, welche in alle Nebenstrahlen sich 
fortsetzt. Die dunkeln Ränder dieser Rinnen sind nicht gleichmäfsig, son- 
dern gehen in lauter kleine Wärzchen aus, deren Basis schwarzroth ist. 
Diese franzenartigen Ränder sind äufserst contractu, so dafs das Thier die 
Rinnen öffnen und schliefsen kann. In einem der 5 Felder erhebt sich die 

(') v. Schlottheim, Nachtrüge zur Petrefactenkunde. Abth. II. Gotha 1823. p. 48. 
und Leuckart in Heusinger's Zeitschrift für organ. Physik. III. p. 385. 
( 2 ) Meckel's Archiv für Physiologie. 1823. p. 470. 
(') Ebend. 1826. F . 317. und Zeitschrift für organ. Physik. III. 366. 

Z2 



180 Müller 

Afterröhre, mit einer in Falten gelegten Afteröffnung, durch welche Koth, 
Sand, Wasser heraustreten. Schneidet man die Haut im Umfange der 
Scheibe und von der concaven Fläche der Strahlen ab, so sieht man, dafs 
ihre untere Fläche glatt und frei ist, man kann sie zurückschlagen bis um den 
Mund des Thieres, wo sie mit der Bauchhaut verwachsen ist. Man kann 
dann auch das ganze Thier aus der Kalkscheibe herausnehmen, wenn man 
nur einen Canal noch durchschneidet. Der Mund führt in eine rundliche 
Magenhöhle, aus welcher der gewundene Darm entspringt, der sich unter 
der Afterröhre öffnet. Trennt man das Thier auf die angegebene Art von 
den Armen und der Haut der Scheibe, so ist der Bauch vollkommen geschlos- 
sen von der Bauchhaut, welche nirgends eine Öffnung zeigt, fest und glatt 
ist. Im lebenden Thier schien zwischen der äufsern Haut und dieser Bauch- 
haut Wasser zu sein. Der Magen führt durch eine enge mit Klappe verse- 
hene Öffnung in den Darm. Dieser ist ein runder Canal, der hier einen 
kleinen Blindsack bildet, dann um den ganzen Magen herumläuft, so dafs er 
etwas mehr als eine Windung macht. Die zwischen Magen und Darm lie- 
gende Wand ist verhältnifsmäfsig sehr dick und mufs noch andere Organe 
enthalten. Die Afterröhre besteht aus einer Fortsetzung der äufsern Haut, 
der Darm hört unter ihr auf. 

Heusinger beschreibt ferner die Höhle in der Mitte der Kalkscheibe 
und in dieser ein Centralorgan des Gefäfssystems, welches ringförmig er- 
schien. Aus diesem liefsen sich 10 Gefäfse verfolgen, von denen 5 in den 
Zwischenräumen der Strahlen verschwanden, die 5 anderen nach den Canä- 
len der Arme gehen. Ein jedes theilt sich in 2 Äste für 2 Strahlen und aus 
diesen entspringen dann kleinere Aste für die Nebenstrahlen. Ferner tritt 
aus dem Centralgefäfs ein anderes Gefäfs gerade herauf in den Körper des 
Thieres, neben dem Magen gegen den Mund. Wurde die Haut um den Mund 
vorsichtig abgelöst, so kam Heusinger auf 3-5 Offnungen, die man aber 
ohne die Haut wegzunehmen, nie sehen konnte. Eingebrachte Pferdehaare 
führten in Fächer in der Substanz zwischen Magen und Darm. 

Eine genaue Zergliederung des Skelets der Comatula mediterranea 
und mulliradiata so wie vieler zum Theil neuer fossiler Crinoiden lieferte 
Goldfufs in seinem ausgezeichneten Werke über die Petrefacten ('). 

(') Petrefacta musei reg. univers. Bonnensis. Düsseldorf 1826. 



über den Bau des Pentacrinus caput JMedusae. J81 

Die kleinen Tentakeln in den Furcben des Bauchs, der Arme und 
Pinnulae hat Savigny zuerst beobachtet, wie sich aus seinen Abbildungen 
einer Comalula des rothen Meeres (Alecio Sarignii Nob.) in der Descri- 
ption de lEgypie, Echinodermes ergiebt. Delle Chiaje (') hat diese Ten- 
takeln beschrieben. Per iult' i margini delle teste descrilte parli prolungasi 
un vase sanguigno, che in correspondenza del soleo ha de lubolini analoghi 
ä piedi delle altre stelle ed ofiure, ncl la banda opposta avendo le respetlife 
ampollette. Nach der Abbildung scheinen die beiden Tentakelreihen der 
Furchen, jede mit einem Gefäfs versehen zu sein und diese Gefafse durch 
die Breite der Furche getrennt. Es finden sich indefs solche 2 Gefafse an 
den Rändern der Furche nicht und unter der Furhe liegt nur ein einziger 
weiter Canal, welcher aber an den Armen hie und da durch ein dünnes 
Scheidewändchen getheilt ist. Am Bauch ist der Canal immer einfach. 
Diese Canäle gehören nicht dem Blutgefäfssystem an. 

Delle Chiaje beschreibt aufser dem After und Mund auf der Bauch- 
seite der Scheibe noch eine dritte von einem Kranz von Fühlerchen umge- 
bene Spalte und bildet sie ab. Nel mezzo del dorso giace l orifizio della 
bocca circolare e nel fondo e chiuso da due pezzi membranosi semilunari. AI 
suo Jianco sinistro apparisce l apertura dell ano, e nclla succesira aia mag- 
giore vedesi un cerchio con raggi lubulosi e nel mezzo ha un forame bislungo, 
e forsi per nulla diverso del lubercolo labirinlifero delle altre stelle marine. 
Diese mit Tentakeln umgebene Spalte habe ich in keinem Falle wiederfinden 
können. Ohne Zweifel hat dazu das auf den Comatulen lebende Epi- 
zoon ( 2 ), das am Rande mit einem Kranze von Franzen umgeben ist, Ver- 

(') Memorie sulla slorla e notomia degli animali senza vertebre. Vol. IV. Napoli 1829. 

p.19. Tab.LUI. fig. 8-13. 

C) Myzostoma cirri/erum Leuck. Der von mir in dem Monatsbericht der Akademie 
1841. p. 188 diesem Thiere ertheille Namen Cyclocirra Thorn/isonii fallt aus. Der Bau des 
Thierchens ist durch Loven trefflich aufgeklärt. Kongl. Vetensk. Academ. Handlingar. 
Stockholm 1840. Erichson, Archiv für Naturgeschichte 1842. I. p. 306. Alle Indviduen des 
Thierchens, die ich auf Exemplaren von Comatula mediterranea beobachtete, hatten Cirren 
am Rande. Myzostoma g/abrum, welches L euckart als der Comalula mediterranea angehö- 
rig zuerst beschrieb (Isis 1830. 612.), halte ich für identisch mit dem von ihm später 
(Froriep's Notizen 1836. N. 1087.) nach einer Notiz von Thompson (Jameson netv 
Edinb. Phil. Journ. 1836. 1. 296.) aufgestellten Myzostoma cirri/erum. Von den Entozoen 
unterscheiden sich diese Thiere sehr durch ihr schnelles Laufen. Zusatz. 



182 Müller 

anlassung gegeben. Man trifft es häufig auf der Scheibe und an den Armen 
der Alecio europaca festsitzend an. 

Die aufserordentliche Verwandtschaft der Pentacrinen und Coraatulen 
sollte noch durch ein wichtiges Factum der Entwicklungsgeschichte aufge- 
klärt werden. Die Comatulen sind im Jugendzustande wirklich festsitzende 
Pentacrinen. 

Im Jahr 1827 lernten die Naturforscher die Entdeckung eines ganz 
kleinen Pcnlacrinus in der Bai von Cork durch John Thompson (') ken- 
nen. Es ist das als Pentacrinus europaeus anfänglich von ihm beschriebene 
Thierchen, welches Blainville zum Typus einer Gattung Phytocrinus er- 
hob. Das mit seinem Stiel festgewachsene Thierchen ist, wenn ausgewach- 
sen, kaum \ Zoll hoch. Stiel und Arme bestehen aus kalkigen Gliedern. 
Die Scheibe besitzt, wie bei Comatula, einen mittleren Mund und einen ex- 
centrischen After. Die Basis des Stiels, durch welche das Thier an Coral- 
len befestigt ist, besteht in einer etwas convexen runden oder ovalen 
Scheibe; aus einer Grube in der Mitte ihrer obern Fläche entspringt der 
Stengel. Diese Basis scheint Thompson derjenige Theil des Thiers zu 
sein, welcher sich zuerst entwickelt und ausbildet. In einem Fall entspran- 
gen 2 Stiele aus einer Basis. Der fadenartige Stiel besteht in ausgewachse- 
nen Thierchen nur aus etwa 24 Gliedern, die nach oben kürzer werdend 
sich in Scheibchen verwandeln. Der ganze Stamm ist mit einer feinen Haut 
bekleidet, durch die alle knöchernen Theile des Thieres zusammen gehalten 
werden. Das Thierchen besitzt das Vermögen, den Stamm frei nach einer 
jeden Richtung hinzubeugen und zu neigen und selbst ihn in eine kurze Spi- 
rallinie zu drehen. 

Vom Stengel des Pentacrinus unterscheidet sich dieser Stengel, dafs 
er keine Verticillen von gegliederten Ranken trägt, mit Ausnahme des ober- 
sten Gliedes dicht an dem Körper, wo sich eine einfache Reihe von 5 Cirren 
befindet, die den Armen gegenüber stehen. Die Basis des Körpers des Thie- 
res z-uht auf dem Stengel und besteht aus 5 keilförmigen Platten, deren brei- 
testes Ende sich mit dem ersten Glied der Arme verbindet. Die Arme thei- 
len sich vom zweiten Glied an gabelig, so dafs sie einen Stern von 10 Strahlen 



(') Memoir on the Pentacrinus europaeus. Cork 1827. Heusinger's Zeitschrift für 
Organ. Physik. II. 55. Taf.V.^I. 



über den Bau des Pentacrinus Caput Medusae. 183 

darstellen. Die Zahl der Glieder an diesen beträgt gegen 24. Ihre Seiten 
sind alternirend mit den gegliederten Pinnulae besetzt und die Pinnulae 
scheinen unter einer starken Vergröfserung selbst wieder abwechselnd mit 
Wimpern besetzt zu sein. Der Körper des Thieres liegt in der Concavität 
des Perisoms. Oben zeigt derselbe eine mittlere Öffnung, den Mund. Zwi- 
schen den Armen ragen blumenblattähnliche Klappen hervor, die das Ver- 
mögen besitzen, sich auszubreiten oder sich zusammenzufalten. Wenn sie 
geöffnet sind, so erscheinen einige weiche Tentakeln, die in ihrem Bau den 
Tentakeln der Arme gleich sind (Thompson nannte die Pinnulae der Arme 
Tentakeln). Die Afterröhre liegt wie bei Comatula. Die kleinsten Exem- 
plare, welche Thompson beobachtete, waren kaum i Zoll hoch. In die- 
sem Stadium gleicht das Thier einer Keule, es ist durch eine ausgebreitete 
Basis befestigt und läfst aus seiner Spitze einige wenige durchsichtige Pinnu- 
lae hervortreten. Kein Stück der festen Theile ist sichtbar, als ein unbe- 
stimmtes Ansehen des Kelches oder Perisoms. In weiter vorgeschrittenen 
Exemplaren fangen mit der Verlängerung des Stiels die Glieder an zu er- 
scheinen, die Pinnulae treten stärker hervor und auch die Basen der 
Arme sowohl als die Cirren werden wahrnehmbar, worauf sich die Arme 
verlängern. 

Später hat der Entdecker des Pentacrinus europacus gefunden, dafs 
dieser nur der Jugendzustand einer Comatula ist ('). Er trennt sich später 
von seinem Stiel und ist dann eine Comatula. Die Beweise davon sind fol- 
gende : 

Der junge Pentacrinus erhält die dunkeln Punkte an den Fühlerfur- 
chen der Arme, wie sie Comatula hat. Die junge Comatula, wenn sie frei 
ist, bekommt bald statt 5 Cirren, einige mehr, z. B. 9. Die Pentacrinen zei- 
gen sich erst zur Zeit, wo die Eier der Comatulen abgehen (Juli) und die 
Pentacrinen verschwinden wieder im September, der einzigen Zeit, wo man 
junge Comatulen antrifft. 

Einige weitere Beiträge zur Anatomie der Comatulen lieferte 1835 
Dujardin ('). Derselbe beobachtete die von Savigny und Delle Chiaje 

(') Jameson new Edinb. Phil. Journ. 1836. Jan.-April. p. 296. 
(') V Institut Journal general ect. 1835. 119. 



184 Müller 

gesehenen Tentakeln der Furche der Pinnulae, Arme und der Bauchseite 
der Scheibe genauer und unterschied sie von den rothen Wärzchen, womit 
die Ränder dieser Furchen aufsen besetzt sind. Diese Fühlerchen, welche 
Dujardin tenlacula respiratoria nennt, erregen im Wasser eine Bewegung, 
welche die Nahrungsstoffe gegen den Mund führt. Die rothen Bläschen oder 
Wärzchen sondern reichlich einen rothen Saft ab, besonders zur Zeit der Ent- 
wickelung der Eier. Dujardin bestätigt die sogenannte Afterröhre in die- 
ser Function, er sah sie Excremente aus Bacillarien u.a. auswerfen. Die 
weiblichen Geschlechtstheile sind von Dujardin zuerst beobachtet. Sie 
liegen an einer von der Lage bei den Asterien ganz verschiedenen und für 
diese Crinoiden characteristischen Stelle, nämlich an den Pinnulae der Arme, 
sind daher in sehr grofser Anzahl vorhanden und bringen die Anschwellun- 
gen hervor, welche Miller (') als eigenthümlich bei seiner Comalula fim- 
briata ansah. Der Verfasser erwähnt auch Kalkplatten, welche in der Dicke 
der Magenhaut, membrane stomacale abgesondert werden sollen, worunter 
wahrscheinlich eine unregelmäfsige Ossification in der Basis des Eingeweide- 
sacks gemeint ist, da wo derselbe an die Mitte des Kelches angewachsen ist. 

Thompson erwähnte in seiner neueren Mittheilung von 1836 eben- 
falls der Eierstöcke an den Pinnulae. Im Mai und Juni schwellen die un- 
teren Hälften der Pinnulae an und im Juli oder schon früher gehen die Eier 
durch eine runde Öffnung an der äufsern Seite der angeschwollenen Pinnu- 
lae ab, wo sie noch eine Zeit lang als eine Eiertraube hängen bleiben ( 2 ). 

Der einzige bis jetzt bekannte Pentacrinus der lebenden W 7 elt ist im- 
mer noch der Pentacrinus Caput IMedusae von den kleinen Antillen. Das 
kürzlich von d'Orbigny ( 3 ) beschriebene Crinoid IIolopus gehört jedenfalls 
nicht zu dieser Abtheilung. Es ist, wenn auch mit einem Stiel festgewach- 
sen, doch ohne Gliederung desselben. Dieser kurze Stiel enthält die Ein- 
geweidehöhle und ist daher dem Kelch eines Crinoids vergleichbar. Ganz 
abweichend von dem Bau der Comatulen ist, dafs hier kein vom Munde ge- 
trennter After sich vorfindet. 

(*) O.a. O. p.128. ctab. 

( 2 ) Siebe die Abbildung a. a. 0. 

( 3 ) Wiegmann's Archiv für Naturgeschichte. 1839. I. p. 185. Taf.V. Fig.2-7. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 185 

Vom Pentacrinus caput Medusae sind bis jetzt 7 Exemplare nach Eu- 
ropa gekommen. Es sind folgende : 

1. Von Martinique, im Museum zu Paris, es ist das von Guettard be- 
schriebene. 

2. Von Barbadoes, im Hunterschen Museum zu London. 

3. von Nevis, ehemals im Besitz von J. Tobin, jetzt im British Museum 
und von Miller beschrieben. 

4. Von Guadeloupe, in der geological Society zu London. 

5. Von Barbadoes, im Hunterschen Museum in Glasgow, nach Miller 
ist es das von Ellis in den phil. Transact. 1761. Vol. 52. p. 1. 1762. 
kurz beschriebene und abgebildete. 

6. Von den Dänischen Besitzungen in Westindien, zu Copenhagen. 

7. Ebendaher (St. Thomas), in meinem Besitz, von Hrn. Apotheker 
Meihlenburg in Flensburg erstanden. 

Die meisten von diesen sind mehr oder weniger zerstört und verstüm- 
melt und trocken. Die beiden letztern sind in Spiritus aufbewahrt. Das 
Exemplar zu Copenhagen soll nicht geöffnet sein, an dem unsrigen ist die 
Krone geöffnet, aber wiewohl alle Weichtheile der Arme vortrefflich erhal- 
ten sind, so sind doch leider die Eingeweide der Scheibe verloren und die 
Bauchseite der Scheibendecke geborsten und gröfstentheils zerstört. 

Die Weichtheile des Pentacrinus sind bis jetzt nicht bekannt gewor- 
den und obwohl man sich von den Comatulen aus einen ohngefähren Begriff 
von dem Bau ihrer Krone machen konnte, so ist doch auch der Bau der Co- 
matulen nicht vollständig bekannt gewesen und wir haben bisher alle Kennt- 
nisse über den Bau des Stengels der Pentacrinen entbehrt. Unsere Unter- 
suchungen haben nun zur Aufgabe, die Anatomie der Pentacrinen und Co- 
matulen und die Organisation der Crinoiden überhaupt im Vergleich mit den 
Ästenden vollständiger als es bisher möglich war, aufzuklären (*). 



(') Eine allgemeine Übersicht der durch die Anatomie des Pentacrinus und der Coma- 
tulen im Vergleich mit den Asterien gewonnenen Resultate, enthält der Monatsbericht der 
K. Akademie der Wissenschaften. April 1840 und Wiegmann's Archiv 1840. 1. 307. 



Physik - math. Kl.iMi. A a 



186 Müller 



Zweiter Abschnitt. 

Allgemeine Bemerkungen über das Skelet und sein Verhältnils 
zu den anderen Gebilden bei den Pentacrinen und Comatulen. 

Die Anordnung der Skelettheile bei den Pentacrinen und Comatulen 
zeigt im Allgemeinen eine sehr grofse Übereinstimmung. Beide unterschei- 
den sich hauptsächlich nur durch den Bau des Achsentheils. Bei den Co- 
matulen ist der Stengel nur in der Jugend vorhanden und ohne die in Ab- 
ständen stehenden Wirtel von gegliederten Ranken oder Girren. Die Ran- 
ken der jungen noch gestielten Comatulen befinden sich nur am Ende des 
Stengels und bei der freien Comatula an dem centralen Dorsalstück der 
Scheibe, an welchem die zu den Armen führenden Radialglieder des Kelches 
direct befestigt sind und welches daher dem Stengel der Pentacrinus ver- 
gleichbar ist. 

Die Stengelgebilde der Pentacrinen sind ohne alle Muskeln, sowohl 
die Glieder der Säule als die Cirren oder Ranken. Dasselbe gilt von den 
Dorsalcirren der Comatulen. Die Ranken sind bei den Comatulen sowohl 
als Pentacrinen nicht einmal an ihren Befestigungsstellen mit Muskeln verse- 
hen. Einige Schriftsteller (*) behaupten zwar, dafs die Comatulen die Cir- 
ren zum Kriechen benutzen können. Durch die anatomische Untersuchung 
dieser Gebilde hatte ich bereits die Überzeugung gewonnen, dafs diesen Or- 
ganen alle thierische Bewegung abgehen müsse, dies hat sich bei den Beob- 
achtungen über die Lebeuserscheinungen der Comatulen, die ich an einer 
sehr grofsen Anzahl von Individuen im frischen lebenskräftigsten Zustande 
derselben in Triest anstellte, bestätigt. Diese Gebilde sind daher wohl zum 
Anhängen an Meerespflanzen, Polypenstämme und andere Gegenstände be- 
stimmt, aber das Anheften kann entweder nur zufällig oder, wenn es ab- 
sichtlich von dem Thiere ausgeführt wird, mittelbar durch die Bewegungen 
der Arme des Thiers geschehen. Bei den Pentacrinen ist es völlig dem Zu- 
fall überlassen, ob und wie sich die Ranken des Stengels an Seepflanzen und 
Polypenstöcke anheften, bei dem festen Standorte dieser Thiere läfst sich 

(') Leuckart, Heusinger. 



über den Bau des Pentacrinus Caput Medusae. 187 

zwar ein von dem Wachsthum abhängiges Ranken der Cirren an den Gegen- 
ständen, mit denen sie in Berührung kommen, denken, aber dieses wird sich 
in keiner Weise von dem Ranken der Pflanzen unterscheiden. 

Der Stengel der Pentacrinen ist in geringerm Grade biegsam, vermöge 
der elastischen Interarticularsubstanz zwischen den Gliedern, aber man mufs 
sich ihn als einen von dem Willen des Thiers ganz unabhängigen Stamm 
denken, denn nirgend kommt eine Spur eines Muskels an ihm vor. Wenn 
Miller in seinen Crinoiden von Muskeln spricht, so darf man sich darunter 
nichts anders als weiche Theile überhaupt vorstellen, denn in diesem Sinne 
braucht er jenen Ausdruck auch sonst sehr oft. Dieser Stengel der Pen- 
tacrinen wird daher nur passiv wie die Stengel der Pflanzen bewegt. Die 
bewegenden Kräfte des Thiers beschränken sich durchaus auf seine Kronen- 
gebilde. Selbst die Mitte der Krone ist durch die Wurzelglieder der Arm- 
basen unbeweglich auf dem Stengel befestigt, so dafs die Mundseite oder 
Bauchseite der Thiere immer nach oben gekehrt ist, gleichwie auch die 
freien Comatulen immer die Mundseite nach oben gekehrt schwimmen, und 
nach jedem Versuch, den man macht, sie umzukehren, in diese Lage zu- 
rückkehren. 

Die jungen noch gestielten und festsitzenden Comatulen scheinen sich 
durch die Contractilität ihres Stengels wesentlich von den Pentacrinen im 
erwachsenen Zustande, wie wir die letzteren allein kennen, zu unterschei- 
den. Die noch gestielten jungen Comatulen können nach Thompson's 
Zeugnifs ihren Stengel in jeder Richtung biegen und sogar spiralförmig zu- 
sammenziehen. 

Wenn ich den Stiel einer jungen Comatula mit verdünnter Säm-e be- 
handelte und das zarte Kalknetz seiner Glieder auflöste, so trat ein den Sten- 
gel durchziehender ununterbrochener festerer Strang zum Vorschein, wel- 
cher von der thierischen Grundlage der Knochentheile wohl zu unterschei- 
den ist und welcher den gröfsten Theil der Dicke des Stengels einnahm. 
Tab.I. flg. 4 stellt einen Theil des Stengels der jungen Comatula vor, wie er 
sich unter dem Mikroskop vor der Behandlung mit Säure ausnimmt, Fig. 6 
nach der Behandlung mit Säure. Aber es mufs bezweifelt werden, dafs die- 
ser faserige Strang der Sitz der Contractilität ist. Werden Theile des Sten- 
gels des Pentacrinus Caput Hledusae mit Säuren behandelt, so treten zwar 
auch faserige Stränge hervor, aber diese sind weifse Sehnen oder Bänder 

Aa2 



188 Müller 

und haben nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem bräunlichen Muskelge- 
webe, wie man es an den Muskeln der Arme wahrnimmt. Thompson hält 
eine dünne Lage gallertiger Substanz zwischen der Haut und den Knochen- 
gliedern der jungen Comatula für den Sitz der Contractilität. Diese Schichte 
sowohl als eine besondere Haut an der Oberfläche der Glieder fehlen den 
erwachsenen Pentacrinen. 

Die Weichtheile liegen theils zwischen den Gliedern, wie die Bänder 
zwischen allen beweglich verbundenen Knochenstücken, auch die Muskeln 
zwischen den Gliedern der Arme, theils liegen sie in der Achse der Skelet- 
stücke und diefs betrifft blofs den alle Glieder des Stengels, der Cirren, der 
Arme und ihrer Pinnulae durchziehenden feinen Canal, den sogenannten 
Nahrungscanal, theils und zwar gröfstentheils liegen sie auf der Bauchseite 
der Kronengebilde, sowohl am Discus selbst, als an den Armen. Zu diesem 
Zwecke sind die Basen der Arme zu einem Kelch verbunden und ist die 
Beugeseite der Arme mit einer tiefen Rinne versehen. Im mittlem Theil 
des Thiers liegen die Verdauungseingeweide, an den Armgebilden und zwar 
an den Pinnulae liegen die Geschlechtsorgane und zwar so zahlreich als die 
Pinnulae selbst. Die Bauchseite oder der Scheitel der Scheibe ist von 
Haut bedeckt, welche in den Zwischenräumen der Armbasen oder Kelchra- 
dien entspringt, sich über die Bauchseite der Arme und Pinnulae fortsetzt, 
aber nicht die Dorsalseite der Skelettheile bedeckt. Die Skeletbildungen, 
insbesondre die Glieder der Krone, sowohl des Discus als der Arme, gehö- 
ren daher der dorsalen Seite an, eine Eigenthümlichkeit, welche die Pentacri- 
nen und Comatulen von den Seesternen wesentlich unterscheidet und für die 
Crinoiden, im Gegensatz der Asteriden, wie wir später sehen werden, ty- 
pisch ist. 

Der mikroskopische Bau des Skelets verhält sich wie in den andern 
Familien der Echinodermen. Die Knochen bestehen aus einem Netzwerk 
von Balken, welche rundliche Lücken zwischen sich haben, die keine ge- 
schlossenen Zellenräumchen sind. Tab.I. Fig. 3 von Pentacrinus caput Me- 
dusae. An vielen Stellen nehmen die Bälkchen die Form eines regelmäfsi- 
gen Gitterwerkes an, so dafs man parallele Längs- und Querbälkchen unter- 
scheiden kann. Nach Extraction des Kalksalzes durch verdünnte Säuren 
bleibt eine thierische gleichgebildete Grundlage zurück, welche an der äu- 
fsern Oberfläche ein zusammenhängendes Häulchen bildet. Dieses (der Sitz 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 189 

der Farbe bei den Comatulen) ist am Stengel und an den freien Seiten der 
Armglieder im frischen Zustande so innig mit dem Knochen verbunden und 
selbst verknöchert, dafs es sich nicht isolirt darstellen läfst. Ich erwähne 
dies ausdrücklich, da Miller von einer äufsern dünnen Haut der Glieder des 
Stengels spricht. 

Alle Skelettheile wachsen an ihren Oberflächen, nicht durch Vergrö- 
fserung der Balken und Maschen des Netzwerkes in der ganzen Dicke. 
Denn bei Exemplaren der jungen noch gestielten Comatula, welche ich von 
Hrn. Gray in London erhielt, waren die Theilchen des Kalknetzes (Tab.I. 
Fig. 5) eben so grofs als bei den erwachsenen Comatulen. 

Die Haut des Scheitels und der Bauchseite der Arme ist bei den Co- 
matulen meistens weich, bei einigen enthält sie mikroskopische Kalktheil- 
chen, in Form von Stäbchen, einfachen oder zertheilten Balken, Anfänge der 
Ossification. Es sind dieselben Theilchen, welche Hr. Ehrenberg bereits 
in der weichen äufsern Haut der Holothurien beobachtete. Bei vielen Echi- 
nodermen zeigen auch einzelne innere weiche Theile diese Erscheinung und 
das sind die von Ja eger (') beobachteten Figuren in den Häuten der Lungen 
und Eierstöcke, welehe derselbe den Körperchen im Blut und Saamen der 
Thiere frageweise verglich. Einige Seesterne, wie Archaster typicus Müll. 
Trosch. haben diese Gebilde auch in den häutigen Wänden der Verdau- 
ungsorgane, was alles schon in dem Auszug dieser Untersuchung (Monats- 
bericht, April 1840) mitgetheilt worden ( 2 ). 



Dritter Abschnitt. 
Vom Stengel der Pentacrinen und der verwandten Crinoiden. 

1. Von den knöchernen Gebilden des Stengels. 

Stengel. Tab.I. Fig. 1. Unser Exemplar von Pentacrinus caput 
Medusae hat bei Armen von 5 Zoll Länge einen Stengel von 1\ Linien 



(') De Hohlhuriis. Turici 1833. 4. 

( 2 ) Vergl. über ähnliche Structur in einigen weichen Theilen der Seeigel Valentin 
Anatomie du genre Echinus 1841. Erdl in Wiegmann's Archiv 1842. 1. p. 45. 

Zusatz. 



190 Müller 

Dicke. An dem 6 Zoll langen Rest des Stengels befinden sich 10 Verticil- 
len von Cirren oder Stengelranken, wovon die untersten gegen 2 Zoll lang, 
die oberen kleiner und die obersten nur einige Linien lang sind. Die Di- 
stanz der Verticillen oder der Rankentragenden Glieder des Stengels nimmt 
nacb oben ab. Der oberste Wirtel befindet sich am dritten Glied des Sten- 
gels, der folgende am fünften, der nächste am neunten, der folgende am 
sechzehnten, an dem unteren Theil des Stengels liegen jedesmal 17-18 Glie- 
der zwischen den Verticillen, oder der Wirtel befindet sich am 18- 19 Glied 
vom nächsten Wirtel. 

Die Cirrentragenden Glieder unterscheiden sich von den andern nur 
durch eine gröfsere Höhe und durch die Facetten für die 5 Cirren. 

Am obern Theil des Stengels wechseln höhere und niedrigere Glieder 
ab, die Glieder haben stärkere Vertiefungen zwischen den 5 stumpfen Kan- 
ten des sternförmigen Prisma und an den Verbindungsstellen der Glieder be- 
findet sich grade an der tiefsten Stelle der 5 Einbiegungen eine Vertiefung 
gleich einem Porus. Gegen den untern Theil des Stengels verlieren sich 
diese nur scheinbaren Poren ganz, auch werden die Ausschnitte zwischen 
den 5 stumpfen Kanten des Prisma's immer seichter und die Form des Sten- 
gels nähert sich immer mehr und mehr der pentagonalen. 

Ferner unterscheiden sich die Näthe oder Gelenke, wo die Glieder 
aneinander gefügt sind, an dem obern und untern Theil des Stengels; sie 
sind nämlich am obern Theil des Stengels gesägt und man sieht aufsen sehr 
gut, wie die Zähne des einen Gliedes in die Vertiefungen des andern eingrei- 
fen und umgekehrt. Nach unten werden diese sägenförmigen Näthe immer 
undeutlicher und verlieren sich an den Kanten zuletzt ganz, so dafs die 
Grenzlinie zweier Glieder aufsen hier fast gerade erscheint. 

Die Gelenkfacetten der Stengelglieder sind bereits von Guettard und 
Miller beschrieben und abgebildet, auf ihnen zeigt sich eine sternförmige 
Figur von fünf ovalen Rlättern, die in der Mitte, wo der Centralcanal durch 
den ganzen Stengel geht, zusammenstofsen. Um jedes dieser Rlätter zeigt 
die Facette des Gliedes erhabene Leisten mit Vertiefungen abwechselnd, 
welche vom ganzen Rande des Blattes nach aufsen abgehen. In dem Räume 
zwischen je zwei blattartigen Feldern begegnen sich die hier schief abgehen- 
den Leisten oder Zähne, die von den äufsern Enden der blattartigen Felder 
abgehenden zahnartigen Leisten laufen bis zum äufsern Rande des Gliedes 



über den Bau des Pcntaci'inus caput Medusae. 191 

und sind die Ursache der aufsen sichtbaren gesägten Nath zwischen 2 Glie- 
dern. Der Raum im Innern der Blätter ist von einer fibrösen Substanz ein- 
genommen, welche die Glieder verbindet und welche schon Guettard 
kannte. 

Die Glieder sind sehr fest verbunden und es ist sehr schwer, sie von 
einander abzulösen, ohne dafs die leistenartigen Zähne der Näthe absprin- 
gen. Leicht zerspringen dabei auch die Glieder an andern Stellen als an 
den Näthen. 

Cirren des Stengels. Die Ranken der rankentragenden Glieder 
des Stengels gehen von den 5 Seiteneinscbnitten oder Kehlen des sternför- 
migen Prisma's des Gliedes ab und sitzen hier an den ihnen bestimmten ver- 
tieften Gelenkfacetten. Die gröfsten Cirren am untern Theil des Stengel- 
stücks haben bei 2 Zoll und mehr Länge 36-37 walzenförmige gegen 1 Li- 
nie lange und ohngefähr \ — ^'" breite Glieder. Miller zählte 40 Glie- 
der an den Cirren. Die Basilarglieder der Cirren sind etwas kürzer und ge- 
gen \ Linie lang, an der Basis sind die Cirren nicht ganz walzenförmig, son- 
dern von oben nach unten etwas comprimirt, d. h. breiter als weiterhin, das 
Endglied ist conisch und hakenförmig umgebogen, besteht aber aus demsel- 
ben Gefüge wie das ganze Skelet. Eine Biegung zum Ranken erhält schon 
das Ende der Cirren vor dem Hakengliede. 

Die Cirren der oberen Wirtel sind kleiner und um so kleiner, je nä- 
her der Krone des Thiers. Die Cirren des obersten Wirteis sind noch nicht 
eine Linie lang und enthalten nur 4-5 dicht auf einander folgende dünne 
scheibenförmige Gliederchen. Die Cirren des nächsten Wirteis haben schon 
4-5'" Länge und schon 20 kurze Gliederchen. Die äufsersten Glieder der 
Cirren des zweiten Wirteis gleichen den sparsamen Gliederchen der jungen 
Cirren des ersten Wirteis, das Endglied ist abgestumpft und gleicht nicht 
dem langen hakenförmig gekrümmten Endstück der Cirren der folgenden 
Verticillen. Die Basilarglieder der oberen jungen Cirren sind auch sehr 
niedrig und niedriger als die mittleren Glieder. 

Alle Cirren enthalten einen Centralcanal wie der Stengel, welcher in 
den rankentragenden Gliedern von dem Canal des Stengels abgegeben wird. 

Die Gelenkfacetten der Cirrenglieder, wodurch sie unter sich in Ver- 
bindung stehen, beschreibt Miller also: Sie sind von einem erhabenen 
Saume umgeben, das Innere ist ausgehöhlt in zwei runde Vertiefungen von 



192 Müller 

ungleicher Gröfse, beide Vertiefungen sind getrennt durch einen queren Riff, 
der in der Mitte von dem Nahrungscanal durchbohrt ist. Ich finde die Ge- 
lenkfläche der unteren breitern deprimirten Glieder von einem queren Riff 
durchzogen, worin die Centralöffnung. Weiterhin verändert sich die Ge- 
lenkfläche, so dafs sie sich der von Miller bezeichneten Figur nähert. Ich 
sehe immer einen kleinen erhabenen Kreis in der concaven Gelenkfläche, 
dieser Kreis liegt zwischen dem Rande und der Centralöffnung, oder richti- 
ger der kreisförmige Wulst geht durch die Centralöffnung durch. Der Raum 
innerhalb des kleinen Kreises ist wieder vertieft. Die Seite des Cirrus, 
welche dem kleinen Kreis näher liegt, will ich die Rückseite nennen, sie ist 
die convexe bei der Riegung des Cirrus. Der Raum zwischen zwei Glie- 
dern wird von der Interarticularsubstanz eingenommen. Durch den Wulst, 
den sie dem ähnlichen Wulst des nächsten Gliedes zuwenden, sind sie in den 
Stand gesetzt, sich auf einander zu wiegen. 

Der Stengel der jungen Comatulen ist ohne Cirren, diese finden sich 
nur dicht unter dem Kelche. 

Die Cirren am Centrodorsalstück oder Knopfe der erwachsenen Co- 
matulen gleichen den Cirren des Stengels der Pentacrinus und unterschei- 
den sich nur durch ihre Stellung, dafs sie den ganzen Umfang des Knopfes 
dicht besetzen. Am mittlem Theil des Knopfes, wo früher der Stengel fest- 
sitzt, fehlen sie meistens in einer gröfsern oder kleinern Ausdehnung, aber 
bei Alecto Eschrichlii Nob. (') ist die ganze Oberfläche des halbkugelför- 
migen Knopfes mit Cirren besetzt. Rei mehreren Comatulen, wie Alecto 
palmata, A. Sang?iüuud elongata Nob. entwickelt sich an den letzten Glie- 
dern ein spornartiger Fortsatz an der innern Seite, der bei A. europaea nur 
am letzten Gliede, aufser dem Haken, vorkommt. 

Rasilartheil der Krone. Der Rasilartheil der Krone, Miller's 
Pelvis, ist ein metamorphosirtes Glied des Stengels. Es besteht aus 5 Stük- 
ken, die man als zerfallene Theile der 5 Rlätter des sternförmigen Prisma's 
der Stengelglieder ansehen kann, welche daher auch den Centralcanal des 
Stengels nicht in sich aufnehmen können, vielmehr diesen zwischen sich ha- 
ben. Sie entsprechen äufserlich am Stengel den Ecken des Pentagons oder 



(') Die neuen Arten der Comatulen sind im Monatsbericht der Akademie der Wissen- 
schaften 1841. p. 179 und in Wiegmann's Archiv 1841. 1. 139. beschrieben. 



ühcr den Bau des Pentacrinus caput ISledusae. 193 

sternförmigen Durchschnittes des Stengels. Die Glieder der Kelchradien, 
•welche sich in die Arme fortsetzen, liegen nicht in der Fortsetzung dieser 
Basilatia oder Beckenstüeke, sondern stützen sich auf zwei Basilaria an den 
Stellen, welche den Kehlen des Stengels entsprechen und verhalten sich also 
in dieser Hinsicht, wie die Cirren des Stengels selbst, daher die Basilarstücke 
zwischen Stengel und Krone mit den Kelchradien alterniren. 

2. Von der Verbindung der Stengel- und Rankenglieder. 

Sehnen, welche den ganzen Stengel durchziehen. Der ganze 
Stengel des Penlacrinus caput Mcdusae ist nach unsern Beobachtungen von 
5 Sehnen durchzogen, welche symmetrisch im Stengel vertheilt sind und 
jede einen elliptischen Querdurchschnitt darbieten. Sie werden bei der ge- 
waltsamen Trennung der Glieder des Stengels zerrissen und sind die Ursache 
der fünfblälterigen Figur, die man auf den Gelenkfacetten der Stengelglieder 
wahrnimmt. Innerhalb der Glieder selbst sind diese Sehnen nicht blofs 
von Knochensubstanz gan?. eingeschlossen, sondern diese durchzieht auch die 
Zwischenräumchen der Faserbündel jener Sehnen, so dafs man auf den 
Längsdurchschnitten des Stengels das Durchgehen der Sehnen nur undeut- 
lich sieht. Zwischen den Gliedern sind die Sehnen frei von Kalktheilchen 
und so weit sie hier frei sind, stellen sie Verbindungsbänder der Glieder dar. 
An feinen Durchschnitten des Stengels sieht man das Verhältnifs der sehni- 
gen Fäden zur Ossifikation sehr schön unter dem Mikroskop. Die sehnigen 
Fäden selbst ossificiren nicht, sie stecken nur in dem Gitterwerk des Kalk- 
netzes, welches hier eine sehr regelmäfsige Structur hat. Es bildet nämlich 
Längsbalken, die mit den Sehnenfäden parallel laufen und Querbalken, die 
sehr regelmäfsig parallel, über und um die Sehnenfäden verlaufen, nicht selten 
sieht man einzelne knotige Stäbchen, die nicht durch Querbälkchen mit ein- 
ander verbunden sind und die zuweilen wie gegliedert aussehen. Ebenso 
kommen auch ganz kurze isolirte Querbälkchen auf und zwischen den Seh- 
nenfäden zum Vorschein, die aber beim Abschneiden von Längsbalken ab- 
gebrochen sein können. Hat man das Kalknetz durch verdünnte Säure aus- 
gezogen, so bleiben innerhalb der zarten thieriseben Grundlage des Skelets, 
welche noch die Form behält, die Sehnen als ununterbrochene Stränge zu- 
rück und man sieht durchaus keinen Unterschied derjenigen Theile, welche 
in der Substanz der Glieder lagen und derjenigen, welche die Verbindungen 
Physik.- malh. KL 1841. B b 



194 Müller 

der Glieder bewerkstelligen. Tab. IV. Fig. 1 ist ein Stück einer der Längs- 
sebnen, wie es sich ohne Vergröfsernng darstellt. Ebend. Fig. 2 die Fasern 
derselben bei 450 maliger Vergröfserung abgebildet. Die Substanz der Seh- 
nen besteht aus einem weifsen, dem Sehnengewebe der höhern Thiere ganz 
ähnlichen sehr cohärenten fibrösen Körper, dessen primitive Fäden sich auch 
ebenso verhalten. Mit den gelbbräulichen Muskeln, wie sie an den Armen 
des Pentacrinus vorkommen, hat diese Masse nicht die geringste Ähnlichkeit. 
In den Cirren, Armen und Pinnulae fehlen diese continuirlichen Sehnen, 
vielmehr kommen daselbst nur Bänder zwischen den Gliedern vor. 

Elastische Interarticnlarsubstanz. Aufser den 5 Sehnen des 
Stengels, welche zwischen je zwei Gliedern die Bänder zu ihrer Verbindung 
bilden, sind diese noch durch eine zweite Substanz verbunden. Sie nimmt 
v den ganzen übrigen Raum zwischen je zwei Gliedern ein, liegt also zwischen 
den zahnartigen ineinandergreifenden Rippen je zweier Glieder. Diese Sub- 
stanz ist elastisch und unterscheidet sich hiedurch wie durch ihre Structur 
völlig von dem Gewebe der sehnigen Bänder. Sie ist auf das innigste mit 
den einander zugewandten Flächen zweier Glieder verbunden und setzt sich 
in die ossificirte Oberfläche der Glieder selbst eine kurze Strecke fort, nur 
zwischen je zwei Wirbeln in der gezahnten Nath ist sie weich. Von diesem 
Verhalten überzeugt man sich, wenn man ein Stück des Stengels, aus meh- 
reren Gliedern bestehend, in verdünnte Säuren legt und das Kalksalz 
auflöst. Dann bleibt diese Interarticnlarsubstanz übrig und erscheint wie 
ein die Sehnen umgebendes krausenartig gefaltetes sehr dickes häutiges Ge- 
bilde. Tab. IV. Fig. 3. Diese Falten haben namentlich in der Nähe der Seh- 
nen eine ansehnliche Höhe. Leicht kann man die krausenartige Interarticu- 
larsubstanz, welche nun in bestimmten Abständen die Sehnen umgiebt, an 
den Sehnen ablösen. Tab. IV. Fig. 4. 

Diese Interarticularsubstanz hat die Neigung, wenn man die Falten 
auseinanderzieht, sich wieder zu falten und besitzt eine grofse Elasticität in 
dieser Richtung. In einer auf die Gelenkflächen der Glieder senkrechten 
Richtung läfst sich dies Gewebe nicht verlängern, dagegen dehnt es sich, 
wenn es in dieser Richtung zusammengedrückt worden, beim Nachlafs des 
Druckes von selbst wieder aus. Die Elasticität desselben besteht also in der 
Zusammenziehungsfähigkeit nach seitlicher Ausdehnung und in der Ausdeh- 
nungsfähigkeit nach senkrechter Zusammendrückung. Dies Verhalten rührt 



über den Bau des Pentacrinus Caput Medusae. 195 

von einer sehr eigenthümlichen und höchst regelmäfsigen Structur her, 
wovon bisher aus den thierischen Structuren kein Beispiel bekannt gewor- 
den ist. 

Untersucht man senkrechte Durchschnitte dieser Substanz unter dem 
Mikroskop, so sieht man alsobald, dafs dieselbe aus lauter senkrecht stehen- 
den Fasersäulohen besteht, die durch Reihen bogenförmiger Schlingen ein- 
facher Fasern verbunden sind. Dies wird sehr deutlich, wenn man die senk- 
rechten Faserbündel von einander zieht. Sobald der Zug nachläfst, nähern 
sich die Säulchen einander wieder und dieses geschieht durch bogenförmige 
Schlingen, welche mit den regelmäfsigsten Arkaden in ganz gleichen Abstän- 
den aus einem Fasersäulchen in das andere übergehen. Tab. IV. Fig. 5. 

Jede Arkade wird nur aus einer einzigen glatten primitiven Faser von 
ungemeiner Feinheit gebildet, deren Schenkel sich in die Fasersäulchen ver- 
lieren. Merkwürdig ist ferner, dafs die Arkaden in der obern und untern 
Hälfte der Dicke der Interarticularsubstanz entgegengesetzt sind, die obern 
Arkaden sind nach oben, die untern nach unten convex. In der Mitte zwi- 
schen den zwei Ordnungen der Faserarkaden bleibt eine etwas gröfsere un- 
ausgefullte Lücke. Die Zahl der in regelmäfsigen Abständen übereinander 
ausgespannten Arkaden beträgt 8-10 auf der obern und eben so viel auf der 
untern Hälfte der Dicke der Membran. 

Das Verhalten der Bogenschenkel in den senkrechten Fasersäulchen 
läfst sich nicht direct aufklären; denn der Versuch, die Fasersäulchen selbst 
in Beziehung auf ihren Zusammenhang mit den Bogen zu zergliedern, mis- 
lingt. Beim Zerlegen der Fasersäulchen überzeugt man sich nur, dafs diese 
Säulchen nichts anders sind, als die Bündel aller Fasern, welche in den Ar- 
kaden sich entwickeln. Bei der weiter versuchten Isolirung der Fasern in 
den Säulchen verschieben sich die Arkaden, und die so wunderbar regelmä- 
fsige Figur wird verwirrt und unentwirrbar. 

Das Verhältnifs der Faserarkaden zu den Säulchen der Fasern kann 
hypothetisch auf dreifache Weise vorgestellt werden. Entweder gehören 
jedesmal 2 entgegengesetzte Arkaden zusammen und sind Bogenschenkel 
einer in sich selbst geschlossenen Schleife, mögen nun diese Schleifen alle 
gleich lang sein oder an Länge allmählig abnehmen. Im ersten Falle gehört 
die äufserste obere Arkade zur ersten, d.h. der Mitte nächsten untern Ar- 
kade, die zweit äufserste obere zur zweiten untern unter der Mitte u. s. w. 

Bb2 



196 Müller 

Siehe Tab. V. Fig. 1. Im zweiten Fall gehören die äufserste obere und un- 
tere Arkade zusammen, die innerste obere und untere u.s.w. Tab. V. Fig. 2. 

Eine zweite Erklärung wäre die, dafs jede senkrechte Reihe oberer 
und unterer Arkaden aus den Windungen einer einzigen Faser entsteht, wo- 
bei 2 Fälle denkbar sind, einmal, dafs die Windung von der äufsersten obern 
zur äufsersten untern, von da zur nächst äufsersten obern und dann zur nächst 
äufsersten untern geht, bis die innerste obere sich zuletzt zur innersten un- 
teren wendete. Tab.V. Fig. 3. Oder im zweiten Fall, dafs die äufserste 
obere sich zur innersten unteren wendete und die Windungen in dem Maafs, 
als sie in der obern Hälfte, ebenso in der untern Hälfte von oben nach unten 
steigen. Tab.V. Fig. 4. 

Eine dritte Ansicht ist diese. Die Fasern gehören nicht geschlossenen 
in sich zurücklaufenden Schleifen an, welche mit ihrer Längsachse in der 
Dicke der Interarticularsubstanz stehen, sondern die Faser einer Arkade biegt 
aus einer obern in eine entgegengesetzte untere Arkade der nächsten senk- 
rechten Arkadenreihe um, so dafs sie wellenförmig durch viele Arkaden und 
durch viele Fasersäulchen continuirlich fortgeht, und zwar, dafs ihr in den 
Fasersäulchen liegender Theil aufserordentlich viel länger ist als der in jeder 
Arkade. 

Hier sind wieder 2 Fälle denkbar. Entweder wendet sich die Faser 
der obersten Arkade einer Reihe zur untersten Arkade der nächsten Reihe 
und dann wieder zur obersten der dritten Reihe, die zweite oberste einer 
Reihe hängt wieder mit der zweiten untersten der zweiten Reihe und der 
zweiten obersten der dritten Reihe zusammen. Dann werden die Fasern der 
äufsersten Arkaden am längsten in den Fasersäulchen verlaufen, hingegen wird 
der Verlauf der Fasern in den Fasersäulchen um so kürzer werden, je näher 
die Rogen der Mitte zwischen den obern und untern Arkaden kommen. 
Tab.V. Fig. 5. Oder der Verlauf der Fasern in den Fasersäulchen ist für 
alle Arkaden gleich lang, dann gehört die äufserste obere Arkade einer senk- 
rechten Arkadenreihe zur innersten untern Arkade der nächsten Reihe. 
Tab.V. Fig. 6. 

Ich halte die dritte Ansicht für die wahrscheinlichste, dafs nämlich 
die Faser einer obern Arkade in die entgegengesetzte untere Arkade nicht 
derselben senkrechten Arkadenreihe, sondern der nächstliegenden senkrech- 
ten Reihe umbiegt, und dafs die Fasern wellenförmig fortgehen, auch ist es 



über den Bau des Pcntacrlnus caput JMedusae. 197 

wahrscheinlicher, dafs die Wellen niedriger werden, je näher sie der Mitte 
zwischen der obern und untern. Hälfte, der Interarticularsubstanz kommen, 
denn bei dieser Vorstellung läfst sich am leichtesten die Bildung neuer Fa- 
sern begreifen, die ohne Zweifel in dem mittlem nicht ossificirten Theil 
der elastischen Interarticularsubstanz vor isich gehen inufs. 

Aus dem beschriebenen Bau ist klar, .warum die elastische Substanz 
beim Zug in einer auf die Flächen der Interarticularsubstanz senkrechten 
Richtung nicht nachgiebt, dagegen zusammengedrückt, sich von selbst wie- 
der ausdehnt; denn die Fasersäulchen lassen sich nicht verlängern und strek- 
ken sich wieder, wenn sie durch Druck gebogen werden. Ebenso ist klar, 
warum die Substanz, in die Quere gezogen, sich weit ausdehnen läfst, beim 
Nachlafs des Zuges aber von selbst sich wieder zusammenzieht; denn beim 
Zug in die Quere werden die Faserarkaden gestreckt und beim Nachlafs des 
Zuges kehren sie in ihre Lagen wieder zurück. Hieraus ergiebt sich auch, 
dafs die Elasticität der Interarticularsubstanz nicht von einer Fähigkeit der 
Fasern abhängt sich durch Zug zu verdünnen und zu verlangen, und im ent- 
gegengesetzten Fall sich zu verkürzen, sondern bedingt ist durch ihre Fähig- 
keit, ihre respectiven Lagen durch Druck und Zug zu verändern, beim 
Nachlafs derselben aber in ihre natürlichen Lagen zurückzukehren. 

Auch die Glieder der Cirren des Stengels sind durch eine ganz gleiche 
elastische Interarticularsubstanz verbunden,, welche sich von derjenigen des 
Stengels selbst nur unterscheidet, dafs sie keine krausenartigen Falten an 
ihren Oberflächen zeigt. Ein grofser Theil der Masse der Cirrenglieder be- 
steht sogar aus dieser Substanz, wie man sieht, wenn man die Cirren von ihrem 
Kalknetze durch verdünnte Säuren befreit. Es bleiben dann, den Gelenk- 
stellen entsprechend, dicke elastische Kissen mit convexen Oberflächen übrig, 
welche in der Mitte von dem Centralcanal der Ranken durchbohrt sind. 
Tab. IV. Fig. 6. Diese Kissen sind an zwei Stellen niedriger, an zwei Stel- 
len höher, wie Tab. IV. Fig. 7 auf dem senkrechten Durchschnitt zu se- 
hen ist. 

Der obere und untere Theil der elastischen Körper sind in die ossi- 
ilcirten Enden zweier verbundener Glieder eingewebt und bleibt nur die 
zwischen beiden Gliedern liegende dünne Schicht von dem Skelet frei. 

Auf senkrechten Durchschnitten dieser Ballen sieht man sogleich wie- 
der die senkrechten Fasersäulchen und die sie verbindenden Faserarkaden. 



198 Müller 

Auf solchen Durchschnitten erscheint dem hlofsen Auge in der Mitte der 
Dicke der Massen eine quere Linie. Tab. IV. Fig. 7. Diese rührt jedoch 
nicht von einer Theilung oder Membran her, sondern von einer Biegung, 
welche die Fasersäulchen hier machen, indem sie aus ihrem obern in ihren 
untern Theil übergehen. Jene Linie ist daher ein optischer Ausdruck der 
Biegungen aller Fasersäulchen. 

3. Vom Centralcanal des Stengels und der Cirren. 

Durch die Achse des Stengels geht der bereits von Guettard be- 
schriebene Centralcanal, der in den rankenden Gliedern des Stengels 5 Äste 
für die Cirren abgiebt, an der Krone aber sich in eben so viele Aste für die 
Radien des Kelches und ihre Fortsetzung, die Arme, theilt. In dem Canal, 
welcher in den Skelettheilen ausgegraben ist, liegt die eigentliche häutige 
Röhre, welche sich überall leicht ans den Gliedern ausziehen läftt. Der 
Zweck dieses Canals ist offenbar Verbreitung der Säfte durch die Skelet- 
theile, hiedurch erhalten sie ohne Zweifel die Stoffe, die zur Erhaltung und 
Neubildung der Skelettheile nothwendig sind, denn immer fort entstehen am 
obern Theil des Stengels neue Glieder, sowohl einfache als rankentragende, 
und also neue Ranken. Vielleicht giebt diese Röhre feinere Zweige in die 
Skelettheile ab, aber ich habe an der Röhre, wie sie sich aus den Gliedern 
hervorziehen läfst, weder frisch, noch nach Ausziehen des Kalksatzes Spu- 
ren abgerissener Äste wahrgenommen. Aufsen wird dieser dünne deutlich 
hohle Strang von einer Schichte von Körnchen, Zellen mit Kernen, bedeckt, 
darauf folgt nach innen eine dicke Schichte von Längsfasern, am innersten 
scheinen Cirkelfasern zu liegen. 

4. Von der Bildung neuer Glieder des Stengels. 

Über die Bildung der neuen Glieder habe ich am obern Theil des 
Stengels vollkommnen Aufschlufs erhalten. Die Glieder des Stengels haben 
an seinem untern Theil eine gleiche Höhe, nach oben gegen die Krone wer- 
den sie nicht blofs niedriger, sondern auch ungleich hoch, so dafs meist ein 
kleines, d.h. minder hohes Glied mit einem höhern abwechselt. Die an 
Höhe gleichen Glieder des untern Theils des Stengels sind ausgewachsen, 
die Glieder des obern Theils des Stengels hingegen sind im Wachsthum be- 
griffen und die niedrigen Glieder zwischen den höhern sind die zuletzt ge- 



über den Bau des Pentacrinus caput JSledusae. 199 

bildeten. Nämlich die neuen Glieder entstehen nicht etwa blofs an der 
Stelle, wo der Stengel mit der Krone in Verbindung steht, sondern am gan- 
zen obersten Theil des Stengels zwischen je zwei schon vorhandenen Glie- 
dern. Davon kann man sich auf folgende Weise überzeugen. 

Betrachtet man den obern Theil des Stengels nahe der Scheibe genau 
mit der Loupe, so sieht man an der Verbindungsstelle zweier Glieder, die 
an den jungen Gliedern immer gezähnelt ist, in der gezahnten Nath einen 
feinen Streifen von neuer fester Substanz, von derselben Härte und dersel- 
ben Bildung wie an allen Skelettheilen. Die Nath gewinnt gleichsam Kör- 
per. An der Verbindungsstelle anderer Glieder sieht man diesen Streifen 
schon so verdickt, dafs man ihn als junges Glied sogleich erkennt, welches 
sich in der gezahnten Verbindung zweier Glieder entwickelt hat und selbst 
gezahnt ist. Tab.I. Fig. 2. Noch weiter hinab sieht man, dafs diese jun- 
gen Glieder es sind, welche die Ungleichheit und das Alterniren höherer 
und niedrigerer Glieder verursachen. Tab.I. Fig. 1. Am weitern Theil 
des Stengels unter den 8 ersten YYirteln von Ranken haben sich diese Unter- 
schiede ausgeglichen und hier entstehen keine neuen Glieder mehr, die Jün- 
gern aber sind ausgewachsen und den altern gleich geworden. In dem Maafs 
als dies geschieht, verliert auch die gezahnte Nath an der Verbindungsstelle 
der Glieder aufsen ihr gezähntes Ansehen und wird mehr gerade. Die krau- 
senartig gefaltete Interarticularsubstanz ist zwar auch hier vorhanden, aber 
der peripherische Theil der Falten hat sich mehr geebnet. 

Der Umstand, dafs am untern Theil des Stengels keine neuen Glieder 
mehr entstehen, ist auch die Ursache, dafs hier die cirrentragenden Glieder 
gleich weit von einander entfernt sind, indem meist gegen 18 Glieder zwi- 
schen ihnen liegen. Am obern Theil des Stengels liegen die cirrentragen- 
den Glieder einander näher und am obersten Theil am nächsten, so dafs sie 
dicht unter der Krone dicht aufeinander folgen. Überall, wo die cirrentra- 
genden Glieder um weniger als 17-18 Glieder von einander entfernt sind, 
bilden sich noch neue Glieder, denn hier findet man immer jüngere Inter- 
polationen vor. 

Da die Glieder zunächst unter der Scheibe hinter einander cirrentra- 
gend sind, so mufs man an dieser Stelle die Bildung der cirrentragenden 
Glieder suchen. An ihnen sind auch die Cirren am kleinsten und bestehen 
aus ganz kurzen, von wenigen Gliederchen zusammengesetzten Fortsätzen. 



200 Müller 

Bei Encrinus, wo die rankentragenden Glieder des Stengels durch 
Glieder von gröfserer Breite ohne Ranken ersetzt sind, entstehen die neuen 
Glieder auch durch Interpolation. Denn diese breiteren Glieder haben am 
untern Theil des Stengels gröfsere, am obern kleinere Abstände und. sind 
hier durch wenige Glieder getrennt. Auch mufs die Bildung der Aequiva- 
lente der Wirtel, oder der breiteren Glieder zunächst unter der Krone ge- 
sucht werden. 

Da die Nath zwischen zweien Gliedern des Pcnlacrinus von der eigen- 
tümlichen Interarticularsubstanz ausgefüllt wird, das neue Glied aber eben 
die Nath auseinander treibt, so mufs die Interarticularsubstanz mit den 5 
Sehnen der Sitz der Bildung der neuen Glieder durch Entwickelung des 
Knochengewebes sein, wobei dann jedesmal die Interarticularsubstanz und 
die 5 Sehnen an den Stellen, wo die Lamelle des neuen Gliedes die zwei al- 
ten berührt, ihre weiche Beschaffenheit behalten. Das neue Glied mufs 
nothwendig die obern und untern Arkaden der Interarticularsubstanz ausein- 
ander treiben, und da an dem ausgebildeten Theil des Stengels die Interar- 
ticularsubstanz aus obern und untern Arkaden besteht, so mufs, was durch 
die Entfernung der obern und untern Arkaden vermöge des neuen Gliedes 
verloren ging, eine obere oder untere Arkaden -Reihe für die neue Articu- 
lation von neuem entstehen, oder wahrscheinlicher wird sich neue Interarti- 
cularsubstanz mit obern und untern Arkaden zwischen dem alten und neuen 
Glied bilden. 

Am Centrodorsalstück oder Knopf der freigewordenen Comatulen 
vermehren sich die Cirren meist gegen den Umfang desselben, wo man die 
jüngsten und kürzesten Ranken antrifft, indessen sah ich bei den Comatulen 
auch junge Cirren gegen die meist cirrenlose Fläche hin, wo die Comatul 
im Jugendzustande mit dem Stengel in Verbindung stand. Bei den mehrsten 
Comatulen bleibt diese Fläche von Cirren frei, aber bei Alecto Eschrichtii 
Nob. ist der ganze Knopf mit Cirren besetzt. 

Die Bildung der neuen Glieder an den Cirren der Crinoiden scheint 
sowohl an der Basis als an der Spitze der Cirren stattzufinden, jedenfalls fin- 
det keine Interpolation neuer Glieder zwischen den alten statt. Am ober- 
sten Wirtel des Pentacrinus sind die Cirren noch nicht 1" lang, diese Cir- 
ren enthalten 4-5 dicht aufeinander folgende dünne scheibenförmige Glie- 
der, wie die äufsersten Glieder an den nächstfolgenden 4-5"' langen Cirren. 



über den Bau des Pentacrinus caput Jledusae. 201 

In diesem Zustande sind die Endstücke auch noch stumpf und noch nicht 
hakenförmig. Auch die Basilarglieder der jungen Cirren sind verhältnifs- 
mäfsig sehr niedrig und ebenso verhalten sich die jungen Cirren der Coma- 
tulen. 



Vierter Abschnitt. 
Yom Kelch der Crinoiden. 

1. Vom Kelch der Crinoidea articulata. 

Der Kelch der Pentacrinus, Apiocrinus, Encrinus und der Comatu- 
len zeichnet sich dadurch aus, dafs von der Basis des Kelches aus sogleich 
die gegliederten Kelchradien sich in der Richtung der Arme entwickeln, 
und dafs der Kelch zwischen den Kelchradien nur durch eine diese verbin- 
dende Haut vervollständigt wird, die entweder nackt oder getäfelt ist und 
sich in die ähnliche Haut fortsetzt, welche den Scheitel oder die Bauchseite 
des Körpers des Thiers und seine Arme bedeckt. Die Crinoiden mit solchen 
bis zur Basis des Kelchs frei ausgebildeten Kelchradien, die über die verbin- 
dende Haut erhaben, heifsen Crinoidea articulata. 
1. Pentacrinus. 

Diese Kelcharme bestehen bei den Pentacrinen aus 3 Gliedern, die 
ich radialia nenne, die untersten sind auf dem Stengel selbst unbeweglich 
befestigt, durch Yermittelung der 5 Basalstücke, basalia, oder der sogenann- 
ten Beckenstücke Miller's, die mit den Kelchradien alterniren. Die Kelch- 
radien entsprechen in Hinsicht ihrer Stellung zu dem sternförmigen Prisma 
des Stengels den eintretenden Winkeln desselben oder den Ausschnitten des 
Pentagons, die Basalia aber den vorspringenden Winkeln desselben als zer- 
fallene Theile eines obersten Stengelgliedes. 

Die Basalstücke sind aufsen abgerundet, nach innen keilförmig, ihre 
Spitzen sehen gegen den centralen INahrungscanal, der sich zwischen den Ba- 
salia etwas erweitert. Die Seiten der Basalia stofsen an einander. Auf diesen 
Unterlagen liegen nun die untersten Stücke der Kelcharme so auf, dafs jedes 
die ?Sath zwischen 2 Basalia mitten unter sich hat, also zugleich auf 2 Basa- 
lia stützt. Die Verbindung der Basalia mit dem obersten Stengelglied scheint 
ähnlich zu sein wie bei den Stengelgliedern, Goldfufs sah die untere Fläche 
Physik.-malh. Kl. 1841. Cc 



202 Müller 

der Basalia des Pentaci-inus Briareus qner gefurcht. Ich kenne den innern 
versteckten Theil der Basalen des Pentacrinus caput Medusae aus eigener 
Anschauung nicht, da ich diesen Theil meines Exemplars nicht aufopfern 
wollte und verweise auf Miller. 

Die untersten Glieder der Kelchradien sind keilförmig, mit ihren Sei- 
ten schliefsen sie eng aneinader, ihre inneren ausgeschnittenen Ecken reichen 
bis zu einer centralen kleinen zwischen ihnen befindlichen Höhlung, der Er- 
weiterung des Centralcanales des Stengels, von wo der Nahrungscanal sich 
in die Kelchradien fortsetzt. Der äufsere Umfang dieser Radialia, wo sie 
über je zwei Basalia vorragen, ist abgerundet, bei einigen fossilen Pentacri- 
nen, wie P. Briareus und subangularis sind sie keilförmig zwischen den Ba- 
salia bis auf den Anfang des Stengels verlängert und stützen also dann nicht 
blofs auf den Basalia, sondern auch auf dem Stengel selbst. Goldfufs 
Tab. LI. LH. Das erste und zweite Radiale stehen durch ein Gelenk mit 
einander in Verbindung, welches eine Beugung beider gegen einander zuläfst. 
Sie haben auf den aneinander liegenden Gelenkflächen jedes einen queren 
Riff, durch dessen Mitte der Nahrungscanal durchgeht. Gold f. Tab. LI. 
Fig. 3. b. <p' von P. Briareus. Die Gelenkflächen, wodurch das zweite und 
dritte radiale in Verbindung stehen, haben, wie es scheint, ihren Riff in 
entgegengesetzter Richtung von vorn nach hinten, denn so ist es bei den Co- 
matulen jedenfalls und Goldfufs bildet es von P. Briareus ab. Diese Art 
von Gelenkleisten läfst ein seitliches Wiegen des dritten Radiale auf dem 
zweiten zu, welche Bewegung bei den Comatulen sehr deutlich ist. 

Das dritte radiale hat nach oben zwei dachförmig geneigte Gelenk- 
flächen für die beiden darauf sitzenden Arme. Ich nenne es deswegen ra- 
diale axillare, es ist Miller' s Scapula, dagegen nenne ich brachialia axilla- 
ria alle im Verlauf der Arme vorkommenden ähnlichen Glieder, auf denen 
zwei Theilungsarme aufsitzen. 

Die Gelenkflächen des radiale axillare für die beiden Arme hat Gold- 
fufs Tab. LI. Fig. 3. S.a. von P. Briareus und Tab. LH. Fig. 1.3. von P. 
subangularis abgebildet, wonach sie sich ganz so wie bei den Comatulen ver- 
halten. Die beiden Gelenkflächen sind durch eine mediane Kante getrennt, 
jede hat einen schief verlaufenden Riff, der von dem dorsalen Ende der me- 
dianen Kante nach aufsen läuft. Diese 3 Radialglieder haben an der Beuge- 



über den Bau des Pcntacrinus Caput Mcdusae. 203 

seite der Glieder kleine Facetten für die Insertionen der Muskeln, welche je 
zwei Glieder gegen einander beugen. 

Die Haut zwischen den Kelchradien vom zweiten radiale an ist mit 
dünnen unregelmäfsigen knöchernen Tafelchen besetzt, wie sie auch auf dem 
Scheitel vorkommen. Die untersten Radialglieder berühren sich unmittel- 
bar durch Nath, in dieser Nath liegen nach unten zwei tiefe Poren. 
2 Comatula. 

Unter den ungestielten Crinoidea articulata sind die Solanocrinus 
Goldf. und Comaslcr Agassiz in der Basis ihres Kelches den Pentacrinen 
mehr verwandt als die eigentlichen Comatnlen. Solanocrinus, Comaslcr und 
Comatula, wovon die erste Gattung fossil, die beiden andern noch lebend sind, 
haben, da sie im erwachsenen Zustande frei sind, statt des Stiels einen mit 
Cirren besetzten central -dorsalen mehr oder weniger hohen Knopf. Solano- 
crinus und Comaslcr besitzen auch kleine basalia zwischen den Insertionen 
der Kelchradien, oder sogenannte Beckenstücke, welche den eigentlichen Co- 
matnlen gänzlich fehlen. Die aus diesem Grunde von Agassiz aus Comatula 
multiradiata Goldf. gebildete Gattung Comaster ist aber, wie es scheint, 
identisch mit der fossilen Gattung Solanocrinus Goldf. Die Form und 
Höhe des Knopfes kann nicht in Betracht kommen, denn unter den lebenden 
eigentlichen Comatnlen giebt es auch Arten mit sehr hohem Knopf, wie die 
neuen Arten Alecto Eschrichtii und A. phalangium Nob. Der Knopf der 
letztern ist kaum so breit als hoch. 

Bei deu Comatulen im engern Sinne, nämlich Gattung Alecto Leach 
{Comatula Lamarck), fehlen die mit den Kelchradien alternirenden basalia 
zwischen Kelch und Knopf. Die Kelchradien der Comatulen bestehen aus 
3 Gliedern, aber das unterste ist bei einigen Arten aufsen nicht sichtbar, so 
dafs dann die Radien bis zu den Armen nur aus 2 Gliedern zu bestehen schei- 
nen. So z. B. ist es bei der colossalen grönländischen neuen Comatula, 
Aleclo Eschrichtii Nob. mit gegen 100 Ranken des halbkugelförmigen Kno- 
pfes, welche Hr. Eschricht zur Aufklärung der Anatomie der Crinoiden 
mit grofsmüthiger Aufopferung mittheilte. Das unterste Glied der Kelchra- 
dien, aufsen nicht sichtbar, liegt im Innern, auf dem Centrodorsalstück oder 
Knopf aufgelagert und das nächste Glied stützt sich zum Theil auf das Cen- 
trodorsalstück selbst, aber die den Solanocrinus und Pcntacrinus eigenen 
basalia fehlen. Der Unterschied, ob aufsen 2 oder 3 Glieder des Kelchra- 

Cc2 



204 Müller 

dius sichtbar sind, kann übrigens nicht zur Bildung von Gattungen benutzt 
werden, da sich Übergänge finden, denn oft ist bei den Comatulen vom un- 
tersten Gliede allerdings etwas sichtbar, aber nur ein niedriger Saum, wie 
bei AlccLo pahnata Nob. ( ] ). 

Die Haut zwischen den Kelcharmen ist bei den mehrsten Comatulen 
nackt, bei wenigen zeigen sich Spuren kleiner Täfelchen. Diese Haut ist 
daher bei den fossilen Comatulen verloren gegangen und die Arme bis auf 
den Knopf gespalten. Das Genus Plerocoma Agassiz ( 2 ) (Comatula pin- 
nata Gold f.), welches sich auf die tiefe Spaltung zwischen den Kelcharmen 
gründen soll, ist von den Comatulen in nichts verschieden. 

Hertha mysüca v. Hagenow ( 3 ) aus der Kreide, ist der Knopf einer 
wahren Comatula (Alecto) mit dem ersten Glied der Radien, das, wenn mit 
den übrigen verlorenen Radiengliedern verbunden, wie bei Alecto Eschrich- 
tü, aufsen nicht sichtbar sein konnte. 

Der Knopf ist immer ein einfaches nicht weiter zerlegbares Stück. 
G ol d f u f s läfst ihn bei Comatula mcdilerranca L a m., Alecto europaea L e a ch 
aus 3 über einander liegenden Platten, gleichsam Säulengliedern, zusammen- 
gesetzt sein, welche durch Näthe verbunden sind. Tab. LXI. Fig. l.L. 
Dies kann ich nicht bestätigen. Im Centrum des Knopfes liegt eine kleine 
rundliche Höhle, welche nach oben offen ist, es ist der Raum für den cen- 
tralen Theil des Nahrungscanais des Skelets, von ihm gehen sehr feine Ca- 
nälchen durch den Knopf nach aufsen in die Cirren. Die obere Fläche des 
Knopfes ist ganz eben und hat in der Mitte die pentagonale Öffnung der vor- 
her bezeichneten Höhlung. Diese Fläche nimmt die untersten Radialia auf, 
welche wie 5 Keile zusammenliegen und in der Mitte eine Lücke lassen, 
Fortsetzung der Höhle des Knopfes, von wo der Centralcanal in die Radien 
seine Zweige abgiebt. Durch Kochen des Knopfes in einer Lauge von koh- 
lensaurem Kali trennen sich die Theile sehr rein. Die Verbindung der Ra- 
dialglieder unter sich in jedem Radius ist wie bei Pentacrinus. Die Gelenk- 
flächen zwischen dem ersten und zweiten Glied haben einen queren Riff zum 
Wiegen in der Richtung der Beugung und Streckung. Die Gelenkflächen 

(') J.Müller In Wiegmann's Archiv 1841. I. 144. 

( 2 ) Mcm. de la Soc. des sciences nat. de Neuchatel. I. 193. 

( 3 ) Leonhard u. Bronn's Jahrb. f. Mineral. 1840. 665. Tab. IX. Fig. 8. 



über den Bau des Pentacrinus caput ISIedusae. 205 

zwischen dem zweiten und dritten Glied haben einen entgegengesetzten Riff 
zum seitlichen Wiegen. Doch giebt es auch Comatulen, wo das Gelenk 
zwischen dem axillare und nächsten radiale völlig fehlt, wie Alecio rosea 
Nob. ('). An dessen Stelle tritt dann die Nath. 

Den articulata unter den ungestielten Crinoiden völlig fremd sind 
die Saccocoma Ag. und Marsupües Mant. 

Sehr zweckmäfsig vereinigte Agassiz die fossilen von Goldfufs be- 
schriebenen sogenannten Comatulen ohne Kelchradien, mit geripptem scha- 
ligem Kelch und pinnulae opposilae der Arme zu seinem Genus Saccocoma, 
welches sich von den Comatulen auch durch den Mangel des Knopfes und 
seiner Cirren unterscheidet. Die von Goldfufs erwähnten fadenartigen 
Hülfsarme an den Rippen des Kelchs der Gattung Saccocoma halte ich für 
zweifelhaft, ich habe sie an den in der Sammlung des Grafen Münster und 
an den im hiesigen mineralogischen Museum befindlichen Exemplaren nicht 
wahrnehmen können; aber der schalige Kelch zeigt von den Rippen ablau- 
fend parallele Linien von feinen Furchen. Die entgegengesetzte Stellung der 
Pinnulae der Arme ist ganz eigenthümlich und findet sich bei keinen andern 
Crinoiden, deren Pinnulae immer von Glied zu Glied der Arme alterniren. 

Die ungestielten Crinoiden mit schaligem Kelch ohne Knopf und Cir- 
ren und mit pinnulae opposilae der Arme müssen daher eine besondere Fa- 
milie bilden, die ich costata nenne, und wieder eine andere Familie bilden 
die ungestielten Crinoiden ohne Knopf und ohne Cirren, deren Kelch ganz 
aus Tafeln zusammengesetzt ist, tcsscllata (Gattung JMarsupites). 

2. Von der Articulation des Kelches. 

Verbindung der Kelchglieder. Sie ist eine doppelte, entweder 
durch Nath oder durch Gelenk. Durch Nath sind, wie es scheint, die er- 
sten radialia auf den basalia befestigt, so ist jedenfalls die Auflagerung der 
ersten radialia auf dem Knopf der Comatulen. Zu schliefsen nach der Art, 
wie die Nathverbindung an gewissen Armgliedern bewerkstelligt wird, so liegt 
zwischen den Oberflächen nur ein äufserst dünnes Häutchen, welches man 
nicht verwechseln darf mit der Interarticularsubstanz der beweglich verbun- 
denen Glieder. 



(') J. Müller In Wiegraann's Archiv 4841- I. 143. 



206 Müller 

Durch elastische Interarticularsubstanz sind beim Pentacrinus und bei 
den mehrsten Comatulen verbunden das erste mit dem zweiten radiale, das 
zweite mit dem dritten und dieses wieder mit den ersten Armgliedern. Sie 
hat denselben Bau wie am Stengel der Pentacrinus, nur ist sie nicht krau- 
senartig gefaltet. Vermöge dieser elastischen Zwischenlage kann das zweite 
Glied auf dem ersten sich auf der queren Gelenkleiste beugend wiegen, das 
dritte aber kann sich auf dem zweiten seitlich wiegen vermöge der entgegen- 
gesetzten Gelenkleiste. 

Es wurde schon erwähnt, dafs bei Alecto rosea statt des Gelenks zwi- 
schen dem zweiten radiale und radiale axillare ausnahmsweise eine unbe- 
wegliche Nathverbindung eintritt. Die entsprechenden Verbindungsflächen 
dieser Glieder sind ganz eben. 

Muskeln des Kelches. Die Kelchradien der Crinoidea articulata 
sind durch Muskeln beweglich, sie liegen an der Beugeseite der Badien, paar- 
weise. Die ersten gehören beim Pentacrinus dem Gelenk zwischen dem er- 
sten und zweiten radiale, die zweiten dem Gelenk zwischen dem zweiten und 
dritten radiale an, darauf folgt das Paar für die Bewegung des Arms zwischen 
radiale axillare und dem ersten Armglied. 

Bei den Comatulen ist die Vertheilung eine andere, das erste und 
zweite Glied sind durch Muskeln verbunden, aber das Gelenk zwischen dem 
zweiten und dritten Glied hat bei Alecto europaea keine Muskeln, dies ist 
das Gelenk, welches nur Seitenbewegung oder seitliches Hin- und Herwie- 
gen des dritten radiale zuläfst. Zwischen dem radiale axillare und dem er- 
sten Armglied liegt wieder ein Muskelpaar. Goldfufs hat die Facetten an 
der Beugeseite der Badien für die Insertion der Muskeln von Alecto euro- 
paea sehr richtig abgebildet Taf. LXI. Fig. 1. B, so dafs man auch an dieser 
Abbildung erkennen kann, wie die Muskelbewegung dem Gelenk zwischen 
dem zweiten und dritten radiale fehlt. 

3. Vom Kelch der Crinoidea tessellata. 

An dem Kelch der gestielten Crinoidea tessellata mit Armen kom- 
men folgende Elemente nach consequenter Bezeichnung vor ( 1 ). Erstens 



(') Miller ist nicht consequent in seiner Terminologie und letztere nicht zweckmäfsig. 
Die beweglichen ersten Achselglieder nennt er bei Pentacrinus Scapula, an den Armen 



über den Bau des Pentacrinus caput Mcdusae. 207 

3 oder 4 oder 5 basalia, meist ein Pentagon bildend, darauf zuweilen ein 
Kreis von alternirenden Parabasen, parabasalia. Sobald die Asseln 
sieh in die Richtung der Arme ordnen, beginnen die Radialia , wovon das 
zweite oder dritte axillar für zwei Anne. Zwischen den Radialia können 
interradialia, zwischen den axillaria können interaxillaria liegen. 
Entweder sind die Arme von nun an frei oder der Kelch setzt sich noch wei- 
ter fort, die Radien zerfallen dann in zwei Distichalradien mit radialia di- 
stichalia, die jedes mit einem distichale axillare enden, wie bei Acti- 
nocrinus moniliformis und Eucalyptocrinus (identisch mit Hypanthocrinus 
Phillips). Zwischen den Distichalradien können interdistichalia liegen, 
zwischen zwei Distichien interpalmaria. 

Es folgen nun einige Reispiele der Anwendung dieser Nomenclatur 
auf die bekannten Gattungen mit Armen, wobei ich Gelegenheit haben werde, 
eine neue Gattung beizufügen. 

Platycrinus Mill. Kelch: 3 ungleiche basalia ein Pentagon bil- 
dend, die Näthe der 3 basalia theilen 3 Seiten des Pentagons, die andern 
Seiten ganz. An das Pentagon der 3 basalia schliefst sich ein geschlossener 
Kreis von 5 radialia, auf jedem von diesen ein radiale axillare, worauf 2 
Arme, die sich wieder theilen, zwischen den axillaria liegen interaxillaria. 
Die Scheitelöffnung seitlich zwischen zwei Armen in der Gegend eines in- 
teraxillare. Arme nach den ersten Theilungen aus alternirenden Gliedern 
mit mittleren Suturen gebildet. 

IMarsupiocrinus caelatus Phillipps, Murchinson (') ist ein Platy- 
crinus. 

Cyathocrinus Mill. Kelchbasis ausgehöhlt, aus 5 basilai'ia, auf die- 
sen alternirend 5 Parabasen einen geschlossenen Kreis bildend, auf diesen al- 
ternirend 5 Radialkelchglieder, radialia, einen geschlossenen Kreis bildend. 
Auf diesen die Stämme von 5 Armen, noch aus 2 Gliedern bestehend, so 
dafs das dritte radiale ein radiale axillare für 2 Arme ist, die sich weiter 
theilen. Arme mit einfachen Gliedern. 

cunei/nrrnia, bei Platycrinus heifst er ein Radialkelchglied, auf welchem erst das axillare 
steht, die Scapula. Die auf das Becken folgenden Glieder nennt er costalia, mögen sie in 
der Richtung der Arme liegen oder alterniren, gleichwohl läfst er diese Stücke bei Rliodo- 
crinus in der Zählung aus und nennt coslale erst das erste radiale. 
(') Murchinson the Silurian System. London 1839. p. II. 



208 Müller 

Poteriocrinus Mill. Die Basis des Kelchs wird von 5 basalia ge- 
bildet, die sich zur Bildung einer Höhle aneinander legen. Auf diesen alter- 
nirend und einen geschlossenen Kreis bildend 5 Parabasen. Auf diesen al- 
ternirend die Badialkelchglieder, welche sich berühren, mit Ausnahme eines 
Interradialraums, wo sich ein interradiale einfügt. Auf jedem radiale ein 
radiale axillare für 2 Arme. Armglieder einfach oder ganz. 

Phillips unterscheidet noch ein von Miller nicht gekanntes dün- 
nes dreitheiliges Becken, welches wie das oberste Saulenglied aussieht und 
dasselbe wirklich zu sein scheint. Wäre es als Basis zu betrachten, so würde 
Poteriocrinus 2 Beihen Parabasen besitzen, was unter den Crinoiden mit Ar- 
men nur von Marsupit.es bekannt ist ( 1 ). 

Actinocrinus Mill. Eine Basis von 3 gleichen basalia, darauf 
einen geschlossenen Kreis bildend 6 Stücke, wovon 5 radialia sind, das 
sechste ein unregelmäfsiges interradiale ist. An die radialia schliefsen sich 
die andern radialia, zwischen welchen interradialia. Das dritte radiale ist 
radiale axillare, worauf 2 radialia distichalia, welche selbst schon dislicha- 
lia axillaria sind oder auf welche axillaria folgen. Nun folgen die Arme, 
bis zu welchen alle erwähnten Glieder am Kelch Antheil nehmen, daher 
zwischen den Distichalradien intcrdistichalia und zwischen den Distichien 
mehrere interpalmaria liegen. Die Arme haben alternirende Glieder mit 
mittleren Suturen und theilen sich durch Bifurcation in Secundärarme, wo- 
von sich einige, aber nicht alle wieder theilen. 

Dimerocrinus Phillips. An die Basis schliefsen sich 5 Kelchra- 
dien, die aus 3 Gliedern bestehen, so dafs das dritte radiale axillare ist. 
Zwischen den Kelchradien jedesmal ein grofses interradiale. Armglieder 
halbirt alternirend, wie bei Platycrinus und Actinocrinus. Arme regelmä- 
fsig bifurcirt. 

Carpocrinus Nob. nov. gen. Basis aus 3 basalia, daran schliefsen 
sich die Kelchradien aus 3 Gliedern, wovon das dritte ein radiale axillare 
für 2 Arme. Zwischen je zwei radialia secunda liegt ein interradiale, zwi- 
schen den radialia axillaria zwei interaxillaria. Armglieder ganz. 



(') Poteriocrinus nobilis Phillips Tab. III. Fig. 40 und Poteriocrinus Egerloni Phil- 
lips Tab. III. Fig. 39 gehören nicht zur Gattung Poteriocrinus. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 209 

Diese Gattung enthält die mit den Actinocrinus bisher vereinigten 
Crinoiden mit einzeiligen Armen, denen auch das unregelmäfsige einzelne in- 
ter radiale aller wahren Actinocrinen fehlt. 

Arten: C. simplex Nob. (Actinocrinus tesseracontadactjlus Hisin- 
ger (*), Actinocrinus simplex Phill. Murch.), C. expansus Nob. (Aclino- 
crinus expansus Phill. Murch.). Hierher scheint auch Cyathocrinus pyri- 
formis Phill. Murch. XXVII. 6. zu gehören, wo ich nichts von den der 
Gattung Cyathocrinus zukommenden Parabasen unterscheiden kann. 

Rhodocrinus Mill. Basis aus 3 basalia, die zu einem Pentagon 
verbunden. Darauf ein Kreis von 5 parabasalia, worauf ein Kreis von 10 
Stücken, wovon 5 die Anfänge der Kelchradien mit den Parabasen alterni- 
ren, 5 interradial, die Fortsetzung der Parahasen sind. Weiterhin 2 Inler- 
radialia oder selbst 3, welche sich zu Interradien ordnen. Radial -Kelch- 
glieder 3, wovon das dritte ein radiale axillare für 2 Distichalradien von 
mehreren Gliedern, welche bis zur Bifurcation in die Arme dem Kelch an- 
gehören. Zwischen den Secundärradien interbrachialia. 

G ilbcrtsocrinus Phill. ( 2 ). Kelch wie bei Rhodocrinus, nur dafs 
das Centrum von einem Pentagon aus 5 basalia gebildet wird, darauf 5 pa- 
rabasalia, worauf ein Kreis von 10 Stücken, wovon 5 die Anfänge der 3glie- 
drigen Kelchradien mit den Parabasen alterniren, 5 interradial sind, die Pa- 
rabasen fortsetzen und über sich wieder 2 nebeneinander liegende interra- 
dialia haben. Auch nehmen die Distichalradien am Kelch wie bei Rhodo- 
crinus Antheil. 

Die Verschiedenheit dieser Gattung von Rhodocrinus ist bei der Un- 
gewifsheit über die Natur der Basalstücke der letztern noch nicht sicher. 

Melocrinus Goldf. Basis ein Pentagon von 4 basalia. An dieses 
schliefsen sich sogleich die Kelchradien an, deren Basen sich berühren. Die 
Kelchradien bestehen aus 3 Gliedern, das oberste ist radiale distichale für 
Distichien des Kelchs. Zwischen den radialia seeunda liegt ein interra- 
diale, über diesem zwei inlerradialia. Scheitelöffuung bald in der Mitte, 
bald e.xcentrisch. . 



(') Hisinger Petrefacta Sueciae. XXV. 4. 

( 2 ) Phillips illuslrations of the geology of Yorkshire. P. II. London 1836. 

Physik -math. Kl. 1 84 1 . D d 



210 Müller 

Caryocrinus Say. Die Basis des Kelchs aus 4 basalia bildet ein 
Hexagon, an dieses schliefst sich ein geschlossener Kreis von 6 parabasalia. 
Auf diesen alternirend 6 Stücke und 2 eingeschobene Stücke, einen geschlos- 
senen Kreis bildend. Auf diesem Kreis die Arme (deren Ursprung und Zahl 
unklar ist). Scheitelöffnung excentrisch. 

Eucalyptocrinus Goldf. Hypanthocrinus Phill. Basis? Die 
Kelchradien bestehen aus 3 Stücken, wovon die untersten einen geschlosse- 
nen Kreis bilden, dessen Rand einwärts geschlagen eine Art Röhre im In- 
nern des Kelches bildet, die obersten radialia sind axillaria. Zwischen je 
2 Radien ein grofses interradiale. Das axillare der Kelchradien hat 3 obere 
Facetten, wovon die seillichen die Distichalradien stützen, das mittlere ein 
interbrachiale stützt. Die Distichalradien stützen sich tbeils auf ihr axillare, 
theils auf das nächste interradiale und bestehen aus 2 Gliedern, wovon das 
zweite axillare ist und 2 Arme trägt, deren Glieder sich bald in alternirende 
Halbglieder verwandeln. Die Kluft eines Distichiums wird von einem inter- 
brachiale, der Zwischenraum der Palmen von zwei nebeneinander liegenden 
interpalmaria ausgefüllt. Scheitel hoch von Tuberkeln bedeckt. 

Ich habe diese Gattungsdefinitionen nur als einige Beispiele einer con- 
sequenten Bezeichnung der Skelettheile hier aufgeführt, ohne die Absicht zu 
haben, hier eine vollständige Definition aller Gattungen der gestielten Cri- 
noidea tessellata mit Armen zu geben, wovon einige Gattungen nur erst man- 
gelhaft bekannt sind. 

Ich übergehe den Kelch der gestielten Crinoiden ohne Arme, wie der 
Pentremiten und Sphaeroniten, die Radiation des Kelches geht bei den 
Sphaeroniten ganz verloren. 

Eine ganz eigenthümliche Abtheilung der festsitzenden Crinoiden re- 
präsentirt die noch lebende Gattung Holopus d'Orbigny ('). Sie unter- 
scheidet sich durch ihren Kelch von allen übrigen, er ist aus einem hohlen 
ungetheilten Stück gebildet, welches durch eine Wurzel am Boden sitzt, und 
oben 4 Doppelarme mit pinnulae trägt. Das die Eingeweide enthaltende pe- 
risoma wurde mit Unrecht als Stiel angesehen, es ist der Kelch selbst. 

(') Wiegmann's Archiv. 1839. 1.185. Taf.V. Fig. 2-7. 



über den Bau des Pcntacrinus caput JMedusae. 211 



Fünfter Abschnitt. 

Von den Armen der Crinoiden. 

Die 10 Primärarme des Pcntacrinus caput Medusae bestehen bis zur 
nächsten Bifurcation aus 5-6 Gliedern, die 20 Seeundäranne bestehen aus 
9-10 Gliedern bis zur nächsten Bifurcation in die 40 Tertiärarme. Einige 
derselben bleiben ferner ungelheilt, andere theilen sich noch einmal und 
zwar zum letzten mal. Ein ungetheilter Arm enthält gegen 100, ein getheil- 
ter gegen 94 Glieder. 

1. Von den Armgliedern der Pcntacrinus und Comatula u. a. 

Die Armglieder des Pcntacrinus caput Medusae und der Comatula 
haben einen Körper, der wie ein Wirbelkörper gestaltet ist, und Fortsätze. 
Der Körper ist an der Rückseite von einer zur anderen Seite abgerundet, 
die Seiten sind leichter convex. Durch das Centrum des Körpers der 
Glieder verläuft der Centralcanal, der sich aus dem Stengel durch die gan- 
zen Arme und pinnulae verlängert. Die Ventralseite des Körpers der Glie- 
der zeigt eine tiefe Rinne, worin Weichtheile gelegen sind. Diese Rinne ist 
von knöchernen Wänden begrenzt, welche auf der rechten und linken Seite 
ungleich gebildet sind, was davon herrührt, dafs nur die eine Seite eines 
Gliedes eine pinnula trägt, und dafs die pinnulae von einer zur andern Seite 
alterniren. Die pinnula sitzt nämlich auf dem Theil des Gliedes auf, wel- 
cher die ventrale Rinne desselben begrenzt. Auf der Seite, wo die pinnula 
sitzt, hat der die Rinne des Gliedes begrenzende Theil des Gliedes immer 
eine beträchtliche Länge, die selbst gröfser ist als die Länge des Körpers des 
Gliedes. Die Wandung der Rinne läuft nämlich in 2 divergirende Muskel- 
fortsätze aus, die mit den nächsten Gliedern durch Muskeln verbunden sind. 
Von diesen Fortsätzen ist der vordere von der Scheibe abgewendete oder 
aborale immer beträchtlich schief, der hintere sehr wenig, so dafs der letz- 
tere beinahe in einer Fläche mit der ganzen Articulationsfläche des Gliedes 
liegt. Zwischen diesen beiden Fortsätzen liegt eine Vertiefung für die In- 
sertion der pinnula. Taf. IL Fig. 5. 6. 7. 

Dd2 



212 Müller 

Auf der entgegengesetzten Seite des Gliedes, wo die plnnula fehlt, ist 
die Wand, welche die Rinne begrenzt, schmal und bildet nur einen einzigen 
processus muscularis zur Verbindung mit den nächsten Gliedern. Diese Ver- 
schiedenheit der beiden Seiten wechselt nun an den Gliedern der Arme ab, 
ein Glied hat die breite Wand der Rinne rechts, die schmale Seite links, das 
nächste hat die schmale Wand rechts, die breite links. 

Bei Pentacrinus caput Medusae nimmt die Hauptmasse des Gliedes, 
sein Körper an dieser Ungleichheit der Seiten nicht Antheil, daher man bei 
Betrachtung der Rückseite der Arme die Articulationsstellen quer und paral- 
lel sieht. Bei den Comatulen sind dagegen auch die Körper der Glieder 
sehr oft abwechselnd an einer Seite niedriger, so dafs die Arme auf der Rück- 
seite lauter abwechselnd schiefe Articulationsstellen zeigen. Bei Altcto Esch- 
richtii No b. ist dies am auffallendsten, hier sind die Glieder abwechselnd 
keilförmig von einer zur andern Seite, so dafs ihre Articulationen, auf der 
Rückseite der Arme angesehen, eine zusammenhängende Zickzacklinie dar- 
stellen, und die scharfen Ränder der Keile an den Seiten zwischen das vor- 
dere und hintere nächste Glied fallen. 

Bei einigen fossilen Gattungen von Crinoiden bilden die Glieder so- 
gar nebeneinander liegende alternirende Reihen, welche in der Mitte zick- 
zackförmig ineinander greifen, sonst aber quer auf einander liegen. So ist 
es bei den Gattungen Encrinus, Platycrinus, Actinocrinus und Dimer ocrinus 
Ph. Diese alternirende Zweizeiligkeit, Distichie, der Armglieder 
bildet sich aus zunehmender Verkürzung von ursprünglich keilförmigen Glie- 
dern, die aber die entgegengesetzte Seite nicht mehr erreichen, so dafs hier 
Glieder auf einander zu ruhen kommen, die um ein ganzes Glied getrennt 
sein sollten. Die Folge davon ist, dafs nun an einer Seite angesehen der 
Arm an jedem Gliede eine pinnula hat, während an den Armen der ande- 
ren Crinoiden, eine Seite des Armes angesehen, die pinnulae tragenden Glie- 
der um die Dicke eines Gliedes getrennt sind, desjenigen Gliedes nämlich, 
welches seine pinnula alternirend auf der entgegengesetzten Seite hat. 

Zweizeilig gewordene Arme theilen sich nicht wieder, dagegen sind 
die Arme vor vollbrachter Theilung einzeilig. 



über den Bau des Pcntacrinus caput Medusae. 213 



2. Von der Articulation der Armglieder. 

Auf den Articulationsilächen der Glieder ist der gröfsere Theil be- 
stimmt, der Anlage der Interarticularsubstanz zu dienen, der kleinere obere 
Tbeil, gebildet von den Fortsätzen, welche die ventrale Rinne einschliefsen, 
dient zur Insertion der Muskeln, welche daher nur gegen die Beugeseite hin 
zwischen den Gliedern vorhanden sind. Die beiden Muskularfelder, Tab. II. 
Fig.4.c, sind sogleich an der Articulationsfläche des Gliedes zu erkennen, 
sie gehören hauptsächlich den Fortsätzen an und erstrecken sich zwar noch 
etwas auf den Körper des Gliedes, sind aber hier meist durch erhabe Linien 
von dem gröfseren zur Articulation bestimmten Felde des Gliedes abgegrenzt. 

o Do 

Das letztere zeigt einen schiefen Riff, der über die ganze Articulationsfläche 
hingeht, so zwar, dafs die vom Centralcanal herrührende Öffnung im Gliede 
zugleich in diesen Riff fällt. Die Richtung des Riffs (Tab. II. Fig. 4. b.) ist 
immer schief und umgekehrt schief an der vorderen und hinteren Seite des 
Gliedes. Dadurch wird das Articulationsfeld des Gliedes in ein vorderes 
und hinteres Feld getheilt, das vordere Feld vor dem schiefen Riff ist auf 
der einen, das hintere auf der andern Seite gröfser. An der aboralen Seite 
eines Gliedes geht der Riff von dem dorsalen Theil des latus pinnale schief 
gegen den ventralen Theil der entgegengesetzten Seite. An der adoralen 
Seite eines Gliedes ist es umgekehrt, d.h. der Riff geht von dem ventralen 
Theile des latus pinnale des Gliedes schief gegen den dorsalen Theil der 
Seite, wo die pinnula fehlt. Auf diese Weise passen der Riff an der hinte- 
ren Seite des einen und der an der vorderen Seite des nächsten Gliedes ge- 
nau auf einander. Man kann die Stellen, wo die Riffe bis zur Oberfläche 
des Gliedes auslaufen, schon äufserlich an den noch verbundenen Gliedern 
erkennen. Siehe Taf. II. Fig. 5. Koch deutlicher ist dies bei den Comatu- 
len. Hier sind die Glieder äufserlich abwechselnd auf der einen Seite dicker, 
auf der anderen dünner. Die dickere Seite zeigt immer an der dicksten Stelle 
einen Winkel, der auf dem flachen Rande der dünnen Seite des nächsten 
Gliedes aufsitzt und sich daraufwiegt. An Gold fufs Abbildung eines Arm- 
stücks der Alecto europaea Tab.LXI. Fig. i.F. ist dies sehr naturgetreu 
ausgedrückt. Jener Winkel ist das Ende des schief über die Gelenkfläche 
verlaufenden Wulstes. 



214 Müller 

Die Riffe der Glieder sind untereinander durch ein unelastisches Band 
verbunden, der ganze übrige Theil der Articulationsflächen wird aber von 
der schon beim Stengel beschriebenen elastischen Interarticularsubstanz ein- 
genommen, die man nach Ausziehen der Kalkerde als ein dickes elastisches 
Kissen zwischen den Gliedern erhält, ihre Oberflächen sind nicht krausenar- 
tig gefaltet, wie es am Stengel der Fall ist. Sie hat sonst durchaus denselben 
Bau wie am Stengel und an den Cirren. Durch diese Art \erbindung ist ein 
Wiegen der Glieder in abwechselnd schiefen Richtungen auf den Riffen mög- 
lich, wobei die elastische Substanz an der einen Seite zusammengedrückt, an 
der anderen ausgedehnt wird. 

Muskeln: Die Muskeln zwischen den Muskelfortsätzen der Glieder 
sind sehr kurz, sie sind bräunlich und bestehen wie bei den übrigen Echino- 
dermen (') aus Bündelchen ohne Querstreifen, die Primitivfasern haben ganz 
glatte Ränder ohne Spur von Anschwellungen. Alles dieses verhält sich bei 
den Comatulen ebenso. 

Da nun bei den Pentacrinen und Comatulen die Muskeln nur an dem 
ventralen Theil der Articulationsflächen oder zwischen den ventralen Fort- 
sätzen der Glieder liegen, so ergiebt sich hieraus, dafs diese Thiere durch 
Muskelkraft nur die Beugung der Arme bewirken können, und dafs die Strek- 
kung derselben der elastischen Interarticularsubstanz anvertraut ist, welche 
sogleich wirkt, sobald ihre Zusammendrückung aufhört. Wahrscheinlich 
ist die Wirkung der Ausdehnung an der Beugeseite stärker. Die Bewegun- 
gen der Comatulen sind übrigens äufserst lebhaft und haben keine Ähnlich- 
keit mit den langsamen Ortsbewegungen der Seesterne. Ich habe sie sehr 
oft beim Schwimmen beobachtet. Bei 10 Armen bewegen sich meist 5 
gleichzeitig, so dafs zwischen je zweien der 10 Arme einer ruht und im näch- 
sten Moment die 5 andern eintreten. 

Einzelne Glieder zeichnen sich bei den Pentacrinen und Comatulen 
dadurch aus, dafs sie sich nicht auf schiefen sondern geraden Riffen bewe- 
gen. Schon das zweite kann sich auf dem ersten radiale der Kelcharme des 
Pentacrinus und der Comatulen bewegen, aber sie haben nicht schiefe, son- 
dern quere Gelenkleisten für einander. 

O R.Wagner in Müller's Archiv. 1835. p. 319. 



über den Bau des Penlacrinus caput DIedusae. 215 

An einzelnen Stellen kommen bei den Comatulen Glieder mit Ge- 
lenkleisten vor, welche von der ventralen Seite gerade zur dorsalen verlau- 
fen. Hierdurch wird bedingt, dafs ein solches Glied nicht gebeugt werden 
kann, aber sich von der rechten zur linken Seite und umgekehrt wiegen 
kann. Eine solche Beweglichkeit trifft man bei der vielarmigen Alecto pal- 
mata Nob. Hier haben sie alle axillaria brachialia vor der Bifurcation. 
Bei der vielarmigen Alecto San'gnii Nob. (') sind diese axillaria hingegen 
seitlich unbeweglich und das Gelenk zur seitlichen Bewegung liegt zwischen 
einem ersten und zweiten Armgliede. 

Bei den zehnarmigen Comatulen ist das radiale axillare des Kelchs 
seitlich beweglich auf dem radiale secujidum, das zweite Armglied über dem 
axillare ebenso. Hier fehlen die Muskeln an beiden Stellen bei Alecto eu- 
ropaea. Diesen Mangel der Muskeln darf man bei allen Comatulen an den 
Gelenken voraussetzen, wo ein Glied durch einen von der dorsalen zur Beu- 
geseite gehenden Riff nur Seitenbewegung hat. 

3. Von der Syzygie einzelner Glieder. 

Unter Syzygie verstehe ich die unbewegliche Natbverbindung zweier 
Glieder. In diesem Fall fehlen an dieser Stelle sowohl die Muskeln als die 
elastische Interarticularsubstanz. Die Yerbindungsflächen dieser Glieder sind 
radiirt. Miller hat bei Penlacrinus caput Medusae Taf. IL Fig. 4 eine 
solche Fläche abgebildet, aber nicht gewufst, was sie bedeutet. Auch in 
Goldfufs Abbildungen von seiner Comatula mulliradiata finden sich theils 
gewöhnliche, theils radiirte Verbindungsflächen der Glieder Tab.LXI. Fig.2. 
Zieht man die Kalkerde aus, so kommt an der Stelle der Nath ein in radien- 
artige Fortsätze auslaufendes äufserst dünnes Häutchen zum Vorschein. An 
der Syzygalnath einiger Comatulen wie der Alecto europaea und polyarthra 
Nob. ( 2 ) u.a. bemerkt man mit dem Vergröfserungsglas aufsen einen Kreis 
von Poren. Das Glied, welches unter dieser Nath liegt, kann hypozygale, 
das obere epyzigale heifsen. Die Hypozygal- Glieder sind immer ohne pin- 
nula, das epyzygalc trägt allein eine solche, beide Glieder gelten aber beim 
Alterniren der pinnulae für eines. 



(') Wiegmann's Archiv. 1841. I. p.144. 
( 2 ) Ebend. p. 144. 



216 MÜLLER 

Die Syzygien sind bei Pentacrinus caput HTcdusac und bei den Arten 
der Comatulen sehr regelmässig vertheilt, so dafs ihre Lage und Entfernung 
oft zur Unterscheidung der Arten benutzt werden kann. 

Bei Pentacrinus caput JMedusae bilden nur das erste und zweite Glied 
über jedem axillare ein Syzygium, die erste äufsere pinnula steht daher am 
epyzigale. Unter den von mir beschriebenen 24 Arten von Comatulen 
kommt diese Stellung des Syzygiums nur bei Atecto rosea Nob. und bei 
derjenigen, die ich unter dem Namen Actinomelra imperialis beschrieb, 
vor('). Bei den übrigen Comatulen finden sich zwei einfache gelenkige 
Glieder unter dem hypozygale des ersten Syzygiums, und wenn sich die erste 
pinnula an der äufsern Seite der Arme, wie beim Pentacrinus, am zweiten 
Glied findet, so ist dieses hier kein epizygale, sondern ein einfaches Arm- 
glied. 

Bei Alecto Sacignii Nob., A. limorensis Nob., A. parvicirra Nob., 
A. japonica Nob. haben wir den Fall, dafs das axillare brachiale für die 
zweite Bifurcation in die 20 Arme ein Syzygium hat und also aus einem hy- 
pozygale brachiale und einem epizygale axillare zusammengesetzt ist. Da- 
gegen bildet das radiale axillare des Kelches kein Syzygium. 

Die vielarmigen Alecto mullißda Nob., A. elongata Nob., A. Ben- 
netti Nob., A. palmata N o b., A. ßagellala N o b., A. noi-ae Guineae Nob. ( 2 ) 
haben bei einer mehrfachen Theilung der Arme doch keine Syzygien an den 
axillaria brachialia. 

Pentacrinus caput Medusae hat nur Syzygien jedesmal am ersten Glied 
über allen axillaria der ersten wie der fernem Theilung, aber ihm fehlen 
Syzygien an Zwischenstellen, oder weiterhin an den Endarmen, dagegen 
kommen die Syzygien bei den Comatulen in der ganzen Länge der Arme 
vor, bei einigen, wie Alecto europaca Leach, A. phalangium Nob., A. 
Eschrichiii u.a. liegen nur 2, 3, 4 gelenkige Glieder zwischen zwei Syzy- 
gien, bei anderen, wie A. palmata Nob. finden sich 8-10 Glieder zwischen 
2 Syzygien, bei A. polyarthra Nob. selbst bis 14 Glieder. Von diesen Un- 
terschieden habe ich bei der Beschreibung der Arten Gebrauch gemacht. 

(') W ie gm an n's Archiv. 1841. I. p. 141. 
( 2 ) Ebend. p.144 sqq. 



über den Bau des Pcnlacrinus caput Medusac. 217 

4. Von den Pinnulae. 

Stellung der pinnulae an den Armen. Die Pinnulae haben bei 
Pentacrinus sowohl als den Comatulen eine sehr regebnäfsige Stellung, von 
welcher nie eine Abweichung eintritt. 

Die Radialglieder des Kelches tragen niemals pinnulae. 

Die erste pinnula beginnt beim Pcnlacrinus an der äufseren Seite eines 
Armes am zweiten Glied über der Theilung. Taf. II. Fig. 3. Dies zweite 
Glied gehört aber zum ersten als dessen Epizygalglied ('). An der innern 
Seite eines Armes ist es immer das dritte Glied, welches die erste pinnula 
trägt, oder das Glied über den beiden Syzygalgliedern. So geht es nun al- 
ternirend weiter. An der äufsern Seite eines Armes stehen daher die pinnu- 
lae an den geradezähligen Gliedern 2, 4, 6, S, an der innern Seite des Ar- 
mes, d.h. an den Seiten, welche sich zwei zu einer Theilung gehörige Ar- 
men zuwenden, stehen sie an den Gliedern 3, 5, 7, 9 u. s. w. bis zum näch- 
sten axillare. 

Das axillare ist immer ohne pinnula und wird nicht etwa übersprun- 
gen, sondern von der Theilung wiederholt sich dies Gesetz mit gleicher Re- 
gelmäfsigkeit, die nächste äufsere pinnula ist wieder am zweiten Glied, das 
mit dem ersten ein Syzygium bildet, die erste innere pinnula am dritten Glied. 
Hieraus folgt, dafs die Lücken, wo pinnulae fehlen, nie zufällig sind. Da 
das axillare und das nächste Glied über ihm gesetzmäfsig ohne pinnula sind, 
so beträgt die hier stattfindende Lücke, das axillare eingerechnet, minde- 
stens 2 Glieder ohne pinnula, sie kann aber auch 3 Glieder auf einer Seite 
betragen, wenn nämlich auch das nächste Glied unter dem axillare ohne 
pinnula an dieser Seite ist und solche durch das Alterniren von unten herauf 
an der entgegengesetzten Seite hat. 

Die Abbildungen von Guettard sind in dieser Hinsicht fehlerhaft. 

Die Comatulen unterscheiden sich in Hinsicht der ersten pinnula von 
den Pcnlacrinus, bei jenen ist die erste äufsere pinnula zwar gewöhnlich 



(') Miller's Abbildung ist in dieser Hinsicht nicht richtig, oder es ist die Syzygien- 
nath übersehen. Ob es sich bei anderen Pentacrinen ebenso oder verschieden verhält, ist 
noch ungewifs. Goldfufs Tab. LH. Fig. 1 bildet bei Pentacriniles subangularis die erste 
äufsere Pinnula am ersten Gliede ab. "Vielleicht ist auch hier ein Syzygium übersehen. 

Physik.- math. Kl. 1 84 1 . E e 



218 Müller 

auch am zweiten Glied über der Theilung, aber dieses zweite Glied ist kein. 
Ergänzungsglied, epizygale zum ersten, sondern wie das erste ein ganzes Glied 
ohne Syzygium. Nur bei der Comatula solaris Mus. Vienn. (verschieden 
von C. solaris Lam.), die ich uter dem Namen Aclinometra impcrialis be- 
schrieb (') und bei Alecto rosea, wo das erste Armglied ein Syzygium hat, 
steht die erste äufsere pinnula am Epizygale. 

Bei Asterias multiradiata Retz. (verschieden von Comatula mullira- 
diatal^am. und C. multiradiata Goldfufs), die ich gelegentlich beschrei- 
ben werde, steht die erste pinnula am zweiten Glied der 10 Primärarme, 
nach der nächsten Theilung aber steht die erste pinnula am ersten Glied 
über dem axillare. 

Es ist schon vorhin erwähnt worden, dafs beim Alterniren der pinnu- 
lae die beiden Glieder, die ein Syzygium bilden, immer nur für ein Glied 
zählen, dafs das hypozygale ohne pinnula ist und dafs die pinnula jedesmal 
am epizygale steht. Hieraus erklären sich die an den Armen der Comatulen 
vorkommenden Lücken ohne pinnula. Bei Alecto SarigniiN ob. mit 20 Ar- 
men ist das dritte Radialkelchglied axillar ohne Syzygium. Die hierauf sit- 
zenden Arme hahen zwei Glieder bis zum axillare brachiale, welches ein 
Syzygium hat. Die erste äufsere pinnula steht am zweiten Armglied, da nun 
das folgende Glied hypozygale isl, so fehlt daran die pinnula, die auf die in- 
nere Seite überspringen sollte. Daher haben diese 10 Armstiele nur eine 
einzige pinnula an der äufsern Seite und keine an der innern. Nach der 
Theilung in die 20 Arme erscheint die erste äufsere pinnula wieder am zwei- 
ten Glied, da das erste Glied der Arme der Comatulen immer ohne pinnula 
ist. Darauf folgt das nächste Syzygium, welches bei den Comatulen gewöhn- 
lich nach der Theilung auf das dritte Glied fällt. 

Bei Alecto palmataN ob. (? caput Medusae c/mreura Li nckTab.XXIL 
No.33) mit 35 Armen sind die ersten 10 Arme oder Armstiele noch bis zur 
nächsten Theilung ohne pinnulae, weil diese Arme bis zum nächsten axillare 
nur ein brachiale besitzen und auch nach der folgenden Theilung in 20 Arme 
können die pinnulae wieder fehlen, wenn zwischen dem vorhergehenden und 
folgenden axillare nur ein brachiale liegt. Denn zur ersten pinnula sind 
zwei brachialia über der Theilung nothwendig. 

(') Monatsbericht d. Akad. d. Wiss. 1841. p.181. Wiegmann's. Archiv 1841. p.141. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 219 

Auf diese Weise sind auch die bei Comatula multiradiata Goldfufs 
in der Abbildung bemerklichen Lücken ohne pinnula erklärlich. Es liegen 
2 Glieder zwischen den axillaria, das erste bat an der äufseren Seite eine 
pinnula. Dieses ist bei den Comatiden ungewöhnlich und scheint damit 
zusammenzuhängen, dafs C. multiradiata Goldfufs wegen des Besitzes der 
sogenannten Beckenstücke zwischen dem Knopf und Kelch eine besondere 
Gattung (Comaster Agassiz) bildet. Das zweite brachiale, unter dem fol- 
genden axillare entbehrt die pinnula, die an seiner inneren Seite stehen 
sollte, daher zu vermuthen ist, dafs es mit dem folgenden axillare ein Syzy- 
gium bildet. Ebenso bei den folgenden Theilungen, denn so lange die 
Verästelung fortdauert, fehlen die pinnulae an der inneren Seite. Nach der 
letzten Theilung befinden sich in der Abbildung hin und wieder pinnulaelose 
Doppelglieder, was nach den erörterten Erfahrungen auf einen Irrthum des 
Zeichners schliefsen läfst. Denn wenn an einem aus einer gröfsern Reihe 
von Gliedern bestehenden Arm eine Lücke ohne pinnula vorkommt, so kann 
dies nur ein hjpozygale sein, ein Syzygium von 2 Gliedern ohne pinnula 
kommt aber an den freien Armen bei keiner Comatula vor und ist dieses 
blofs bei einem axillare oder den 2 ersten Gliedern über dem axillare mög- 
lich, wenn das erste Glied ein ganzes, das folgende aber ein hjpozygale ist. 

Aus richtigen Abbildungen der Stellung der pinnulae läfst sich daher 
in allen Fällen auf die Lage der Syzygien schliefsen, wenn diese nicht abge- 
bildet sind, und umgekehrt läfst sich aus der Angabe der Syzygien die Stel- 
lung der pinnulae mit Sicherheit errathen. 

Eine Abweichung von der allernirenden Stellung der pinnulae findet 
sich in der ganzen Abtheilung der Crinoiden nur einmal bei derjenigen Fa- 
milie der ungestielten Crinoiden, die ich costata s. testacea nenne und von 
welcher die Gattung Saccocoma Agass. {Comatula tenella, pectinata und 
fdiformis Goldf.) den Typus bildet. Hier sind pinnulae oppositac, zwei an 
jedem Glied. Goldf. Tab.LXII. Fig. 1-3. 

Glieder der pinnulae. Die Glieder der pinnulae des Pentacrinus 
bilden eine Hohlkehle und sind daher auf dem Querdurchschnitt halbmond- 
förmig, die äufsere Wand der Hohlkehle ist höher als die innere. Sie sind 
mehientheils länger als breit. Das unterste ist sehr niedrig und hat eine ab- 
gerundete Basis, wodurch es in der bezeichneten Gelenkgrube des Armglie- 
des articulirt. Weiterhin entwickelt sich allmählig am Ende der Rückseite 

Ee2 



220 Müller 

der Glieder ein kurzer spitziger Fortsatz. Die Stärke der Glieder nimmt ge- 
gen das Ende der pinnulae ab. Die Gelenkfläcben sind im Allgemeinen 
flach, und nur die Stelle, wo der Centralcanal, erhebt sieh zuweilen unbe- 
deutend. 

Die Glieder der pinnulae der Comatulen sind im Allgemeinen ähnlich, 
sind aber in den einzelnen Arten vielen, zur Characteristik der Arten die- 
nenden, Formverschiedenheiten unterworfen. Bei mehreren sind sie platt, 
besonders die untern stark erweitert, wie bei Alecto curinata Leach. Bei 
A. edhinopteraR ob. haben die letzten 7 Glieder an der Bückseite einen hohen 
Kiel. Bei anderen zeigen sich an den Endgliedern lange Dörnchen an der 
Kückseite und am letzten Gliecle kehren sich diese auch noch vorne zu Häk- 
chen um, wie Savigny (') bei Alecto Sai-ignii N ob. schön abgebildet hat. 

Muskeln der pinnulae. Die Glieder der pinnulae sind durch zwei 
kleine Muskeln unter einander verbunden, sie liegen an der Beugeseite des 
Gelenks. Auch an der Insertion der ganzen pinnula liegt ein Muskel, der 
von dem Armgliede ausgeht und sich an das erste Glied der pinnula befe- 
stigt. Er entspringt vom processus muscularis anterior des Gliedes und setzt 
sich an den vorderen äufseren Umfang des ersten Gliedes der pinnula. Durch 
seine Wirkung mufs er die pinnula gegen den Arm in aboraler Bichtung 
anziehen und also niederlegen. Die Interarticularsubstanz und die 
Bänder der pinnulae haben denselben Bau wie an den Armen. 

Bildung neuer Glieder der Arme und der pinnulae. Die 
neuen Glieder und ihre pinnulae bilden sich nur am Ende der Arme und die 
neuen Glieder der pinnulae nur am Ende der pinnulae, niemals durch Inter- 
polation. An abgebrochenen Armen erfolgt der Wiederansatz in der Form 
eines dünnen Pfropfreises, welches auf der Mitte des Stumpfes, da wo der 
Centralcanal der Glieder, aufsitzt. So sieht man es nicht selten bei den Co- 
matulen. In einem solchen Fall war die Bruchstelle des Armes die Nath 
eines Syzygiums, daher das hypozygale den Stumpf bildete, das unterste 
Glied der neuen dünnen Sprosse war hierzu das epizygale und trug die erste 
pinnula der jungen Sprosse. In einem anderen Fall war der Bruch über 
dem ersten Glied des Armes jenseits eines axillare erfolgt, die junge Sprosse 

(') Description de VEgypte. Echinodermes. PI. I. Fig. 1. 



über den Bau des Pentacrinus caput JMedusae. 221 

hatte am untersten Glied die erste pinnula, so dafs diese also wie gewöhnlich 
am zweiten Glied über dem axillare stand, das zweite Glied der jungen 
Sprosse hatte bereits ein Svzygium, so dafs also das dritte Glied über dem 
axillare sein gewöhnliches Syzygium hatte. 



Sechster Abschnitt. 

Yon dem ventralen Perisoma. 
1. Vom ventralen Perisoma des Pentacrinus und der Comatulen. 

Die Kelchradien des Pentacrinus und der Comatulen sind durch eine 
Haut verbunden, die beim Pentacrinus und bei einigen Comatulen Kalkplätt- 
chen an ihrer Oberfläche hat, bei den mehrsten Comatulen aber nackt isi. 
Diese Haut geht von den Seitenrändern der Beugeseite der Kelchradien aus 
und die Kelchradien selbst sind gleichsam eine Verdickung und Gliederung 
in dem Perisoma, ohne dafs von jener Haut etwas über die Glieder weg- 
ginge. Zwischen den Armen schlägt sich das Perisoma der Scheibe zur 
Bauchfläche um und überzieht die ganze Bauchseite der Scheibe bis auf Mund 
und After. Auch an die äufseren Ränder der ersten Anfänge der Arme hef- 
tet sich das Perisoma der Scheibe fest. 

Das Perisoma der Bauchseite der Scheibe geht von dieser auf die 
Bauchseite der freien Arme über und bedeckt die hier an den Armgliedern 
befindliche Rinne, bis in die äufsersten Theile, die pinnulae, ohne die Rinne 
selbst auszukleiden, indem es sich überall an die Ränder der Rinne der Ske- 
lettheile anheftet und hier in sie selbst übergeht. Alle Theile der Krone 
haben daher eine von Knochengliedern gebildete Dorsalseite und eine vom 
häutigen Perisoma gebildete Bauchseite. Nur so weit die Scheibe reicht, 
giebt es auch ein häutiges Dorsal -Perisom, nämlich zwischen den Kelchra- 
dien, indem der Körper des Thiers oder die Scheibe eben durch gröfsere 
Ausdehnung des an die Kelchradien und Arme angehefteten Perisoms gegen 
die Mitte des Sterns entsteht. Stellt man sich diese Ausdehnung ohne Ver- 
letzung bis auf ein kleines reducirt vor, so wird das dorsale Perisom der 
Scheibe ganz verschwinden, nämlich auch von den Rändern der Kelchradien 



222 Müller 

entspringend, nur diesen und der zwischen ihnen befindlichen Mitte des 
Sterns eine ventrale Bedeckung geben. 

Das weiche Perisom an der Beugeseite der Arme und pinnulae, wel- 
ches die Rinne der Skelettheile brückenartig deckt, hat unabhängig von 
letzterer Rinne eine Furche oder Halbcanal, an seiner Oberfläche, die Ten- 
takelrinne. Diese Rinne ist beim Pcntacrinus von zarten kleinen längli- 
chen Knochenplättchen geschützt, welche auf den Rändern der Glieder auf- 
sitzen und an jener Haut anhaften, aber frei über sie sich erheben. Sie 
bilden zwei ununterbrochene Reihen an den Seiten der genannten Rinne, 
die sie hoch überragen, auf den Raum eines Armgliedes kommen mehrere 
(4 und mebr) solcher Blättchen, kleiner und zarter kommen sie auch an dem 
Theil der Rinne vor, der sich aus der Rinne der Arme in dem ventralen Pe- 
risom über die pinnulae fortsetzt. Bei denjenigen Comatulen, deren ventra- 
les Perisom an der Scheibe schon ohne Knochenplättchen ist, fehlen auch 
jene Knochenplättchen an der Rinne der Arme. Hier stehen dann weichere 
Blättchen von der Farbe der Haut, so bei A. europaea u. a. Diese Blätt- 
chen können sich, wie man beim lebenden Thiere sieht, vermöge der Haut, 
die sie verbindet, bewegen. An ihrer äufsern Seite geht ein Zug von dun- 
kelrothen punktförmigen Flecken. 

Die Säume der Rinne sind an ihrer inneren Seite mit sehr kleinen, 
dem blofsen Auge kaum sichtbaren, weichen cylindrischen Fühlerchen be- 
setzt, welche sich sehr verlängern und verkürzen können und im verkürzten 
Zustand wie wurmförmig geringelt aussehen. 

Diese Tentakeln sind hohl, am Ende geschlossen, abgerundet, ihre 
ganze Oberfläche ist noch mit kleineren cylindrischen, am Ende wenig ange- 
schwollenen Fühlerchen besetzt. 

Die Tentakelrinne entspricht den Bauchfurchen der Asterien, und 
ihre Fühlerchen den Füfschen der Asterien. Die Tentakelrinnen der pin- 
nulae münden in die Tentakelrinne ihres Armes, die Tentakelrinnen der 
Armstämme geben auf die Ventralseite der Scheibe über. Alles dieses ver- 
hält sich bei den Comatulen und Pentacrinus gleich. 

Bei lebenden Comatulen sieht man diese Tentakeln in lebendiger 
wurmförmiger Bewegung. Sie sind wahrscheinlich im Stande, Nahrungs- 
stoffe methodisch nach dem Munde von allen Armen und allen pinnulae zu- 
sammenzuführen, doch habe ich keine solche Bewegungen selbst gesehen. 



über den Bau des Pcntacrinus caput Medusae. 223 

Die Rinnen zweier zu einander gehöriger Arme, d.h. die auf einem 
gemeinsamen Kelehradius aufsitzen, convergiren auf dem Ventralperisom und 
vereinigen sich bald in eine, dadurch werden aus den 10 Tentakelrinnen des 
äufsern Umfanges der Scheibe 5, welche ihren Weg radial gegen den Mund 
fortsetzen. Hierdurch wird das Perisom der Bauchseite der Scheibe oder 
der Scheitel in 5 kleinere und 5 gröfsere Felder getheilt. Die kleineren, 
der Theilung in zwei Arme entsprechend, können Interbrachialfelder 
heifsen, sie erreichen den Mund nicht und liegen zwischen den convergiren- 
den und sich vereinigenden Tentakelrinnen zweier Arme. Die gröfseren 
entsprechen den Zwischenräumen der 5 Kelchradien oder Armbasen an der 
Rückseite und setzen sich von da auf die Bauchseite fort, sie reichen von 
den Kelchradien am Rücken der Scheibe ununterbrochen auf die Bauchseite 
bis zum Mund. Es sind die Interpalmarfelder. Zwischen den 5 Haupt- 
tentakelrinnen zum Munde angelangt, endigen die Interpalmarfelder mit 
einem freien Winkel. Die 5 Winkel dieser Felder bilden die Klappen über 
dem Mund. Die Tentakelrinnen verhalten sich demnach auf der Bauchseite, 
wie sich die Skeletformation auf der Rückseite verhält. Wenn zwischen dem 
ventralen Perisom der Arme und den Skelettheilen der Arme Weichtheile 
liegen, die in der Scheibe zwischen Ventralperisom der Scheibe und dem 
Kelch gelegen sind, so liegen diese Weichtheile in beiden Fällen zwischen 
ganz analogen Theilen. 

Die Tentakelfurchen der pinnulae und Arme führen durch die 5 
Haupttentakelfurchen des Scheitels fortgesetzt, zum Munde, ohne sich vom 
peripherischen bis centralen Theil viel zu erweitern. Unter den 5 Mund- 
klappen hängen die Tentakelrinnen durch eine ringförmige Rinne über dem 
Munde zusammen. Die beiden Tentakelreihen einer Tentakelfurche wen- 
den sich hier aus einander in diese ringförmige Rinne und auf diese Weise 
hängen die Tentakelreihen mit denen der nächsten Furchen bogenförmig zu- 
sammen. Die Rinne um den Mund liegt zwischen Mund und den 5 Klap- 
pen und ist natürlich nur an ihrer äufsern Seite mit Tentakeln besetzt. Der 
Mund der Comatulen und Pentacrinen ist central und liegt also zwischen den 
Yerbindungsbogen der 5 Tentakelrinnen unter den Klappen der Intertenta- 
cularfelder. Der After hingegen ist excentrisch und liegt in einem der 5 
gröfseren oder Interpalmarfelder auf der Bauchseite, in eine Röhre verlän- 



224 Müller 

gert, welche bei den mehrsten Comatulen kurz ist, bei Alecto palmata eine 
beträchtliche Länge erreicht. 

Bei den meisten Comatulen ist das ventrale Perisom überall blofs häu- 
tig und ohne Skeletblättchen, so ist es bei Alecto europaea Leach u.a. so- 
wohl zwischen den Kelchradien als an der Ventralseite der Scheibe und der 
Arme und pinnulae. 

Bei einigen Comatulen enthält die Haut mikroskopische Kalktheilchen 
in Form von Stäbchen, einfachen oder zertheilten Balken, Anfänge der Os- 
siücation. 

In der Haut der Aleclo cchinophora Nob. ordnen sich jene Theilchen 
zu einem Netz mit einzelnen Papillen, bei anderen Comatulen treten schon 
sehr kleine ossificirte Plättchen auf, auf die man beim Betasten der Haut mit 
einer Nadel stöfst, wie bei Alecto palmata Nob. Gröfsere mit blofsen 
Augen sichtbare Täfelchen besitzt das Perisoma der Scheibe bei Alccto Mil- 
leri Nob. (Comalula fimbriata Mill. ('), Alccto tessellata Nob. ( 2 ) u.a. 
Eine colossale Comalula des Wiener Museums, Comatula solaris Mus.Vienn. 
(verschieden von C. solaris Lam.), die ich unter dem Namen Actinomctra 
imperialis ( 3 ) beschrieben, hat die Oberseite der Scheibe mit Kalkplättchen 
bedeckt, auf denen blumenartige kurze kalkige Knötchen aufsitzen, mit 3-5 
blattartigen Fortsätzen. 

Beim Pcnlacrinus Caput Medusae ist das Perisom der Scheibe unten 
zwischen den Kelchradien und oben auf dem Scheitel mit dünnen Knochen- 
plättchen incrustirt; solche bekleiden auch die Seitenränder des ventralen 
Perisoms der Arme und pinnulae, so dafs der mittlere Theil der Beugeseite, 
wo die Tentakelrinne, weich bleibt, indem sie von den hier frei aufgerichte- 
ten Kalkplättchen jederseits geschützt wird. Auch bei Alecto Milleri Nob. 
{Comatula fimbriata Mill., verschieden von C. fimbriata Lam.) kommen 
nach Miller, der sonst die Tentakelrinne nicht kannte, Kalkplättchen an 
der ventralen häutigen Seite der Arme vor. 

(') Abgebildet in Miller natural history of ehe Crinoidea. 

( 2 ) Beschrieben im Monatsbericht der Akad. der "Wissenschaften 1841. p. 184. "Wieg- 
mann's Archiv. 1841. I. p.144. 

( 3 ) Monatsbericht der Akademie. 1841. p. 181. Wie gm. Archiv. 1841. I. p. 141. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 225 

Die aufrecht stehenden Kalkplättchen, welche beim Pentacrinus die 
Rinne auf den Armen bekleiden, folgen den Rinnen auch auf dem Scheitel ; 
unter der weichen Haut, welche die Rinne des Scheitels auskleidet, liegen 
aber noch kleine Kalkplättchen des Perisoms. 

Die Knochenplättchen liegen an allen übrigen Stellen in dem Perisom 
zwischen den Radien und auf dem Scheitel ganz nackt zu Tage. Sie zeigen an 
der Dorsalseite (zwischen den Kelchradien) und Ventralseite einen merkwür- 
digen Unterschied. Die Knochenplättchen der Ventralseite in den Interpal- 
marfeldern und Interbrachialfeldern zeigen nämlich schon bei geringer Ver- 
gröfserung eine Anzahl Poren. Taf. III. Diese Löcherchen, deren Zahl 
nach der Gröfse der Plättchen verschieden ist, kommen nur an der Bauch- 
seite der Scheibe vor und die Skeletblättchen der Interradialhaut des Kel- 
ches zeigen keine Spur davon. Auch an den aufgerichteten Kalkplättchen, 
welche die Tentakelrinne bekleiden, befinden sich nie solche Poren. Durch 
diese capillaren Poren kann das Wasser bis in die Nähe des im Kelch liegen- 
den Eingeweidesacks eindringen. 

In Miller's Abbildung vom Scheitel des Pentacrinus caput Medusae 
und in Buckland's (*) Abbildung des Scheitels |des Pentacrinus Briareus 
sind die Tentakelrinnen übersehen. An meinem Exemplar des Pentacrinus 
caput Medusae ist zwar die Haut der Bauchseite der Scheibe gänzlich zerris- 
sen, aber an den Resten ist die eben beschriebene Structur noch sehr sicher 
zu erkennen. Die Afterröhre ist noch nicht direct bei Pentacrinus caput 
Medusae gesehen, in dem von Miller beschriebenen und abgebildeten Exem- 
plar müfste sie wohl zu entdecken sein, sie mufs sich ganz so wie bei den 
Comatulen verhalten und also in einem der 5 Interpalmarfelder stehen, da- 
gegen ist sie in Buckland's Abbildung vom Pentacrinus Briareus wohl zu 
erkennen. Auf Tab. III. Fig. 1 unserer Abbildungen ist eine vergröfserte 
Ansicht von der Scheibe unseres Exemplars des Pentacrinus caput Medusae 
in dem zerstörten Zustande des gröfsten Theils des ventralen Perisoms gege- 
ben. Die andere Abbildung Fig. 2 ist durch Interpolation nach Anleitung 
der Comatulen ergänzt, also imaginär in allen Theilen, welche in der ersten 
Abbildung fehlen. A 

(') Buckland Geolog/ and Mineralogy. Tab. 51. Fig. 2. 

Physik.-math. Kl. 1841. Ff 



226 Müller 

Die schon einmal erwähnte colossale Comatula des kaiserlichen Na- 
turalienkabinets zu Wien, die ich unter dem Namen Aclinometra imperialis 
beschrieben habe, zeichnet sich, so weit sich an dem trocken aufbewahrten 
Thiere erkennen läfst, durch eine sehr auffallende Formation des Scheitels 
aus, während sie sonst in allen Beziehungen mit den Comatulen überein- 
kommt. Auf dem Scheitel, der mit ansehnlichen blumenartigen Kalkplätt- 
chen bedeckt ist, ist keine Spur von Furchen, die nach dem Centrum der 
Scheibe gehen. Auch ist dort nichts von dem Munde zu sehen. Die Mitte 
der Bauchseite nimmt eine Röhre ein. Die Arme haben die ventrale Furche, 
die Furchen der 10 Arme münden aber in gleichen Abständen in eine die 
Scheibe am Rande umziehende Cirkelfurche. Diese eigenthümliche Bildung 
liefse sich durch eine unsymmetrische Vergröfserung desjenigen Interpalmar- 
feldes, worin die Afterröhre steht, über den ganzen Scheitel und auf Kosten 
der andern Interpalmarfelder erklären, so dafs der Mund aus der Mitte des 
Scheitels ganz an die Seite, zwischen je zwei Arme geräth. Es ist mir aber 
nicht gelungen, den Mund hier zu finden. Eine völlige Gewifsheit darüber, 
ob diese Comatul wirklich generisch von den andern verschieden ist, läfst 
sich nur bei in Weingeist erhaltenen Exemplaren derselben Thierart erhal- 
ten, denn es läfst sich allerdings eine solche Verzerrung des ventralen Peri- 
soms denken, dafs dasjenige der 5 Interpalmarfelder, worin die Afterröhre 
steht, den gröfsten Theil der Scheibe einnimmt, und dafs die Rinnen, welche 
dieses Interpalmarfeld begrenzen, den Seitenrand der Scheibe umziehen. 
Bis zur Herausgabe der Naturgeschichte der Comatulen hoffe ich hierüber 
Gewifsheit zu erhalten (*). 

2. Vom Scheitel der Crinoidea tessellata mit Armen. 

Scheitel der gestielten Crinoidea tessellata mit Armen. 
Vergleicht man den Scheitel der gestielten Crinoidea tessellata mit Armen 
mit dem der articulata, so zeigt sich wenig Ähnlichkeit. Der Scheitel die- 
ser Thiere ist von ziemlich dicken, bis ^ Linie dicken, Plättchen oder Plat- 

(') Im Museum zu Lund habe ich hernach noch 2 trockne Comatulen gesehen, an wel- 
chen das ventrale Perisom sich ebenso verhielt, wie an der Wiener Comatula. Es sind: 
Asterias mulliradiata Retz. diss. p. 35 spec. 48 und Asterias pectinata Retz. diss. p. 34 
spec. 47, deren Beschreibung ich in Wiegmann's Archiv 1843 geliefert habe. 

Zusatz. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 227 

ten gebildet, welche mit ihren Rändern aneinander stofsen und sich auch 
noch in dieser Art auf den Anfang der Arme fortsetzen. Bei Platycrinus 
ventricosus, microstylus, rugosus, deren Scheitel vorliegen und Taf.VI. ab- 
gebildet sind, ist ihre Zahl sehr gering und bei Platycrinus ventricosus rei- 
chen 12 dicke Platten hin, den ganzen Scheitel zu bedecken. Diese Platten 
zeichnen sich hier durch die langen Spitzen oder Stacheln aus, in welche sie 
auslaufen. Gerade in der Mitte des Scheitels liegt eine dieser grofsen 
Platten. Zu einer solchen Yertheilung von Tentakelrinnen, wie bei den Pen- 
tacrinen und Comatulen ist hier gar kein Platz. Obgleich die Scheitel an 
den vorgelegten Kelchen von 3 Species von Platycrinus und 2 Species von 
Actinocrinus alle vollkommen erhalten sind, so zeigen sich doch niemals 2 
Offnungen, Mund und After, immer ist nur eine Öffnung vorhanden, entwe- 
der in der Mitte, wie bei Actinocrinus, wo sie bekanntlich in eine mit Asseln 
bedeckte Röhre ausgezogen ist, oder an der Seite des Scheitels zwischen den 
Armen, wie bei den Platycrinus (und einem Theil der Jllelocrinus). Bei Pen- 
tacrinus ist zwar der After in einem der Interpalmarfelder nicht gesehen, 
denn bei dem untersuchten Exemplar ist der Scheitel bis auf den peripheri- 
schen Theil zerstört, indefs mufs sich dieser wie bei Comatula verhalten. 
Liegen sich Mund und Afterröhre sehr nahe, wie bei Alecto palmata Nob., 
wo die Afterröhre, in der Spitze ihres Interpalmarfeldes stehend, den Mund 
fast bedeckt, so könnte zwar die Mundöffnung ganz unsichtbar geworden 
sein, indefs sieht man an den vorgelegten Scheiteln alle Linien der zusam- 
rnenstofsenden Platten sehr deutlich und man darf nicht bestimmt annehmen, 
dafs die gestielten Crinoidea tessellata mit Armen zwei getrennte Offnungen 
besitzen, da eine andere Abtheilung von Crinoidea (TIolopus d'Orb.) keinen 
After hat und es, wie weiter erörtert werden soll, unter den Asterien Gat- 
tnngen mit After und ohne After giebt ( 1 ). 

(') Ich verweise zur Vergleichung noch auf die vorhandenen Abbildungen von Schei- 
teln der gestielten tessellata mit Armen. 

Actinocrinus, P a rkins n Organic liemains Taf. XVII. Fig. — A. 30 dact. Miller 
Taf.n. Goldf. Taf. LIX. Fig.3-5. Phill. Tab. IV. Fig. 16. — A. polydact. Ebend. Fig. 17. 
— A. Gilbertsoni Phill. Taf. IV. Fig. 19. — A. globosus Ebend. Fig. 26. 29. 

Platycrinus laevis Phill. Tab. m. Fig. 14. 15. P. granulatus Ebend. T. III. Fig. 16. 
P. tuberculatus Ebend. Tab. III. Fig. 17. P. rugosus Ebend. Tab. HI. Fig. 20. P. ellipticus 
Ebend. Tab. m. Fig. 19. 21. P. gigas Ebend. Tab. III. Fig. 22. 23. P. elongatus Ebend. 
Tab. III. Fig. 24. 26. 

Ff2 



228 Müller 

Dafs nun bei den Crinoidea tessellata ohne Tentakelfurchen auf dem 
Scheitel, solche auch an den Armen fehlen werden, läfst sich vermutheu, 
schon der Anfang der Ventralseite der Arme wird bei den Platycrinus, Acti- 
nocrinus u. a. von Knochenplättchen, ähnlich denen des Scheitels, aber klei- 
ner, bedeckt. Von einer circulären Furche am Rande der Scheibe, welche 
Furchen von der Oberfläche der Arme aufnähme, zeigt sich auch keine 
Spur. 

Wenn Eugeniacrinus mespiliformis Gold f. wirklich ein Crinoid mit 
Armen ist, die ihm Goldfufs beilegt, so ist er nicht allein der Typus eines 
neuen Genus in der Abtheilung der gestielten Crinoiden mit Armen, sondern 
selbst der Typus einer eigenen, von den gestielten Crinoidea tessellata 
mit Armen abzusondernden, Familie der Testacea, indem der Kelch und 
Scheitel desselben wie bei den armlosen Pentremües eine zusammenhängende 
feste Schale bildet und wie bei diesen 5 gegen den Mund aufsteigende Ten- 
takelfelder dieser Schale hat. Hierher würde auch Platycrinus pcntangula- 
ris Mi 11. als eigenes Genus gehören, wenn er wirklich Arme haben sollte, 
die Miller abbildet. Indefs behauptet Phillips, dafs dieser Crinoid ein 
Pentremit sei und dafs ihm Miller Arme beigefügt habe. Obgleich diese 
Bemerkung in keiner Weise von Phillips begründet ist, so läfst sich gleich- 
wohl nicht verkennen, dafs die abgebildeten 5 Arme, welche einfach fort- 
laufend 6 Glieder bis zum axillare besitzen, unter den Crinoiden ganz unge- 
wöhnlich sind. 

Der Scheitel der ungestielten Crinoidea tessellata (Marsupiles) ist 
noch nicht bekannt, denn was Man teil ( J ) in seiner Abbildung dafür nimmt, 
jene gegliederten Reihen, sind sowohl nach der Abbildung als nach der Be- 
merkung, dafs diese Gliederchen nierenföruiig sind und auf der Berührungs- 
fläche einen Riff haben, offenbar von den Armen abgelöste pinnulae. 

Melocrinus hiroglyphicus Gold f. Tab. LX. Fi'g. 1. — M. gibbosus Tab. LXIV. Fig. 2. 
Cyathoirinus planus Miller Fig. 28.29. 
Rhodocrinus crenatus Goldf. Tab. LXIV. Fig. 3. 

Gilberlsocrinus mammillaris Phill. Tab. IV. Fig. 23. — G. bursa, ebend. Fig. 24. 
Hypanthocrinus (Eucalyptocrinus) decorus Phill. Murch. p. 672. Tab. XVII. Fig. 3. 
Caryocrinus ornatus Say zool. Journ. Vol. II. Tab. XI. Fig. 1. Blainv. Actinol. 
Tab. XXLX. Fig. 5. 

(') Mantell geology of South- Eeast of England. London 1833. p. 114. 



über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 229 

Bei den ungestielten Crinoidea costata seu testacea mit Armen (Sac- 
cocoma Ag., Comatula tenella, pectinata, filiformis Gold f.) ist der Scheitel 
auch schalig, das nähere Verhalten aber noch unbekannt; in der Abbildung 
der Comatula tenella von Goldfufs erscheint der Scheitel zusammenhän- 
gend schalig. Von den Armen laufen 5 flache Vertiefungen zum Munde. 

Scheitel der Crinoiden ohne Arme. Die gestielten Crinoiden 
ohne Arme bilden 2 Familien. Beide sind höchst wahrscheinlich mit ge- 
trennter Mund- und Afteröffnung versehen. Die einen zeichnen sich durch 
ihre auf einer unbeweglichen Schale ausgeprägten Tentakelfelder, die stern- 
förmig am Munde zusammen kommen, aus. Es sind die Pentremiten. Um 
den Mund befinden sich bekanntlich 5 Offnungen, wovon jede der Spitze 
eines Intertentakelfeldes entspricht und eine sehr viel gröfser als die übrigen 
ist. An den Pentremiten, welche Hr. von Buch mitzutheilen die Güte 
hatte, liefs sich durch Aufräumung der Löcher ermitteln, dafs jedes der 4 
kleineren Löcher in der Tiefe durch eine senkrechte Scheidewand in zwei 
getheilt ist. In dem grofsen fünften Loch fehlte diese Scheidewand in der 
Mitte, dagegen fand sich jederseits eine Leiste, so dafs diese Öffnung in zwei 
seitliche kleine und eine mittlere grofse zerfällt. Die seitlichen entsprechen 
den übrigen Öffnungen und sind mit diesen wahrscheinlich Ausgänge für Eier 
und Samen. Das Verhalten der Öffnungen bestätigte sich an den Pentremi- 
ten des mineralogischen Museums. 

Die Tessellata dieser Abtheilung ohne Stern von Tentakelfelder sind 
die Sphaeroniten mit den von Hrn. von Buch aufgestellten Gattungen der- 
selben ('). Ihre innige Verwandtschaft mit den übrigen Crinoiden ist durch 
ebendenselben so überzeugend bewiesen, dafs davon hier keine Rede sein 
kann. Mund und After sind nachgewiesen, liegen auseinander und sind bei 
einigen noch von einer dritten (Geschlechts-) Öffnung unterschieden. 

Die letzte Abtheilung der Crinoiden wird von den Crinoiden mit Ar- 
men und festgewurzeltem Kelch aus einem röhrigen Stück gebildet, Holo- 
pus d'Orb. Sie scheinen nach dem Wenigen, was von ihnen bekannt ist, 
keinen After zu besitzen. Von den Armen ziehen sich Furchen gegen den 



(') Auszug aus dem Monatsbericht der K. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Monat 
März 1840, mit Abbildung. 



230 Müller 

Mund. Diese Thiere sind hier das, was die Afterlosen unter den mit einem 
Afterporus versehenen Asterien. 



Siebenter Abschnitt. 

Vom Innern des Körpers und der Arme. 

1. Von den Eingeweiden im mittleren Theile des Körpers. 

Bauchhöhle. Die innere Fläche des Kelchs und Scheitels der Co- 
matulen ist glatt und von einer dünnen häutigen Schichte bedeckt, welche 
an den häutigen Theilen des Kelchs und am Scheitel innig mit dem eigent- 
lichen Perisom verwachsen ist und sich nur künstlich davon trennen läfst, 
an der innern Fläche der Radien hingegen sind beide in so weit getrennt, als 
die auf der Beugeseite der Radien liegenden Muskeln und die Radien hier 
noch von einer dünnen häutigen Schichte bedeckt sind, die Radienglieder 
selbst aber als Verdickungen des Perisoms zu betrachten sind. Beim Pentct- 
crinus ist eine innere häutige Schichte des Kelches deutlicher unterschieden. 
Die äufsere Schichte des Perisoms bilden hier die ossificirten gröfseren Plätt- 
chen, die vorher beschrieben worden, an der innern Schichte dagegen sieht 
man nichts von diesen Platten. Das Perisom fühlt sich mit der Nadel rauh 
an, von kleinen kalkigen Incrustationen, die sehr viel kleiner sind als die 
Platten des äufsern Perisoms. Man trifft sie sowohl an der innern Fläche 
des Kelchs als des Scheitels. Da wo die Radien des Kelchs, geht diese 
Schichte über sie und ihre Muskeln so hinweg, dafs die innere Fläche des 
Kelches ganz gleichförmig aussieht und man die Radien selbst von innen 
nicht sieht. Tab.III.Fig. 1. 

Eingeweidesack. Die Eingeweide zwischen Kelch und Scheitel 
sind von einer besondern sackförmigen Haut zusammen so umhüllt, dafs die 
Eingeweidemasse äufserlich ganz der Form der Körperhöhle entspricht. 
Dieser Eingeweidesack ist von Heusinger bei den Comatulen bereits be- 
schrieben; bei meinem Exemplar von Pentacrinus ist er mit den Eingewei- 
den verloren gegangen. Im Innern des Sacks windet sich der Darm der Co- 
matulen vom Mund bis zur Afterröhre, so dafs der äufsere Umfang seiner 
Windung mit der innern Fläche der sackförmigen Membran innig verwach- 
sen ist. Mit der innern Fläche des Perisoms steht letztere an den mei- 



über den Bau des Pentacrinus caput ISledusae. 231 

sten Stellen nur in sehr lockerer Verbindung, so dafs sie sich leicht davon 
abheben läfst. Heusinger fand einigemal etwas Flüssigkeit zwischen bei- 
den, in der Regel fand ich sie durch zartes Bindegewebe dem Perisom leicht 
anhängend. An zwei Stellen hängt sie aber mit dem Perisom fest zusammen, 
erstens um den Mund herum und zweitens an dem mittlem untern Theil des 
Kelches. An letzterer Stelle zeigte die die Eingeweidemasse umgebende 
Haut bei den Comatulen zuweilen eine unregelmäfsige poröse kalkige In- 
crustation. Aber in der ganzen Ausdehnung des Eingeweidesacks findet man 
unter dem Mikroskop überall Spuren eines Kalknetzes, und aufserdem 
gestreifte unregelmäfsige, breitere Ablagerungen von einer andern zer- 
brechlichen durchsichtigen Substanz, welche von Essigsäure ohne Aufbrau- 
sen aufgelöst wird. Sie ist vielleicht die Ursache der weifsen Farbe dieser 
Haut. Das Kalknetz mufs auch der mit dem Eingeweidesack verwachsenen 
Haut des Darms angehören; denn man sieht es auch bei mikroskopischer 
Untersuchung der von der Mitte des Thiers in den Darm vorragenden, sei- 
nen Windungen folgenden Leiste, von welcher sogleich gehandelt werden 
soll. Die von Du j ardin erwähnten plaques calcaires sccretees dans l epais- 
seur de la membrane stomacale sind auf diese verschiedenen Ablagerungen 
des Eingeweidesacks und der Darmwand zu beziehen. 

Spongiöse Masse in der Mitte des Körpers. Zwischen den 
Darmwindungen liegt in der Mitte eine weiche spongiöse Masse, sie bildet 
eine Art Spindel, um welche sich der Darm vom Munde bis zur Afterröhre 
windet. Diese spongiöse Masse enthält viele kleinere und gröfsere mit 
einander communicirende Höhlungen und Canäle. 

Darmcanal. Der Mund führt in die Speiseröhre in schiefer Rich- 
tung. Diese ist ein kurzer Canal, welcher die Richtung nach auswärts ab- 
wärts gegen den Theil des Körpers nimmt, auf welchem die Afterröhre steht. 
Bald öffnet sie sich in den Darm. Dieser beginnt mit einem Blindsack und 
behält dann seine Weite, die viel beträchtlicher ist als die der Speiseröhre, 
bis zu seinem Ende. Er läuft in einer Windung nach rechts um die Spin- 
del bis wieder, zur Afterröhre, Ende und Anfang des Darms berühren sich 
daher. Der Anfang des Darms liegt nämlich neben dem Ende desselben 
und zum Theil noch unter dem gleichfalls blindsackigen Ende, aus welchem 
sich nach aufwärts die Afterröhre erhebt. Die innere Wand der Darmhöhle 
besitzt eine der lamina spiralis der Schnecke vergleichbare schwammige dicke 



232 Müller 

Leiste, welche, von der Spindel ausgehend, ins Innere des Darms weit vor- 
springt und von der Einmündung der Speiseröhre bis an die Stelle zu ver- 
folgen ist, wo der Darm in die Afterröhre übergeht. Diese Bildung ist bis- 
her von keinem Beobachter erwähnt. Nach Heusinger soll sich am Über- 
gang der Mundhöhle in den Darm eine Klappe befinden, dies ist aber nichts 
anders als der Anfang der merkwürdigen Klappe, welche durch den ganzen 
Darm zu verfolgen ist. An der innern Seite des Darms befinden sich auch 
viele Vertiefungen gegen die mittlere spongiöse Masse der Spindel, mit wel- 
cher die anliegende Darmwand gerade so, wie der äufsere Umfang des Darms 
mit dem Eingeweidesack verwachsen ist. Die Spiralplatte enthält auch Spu- 
ren des Kalknetzes. Zwischen dem äufseren Umfange des Darms und dem 
Eingeweidesack befindet sich eine nur äufserst dünne Schichte der spongiö- 
sen Substanz. 

Taf.V. Fig. 7 ist eine Ansicht des ganzen aufgeschnittenen Darms von 
oben. a. Mund. b. Reste der oberen Scheibendecke, c. aufgeschnittene 
Speiseröhre, d. Anfang des Darms, e. Windung des Darms, f. Spiral- 
platte, g. Afterröhre. Fig. 8 stellt einen senkrechten Durchschnitt durch 
die Darmhöhle in der Richtung der Linie x Fig. 7 dar. Fig. 9 ähnlicher Durch- 
schnitt in der Richtung des Radius, in welchem die Speiseröhre liegt, c. Spei- 
seröhre. Fig. 10 Durchschnitt in einer Richtung, welche durch das Ende und 
den darunter liegenden Anfang des Darms zugleich durchgeht, o. Spindel. 

f. Spiralplatte, y. Sonde aus der Speiseröhre c in den Anfang des Darms d. 

g. Ende des Darms, h. Ende der Spiralplatte, g. Afterröhre. 

In der Darmhöhle befindet sich immer ein consistenter Speisebrei. 
Er enthält aufser kleinen Kügelchen mehr oder weniger deutlich erkennbare 
Reste von Thieren. Unter diesen sind Theile von Entomostraceen, Borsten, 
Klauen, am häufigsten sichtbar. Nicht selten sind Arten der Gattungen 
Navicula, Actinocyclus, Coscinodiscus Ehrenberg. 

Seltener fand sich die Taf.VI. Fig. 4 abgebildete Form einer Scheibe 
von 0,004 Zoll Durchmesser, worin ein Stern mit 14 Strahlen liegt, dessen 
Arme den Rand der Scheibe berühren. Dieser Stern ist eine Doppelfigur und 
besteht aus einem vordem und hintern Stern, wovon jeder 7 Strahlen hat, 
die Strahlen des hinteren stehen in den Zwischenräumen der Strahlen des 
vorderen. Von den einspringenden Winkeln des Sterns gehen radienför- 
mige Linien zum Centrum. Säuren lösen diese Körper nicht auf. 



über den Bau des Pentacrinus Caput Dledusae. 233 

Eine andere Form glich einem Haarstern, von einem kleinen mittlem 
runden Körper gingen 14-16 dünne fadenartige Strahlen aus, welche sich 
hald gabelförmig theilten und sehr lang waren. Tab. VI. Fig. 5. Diese Strah- 
len befanden sich in einer Ebene. Das Ganze war einigemal eröfser als die 
yorhin hezeichnete Figur. Einmal fand sich ein sehr zierliches Körperchen 
von der Form einer Kanzel, ohngefähr so grofs wie die erst beschriebene Fi- 
gur. Tab. VI. Fig. 6. Einigemal wurde das Tab. VI. Fig. 7 abgebildete Kör- 
pereben von 0,003 Zoll gesehen, welches aus einer Scheibe zu hestehen 
schien, welche sich einerseits in einen Kegel, auf der andern Seite in 2 zak- 
kige Kegel erhob und im Innern eine dunklere körnige runde Masse einschlofs. 
Noch andere eigentümliche Formen sind auf derselben Tafel abgebildet. 

Diese kleinen Organismen werden von den Armen her durch die Thä- 
tigkeit der Tcnlacula in den Furchen nach dem Munde gebracht. Daher 
der Darm der Comatulen eine gute Gelegenheit bietet, die unauflöslichen 
Körper mikroskopischer Organismen zu untersuchen. 

Als Athemorgan isi wahrscheinlich die Afterröhre zu betrachten, 
wie Heusinger vermuthet. Die innere Haut derselben wird von einer 
in Längsfalten gelegten Schleimhaut gebildet. Die Falten springen am 
Rande der Röhre etwas vor und daher ist der Rand der Afterröhre ge- 
kerbt. Diese Schleimhaut hat Wimperbewegung. Die Falten hören am 
untern Ende der Röhre auf und hier setzt sich die Schleimhaut in die glatte 
Haut des Darms fort. Zwischen der äufsern und innern Haut der Afterröhre 
liegt eine Schicht von Längsmuskelbündeln, welche an der Basis der Röhre 
auseinander weichen und sich vielleicht noch weiter im Perisom der Scheibe 
verbreiten. Das faltige Organ der Afterröhre kann als Afterkieme angese- 
hen werden, das Gegentheil der Kiemen der Ascidien. 

2. Organisation des Innern der Arme. 

Nerven der Arme. An den Armen des Pentacrinus und der Coma- 
tula liegen zwischen den Gliedern und der häutigen vom Perisom herstam- 
menden Bedeckung der Rinne, unter der Tentakelrinne zwei häutige Canäle 
übereinander. Zwischen beiden liegt der Nervenstrang des Arms, von einer 
häutigen Hülle besonders umgeben, er macht jeder pinnula gegenüber eine 
längliche schwache Anschwellung, von welcher der Nervenfaden in die 
pinnula abgeht. Der untere Canal wird gegen die Scheibe schnell enger 
Physik.- math. Kl.iMi. G g 



234 Müller 

und scheint zuletzt ganz aufzuhören, wenn er nicht, wie es bei einigen Co- 
matulen schien, durch eine sehr enge Öffnung in den Kelch zwischen diesem 
und dein Eingeweidesack führt. Er liegt am Arm in der Tiefe der Rinne 
der Glieder und ist seitlich comprimirt. Von ihm gehen bei Penlacrinus von 
Stelle zu Stelle kurze conische Divertikel ab, welche zwischen zwei Glieder 
bis auf die Interarticnlarsubstanz eindringen und mit ihrem Ende an den 
Gliedern festgewachsen sind, so dafs sie sich hier ohne Zerreifsung des Di- 
vertikels nicht ablösen lassen. 

Tentakelcanal. Der obere Canal, den wir Tentakelcanal nennen, 
liegt zunächst unter der Tentakelfurche, von ihm scheinen die Fühlerchen 
mit Flüssigkeit versorgt zu werden. Dieser Canal ist bei dem Penlacrinus 
überall einfach, bei den Comatulen ist er an manchen Stellen der Arme 
durch ein senkrechtes Scheidewändchen getheilt. Wo die Tentakelrinne 
vom Arm auf die Scheibe übergeht, bleibt der Canal unter der Tentakel- 
rinne und gelangt mit dieser zum Mund, in dem er weiter wird und zwischen 
Perisom und Bauchhöhlenhaut verläuft. Am Munde senkt er sich in eine 
der Höhlen ein, welche zahlreich die spongiöse mittlere Masse der Scheibe 
durchziehen. Alle 5 Canäle münden in diese ein. 

Verbindungen zwischen diesem Canal und den Fühlerchen wurden 
bei Penlacrinus sehr deutlich beobachtet, in dem von kleinen Knochen- 
plättchen incrustirten Perisom unter den Tentakelrinnen der Scheibe sind 
ziemlich regelmäfsig geordnete Löcherchen, welche aus dem Innern des 
Tentakelcanals zu den Fühlerchen fuhren. Diese Poren befinden sich theils 
in kleinen Kalkplättchen, theils zwischen ihnen. An der Scheibe liegen die 
Tentakelcanäle zwischen dem Perisom und der dasselbe auskleidenden 
Bauchöhlenhaut. 

Geschlechtstheile. An den pinnulae der Comatulen liegen die 
Eierstöcke, wo sie von Dujardin und Thompson zuerst bemerkt sind. 
Sie befinden sich an der untern Hälfte der pinnulae, die bei den ieifen Co- 
matulen stark angeschwollen ist. Das Perisom und die Tentakelrinne gehen 
über die Eierstöcke weg. Die von Thompson bemerkte Öffnung mufs 
erst durch Dehiscenz entstehen, ich sah solche nicht an den angeschwolle- 
nen pinnulae. Die Eierstöcke und die Eierchen sind an den wesentlichen 
Theilen zu erkennen, man unterscheidet Dotter, Keimbläschen und bläschen- 
artigen Keimfleck. Dergleichen Eierchen fanden sich hier nicht bei allen 



über den Bau des Pentacrinus capul Itfedusae. 235 

Individuen der Comatulen und das untersuchte Exemplar von Pentacrinus 
Caput Medusae zeigt keine Spur davon. Die dickern Theile der pinnulae 
enthalten hier eine Art Schlauch mit dicken Wänden. 

Bei den Individuen der Comatulen mit Eierstöcken tragen alle pinnu- 
lae dergleichen. Dieses sind auf jeder Seite eines Arms bei den zehnarmi- 
gen Comatulen gegen 70. Diese Thiere besitzen daher gegen 1400 und 
mehr Eierstöcke, eine Vermehrung dieser Organe, welche an die pflanzlichen 
Verhältnisse erinnert. Unter den Thieren bieten die Bandwürmer etwas 
ähnliches dar, insofern alle reifen Glieder derselben mit besondern Eier- 
stöcken versehen sind ('). 

Eierstöcke finden sich nur bei einem Theil der Individuen der Coma- 
tulen an der bezeichneten Stelle. Andere haben zwar auch Anschwellungen 
der pinnulae, aber keine Eierchen darin. Bei der von Capt. Wen dt mit- 
gebrachten grofsen neuen Alecto ecliinoplera Nob., fand ich die männlichen 
Organe im strotzendsten Zustande. Sie liegen an denselben Stellen wie die 
Eierstöcke bei den Y\ eibchen, doch gingen diese Anschwellungen mehr in 
die Breite. Der Hoden ist ein unregelmäfsiger am Rande seitlich in mehrere 
Abtheilungen eingeschnittener Schlauch, der gegen die Basis der pinnula am 
dicksten ist, in entgegengesetzter Richtung dünner, plötzlich endigt. Er ent- 
hielt eine geronnene Masse ohne Spur von Eikeimen. 

In Triest habe ich Gelegenheit gehabt, die Hoden bei vielen Coma- 
tulen frisch und die Spermatozoen unter dem Mikroskop zu untersuchen ( 2 ). 
Eierchen und Spermatozoen kommen immer nur bei verschiedenen, nie bei 
demselben Individuum vor. Die Spermatozoen bewegten sich sehr lebhaft, 
sie hatten einen kugeligen Knopf, den Schwanzfaden habe ich wegen der 
Feinheit nicht gesehen und aus den Bewegungen erschlossen. 

Hiernach sind die Comatulen in Geschlechter getrennt, wie es von 
den anderen Echinodermen durch Valentin, Rathke und Peters erwiesen 
ist. Dafs es sich bei den gestielten Crinoiden, wenigstens den Comalula so 
ähnlichen Pentacrinen ebenso verhalte, läfst sich nur aus dem oben erwähn- 



(') Nur die vielköpfigen Coenuren und die Echinococcen (letztere zu einer gewissen 
Zeit ihrer Entwickelung, Archiv 1836. Jahresbericht CVII.) können als zusammengesetzte 
Thiere, gleich den Polypen u. a. angesehen werden. 

(*) Monatsbericht der Akademie der Wissenschaften. 1841. Mai. p. 189. 

Gg2 



236 Müller 

ten Factum vermutben. Diese an den Borlen gehefteten Thiere würden da- 
her in Hinsicht des Geschlechtes und der Befruchtung den Pflanzen mit ge- 
trennten Geschlechtern gleichen. Die grofse Menge der Stiele, welche man 
zuweilen nebeneinander im Gestein antrifft, beweist, dafs diese Thiere dicht 
stehen und dafs die Befruchtung bei getrennten Geschlechtern selbst hier 
keine grofsen Hindernisse antreffen kann. 

3. Vereinigung der Centralcanäle der Skelettheile in der Basis 

des Kelches. 

In der Basis des Kelchs des Pentacrijms zwischen den 5 Beckenstük- 
ken oder basulia und zwischen den 5 ersten radiaUa befindet sich eine Er- 
weiterung des Centralcanals des Stengels, welche nach oben von der innern 
kalkigen Schichte des Perisoms gedeckt ist, aber durch eine Öffnung mit 
dem Innern des Kelches zusammenhängt. Bei den Comatulen befindet sich 
diese centrale Höhle theils im Innern des Knopfes, theils zwischen den 5 er- 
sten Radialgliedern. Von dieser Höhle gehen die Centralcanäle in die Ra- 
dien und bei den Comatulen in die Cirren des Knopfes ab. Taf.V. Fig. 12. 
vergl. Goldf. Tab.LXI. Fig. iL. Im Innern der Centralhöhle der Skeleltheile 
liegt das von Heusinger bereits beobachtete herzartige Organ. Es ist aber 
nicht ringförmig, sondern ein Säckchen, welches nach den Seiten die Ge- 
fäfse für die Centralcanäle der Radien, nach unten die Gefäfscanäle der 
Cirren und nach oben einen starken Canal in die auf der Basis des Kelches 
angewachsene spongiöse Spindel der Eingeweide abgiebt, die auch von einem, 
zarten Kalknetz durchzogen ist. 

Auf der Oberfläche dieses Säckchens befindet sich ein Geflechte von 
faserigen Strängen gleich einem durchbrochenen Korbe. Taf.V. Fig. 13. 
Dieses Geripp von faserigen Leisten setzt sich auf die Centralcanäle der Ra- 
dien fort. Auf welche Weise die Verbreitung der Säfte von diesem Organ 
in dem ganzen Skelet, im Stengel der Pcntacrinus und in den Gliedern der 
Arme und yAnnulae geschieht, ist mir unbekannt geblieben. Die Zufuhr der 
Säfte geschieht offenbar durch den aus der spongiösen Spindel der Einge- 
weide kommenden Canal. Die Verbreitung der Centralcanäle im Stengel, in 
den Cirren, in den Armen und pinnuJae der Penlacrinus und Comatulen ist 
schon bei den Skelettheilen beschrieben. 



über den Bau des Pentacrinus caput Dlcdusae. 237 

Achter Abschnitt. 

Über die Unterschiede des Baues der Crinoiden und Ästenden. 

Da die Arme den Crinoiden fehlen können, bis zur schaligen Form 
der Seeigel, der After bei vielen oder den meisten Asterien vorkommt, so 
ist es in der That schwer zu sagen, was ein Crinoid sei. Der einzige con- 
stante eigenthümliche Character dieser Abtheilung der Echinodermen ist, 
dafs sie in der Jugend oder das ganze Leben hindurch gestielt sind und dafs, 
wenn Armradien vorhanden sind, ihre Glieder vom dorsalen Theil des Kelchs 
ausgehen, dagegen die Wirbel bei den Asterien immer der ventralen Seite 
angehören, und dafs die Glieder der Radien und Arme der Crinoiden Ver- 
kalkungen des Perisoms sind, die Gliedersäulen der Ästenden dagegen dem 
Perisom nicht angehören. Auch sind die Armfortsätze nur bei den Crinoi- 
den gegliedert. 

Dafs die Glieder der Kelchradien und Arme der Crinoiden nicht von 
der Haut überzogene Theile, sondern Indurationen der Haut selbst sind, 
lehrt ihre vergleichende Anatomie. Denn die ventrale Haut geht von ihrem 
Rande aus und bei den Tessellaten tritt die Interradialhaut durch Entwickel- 
ung von Asseln in eine Linie mit den Radialasseln. Die Reihe wirbelartiger 
Stücke in der Tiefe der Armfurchen der Asterien, welche aus 2 Seitenthei- 
len gebildet sind, hat in der Tiefe der Furche noch eine weiche Haut über 
sich und zwischen der Wirbelcolumne und dieser Haut liegt der Nerven- 
strang des Armes. Diese Columnen reichen an der Rauchseite der Scheibe 
bis zum Munde. Rei den Ophiuren und Euryalen, wo die Rauchfurchen 
fehlen, bleibt die Lage dieser Columnen an der Rauchseite der Scheibe, un- 
ter der lederartigen Haut der Euryalen; und an den Armen der letzteren sind 
die Columnen allseitig von der lederartigen Haut eingeschlossen, indem die 
Eingeweidehöhle der Arme bei diesen Thieren wie bei den Ophiuren fehlt. 
Über und unter der Columne, zwischen ihr und der Haut verläuft ein Canal. 
Die Ophiuren sind die einzigen Ästenden mit Zähnen an jenen Leisten, wel- 
che sich auf je 2 der Columnen am Munde stützen. 

Aus dem Vorhergehenden folgt, dafs die Crinoiden und Ästenden 
nicht zusammengehörende Gruppen sind, sondern durch fundamentale Un- 



238 Müller 

terschiede der Skeletbildung geschieden, mir Abtheilungen der Ecbinoder- 
men in gleicher Linie mit den Seeigeln und Holothurien bilden. Die Ab- 
theilung der Ästenden zerfällt dann in die eigentlichen Asterien und Ophiu- 
ren. Bei den Ophiuren fehlen die Blinddärme des Magens in den Armen 
und der After, und die Madreporenplatte verläfst die Dorsalseite. Ihre 
Eierstöcke liegen immer in der Scheibe selbst. Bei den Asterien enthalten 
die Arme immer Blindsäcke der Verdauungsorgane, der Bücken besitzt im- 
mer die Madreporenplatte der Seeigel, der After ist bald vorhanden, bald 
fehlt er nach den Gattungen, die Eierstöcke liegen bald in der Scheibe am 
Abgang der Arme, bald in den Armen selbst, bei den Ophidiastern reichen 
sie durch zwei Drittheile der Arme, bei den Chaetaster und Luidia durch 
die ganzen Arme. 

Die meisten Asterien haben einen von eigenthümlichen Wärzchen wie 
bei den Seeigeln umstellten After. Dieser After ist nicht, oder nur wenig 
kleiner als der After der Seeigel. Baster sagte einst mit Bezug auf Asterias 
rubens: utrumque genus (echinorum et stellarum marinarumj os inferne et 
ad excremcnta ejicienda aperturam superne habent. In der Zoologia Danica 
ist bei A. mililaris CXXXI. p. 14 eine centrale Stelle als macula verrucifor- 
mis angegeben und gesagt, da dieser Fleck nicht perforirt sei, so könne Ba- 
ster's Ansicht vom After nicht richtig sein. Die Warze öffne sich wahr- 
scheinlich zur Zeit des Abgangs der Eier. Tiedemann widerlegte Baster's 
Angabe als völlig unbegründet und die Neuern betrachteten die Asterien all- 
gemein als afterlos, es steht in allen zootomischen und zoologischen Werken. 
Die von Tiedemann untersuchte Asterias auraniiaca ist wirklich afterlos 
und gehört der einen der beiden afterlosen Gattungen unter 14 Gattungen 
der Asterien an; aber gerade die von Bast er untersuchte Asterias rubens 
besitzt, wie alle der Gattung, zu welcher sie gehört, einen After. Vor eini- 
ger Zeit (1831) hat Hr. Wieg mann zuerst wieder diesen Porus bei einer 
pentagonalen Asterienart bemerkt und bei den zwei trocknen Exemplaren 
derselben auf der Etiquette mit folgenden Worten bezeichnet: Ast. pleya- 
della Lara. var. angulis produclioribus. Ind. oc. Specimen utrumque acu 
pertusum erat, alterum in ipso foramine, quod ani orificium fortasse du- 
cendum. 

Als ich mit Hrn. Troschel, Gehülfen beim zoologischen Museum, 
auf diesen Gegenstand die Asteriensammlung des zoologischen Museums nach- 



über den Bau des Penlacrinus caput ISIedusae. 239 

sah, fanden wir, dafs der bei weitem gröfste Theil aller Asterien mit einer 
kleinen Afteröffining versehen ist, das folgende über diesen Porus und die 
Gattungen der Asterien ist von uns beiden gemeinschaftlich beobachtet. 

Der Afterporus ist bald central, bald subcentral. Bei den Gattungen 
Archaster Nob., Ophidiaster Ag. und Solaster Forbes {Crossastcr Nob.) 
ist er central, subcentral bei den Gattungen Asleracanthion Nob., Echi- 
naster Nob., Chaelaster Nob., Linckia Nardo Nob., Astcropsis Nob., 
Culcila Ag. und Asleriscus Nob. Dann liegt er ganz nahe der Mitte links 
vom Radius der Madreporenplatte. Bei allen Species der Gattung Astro- 
pectcn Linck ist keine Spur eines Afterporus vorhanden. Ganz ahnliche 
äufsere Charactere hat die neue mit einem After versehene Gattung Archa- 
ster. Afterlos sind die beiden Gattungen Astropecten Linck und Luidia 
Forb. [Hemicnemis Nob.). Diejenigen Seesterne, welche einen After ha- 
ben, besitzen immer auch eine Absonderung der Magenhöhle von einer Darm- 
höhle durch eine Cirkelfalte, in der unteren Höhle unter dieser Falte gehen 
dann erst die Blinddärme der Arme ab. Diese Höhle ist es auch, welche in 
den Afterporus ausmündet. Der Vorrath nordischer Asterien, die reiche 
Schultz'sche Sammlung sicilianischer Asterien im anatomischen Museum, 
sowie der eben so wichtige Schatz von Asterien des indischen Archipels in 
Weingeist von Hrn. Geh. Rath Schoenlein lieferten die Materialien zur 
Feststellung der anatomischen Thatsachen. 

Mehrere in älterer und neuerer Zeit aufgestellte Gattungen von Aste- 
rien sind sehr zvveckmäfsig, wie die Gattungen Astropecten Linck, Ophi- 
diastcr Ag., Culcila Ag. Auch die Gattung Linckia Nardo würde gut sein, 
wenn sie aufser Linckia variolata nicht wahre Ophidiaster umfafste und wenn 
ihre Gattungscharactere nicht gerade von diesen entnommen wären. Die 
Gattung Stellonia Nardo ist nicht haltbar, denn sie umfafst Stachelasterien 
verschiedener Genera und selbst verschiedener Familien, nämlich Asterien 
mit 4 Tentakelreihen, wie A. rubens, glacialis und Asterien mit 2 Tentakel- 
hen, wie A. scposita und spinosa. Die Gattungen Asterina und Anscropoda 
Nardo gehören in eine zusammen, da die dahin gezogenen Thiere sich nicht 
generisch unterscheiden. Die folgende Classification ist auf 55 Arten von 
Asterien der hiesigen Museen gegründet. Die Asterien zerfallen nach den 
vorhergehenden Thatsachen, so wie einem wichtigen und leicht erkennba- 



240 Müller 

ren, bisher unbenutzten Unterschied in der Zahl der Tentakelreihen der 
Bauchfurchen in 3 Familien. 



I. Familie. Asterien mit 4 Tentakelreihen der Bauchfurchen und 

einem After. 

Hierher gehört die Gattung 
Gen. 1. Aster acanlkion Müll. Trosch. (Stellonia Forb es). 

Überall regelmäfsig oder unregelmäfsig mit spitzen oder stum- 
pfen Stacheln oder Tuberkeln besetzt. Zwischen den Stacheln 
nackthäutig mit vielen Poren der respiratorischen Tentakeln. Pe- 
dicellarien zangenartig an weichen Stielen, kranzartig um die Ba- 
sis der Stacheln, oder dazwischen, oder beides zugleich. After 
subcentral. 

Aslerias rubens Lam., A. violacea O. Fr. Müll., A. glacia- 
lis Lam., A. tenuispina Lam. (A. Savaresü D. Ch.), A. rosea 
O. Fr. Müll., A. Helianlhus Lam., A. granifera Lam., A. ge- 
latinosa Meyen Reise 1. 222. u.a. ( J ). 

IL Familie. Asterien mit 2 Tentakel reihen der Bauch furchen und 

einem After. 

Gen. 2. Echinaster Müll. Trosch. 

Arme walzig. In der Haut ein zusammenhängendes Balken- 
netz, überall regelmäfsig oder unregelmäfsig mit einzelnen Sta- 
cheln oder dicht mit Stacheln besetzt. Haut zwischen den Balken 
nackt mit vielen Tentakelporen. Keine Pedicellarien. After sub- 
central. 

A. seposita Lam., A. echinophora Lam. {Pentadactjlosaster 
spinosus Linck), E. oculalus Nob. (Linck T. 36 n. 62) und 
eine neue Art. 

Gen. 3. Solaster Forb. (Crossaster Müll. Trosch.) 



(') Eine zweite von uns früher angenommene Gattung Slichaster haben wir nach Un- 
tersuchung von Weingeist -Exemplaren als nicht wesentlich von Asleracaniliinn verschieden, 
später fallen lassen. Zusatz. 



über den Bau des Pcntacrinus caput Medusae. 241 

Die Haut überall mit gestielten Wedeln besetzt, dazwischen 
nackt mit vielen Tentakelporen. Keine Pedicellarien. 

A. pa/iposa Lam., A. endeca Lam. 
Gen. 4. Chaetaster Müll. Trosch. 

Haut überall dicht mit Reihen von Platten besetzt, deren Gi- 
pfel mit Borsten gekrönt. Zwischen den Platten nur ein Porus. 

A. subulata Lara. u.a. 
Gen. 5. Ophidiaster Ag. 

Arme cylindrisch. Haut überall mit granulirten Plä'ttchen 
besetzt, die Haut dazwischen, auch granulirt, bildet Porenfelder 
mit vielen Poren. Keine Pedicellarien. 

O. o/ihidianus Ag., A. cjlindrica Lam., A. lacngala Lam., 
A. multiforis Lam., die übrigen neu. 
Gen. 6. Linckia Müll. Trosch. {Linckia Nardo zum Theil). 

Arme flach, überall mit granulirten Platten besetzt, die sich 
am Rande in zwei Reihen ordnen. Zwischen den Platten einzelne 
Poren. Keine Pedicellarien. 

A. variolata Lam., A. müleporella Lam. u.a. neue. 
Gen. 7. Goniaster Ag. ( ] ) 
Gen. 8. Asleropsis Müll. Trosch. 

Arme kurz, Körper unten flach, oben erhaben, überall getä- 
felt, die eine Reihe der Randplatten nimmt den Rand ein. Die 
Haut zwischen den Platten nackt, die nackten Porenfelder mit 
vielen Poren. Sessile zangenartige Pedicellarien. 

A. carinifera Lara. u.a. 
Gen. 9. Culcita Ag. 

Pentagonal, ohne Randplatten, Haut gekörnt, die Furchen 
des Bauches setzen sich auf den Rücken fort. Zangenartige oder 
klappenartige sessile Pedicellarien. 

C. diseoidea Ag. u.a. 

(') Aus dieser Gattung sind uns später 3 Gattungen geworden, Oreaster Nob. (Pen- 
taecros Gray), Astrogonium Nob. und Gnniodiscus Nob., neben welchen noch die 
Gattung Siellasier Gray zu unterscheiden ist. Siehe Müller und Troschel System 
der Asteriden. Braunschweig 1842. Zusatz. 

Physik. - malh. Kl. 1 84 1 . H h 



242 Mülles 

Gen. 10. Asteriscus ■■(') Müll. Trosch. {Aslerina et Anseropoda Nardo). 

Scheibe und Arme ganz oder am Rande abgeplattet, der Rand 
gekielt ohne Randplatten. Die Täfelchen der Bauchseite mit 
einem, zwei oder mehreren kammfürmig gestellten Stachelchen 
besetzt, die des Rückens mit einer oder mehreren Reihen von 
ähnlichen Fortsätzen besetzt ist. Der platte Randlheil der Scheibe 
und Arme ist von Tentakelporen eine gröfsere oder kleinere 
Strecke frei. 

A. membranacca Lam., A. penicillaris Lam., A. exigua 
Delle Chiaje, Asleriscus penlagojius N ob. (Seba V, 13.) u.a. 
Gen. 11. Archaster Müll. Trosch. 

Auf beiden Seiten platt, mit 2 Reihen grofser Randplatten, 
die unteren mit beweglichen Stacheln, Rückseite mit Stielen be- 
setzt, die mit borstenartigen Fortsätzen gekrönt sind. Zwischen 
den Stielen Tentakelporen. Pedicellarien in den Bauchfurchen. 
Sonst alles wie bei dem Genus Astropecten, von denen sie sich 
durch den centralen After unterscheiden. 

Archaster tjpicus Nob. Celebes, eine Reihe Randstacheln, 
Bekleidung des Rückens in regelmäfsigen Längsreihen. A. hes- 
perus Nob., ähnlich mit unregelmäfsiger Bekleidung des Rük- 
kens ( 2 ). 



HI. Familie. Asterien mit 2 Tentakelreihen der Bauchfurchen, 

ohne After. 

Gen. 12. Astropecten Linck, Stellaria Nardo. Asterias Ag. 

Auf beiden Seiten platt, mit 2 Reihen grofser Randplatten, 
die unteren mit beweglichein Stacheln, Rückseite mit Stielen be- 
setzt, die mit borstenartigen Fortsätzen gekrönt sind. Zwischen 
den Stielen Tentakelporen. Keine Pedicellarien. 

(') ältester Name eines hierher gehörigen Seesterns bei Luidius und Petiver. 

( 2 ) Zu den Seesternen mit 2 Tentakelreihen der Bauchfurchen und After ist im System 
der Asteriden noch die Gattung Pterasier hinzugekommen. Zusatz. 



über den Bau des Pcjitacrinus caput Medusae. 243 

A. auranliaca Lam., A. pentacantha D. Ch., A. Jonsloni 
D. Ch., A. spinulosa Philippi, A. bispinosa Ott., A. subinermis 
Phil., A. platyacaniha Ph. Die übrigen neu. 
Gen. 13. Luidia Forbes, Ilcmicnemis Nob. 

Von den Randplatten ist blofs die ventrale Reihe vorhanden, 
mit Stacheln. Rückseite ganz mit geborsteten Stielen besetzt. 
A. ciliaris Phil, und A. senegalensis Lam. ( f ) 
Die excentrische Madreporenplalte, welche allen diesen Gattungen 
zukommt, ist bei den meisten Asterien einfach, bei A. heliantlius ist sie viel- 
fach, ein Haufen einzelner Platten. Rei anderen Asterien mit vielfachen Ar- 
men bleibt sie einfach, wie bei A. papposa, endeca, ciliaris u.a. Mehrere 
Arten der Ophidiaster (z. R. O. multiforis) haben constant 2 Madreporen- 
platten, welche bei 5 Armen durch die Rreite eines oder zweier Arme von 
einander entfernt sind. Die Arten, welche zwei Madreporenplatten haben, 
besitzen sie auch dann, wenn sie nur 4 Arme haben; vermehren sich die 
Arme, so können 3 Madreporenplatten vorhanden sein. A. tenuispina (mit 
6-8 Armen) hat regelmässig wenigstens 2 Madreporenplatten, durch die 
Breite eines oder zweier Arme getrennt, die Exemplare mit 8 Armen haben 
3 Madreporenplatten. In diesen Fällen lafst sich der bilaterale Typus, wel- 
chen Hr. Agassiz auf eine sehr geistreiche Weise bei allen Echinodermen 
nachgewiesen, nicht nach dem Radius der Madreporenplatte bestimmen. 
Man kann sich vorstellen, dafs sich hier constant ein oder mehrere Arme im 
Interradialraum der Madreporenplatte entwickeln, bei Mangel des vordem 
Arms. Auch bei der Abtheilung der Clypeaster, unter den Seeigeln, wie 
bei Gen. Clypeaster, Scutella, Echinoncus, Echinarachnius könnte die Ma- 
dreporenplatte nicht zur Bestimmung der Achse dienen, denn sie findet sich 
merkwürdiger Weise im dorsalen Pol der radialen Entwickelung, entweder 
von 5 oder 4 Oviducalöffnungen umgeben. Indessen ist bei diesen Thieren 
die Achse des bilateralen Typus durch die Lage des Afters bestimmt. Die 
excentrische oder subcentrale Lage der Afteröffnung am Centrum links vom 
Radius der Madreporenplatte trifft sich auch bei den Gattungen Echinome- 
tra und Echinus. Diese Lage kann kein Einwurf sein gegen die vollkommen 



(') In dem System der Asteriden ist zu den Seesternen ohne After noch die Gat- 
tung ClenodUcus Müll. Trosch. hinzugekommen. Zusatz. 

Hh2 



244 Müller 

begründete Ansicht Ton der Combination des bilateralen mit dem radialen 
Typus bei den Echinen und Asterien und erklärt sich hinreichend durch eine 
Störung der Symmetrie, wie sie auch bei einigen Wirbelthieren mit lateralem 
After, Lcpidosiren und Amphioxus vorkommt. 

Dafs die Madreporenplatte und der After demselben Radius angehö- 
ren, beweisen die Spatangen. Aber die eine und der andere können aus 
ihrem Radius in das Centrum rücken, die Madreporenplatte bei den Clypea- 
stern, der Alter bei den Echinen. 

Bei den Ophiuriden ist die Madreporenplatte auch vorhanden, liegt 
aber an einer ganz anderen Stelle als bei den Asterien, nämlich an der Bauch- 
seite, in der Nähe des Mundes. Bei Euryale ist sie sehr leicht zu beobach- 
ten, sie liegt im Winkel zweier nach dem Munde laufender Wirbelreihen der 
Arme ( ( ). Bei den Ophiuren liegen in den Winkeln der Wirbelcolumnen 
um den Mund herum 5 schildförmige Platten. Eine von diesen Platten be- 
sitzt zuweilen einen U/nbo und zeichnet sich dadurch von den 4 übrigen 
Platten aus. 

Die Madreporenplatte liegt also in verschiedenen Abtheilungen der 
Echinodermen an verschiedenen Stellen ihres Radius, von der Bauchseite an 
bis ins dorsale Centrum ; ebenso ist es mit dem After. Die Genitallöffnun- 
gen sind immer radial, nie central, aber ihre Lage kann in ihren Radien bald 
ventral (Ophiuren, Pentremiten), bald dorsal (Seeigel) sein und sie sind bald 
einfach, bald gedoppelt. Einfach sind sie bei den Seeigeln, gedoppelt bei 
den Ophiuriden und Pentremiten. Wenn sie einfach sind, liegen sie in den 
Interbrachialfeldern oder Interambulacralfeldern ; wenn sie gedoppelt sind, 
können sie bis in die Nähe der Arme auseinander weichen und an den Ar- 
men selbst, aufserhalb der Ambulacralfurchen liegen, wie bei den Crinoiden 
die Pinnulae selbst zur Ausschüttung der Eier aufsen dehisciren. 

Die Pedicellarien sind meist zweiarmig bei den Asterien, dreiarmig bei 
den Seeigeln, bei den langarmigen Pedicellarien sind die ganzen Arme gezäh- 
nelt, bei den zangenartigen Pedicellarien mit kürzeren Armen sind die Enden 
der Arme mit einem oder mehreren längeren Zähnen versehen. 



(') Es ist, wie wir gesehen, schon vor uns von Hrn. Agassiz beobachtet. Mem. de 
la soc. des sciences naturelles de Ncuchatel. T. II. 1839. Zusatz. 



über den Bau des Pentacrinus Caput Medusac. 245 



Erklärung der Abbiklangen. 



Tafel T. 

Fig. 1. Pentacrinus Caput Medusae, in natürlicher Grüfse. 

Fig. 2. Stück vom obern Theil des Stengels. 

Fig. 3. Mikroskopische Ansicht des feinern Baues der knöchernen Theile. 

a. vom änfsern Theil des Stengelgliedes. 

b. vom Stengel mit mehr regelmäßiger Stellung der Höhlungen des Balkennetzes. 

c. vom innern Theil des Stengels mit den Sehnen. c Sehnige Fäden in den 
Maschen des knöchernen Netzes c. 

d. einzelne Kalkstäbe aus dem Theil des Stengels, worin die Sehnen verlaufen. 
Fig. '1. Stück vom Stengel der jungen Cnmalula (Pentacrinus europaeus), maisig vergrülsert. 
Fig. 5. Kalknctz desselben, stärkerer Vergröfscrung. 

Fig. 6. Stück des Stengels der jungen Comatula, nach Ausziehen der Kalkerde durch Säure. 

Tafein. 

Fig. 1 U. 2. Kelch des Pentacrinus caput Medusae. a. Basalia. I. Radiale primum. II. R. se- 

cundum. III. R. axillare. 
Fig. 3. Die Arme auf einem Kelcharm mit der Stellung der pinnulae, von Pentacrinus caput 

Medusae. I, II, III. Radialia. 
Fig. k. Radiale axillare mit dem ersten und zweiten Glied der Arme, welche durch ein Syzy- 

gium verbunden sind. 
4. Radiirte Fläche der Glieder am Svzvgium. 
4." Aborale Gelenkfläche des zweiten Gliedes, ct. Muskularfelder. b. Riff der Gelenk- 

flächc. 
Fig. 5. Ein Stück eines Arms von Pentacrinus caput Medusae vergrößert, a. Muskeln der 

Armglieder. b. Muskel an der Basis der pinnula. 
Fig. 6. Eine Beihe von Armgliedern von der Seite, x. Processus musculares. 
Fig. 7. Eine Beihe von Armgliedern des Pema, • rinus c. M. von der Bauchseite, a. Muskeln. 

b. Binne der Armglieder. y. Grube für die pinnula. 



246 Müller 

Fig. S. Innere Kelcliseite der Radialkelchglieder von Pentacrinus caput Medusae mit den 
Muskeln. I. Pentagon der ersten radiulia. a. Centrale Höhlung. II. Zweites radiale. 
III. liadiale axillare, b.b.b. Muskeln. 
Fig. 9. Obere Seite des Knopfes der Alectn europaea, nach Wegnahme der Radialis. 

Fig. 10. Knopf der Alecto Escfirichtii in Verbindung mit den ersten Radialia, welche erst sicht- 
bar werden, nachdem das zweite Radialglied weggenommen ist. 

Fig. 11. Senkrechter Durchschnitt des Knopfes und ersten Radiale von Alecto europaea. 

a. Knopf. 4. Erstes Radiale, c. Centralhöhle des Knopfes, sich fortsetzend in das Pen- 
tagon der ersten Radialia. d. Centralcanal der Radien, ee. Centralcanale der Cirren. 

Fig. 12. Radialgliedcr und erste Armglieder der Alecto europaea mit Muskeln. I, II, III. Radiale. 
1.2.3. Armglied. a. Muskeln zwischen dem ersten und zweiten Radiale, b. Muskeln 
zwischen dem Radiale axillare und ersten Armglied, c. Muskeln zwischen dem zwei- 
ten und dritten Armglied. 

Fig. 12.' Untere Seite des Radiale axillare der Alecto europaea. 

Fig. 12." Obere Seite desselben. 

Fig. 13. Armstück von Alecto europaea mit den Gelenken und Syzygien. a. Gelenk, b. Syzy- 
gium. 

Fig. 1.3.' Gelenkfläche, xx. Muskelfclder. y. Gelenkfacette, z. Gelenkriff. 

Fig. 13." Syzygalfläche. 

Fig. ik. Tentakelrinne der Scheibe von Pentacrinus caput Medusae. a. Täfelchen des Ven- 
tralperisoms. b. Täfelchen, welche die Tentakelrinne schützen, c. Tentakelrinne. 
d. Tentakeln, e. Öffnungen des Tentakelcanals in die Tentakeln der Tentakelrinne. 

Tafel III. 

Fig. 1. Vergrößerte Ansicht der Scheibe des Pentacrinus caput Medusae in dem zerstörten 
Zustande des gröfsten Theils des ventralen Perisoms. 

Fig. 2. Dieselbe Ansicht durch Interpolation nach Anleitung der Comatulen ergänzt, also 
imaginär in allen Theilen, welche in der ersten Abbildung fehlen. 

Fig.3. Armglied von Pentacrinus c. M. aa. Muskelfacetten, b bb. Gelenkfacetten, c. Ge- 
lenkriff, d. Centralcanal. 

Fig. 4. Armglieder von verschiedenen Seiten angesehen, a. b.c. wie in Fig. 3 xx. processus 
miisrulares der einen Seite, x. processus muscularis der andern Seite. 

Fig.5. Gelenkfläche eines Gliedes der pinnula. x. Centralcanal. 

Fig. 6. Glied eines Cirrus. 

Fig. 6.' Gelenkfläche desselben. 

Fig. 7. Gelenkfläche eines der untersten breiteren Cirrenglieder. 

Tafel IV. 

Fig. 1. Stück der Sehnen des Stengels von Pentacrinus caput Medusae, ohne Vergröfserung. 
Fig. 2. Fasern der Sehnen bei '(50 maliger Vergrößerung. 

Fig.3. Ein Stück des Stengels nach Ausziehen der Kalkerde durch Säure, a. Sehnen, b. Krau- 
senartig gefaltete elastische Interarticularsubstanz. 
Fig. 4. Sehnen des Stengels mit theilweise abgelöster elastischer Interarticularsubstanz. 



über den Bau des Pcntacrinus caput ^Medusae. 247 

Fig. 5. Feinerer Bau der elastischen Interarticularsubstanz. a. Fasersäulchen. b. Arkaden der 

Fasern zwischen denselben. 
Fig. 6. Elastische Interarticularsubstanz der Girren. 
Fig. 7. Senkrechter Durchschnitt derselben. 

Fig. 7. Desgleichen von einem einzigen Hallen in der Ausdehnung. 
Fig. S. Armglied von Pcntacrinus mit der Interarticularsubstanz jc. 
Fig. S. Die Interarticularsubstanz allein auf der Oberfläche gesehen, o. Centralcanal. 
Fig.y. Muskelfasern von Pentacrinus caput Medusae bei 150 maliger Vergrölserung. 
Fig. 10. Radiirles Häufchen in der Nalh eines Svzygiums von Pcntacrinus caput Medusae. 
x. Centralcanal. y. Öffnung für den Canal der Arme, der unter dem Tentakelcanal 
liegt. 
Fig. 11. Glied des Arms von Pentacrinus caput Medusae mit den Weichtheilen. aaa. Gelenk- 
fläche, b. Riff derselben, cc. Muskelfacetten, d. Rinne des Gliedes, e. Unterer Ca- 
nal der Rinne. /. Tentakelcanal. g. Knochenplättchen der Tentakelrinne, h. Tenta- 
keln, i. Nerve, o. Centralcanal. 
Fig. 12. Dieselben Theile von Alecio eurapaea in der Nähe des Kelchs. Der untere Canal der 

Rinne fehlt. 
Fig. 13. Stück einer pinnu/a von Kalkerde befreit von Pentacrinus. a. Glieder, b. Skelet- 

blältchen. c. Tentakeln. 
Fig. 13. Tentakeln vergrülsert. 
Fig. I-i. Dieselben Theile von Alecto europaea. 
Fig. 14. Knochennadeln aus der Haut der Alecto echinophora. 

TafelV. 

Fig. 1-6. Ideale Variationen von dem möglichen Verlauf der Fasern in der elastischen Inter- 
articularsubstanz des Stengels des Pentacrinus. 
Fig. 7. Ansicht des ganzen aufgeschnittenen Darms der Alecio europaea von oben. a. Mund. 

b. Reste der obern Scheibendecke, c. Aufgeschnittene Speiseröhre, d. Anfang des 
Darms, e. Windung des Darms. /. Spiralplatte, g. Afterröhre. 

Fig. S. Senkrechter Durchschnitt durch die Darmhöhle in der Richtung der Linie x Fig. 7. 

f. Spiralplatte, o. Spindel. 
Fig. 9. Ahnlicher Durchschnitt in der Richtung des Radius, in welchem die Speiserühre liegt. 

c. Speiseröhre. 

Fig. 10. Durchschnitt in einer Richtung, welche durch das Ende und den darunter liegenden 
Anfang des Darms zugleich durchgeht, o. Spindel. /. Spiralplatte, y. Sonde aus der 
Speiseröhre c in den Anfang des Darms d. g. Ende des Darms, h. Ende der Spiral- 
platte, g. Afterröhre. 

Fig. 11. Scheibe der Alecto europaea. Bei x sind die Arme abgeschnitten und man sieht den 
Durchschnitt des Scheitels, a. Mund. b. Interbrachialfelder der Scheibe, c. Interpal- 
marfelder der Scheibe, d. Tenlakelrinnen. eee. Durchschnitt der Tentakelcanäle. 

Fig. 12. Durchschnitt der Scheibe einer Alecto europaea nach Ausziehen der Kalkerde durch 
Säure. A. Kelchradien. B. Knopf. C. Darmcanal. D. Eingeweidesack. E. Spongiö- 
sier mittlerer Theil der Scheibe mit den Höhlungen derselben eee. F. Spiralplatte. 



248 Müller über den Bau des Pentacrinus caput Medusae. 

o. Herz. p. Canal des Herzens zur Eingeweidemassc. q. Canäle des Herzens zu den 

Radien, r. Can'ale des Herzens zu den Girren. 
Fig. 13. Ansicht des Herzens der Aleclo rurnpaca mit den Canälen für die Radien, von unten. 
Fig. l4. Ein Stück des häutigen Centralcanals eines Arms mit den Asten für die pinnulae von 

Pentacrinus caput Medusae, nach Ausziehen der Kalkerde aus den Skeletlheilen, isolirt. 
Fig. 15. Häutiger Canal aus der Armrinne des Pentacrinus, unter dem Tenlakelcanal gelegen. 

x. Fortsätze desselben gegen die Glieder. 
Fig. 16. Ein Stück des Nervenstranges der Arme von Pentacrinus caput Medusae, 
Fig. 17. Pinnulae von Aleclo eurnpnea mit dem Eierstock, a. Glieder, b. Tentakeln, c. rothe 

Bläschen an der Seite der Tentakelrinne, d. Eierstock nach Wegnahme der Haut der 

pinnula. 
Fig. 1 7. Einzelne Eier einer Alccto europaea, die gröfseren sind milchig, die kleineren durch- 
sichtig und mit feinkörnigem Inhalt gefüllt, a. Dotter, b. Keimbläschen, c. Keimfleck. 
Fig. IS. Ein Armstück einer männlichen Aleclo echinoptera. a. Tentakelrinne des Arms. 

b. Tentakelrinne der pinnulae. c. Hodenschläuche der pinnulae, einzeln Fig. 18. 

Tafel VI. 

Flg. i.a-c. Platycrinus ventricosus Gold f., aus dem Kohlen -Kalkstein von Bolland, York- 
shire. a. natürliche Gröfse, die übrigen vergrößert. 

Flg. 2.a-d. Platycrinus microstylus Phill., ebendaher, o. natürliche Gröfse. x. Scheitel 
Öffnung. 

Fig.3.a-c. Platycrinus rugosus Miller, ebendaher, a. natürliche Gröfse. x. Scheitel- 
öffnung. 

Fig. 4-9. Mikroskopische Gebilde aus dem Endtheil des Darms der Aleclo europaea. 
Fig. 10. Plattenförmige Ablagerungen in der Dicke des Eingeweidesacks von Alecto europaea, 
in Säuren auflöslich. Kleine Stückchen, die sich beim Zerreifsen der Membran unter 
dem Mikroskop isoliren liefsen, lösten sich von Säuren, ohne Entwickelung von Luft- 
bläschen. Bei der Behandlung von Stücken der Membran selbst mit Säure unter dem 
Mikroskop, fand jedesmal eine Entwickelung von Luftbläschen statt, die schon von 
dem Kalknetz des angewachsenen Darms herrühren konnte. Vielleicht kommt sie aber 
auch zum Theil auf Rechnung der Zersetzung der plattenförmigen Ablagerungen. 
Fig. 11. Kalknetz, wie es in den mehrsten weichen Theilen der Alecto europaea vorkommt, wie 

in der Haut, in den Darmwänden, in dem spongiösen mittlem Theil. 
Fig. 12. Stacheln an den Endgliedern der pinnulae von Aleclo europaea. 



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Über 

das Kristallsystem des Euklases. 

Von 

H rn - V W E I S S. 

[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 11. November 1841.] 



B, 



'ei einem Krjstallsystem von der Verwickelung, wie das des Euklases 
wohl jedem Krystallographen erschienen sein möchte, der sich mit seinem 
Studium näher beschäftigt hat, zeigt sich die graphische Methode in ihrer 
ganzen \ orzüglichkeit, um einen klaren Überblick über die Verwickelung zn 
gewinnen, und dem Prinzip seines Entwicklungsganges möglichst sich zu 
nähern oder es selbst aufzufinden, wo dann der Entwickelungsgang von über- 
raschender Einfachheit auch hier erscheint. Es wird sich durch die allge- 
meinere Behandlung der bei solchen Aufgaben vorkommenden Probleme 
noch ein allgemeineres Interesse an die Behandlung des besonders gewählten 
Gegenstandes knüpfen lassen. 

Ich setze die naturhistorische Kenntnifs der Krystallformen des Eu- 
klases hier voraus, so wie sie nicht allein durch die früheren Beschreihungen 
von Haüj, sondern insbesondre durch die genauere von Levy (') hinläng- 
lich bekannt sind. Die Messungen der Winkel des Hrn. Levy stimmen mit 
denen -von Kupffer und mit den Phillips'schen u. a. m. nahe genug über- 
ein, um über die richtige Bestimmung der relativen Lage der Flächen in den 
verschiedenen Zonen keinen Zweifel übrig zu lassen. 

Bedienen wir uns also der graphischen Methode, so sind nach ihr in 
beifolgender Figur die verschiedenen Krystallflächen des Euklases (einst- 

(') S. dessen Abh. in den Edinb. philns. Jnurn. N. XXVII. Januarheft 1826, übersetzt in 
Pog gendorff's Annalen von 1827, H. 2. Dazu den Artikel über Etiklas in Levy's Be- 
schreibung der Heuland'schen Mineraliensammlung, London 1837, t. 2. p. 88. fgg. 

Physih-malh. Kl. 1841. Ii 



250 Weiss 

weilen mit Auslassung der mehreren Seitenflächen geschobener vierseitiger 
Säulen aufser s und h) so aufgetragen, dafs die Ebne der gewählten Protec- 
tion die der beiden Queerdimensionen a und b ist, die sämtlichen projicirten 
Flächen aber gemeinschaftlich durch einen und densel ben Punk t der 
Längendimensionen c des Systems (als Einheit in derselben genommen) 
gelegt sind. Es kreuzen sich also die projicirten Seitenflächen in dem Mit- 
telpuuct der Figur (dem Ausgangspunct der 3 (rechtwinklichen) Coordina- 
ten a, b, c) selbst; und die Perpendikel, von jedem Puncte in ihnen auf die 
Linien a und b gefällt, stehen in dem Verhältnifs, wie die beiden Queerdi- 
mensionen, a und b, zu einander. Der Winkel, welchen die Linien ss und 
s's der Figur unter sich machen, ist der Neigungswinkel der Seitenflächen s 
der Euklassäule selbst. Der Hauptbruch, welcher senkrecht auf b ist, fällt 
in der Protection mit der Linie ad zusammen; die Abstumpfung der stum- 
pfen Seitenkante der Säule s, welche senkrecht auf a ist, fällt in der Figur 
mit der Linie bb' zusammen. 

Bekanntlich repräsentirt nun in der graphischen Protection jeder 
Durchschnittspunkt zweier oder mehrerer Linien die Axe einer Zone, 
und zwar derjenigen, welche die durch eben diese Linien projicirten Flächen 
unter einander bilden; er ist der eine Endpunct einer Zonenaxe, deren an- 
derer Endpunct der gemeinschaftliche Durchschnittspunct aller der projicir- 
ten Flächen in der Längendimension c (aufserhalb der Figur) ist. 

Der Anblick der Figur, deren Art von Symmetrie sogleich ein in der 
Ebne ihrer a und b projicirtes 2- und 1 -gliedriges System zu erkennen giebt, 
zeichnet durch die Durchschnitte mehrerer Linien in Einem Puncte als wich- 
tigste Zonen oder Zonenpuncte sogleich aus: 

erstens in der Linie ad die Zonen oder Zonenpuncte, in welchen die 
Linien nn und n'ri, oo und od, qq und q'q' mit a sich schneiden; 

ferner die, in welchen die Linien ff und ff dd und dd' mit d sich 
schneiden ; 

dann die, in welchen rr und /•'/•', uu und du, ii und i'i' abermals mit a 
sich schneiden; 



über das Kristallsystem des Eulrfases. 251 

dazu der Zonenpunct der horizontalen Zone selbst, der Miüelpunct der 
Figur, durch welche alle Seitenflächen der Säule, also auch die in der Fi- 
gur noch nicht aufgetragenen gehen; 

endlich noch in d der Durchschnittspunct von cc und c'c mit d. 

Unter den ähnlichen Zonenpuncten, welche in die Queerlinie b fallen, 
zeichnet sich u.a. aus der Durchschnittspunct der Linien nn mit TT und dd 
in b, so wie der entsprechende von nn mit r'r' und d'd' in b'; u. s. w. 

Unter denjenigen Zonenpuncten aber, welche weder in die Linie ad, 
noch in die bb' fallen, sind es zwei, welche als die wichtigsten sogleich sich 
kenntlich machen, beide in den Linien ss oder s's', die einen die Durch- 
schnittspunete von nn, d'd', c'c mit s's , so wie ihre analogen von nn, dd, 
cc mit ss, die anderen die Durchschnittspuncte von ff und r'r mit ss, so 
wie ihre analogen \on ff ' und rr mit s's'. 

Dächten wir uns durch je zwei solche symmetrisch liegende oder 
gleichartige Zonenpuncte eine Linie gezogen, so wäre sie die Projection 
einer Schief- Endfläche des Systems, in Bezug auf welche wir die gemeinte 
Zone, da sie von dieser Endfläche nach der Seitenfläche s geht, eine Kan- 
tenzone des Systems zu nennen pflegen, worunter wir immer die Zone von 
einer gegebenen Schief- Endfläche nach einer gegebenen Seitenfläche ver- 
stehen. 

Also zwei solche Kantenzonen wären es, auf welche uns die Be- 
trachtung der Figur, nächst den vorher genannten, insbesondre aufmerksam 
macht. 

Wir können nun den individuellen Schlüssel des Euklassystems aufs 
kürzeste so aussprechen : 

Nehmen wir in den Linien ss, s's' (deren Lage, so wie das gegensei- 
tige Verhältnifs in den Queerdimensionen a und b durch den Neigungswin- 
kel der Seitenflächen * unmittelbar gegeben ist) ein beliebiges Stück in der 
einen, z. B. gegen d gekehrten Richtung (obere Seite der Figur, hintere des 
Systems) und ein halb so grofses in der entgegengesetzten gegen a gekehr- 
ten (untere Seite der Figur, vordere des Systems) von ihrem Durchschnitts- 
punct aus, so ist der Zonenverband des Systems gefunden, alles übrige folgt. 

Ii2 



252 Weiss 

Wir ziehen durch einen Punct der ersten, und einen der zweiten Art 
gleicher Seite der Figur (rechter oder linker) gerade Linien, und wir hahen nn 
oder nn, Repräsentanten der Krystallfläehen n, beide in demselben Punkt 
von a sich schneidend. Von deren Durchschnitten mit b und b' ziehen wir 
einmal die Linien nach den gegenüberliegenden Zonenpunkten der ersten 
Art, so haben wir die Linien dd, d'd', oder die Krystallfläche d; das andre- 
mal nach den gegenüberliegenden Zonenpuncten der zweiten Art; so haben 
wir die Linien rr, r'r, oder die Krystallfläche r. So wie dd und d'd' sich 
in einem gemeinschaftlichen Puncte von d , so schneiden sich rr und r'r in 
einem gemeinschaftlichen Puncte von a. Aus dem Durchschnittspunct von 
dd und d'd' in a ziehen wir Linien nach den zwei Zonenpuncten der zwei- 
ten Art in s, so haben wir die Linien ff und ff d. i. die Krystallflächeyi 
Aus dem Durchschnittspuncte von rr und r'r in a ziehen wir Linien (') 
nach dem Zonenpunct in s, welcher derjenigen Kantenzone angehört, welche 
eine durch den gemeinschaftlichen Schneidungspunct von n, o, q, n', o', q' 
gehende (durch eine Horizontallinie in unsrer Figur zu projicirende) Schief- 
Endfläche des Systems bilden würde; so haben wir unsre Linie uu, u'u, oder 
die Krystallfläche u, und es findet sich, dafs der neue Zonenpunct in s den 
vierfachen Abstand vom Mittelpunkte der Figur haben wird, als der, den 
wir zweiter Art nannten, mit welchem er in gleicher Richtung vom Mittel- 
punct aus liegt, folglich den doppelten von dem, welchen wir erster Art 
nannten, und welcher in entgegengesetzter Richtung liegt. 

Die Durchschnittspuncte von u mit b, combinirt mit denen von n und 
ri, geben o und o', so wie die Durchschnittspuncte von f mit b, combinirt 
mit denen von n und n', q und q' geben; combinirt aber mit den Zonen- 
puncten erster Art in s, und zwar den jenseitigen (der eine rechts mit dem 
andern links, der erste links mit dem andern rechts), geben die nemlichen 
Durchschnittspuncte von f mit b, die Linien cc und c'c oder die Krystall- 

(') Es ist ein bemerkenswerther Umstand, dafs das eigentliche Gegenstück zu /, welches 
durch eine Linie angedeutet sein würde, aus dem Durchschnittspuncte von rr und r'r' in 
a nach dem Zonenpunkt der ersten Art, in welchem n und d mit s sich schneiden, gezo- 
gen, — im Euklassystem nicht beobachtet ist. 



über das Kryslallsystem des Euldases. 253 

flächen c. Für die Flächen / aber ist entscheidend aufser dem Zonenpunct 
der Durchschnitte von rr und r'r, uu und u'u, ein neuer Zonenpunct in s, 
der Kantenzone der Haiiy'schen Krystallfläche P angehörig, welche sich 
durch deutlichen blättrigen Bruch kenntlich macht (den nächst deutlichsten 
nach dem vollkommnen blättrigen Bruch senkrecht auf b oder parallel der 
Haiiy'schen Krystallfläche T); diese Haüy'sche Fläche P erscheint in unsrer 
Figur durch die punetirte, durch den Schneidungspunct \OTiJf\m<\f'f' mit 
a gehende Horizontallinie projicirt. 

Für die nicht projicirten übrigen Seitenflächen der Säule beim Euklas 
wird genügen einstweilen zu bemerken, dafs jede Linie aus irgend einem 
Schneidungspuncte zweier anderer Linien nach dem Mittelpunct der Figur 
gezogen, eine neue Seitenfläche der Säule repräsentiren wird, dafs also für 
die nähere Deduction der wirklich beobachteten ein reiches, sogar zur schär- 
feren Prüfung der Beobachtungen dienliches Material in der Figur, schon 
wie sie ist, vorliegt. 

Wir sind von zwei Kantenzonen, als gegeben, ausgegangen, welche 
zwei Schief- Endflächen, einer der vorderen und einer der hinteren Seite des 
Endes, angehören würden, deren Gesetz wäre: dafs die eine die zwei- 
fach schärfere (oder stumpfere) Neigung gegen die Axe c hätte, als 
die andere. Die schärfere von beiden wäre es, von welcher Hr. Levy 
als Schief- Endfläche P ausgeht, mehr aus theoretischen Gründen, wie es 
scheint, als nach Beobachtung ihres Vorkommens als Krystallfläche oder im 
blättrigen Bruch; wir haben sie in der Figur mit p(L) zum Unterschied von 
P(U) bezeichnet. Es scheint aber vielmehr für das Euklassystem sehr ei- 
genthümlich, dafs weder diese beiden Schief-Endflächen selbst vor- 
zukommen pflegen, noch auch Flächen aus der Diagonalzone der 
Levyschen Schief-Endfläche. Aus jenen beiden Kantenzonen aber 
wurde zunächst deducirt eine Schief-Endfläche, in deren Diagonalzone die 
Flächen n, o, q gemeinschaftlich liegen würden, welche aber selbst wie- 
derum unter den beobachteten sich nicht befindet, und zwar mit der vierfach 
stumpferen Neigung gegen die Axe, als die Levy'sche P, auf gleicher 
Seite, folglich mit der zweifach stumpferen von der entgegengesetzten. 



254 Weiss 

Diese 3 supponirten Schief- Endflächen verhielten sich also in ihren Neigun- 
gen gegen die Axe wie 1:2:4, zu den stumpferen fortschreitend, wenn man 
von der Levy'schen, zu den schärferen, wenn man von der letzterwähnten 
ausgeht. Diejenige Schief- Endfläche hingegen, welcher ein deutlicher blätt- 
riger Bruch entspricht und in deren Diagonalzone f und d liegt, das Haüy'- 
sche P, hätte die 5 fach schärfere Neigung der letzteren; eben so dieje- 
nige, in deren Diagonalzone r, u und i liegen, die 7 fach schärfere, und 
die, in deren Diagonalzone c liegt, die 11 fach schärfere; diese Verhält- 
nisse sind es, welche der stumpfsten unter jenen dreien (der 4 fach stum- 
pferen als die Levy'sche Schief- Endfläche P) den Vorrang, den primären 
Character in der Reihe von Schief- Endflächen des Systenies zu geben 
scheinen. 

Und so wendet sich die Deduction des durch den aufgefundenen Zo- 
nenverband verbürgten Zusammenhanges der Krystallflächen des Euklases 
mit Leichtigkeit in eine andere Folgenreihe der Flächen nach einander, wenn 
man von jener am stumpfsten geneigten Schief-Endfläche des Euklases aus- 
geht, in deren Diagonalzone n, o und q liegen, und die zweifach schärfer 
geneigte, der entgegengesetzten Seite des Endes mit ihr combinirt. Die 
Kantenzone der letzteren und die Diagonalzone der ersteren bestimmen 
zuvörderst wieder die Fläche n; wie aber von da die Deduction zunächst zu 
d und r, sodann zu^und u, u.s.w. fortschreitet, bedarf nicht der wieder- 
holten Verfolgung im Einzelnen. 

Statt von der L e vy'schen Schief-Endfläche mit 55° 10' Neigung gegen 
die Axe (') direct auszugehen, in deren Kantenzone (mit*) die Fläche^ 
eine Abstumpfung der scharfen, die Fläche r eine Abstumpfung der stum- 
pfen Endkante sein würde, wollen wir sie uns als irgend eine Schief-End- 



fläche des Systems, als ein la:m.c:ocb = —a:c:oob und die ihr gegen 



(') Nach Levy's Messungen wäre der Säulenwinke] von s = 114° 50', dessen Hälfte also 
57° 25', und der Neigungswinkel seiner Schief-Endfläche gegen die Seitenfläche s = 118° 
46', dessen Complement 61° 14'. Nun ist log cos 61° 14' = 9,6823651 

log sin 57° 25' = 9,9256261 

9,7567390 = 1. cos 55 u 10' 14' 



über das Kristallsystem des Euklases. 



255 



überliegende, in deren Kantenzone (mit s) d und c Abstumpfungen der stuni- 

denken, und so 



= — a : c : oci 



pfeu Endkante sind, als ein \a':n.c:oob 
die allgemeinen Ausdrücke in n und m suchen, welche durch den angegebe- 
nen Zonenverband für die sämtlichen genannten Euklasflächen sich ergeben, 

7:71 = ~-^— : - b S7^ (i) 



so wird die Flache ?i = 



a : — 

in — n in -+- n 





a 




b 


c 


m 


— 


n 


m -f- n 


2 



folglich eine supponirte Schief- Endfläche, in deren Diagonalzone ti, so wie 
o und q gehören, = 



a : c : ccb\ 



Die Fläche d wird 



3n 



■a : 



■b:c\ = 



a b 


c 
2 


3 n H- m rn -f- n 



( 2 ), 



also eine Schief- Endfläche, in deren Diagonalzone sie liegt, die Haüy'sche 



P = 



.i '( -+- rn 



-a : c:oci 



(') Der Zonenpunct, in welchem s, r und / sich schneiden, ist nach der Voraussetzung 

— a ■+- — b ) oder die Axe der Kantenzone, in welcher /"und r' liegen, ist ( c; — a -\ b I; 

mm/ ' J ö ' \ '« m t 

die Axe der zweiten Kantenzone, in welcher d' und c' liegen, ist (c; — a'-i AI oder 

der entsprechende Zonenpunct in unserer Figur ist I — a'-i AI. Nennen wir nun die 

Stücke (unserer Dimensionen a und A) eta und ßb, welche eine durch die genannten zwei 
Zonenpuncte (gleicher Seite) gezogene gerade Linie abschneidet, d. i. a.a und (3A heifsen 
die Abstände der Durchschnittspuncte jener Geraden mit a und mit A vom Mittelpuncte der 
Figur; so erhält man, wie man mit Hülfe der Figur leicht sieht, die Proportionen 

— A:( hi) a = — b : (d. | a: also ntt-Hl = mct — 1; ("» — n)a = 2; a= — '- — ; 

n \ n / in \ m ) v m — n 

joi *// '\ip a i . 2m — (m — n) m + n 

und ö . A : «. . a = - — A : I et ) a; also p = ; aber m a, — 1 = = ; 

1 m \ m / ' ma — i m — n m — n 

. Also die durch jene beiden Kantenzonen bestimmte 



folglich ]3 = 



in — n in — n 



Fläche n = * . a : ß . A : c 



- a : A : c 



m — n in ■+■ n 



) 
, wie oben. 



( 2 ) Für d als = a.a':ß.A:c ist ß im vorigen gegeben = ; aber 

, 2, I , / 1 . 2\, , 2 , m + n + in .- ,. 

a.a : b = — a : I 1 I A, oder a : = 1 : — , giebt «. = 

m + n n \n m+nj ' m + n m + ii ' D 

also d = ■ — : — a: — - — A : c , wie oben. 



i /( -4- in in + n 



256 



Weiss 



Die Fläche r = 



2 


: 2 b 

m -+- n 


C 


3 m -+- n 



a 


b 
m ■+• n 


c 


3 m ■+- n 


2 1 



eine Schief-Endfläche, in «leren Diagonalzone sie liegt, wird 
Die Fläche / = 



3m -t-n 



a:c :ocb 



Die Fläche u = 
Die Fläche o = 



a 



in -f- m 3(rn -+- n) 



:c 



a 


b 
' 3{m H- n) ' 


c 

2 




3 « -f- m 



( 2 ) 



a : b : c 



3 m ■+■ n m ■+- n 



a : b : c 



m — n m ■+- n 



( 3 ) 

( 4 ) 



(') Für r = a. a : ß . b :c\ ist gleichfalls gegeben ß = — : — ; und man hat die Pro- 



portion a. . a : b = ■ — a : ( ) — ) b = a: — '- — b , folglich a. = — - — , und 

r m+n m \ rn m+u/ m+n ' ° 3 m + n/ 



die Fläche r = 



i in + n in + n 



■b:c 



oben. 



( z ) Für /als a..a':ß.b:c ist a. gegeben = — - — , und man hat ferner 
ß, b: -±— a = J_jV_L H __^_L = b: Vl±2I? a . f igi; c h 

1 3ä+ in m \m 311+ in / 3 n + m ° 

ß = 



3 « -+- 3 «J 3(n + m) 



; und / = 



3 « + m ' 3 (« + 7») 



6 : c|, wie oben. 



Das oben S. 252, Anm. vermifste Gegenstück zu /"würde sein a : —. s b:c 

° J Um -t-n 3(111 + 11) 



( 3 ) Für die Fläche u als \a..a : ß. b : c ist dadurch, dafs sie in gleicher Diagonalzone 
liegt mit r, im vorigen gegeben a. = ; aufserdem liegt sie in der Kantenzone der 

obigen Schief-Endfläche — - — a:c: oob . Folglich ist der Zonenpunct, in welchem u und 



s, oder u' und s' sich schneiden, = ( — a H : — b) — der Unterschied von b und b' 

7 ' \m — n m — n / 

ist hier gleichgültig — ; und es wird 



ß. b , _JL_ a = ^L_ J: (_? <L_) a = _^ Ä 

3m + n in — n \m — ii 3 m + n/ m — n 

4 (m + n) , n 
= 2: — ; ; also ß = 

^ m -4- li ' ' 



6m + 2n — im + 2n 
(m — n)()m + n) 



b, d. i. 



' 3 m + n 3 m + ii 

und die Fläche u = 



im + n m + n 



■b:c 



4 (m-t- n) m + n 1 
wie oben. 



( 4 ) Die beiden "Werthe o. und |3 für die Fläche o gehen unmittelbar daraus hervor, dafs 
sie mit n in gemeinschaftlicher Diagonalzone liegt, und dafs sie in b den Durchschnitt mit 
der Fläche « gemein hat. Aufserdem aber findet sich der nemliche Ausdruck für sie zu- 
folge der dritten Eigenschaft, die sie besitzt, dafs sie nemlich in der Kantenzone der 



übci' das Krystallsy stem des EuMases. 



257 



Die Fläche i = 



Die Fläche c = 



2 - A „ 


( f ) 


in — n .i(m -f- /;) 






2 ' * 

a : — : 6 : c 

irn -+- n 2{rn •+• n) 


( 2 ) 






2 , 2 7 


( 3 ) 


5n -+• 3m 3{m -f- n) 



Es ergiebt sich, wie man sieht, als allgemeine Eigenschaft des Zo- 
nenverbandes, wie der im Euklassystem ist (unabhängig von den Werthen 
m und n, so wie von denen a, b, c), dafs — bei gleichen Werthen in c — 
der CoelTicient des Werthes in b, oder der Werth, den wir ß nannten, für d 
dreimal so grofsist, als für f, welches mit d in einerund derselben Diago- 



Schief- Endfläche 



-d: c : oob 



liegt. Der entsprechende Zonenpunct, durch welchen 

sie demzufolge auch geht, ist also ( — : — d -\ S); und es wird sonach z. B. 

b ö ' \Mi + m 3/i +m ) 

ß.b: a = 6:1 I )a = 2b: a = b: -a- 

1 m—n 3/i + m \i/i + m m — nß m — n m — n 

folglich ß = -. — . = '- — , wie oben. Also ist die Eigenschaft dieser Fläche, auch 

b r 2(m + n) m + «' ° 

in der dritten Zone zu liegen, wenn sie in zweien der 3 genannten liegt, allgemein, und 

von den besondern Werthen von m und n unabhängig. 

(') So wie wiederum a, für die Fläche q unmittelbar gegeben ist, wie für o, so ist auch 

ß unmittelbar gegeben durch ihren gemeinschaftlichen Durchschnitt in b mit /, d. i. durch 

eine Zone von /nach a : oc b : oorl. 

( 2 ) Für i ist gegeben die gleiche Diagonalzone mit r und u, also « = ^ m '^_ -, und 

wiederum, wie für o, die Kantenzone der Schief- Endfläche 

Zonenpunct [ — '- — a'-f b). Dadurch erhält man 

r V" +m 3n + m ) 



■ d : c:cob 



3/n + n 1 
, also der 



ß.b: 



3 m + n 

2 



1 Ja = %b : a = b: - — '-a\ also 

3«+n» 3/n+/tf 3in + n 3m + n 



"in + m \3« + /n 3 m 
:, wie oben 



P *(m + n) 2 {ni -f- n) ' 

( 3 ) Für die Fläche c ist gegeben ß = -j-~ ; durch den gemeinschaftlichen Durchschnitt 

in b mit / (wie mit q) ; aufserdem unsere Kantenzone, deren Zonenpunct l~ a '~i — ~ *) war > 
eine der beiden, von denen wir ausgingen. Demzufolge wird 

<* . d : -r-^ ; b = — d : (— 1- -j-^-- — , ) b ; 

3 {m + //) n V n 3 (m + «)/ 



' i(m + n) 3(m + n) 

Physik.- math. Kl. 1841. 



= 1 : ; — ; also -j. = — ■ , wie oben. 



Kk 



258 



Weiss 



nalzone liegt; mit anderen Worten: dafs d in dieser Diagonalzone jederzeit 
die 3 fach stumpfere Neigung hat von/, umgekehrt dieses die 3 fach schär- 
fere von jenem; eben so: dafs für die Flächen n, o, q, welche ebenfalls in 
einer gemeinschaftlichen Diagonalzone liegen, der Werth ß für n 2 mal so 
grofs ist als für o, und 3 mal so grofs als für q, also o die 2 fach schär- 
fere, q die 3 fach schärfere Neigung hat von n; endlich: dafs für die 
Flächen r, u und i, welche wiederum gemeinschaftlich in einer und dersel- 
ben Diagonalzone liegen, der Werth von ß für r 2 mal so grofs ist als für 
u, und 4 mal so grofs als für i, mit andern Worten: dafs / die 4 fach 
schärfere, u die 2 fach schärfere Neigung von r in der ihnen gemein- 
schaftlichen Diagonalzone hat. 

Dagegen hängt die besondere Eigenschaft des Euklassystems, deren 
wir oben gedachten, dafs die Schief-Endfläche, in deren Diagonalzone n, 
auf die obige Weise deducirt, gehört, die 4 fach stumpfere Neigung gegen 
die Axe c hat als jene Schief-Endfläche, die wir = \a : m . c : oob\ = 

setzten, wie sehr leicht einzusehen, davon ab, dafs m = 2n; 
t 



c : ooi 



denn wenn 






sein soll, so ist m = 2 (in — n), d. i. 2n = 



771. 



Setzt man nun m = l, d.i. geht man von der Levy'schen primitiven 
Schief-Endfläche aus, und setzt somit n = -i-> dann werden die Ausdrücke 
der Flächen 



n = ha : ^-b 
d = ^a':4ri:c 



[±K. 



4-b 



-irC 



r = 4ra:4rl> 



u = 
o = Aa 



a:±b 



l-b:c=[J^ 
c 



■i 



= E£üii 
= [Z 



tC 



4-*:4- 



q = Aa : -±-b : c = [ a : -f b : -J- c 
i = ±a:-Lb: c =\ ^: ±b : -', 
c = ±a':^b:c == []^[±bTT 



über das Krystallsystem des Euldases. 



259 



Nicht allein der blofse Anblick dieser Ausdrücke zeigt, wie sie alle 
sich vereinfachen, wenn man -f c a l s Einheit in c nimmt, sondern auch der 
Anblick unserer Figur legt direct an den Tag, wie alles sich vereinfacht, 
wenn man, statt von der Levy'schen p, von der Schief- Endfläche mit der 
4 fach stumpferen Neigung gegen die Axe c ausgeht, d.i. eben von der, 
in deren Diagonalzone 72, o und q liegen; dann wird in den obigen allgemei- 
nen Formeln m = 4, n = 2, und die Ausdrücke der Flächen werden 



n = 


1 


a : 


-i-i: 


c 1 


= 


1 


a : 


\b: 


* 1 


q = 


1 


a : 


{b: 


' 1 


d = 


1 


>' 


^b 


« 1 


f= 


1 


-r a ' 


ib 


' 1 


r = 


1 


T« 


:-f* 


:, | 


u = 


1 


-f« 


:-T* 


' 1 


i = 


1 


4-« 


:A* 


:c | 


c = 


■1 


,> 


-H 


< 1 



Wollte man die allgemeinen Ausdrücke der Flächen so construiren, 
dafs man von eben dieser Schief- Endfläche, = \a : m . c : oc b\ = -^a-.c-.ocbj 



gesetzt, und von der vorigen Kantenzone (c; — a'-i bj ausgienge, dann 

würden die Ausdrücke 



n = 


1 * 7- 
— a: :c 

m m ■+- n 








d = 


m 


1 * 7. 

a : : c 

-f- 2»i rn -f- n 






r = 


1 ' 7, 

a : : c 

3 rn -f- 2 n rn -+- n 



C) 



(') Der Ausdruck fiir r ist bedingt durch den Ausdruck des Durchschnittspunctes von n 
mit s: dieser ist 1 a -t b), oder wenn man ihn als (a.a + ß.b) denkt, so ist 

* = 3, und 3 . b : — b = : \ = m : 2m ■+■ n; daher 3 = 



• m n-\- m 



Kk2 



260 



Weiss 



/= 



u 



o = 









1 , 


1 g 

3(m -f- ») 


C 


m -+■ In 




1 


Z(m -+- ;?) 


: c 


im ■+■ in 




1 

— a : 

rn 2 


(m -+- n) 






1 

■ — a : 

m ; 


(rn -+- n) 






1 

a 

3 m -+- 2 n 


4(m -f- ») 


c 




1 


3(m -+- n) 


c 


3m -+■ An 



( 2 ) 



( 3 ) 
( 4 ) 



Nun aber ist für die Fläche r, wiederum als a.a: f3.fi :c gedacht, t*. . a : ■ b 

= a: ( H' jfi = ( n -f- m)a : (3 m -+- 2n)4: daher a, = , wie oben. 

2m + n \n + m im + /// v ' v r ' im + !»' 

(') Aus dem vorigen Ausdruck des Durchschnittspunctes von n und s, als des wieder 

zur Bestimmung von / concurrirenden Zoncnpuncles, crgiebt sich für /, dessen «. = — 

gegeben ist, wiederum die Proportion 

ß: = : -+- = »! + 2n:3m+3n; daher (3 = -. ; , 

1 m+2/i 2m + n m+in zra + re ' 3(m + «) 



wie 



oben. 



( 2 ) Man hat für u, dessen «. = , und für welches der Zonenpunct — (a -+- fi) 

gegeben ist, die Proportion 

ß: = — : = 3wi + 2/i:2m + 2n; daher ß = —. r 

' 3 m -+- i n m m sm + an ' 2 (m + n) 

Das oben vermifste Gegenstück zu /würde 



Mii + 211 '3(111 + 11) 



b :c 



( 3 ) Der Durchscbnittspunct von 1 mit j, als der Zonenpunct der Kantenzone der Schief- 
Endfläche 



- d : c : 00 fi 



ß: 



3 m + 211 m + 211 ni + 2/1 



ist — (a'+fi), und giebt also für i die Proportion 

= 3m + 2n:4m + 4n; daher ß = 



3 m + 2 n 



(*) Da man für die Fläche c, ß = 



3(//J + /() 

hat, so findet sich sein a. durch die Proportion 



4 (m + n) 
und den Zonenpunct ■ — (a! -f- b') gegeben 



sc: -7 ; — : = — : h -, r = 3m -f- n : 3m ■+- 4«; also * = , wie oben. 



über das Kristallsystem des Euldases. 261 

Wenn m = 1, und n = i gesetzt wird, so geben diese Formeln die 
so eben genannten Zahlenwerthe; wenn m = -' , n = -f gesetzt wird, so ge- 
ben sie die obigen ersten Zahlenwerthe, bei welchen die Levy'scbe primitive 
Schief- Endfläche als Maafs der Einheit für die Neigungen der Flächen der 
vertikalen Zone gegen die Axe dient. 

Ähnliche allgemeine Formeln, wie die hier ans zwei Gesichtspuncten 
für das Euklassystem entwickelten, lassen sich für jedes andre Krystallsystem 
ableiten, und es ist wohl nicht ohne Interesse, die ähnlichen zusammenzu- 
stellen und zu vergleichen; wobei der eigenthümliche Gang des Krystallsy- 
stems eines jeden in seinen ersten Ausgangspuncten und in allen seinen we- 
sentlichen Zügen schärfer hervortritt, der etwas ganz anderes ist, als die je- 
dem eigenthümlichen Winkelgröfsen, der vielmehr in der eigenthümlichen 
Art und Weise des Zonenverbandes, in der Combinationsweise der 
bei der krystallinischen Structur concurrirenden Elemente oder Gröfsen be- 
gründet ist, und der daher auch in der Figur einer aus gleichem Gesichts- 
puncte entworfenen Projection beim Gebrauch der graphischen Methode 
von selbst sich darstellt. 

Ein solches dem Euklassystem näher vergleichbares und in seinem 
Gange ganz eigenthümliches Krystallsystem ist das des Epidotes ('). 

Wenn wir die Haüy'sche Fläche Tuns allgemein als ein \a :m.c:oob\, 
die Haüy'sche Fläche 71/ als ein a' :n.c:oob\ , die Haüy'sche Fläche n aber 
als das \a : b : occ denken, so erhält man zuerst, wie bei dem Euklas n, nach 
der ersten Reihe der allgemeinen Formeln, als durch die beiden Kanten- 
zonen der zweierlei genannten Schief- Endflächen, oder durch die beiden 
Zonenpuncte — (a + b), und — (a'-t-b) bestimmt, 

die Epidotfläche d = ~ a '-- -b : c = Euklasfläche n ( 2 ) ; 



in — n m • 



dagegen ist der weitere Entwickelungsgang beider Systeme völlig verschie- 
den. Es werden nemlich die 

O ^g'- meine Abhandlung über die Theorie des Epidotsystems in den Abh. d. phys. 
Kl. vom Jahre 1819. S. 258. 
( 2 ) S. oben S.255. 



262 



Weiss 



Epidotflächen h = 



u 



o = 



s = 
1 = 

(') = 

( 2 ) = 

( 

cc = 

J = 

7 = 



— a : — 

n m -f- n 



b: 



1 l 7, 

— a : 6 :c 

m m -+- « 



— a': — — b: 

n m -f- n 



1 * 7. 

— a : b : c 

TW 7« -f- n 



1 ' 7. 

a : ooo : c 

»i -+- in 



a : oc6 : c 



n -+- 3/n 



a : c : 006 



?n -+- 3« 



a : c : oo< 



//2 -+- 4 /i 



- a : c : oo ( 



m 


3 

a : 

-H2 


c : 


ocb 


2m 


3 

a 

— n 


: c 


: 006 



1 / l L 

a : 6 : c 

m -+- In m ■+■ n 





1 


a: 




i 


Ä 


i 
C 


n 


+ 2m 




//j 


+ 


n 





1 
n-f- 2 


-a: 

m 


l{m 


1 
-+- 




C 



(') Die a.a.O. S. 258 und 266 genannte Fläche \a :9c :oo6 . 

( 2 ) Die a. a. 0. S. 266 erwähnte a':7c:oob \. 

( 3 ) Der erste Ausdruck gilt für k als bestimmt durch Zonen von z nach d (entgegenge- 
setzten i's); der zweite als bestimmt durch Zonen von q nach o (entgegengesetzten ah und 
6's). Beide so bestimmte Flächen fallen nur dann in Eine, wenn m ■+■ 2 = Im — n, d. i. wenn 



über das Krystalhystem des Euklases. 263 

Schon die analogen Flachen von h und u fehlen dem Euklas, wenn 
man d Epidot = n Euklas setzt, so wie dann umgekehrt d und /• des Eu- 
klases dem Epidot fehlen. Dahingegen werden die Analogien gröfser (im- 
mer jedoch nur in der allgemein eren Formel, nicht in der speciellen, von 
den Werthen von m und n abhängigen), wenn man die Epidotflächen mit 
den Euklasflächen nach der zweiten Construction der Formeln vergleicht; 
denn dann wird allerdings 

z, Epidot = n, Euklas 

u, » = o, » 

je, » = d, » 
Indefs hängen alle solche Gleichsetzungen in der allgemeinen Formel von 
dem gewählten Ausgangspuncte bei der Entwickelung des nemlichen Zonen- 
verbandes ab; und wie beim Euklas, so werden sich die allgemeinen For- 
meln der Epidotflächen wiederum verändern, wenn man z. B. nicht das 
Haüy'sche T, sondern jene a. a. O. S.265 La : c : oo b geschriebene Schief- 
Endfläche des Systemes = \a : m . c : oc6l setzt, die beiden anderen Voraus- 
setzungen aber unverändert läfst. 

Zwischen dem Gypssystem und dem Epidotsystem findet sich — 
abgesehen von dem, was das Epidotsystem schon in der Erscheinung so ganz 
eigenthümlich macht, nemlich der grofsen Frequenz und relativen Ausdeh- 



nung der Flächen der vertikalen Zone a :jc.c : oob — eine zwar versteckte, 



aber unerwartet grofse Analogie, wenn man beim Gips, wie gewöhnlich, von 
der Säule f ausgeht, die Schief- Endfläche, in deren Diagonalzone die ge- 
wöhnlichen Endigungsflächen /liegen, sich als a : m . c : oob\, den blättrigen 
Bruch T aber als \d\n.c: ocb denkt; schon aus meiner ersten Abhandlung 
über das Gipssystem (') geht klar hervor, dafs die allgemeinen Ausdrücke 
der Gipsflächen, aus gleichen Gesichtspuncten entwickelt, mit den Ausdrük- 
ken der Epidotflächen grofsentheils zusammenfallen müssen. 

m — n = 2. Die Zone von u nach 17, gleichen Sinnes in £, oder die von u nach o, ent- 
gegengesetzten Sinnes in 6, kann ebenfalls zur Bestimmung der Haüy'schen Fläche k ge- 
wählt werden. 

(') S. die Abhandl. d. phys. Klasse für das Jahr 1821. 



264 



Weiss 



Feldspath, Hornblende, Augit sind diejenigen 2- und 1-gliedri- 
gen Krystallsysteme, welche auf das allereinfaehste Verhältnifs jener Coeffi- 
cienten gegründet sind, die wir m und n nannten; für sie nemlich ist m = n 
= 1; stellen wir sie ebenfalls unter den vorigen allgemeinen Gesichtspunct, 
und betrachten wir ihr a : c : oo b\ allgemeiner als ein \a : m . c : 006], ihr 



d : c : oob\ als ein \ä : n . c : ocb\, so finden sich für ihre Flächen, in Folg« 



der bekannten Gesetze, wonach dieselben durch gewisse Zonen bestimmt 
sind, a : b : oocl unverändert gelassen, folgende allgemeinere Ausdrücke: 

[ d : j b : c~ \ = 



{'■■■ 


-b: 


< 




d : 


ic : <x 


b 




■ff 


= ~b 


:c 




•f« 


:-S-ä 


:c 




T" 


:-r* 


: c 




d : 


Yb: 


c 






r a : ,5 c : 00 b 1 = 



F 


r« 


, 1 

■ 4 


b: 


c 




l- 


W 


. 1 

• "6 


b 


c 




r 


3ö' 


c 


: oc 


b 





\-j-d : c : 00 b 1 = 



1 ' * Z. 

— a : 6 : c 

n n -f- m 




1 * 1 

— a\- -b:c 

m 2(n-t-m) 




1 ' J, 

a : c : 000 

2n+m 




1 ' ' Ä 

a : -; r : 


C 




1 * * 

-a: 6 : c 




1 l l 


C 


2m + n"'3(n + m) 




1 ' J l 

— a : -, : : c 

n 3(n -f- m; 




a : c : 006 

2« -+- 3m 




1 J 7,. 

a: -0 : 

2«-f-3/n 2(n ■+■ m) 


c 




1 ' 1 J. 


c 


2m + 3n"* ' 3 (n -+- m) " 




3 ' * 




2« — m 




3 ' J. 

a : c : ooo 

4n+m 



über das Kristallsystem des Euldases. 



265 



[ 3a : b 



OCC 



3 a : b : oo c j = 



3 


b : occ 


2 n — rn 




sa : b 


occ 



](') 



Man kann die Epidot flächen in einen ununterbrochen fortlaufenden 
Zusammenhang mit dieser einfachsten Entwickelungsreihe bringen, wenn man, 
wie vorhin erwähnt wurde, das a : c : ocb\ des Epidotes( 2 )als a:m.c:ocb\, 



und das T, d.i. das a':-.c:ocb desselben, wie bei Feldspath u. s. f. deducirt, 
der eben gegebenen Tabelle gemäfs als d : c : ocb , folglich auch M, 

d. i. sein \a : s c : oc b] als 



2 n ■+■ m 



2 n -+• 3 m 



a : c . cot 



und sein d = a:-|-i:c| als 



l l 
— a:~ 

m 2(n -t- 



: C 



setzt. Dann würden 
h Epidot = 









a :9c: ocb 



\a': ic : ocb 






1 , 

a '• T 

2n + m 2(ra 


1 / = 
H-m) 


c 




1 

a '• —r 

2n ■+■ rn 4(n 


1 / 


c 




1 

a : — 

2n + 3m 2 (n 


1 / 
-t-m) 


c 




t 

a : -7- 

2n-+-im 4(« 


1 ,5 

-t-m) 


c 




1 

a : 

4n + Sm 


c : ocb 






1 , 

a : 

in ■+- Im 


c: ocb 






-d ': 

6n -f- 5/« 


c : ocb 






1 

a : 

6n ■+■ 7 m 


c : ocb 





3a : b : 00c 



ein allge 



(') Diese letztere Bestimmung, durch welche der Ausdruck 
ner, von den Werthen von m und n unabhängiger wird, ist die vermittelst der Zone, durch 
welche auch die Fläche a':c:oob bestimmt wird. 



( z ) S. die oben angeführte Abh. über das Epidotsystem, S. 265. 

Physik.-math. Kl. 1841. LI 



266 



Weiss 



x Epidot = 

*(»)- = 

e( 2 ) - = 



6 n 



Sm 



a : 



h(n 



bu 



(i 



Im ' 4 (» -f- «/) 



£:, 



10» 



■ Im 



a : c : ooi 



3 m 

a 

2n ■+■ 5m 


: c 


: 006 


3 

— a 

2n -+- 5m 


c 


oob 



a : 2b : ooc 



Man möge nun beim Epidot von einer eben solchen Voraussetzung 
ausgeben, wie sie für Feldspath, Hornblende oder Augit gültig ist, d. i. von 
der Voraussetzung, m = n = i, oder von jener der Beobachtung näher lie- 
genden, n : m = 3:5, welches Verhältnifs in der vertikalen Zone des Feld- 
spaths nicht allein auch vorkommt, sondern zweimal vorkommt, sowohl zwi- 

3i 



sehen 



a : sc :oo 



g 



unc 



a : sc :oc< 



a : c : 



oob 



unc 



, als zwischen 

immer bleibt der Entwickelungsgang der Flächen aller dieser 2- und 1-glie- 
drigen Systeme, und somit, wie es scheint, auch des Gjpses, höchst ver- 
wandt unter sich. Ihm gegenüber kann man nicht verkennen, dafs das Eu- 
klassystem eine Eigenthümlichkeit darin besitzt, dafs ein Verhältnifs 2:1 



(') Der erstere Ausdruck folgt für k als bestimmt durch Zonen von z nach d, entge- 
gengesetzten A's; der andere, durch Zonen von u nach o (entgegengesetzten ah und £'s); 
beiderlei Zonen geben dieselbe Flache, wenn m = f. 

( 2 ) Unter den verschiedenen Deduclionsweisen der Fläche e bietet sich als die einfachste dar 

die durch Zonen von u nach M; sie giebt den Durchnittspunct beider = ( a'-J 6), 

wie aus der leichtesten Rechnung zu ersehen; folglich ist eine durch diesen Durchschnitts- 
punet und den Mittelpunct der Figur gelegte Ebene immer parallel a\- — - — b: ooc 

= a:2b;rsoc . Dasselbe Resultat giebt die Deduction durch Zonen von h nach T, fast 

durch Wiederholung der nemlichen Rechnung. Reide (und so mehrere andere noch) fuh- 
ren immer auf den gleichen, von m und n unabhängigen Werth für e. 



über das Krystalhyslem des Euldases. 267 

der Bildung seiner Krystallflächen die besondere Richtung giebt, sei es nun, 
dafs man dieses Verhaltnils ursprünglich in der vertikalen Zone eintre- 
tend sich vorstellt, wie unsere Figur mit der ganzen obigen Erörterung es 
schon anschaulich macht, und wir auf das Verhältnifs n : m = 2 : l als dasje- 
nige hingeleitet werden, welchem Hr. Prof. Neumann in seinen „Beiträgen 
zur Krystallonomie" den Namen des Grund ver hältnisses der 2- und 1- 
gliedrigen Systeme beilegte; oder sei es, dafs wir das nemliche Verhältnifs 
ursprünglich in die horizontale Zone -verlegen. Denn allerdings könnte 
man, statt in der vertikalen Zone von den Schief- Endflächen der beiden 
herrschenden Kantenzonen, oder der stumpferen von beiden und derjenigen 
auszugehen, deren Diagonalzone die Flächen n, o, q enthält, dem Feldspath 
auch entsprechend jenes Verhältnifs l :5 (beim Feldspath zwischen \a 



c:oo< 



und atscioaö hervorheben, welches, nach der obigen Darstellung, beim 
Euklassystem in der vertikalen Zone ebenfalls sich findet, und zwar für die 
Schief- Endfläche, in deren Diagonalzone n, o, q hegt, einerseits, und das 
Haüy'sche P, in deren Diagonalzone f und o liegen, andrerseits; ja die 
Wichtigkeit dieser beiden Endigungsflächen für das Euklassystem und der 
Umstand, dafs der letzteren sogar der so deutliche blättrige Bruch (nächst 
dem Hauptbruch parallel [6 : oca : occ der deutlichste) parallel geht, giebt 
einem so gewählten Ausgangspunct für den Gang des Systems ein sehr gro- 
fses Gewicht; indefs so lange man die Seitenflächen s als die gegebenen 
betrachtet, bliebe noch immer eine Lücke in der Deduction. 



a : o : occ 



Diese Lücke würde aber freilich sogleich ausgefüllt, sobald man die 
noch nicht erwähnte, aber freilich auch vorhandene und ohne alle Schwie- 
rigkeit nach dem obigen Zonenverband zu deducirende Seitenfläche \a:2b:ooc 



eintreten läfst. Würde man von ihr als Seitenfläche ausgehen, also das b 



im Grund werth gegen a und c verdoppeln, dann würde n = a:\b-. 
unmittelbar folgen, und so fort das übrige, zunächst d, dann s, dann/" und 
r u. s. w. Alle Flächen behielten die vorigen Ausdrücke, S.259, nur der 



Coefficient von b halb so grofs, wie dort, d = -g- d: \ b : 
f=. \\-d: ^ b : c\ u. s. f.; u als in den Zonen von P (H) nach h, und von s 
nach \a : c : oc b\ gemeinschaftlich, erhält um so mehr Bedeutung. 

L12 



268 Weiss 

Behalten wir aber auch, der Beobachtung gemäfs, s als die gegebene, 
ohne alle Widerrede herrschende, hauptsächlichste, primär zu nennende 
Seitenfläche, und somit die Ausdrücke der Flächen sämtlich unverändert wie 
S.259 bei, so können wir dennoch in der vertikalen Zone von [« : c : 006J 
und |~4- a : c:ocb\ ausgehen, und den Schlüssel des ferneren Entwickelungs- 
ganges des Systemes in der Richtung finden, die dasselbe von diesen Schief- 
Endflächen nach den Seitenflächen fa : :6 : occl, d. i. h, statt nach s, nimmt, 
so dafs die Kantenzonen von jenen, nicht von diesen, zunächst sich ausbil- 
den, und durch den ferneren Verlauf erst unsre anfänglich erörterten Kan- 
tenzonen von s nach den jetzt abgeleitet sich darstellenden, überhaupt nur 
construirten Schief- Endflächen |^-a':c:oo6l und |4-ö:c:ocäj oder Le- 
vy's p. Das Verhältnifs aber der Verdoppelung der einen Dimensions- 
linie gegen die andre für Flächen Einer Zone, und vollends einer solchen, 
deren Axe, wie hier, einer der Grunddimensionen des Systemes parallel ist, 
während die beiden anderen eben das Maafs für die Neigung der Flächen in 
dieser Zone abgeben, ist nicht allein bei den 2- und 2 -gliedrigen Systemen 
bekanntlich das allereinfachste und allergewöhnlichste, daher wir uns von 
seiner Deduction zu sprechen hier enthalten können; sondern es ist auch 
von den 2- und 1 -gliedrigen Systemen, (wo freilich das Fortschreiten in der 
Reihe ungerader Zahlen, wie wir gesehen haben, insbesondere für die Nei- 
gungen in der vertikalen Zone offenbar das herrschende, und sehr chara- 
cteristisch ist,) dennoch keineswegs ausgeschlossen. Dafür bürgt schon seine 
allgemeine Begründung in der Art, wie sie eben das 2- und 2-gliedrige 
System beständig zu Tage legt; wir wurden auch noch so eben beim Epidot 
durch dessen Fläche e erinnert, wie verwandt es dem Entwickelungsgange 
eines 2- und 1- gliedrigen Systemes bleibt; und was den Euklas selbst be- 



tritt, so fehlt ihm eine Seitenfläche a :2b : coc , wenn s = a : b : 00 c , kei 



neswegs, wie wir sogleich ausführlicher erörtern werden. Vorher aber wol- 
len wir die Bemerkung machen, dafs, wenn anders die Systeme der Horn- 
blende und des Augites jenen inneren nahen Zusammenhang unter sich 
haben, den man geneigt sein darf, für sie anzunehmen, er in nichts ande- 
rem besteht, als dafs es bei dem einen die Fläche a:2b :occ\, bei dem 



über das KryslaUsystcm des Euldases. 269 

andern die Fläche \a : b : oocl ist, gegen welche eine und dieselbe Schief- 
Endiläche a : c : oc ä1 sich richtet, und ihre Kantenzonen bildet. 

Die verschiedenen Seitenflächen also, welche beim E u k 1 a s so mannich- 
faltig noch vorzukommen, und schon durch die Längenstreifung sich 
zu verkündigen pflegen, werden zwar von den verschiedenen Beobachtern 
verschieden bestimmt, und sämtlich als Zuschärfungen der stumpfen, 
nicht der scharfen Seitenkante. Die von Hau y angegebenen Flächen waren 



a : ~b : occ] und \a : - s b : oocl, dieanderthal b-, und die dritteh albfach. 



stumpfere; die 2 fach stumpfere \a :26:00c giebt aber sowohl Hr. 
Levy, der ihr den Buchstaben h beilegt, als andre Messungen; die andert- 
halbfach stumpfere giebt Hr. Levy ebenfalls wie H aüy ; eine andere Messung 
\a : -' b : oocl kommt dieser nahe genug, um beide verwechselbar zu machen; 
wir haben es für angemessener gehalten, unsere Figur mit ihnen nicht zu 
überfüllen. 



Nur die Fläche h = 10:26 :00 c ist demgemäfs in unserer Figur mit 
aufgenommen, und dadurch alles in derselben leicht anschaulich gemacht, 
was wir so eben über die Kantenzonen, die sich auf |a :26:00c] beziehen, 
gesagt haben. Um diese Flächen selbst aus dem Verhältnifs der übrigen ab- 
zuleiten, bieten sich, wie man sieht, der Zonen viele dar; so von d und r', 
von ri, u und P(H), von n und c; von o, r undy"; von o' und d ; von q und 
u'; von q und /; jede von ihnen, combinirt mit der Axe der horizontalen Zone, 
reicht zur Deduction von j~a: 26:00c! hin. Die Durchschnittspuncte der 
eben genannten Flächen unter sich und mit der Fläche a::b: oocl in un- 
serer Projectionsebene sind, genauer bezeichnet, folgende: 

1. Der Durchschnittspunct von d mit r, entgegengesetzten 6's; dieser ist 

(a -f- 26). 

2. — — — ti — u, gleichen 6's; er ist (^-a'+ -\ b) 

= ;>'+ 2 j). 

3. — — — n — c, gleichen 6's; er ist {-\-a + -,- b) 

= -f (a + 26). 

4. — — — d — o, gleichen b's; er ist (^a'-t- {-, b) 

= ±{a + 2b). 



270 



Weiss 



5. Der Durchschnittspunct von/", rund o, gleichen b's; er ist (~a + -^- 3 U) 

= f,(a + 2 5). 

6. — — — i mit q, gleichen b's; er ist (±d-\- -^ b) 

= ±{a'+2b). 

7. — — — u — q, gleichen b's; er ist (,^a + -f 9 b) 

= f 9 (a + 2S). 
Die Lage dieser Puncte in der Linie h ist also so, dafs auf der einen, 
positiven Seite die Abstände der Durchschnittspuncte vom Mittelpunct im 
Verhältnifs sich finden 

(1 = \ _!_._'_. __L_._!_ 

\1 / 0.6 + 1 ' 1.6 + 1 ' 2.6 + 1 3.6+1' 

auf der anderen, negativen 



1.6—1 2.6 — 1 3.6 — 1 

Andrerseits sind die verschiedenen Zonenpuncte, welche in die Seitenflächen 
ä selbst fallen, folgende: 

{a + b) ist der Schneidungspunct von * mit u, oder von s mit u; 
4-(a'+ b) — — — n mit d und c entgegengesetzten 5's; 

■±-(a + b) — — — n und /"gleichen, mit r entgegenge- 

setzten b's ; 
-^-(a'+i) — — — d und q gleichen b's. 

-|-(a'+ b) — — — o mit / gleichen b's, so wie mit der 

Schief- Endfläche ^-d:c:oob , die durch blättrigen Bruch, und durch 



die Flächen ihrer Diagonalzone, /"und d, so wichtig ist; 
j^(a+&) ist der Schneidungspunct von r und q gleichen b's (mit*), eine 2 fach 
schärfer geneigte Schief- Endfläche andeutend, als die eben genannte 



j- d: c : cob ist, auf der entgegengesetzten Seite des Endes; 



j^(a'+ b) ist der Schneidungspunct von * mit *'; 

~{a + b) — — der Schief- Endfläche 



a 



oo< 



(in deren Diagonalzone r, u und / gehören) mit s und dem anderen o; (vgl. 
den Zonenpunct -^(d-\- b). Auch von ["-f a : c : ocb\ ist wieder auf entge- 
gengesetzter Seite die 2 fach schärfere Pj d : c : oo b\ durch den Durch- 



über das Krystallsystem des Euldases. 271 

schnitt von /mit s angedeutet, nach der Analogie so vieler Verdoppelungen 
dieser Art, wie 1, 4> 4. -f ; -f, &, 2 ' ; wobei immer die abwechselnden 
Glieder einer solchen Reihe der Verdoppelungen derselben Seile des En- 
des, die benachbarten den entgegengesetzten Seiten des Endes ange- 
hören. Die Glieder -^ und ^ (a + b) finden sich hier auch wieder, die -^ 
und ~(a'-hb) fehlen. 

Wollen wir noch die übrigen Seitenflächen desEuklases erörtern, so istder 
Kreis ungemein eingeschränkt, welchen unsre Zonenpuncte, so wie die Figur 
sie giebt, zum Behuf der Bestimmung einer Seitenfläche zwischen s und h 



= la: 2b :occ\ darbieten, wie es eine Fläche I a : ~ b : oo c\ oder \a:-^-b:ooc 



sein würde. Wirklich aber findet sich für die erstere ein Durchschnitts- 
punct von r mite, entgegengesetzten b's; er ist (f a-f--f 6) = 4( 2ür + 3 *) 
oder — (a-f- ^b). Die Schief- Endfläche, in der er liegen würde, wäre die 
2 fach stumpfer geneigte von P(H.) entgegengesetzten Endes; vgl. oben. 
Durch ihn also, oder durch eine Zone von einem r der vorderen Seite rechts 
gegen ein c der hinteren Seite links (oder umgekehrt, wenn man will), läfst 
allerdings die von Haüy angegebene Fläche /, deren Vorkommen auch von 
Levy bestätiget wird, genügend sich begründen. Nicht minder nahe liegt 
die Begründung einer Seitenfläche a : -±-b : ooe]; denn der Durchschnitts- 
punet von d mit u, entgegengesetzten b's, ist (a'-f- -f&), und hat folglich 
noch die besondere Wichtigkeit, dafs er, wie man sieht, zugleich in eine 



Schief- Endfläche a':c:oob\, das Gegenstück von a:c:ocbj fallen 



würde. Zugleich findet sich -f (a'-f- 4 *) = (4 a + *i *) a ^ s Durchschnitt von 
d mit i gleichen b's. Beide Seitenflächen \a : -~b : ooe] und \a : -„ b :ooc] 



nebst \a : :b :occ] geben hinreichende Erklärung der so starken Längenstrei- 
fung. Eine ebenfalls angegebene Fläche [a:4^:oocj hingegen möchte 
schwerlich vorkommen; sie würde eine solche sein, auf welche d gerad 
aufgesetzt wäre; eben dies kann der Grund der Annahme ihres Werthes 
= a : -' b : ooe] gewesen sein; aber dieser Annahme widerspricht sogar die 
durch alle Analogie bewährte Regel: dafs die Endigungsflächen der 2- und 
1-gliedrigen Systeme eben nicht auf die bei ihnen vorkommenden Seitenflä- 
chen gerad aufgesetzt erscheinen. 



272 Weiss 

Zur Begründung einer Seitenfläche la : \ b : ooc = L'a : sb : ooc , 
wie die Haüy'sche h sein würde, bietet unsre Frojectionsfigur direct auch 
keinen Zonenpunct dar; sondern es sind die übrigen weder in die Flächen s 
oder h, noch in die Linien a oder b unsrer Figur fallenden Durchschnitts- 
puncte folgende : 

(p 7 a'+ r 4 7 6) = ±f(a + hb), gebildet durch den Durchschnitt von d 
mit u, gleichen b's. 

(fifl'4- ^j b) = ^ (a'+ hb), gebildet durch den Durchschnitt vonymit 
i, gleichen 6's. Beide Zonenpuncte also würden in einer Seitenfläche 



a:\b-.occ sich verbinden. Ferner 



(^a-h^b) = ~(d-i- bb), durch den Durchschnitt von /mit c, glei- 



chen ö's. Durch diesen Zonenpunct würde eine Seitenfläche \a :i<b :occ 



begründet sein und diese mit den vorigen zusammen immer stumpfere 
und stumpfere Zuschärfungen der stumpfen Seitenkante von s bilden, wie 
sie die starke Längenstreifung der Krystalle hervorbringen. Hingegen ist 
nichts bekannt von deutlichem Vorkommen von Zuschärfungen der schar- 
fen Seitenkanten der Säule s, obwohl es an linienartigem Erscheinen von 
dergleichen, so wie an Durchschnittspuncten vieler Flächen, die sie begrün- 
den könnten, nicht fehlt. So ist 

(2a'+ b) der Durchschnitt von n mity entgegengesetzten &'s. So wie 
dieser Zonenpunct dieZuschärfungsfläche der scharfen Seitenkante periäioccl, 
so ist merkwürdig, dafs er in der vertikalen Zone die Fläche r:a':c:oo6J 
begründen würde, die 2 fach stumpfere von \a : c : oob\, während wir letz- 
tere als die 2 fach und 4 fach stumpfere von anderen Schief- Endflächen des 
Systemes kennen. 

(a'-+- -§- b) wird fixirt durch den Durchschnitt von n mit i, gleichen 
b's. Aus dem Zeichen dieses Zonenpunctes ergiebt sich nicht allein, dafs 
er eine Seitenfläche \a : 4^ : ooc] (wieder eine Zuschärfungsfläche der schar- 
fen Seitenkante von s) begründen würde, sondern er deutet auch wiederum 
auf eine Schief- Endfläche la' : c : ocb\, das Gegenstück zu der, in deren 
Diagonalzone n, o und q liegen, und welches uns schon bei dem Durch- 
schnittspuncte von d und u (entgegengesetzten b's) begegnete ; ein Umstand, 



über das Kryslallsystem des Euklases. 273 

der die, obwohl verborgene, doch reelle Bedeutung dieses Gegenstückes 



zu unserem 
erbebt. 



a : c : ocb\, von welchem wir ausgiengen, zu gröfserer Evidenz 



Ein Zonenpunct -{-(a-h-b) = (-f a + 4 s )) gebildet durch den 
Durchschnitt von n mit u entgegengesetzten b's, würde auch auf die Sei- 
tenfläche [a:|6:occ] leiten. 

Ein Zonenpunct -f («' + -f S ) = (-r a '+ri^)> welcher wiederum die 



nemliche Seitenfläche \a : -§- b :ooc begründen würde, wird gebildet durch 
den Durchschnitt von c mit q entgegengesetzten b's. Er wird, wie alle 
diejenigen, in deren Zeichen ~a den einen Theil ausmacht, wohin auch 
(-l_a' + -f b) oben gehörte, an den Tag legen, dafs die zwei Flächen, die ihn 
gaben, abermals mit der Fläche [4" a ' : c : ooi] = \a': sc:oob \ in Einer Zone 
liegen d.i. mit jener Schief- Endfläche, deren Wichtigkeit, schon durch 
den deutlichen blättrigen Bruch verbürgt, uns in ihr nebst a : c : ocb \ wohl 
die primärsten unter den Schief- Endflächen des Systemes hat erkennen 
lassen. 

Ein Zonenpunct endlich — wir erschöpfen nicht, sondern wir enden 
hier blos — ein Zonenpunct - f (a' + -f J ) = (7«'+^) wird durch den 
Durchschnitt von^mit c entgegengesetzten b's, und ein Zonenpunct -^ (sa + 2 b) 
= (~a+ ^b) durch den Durchschnitt von n mit u entgegengesetzten b's 
bestimmt. 

Aber ein Gegenstand ist uns noch übrig von allgemeinerer Erheblich- 
keit und Anwendbarkeit, nemlich die Übertragung solcher Flächenausdrücke, 
wie sie die Levy'schen beim Euklas, also im Wesentlichen die Haüy'schen 
Decrescenzausdrücke bei 2- und 1 -gliedrigen Systemen sind, in die unsrigen. 

Wenn Haüy oder Levy in solchen Fällen die abzuleitenden Flächen 
auf eine hendyoedrische Grundform mit verlängerter oder verkürzter Axe c 
beziehen (auf eine schiefe rhombische Säule, wie sie auch genannt wird), so 
kommt es, wie man sieht, zuförderst auf das Verhältnifs von II (oder h) (') 



(') Haüy schreibt die Buchstaben grofs, Levy klein, wodurch die Höhe der Grund- 
form ausgedrückt wird. 

Physik.-math. Kl. 1841. Mm 



274 Weiss 

zu c an, und ob beide, die eine und dieselbe Richtung ausdrücken, un- 
ter sich commensurabel sind oder nicht ; im ersten Fall werden wir ein ächt- 
2- und 1 -gliedriges, aus 3 unter einander rechtwinklichen Dimensionen ab- 
leitbares System vor uns haben, im letzteren eines, welches der Darstellung 
nach von einem solchen abweicht. Da nun die aus Messungen von Winkeln 
direct gefolgerten Resultate der Lineargröfsen ihrer Natur nach nur Annähe- 
rungen sein können, so fragt es sich überall um den Grad der Annäherung 
au ein möglichst einfaches Verhältnifs. 

Wenn Hr. Levy an seiner primitiven Form des Euklases den stum- 
pfen Winkel der Seitenflächen zu 11 4° 50', die Neigung der Endfläche gegen 
die Seitenfläche zu 11 8° 46' und das Längenverhältnifs der Endkante ( 4 ) zur 
Seitenkante = 1 : 0,5233 angiebt, so findet sich, die halbe kurze Diagonale 
des Querschnittes der Seitenflächen = a, die halbe grofse Diagonale = b 
gesetzt, sein h hinlänglich nahe = -f-c» wenn 2 c die Höhe oder die Seiten- 
kante des ächten Hendyoeders, oder wenn c das durch das Perpendikel vom 
Mittelpunct der Endfläche auf die (hintere) Seitenkante abgeschnittene Stück 
der Seitenkante an dem scharfen Winkel ist, welchen die Endfläche mit der 
hinteren Seitenkante bildet. Die Neigung der Scbief- Endfläche gegen die 
Seitenkante hat c zum Cosinus, wenn a der Sinus ist. Die Rechnung aus 
obigen Prämissen giebt das Verhältnifs der Endkante zu \c — 1 : 0,5263. 



Die allgemeinen Formeln der Übertragung sind nun diese : 
Eine intermediäre Decrescenz, als allgemeinster Fall, nach Haüy oder 
Levy geschrieben, wenn sie Statt findet an der stumpferen Ecke O, 



(d—, d — , h — J, ist = 
n m r / 



h 



c rn — n 2 r 

2r T 



(*) Wäre anstatt des Verhältnisses der Endkante zur Seltenkante das der Längendiago- 
nale (schrägen Diagonale) der Endfläche gegen die Seitenkante angegeben, so würde die 
Rechnung vereinfacht. 



275 



über das Krystallsystem des Euklases. 

wenn sie Statt findet an der scharfen Ecke A, 
(6J_, 5 _L, Ä _L) = 

\ n m' r / 

wenn sie Statt findet an der Lateralecke E, 

(*f«±.*-r)- 



Hierin liegen die einfacheren Fälle mit begriffen der geraden Decres- 
cenzen an den Endkanten oder Ecken. 

Wenn im erstem Fall m = n, so ist es eine gerade Decrescenz an O 

r 

auf der Endfläche betrachtet; und da alsdann der Ausdruck O so viel be- 
deutet als (d'd'h~\ so ist 



a 


b 


h 


c 

m -f- n — 2r-y- 
li 


m — n 


2r 


-alecke E, 


a 


b 


h 
2r 


c 

m — n -t-2r ~y 
n 


m — n 



o = 



a:ocb : — 
r 



Wenn im zweiten Fall m = n, so ist es eine gerade Decrescenz an A, 
auf der Endfläche betrachtet; und der Ausdruck A, welcher so viel bedeu- 
tet als (b'b'h~\ wird 

A = 



a:ocb: c 

r 



Wenn im dritten Fall m = 7i, so ist es eine gerade Decrescenz an der La- 
teralecke E; und da der Ausdruck E' so viel bedeutet als \b' d'g~ V so ist 



a : 



Wenn im ersten Fall m oder n = r, so wird es eine gerade Decres- 
cenz an O auf der Seitenfläche betrachtet; und der Ausdruck O m oder m O, 
welcher so viel bedeutet als (d^d'h' V wird 



O m = 



a 


b 


h 

2 


m-t-1 + 2-^ 


m — \ 



a : 



. h ( r > 



h(m — 1) 



2 c 7 hin 

— 6 : — i - 



+ c 



Wenn im zweiten Fall m oder n = r, so wird es eine gerade Decres- 
cenz an A, auf der Seitenfläche betrachtet; und der Ausdruck A m oder 
m A, welcher so viel bedeutet als (b~™b l d [ \ wird 

Mm 2 



276 



Weiss 



A m = 



a' b 


h 

2 


c m — 1 



a' 


h (m -f- l) — 2c j 


h (m •+- 1) 
2 



Wenn im dritten Fall n = r, so wird es eine gerade Decrescenz an 
E, auf der vorderen Seitenfläche (nach oben); wenn m = r, eine derglei- 
chen auf der hinteren Seitenfläche betrachtet; daher hier die Haüy'sche 
Bezeichnung E" oder 'E ganz zweideutig wird; 



E m =(d t b^g l ) = 



und n E = (d^b , g , ^= 



a 


b h 


m — 1 + 2-^- 
h 


TO-f-1 2 



h(m — l)-f-2c 7 h(m — i) 

a: -~ — '— — 6:-^ + c 

Ä(m-t-l) 2 



a b 


h 
2 


1 — n -+-2-T- 
h 



a: 



h(\ — n)-t-2c,h(l — n) 
h(i-+- n) 2 



Eine gerade Decrescenz an der scharfen Endkante B bedeutet so viel 
alsf b°°b' h~ r \ = (b~°' b' h~\, wenn man sie als eine intermediäre an der schar- 
fen Ecke O denkt, oder sie repräsentirt den Fall, wo n = o, und m = l 



B = 



l — 2r- 



2r 



(2rc\ j h 
i — — 16: c 
h / 2r 



Dieselbe Decrescenz B läfst sich auch ansehen als eine intermediäre 

d'b°g r J, also hier als der 
Fall, wo n = l und m = o wird ; daher wiederum nach der dritten Formel 



B 


= 




a 
C 


: 


6: 


h 
2r 






2r 


~h~ 


-l 







welches mit dem vorhergehenden identisch ist, da, wenn 2r— — l negativ 



wird, 



2r -k~ l 



l — 2r- 



; denn d ist nichts anders als = — a. Umgekehrt 



wenn l — 2r — eine negative Gröfse wird, so wird 



1 — 2r-r- 
n 



c 
2r T -i 



; über- 



haupt, wenn der Coefficient einer Dimension negativ wird, so gilt ihr Werth 
in der entgegengesetzten Richtung. 



über das Kristallsystem des Euklases. 



277 



Eine gerade Decrescenz an der stumpfen Endkante, D, läfst sich eben 
so auf doppelte Art auf die ersten Formeln zurückführen ; denn sie bedeutet 
so viel als (d'd T h~y, es ist also nach der ersten Formel n= l, m = o, und 



D = 



a 




:fi 


h 




c 




2r 


1 -f-2r 


77 







(— — \ 
d° b'h r \, also ra = o, m = l, 

D = | -:5:i 1 = [ „:(!lf + i)a:JL + c 



a 




:A: 


h 




tf 




2r 


H-2r 


77 







h und c sind verschiedene Gröfsen in derselben Richtung, oder ver- 
schiedene Einheiten in derselben, gewählt im Vergleich gegen die anderen 
Richtungen ; daher ist — ■ immer eine reine Zahlengröfse ; und der Ausdruck, 
allgemein genommen, würde die Irrationalzahlen eben so wie die rationalen 
umfassen. Ist nun beim Euklas h = -§-c, so wird z. B. die Fläche 
[ 3a : b : - 



i 



f=B = 

3 

r =D = 

i 

d = A 2 — 



\±ä'.b:±c ] = 



a-.-^b 



]■ 



j-J^J-c], - - 



I = (jWtfr) = | ^q:A:-fc l = 

Wir haben zweier von Levy angegebener Flächen nicht gedacht, die 
er als f 6 3 ö"*~äM und als (b*d T g i ) bestimmt hat. Ersteres gäbe ■^■a': -f-ö : -§-c 

= fajÄj4-cl; letzteres gäbe —j- : ^-b 



a : ~b : -f c |, wie oben S.258. 



-T* : -V c > 



■ a:-^b:-jc ], 



Wz+bz+c] , - - 



^-•-rbz+c] , - - 



±az-hbzArc \ - 



c = 



ä.Arb: 



Es ist nicht 



wahrscheinlich, dafs diese Bestimmungen genau sind. Wollte man sie in 



unsere Figur eintragen, so würde a':b:-^-c als -^a-.-^b-.-^-c zunehmen 



278 Weiss 

sein, damit sie das -^c oder den gemeinschaftlichen Werth in c so bekäme, 
wie wir ihn für die übrigen Flächen geschrieben hatten. Aber weder das 
Verhältnifs a:b überhaupt kommt nach dem Gange eines 2- und 1-glie- 
drigen Systems, wie das des Euklases, irgend einer Analogie gemäfs, bei 
einer Endigungsfläche vor, noch hätten die besonderen Werthe -^a und ^b 
für die zu projicirende Fläche irgend eine genügende Begründung für sich. 
Die Fläche La' : -^b : -±-c (dem Gegenstück von o, la': -^-b : 4-c jedenfalls 
sehr nahe), hat in dem Verhältnifs a: Aj-b wieder nicht die geringste Wahr- 
scheinlichkeit, dafs sie genau bestimmt sei, für sich. Da nun ohnehin diese 
Levy'schen Angaben auch fast nur mit einigen Winkelangaben in ganzen 
Graden begleitet sind, so mögen sie hier, nicht weiter erörtert, auf sich be- 
ruhen. 

Dasselbe mufs mit der Haüy'schen Fläche y geschehen, welche so 
beschrieben ist, dafs sie, 'wenn f = -±- d : -±- b : c\ (s. oben S. 259), 



'- d:~b:c\ sein, ihre schieflaufende Endkante also eine 10 fach 



schärfere Neigung gegen die Axe haben müfste, als die von^, folglich eine 
Neigung von nur 6° 45'; dies möchte doch nach den Abbildungen kaum ge- 
meint sein, läfst also um so eher einen Irrthum vermuthen, und ist jedenfalls 
so beschaffen, dafs es scheint, als sei diese Bestimmung nur sehr hypothe- 
tisch gemacht. Auch diese Fläche also bleibe, bis ihr Werth sich näher ver- 
bürgen läfst, auf sich beruhen. Die übrigen gegenseitigen Bestimmungen 
der Lage der Flächen aber, wie sie Haüy giebt, halten wir in Übereinstim- 
mung mit anderen Messungen durch die Levy'schen Bestimmungen für be- 
richtiget. 

Fassen wir nun noch einmal das wichtigste, was wir von dem Euklas- 
system erörtert haben, so gut es anschaulich in Worten sich ausdrücken läfst, 
zusammen, so ist es dies: 

1. Es sind für das Euklassystem aufser den für sich ins Auge fallen- 
den Zonen, der horizontalen nemlich, und den Diagonalzonen verschiedener 
Schief- Endflächen, zwei andere Zonen von besonderer Wichtigkeit, in 
welchen seine Seitenflächen s von einer Reihe seiner (augitartig gepaarten) 
Endigungsflächen geschnitten werden, in der einen von n, d und c, der andern 



über das Krystallsystem des Euklases. 279 

von n,f und r; wir nennen sie Kantenzonen mit Beziehung auf diejenigen 
Schief- Endflächen, welche die Seitenflächen s in den nemlichen Linien 
schneiden würden, also deren Endkanten, wenn sie als Schief- Endflächen 
vorhanden wären, der Axe einer solchen Zone parallel sein würden. Die 
Flächen d und c würden in der ersten die stumpfen, n die scharfen End- 
kanten abstumpfen; in der zweiten r die stumpfen, n undy die scharfen, 
doch so, dafs n auf der nemlichen Seite des Endes bliebe, als diese Schief- 
Endfläche,y*auf der entgegengesetzten. 

2. Die Schief- Endflächen, welchen diese beiden Kantenzonen angehören 
würden, haben unter sich und gegen die Schief- Endfläche, in deren Diago- 
nalzone die Flächen n, o und q liegen, das Yerhältnifs von Verdoppelung 
ihrer Neigung gegen die Axe, so dafs, von der letzteren als der am stumpfsten 
geneigten ausgegangen, die eine von jenen die 2 fach schärfere Neigung ge- 
gen die Axe hat, und auf der entgegensetzten Seite des Endes liegt, die 
zweite abermals die 2 fach schärfere der vorigen, und wieder entgegenge- 
setzt, also auf gleicher Seite wie die erste, mit 4fach schärferer Neigung 
gegen die Axe von dieser. Die letztere ist die Schief- Endfläche p der Levy'- 
schen primitiven Form, nicht das Pder Haüy'schen. Hiernach scheint Levy, 
ohne dafs er sich darüber bestimmt ausdrückte, entweder einen (versteckt-) 
blättrigen Bruch ihr parallel, oder sie selbst als Kry stallfläche beobachtet zu 
haben; letzteres gewifs nur selten und in geringer Ausdehnung. Von der 
stumpferen von beiden ist weder das eine, noch das andre beobachtet. Im 
Gegentheil also : beide diese Schief- Endflächen, deren Kantenzonen so wich- 
tig sind, pflegen als Krystallflächen nicht vorzukommen. In ihren Dia- 
gonalzonen kennt man keine einzige Fläche; die vielen augitartigen 
Endigungsflächen des Euklases liegen sämtlich in anderen Diagonalzonen. 
3. Diese Diagonalzonen sind : 

a. Die schon genannte, in welche n nebst o und q gemeinschaftlich ge- 
hört. Die ihr entsprechende Schief- Endfläche ist ebenfalls weder im blätt- 
rigen Bruch noch als Krystallfläche beobachtet worden. 

b. Diejenige Diagonalzone, in welche die Flächen/^ und d gehören. Ih- 
rer Schief- Endfläche, wenn sie auch auch als Krystallfläche wenig oder nicht 



280 Weiss 

vorgekommen ist, entspricht ein deutlicher blättriger Bruch; daher ist 
sie die Haüy sehe Schief- Endfläche. Sie liegt auf der entgegengesetz- 
ten Seite des Endes, als die vorige, und hat die 5 fach schärfere Neigung 
gegen die Axe. 

c. Diejenige, in welche die Flächen r, u und i gehören; ihre Schief- 
Endfläche, wiederum weder als Kry stallfläche, noch als blättriger Bruch be- 
obachtet, läge auf der ersteren Seite des Endes; sie hätte die 7 fach schär- 
fere Neigung nach gleichem Maafse. 

d. Noch giebt es eine, in welcher die Fläche c liegt; die ihr entsprechende 
Schief- Endfläche läge wieder auf der entgegengesetzten Seite des Endes, auf 
der, wo das Haüy'sche P liegt, und hätte die 11 fach schärfere Neigung 
gegen die Axe, nach dem nemlichen Grundmaafse. 

4. Sehr characteristisch für den Gang des Zonenverbandes ist unter 
den augitartigen Endigungsflächen eine, welche in den beiden erstge- 
nannten Kantenzonen (*) und in der erstgenannten Diagonalzone 
gemeinschaftlich liegt; das ist n. Hieraus fliefst, wenn man will, das 
übrige durch einfache und sehr symmetrische Combination; welches im Ein- 
zelnen zu wiederholen, die Absicht dieser Schlufszusammenfassung nicht ist. 

5. Die strenge Kenntnifs des Zonenverbandes ist von der Wahl des 
Ausgangspunctes in der Darstellung unabhängig; daher das, was als primitiv 
oder was als seeundär anzusehen sei, für die rein mathematische Betrachtung 
beliebig erscheint. Wenn man von den beiden oft erwähnten Kantenzonen, 
also von den Seitenflächen s und den Schief- Endflächen, welche mit s diese 
Kantenzonen constituiren, d.i. von dem Levy'schen p und einer 2 fach 
stumpfer geneigten der entgegengesetzten Seite des Endes ausgeht, so wird 
durch sie die Schief- Endfläche, in deren Diagonalzone n, o und q liegen, 
bestimmt; umgekehrt die Levy'sche p wird (als die 4 fach schärfer ge- 
neigte) bestimmt, wenn man von letztgenannter Schief- Endfläche und der 

(') versteht sich mit gleichsinnigem ö, d.i. gleicher Seite (rechts oder links); denn 
in beiden Kantenzonen mit entgegengesetztem b liegt die Seitenfläche s selbst, so wie 
in den je zwei gleichartigen (der einen oder der andern Art) die Schief-End fläche, 
deren Kantenzonen eben die so combinirten sind. 



über das Krystallsystem des Euldases. 281 

2 fach schärfer geneigten (entgegengesetzter Seite) ausgeht, u. s. f. Allein 
die eine wie die andre dieser Grundansichten lassen einen gewissen Mangel 
an Befriedigung darin zurück, dafs der deutliche blättrige Bruch, parallel 
dem Haüy'schen P, mit der 5 fach schärferen Neigung (die stumpfste je- 
ner drei, auf der entgegengesetzten Seite des Endes zum Grunde gelegt), 
dem Ausgangspunct der Betrachtung so fern stehen bleibt. Geht man hin- 
gegen von ihm, nebst der 5 fach stumpferen Schief- Endfläche entgegenge- 



setzter Seite, und von den Seitenflächen a :26:00c aus, dann scheint diese, 
(obwohl hypothetische) Auffassungsweise des Systemes wohl die naturgemä- 
fseste. Dann erscheint auch der Combinationsgang in der Entwickelung der 
Euklasflächen als eine Fo utsetzung von jenem allereinfachsten eines 2- und 
1-gliedrigen Systems bei Feldspath, Hornblende und Augit; eine Fortset- 
zung, wie schon der Gang des Epidotsystemes als ein solcher angesehen 
werden kann. Entwickeln sich nemlich beim Feldspath in der vertikalen 
Zone die Flächen mit 3 fach und 5 fach schärferer Neigung evident aus den 
Gegenstücken mit einfacher, so treten beim Epidot eben die mit 3- und mit 
5 facher, entgegengesetzten Seiten angehörig, als die herrschenderen auf; 
beim Euklassystem würde es nur die 5 fach schärfere, der einfach geneigten 
entgegengesetzter Seite gegenüber, sein. Die beiden Kantenzonen beträfen 
zunächst die Seitenflächen h. In der Kantenzone der schärferen und der 
Diagonalzone der stumpferen läge wieder die Fläche n; in der Kantenzone 
der stumpferen und der Diagonalzone der schärferen läge d\ in der letzteren 
Kantenzone läge aufserdem /•, in der ersteren u. Aber die Seitenflächen h 
würden nächstdem verdrängt durch die 2 fach schärferen der horizontalen 
Zone, s, deren Bestimmung zuerst durch die Zonen von n nach d', so wie 
von n nach r ', gegeben wäre. Gegen diese Seitenflächen s richteten sich neue 
Kantenzonen von den vorigen Schief- Endflächen aus. In die neue Kanten- 
zone der schärferen (Haüy's P) und die Diagonalzone der stumpferen fiele 
jetzt o; in die neue Kanlenzone der stumpferen und zugleich in die ältere 
Kantenzone der schärferen fiele u; f aber in eine Diagonalzone der schärfe- 
ren und in eine durch den Durchschnitt von n und r mit s bestimmte Kan- 
tenzone einer Schief- Endfläche, welche dem Levy'schen p correspondirt. 
Physik- math. KL 1841. Nn 



282 Weiss über das Kryslallsystem des Euklases. 

Und so folgt mit Leichtigkeit noch das übrige. Bei einer solchen Betrach- 
tung wird man aber nicht allein die Dienste inne, welche die graphische Dar- 
stellung der Kristallsysteme leistet, sondern man wird ihre Unentbehrlich- 
keit gewahr; denn keine andere Methode würde auf eine anschauliche Weise 
solche Betrachtungen zu verfolgen erlauben. Jene Ausbildung von zweier- 
lei Kantenzonen aber, von den gegebenen Schief- Endflächen aus sowohl 
nach h, als nach s, den 2 fach schärferen von jenen — ; zeigt uns Horn- 
blende und Augit eben dies beides getrennt, so würde das Euklassy- 
stem (wohl verstanden zwei verschieden geneigte Schief- Endflächen in dem 
angegebenen Verhältnifs zum Grunde gelegt) — dieselbe zwiefache Entwik- 
kelung von Kantenzonen vereinigt zeigen. 



-;//v7A- 



foSa Jleiii-Jtt ■«. dwJiu&lasafs&m.J&il 




über 

den Bau der Farrnkräuter. 



Vierte Abhandlung. 



H r 



Von 

LINK. 



\\\M\\V\\\^\\^ 



[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 18. November 1841.] 



I 



n den vorigen Abhandlungen über den Bau der Farrnkräuter ist besonders 
und fast ausschliefslich von den Polypodiaceen gebandelt worden. Wirk- 
lich sind sie auch Farrnkräuter in der gröfsten Vollendung ihrer Eigenthüm- 
lichkeit, und die andern Ordnungen dieser Klasse von Gewächsen nur als 
Übergänge zu den übrigen Ordnungen und Klassen des Pflanzenreiches zu 
betrachten. Die Farrnkräuter, besonders die Polypodiaceen, gehören gleich- 
sam der Urwelt an, unter deren Überresten sie sich auch noch jetzt in der 
gröfsten Menge finden. Die organischen Gestalten der Urwelt fallen auf 
durch die Übertreibungen einzelner Theile, durch ein Schwanken der Bil- 
dungen von einem Aufsersten zum andern, durch das einseitige Streben nach 
Entwickelung, welches die Ausbildung des Ganzen hemmt und unterdrückt. 
Eben so in den Farm der jetzigen Welt. Das Blatt strebt nach dem höch- 
sten Grade der Entwickelung und Vollkommenheit; es findet sich oft von 
aufserordentlicher Gröfse und Schönheit, ein Cibotium Schicdei, ein Po- 
typodium effusum, eine Davallia adiuntoides setzen in Verwunderung durch 
diese Gröfse und Schönheit der Blätter. Dagegen ist die Blume ganz ver- 
schwunden; einzelne Fruchthaufen aus kleinen Früchten zusammengesetzt, 
brechen aus der Bückseite der Blätter hervor, und die Körper, welche den 
Staubfäden gleichen, entspringen zwischen ihnen, den wirklichen, zweckmä- 
fsig gebauten Staubfäden eben so ähnlich, wie das Auge des blinden Maul- 
wurfs dem Auge des verwandten, sogar in der Nacht sehenden Igels, Es ist 

Nn2 



284 Link 

daher allerdings die Frage, ob sie zur Befruchtung dienen, oder nur der Ge- 
stalt wegen da sind, wie die Flächen an einem Kryslall. 

Es ist in den vorhergehenden Abhandlungen genugsam erwiesen, dafs 
es drei Arten von Stämmen unter den Farrnkräutern giebt. Zuerst der 
wahre Stamm, der entweder unter oder über der Erde kriecht, und den man 
deswegen oft für die Wurzel gehalten hat. Er ist dem Monokotylenstamme 
ähnlich, in sofern sich die Holz- oder Gefäfsbündel nicht in einen Ring ver- 
einigen, unterscheidet sich aber dadurch, dafs diese Holzbündel nicht an 
Dicke einander gleich, sondern sehr ungleich sind. Die zweite Art von 
Stamm ist der Knollstock, wie wir ihn auch bei manchen anderen Pflanzen, 
namentlich beim gewöhnlichen Sellerie {Apium graveolens) finden. Dann 
findet sich aber noch eine dritte Art des Stammes allein bei den Farrnkräu- 
tern; eine Verbindung von Stamm und Blattstielen, eine verlängerte Knospe 
gleichsam, die sich oft zu einer ansehnlichen Höhe erhebt und die baumar- 
tigen Farrn bildet, wie sie allein zwischen den Wendezirkeln vorkommen. 
Wir wollen die Form des Stammes in Augen behalten, nicht allein, weil sie 
auf die Hauptabteilungen der Pflanzen, auf die Eintheilung von Monokoty- 
len und Dikotylen einen grofsen Einflufs hat, sondern auch, weil sie die Stu- 
fen der Bildung an den Farrnkräutern am besten bezeichnet. 

Ehe ich die Polypodiaceen verlasse, mufs ich einige Bemerkungen 
hinzufügen. An den Gleicheneaceen bemerken wir eine sonderbare Abwei- 
chung von dem gewöhnlichen Bau. Das Blatt oder vielmehr der Wedel, 
weil auf der Rückseite die Früchte erscheinen, hat einen fortgesetzt zweithei- 
ligen Stiel, wie er bei den übrigen Polypodiaceen nicht vorkommt, und gar 
oft findet man in dem Winkel der untersten Gabel eine wahre Knospe, näm- 
lich die zusammengezogene Fortsetzung des gegabelten Wedels. Es ist die- 
ses eine offenbare Andeutung, dafs der Wedel kein blofses Blatt ist, woran 
sich niemals eine Knospe findet noch finden kann, sondern eine Verbindung 
von Blatt und Zweig, wie er auch in den vorigen Abhandlungen ist darge- 
stellt worden. 

Der Ring, gyroma, welcher das sporangium ganz oder zum Theil um- 
giebt, ist ein wesentliches Kennzeichen der Polypodiaceen. Er besteht aus 
abwechselnd weiten und zarten, so wie schmalen und festen Zellen, die einen 
Abschnitt eines hohlen Cylinders bilden und in einen Kreis gestellt sind. 
Die schmalen Zellen haben eine braune Farbe. Am innern Rande des Rin- 



über den Bau der Farrrikräuter. 285 

ges sind die Zellen genauer mit einander verbunden, wie am äufsern, wenn 
sie also in der Feuchtigkeit sich verlängern, wie alle vegetabilischen Theile, 
so krümmt sich der Ring, reifst die zarten Seitenwände des Sporangiums von 
einander und die Samen fallen aus. Diefs ist die Function des Ringes ohne 
Zweifel. Aber atifser der Function eines Theiles ist auch sein Formverhält- 
nifs zu betrachten, denn wir wissen im Pflanzenreiche gar wohl fast alle For- 
men auf Regelmäfsigkeit, auf eine Musterform, auf einen Typus zurückzu- 
führen, und bei jedem Theile fragen wir nach seiner Stelle in jener Muster- 
form. Aber der Ring an den Sporangien der Farm, der sieb auch in der 
Kapsel der Moose wiederfindet, steht so einzeln da, dafs man ihn nicht wohl 
unterzubringen vermag. Vielleicht gehört er zu den Secretionsorganen, die 
sich im ganzen Pflanzenreiche durch ihren sonderbaren Ran von allen andern 
Pflanzentheilen unterscheiden; vielleicht ist er nur ein Blattnerve. 

Ich wende mich nun, die Poljpodiaceae verlassend, zu den übrigen 
Ordnungen der Epipltylluspermae, einer Abtheilung der Farrnkräuter. Die 
erste Ordnung, welche wir hier zu betrachten haben, ist die der Maratiia- 
ceae, im Wedel den Polvpodiaceen ganz ähnlich, durch die Früchte aber 
sehr verschieden. Angiopteris trägt längliche Früchte am Rande der Blatt- 
oder Wedelabtheilungen, sie zerfallen zuletzt in 10- 12 gegenüberliegende, 
zweiklappig aufspringende Sporangien. Maratlia hat sie an denselben Stel- 
len; sie sind ebenfalls von länglicher Gestalt, aber die 10-12 auch seitwärts 
verwachsenen Sporangien werden von einer festen Umhüllung, von einem 
sporicarpium eingeschlossen, welches der Länge nach in zwei Klappen auf- 
springt. Beim ersten Rlick erscheinen die Früchte von Angiopteris und 
JMarallia sehr ähnlich. An Danaea aber liegen die Sporangien zu beiden 
Seiten an dem ganzen Nerven hinunter, sie sind seitwärts verwachsen und 
von einer festen Umhüllung umgeben, die sich bei jedem Sporangium durch 
ein Loch öffnet, so dafs zwei Reihen von gegen einander überstehenden Lö- 
chern entstehen. Die Stellung der Sporangien an den Polypodiaceen ist 
hier wiederholt, die Haufen (sori) stehen am Ende der Blattnerven oder zu 
beiden Seiten längs derselben, nur die Umhüllung ist fest und dicht gewor- 
den, entweder um die einzelnen Sporangien, oder um die ganzen Haufen, und 
durch die letztere Gestaltung ist eine Annäherung an die Früchte der mehr 
ausgebildeten Gewächse, an die Früchte der Phanerogainen entstanden. 



286 Link 

Die Ordnung der Maratliaceae steht den Polypodiaceen sehr nahe. 
Indem wir uns aber von ihr entfernen und zu den übrigen Ordnungen der 
Epiphyllospermae übergehen, finden wir eine Menge einzelner Gattungen, 
ausgezeichnet durch besondere Kennzeichen und so abweichend von einan- 
der, dafs man mit Mühe das Allgemeine aufsuchen mufs, um sie in Ordnun- 
gen zusammenzustellen. So ist es überhaupt in der Natur. Zwischen den 
gröfsern an Arten und Gattungen reichen, durch viele Kennzeichen scharf 
bestimmten Ordnungen sind einzelne abweichende Gattungen zerstreut, wel- 
che gleichsam durch schwache Fäden die gröfsern Ordnungen verbinden. 
Unter diesen treffen wir zuerst auf die Anemiaceae. Sie unterscheiden 
sich durch die Frucht, deren Scheitel mit einem schmalen Ringe (gyroma) 
umgeben ist. Der Gipfel der Frucht besteht aus einer kleinen Rose, so zu 
sagen, von eckigen Zellen, und erst unter dieser finden wir den Ring, der 
fast gebauet ist, wie der Ring der Polypodiaceen, nur umgiebt er das Spo- 
rangium nahe unter dem Scheitel, auch sind die Zellen viel länger, und die 
wechselnden braunen Zellen so schmal, dafs man sie für Querwände halten 
könnte. Übrigens springen die Früchte in zwei Klappen auf, von einer fe- 
stern Consistenz als die Früchte der Polypodiaceen. Die Gattung Anemia, 
wovon die Ordnung den Namen erhalten hat, besteht aus nicht gar vielen 
Arten, die aber alle einander sehr ähnlich sind. Ein Rlatt, gefiedert oder 
doppelt, kommt aus der Erde und umschliefst mit seinem Stiel in der Regel 
zwei ästige Fruchtstiele, seltener einen, an denen die Früchte haufenweise 
sitzen. Durchschneidet man den Rlattstiel unter den Fruchtstielen, so fin- 
det man ein bogenförmiges Holzbündel und darin an jedem Ende ein bis 
zwei kleinere fast runde Holzbüudel; in dem Rlattstiel hingegen so wie in 
den Fruchtstielen befindet sich nur ein bogenförmiges Holzbündel, ohne 
jene Nebenbündel. Dieser innere Rau hat also die gröfste Ähnlichkeit mit 
dem Rau der Polypodiaceen, der Rlattstiel ist der allgemeine Wedelstiel und 
die Fruchtstiele sind die einzelnen Theile, gleichsam die Federstücke des 
Wedels. Wir müssen nnnehmen, dafs die Früchte die Rlättersubstanz zum 
Verschwinden gebracht oder absorbirt haben, wie dieses in den Osnundaceen 
deutlich Statt findet. Die Gattung Anemia gehört also ohne Zweifel zu den 
Filices cpiphyllospermae. Das Holzbündel im Blattstiel ist mit einer dicken 
leicht zu trennenden Rinde umgeben, so dafs ein Stamm in dem andern zu 
stecken scheint. Ich habe den innern Rau einer Anemia und zwar von 



über den Bau der Farrnhräuter. 287 

Anemia densa in den Icon. anal. bot. sei. f. 3 t. 4 darstellen lassen, doch nur 
eine kurze Erklärung dazu gegeben, welche hier vollständiger mit Ausein- 
andersetzung der Gründe erfolgt. 

Die Gattung Lygodium, welche man wegen der Gestalt der Frucht 
zu dieser Ordnung rechnen kann, hat eine sonderbare ganz eigentümliche 
Gestaltung, wie sie in der ganzen Reihe der Farrnkräuter nicht wieder vor- 
kommt. Ein Blattstiel kommt aus der Erde hervor, der sich zwar immer 
fiederförmig theilt, aber im Ganzen sehr mannigfaltig gestaltet ist, da wo er 
Blätter oder vielmehr Blättchen trägt, biegt er sich hin und her, und an den 
Spitzen, wo die Blättchen noch ganz klein sind, wird er wahrhaft rankend 
(scandens), indem er sich auch um andre Körper schlingt. Die untern Blätt- 
chen haben gewöhnlich eine andere, meistens schmalere und längere Gestalt, 
als die oberen, worauf sich die Früchte befinden. An den verlängerten 
Zähnen und Spitzen derselben entwickeln sich die Fruchtähren. Diese ver- 
längerten Spitzen sind am Rande tief, bis auf den Blattnerven gekerbt, die 
Kerbstücke gegen die hintere Seite zurückgeschlagen und auf dieser Seite 
hinter den Kerbstücken sitzen die stiellosen, zweiklappigen Sporangien, mit 
einem obern Ringe versehen, wie an den vorigen Gattungen. Aus dieser 
Stellung der Sporangien auf den Blättern geht hervor, dafs auch diese Gat- 
tung zu den Epiphyllospermae gehört. 

Damit kommt auch der innere Bau überein. In der Mitte des Blatt- 
stiels findet sich ein Holzbündel und zwar in denen, welche ich untersucht 
habe, ein dreikantiges an den Seiten ausgeschnittenes Holzbündel. Die Ly- 
kopodiaceen haben ebenfalls in der Mitte ein Holzbündel, aber dieses ist im 
Querschnitt rund oder eiförmig, niemals an den Seiten ausgeschnitten und 
dadurch eckig. Dagegen finden sich in den Wedelstielen mancher Polypo- 
diaceen, z. B. verschiedener Adianten, der Gattung Scolopendium u. a. m. 
ähnliche Holzbündel in der Mitte des Wedelstiels, welche eigentlich aus drei 
gebogenen und mit dem Rücken einander genäherten Holzbündeln bestehn. 
So läfst sich der Bau von Lygodium auf den Bau der Polypodiaceen leicht 
zurückführen. 

Noch eine Sonderbarkeit findet an Lygodium Statt. Die Nebenstiele 
der Hauptwedelstiele stehen gegen einander über, sind an der Basis mit ein- 
ander verwachsen und dort dem Hauptstiele aufgewachsen. Wo die beiden 
Nebenstiele von einander abgehen, befindet sich eine Knospe, welche aber 



288 Link 

nicht zur Entwickelung zu kommen scheint. Das Ganze hat grofse Ähnlich- 
keit mit dem sprossenden Wedel und der Knospe der Gleicheniaceae, wo- 
von oben geredet wurde. Auch ist der Ring an Gleichenia polypodioides 
fast eben so gestellt als an Lygodium. 

Schizaea gehört hierher, vermöge der Frucht, die einen Ring hat wie 
an Lygodium. Auch die Ahrchen sind denen an Lygodium sehr ähnlich. 
Ich möchte die Gattung als ein Lygodium schildern, woran alle Blattsub- 
stanz geschwunden ist, und nur die Stiele und Mittelnerven geblieben sind. 

Die Gattung JSIokria steht den Polypodiaceen in aller Rücksicht so 
nahe, dafs es keiner weiteren Erläuterung bedarf. 

Die Ordnung der Osmundaceae haben die meisten Systematiker mit 
den Ancmiaceae verbunden, und sie mit dem Namen der erstem bezeichnet. 
Aber die Trennung dieser Ordnungen ist der Vereinigung vorzuziehn, denn 
natürlich sind diese Ordnungen doch nicht, vielmehr gehören sie zu den na- 
türlichen Ordnungen vom zweiten Range, wo verschiedene Formen durch 
ein Kennzeichen verbunden werden, wie die Leguminosae unter den Pha- 
nei'ogamen. Da nun aber die Charaktere der Ordnungen in der Frucht 
bestehen, und den Früchten der Osmundaceae der Ring fehlt, so ist es zweck- 
mäfsiger, beide Ordnungen, die Anemiaccae und Osmundaceae zu trennen. 
Man hat wohl die Rose von eckigen Zellen der Osmundaceen für eine An- 
deutung von einem Ringe gehalten, aber dieses ist ganz falsch, denn die Ane- 
miaceae haben Rose und den Ring zugleich. Man nennt die Rose auch ein 
tuberculum und das ist nicht ganz unrichtig, denn die Zellen treten vor den 
dünnen Seitenwänden hervor. 

Die Osmundaceae stehen den Polypodiaceen nahe und haben einen 
nicht unähnlichen innern Bau. Ein Wedelstiel kommt aus der Erde ver- 
schieden gebildet hervor, inwendig mit einem grofsen bogenförmigen, fast 
ringförmigen, doch keinesweges geschlossenen Holzbündel. Ähnliche For- 
men finden wir auch in den Polypodiaceen, z. B. in Dicksonia adiantoides, 
doch sind die beiden Schenkel des Bogens an dem letzten auswärts gekrümmt, 
wie ich schon in der Schrift: Filicum specics in Hort. R. bot. Berol. cullae 
Berol. 1841. p. 162 gesagt habe, doch scheint dieses keinen Hauptunterschied 
zu begründen. Die Früchte sitzen offenbar auf den Blättern; man sieht an 
vielen Arten, besonders an unserer Osmunda rcgalis oft Blättchen, deren 



über den Bau der Farrnkräuter. 289 

vordere Hälfte mit Früchten besetzt und daher ganz zusammengezogen, die 
hintere aber frei ist. 

Über denBau der Ophioglosseae habe ich schon in der ebenerwähn- 
ten Schrift etwas in der Kürze gesagt. Die Gattung Ophioglossum hat einen 
sonderbaren Bau, den ich besonders an Ophioglossum pcdunculosum unter- 
sucht habe. Die Pflanze treibt eine Menge langer dünner Wurzeln, die ich 
stoloncs genannt habe, weil aus ihnen sehr viele Stämme oder Wedel hervor- 
treiben, und zwar immer zwei dicht neben einander, ein sehr ungewöhnliches 
Verhalten. Da ein Holzbündel sich in ihnen befindet, obgleich nicht immer 
gerade in der Mitte, sondern etwas excentrisch, so habe ich diese stolones mit 
dem Stamme der Lycopodiaceen verglichen, wo ein ähnliches Verbalten be- 
merkt wird. — Aber wenn auf der einen Seite diese Vergleichung auch nicht 
unrichtig ist, so liegt auf der andern eine Vergleichung näher, nämlich die mit 
wahren Wurzeln. Es giebt nämlich wahre Wurzeln mit einem Holzbündel 
in der Mitte, (nicht stolones, denn diese haben den Bau des Stammes), welche 
sich weit verbreiten, und gar viele Stämme treiben, wie Senecio sarracenicus, 
Aristolochia Clematlitis u. a. m. Ich halte also diese vormals stolones genann- 
ten Theile jetzt für wahre Wurzeln. Was nun den Stamm von Ophioglos- 
sum betrifft, so scheint er zwar ein Wedel, eine Zusammensetzung von Blatt 
und Blütenzweig, aber der innere Bau stimmt damit nicht überein. Er ist in 
der Mitte hohl, mit drei auswärts gekehrten Buchten, und zwischen diesen 
Buchten befinden sich drei Holzbündel, ganz wie im Stamm von Equisetum, 
nur dafs dieser acht Buchten und acht Holzbündel hat. Ein Übergang folg- 
lich zu einer andern Abtheilung der Farrnkräuter, die sonst sehr verschie- 
den ist. Die Früchte sitzen in zwei Reihen, und sind mit einander verwach- 
sen, springen auch zweiklappig auf. Man könnte sehr zweifeln ob Ophioglos- 
sum zur Abtheilung Epiphyllospermae gehören, denn unser Ophioglossum 
vulgatum zeigt dieses nicht; und mir ist eine monströse ErweiterungdesFrucbt- 
stiels oder der Fruchtspindel gauz unbekannt. Doch Ophioglossum palmaturn 
zeigt, durch die blattartige Ausdehnung des Stammes, dafs man diese Gattung 
zu den Epiphyllospermae zählen dürfe. 

Dafs Botrychium dazu gehöre ist kein Zweifel. Man findet zuwei- 
len Monstrositäten, wo die Fruchtstiele blattartig ausgedehnt sind, so dafs die 
Früchte wirklich auf einem Blatte sitzen. Der innere Bau weicht aber sehr 
ab, und macht die Stellung dieses Farrns zweifelhaft, der Stamm hat an der 
Physilt. - math. Kl. 1 84 1 . Oo 



290 Link über den Bau der Farrnkräuter. 

Basis über der Wurzel zwar in der Mitte eine Höhlung, aber diese ist keines- 
weges regelmäfsig, wie an Equisetum und Ophioglossum. Nur zwei bogen- 
förmig aber nach innen gekrümmte Holzbüudel stehen zu beiden Seiten, und 
umgeben zum Theil die Höhlung. Nach oben zu haben sich diese Holzbün- 
del in vier kleine aber ähnliche getheilt. Der Bau würde mit dem Baue des 
Wedelstiels der Polypodiaceen ganz übereinkommen, wenn die Holzbündel 
auswärts gekrümmt wären, wie dieses bei den Polypodiaceen fast immer der 
Fall ist. Nur nach innen gekrümmte Holzbündel in der Ordnung der Poly- 
podiaceen sind mir nicht bekannt, wohl aber nach aufsen und innen zugleich 
gekrümmte, wie an Aspidium patens und andern. Es wäre daher wohl zweck- 
mäfsig aus den Botrychiaceae eine besondere Ordnung zu machen, welche 
zwischen den Ophioglosseae und den Osmundaceae zu stehen kämen. Die 
Früchte , ungeachtet sie auch keine Spur von Ring und von jenem aus- 
gezeichneten Zellenkranz der Osmundaceae haben, zeichnen sich doch sehr 
von den Früchten der Ophioglosseae aus , in denen sie frei stehen und nicht 
verwachsen sind, auch überhaupt an Stellung und Gestalt den Früchten 
von Osmunda so gleichen, dafs man es nicht sehr tadeln darf, wenn Linne 
und viele seiner Nachfolger die Gattung Botrychium mit Osmunda vereinig- 
ten. Botrychium Lunaria und so auch andere haben eine Knospe an der Ba- 
sis des Stammes oder Wedelstiels, die von diesem unten scheidenartig um- 
schlossen wird. Schneidet man den unternTheil oder den Stiel dieser Knospe 
durch, so findet man eine andere Knospe eingeschlossen, die erst im dritten 
Jahre hervorbricht, wie Kaulfuss zuerst bemerkt hat. Auf diese Weise findet 
man allerdings keine Knospen an andern Epiphyllospermae, aber Knospen am 
Wedelstiele sind schon oben von Gleichenia sowohl als Lygodium angeführt 
worden. Ein bequemes Kennzeichen der Botrychiaceae würden also die ge- 
trennten Kapseln ohne Ring und Zellenkranz, so wie der Ophiglosseae, die 
verwachsene Kapsel ohne Ring und Zellenkranz sein. 



Verbreitung und Einflufs des mikroskopischen 
Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 



y Von 

H rn - EHRENBERG. 



*VW><WV%'WV%'VW\ 



[Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 25. März und 10. Juni 1841 

mit spätem Zusätzen.] 



D ; 



I. Einleitung. 



"ie Beschäftigung mit den mikroskopischen Organismen, obwohl sie schon 
oft der Gegenstand meiner Vorträge gewesen ist, hat dessen ungeachtet wie- 
der so viel Material von einigem allgemeineren Interesse gegeben, dafs ich es 
wage, von Neuem die Aufmerksamkeit der Akademie dafür in Anspruch zu 
nehmen. 

Die mikroskopischen Wesen gehören nicht mehr allein in das Be- 
reich der systematischen Zoologie und haben nicht allein das, an sich auch 
grofse , Interesse , deren übersichtliche Schemata vervollständigen und aus- 
schmücken zu helfen, so dafs man etwa eine Beschäftigung mit diesem Gegen- 
stande der mit einer Fauna irgend einer willkührlich erwählten Gegend ver- 
gleichen könnte , was sich wieder mit den mancherlei nützlichen Problemen 
der Mathematik vergleichen läfst, die oft eine mehr oder weniger schwierige 
und interessante geistvolle Lösung, ohne gerade eine Anwendung, gestatten. 

Mit den unsichtbar kleinen Lebensformen verhält es sich anders. Das 
mikroskopische Leben hat sich in der neuern Zeit immer mehr von entschie- 
dener Anwendung und von entschiedenem Einflufs auf wichtige Fundamental- 
Begriffe vom Leben überhaupt und von dem Einflüsse des Lebens auf die uns 
zunächst umgebende und auf uns überall influenzirende todte Natur erkennen 
lassen. Ja die ganze Beschäftigung mit demselben ist sogar von dem Gesichts- 
punkte des Organischen, von der Physiologie ausgegangen und später erst ha- 

Oo2 



292 Ehren berg: V erbreitung und Einßufs 

ben sich die Beziehungen zum Unorganischen und zum Erdfesten daran an- 
gereiht. Noch ist der Gegenstand in dieser Ansicht von kurzem Alter. 
Noch giebt es viele Urtheile welche den kleinen Bau des wissenschaftlichen 
Strebens in seinem Werthe nicht erkennen, nicht gelten lassen und ihn höh- 
nend dem Gesichtskreise und Beschäftigungskreise ernsterer Wissenschaft ent- 
ziehen möchten. Wie jemand wohl so viele Mühe und so viel Lebenskraft 
an einen der scharfen Beurtheilung so unzugänglichen und so fern liegenden 
Gegenstand verwenden könne, ist zuweilen gesagt, öfter gedacht worden und 
der sicherste Beweis, wie tief diese Ansicht Wurzel gefafst hat, liegt darin, 
dafs jetzt , nach zehn Jahren der allmäligen fortschreitenden Entwickelung, 
eine Akademie der Wissenschaften einen Preis auf die Bestätigung gesetzt hat, 
und nur erst ein mit ganzer Wärme denselben Gegenstand auffassender Beob- 
achter hinzugetreten ist. 

Die Kraft welche dem Hirten Magnes oder Magnetes, wie Plinius er- 
zählt, seine eisernen Schuhzwecken am Steine festhielt, war wohl lange Zeit 
ebenso ein Spiel der Kinder und Frauen, wie die des Electrums. Die sy- 
rischen Frauen machten sich von Bernstein Drehrädchen oder Wirtelchen 
(yerticillos wie es Plinius nennt) an ihre Spindeln und freuten sich wenn beim 
Reiben dieFranzen des Kleides, oder Strohhälmchen, angezogen wurden, wes- 
halb sie denn den Bernstein Harpaga, Räuber, nannten. Mancher Ehren- 
mann mag damals diese Kräfte der todten Steine spielend im Ernste gar oft 
versucht haben und die geistvollsten Denker, Thaies und Plato, haben sich, 
den Begriff des Lebens suchend, wirklich mit solchen Spielen beschäftigt, ja 
sie würden sich noch vielmehr damit beschäftigt haben , hätten sie die Ent- 
wickelung zu ahnen vermocht, welche diese Gegenstände in späterer Zeit er- 
langt haben. Beide verschmähten, ihrer speculativen Richtung halber, und 
zum tiefen, wer weifs wie spät zu überwindenden, Schaden alles menschlichen 
Wissens, die speciellere Untersuchung, daher blieb ihnen die wahre Natur 
dieser Sonderbarkeit, so hoch sie sie auch stellten , doch ganz und gar ver- 
borgen. Daher fehlt uns jetzt jenes historische Fundament aus ihrer Zeit, 
daher müssen wir erst die Basis für die künftigen Geschlechter bilden, welche 
jene für uns schon hätten sein können. Jetzt giebt es für beide Spielereien, 
den Magnetismus und die Electricität, eigne ordentliche Professuren der Phy- 
sik an allen Universitäten der civilisirten Welt, und wenn ein tüchtiger mit- 
theilender Physiker Tag für Tag nur Bernstein, oder wie man jetzt thut, Glas 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord-Amerika. 293 

riebe, und die Gesetze dieses Wirkens glücklich beobachtete, oder Magnet 
und Eisen in ihrer Wechselwirkung zum Gegenstande neuer Forschungen 
und Aufschlüsse machte, so wäre er ganz in dem Kreise der ihm naturgemäfs, 
amtlich und politisch angewiesenen Stellung. Nur die unfruchtbare Thätig- 
keit und Geschäftigkeit, selbst mit an sich anerkannt einflufsreichen und ern- 
sten Dingen, kann zum Vorwurf werden. 

So möge denn die Fortsetzung der frühern Vorträge die wissenschaft- 
liche Bemühung und den Ernst bekunden, welcher im ersten lag und besonders 
daraufhinleiten, dafs die Gegenstände des mikroskopischen Lebens keines- 
wegs einer scharfen, ja der schärfsten Beurtheilung unzugänglich sind, viel- 
mehr immer anschaulicher werden lassen und völlig aufser Zweifel stellen, 
dafs die Beurtheilung der mikroskopischen Verhältnisse, so viel Unhaltbares 
die neueste Zeit auch liefern möge, den schärfsten Ansprüchen der Kritik 
eben so Genüge zu leisten vermag, wie es überhaupt in der die sinnlich er- 
reichbaren Y\ ahrnehmungen als den nothwendigen Prüfstein alles auf die Na- 
tur bezüglichen Denkens, ja als die reichste Quelle der Ei'kenntnifs wahrer 
und fester Naturgesetze ansehenden Naturforschung, manchen Sophismen ge- 
genüber, der Fall sein kann. 

Von der Methode, mit welcher mir immer vollständiger gelungen ist, 
einen völlig wissenschaftlich festen Grund für diese Forschungen zu erhalten, 
wird später die Rede sein. 

In einem vor wenig Tagen gehaltenem Vortrage in der physikalischen 
Klasse der Akademie konnte ich einen neuen unerwarteten Einflufs des klein- 
sten selbstständigen Lebens auf die Verschlammungen der Flüsse und Häfen 
mittheilen, dessen Feststellung mich im letzten Jahre angelegentlich beschäf- 
tigt hatte. Ich berühre diese \ erhältnisse hier nur, aus denen sich eine kräf- 
tige Theilnahme jenes Naturlebens an der Bildung von Flufs-Deltas, ja selbst 
des berühmten Nil-Deltas, directen Untersuchungennach, unläugbar ergiebt. 
Ja die Beobachtung hat so sehr alle Grenzen der sichtlichen Einwirkung schon 
überflogen, dafs es immer anschaulicher geworden ist, wie offenbar die or- 
ganischen kleinen Formen welche eine Kieselschale besitzen, eben so wie die 
mitKalkschale, allmälig den physikalischen Kräften verfallen, erst rauh, zuletzt 
ganz aufgelöfst werden oder in einen ganz oder halb krystallinischen (kry- 
stalloidischen) Zustand übergehen und wie mithin das organische Element 



294 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

auch in solchen sandigen Wasser -Absätzen, welche keine organischen For 
men mehr erkennen lassen, nun verständigerweise oft eben so schwierig abzu 
läugnen sein wird, als es oft festzustellen sein mag. 



II. Übersicht des Materials. 

Bei diesen mancherlei Beziehungen des kleinsten Lebens zur grofsen 
Natur fühlte ich mich denn besonders veranlafst die für Europa so mannig- 
fach schon ermittelten Thatsachen in einer gewissen gröfsern Ausdehnung 
mit den Verhältnissen anderer Welttheile zu vergleichen. Schon zu verschie- 
denen Zeiten habe ich seit einigen Jahren dergleichen vereinzelte Beobach- 
tungen, wie sie mir der günstige Augenblick, welcher meist nicht Zufall war, 
darbot, hier vorgetragen. Die mikroskopische Analyse des Kieselguhrs von 
Isle de France und von Lucon enthüllten solche Verhältnisse für dieLändermasse 
von Afrika und Asien, wozu sich der Polirschiefer von Oran und die ägypti 
sehen Kreidelager gesellten, so dafs für Afrika ein sehr reiches Bild solchei 
Erscheinungen schon vorliegt. Auch für Amerika gewann ich von meinem 
Freunde, Herrn von Martius, den efsbaren Letten des Amazonas-Stromes als 
noch sichtbar von organischen Elementen beherrschte Masse. Durch mei- 
nen Bruder, Herrn Carl Ehrenberg, hatte ich Gelegenheit aus den Umgebun- 
gen von Mexico dort jetzt lebende Formen der Flüsse zu erhalten, indem sie 
in den Conferven zahlreich eingenistet zu sein pflegen, die man leicht getrock- 
net versenden kann, wie ich denn schon 1828 die auf dem Sinai Gebirge mit 
Conferven gesammelten, in Tor an der Küste aber erst und sogar noch lebend 
beobachteten und gezeichneten Formen Arabiens beschrieb. Auf solche 
Weise erhielt ich auch 1838, eben beim Abschlufs des gröfsern Infusorien- 
Werkes 14 mexikanische Infusorien zur Ansicht, die nur noch am Schlüsse 
der Vorrede und Übersicht der Klasse der Polygastrica pag. *'** nament- 
lich angeführt werden konnten. Später kamen durch Herrn Bobert Brown 
in London und durch Herrn von Humboldt Proben eines Kieselguhrs aus In- 
fusorien von New -York an mich. Über diese habe ich 1839 der Akademie 
ausführlich berichtet. Es waren darin 14 Species, unter denen nur 4 aufser- 
europäische waren. Über denselben nordamerikanischen Kieseiguhr hatteauch 
sein Entdecker, Herr Prof. Bailey in West -Point, welcher durch etwas von 
mir dorthin gesandten Kieseiguhr von Franzensbad zum Nachsuchen in jener 



des mila-oskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 295 

Gegend veraulafst gewesen zu sein erklärt, schon 1838 inSillimann's American 
Journal Vol. XXXIV. p. 118 detaillirte Nachricht gegeben. Er hatte 10 
Arten erkannt und in Umrissen gezeichnet. Derselbe hatte auch 5 lebende 
Arten daselbst beobachtet, die er ebenfalls abgebildet hat: 
Diatoma jlocculosum = Tabellaria vulgaris 

— tenue = Grammatophora oceanica 

— crystallinum= Synedra Lina 
Fragilaria pectinalis = Fragilaria rhabdosoma 
JMeridion vernale. 

Im vorigen Jahre hat sich mein Reichthum an Material aus jenen Ge- 
genden sehr ansehnlich vermehrt. 

Die amerikanischen Professoren Sillimann Vater und Sohn in New- 
Haven , Bailey Professor an der Militär- Schule in West -Point und Hitch- 
cock in Massachusetts, der Verfasser der geologischen Übersicht dieses Staa- 
tes, haben mir eine ganze Kiste voll verschiedener organischer Ablagerungeu 
aus Nord -Amerika mit dem Ersuchen übersendet, diese sämmtlich dort auf- 
gefundenen Massen im Detail zu bestimmen und mit den europäischen zu ver- 
gleichen. Es sind nicht weniger als 13 Nummern ebensoviel verschiedener 
Lokalitäten, nämlich von 

West -Point New -York 

Stratford J Connecticut 

Andower \ Connecticut 

New-Haven J Connecticut 

Smithfield "j Rhodes Island 

Providence j Rhodes Island 

Bridgwater 

Andower 

Spencer ^ Massachusetts 

Pelham 

Boston 

Blue Hill Pond 1 "j 

Blue Hill Pond 2 } Maine 
Das Kieseiguhr -Lager bei West -Point ist in einer Niederung 8 Zoll 
mächtig und ziemlich ausgedehnt. Es war der erste Fundort in den Verei- 
nigten Staaten. 



296 Eiirenberg: Verbreitung und Einßufs 

Das Lager von Andower in Massachusetts ist 15 Fufs mächtig. 
Das Lager von Smithfield in Rhodes Island ist sehr ausgedehnt (very 
abundant). 

Von den übrigen Lagern wird nur im allgemeinen gesagt, dafs sie unter 
Torfbildungen vorkommen, zuweilen als Torf selbst benutzt werden und 
Feuerungsmaterial bilden. 

Als besonders ausgedehnt wird noch ein Lager bei Worcester in Mas- 
sachusetts erwähnt, dessen mit No. 4 bezeichnete Probe aber in dem Kistchen 
nicht aufzufinden war. 

Aufser diesen Materialien aus den Vereinigten Staaten brachte mir 
gleichzeitig im vorigen Jahre (1840) die Rückkehr meines Bruders aus Mexico 
eine reiche Menge dortiger Formen, welche die Gewässer jetzt bevölkern. 
Sie waren von 7 verschiedenen Lokalitäten : 

Real del Monte, 
San Pedro y san Pablo, 
San Miquel bei Regia, 
Atotonilco el Grande, 
Puente de Dios, 
Moctezuma - Flufs und von 
Vera- Cruz. 
Diese Lokalitäten haben das besondere Interesse , dafs sie zum Theil 
in sehr hohen, in ihrer Erhebung von Herrn v. Humboldt gemessenen, Gegen- 
den liegen, zum Theil aber an der Küste selbst sind. 

Aufserdem erhielt ich schon 1838 von dem sehr thätigen und wissen- 
schaftlichen Herrn Dr. Montagne in Pariseine kleine Probe von mit Infusorien 
besetzten Algen aus Callao in Peru , über deren 2 neue Formen, welche von 
ihm 1837 (*) unter den Algen verzeichnet worden waren, ich schon früher( 2 ) 
der Akademie berichtet habe. An demselben kleinen Fragmente habe ich später 
noch viele eigentümliche Arten von See -Infusorien jenes Oceans erkannt. 
Herrn Dr. Montagne verdanke ich auch eine kleine Probe einer mit 
Infusorien der Gattung Biddulphia besetzten Alge von Cuba. Er hat die 



( ) Annales des sciences naturelles. 

( z ) Berichte der Akademie 1840. p. 161. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 297 

Form Biddulphia auslralis genannt, sie scheint aber doch von Bidd. pulchella 
die ich auch von Vera -Cruz und Peru kenne, sich nicht zu unterscheiden. 

Endlich verdanke ich der gütigen Mittheilung und Anregung Herrn 
Alexander von Humboldts die Untersuchung der durch Ihn berühmten Moya 
der Schlamm -Vulkane von Quito, in welcher sich ebenfalls, obwohl etwas 
undeutlich, einzelne meist etwas veränderte Kieselschalen von Infusorien zwi- 
schen vielen sehr deutlichen Pflanzenresten erkennen lassen. 

Somit hatte ich denn 1841 zuerst eine Übersicht von 24 Lokalitäten 
in Süd- und Nord- Amerika gewonnen, welche schon eine so reichliche For- 
men-Menge der dortigen mikroskopischen Organismen, in ihrer Eigenthüm- 
lichkeit und in ihrem Einflüsse auf den Boden, der Beobachtung entgegen- 
führten, dafs sich eine Vergleichung der europäischen mit vieler Gründlichkeit 
und Ausdehnung anstellen liefs. 

Hierzu sind nun schon bis Juni 1841 noch andere reiche Materialien 
gekommen, die ich mit einigem spätem sogleich hier einzuschalten für zweck- 
mäfsig halte. 

Neue Combinationen und Beobachtungsmethoden, die ich bei anderer 
Gelegenheit ausführlicher anzeigen werde , haben mir erlaubt aus sehr klei- 
nen Erdtheilchen, welche den Pflanzen der Herbarien anhängen, grofse Beihen 
von mikroskopischen Organismen kennen zu lernen. So habe ich, unter- 
stützt durch das reiche Herbarium und die Gefälligkeit des Hrn. Prof. Kunth 
von den Falklands-Inseln, aus Brasilien, von Cayenne, von Surinam, Peru, 
Venezuela, Guadeloupe und von Neufundland zahlreiche Formen zur An- 
schauung erhalten. 

Von Island, Spitzbergen und Labrador sind mir durch den verdienten 
Beisenden in Island, jetzigen Bibliothekar Dr. Thieuemann in Dresden, auf 
meine Bitte Materialien dieser Art zugekommen , und aus dem Königlichen 
Herbario hat der wissenschaftliche Botaniker Herr Philippi mich mit einigen 
sichern Erdtheilchen aus Chile, Cuba und Kotzebues-Sund versehen. 

Aus meines Bruders, Herrn Carl Ehrenberg's, früheren Sendungen 
habe ich noch die von St. Domingo revidirt und darin Ausbeute gefunden. 

Endlich erhielt ich noch im Jahre 1842 eine Sendung lebender Infu- 
sorien direct von Herrn Professor Bailey aus Westpoint in New- York. Von 
demselben erhielt ich gleichzeitig eine Probe des von Herrn Bogers entdeck- 
ten Lagers fossiler Infusorien vonBichmond in Virginien, und auch eine Probe 
Physik. - math. KL 1841 . P p 



298 



Ebeenberg: Verbreitung und Einjlufs 



des ganz besonders merkwürdigen und reichen Polythalamien- Kalksteins der 
Kreideformation, welcher Gebirgsmassen und den Boden des centralen Nord- 
Amerikas in grofser Ausdehnung bildet. 

So ist dieses Material zu einer unerwartet grofsen Ausdehnung und 
geographischen Vollständigkeit gelangt, die denn auf einmal erlaubt, das eu- 
ropäische unsichtbar kleine Leben mit dem aufsereuropäischen aller Zonen 
beider Hemisphären zu vergleichen. Ja mit Hülfe der angewandten Beob- 
achtungsmethoden ist es möglich geworden, dafs die Formen der Falklands- 
Inseln und des Kotzebue- Sundes zu gleicher Zeit in Berlin selbst von dem- 
selben Beobachter und unter demselben Instrumente mit den in Deutschland 
vorkommenden Formen nebeneinander gehalten werden konnten. 



III. Aufzählung der amerikanischen Formen nach den 
Beobachtungspunkten. 

1. Maluinen- oder Falklands-Inseln. 
(51-53° S. B. 57-62° W. L. v. Gr.) 
Aus einem Theilchen einer Seeconferve, welche Herr Lesson in Paris 
von seiner Weltumsegelung mit Capitain Duperrey auf dem Schiffe Coquille 
1824 von den Falklands-Inseln mitgebracht hat und die sich seit nun 17 Jah- 
ren im Herbario des Herrn Professor Kunth befindet, habe ich folgende For- 
men mikroskopischer Organismen der Südspitze Amerika's zur Anschauung 
erhalten : 

A. Kieselschalige polygastrische Infusorien. 



1 Achnanthes pachypus 

2 Actinoptychus senarius 
3* Amphora navicularis 
4* Arthrodesmus Tacnia 

5 Cocconeis Placentula 

6 — Scutellum 

7 Cocconema Lunula 

8 Eunotia Faba 

9 — amphioxys 
10 — biceps 



Fragilaria constricta 



11 

12 — rhabdosoma 

13* — Trachea 

1 4 * — Ventriculus 

15 Gomphoncma clavatum 

16 — minutissimum 

17 Grammatophora oceanica 

18 — stricia 

19 * Navicula Lyra 

20 — amphioxys 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 299 

21 Pinnularia Enlomon 24 Stauroptera asper a 

22 * — peregrina 25 * Surirella? australis. 

23 — viridis 

B. Kieselerdige Theilevon Seepflanzen. 

26 Spongolithis acicularis 29 Spongolithis Clavus 

27 — asper a 30 — Fustis. 

28 — capitata 

Unter der ganzen Zahl dieser Formen waren nur 7 Arten, welche nicht 
schon anderwärts vorgekommen. Sämmtliche Formen gehören zu 15 schon 
bekannten Generibus. Mehrere dieser Arten und 1 Genus sind bisher nur 
aus dem Meere bekannt, daher kann man mit grofser Wahrscheinlichkeit 
schliefsen, dafs die ganze Reihe dem Meere entnommen ist. Letztere Arten 
gehören zu denen, welche die Kreidemergel des südlichen Europa's bilden 
helfen. Die neuen Arten sind mit einfachen Sternchen bezeichnet. Die sämmt- 
lichen Formen gehören der Jetztwelt an, das heifst sie sind lebend dort ein- 
gesammelt worden. Ich erkenne dies aus den bei vielen Individuen mehrerer 
Arten eingetrockneten und beim Aufweichen noch in ihrer natürlichen Farbe 
sichtbaren grünlichen Eierstöcken, wie es auf Tafel I. dargestellt ist. 

2. Chile. 

(35° S. B. 70° W. L. v. Greenw.) 

An den Wurzeln einer unbestimmten von Bridges stammenden Pflanze 
aus Chile, welche im Königlichen Herbario vorhanden ist, hatte HerrPhilippi 
etwas Erde gefunden, die er mir zur Untersuchung überbrachte. Es liefsen 
sich darin allmälig 36 verschiedene organische Körperchen unterscheiden, 
von denen 30 kieselschalige Infusorien, 5 aber kieselerdige Pflanzentheilesind. 

Folgendes Namen -Yerzeichnifs giebt diese Formen speciell an: 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Achnanth.es pachypus 8 Navicula amphioxys 

2 Cocconeis Placentula 9* — limbata 

3 Cocconema cymbiforme 10 — Semen 

4 — Lunula 1 1 * Pinnularia chilensis 

5 Gomphonema clavatum 12 — Cyprinus 

6 — gracile 13* — Esox 

7 — rotundalum 14 — gibba 

Pp2 



300 Ehrenberg: Verbreitung und Einflujs 



15 Slaurone'ii 


\ amphilepta 


23* 


Stauroptera Legumen 


16* — 


constricta 


24 


Surirella Craticula ß chilensis 


17* — 


dilatala 


25 


Synedra acuta 


18* — 


Folium 


26 


— Entomon 


19 — 


gracilis 


27 


— spectabilis 


20 — 


linearis 


28 


— Ulna 


21 Stauroptera cardinalis 


29 


Tabellaria laevis 


22* — 


gibba 


30 


— sculpta 



B. Weichhäutige Infusorien. 

31 Arcella hyalina. 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

32 Lithodontium furcatum 35 Lithostylidium quadratum 

33 Lithostylidium dentatum 36 — Serra. 

34 — fusiforme 

SämmtlicheJFormen sind offenbar jetzt dort lebende Süfswassergebilde, 
da keine entschiedene Seeform unter ihnen ist. Auch die 8 durch Stern- 
chen bezeichneten Infusorien -Arten gehören bekannten Generibus des Süfs- 
wassers an. Die 14 Genera selbst kommen auch in Europa vor. Bei vielen 
Arten sind die grünlichen Eierstöcke beim Aufweichen deutlich sichtbar und 
zum sichern Kennzeichen geworden , dafs es nicht fossile Formen einer frü- 
heren Erdbildung sind. 

3. Peru, Callao in Lima. 

(12° S. B. 77° W. L. v. Greenw.) 

Zuerst hatte Herr Dr. Montagne im Jahre 1837 in den Annales des 
sciences naturelles Volum VIII. p. 348. unter den Namen Trochiscia monili- 
formis und Achnanthcs brachypus zwei peruanische Infusorien-Arten unter 
den von Herrn Aleide d'Orbigny von dort mitgebrachten Algen beschrieben. 
Die erstere fand er an der von ihm Polysiphonia dendroidea genannten See- 
Alge, welche aber du Petit Thouars gesammelt, zahlreich angeheftet und die 
zweite (Achnanthes) an der Conferva allantoidcs salziger Lachen bei Callao, 
die d'Orbigny mitgebracht hat. Im Jahre 1838 theilte mir Herr Dr. Mon- 
tagne bei meiner Anwesenheit in Paris kleine Theilchen jeder dieser mit den 
See -Infusorien besetzten Algen mit und nannte dabei in der Aufschrift die 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 301 

ehemals von ihm genannte Trochiscia moniliformis: Meloseira hormoides und 
die Achnanthes nicht brachypus, sondern pachypus. 

Bei weiterer Untersuchung der mir mitgetheilten Materialien fanden 
sich auf der Polysiphonia von Callao noch Cocconeis oceanica und Gramma- 
tophora oceanica. Diese 4 peruanischen Formen wurden von mir 1839 in der 
Abhandlung «über die jetzt lebenden Thierarten der Kreidebildung» mit be- 
schrieben. Die Meloseira hormoides wurde als eigenthümliches Genus Po- 
dosira aufgeführt und durch einen Schreibfehler Podos. nummuloides, anstatt 
Podos. moniliformis genannt, wie es richtiger gewesen wäre. Die Achnan- 
thes wurde mit dem Autor pachypus genannt, weil es schon eine ältere Art 
mit Namen brevipes giebt. In der 1840 in den Monats- Berichten der Aka- 
demie gegebenen Kurzen Nachricht über 274 neue Infusorien -Ar- 
ten sind diese Namen mit aufgeführt und berichtigt worden. 

Später habe ich zwischen den Fäden derselben Conferva allantoides 
noch Actinoptychus senarius, Amphora navicularis? , Coscinodiscus minor, 
Navicula Sigma, Synedra acuta, Pinnularia chilensis?, Pinn. sinuosa?, Pinn. 
viridis, Rotalia peruviana und Spongia acicularis aufgefunden. 

Bedeutend reichhaltiger wurde jedoch das Verzeichnifs peruanischer 
kleinster Meeres - Organismen durch etwas Erdstaub von Seepflanzen (Fucis) 
jener Küstengegend, den mir Herr Philippi aus dem Königlichen Herbarium 
mittheilte. 

Aber auch die Süfswasserformen sind in einigen Arten von mir glück- 
lich aufgesucht worden. Im Kunth'schen Herbario fanden sich Theilchen 
von Sumpferde an einer Pflanze Dombey's vom Jahre 1777, in denen 6 be- 
sondere Formen entdeckt wurden. 

1 Eunotia ocellata ? (= E. ZebraJ 4 Navicula gracilis 

2 Fragilaria Navicula 5 Pinnularia viridis 

3 — striata 6 Spongilla lacustris. 

Von 4 dieser Formen ist schon im Juni 1841 Nachricht gegeben worden. 
Das Verzeichnifs sämmtlicher peruanischer Formen die bisher bekannt 
wurden ist folgendes: 

A. Kieselschalige polygastrische Infusorien: 

1 Achnanthes brevipes 4 Actinoptychus senarius 

2 — pachypus 5* — nonarius 
3* — rhomboides 6 Amphora lineolata? 



302 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

7 Bkldulphia pulcliella 
8* Cocconeis oceanica 



9* 


— fasciala 


10* 


— Scutellum 


11* 


Coscinodiscus flavicans 


12 


— lineatus 


13 


— minor 


14* 


— radiolatus 


15* 


— subiilis 


16 


Eunotia amphioxys 


17 


— ocellata? 


18* 


Fragilaria Navicula ? 


19 


— striata 


20 


Gallionella moniliformis? 



21 


Grammatophora oceanica 


22* 


— angulosa 


23* 


Mesocena heptagona 


24* 


— octogona 


25 


Navicula lineolata 


26* 


— paradoxa 


27 


— Sigma 


28 


Pinnularia chilensis? 


29 


— sinuosa? 


30 


— vii'idis 



3 1 * Podosira moniliformis 

32 Slauroptera aspera 
33* Surirella peruviana 
34 Sjnedra acuta 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

35 Spongilla lacustris 37 Spongolithis Fustis. 

36 Spongolithis acicularis 

C. Kalkschalige Polythalamien. 

37 Rotalia peruviana. 

Von diesen 34 Formen kieselschaliger Infusorien sind 15 dem Lande 
eigenthümlich, die übrigen 21 sind theils europäisch, theils anderwärts ver- 
breitet. Von den 17 Genex-ibus ist nur 1 (Podosira) eigenthümlich, alle 
übrigen kommen in Europa vor. Das Genus Podosira ist aber in derselben 
Species auch neuerlich von mir aus Island beobachtet. S. Island. 

Die meisten dieser Formen sind mit ihren Eierstöcken aufgefunden, 
mithin wohl keine fossil. 

4 Brasilien. 
(Rio Janeiro 23° S. B. 43° W. L. v. Greenw. Coari 3° S. B. 62° W. L. v. Gr.) 

Die erste aus Brasilien bekannt gewordene Form ist Paramecium oce- 
anicum von Chamisso, welches 1825 von ihm an der brasilischen Küste im 
Meere beobachtet und 1820 in den Actis Natur. Curios. X. p. 372 beschrie- 
ben wurde. In dem gröfsern Infusorienwerke habe ich es 1838 zu Astasia 
gezogen. Eine andere Form ist die Frustulia conspurcans , welche Agardh 
1831 in seinem Conspectus criticus Diatomacearum aus v. Martius Manuskripten 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 303 

beschrieb. Diese Form habe ich nicht vergleichen können. Ich habe sie 
1838 in dem Infusorienwerke pag. 176 und 232 fraglich zu Navicula graci- 
lis gezogen. 

Die ersten mir direct vergleichbar gewordenen Formen erhielt ich aus 
dem efsbaren Letten des Amazonas, welchen Herr v. Martius mitgebracht 
und mir freundlichst mitgetheilt hat. Im Juli 1839 konnte ich der Akademie 
die ersten 5 fossilen kieselerdigen mikroskopischen Organismen aus Süd-Ame- 
rika nennen, welche ich beobachtet und zur ferneren Vergleichung aufbewahrt 
hatte. Es schienen mir damals 3 Infusorien und 2 Spongien- oder Spongil- 
len -Nadeln zusein. Ich vermuthete aber schon ausdrücklich, dafs auch die 
Gattung Amphidiscus leicht Theile von Spongien oder Tethyen des Meeres 
sein könnte, und dafs nur Himantidium Arcus eine sichere polythala mische 
Thierform sei, die sogar in Europa auch gemein ist. Eine weitere Untersu- 
chung derselben sehr kleinen Probe des Letten von Coari hat allmälig 1 1 ver- 
schiedene mikroskopische Organismen als Bestandtheile desselben kennen 
gelehrt, nämlich 

A. Kieselschalige polygastrische Infusorien. 

1 Eunotia bidens 3 Gallionella granulata ? 

2 — turgida 4 Himantidium Arcus. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

5 Amphidiscus Ulartii 9 Spongolithis rudis 

6 — Rotula 10 Spongilla lacustris 

7 Spongolithis aspera 11 Thjlacium semiorbiculare. 

8 — inflexa 

Dieser efsbare Infusorien -Letten des Amazonas -Stromes bildet, den 
Nachrichten des verdienstvollen Reisenden zufolge, ein über die weite Ebene 
erhabenes und bewaldetes geognostisches Lager, welches mithin keineswegs 
dem jetzigen Einflüsse des Amazonas sein Entstehen verdankt. Es ist keine 
Sumpf -Ablagerung, kein Product der Überschwemmungen, sondern eine 
ältere Erdbildung, obwohl über das Alter selbst ein sicheres Urtheil bis 
jetzt nicht gefällt werden kann. Als plastische Thon- und Lehm -Bildung 
scheint es aber wohl füglich, unsern europäischen Verhältnissen analog, wenn 
es nicht älter ist, doch zur frühern Quaternär- oder auch zur Tertiär-Bildung 
der Erde gerechnet werden zu müssen. 



304 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Übrigens sind alle, auch die nachträglich von mir in dem Letten beob- 
achteten organischen Infusorien-Formen zwar Süfswasser-Organismen, allein 
einige der zuletzt darin erkannten, vermuthlichen Spongien- Nadeln lassen 
sich auf keine bekannte Spongilla beziehen, und so mag es denn richtiger sein, 
dieses Letten -Lager am erhabenen Amazonas -Ufer für eine brakische Süfs- 
wasserbildung einer dort schon vormenschlichen Erd- Epoche anzusehen. 

Endlich ist zu bemerken, dafs keine der 1 1 Formen eine characteristisch 
eigenthiimliche Art ist, obschon das Fragment der Gallionella nicht ganz si- 
cher entscheiden läfst, ob nicht diese Form als eigenthümlich anzusehen sei. 

Hierzu kommen nun noch einige brasilianische Formen, die sich in 
Erdtheilchen haben entdecken lassen , welche mir Herr Professor Kunth aus 
seinem Herbario mittheilte. Sie befanden sich an Sellow'schen Gräsern. 
Die 12 schon im Juni 1841 in dem Monatsberichte verzeichneten Formen 
haben sich seitdem verdoppelt. 

An den Wurzel q von Eriocaulon modestum aus der Praya sernamba- 
tjba (Piio Janeiro) waren 

1 Desmidium hexaccros 9 Stauroptera microstauron 

2 Eunotia depressa 10 Synedra TJlna 

3 — Elephas 1 1 Lithasteriscus tuberculosus 

4 Himantidium Arcus 1 2 Lühodontium truncatum 

5 Navicula amphioxys 13 Lithoslylidium quadratum 

6 Pinnularia dicephala 14 — rüde 

7 — nobilis 1 5 Amphidiscus clavatus 

8 — viridis 16 Spongilla lacusiris. 

Von San Antonio da monte waren, an einer andern Graminee hängend: 

1 Gallionella distans 7 Arcella americana 

2 Himantidium Arcus 8 Difßugia areolata 

3 Pinnularia viridis 9 Lühodontium Bursa 

4 Surirella oblonga 1 iJthostylidium articulatum 

5 Synedra Ulna 1 1 — macrodon 

6 Arcella ecornis 12 — Serra 

Die sämmtlichen Formen Brasiliens , welche bisher bekannt wurden, 
betragen 36 verschiedene Species, nämlich: 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und TV r ord- Amerika. 305 

A. Kieselschalige Infusorien: 

1 Eunotia bidens 9 Navicula gracilis? 

2 — depressa 10 Pinnularia dicephala 

3 — Elephas 11 — nobilis 

4 — turgida 12 — viridis 

5 Gallionella distans? 13 Stauroptera microstauron 

6 — granulata? 14 Surirella oblonga? 

7 Himantidium Arcus 1 5 Synedra Lina. 

8 Navicula amphioxys 

B. Weichschalige Infusorien. 

16 Desmidium hexaceros 18 Arcella americana 

1 7 Arcella ecornis 1 9 Difßugia areolata. 

C. Nackte Infusorien. 

20 Astasia occanica. 

D. Kieselerdige Pflanzentheile. 

21 Amphidiscus clavatus 29 Lithostylidium quadratum 

22 — il/ar/ü 30 — 7-wJe 

23 — ilo/«/a 31 — &rra 

24 Lithasteriscus tuberculosus 32 Spongilla lacustris 

25 Lithodontium truncalum 33 — Erinaceus = Sp. aspera 

26 — Bursa 34 — injlexa 

27 Litlwstylidium articulatum 35 — obtusa 

28 — macrodon 36 Thylacium semiorbiculare. 

Von diesen 36 Formen sind 15 kieselschalige, 4 weichschalige und 1 
nacktes Magenthierchen, kein eigenthüraliches Genus und nur 4 eigenthüm- 
liche Arten, welche durch Sternchen bezeichnet sind. Aufserdem sind dabei 
einige eigenthümliche Phytolithe oder Kieseltheile aus Pflanzen. 

Mikroskopische entschiedene Seethiere sind aus Brasilien nicht bekannt, 
aufser jener Astasia, welche v. Chamisso und Eyssenhardt als Thier Para- 
mecium oceanicum, Eschscholtz aber später als beweglichen Pflanzen - Samen 
Arthoneina nannten. Die letztere Meinung des Reisegefährten von Chamisso 
gründet sich auf die damals viel verbreitete, aber nicht begründete Ansicht, 
dafs gewisse Pflanzen thierische Samen brächten. 

Physik, -math. Kl. 1 84 1 . Q q 



306 



Ehkfnberg: Verbreitung und Einflufs 



5. Cayenne. 

(5° N. B. 52° W. L. v. Greenw.) 
Aus dem französischen Guiana sind durch Herrn Kunst-Gärtner Schom- 
burgk Pflanzen an Herrn Kunth gelangt, und an einer Form aus der Familie 
der Commelineen, sowie an einer Abolboda, hatte sich etwas Erde erhalten, 
die mir zur Untersuchung übergeben wurde. Es fanden sich darin folgende 
mikroskopische Organismen: 

A. Kieselschalige Magenthierchen. 



1 


Cocconema Fusidium 


22 Himantid 


ium Papilio 


2 


— leptoceros 


23 Navicula 


amphioxys 


3 


Eunotia amphioxys 


24 — 


gracilis 


4 


— Camelus 


25 — 


nodosa 


5 


— declivis 


26 * Pinnularia amphigom] 


6 


— dizyga 


27 — 


dicephala 


7 


— Pileus 


28 — 


gibba 


8 


— quaternaria 


29 — 


inaequalis 


9 


— quinaria 


30 — 


macilenta 


10 


— Sella 


31 — 


nobilis 


11 


— tridentula 


32* — 


Pisciculus 


12 


— zygodon 


33 — 


Tabellaria 


13 


Gallionella distans 


34 — 


viridis 


14 


— crenulata 


35 * Stauroneis anceps 


15* 


Gomphonema apiculatum 


36* — 


Fenestra 


16 


— gracile 


37 — 


gracilis 


17 


— lanceolatum 


38 — 


lineolata 


18* 


— Vibrio 


39 — 


phyllodes 


19 


Himantidium Arcus 


40 Stauroptera cardinalis 


20 


— guianense 


41 Surirella microcora. 


21 


— gracile 








B. Weichschal 


ige Infusorien. 




42 


Difflugia areolata 


44 Difflugia 


striolata 


43 


— laevigata 







C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

45 AmpJüdiscus Rotnla 47 Lithodontium nasutum 

46 Lithodontium furcatum 48 — rostratum 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 307 

49 Lithodontium truncalum 56 Lithostylidium quadratum 

50 Lithostylidium amphiodon 57 — SeiTa 

51 — Catena 58 Spongilla lacustris 

52 — Clepsammidium 59 — Erinaceus 

53 — crucigerum 60 Spongolithis foraminosa 

54 — dentatum 61 — obtusa 

55 — polyedrum 62 — Fustis. 

Diese Formen von Cayenne sind reich an eigenthümlichen Arten, den- 
noch finden sich keine unter ihnen, die ein besonderes Genus bilden müfsten. 
Unter den 44 Infusorien -Arten sind 17 eigentümliche aufsereuropäische und 
nicht schon in den frühern Lokalitäten dieses Vortrages vorgekommene. 
Besonders reich an eigenthümlichen Arten sind die Genera Eunotia und Hi- 
mantidium. Unter den Eunotien sind viele gezahnte sägeförmige Arten, die 
aber verschieden sind von jenen früher von mir als für Nord -Europa und 
Nord - Amerika characteristisch angezeigten und es wäre sogar möglich , dafs 
diese Südamerikanischen Eunotien, im wohl erhaltenen lebenden Zustande, 
Bänder bildeten, mithin dann aber zur Gattung Himantidium zu zählen wären. 

Sämmtliche Formen von Cayenne scheinen dem Süfswasser anzugehö- 
ren, nur einige Formen der Spongien -Nadeln lassen auf brakisches Wasser 
schliefsen, könnten aber auch Spongillen bisher unbekannter Art angehören. 

6. Surinam. 
(6°N. B. 55° W. L. v. Greenw.) 

In den anhängenden Erdtheilchen einer Land -Pflanze des holländischen 
Guiana, welche in Hrn. Kunth's Herbario befindlich ist und die vom Besitzer 
mir freundlich übergeben wurden, haben sich folgende 41 mikroskopische 
Organismen entdecken lassen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Cocconcma Fusidium 

2 Eunotia amplüojcys 

3 Fragilaria acuta 

4 — diophthalma 

5 — rhabdosoma 13 Pinnularia diccphala 

6 Gomphonema rotundalum 14 — inaequalis 

7 Himantidium Arcus 1 5 — macilenta 

8 Navicula afßnis 16 — nobilis 

Qq2 



9 * Navicula 


ambigua 


10* - 




Carassias 


11* - 




dubia 


12* - 




undosa 



34 


— 


Acus 


35 


— 


anceps 


36 


— 


apiculata 


37 


— 


cenocephala 


38 


— 


Fustis 


39 


— 


Jistulosa 


40 


— 


inflecca 


41 





obtusa. 



308 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

17* Stauroneis birostris 1 9 Synedra Scolaris 

1 8 * — Monogramma 20 — TJlna. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

21 Amphidiscus clavatus 32 Lithostylidium Serra 

22 — JSlartii 33 Spongolithis acicularis 

23 Lithasteriscus osculatus 

24 — radiatus 

25 — tuberculosus 

26 Lithodontium furcatum 

27 — nasutum 

28 Lithostylidium amphiodon 

29 — geniculatum 

30 — ovatum 

31 — quadratum 

Von den 20 polygastrischen Infusorien sind 6 eigenthümliche Arten, 
aber kein eigenthümliches Genus. Ebenso lassen sich die Pflanzentheile un- 
ter schon bestehende Gruppen leicht vertheilen, ja die meisten sind sehr ver- 
breitete Formen, die also wohl ähnlich in verschiedenen Pflanzenformen ge- 
bildet werden. 

Den vielen Spongien-Formennach, die schwerlich alle von Süfswasser- 
Spongillen stammen können, wären diese surinamischen Körperchen aus 
einer brakischen Gegend. Ja die 3 Arten von Lithasteriscus können als Te- 
thyen - Fragmente nur dem Seewasser angehört haben. 

7. Englisches Guiana am Pirara-Flusse. 
(3° 30' N. B. 60° W. L. v. Greenw.) 

Herr Prof. Kunth hat mir auch aus dem englischen Guiana einige Erd- 
theilchen gegeben, die mit einer Pflanze aus den Savannen des Pirara von Hrn. 
Rieh. Schomburgk 1842 eingesandt worden sind. Auch diese kleine Erd- 
menge hat sich reich an mikroskopischen Formen gezeigt, unter denen wieder 
einige eigenthümliche Arten sind. 

Die 19 beobachteten Formen sind: 

A. Kieselschalige Infusorien. 
1 Eunotia zygodon 3 * Fragilaria? glabra 

2* — Formica 4 Gallionella distans? 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word- Amerika. 309 

5 Himantidium Arcus 8 Navicula fulva 

6 Navicula amphisphenia 9 — lineolata 

7 — affinis 10 Pinnularia viridis. 

B. Weichschalige Infusorien. 
11 Arcella ecornis 12 Difßugia areolata. 

C. Kieselerdige Pflanzentbeile. 

13 Lithasleriscus tuberculatus 17 Lithostylidium quadratum 

14 LitJwdontium nasutum 18 — Serra 

15 — rostratum 19 Spongolithis cenocephala. 

1 6 Lithostylidium Clepsammidium 

Unter den 12 Infusorien sind 2 eigenthümliche Arten, kein eigenes 
Genus und alle Formen können reine Süfswasserbildungen sein, wie denn 
auch mehrere Arten (Navicula amphisphenia, fulva und lineolata) noch ihre 
grünen Ovarien eingetrocknet erhalten zeigten. 

7. Quito in Columbien. 
(0° 14' S. B. 73° 48' W. L. v. Gieenw.) 

In der von Herrn Alexander v. Humboldt mitgebrachten Moya, dem 
ganze Ortschaften verschlingenden Auswurfe der Schlamm -Vulkane von 
Quito, deren auffallender Gehalt an Kohle , da er später als Torf zur Feue- 
rung benutzt wurde, schon an Ort und Stelle die Aufmerksamkeit des hoch- 
verdienten Reisenden erregt hatte, haben sich durch die mikroskopische Un- 
tersuchung 10 verschiedene organische Körper und Fragmente nebst Labra- 
dor -Krystallen als Beimischung des Erdigen erkennen lassen. Ja es hat sich 
auf das Deutlichste herausgestellt, dafs ein sehr ansehnlicher, ganz wesentli- 
cher Theilder Moya verkohlte Pflanzenfragmente sind, unter denen sich auch 
einzelne Infusorienformen finden. Herr v. Humboldt hat diesen Charakter 
der Moya im November 1839 (vgl. die Berichte der Akademie 1839 p. 252) 
speciell auseinandergesetzt. 

Die verschiedenen organischen Formen lassen sich folgendermafsen mit 
Namen festhalten : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Trachelomonas — ? 3 Navicula — ? 

2 Fragilaria rhabdosoma 

B. Weichschalige Infusorien. 
4 Peridinium — ? 



310 Ehrenbeug: Verbreitung und Einflufs 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

5 * Lühodermatium macrostomum 9 Lühostylidium polypterum 

6 Lühostylidium bicorne 10 — rüde 

7 — dentatum 11 — Serra 

8 — crenulatum 1 2 Thylacium semiorbiculare. 

D. Weichhäutige Pflanzentheile. 
13. Verschiedene Formen monocotylischer und dycotilischer Pflanzenzellen. 

Die verzeichneten 4 Infusorien - Formen sind nur in sehr wenig und 
meist nicht schön erhaltenen Exemplaren beobachtet, dagegen sind die Pflan- 
zentheile in ihren Umrissen und Characteren völlig scharf und schön erhal- 
ten. Es scheinen besonders Gräser (Gramineen) die Hauptmasse der Kohle 
zu bilden, was sich durch die langen Spaltöffnungen der wellenförmig gezahn- 
ten kieselerdigen Epidermis oft erkennen läfst. Ich habe alle sich auszeichnen- 
den, leicht wiederzuerkennenden geformten Kiesel -Körperchen auch hier 
mit Special-Namen belegt und dadurch hier, wie überall, die Möglichkeit 
gewonnen, namentliche Vergleichungen mit ähnlichen Verhältnissen anderer, 
zum Theil sehr entfernter Lokalitäten zu machen. Dafs mehrere dieser Kör- 
perchen der Moya in ganz Süd- und Nord -Amerika und bei Berlin völlig 
gleichartig vorkommen, ist an sich interessant, und der allgemeine Schlufs, 
welcher sich aus diesen scharf gesonderten Einzelnheiten ziehen läfst, gleich- 
viel ob es selbstständige Organismen, oder nur constant geformte Frag- 
mente sind, dafs nämlich die Schlamm -Auswürfe in Quito ein aus verbrann- 
ten Vegetabilien und Wasser gemischter Erdbrei der Oberfläche ist, welcher, 
nachdem er in's Innere eingeschlürft gewesen , wieder herausgetrieben wird, 
dürfte von noch entschiedenerem Interesse sein. 

Eigenthümlichistvon allen Formen nur Lühodermatium macrostomum, 
welches die Epidermis einer Graminee mit ihren Spaltöffnungen ist. Übri- 
gens sind keine Seewasser -Formen dabei. 

8. Caraccas in Venezuela. 
(10° N. B. 67° W. L. v. Greenw.) 

Ebenfalls in Herrn Kunth's Herbarium fand sich an den Wurzeln der 
Heteranthera alismoides von Caraccas ein wenig Erde, und die Untersuchung 
derselben ergab 8 verschiedene Organismen. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 311 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Navicula dubia 3 Pinnularia viridis 

2 — affinis 4 Synedra spectabilis. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

5 Lithostylidium amphiodon 7 Lithodontium Bursa 

6 — quadratum 8 Spongilla lacustris. 

Es ist unter diesen 8 Formen keine eigenthürnliche und keine See- 
wasserform. 

Die kleinen Antillen. 

9. Martinique. 
(14° 40' N. B. 61 ° W. L. v. Greenw.) 
An den Wurzeln eines Scirpus maculosus Vahl von der Montagne pelee 
aus Hrn. Kunth's Herbario fanden sich in einer sehr kleinen Spur von Erde : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Navicula lineolata 3 Himantidium — ? 

2 Pinnularia dicephala 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

4 Lithostylidium amphiodon 6 Thylacium semiorbiculare. 

5 — Serra 

Unter diesen 6 organischen mikroskopischen Formen ist keine fossile 
Seewasserbildung und keine eigenthürnliche Art. 

Nur in einem Exemplare der Navicula lineolata war das grüne Ova- 
rium deutlich erhalten. Die Montagne pelee erhebt sich zu 4400 Fufs. 

10. Guadeloupe. 

(16° 20' N. B. 61 ° h0' W. L. v. Greenw.) 

In den Wurzeln einer Cyperoidee von Guadeloupe im Kunth'schen 
Herbarium befanden sich Erdtheilchen , aus deren Untersuchung 9 verschie- 
dene mikroskopische Organismen und organische Fragmente erkennbar ge- 
worden. 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Eunotia monodon 5 Stauronc'is phoenicenteron 

2 Navicula affinis 6 Surii*ella Craticula 

3 Pinnularia macilenta 7 Synedra spectabilis. 

4 — viridis 



312 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 
8 Lithoslylidium amphiodon 9 Lühostylidium poljedrum. 

Nur die Surirella Craticula ist durch ihre Gröfse so ausgezeichnet, 
dafs sie eine eigene Art sein könnte. Leider fand sich aber nur ein halbes 
Exemplar, dem ich Torzog, den schon vorhandenen Namen zu lassen, zumal 
sich auch bei Berlin sehr grofse Exemplare neuerlich vorgefunden haben. 

Pinnularia viridis und die Stauroneis sind mit wohl erhaltenen Ovarien 
beobachtet und es finden sich unter sämmtlichen Formen keine entschieden 
dem Seewasser angehörige. 

Die Gesammtzahl der von den kleinen Antillen bekannten mikrosko- 
pischen Organismen beträgt 14, darunter sind 10 kieselschalige Infusorien des 
Süfswassers. 

Die grofsen Antillen. 
11. St. Domingo oder Haiti. 

(18° 30' N. B. 72° 20'W. L. v. Greenw.) 

Herr Carl Ehrenberg hat in den Jahren 1 830 bis 33 aus Port au Prince 
viele Naturkörper nach Berlin gesendet. An Sertularien jener Sendungen 
liefsen sich noch eine gewisse Anzahl von mikroskopischen Seethieren dieser 
Insel beobachten. 

Die Gesammtzahl der bisher bestimmten Formen beträgt 13 Arten. 
A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Coscinodiscus flavicans 7 Navicula curvula 

2 — minor 8 — Signia 

3 Dictyocha Fibula var. ß. 9 Pinnularia didyma 

4 * — trifenestrata 10 — macilenta 

5 Eunotia diodon 11 — peregrina 

6 Navicula affinis 12 Surirella fastuosa. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 
13 Spongolithis Clavus. 

Von diesen 12 Infusorien -Arten ist nur eine dem dortigen Meere 
eigenthümlich, die übrigen finden sich theils in der Ostsee und Nordsee auch, 
theils kommen sie in Süd -Amerika vor. Alle gehören bekannten Generibus 
an. Vielleicht bildet die Dictyocha Fibula noch eine eigentümliche Art, 
da sie von der bei uns im Meere lebenden sich durch Zartheit auffallend un- 
terscheidet. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 313 

12. Guba. 
(22-23° N. B. 80° W. L. v. Gr.) 

Die erste mikroskopische Form vonCuba beschrieb Hr. Dr. Montagne, 
wie er mir schriftlich mittheilte, in Ramond de la Sagra Tlistoire civ. polit. 
et naturelle de lisle de Cuba 1838 (*) als Biddulphia australis. Eine See- 
Alge, Chondria thyrsoides, war mit ihr dicht besetzt. Im Jahre 1838 er- 
hielt ich bei meiner Anwesenheit in Paris von Hrn. Dr. Montagne mit jener 
Notiz eine Probe dieser Form. Bei Untersuchung derselben entdeckte ich 
auf demselben Algen -Fragmente allmälig noch 31 andere jetzt dort lebende 
kieselschalige Infusorien, worunter 1, vielleicht 2, neue Genera sind. Die 
Biddulphia kann ich aber nicht für von der verschieden erkennen, welche im 
peruanischen Ocean, in der Nordsee, im Eismeere und im Mittelmeere auch 
lebt und bisher als Biddulphia pulchella verzeichnet worden ist, wohin ich 
sie denn auch schon 1839 in der Abhandlung über die jetzt lebenden Krei- 
dethiere gezogen habe.( 2 ) 

Die sämmtlichen an der einen Seepflanze der Meeresküste von Cuba 
beobachteten Formen sind folgende 45 Arten : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Achnanthes pachypus 


13' 


Denticella Biddulphia 


2 


Actinocyclus Jupiter 


14' 


Eunotia Argus 


3* 


Amphipentas? alternans 


15 


— cingulata 


V 


Amphiprora constricta 


16 


Gomphonema clavatum 


5 


Biddulphia pulchella 


17 


Grammatophora angulosa 


6" 


Climacosphenia moniligera 


18' 


— gibba 


7< 


' Cocconeis decussata 


19 


— oceanica 


8 


— oceanica 


20 


Navicula amphioxys 


9 


— Scutcllum 


21 ' 


— duplicata 


10 


— striata 


22 


— lineolata 


11 


Coscinodiscus minor 


23 


— Sigma 


12 


— radiolatus 


24 


Pinnularia peregrina 



(') Da diefs Werk auf der Königl. Bibliothek zufällig incomplet ist, so habe ich nicht 
Gelegenheit gehabt, es selbst zu vergleichen. 

( 2 ) Herr Dr. Meneghini scheint die B. australis 1840 in der Linnea p. 206 als eigene 
Art anzuerkennen, ohne jedoch Charaktere anzugeben. 

Physik. - math. Kl. 1 84 1 . R r 



314 Ehrenberg: Verbreitung un d Einflufs 

25 * Pinnularia Termes 29 Surirella fastuosa 

26 — viridis 30 Sjnedra Gallionii 

27 * Stauroneis poljgramma 3 1 * — laevis 

28 Stauroptera aspcra 32 — Ulna. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

33 Lithasteriscus reni/ormis 36 Spongolithis Fustis 

34 Spongolithis acicularis 37 — Triceras. 

35 — v4c«s 

C. Kalkschalige Polythalamien. 

38 * Rotalia Antillarum 43 Rotalia perforala 

39 * — Cochlea 44 * Textilaria semipunctata 

40 * — depressa 45 * Triloculina Antillarum 
41* — <?gv?na 46* — turgida. 
42 * — glaucopis 

Von diesen 32 thierischen, mikroskopischen kleinen Körpern, welche 
im Meere bei Cuba leben, sind 18 bisher nirgends weiter lebend beobachtet 
worden, nämlich 10 Infusorien und 8 Polythalamien. Eine Form der Infu- 
sorien ist so ausgezeichnet, dafs sie die Aufstellung eines besondern Genus 
fordert. Es ist Climacosphenia moniligera, eine Echinella mit innern Querwän- 
den und Abtheilungen, die im Auszuge von dieser Abhandlung, im Monats- 
berichte vom März 1841 pag. 144 als Echinella moniligera aufgeführt worden 
war. Eine zweite ausgezeichnete Form ist die Amphipentas genannte. We- 
gen Mangels der Beobachtung einer Seiten- Ansicht ist es bis jetzt nicht mög- 
lich, die Form gründlich zu characterisiren. 

13. Mexico. 

(19-21° N. B. 99-100° W. L. v. Gr.) 

Die mikroskopischen Organismen von Mexico sind durch meines Bru- 
ders, Herrn Carl Ehrenberg's, Bemühungen sehr zahlreich bekannt gewor- 
den. Schon im Jahre 1838 sandte derselbe auf meinen Wunsch Conferven 
zu diesem Studium aus Real del monte an mich, bei denen er sich selbst durch 
Betrachtung mit einem Chevalier'schen Mikroskop von Anwesenheit solcher 
Formen überzeugt hatte. Die 14 ersten mit ihren systematischen Namen be- 
nannten Formen publicirte ich in dem gröfsern Infusorien- Werke hinter der 
Einleitung pag. ****. Das Werk selbst war schon fertig gedruckt und jenes 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 315 

Resultat konnte daher nicht mehr in der systematischen Reihe eingeschaltet 
werden. Es waren folgende Arten: 



1 


Cocconeis concentrica 


8 


Navicula lanccolata? 


2 


Cocconema gibbum 


9 


— 


gibba? 


3 


Fragilaria Catena 


10 


— 


viridis ? 


4 


Gomphonema Augur 


11 


— 


viridula 


5 


— claratum 


12 


Synedra Gallionii? 


6 


— gracile 


13 


— 


lunaris 


7 


— truncatum 


14 


— 


XJlna. 



Die Genera waren sämmtlich europäisch, aber ^ der Arten war neu. 
Von den 3 neuen Arten hat sich eine, die Cocconeis, gleichnamig erhalten. 
Die Fragilaria Catena hat sich neuerlich als ein eigenthümliches Genus Sphe- 
nosira erkennen lassen, aber Gomphonema Augur hat sich nur als Seiten-An- 
sicht der Sphenosira ergeben, welche nicht oval, sondern keilförmig und oben 
gespitzt ist. Dagegen hat sich Gomphon. truncatum als eigene Art erwiesen, 
die auch in Island vorkommt, und daher neuerlich G. anglicum genannt wor- 
den ist. ( J ) Die fortgesetzten Untersuchungen derselben und neuer Materia- 
lien aus gleicher Quelle haben allmälig ein ansehnlich detaillirtes Bild des 
kleinsten Lebens in Mexico anschaulich gemacht. Es sind von 7 schon vorn 
angezeigten Puncten her die Untersuchungen möglich geworden, deren Re- 
sultate nun hier speciell aufgeführt werden. 

14. Realdelmonte. Tafel III. 

8556 Fufs über der MeeresQäche. 

Die fortgesetzte Untersuchung derselben von Hrn. Carl Ehrenberg 
übersandten Conferven hat, anstatt der so eben schon angezeigten 14 mikros- 
kopischen Formen bisher deren nun 51 aus verschiedenen Klassen erkennen 
lassen. 



(') Aufserdem haben nachfolgende Körper des früheren Verzeichnisses bei weiterer Ent- 
wickelung der Unterscheidungs-Charactere ihre Namen verändert: Cocconema gibbum ist jetzt 
Eunolia Tejclricula, Navicula lanceolata, gibba und viridis sind als Pinnu/aria l. g. und v- 
aufgeführt; N. viridula ist als Varietät der Pinn. viridis angesehen, verschieden von der 
wahren P. viridula; Synedra Gallionii und S. Ulna sind als Formen einer besondern neuen 
Art S. amphirhynchus angesehen, und S. linearis ist wohl Himantidium gracile gewesen, da 
sie nicht wieder vorgekommen ist. 

Rr2 



316 



Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 



A. Kieselschalige Infusorien. 



1 * Amphora gracilis 

2 — libyca 

3 * Cocconeis conccntrica 

4 * — punctata 

5 — striata 

6 Cocconema Lunula 

7 — cymbiforme 

8 Eunotia gibba 

9 * — Librile 

10 — Textricula 

1 1 Fragilaria rhabdosoma 

12 Gallionella crenulata? 

13 Gomphonema clavatum 

14 — gracile 

15 — anglicum 

16 — rotundatum 

1 7 Himantidium gracile 

18 Navicula amphigomphus 
19* — amphirhynchus 

20 — Amphisbaena 

21 * — biceps 



22 * Navicula dirhynchus 



23 


— 


fulva 


24* 


— 


oblonga 


25* 


— 


rhomboides 


26 


— 


Scalpi'um 


27 


Pinnularia decurrens 


28 


— 


gibba 


29 


— 


lanceolata 


30 


— 


peregrina 


31 


— 


Tabcllaria 


32 


— 


viridis 



33 * Sphenosira Catena 

34 * Stauroneis dilatata 

35 — phoenicenteron 

36 * Stauroptera parva 

37 Surirella Craticula 

38 — elegans 

39 * — Jlexuosa 

40 * — myodon 

41 Synedra amphirhynchus 



42 — spectabilis. 

B. Weichschalige Infusorien. 

43 Arcella ecornis 46 Closterium lineolatum 

44 * — Nidus pendulus 47 — Lunula 

45 * — P/fews 48 * Difßugia areolata. 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

49 Lithodontium furcatum 51 Lithostylidium Serra. 

50 Lithostylidium calcaratum 

Unter den 48 Infusorien, welche 18 Generibus angehören, ist nur die 
Form Sphenosira, die ein besonderes eigentümliches Genus bildet. Doch 
sind auch die gewundenen Surirellen (Jlexuosa und myodon) so eigentüm- 
lich, dafs sie wenigstens mit -5". Campylodiscus eine besondere Gruppe dieser 
Gattung bilden. Mehr als \ der 48 Arten, 17 nämlich, sind eigenthümlich. 
Auffallend ist Navicula Scalprum als bekanntes Seethierchen mitten unter 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word -Amerika. 317 

den sonst reinen Süfswasser- Formen. Doch kommt diese Art auch im Bi- 
liner Polirschiefer so ähnlich vor, dafs sie dafür angesehen werden mufste. 

Ferner ist zu bemerken, dafs diese sämmtlichen organischen Körper 
jetztlebenden Formen angehören, auch die meisten Infusorien mit ihren ein- 
getrockneten Ovarien beobachtet worden sind. 

14. San Pedro ysan Pablo. Tafel HI. 

7000 Fufs über der Meeresfläche. 

Aus getrockneten Conferven von San Pedro y san Pablo haben sich 
20 jetztlebende mikroskopische Naturkörper des dortigen Süfswassers erken- 
nen lassen, deren Namen folgende sind : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Fragilaria pinnata 9 * Surirella Campylodiscus 

2 Navicula Amphisbaena 10 — Craticula 

3 — fulva 1 1 Synedra acuta 

4 _ gracilis 12 — amphirhynchus 
5* Naunema amphioxys 13 — Gallionii 

6 Pinnularia decurrens 14 — spectabilis 

7 _ viridis 15* — valens. 

8 Stauroneis phoenicenteron 

B. Weichhäutige Infusorien. 

16 Closterium acerosum. 

C. KieselerdigePflanzentheile. 

17 Lithostylidium calcaratum 19 Lithostylidium polyedrum 

18 — amphiodon 20 — rüde. 

Unter den 18 Infusorien Arten von San Pedro y san Pablo, welche 8 
Generibus angehören, sind nur 3 neue und eigenthümliche, kein eigenthüm- 
liches Genus. Fünf Arten, nämlich Nav. Amphisbaena, Naunema, Stauro- 
jie'is, Surirella Craticula und Closterium sind mit ihren Ovarien als lebende 
Formen mit Sicherheit erkannt. Alle Formen gehören dem Süfswasser an. 

15. San Mi quel bei Regia. 

6666 Fufs über der Meeresfläche. 

Es sind zwischen Süfswasser- Conferven von San Miquel 23 mikrosko- 
pische Körperchen beobachtet worden, die wie folgt verzeichnet werden 
konnten: 



318 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



A. Kieselschalige Infusorien. 



1 * Cocconeis praetexta 

2 Eunotia? monodon 

3 * — nodosa 

4 Fragilaria dioplithalma 

5 * Gallionella coarctata 

6 Navicula affinis 

— amphisbaena 

— gracilis 
Pinnularia decurrens 



7 

8 

9 

10 



1 1 Pinnularia Tabellaria 

12 — Termes 

13 — viridis 

1 4 Stauroneis pJioenicenteron 

15 * Stauroptera Achnanthes 

16 Surirella sigmoidea 

17 — myodon 

18 Synedra acuta 

19 — Gallionii. 



— gibba 

B. Kieselcrdige Pflanzentheile. 

20 Lithodontium furcatum 22 Lithostylidium Serra 

21 Lithostylidium calcaratum 23 Spongilla lacustris. 

Unter den 19 Infusorien- Arten von San Miquel, welche 10 verschie- 
denen Generibus angehören, sind nur 4 eigenthümliche Arten, welche diesen 
Ort von den bisher verzeichneten auszeichnen. Keine der Arten bildet 
ein eigenthümliches Genus. Aufser den auf Tafel III. abgebildeten sind noch 
Pinnularia viridis, Staurone'is phoenicenteron und Navicula Amphisbaena mit 
ihren grünen Ovarien beobachtet worden. 

16. Atotonilco el Grande. Tafel III. 

6759 Fufs über der Meeresfläche. 
Die von Herrn Carl Ehrenberg gesammelten Conferven von el Grande, 
Totonilco el Grande oder Atotonilco el Grande in Mexico haben 34 mikro- 
skopische Organismen ergeben, deren Verzeichnifs folgendes ist: 

A. Kieselschalige Infusorien. 
1 Cocconeis lineata 9 Eunotia turgida 

2* — mexicana 10 

3 — Placentula 1 1 

4 Cocconema Lunula 1 2 * 
Eunotia amphioxys 13 

— Argus 1 4 

— gibba 

— gibberula 



5 

6 

7 

s 



Fragilaria acuta 

— rhabdosoma 

Gomphonema Augur 

— clavatum 

— gracile 

15 Navicula amphirhynchus 

16 — fulva 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 319 

17 Navicula Scalprum 24 Stauroneis bicostris 

18 — Sigma 25 Surire IIa microcora 
19* — sphaerophora 26 — splendida? 

20 Pinnularia gibba 27 Sjnedra amphirchjnchus 

21 — Tabellaria 28 — spectabilis 

22 — viridis 29 ** Terpsinoe musica. 

23 Sphenosira Catena 

ß. Weichschalige Infusorien. 
30 Closterium acerosum 3 1 Difjlugia denticulata. 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

32 Lithostylidium amphiodon 34 Spongilla lacustris. 

33 — Serra 

Obwohl unter den 31 Infusorien -Arten aus 12 Generibus, nur 4 ei- 
gentümliche Formen sind, so befinden sich doch unter allen zwei, welche 
zwei Genera bilden, die nur bisher in Amerika, und nur in Mexico vorgekom- 
men sind, Sphenosira und Terpsinoe. Eins derselben gehört zu dem Auffal- 
lendsten im ganzen Bereiche der mikroskopischen Beobachtung. Es ist das 
Musik -Thierchen, Terpsinoe musica, welches genau einer doppelten Noten- 
tenreihe in einem Glaskästchen gleicht. Diese Form hat nur einen nahen 
Verwandten in der Gattung Tctragramma, von welcher eine Art in Libyen 
in der Ammons-Oase und auf den Marianen- Inseln lebt, von welchen Or- 
ten ich sie im Juni 1841 (s. den Monatsbericht) vorlegte. Etwas entferntere 
Analogien bieten die Formen der Gattung Grammatophora (Schrift - Schiff- 
chen). Übrigens hat sich dieselbe Art in Vera -Cruz am Meere gefunden. 

Aufser den auf Tafel III. dargestellten Formen sind noch Closterium 
acerosum, Navicula fulva, Pinnularia viridis, Eunotia gibba, Cocconeis lineata, 
Su7-irella microcora, Synedra amphirhynchus und S. spectabilis mit ihren grü- 
nen Ovarien beobachtet worden. 

17. Puente de Dios. Tafel HI. 

5310 Fufs über der Meeresfläche. 

Aus den von Herrn Carl Ehrenberg mitgebrachten Conferven von 
Puente de la Madre de Dios oder de Magdalena zwischen Atotonilco el Grande 
und Actopan sind 16 unsichtbar kleine Organismen ermittelt worden, welche 
sämmtlich den kieselschaligen Infusorien angehören, und die sich folgender- 
mafsen classificiren lassen: 



320 Ehrenbekg: Verbreitung und Einßufs 





Kieselschal 


ige In 


fusorien. 




1 


Coccone'is lineata 


9 


Surirella 


bifrons 


2 


— mexicana 


10 


— 


Campylodiscus 


3 


Eunoüa gibba 


11* 


— 


euglypta 


4 


Fragilaria acuta 


12* 


— 


oophaena 


5 


Gallionella coarctata 


13* 


— 


Regula 


6 


Navicula afjinis 


14 


Synedra 


acuta 


7 


— dirhynchus 


15 


— 


spectabilis 


8* 


— leptorhynchus 


16 


— 


JJlna. 



Neue Genera sind unter diesen 7 Gattungen der 16 Iufusorien- For- 
men von Puente de Dios nicht, aber ^ der Gesammtzahl sind eigenthümliche 
Arten und besonders reicb daran ist die zierliche Gattung Surirella. 

Aufser den auf der Tafel abgebildeten Formen sind die 3 Naviculae 
und beide dort fehlende Synedrae samt der Fragilaria mit grünen Ovarien 
gefüllt gesehen worden. 

18. Moctezuma-Flufs. 

5000 Fufs (?) über der Meeresfläclie. 

Zwischen den Conferven des Moctezuma- Flusses bei Las Ajuntas in 
Zimapan fanden sich eine Anzahl sonst weder im südlichen noch im mittleren 
Amerika vorgekommener Genera und darunter auch die ersten Räderthiere 
vor. Die Gesammtzahl der ermittelten Formen beträgt 24 , deren systema- 
tische Classificirung folgendermafsen festzustellen gewesen ist : 

A. Kieselschalige polygastrische Infusorien. 

1 Coccone'is americana 9 Navicula amphirhynchus 

2 Cocconema Lunula 10 — amphioccys 

3 Eunotia gibba 11 — Bacillum 

4 Fragilaria acuta 12 — dirhynchus 

5 — constricta 13 — gracilis 

6 — diophthalma 14 Sphenosira Catena 

7 — pinnata 15 Synedra praemorsa 

8 Gomphonema gracile? 16 — Ulna. 

B. Weichschalige polygastrische Infusorien. 

17 Arcella aculeata 20 Micrasterias Boryana 

18 — hyalina 21 — heptactis 

19 Euastrum magaritaceum 22* — senaria 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 321 

C. Räderthiere. 
23 Callidina rediviva? 24 Lepadella oralis? 

Es ist auffallend, dafs von diesen 24 Formen, welche 13 Generibus an- 
gehören, nur eine einzige Art neu und eigentümlich ist, während doch die 
sonst in Süd-Amerika ungekannten Genera Micrasterias, Callidina und Lepa- 
della eine Eigentümlichkeit der Lokalität bekunden ('). 

Aufser den auf der Tafel abgebildeten Formen sind noch Eunotiagibba, 
Navicula gracilis, Fragilaria acuta mit ihren Ovarien beobachtet worden. 

^Yas die Rädertbiere anlangt, so sind mir von der auf Tafel III. abge- 
bildeten Callidina mehr als 20 Specimina und auch Eier vorgekommen. Sie 



(') Rücksichtlicb der Gattung Micrasterias ist zu bemerken, dafs Hr. Meneghlni in der 
botanischen Zeitschrift Linnea von 1840 diesen Namen ganz unrichtig von Neuem verwendet 
bat, was bei ihm eine vielseitige Veränderung von Namen auch für Euaslrum und Arthrc- 
desmus zur Folge gehabt hat, die keineswegs wissenschaftlich richtig ist. Die Namen Micra- 
sterias für M. heplactis und Rolu/a, als M. furcata von Agardh, ist von 1827, der Name 
Pediaslrum von Meyen ist von 1829. In den Jahren 1831 und 1832 hatte ich bei der von 
mir versuchten schärfern physiologischen Bestimmung dieser Formen, welche bis dahin sehr 
heterogene Gruppen bildeten, noch ein freies Feld. Ich hatte das Recht damals, diesen 
Namen, an dem ich keinen Theil habe, so zu verwenden, wie ich es gethan, und Meyen's 
W iderspruch in YViegmann's Archiv war, um den von ihm gegebenen spätem Namen gel- 
tend zu machen, daher nicht wissenschaftlich. Über dieses Geschichtliche, welches doch 
einmal nicht ungeschehen gemacht werden kann, so gern man auch Jedem seine Lust an 
neuen Namen liefse, findet sich das Weitere in dem 1838 erschienenen Werke über die 
Infusorien als vollendete Organismen bei den betreffenden Generibus. 

Dadurch, dafs Meyen ohne Noth und Recht 1829 neue Namen gab, und dadurch, 
dafs Kützing, der bekannte fleifsige Algolog, 1833 in der Linnea Mittheilungen über Infuso- 
rien als Algen machte, ohne Bekanntschaft mit den schon 1828, 1830, 1831 und 1832 ge- 
gebenen und publicirten Infusorien -Namen, dadurch, dafs dann wieder Brebisson, der ver- 
diente französische Algolog, 1835 die Darstellung Kützings, welche sich mit der sie enthal- 
tenden Zeitschrift leichter verbreitete, ebenfalls ohne Bekanntschaft mit den seitdem sehr 
erweiterten Beschreibungen der Infusorien, auf die Algen von Falaise übertrug, sind viele 
Doppelnamen und unrichtige Benennungen entstanden. Aber das Schlimmste ist, dafs sogar 
im Jahre 1840 noch diese, doch wohl augenscheinlich sorgfältig entwickelten Verhältnisse, 
mit dem Vermeinen von critischer Sicherung fremder Prioritäts- Ansprüche, von Botanikern, 
ohne alle directe Kenntnifs der von mir bezeichneten Formen, von Neuem wieder zu den 
Pflanzen hinübergezogen, und in der Namengebung eigenmächtig verändert worden. Diese 
Kritik ist nicht zu billigen, sie giebt nicht eine bessere Übersicht, sie kann nur ein bedau- 
erliches Mifsverständnils sein, welches eine neue grofse Synonymie in die an sich schon schwie- 
rigen mikroskopischen Verhältnisse bringt. 

Physik. - math. Kl. 1 84 1 . S s 



322 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

waren zwischen den sandigen Beimischungen der Algen, und theils als ovale, 
theils als kugelartige Körperchen sichtbar, die sich im Wasser etwas mehr 
ausdehnten. Ich habe die meisten in einem Uhrglase unter Wasser lange ste- 
hen lassen. Keines lebte wieder auf, endlich zergingen sie in Schleim. Die 
Farbe war blafs ziegelroth mit helleren Enden bei den ausgedehnten. Im mitt- 
leren Körper lag stets ein deutlicher Schlundkopf mit 2 je zweizahnigen Kie- 
fern. Augen waren nicht zu erkennen. Bei den aufgeweichten Thierchen 
wurden durch Druck zwischen Glasplatten die Zähne sehr klar sichtbar. Die 
Farbe der Eier war etwas dunkler röthlich, aber von Augen sah ich nicht nur 
keine Pigmentspur, sondern es fehlte auch jede Spur einer Augenzelle, wie 
sie sich wohl sonst bei verbleichtem Pigmente erkennen läfst. Diese Calli- 
dina ist dann wohl auch dasselbe Bäderthierchen, welches Bosc 1802 als.Ro- 
tifere von Carolina beschrieben hat, und das bisher fraglich zu Rotifer vul- 
garis gezogen werden mufste, wenigstens ist eine andere ähnliche Form aus 
keinem Theile Amerika's bisher bekannt geworden. 

Das andere Bäderthierchen, Lepadella oralis fraglich genannt, zeigte 
ebenfalls keine Spur von Augenpigment, noch von Augenzellen, aber einen 
etwas undeutlich gezahnten Schlundkopf und einen Gabelfufs. 

19. Vera -Cruz. Tafel HI. 

Unmittelbare Meeresküste. 

Aus See -Algen und Meeresabsatz von der flachen sandigen Küste 
bei Vera- Cruz verdankt die Wissenschaft meinem Bruder nicht weniger 
als 120 mikroskopische Organismen. Einige dieser Seethierchen habe ich 
schon 1839 in der Abhandlung über die jetzt lebenden Kreidethiere pag. 33 
und 73 erwähnt, es waren 

Coscinodiscus eccentricus 

Graimnatophora meocicana 

— oceanica 

— undulata. 

Die seitdem so ansehnlich zahlreicher aufgefundenen sämmtlichen jetzt- 
lebenden Formen des mexicanischen Meerbusens sind : 

A. Kieselschalige Infusorien. 
1 Achnanthes pachypus 3 * Actinoptjchus hexapterus 

2* — turgens 4 — senarius 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 323 



5 Amphora libyca 

6 — lineolata 

7 Biddulphia pulchella 
8* Ceratone'is laminaris 
9* Campylodiscus radiosus 

10* — striatus 

11 Climacosphenia moniligera 

12 Coccone'is concentrica 

13 — Jinnica 
14* — islandica 

15 — lineata 

16 — Scutcllum 

17 — striata 

18 Cocconema cymbiforme 

19 — gracile 

20 — Lunula 

21 Coscinodiscus cccentricus 

22 — lineatus 

23 — minor 

24 — radiatus 

25 — sublilis 
26* Dictyocha splendens 

27 Eunotia Textricula? 

28 Fragilaria rhabdosoma? 

C. Kieselerdi 

53 Lithasteriscus radiosus 

54 — tuhcrculosus 

55 Lithodontium furcalura 

56 — nasutum 
57* Lithosphaera Argus 

58 — didyma 

59 — ovata 

60 — osculata 

61 — reniformis 

62 * — stellulosa 



29 Gallionella coarctata 

30 — sulcala 

31 Grammatophora angulosa 

32 * — mexicana 

33 — oceanica 

34 — stricto 

35 — undulata 

36 Haliomma radiatum 
37* Navicula rhombea 
38* Pinnularia Apis 

39 * — Conops 

40* — diomphala 

41* — disphenia 

42 — Gastrum 

43 — Placentula 

44 * — Utriculus 

45 Pyxidicula cruciata 
46* Spirulina vh'ipara 

47 Stauroptera aspcra 

48 Surirella fastuosa 

49 Synedra spectabilis 

50 - Z7/na 

51 Terpsinoe musica 

52 Triceratium Favus. 
;e Bestandteile. 

63 Lithostylidium calcaratum 

64 — Serra 

65 ** Pileolus paradoxus , 

66 Spongolithis (TethyaP) acicularis 

67 — ^4ci/s 

68 * — Agaricus 

69 — anceps 

70 * — armata 

71 * — Anchora ß macro- 

acanthus 
Ss2 



324 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



72 Spongolithis cenocepJiala 

73 — Clcwus 

74 — Fuslis 

75 * — neptunia 

76 * — Pilobolus 



11 Spongolithis Triceras 

78 — uncinata 

79 * — Zygaena 

80 * Spongophyllium cancellatum. 



81** Allotheca megathyra 



Biloculina clongata 



82 

83 * Cristellaria vitrea 

84 * Dimorphina Planularia 

85 * — tenella 

86 * Entrochus septatus 

87 * Grammostomum gracile 

88 * — plicatum 

89 * — porosum 

90 * — tenwe 

9 1 * * Megathyra dilatata 

92 * — Planulina 

93 * Nonionina integra 

94 * — Millepora 

95 * Phanerostomum integerrim 
— ocellalum 



C. Kalkschalige Polythalainien. 

101 * Planulina Oceani 

102 * — /enuw 

103 * Polymorphina australis 
10 i* * Ptygostomum oligoporurn 
105 * Rosalina globigera 
106* — micropora 

107 * — tenerrima 

108 Rotalia globulosa 

109 * — pelagica 

110 * Sorites edentulus 

1 1 1 * Spiroloculina ambullaris 



96 
97 
98 
99 
100 



' Planularia Pelagi 
Planulina areolata 

— Argus 

— aspera 



112* — 


Lagena 


113 - 


vulgaris 


114* Textilaria aculeata 


115* — 


areolata 


116 — 


globulosa 


117* - 


incrassata 


118* - 


ocellata 


119* - 


stichopora 


120* — ? 





Die 52 Infusorien -Arten des mexikanischen Meerbusens gehören 25 
Generibus an, von denen nur zwei an den europäischen Meeresküsten zu feh- 
len scheinen, nämlich Climacosphenia und Terpsinoe. Neu und eigentümlich 
sind 24 Species, welche durch Sternchen bezeichnet sind. Die Terpsinoe 
musica ist auch aus Atotonilco, dem Hochlande Mexico's, schon angezeigt, 
und da sich bei Vera- Cruz nur eine leere, ein wenig verletzte Schale, dage- 
gen bei Atotonilco mit den Ovarien erhaltene Thierchen gefunden haben, so 
könnte leicht diese Süfswasserform mit dem Wasser von dem Hochlande, 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord - Amerika. 325 

wohin sie eigentlich gehört, hinabgespült worden sein, ohne an der Küste 
eigentlich zu leben. Doch giebt es auch viele kleine Thiere, die im Süfswasser 
und im Seewasser leben können. 

Unter den 28 kieselerdigen Pflanzentheilensind mehrere ausgezeichnete 
Formen, deren einige auf Tafel III. abgebildet sind. Einige dieser Formen, 
die Lithodontia und Lilhostylidia, sind offenbar Theile von Landpflanzen, 
Gräsern, während die übrigen sämmtlich Theile von Seeschwämmen oder 
Tethyen zu sein scheinen, und viele nachweifslich es sind. Die erstem mö- 
gen mit dem Flufs- und Regenwasser in's Meer geschwemmt werden. 

Am reichsten im Verhältnifs an ausgezeichneten Formen sind die kalk- 
schaligen Thierchen oder Polythalamien. Es sind 40 Arten derselben als 
jetzt im dortigen Meere lebend beobachtet und diese gehören 18-19 Gene- 
ribus an, von welchen 6-7 eigenthümlich oder doch neu sind. Von den 40 
Arten sind 36 neu. Hierbei ist freilich zu bemerken, dafsdieseFormen noch 
sehr wenig an andern Orten betrachtet sind. 

Besonders wichtig ist eine Anzahl dieser mexikanischen Meeresformen 
dadurch, dafs sie offenbar identisch sind mit denen der Kreide und der Kreide- 
mergel, und dafs mithin die Zahl dieser bereits zahlreichen identischen For- 
men sich dadurch wesentlich vergröfsert. Über dieses Verhältnifs werde ich 
weiter unten ausführlicher und summarisch berichten . 

Die Vereinigten Staaten Nord- Amerika's. 
Die erste nordamerikanische Infusorien -Form ist durch Bosc im Jahre 
1802 aus Carolina angezeigt worden. Dann ist, nachdem die fossilen Infu- 
sorien-Erden entdeckt waren, alsbald auch in New- York die Aufmerksam- 
keit darauf gelenkt worden, und ich erhielt 1839 die ersten Proben dieser 
Art von Herrn Torrey, über welche am 18. Februar 1839 der Akademie be- 
richtet wurde. Seitdem sind nun die reichsten amerikanischen Materialien 
gerade aus den Vereinigten Staaten gewonnen worden, wo die eingebornen 
angesehenen Gelehrten sich mit grofser Vorliebe der Aufsuchung dieser Ver- 
hältnisse mit dem glücklichsten Erfolge gewidmet haben. Es folgen nun die 
Resultate der einzelnen Lokalitäten nach ihrer geographischen Lage, von 
Mexico nach Osten und Nord -Osten fortschreitend, woran sich zuletzt an- 
dere und die nördlichsten, dem Pole nahen, amerikanischen Beobachtungs- 
punkte anreihen werden. 



326 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

20. Florida, Ostküste. 

(28° N. B. 80° W. L. v. Greenw.) 

Herr Prof. Bailey in West Point erwähnt in seinem interessanten Auf- 
satze über die amerikanischen Bacillarien im Journal of Science and ArtsYol. 
XLII. No.23 1842 einer Cocconeis, welche an einer See- Alge von der Ost- 
küste Florida's anhing. Er hat sie abgebildet, aber ihr keinen Special-Namen 
gegeben. Ich bin zweifelhaft, ob es eine besondere Art gewesen, oder ob die 
Zeichnung den Charakter einer bekannten Art weniger scharf angiebt. Waren 
die Rippen der Schale gekörnt, so pafste die Gröfse und Form ganz wohl zu 

Cocconeis Scuiellum , 
welche Form anderwärts in Amerika auch von mir beobachtet worden ist. 
Andere Formen sind aus Florida nicht bekannt. 

21. Carolina. 
(32-36° N. B. 76-81° W. L. v. Greenw.) 

Es sind von Bosc im Jahre 1802 in Detervilles Fortsetzung der Buffon- 
schen Naturgeschichte (Buffon par Deterville, Vers) 3 Infusorien aus Caro- 
lina genannt worden, die er selbst dort beobachtet hat. Er nennt sie Vorti- 
cella doliolium, Cercaria cornuta und le Rotifere. Es heifst ebenda: ( J ) Die 
«heifsen Länder können ohne Zweifel grofse Arten (von Infusorien) hervor- 
« bringen, die (dem dänischen Naturforscher Otto Friedrich) Müller unbekannt 
«sind, und Bosc hat schon eine von Carolina mitgebracht {Cercaria cornuta); 
«allein die kleinen Arten müssen überall dieselben sein, und der nämliche 
«Naturforscher hat es in diesem Theile von Amerika bestätigt, indem er 
«mehrere beobachtete, die man häufig bei Paris findet und unter andern das 
«Räderthier {Je Rotifere).» 

Was hier von Bosc im Allgemeinen gesagt wird, kann nicht mafsgebend 
sein, da er offenbar die Formen nicht so scharf untersucht hat, um über ihre 
Gleichheit mit den europäischen richtig zu urtheilen, was auch aus den von 
ihm gegebenen, ganz unbrauchbaren Abbildungen der 2 angeblich neuen Ar- 

(') Les pays chauds en peuvent sans doute produire de grandes especes inconnues ä 
Müller et Bosc en a deja rapporte une de la Caroline, mais les petites especes doivent etre 
partout les meraes, et le meme naturaliste l'a constate dans cette partie de rAmerique, oü 
il en a observe plusieurs qu'on trouve frequenimement aux environs de Paris et entre autres 
le Rotifere. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word- Amerika. 327 

ten deutlich hervortritt. Er hatte wohl keine hinreichend starke und klare 
Vergröfserung. Nur soviel läfst sich daraus abnehmen, dafs er wirklich In- 
fusorien dort in ähnlichen Gröfsen und Mengen wie bei Paris sah. Ja er giebt 
übrigens bei der Vorticelle ganz interessante Entwickelungsbeobachtungen an, 
die er freilich auch leichter machen konnte. Er sah an einem Tage 3 Ge- 
nerationen entstehen. (*) 

Nach den sehr flüchtigen Umrissen zu urtheilen, welche dort mitge- 
theilt sind, war nur die Vorticelle ein Polygastricum. Ich habe sie 1838 in dem 
Infusorien -Werke pag. 275 zur Epistjlis Anastatica gezogen. Die Cercaria 
cornuta, deren südländische Gröfse Bosc imponirte, habe ich ebenda pag. 464, 
der Abbildung nach, für einen jungen Wasserfloh oder Krebs, mithin für gar 
kein Infusorium erklärt. Den Rolifere endlich habe ich früher zu Rotijer 
vulgaris gezogen, allein die Exemplare der Callidina vom Moctezuma-Flusse 
machen jetzt wahrscheinlich, dafs er ein solches augenloses Thierchen 
gewesen. 

Demnach sind die beobachteten Infusorien aus Carolina nur 

1 Epistjlis Anastatica? und 

2 Callidina rediviva. 

In dem gröfsern Infusorienwerke habe ich unter dem Genus Callidina 
nur eine Art, C. elegans angeführt, allein pag. 500 ist auf eine zweite Art, 
C. rediviva aufmerksam gemacht worden, von der sich die mexikanische nicht 
wohl unterscheiden liefs. 

22. Virginien, Richmond. 
(37° N. B. 77 ° W. L. v. Greenw.) 

Eine sehr reiche Ausbeute, aber nur an fossilen mikroskopischen For- 
men Virginiens, ist durch Herrn Prof. Rogers, des Geognosten, Bemühung 
entdeckt worden, und auch zu meiner Beurtheilung gekommen. Herr Prof. 
Bailey hat schon einige Arten davon in der Abhandlung über die amerikani- 
schen Bacillarien verzeichnet und auf die Ähnlichkeit der dortigen geogno- 
stischen Bildung mit der von Oran hingewiesen, welches Verhältnifs scharf 
zu vergleichen nun ein besonderes geologisches Interesse gewonnen hat. 

Folgendes Verzeichnifs von 11 virginischen fossilen Infusorien habe ich 
aus Hrn. Bailey's Abhandlung ausgezogen. 

(') Elle a fourni trois generations dans une journee. 



328 



Ehrenberg: Verbreitung und Ehrflufs 



Bailey 

1 Pyxidicula Fig. 2 

2 Gallionella sulcata Fig. 7 

3 Actinocyclus — Fig. 10 

4 - — Fig. 10 



Ehrenberg 

= Pjxidicula cruciata 
= Gallionella sulcata 
= Actinoptychus octonarius 
= — scnarius 



5 Coscinodiscus lineatus Fig. 12 = Coscinodiscus lineatus 



6 

7 
8 
9 



Patina Fig. 13 = 

radiatus Fig, 14 = 

Argus = 

Oculus Iridis = 



minor 
Gigas 



Argus 
Oculus Iridis. 



Uberdiefs glaubt Herr Bailey, dafs gewifs noch mehrere Arten des Ge- 
nus Actinocyclus sich fossil auch im Lager von Riebmond linden werden. 

Dieses Lager fossiler Infusorien in der Nähe der Stadt Richmond ist 
nach Herrn Rogers geognostischen Untersuchungen (*) eine Tertiärbildung 
und ein ganz ähnliches findet sich nach Herrn Bailey in den felsigen Anhö- 
ben (cliffs) am Rappahannock- River. Herr Bailey sagt a. a. O.: «Diese In- 
«fusorien- Lager Yirginiens sind von grofsem Interesse wegen ihrer weiten 
«Verbreitung und auch, weil sie die ersten Infusorien -Ablagerungen aus die- 
«sen Ländern sind, die einer Vorzeit vor der jetzigen Bildungs- 
«Epoche angehören.» 

In der mir von Herrn Rogers durch Herrn Prof. Bailey gütigst über- 
sandten Probe des dortigen fossilen, angeblich tertiären Infusorien -Lagers 
haben sich bis jetzt folgende 50 Formen beobachten und mit den europäischen 
und afrikanischen von Oran direct vergleichen lassen. 



A. Kieselschalige Infusorien. 



1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 



Actinocyclus quinarius 

— denarius 

— undenarius 

— duodejiarius 

— bioctonarius 
Actinoptychus senarius 

— octonarius 



8 Actinoptychus duodenarius 

9 — sedenarius 

10 — denarius 

1 1 * — vicenarius 
12* — Jupiter 

13 Amphora libyea 

14 Biddulphia tridentata 



(') Report on Geology of Virginia for 1840. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 



329 



15 


Cocconcis 


amphiceros 


16* 


— 


leptoceros 


17 


Coscinodiscus Argus 


18 


— 


concavus 


19 


— 


limbatus 


20 


— 


lineatus 


21 


— 


marginatus 


22 


— 


Gigas 


23 


— 


minor 


24 


— 


Oculus Iridis 


25 


— 


radiatus 


26* 


— 


radiolatus 


27 


Dictyocha Crux 


28 


— 


Fibula 


29 


— 


Pentasterias 


30 


Eunotia Diodon 



31 Eunotia Monodon? 
32* Fragilaria amphiceros 

33 — laevis 

34 — pinnata 

35 Gallionella sulcata 
36** Goniothecium Rogersii 



37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 



Grammatophora oceanica 

— undulata ? 

Haliomma — ? 
Himantidium Arcus? 
Navicula Sigma 



Pinnularia peregrina 
Pjxidicula cruciata 
44** Rhizosolenia americana 
45* Stauroptera — ? 
46* Triceratium obtusum. 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

47 Spongolithis acicularis 50 Spongolithis Clavus 

48 — Caput serpentis 51 — ßstulosa 

49 — cenocephala 52 — Fustis. 

Unter diesen 52 Formen sind 46 Infusorien, welche 20 Generibus an- 
gehören. Von den Generibus sind 2, Goniothecium und Rhizosolenia, bis- 
her nirgends weiter beobachtet, alle übrigen sind europäische. Von den Ar- 
ten sind 11, also fast ^, neu und eigenthümlich. 

Viele der in diesem Lager vorkommenden Formen sind allerdings, wie 
Hr. B aile y aus der geringeren Zahl von Beobachtungen schon richtig schlofs, 
denen von Oran gleich, allein viele dieser Formen kommen auch nicht in 
Oran vor. Das wahre Verhältnifs stellt sich, nach den bisherigen Materialien 
zur Vergleichung, so, dafs von der Gattung Coscinodiscus von 1 1 Arten in 
Oran 5 vorkommen, welche auch in Richmond vorhanden sind, 5 in Rich- 
mond allein, 1 in Oran allein gefunden sind. Von 13 Arten Actinocyclus 
sind 3 übereinstimmend, 8 kommen allein in Oran, 2 allein in Richmond vor. 
Von 8 Arten von Actinoptychus kommen 3 an beiden Orten zugleich vor, 4 
in Richmond, 1 allein in Oran u. s. w. Da selbst von den Kreide -Thieren 
Physik. - math. Ä/. 1841. T t 



330 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

aus Sicilien eine ansehnliche Zahl noch jetzt lehend vorhanden sind, mithin 
in der Tertiär -Formation nicht fehlen können, so erlaubt offenbar eine Ähn- 
lichkeit oder Gleichheit dieser Formen allein nicht auf das geognostische Alter 
einer Gebirgsart zu schliefsen. 

Besonders interessant und wissenschaftlich wichtig ist diese Formen- 
reihe aus Amerika deshalb, weil das Lager bei Richmond eine entschiedene 
See wasserbildung ist und somit auf einmal eine grofse Übersicht der mi- 
kroskopischen Seethiere des Nordamerikanischen Oceans entgegengeführt, 
die offenbar in der Mehrzahl dort noch jetzt lebend sein werden, da sie an 
der deutschen Küste der Nordsee bereits zahlreich lebend aufgefunden wor- 
den sind. 

In wie fern die ganze Ablagerung zur Tertiärbildung gerechnet werden 
mufs, ist aus den mir zu Gebote stehenden Materialien nicht zu beurtheilen. 
Sie kann, denhier aufgezählten, von mir allein zubeurtheilenden Formennach, 
der Kreidebildung, der Tertiär- Bildung und auch einer ganz neuen Zeit an- 
gehört haben. Die darin eingeschlossenen Reste von characteristischen grö- 
fsern Thieren, oder eine Überlagerung von geologisch entschieden characte- 
risirten Gebirgsmassen, z. B. Kreide, Basalt u. dgl. würden hierbei allein 
sicher leitend sein können. 

23. West-Point, New-York. Tafel IV. 

(40° N. B. 74° W. L. v. Gieenw.) 
Aus West-Point in New-York wurden, wie bereits vorn erwähnt ist, 
schon im Jahre 1838 durch den Professor der Chemie, Mineralogie und Geo- 
logie Herrn Bailey daselbst, einige Mittheilungen über fossile Infusorien im 
Torfe der dortigen Gegend mit angehängten Bemerkungen über amerikanische 
Diatomeen veröffentlicht.^) Herr Prof. Daubeny in Oxford hatte etwas 
von der für seine nordamerikanischen Freunde von mir erhaltenen Infusorien- 
Erde an Herrn Dr. Torrey gesandt, und dieser sie Herrn Bailey mitge- 
theilt, wie der letztere in der Einleitung berichtet. Die Nachsuchung in der 
Umgegend von West -Point nach 'etwas Ähnlichem hatte sehr bald ein gün- 
stiges Resultat. Prof. Bailey fand am Fufse des südlichen Abhanges des 

(') On fossil Infusoria discovered in Peat-earth at West -Point N. Y. with some noti- 
ces of American species of Diatomae by I. W. Bailey in Silliman American Journal of 
science and arts Vol. XXXIV. Juli 1838. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 331 

Hügels, worauf das berühmte Fort Putnam stand, 1 Fufs unter der Oberfläche 
eines dünnen Torflagers, eine 8 bis 10 Zoll mächtige und wahrscheinlich auf 
einige 100 Quadrat- Yards ausgedehnte Erd- Schicht, die ganz aus Kiesel- 
schalen von Bacillarien bestand, und als fossile Masse erschien. Er war^der 
Meinung, dafs Hunderte von Jahren verfiiefsen mufsten, ehe sich eine solche 
Masse zusammenhäufen konnte, was jedoch auch in Kürze möglich ist. 

Die weitern Details der Mittheilungen ergeben eine Beobachtung von 
10 verschiedenen fossilenFormen, welche auch abgebildet, aber nicht benannt 
sind. Ich versuche hier ihre Deutung: 

Fig. 1. = Navicula viridis 

Fig. 2. = Cocconema asperum? 

Fig. 3. = Spongillae lacustris aciculae 

Fig. 4. = Spongillae Erinacei aciculae 

Fig. 5. = Navicula viridis a latere 

Fig. 6. = Stauroneis 

Fig. 7. = Pinnularia amphioxys 

Fig. 8. = Gomphonema gracile 

Fig. 9. = Eunotia bidens 

Fig. 10. eine Massen -Ansicht 

Fig. ll.= Gallionella distans et crenulata. 

Uberdiefs hat Herr Bailey 5 jetzt dort in den Gewässern lebende For- 
men beobachtet und gezeichnet, die vorn, pag. 295, bereits genannt sind und 
die ich hier nicht wiederhole. 

Von Herrn Dr. Torrey erhielt ich durch Herrn v. Humboldt's gü- 
tige Übernahme im Jahre 1839 eine Probe jenes amerikanischen Infuso- 
rien-Lagers, über welches ich im selben Jahre im Februar der Akademie Be- 
richt erstattete.^) Es wurden damals 15 organische Bestandtheile erkannt, 
darunter 1 1 kieselschalige Infusorien, 3 kieselerdige Pflanzentheile und Fich- 
ten-Pollen. 

1 Cocconema asperum 4 Fragilaria trinodis 

2 Eunotia Arcus 5 Gallionella distans 

3 — Diodon 6 Gomphonema paradoxum 



(') S. die Berichte der Akademie 1839 pag. 30. 

Tt2 



332 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



7 Navicula alata 12 Spongilla lacustris? 

8 — amphioxys 13 Spongia? apiculata 

9 Navicula suecica 14 Amphidiscus Rotula 

10 — viridis 15 Pollen Pini. 

11 — viridula 

Die fortgesetzte Untersuchung dieser fossilen Erdprobe und die vorn 
erwähnte wiederholte gröfsere Sendung an Material durch die Herren Silli- 
man haben allmälig die Zahl der constituirenden Formen bis auf 62 erhöht. 

Folgendes Verzeichnifs enthält alle von mir in dem Lager am Castell 
bei West -Point erkannten Formen. 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Amphiprora navicularis 


25 


Gomphonema subtile 


2 


Cocconeis Jinnica 


26 


— 


turgidum 


3 


Cocconema Arcus 


27 


— 


Turris 


4 


— asperum 


28 


Navicula alata 




— cymbiforme 


29* 


— 


americana 


6 


Eunotia bidens 


30 


— 


amphigomphus 


7 


— Diodon 


31 


— 


Bacillum 


8 


— granulata 


32 


— 


dilatata 


9 


— Monodon 


33 


— 


Silicula 


10 


— Octodon 


34 Pinnularia amphioxys 


11 


— parallella 


35 


— 


Dactylus 


12 


— praerupta 


36 


— 


inaequalis 


13 


— Tetraodon 


37 


— 


Legumen 


14 


— ventralis 


38 


— 


macilenta 


15 


— zebrina 


39 


— 


nobilis 


16 


Fragilaria pinnata 


40* 


— 


Sillimanorum 


17 


Gallionella aurichalcea 


41 


— 


Tabellaria 


18 


— crenulata 


42 


— 


viridis 


19 


— distans 


43 


Stauronc'is Baileyi 


20 


Gomphonema americanum 


44 


Striatclla arcuata? 


21 


— Augur 


45 


Synedra 


speetabilis 


22 


— coronatum 


46 


Tabellar 


ia nodosa 


23 


— gracile 


47 


— 


trinodis. 


24 


— nasutum 









des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word- Amerika. 333 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

48 Amphidiscus Anchora 56 Lithodontium Rhombus 

49 — armatus 57 Lithostylidium amphiodon 

50 — JMartii 58 Spongilla lacustris 

51 — Rotula 59 — Erinaceus 

52 Lithodcrmatium fasciatum 60 Spongolithis apiculata 

53 Lithodontium bicorne 61 — inßexa 

54 — furcatum 62 — mesogongyla. 

55 — nasutum 

C. Weichhäutige Pflanzentheile. 
63 Pollen Pini. 

Unter den 47 selbstständigen kleinen Organismen dieses Lagers ist nur 
eine Form, die ein besonderes Genus bildet, Amphiprora. Alle übrigen ge- 
boren 12 europäischen Gattungen. Als eigentbümlicbe Arten lassen sich auch 
mit einiger Sicherheit nur etwa 7, also gegen t der ganzen Formen -Zahl an- 
sehen. Bei weitem die Mehrzahl erscheinen als mit den europäischen ganz 
übereinstimmende Formen. 

Aufser diesen fossilen, dicht unter der Oberfläche eines Torfmoors 
vorkommenden, mithin vielleicht sämmtlich auch der Jetztwelt angehörigen 
Formen habe ich nur noch Gelegenheit gehabt, von West -Point auch noch 
eine grofse Reihe von entschieden jetzt lebenden und sogar im lebenden Zu- 
stande in Berlin zu beobachten. Herr Prof. Bailey sandte mir im Jahre 
1842 einige Gläschen voll Torf- Wasser aus West -Point mit vielen lebenden 
Bacillarien. Diese waren am 2. April 1842 dort mit dem Wasser gefüllt 
worden, und am 16. Juni darauf konnte ich sie der Akademie in Berlin noch 
zahlreich lebend vorzeigen. (') Ich habe mich bemüht, diese lebendigen oder 
doch sämmtlich als der Jetztwelt mit Sicherheit angehörigen Formen Nord- 
Amerikas mit den europäischen möglichst genau zu vergleichen und habe des- 
halb alle gezeichnet. 

Gleichzeitig sandte auch Herr Bailey eine gedruckte Abhandlung ein, 
worin er, neben den fossilen Formen von Richmond in Virginien, eine ziem- 

(') Vgl. die Berichte der Akademie 1842 pag. 188. 



334 



Ehren berg: Verbreitung und Einßufs 



liehe Anzahl jetzt lebender Arten aus mehreren Gegenden der Vereinigten 
Staaten und besonders von West -Point selbst angezeigt hat. (*) 

Diese von Herrn Bailey bei West-Point in New- York beobachteten 
und abgebildeten jetzt lebenden Formen sind folgende : 

I. Desmidiacea. 



Fig. 1. Desmidium Swartzü? 
Fig. 2-3. Euastrum? 
Fig. 4-5. Euastrum? 



Fig. 6. — vor. 

Fig. 7. — var. 

Fig. 8. — margaritifer. 

Fig. 9. — al. sp. 

8 Fig. 10. — al. sp. 

9 Fig. 11. — al. sp. 

10 Fig. 12. — al. sp. 

11 Fig. 13. — alsp. 

12 Fig. 14. — al. sp. 

13 Fig. 15. Xanthidium — 
12 Fig. 16. — — 

Fig. 17 '. Arthrodesmus quadricau- 

datus - 

— acutus 
Micrasterias Tetras 

— Borjana 

— al. sp. 
17 Fig. 22. Euastrum Rata 

Crux melitens. 



13 Fig. 18. 

14 Fig. 19. 

15 Fig. 20. 

16 Fig. 21. 



18 Fig. 23. — 
Fig. 24. — 

19 Fig. 25. — 

20 Fig. 26. — 

21 Fig. 27. — 



Rot a juvenile 
al. sp. 
al. sp. 
al. sp. 



Desmidium Swartzü 
— tridens 



= Pentasterias radiata? 

= Euastrum margaritiferum 

= Desmidium aculeatum 

= Xanthidium fasciculatum 

= Arthrodesmus convergens 

= — quadricaudatus.p. 

= Xanthidium bisenarium 

= Desmidium glabrum 

= * Xanthidium Arctiscon 

= — coronatum 

= Arthrodesmus quadricaudatus 

= — acutus 

= Micrasterias Tetras 

= — Borjana 

= — elliptica 

= * Euastrum Sol 

= — Crux melitensis 

= — Rota, juvenile 

= * — americanum 

■==. — Pecten 

= — ansatum 



( ) American Bacillaria: by I. VV. Bailey Part. I. Desmidiacea. Silliman American 
Journal of sc. and Ans Vol. XLI. Nr. 2. pag. 288 und Part. II. Naviculacea Vol. XLII. 
Nr. 1. p. 96. 1841 und 1842. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word -Amerika. 335 



22 Fig. 28. 


Euastrum al. sp. 


= 


* Euastrum carinatum 




Fig. 29. 


— al. sp. 


= 


— Crux melitensis juv. 


? 


23 Fig. 30. 


Closterium Lunula 


= 


{Closterium Lunula?, lurgidum 


') 


24 Fig. 31. 


- — moniliferum 


= 


— moniliferum 




25 Fig. 32. 


— Trabecula 


= 


— crenulatum 




26 Fig. 33. 


— Digitus? 


= 


(Polysolenia Closterium?) 




27 Fig. 34. 


— lineatum 


= 


Closterium amblyonema 




28 Fig. 35. 


— striolatum 


= 


— turgidum 




29 Fig. 36. 


— rostratum 


=: 


— setaceum 




30 Fig. 37. 


— tenue ? 


= 


— tenue? 




31 Fig. 38. 


— al. sp. 


= 


— {Trabecula?) 






II. Naviculacea. 




32 Fig. 3. 


Gallionella moniliformis 


= 


Gallionella moniliformis 




33 Fig. 4. 


— aurichalcea 


= 


— aurichalcea 




34 Fig. 5. 


— distans 


= 


— distans 




35 Fig. 6. 


— vai-ians 


= 


— varians 




36 Fig. 7. 


— sulcata 


= 


— sulcata 




37 Fig. 8. 


— ? al. sp. 


= 


* Biddulphia? laevis 




38 Fig. 17. 


Navicula viridis 


= 


Pinnularia viridis 




39 Fig. 20. 


— al. sp. 


= 


— suecica? 




40 Fig. 21. 


— ? strialula 


= 


Surirella splendida 




41 Fig. 23. 


— al. sp. 


= 


* Stauroneis Baileji 




42 Fig. 26. 


Eunotia Arcus 


= 


Eunotia Westermanni 




43 Fig. 28. 


— Monodon 


=: 


— Monodon 




44 Fig. 29. 


— Diodon 


= 


— Diodon 




45 Fig. 30. 


— triodon 


= 


— Triodon 




46 Fig. 31. 


— tetraodon 


= 


— Tetraodon 




47 Fig. 32. 


— penlodon 


= 


— quinaria 




48 Fig. 33. 


— Serra 


= 


— Decaodon 




49 Fig. 34. 


Bacillaria paradoxa 


= 


Bacillaria paradoxa 




jFig.36. 
ÖU \Fig. 37. 


— tabellaris 1 

— — adultior? \ 


= 


Tabellaria trinodis 




51 Fig. 40. 


Fragilaria pcctinalis 


= 


Himantidium Arcus 




52 Fig. 41. 


— bipunctata 


= 


Fragilaria rhabdosoma 




53 Fig. 42. 


JMeridion vernale 


= 


Meridion vernale. 





336 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

Unter diesen 53 Infusorien - Arten aus New- York sind 7 eigenthüm- 
liche Arten, welche durch Sternchen bezeichnet sind. Ganz besonders wich- 
tig ist Herrn Bailey's Beobachtung der lebenden gezahnten Eunotien, die 
bisher in Europa nirgends lebend gesehen sind, obschon die Schalen in den 
schwedischen und finnländischen Bergmehlen zahlreich vorkommen. 

Da ich zu vermuthen Grund habe, dafs einige dieser Formen im Leben 
Bänder bilden, wie Fragilaria, und mithin zum Genus Himanlidium gehören, 
so wäre besonders wünschenswerth, darauf die Aufmerksamkeit zu richten. 
Vielleicht sind alle dergleichen Bänder der verschiedenartigsten ähnlichen 
Thiere für Fragilaria pectinalis gehalten worden. 

Von mir sind nun in Berlin folgende Formen aus New -York lebend 
beobachtet worden, worunter sogar auch weiche Magenthierchen und 3 Arten 
von nackten und gepauzerten Bäderthieren waren, welche letztere zwar nicht 
mehr lebend, aber dennoch kenntlich erhalten ankamen. 

A. Panzerlose Magenthierchen. 
1 Monas Termo 2 Trachelius trichophorus. 

B. Weichschalige Magenthierchen. 

a. Arcellina. 

3 Aredia constrieta 5 Difflugia acanthophora 

4 — hyalina 6 — oblonga. 

b. Closterina. 

7 Closterium crenulatum 9 Closterium striolatum, 

8 — Cucumis 10 — turgidum 



(') Da Herr Prof. Bailey in seinen Aufsätzen oft meine Arbeiten über diese Gegen- 
stände unter der Bezeichnung Mandl und Ehrenberg citirt, was sich auf Hrn. Mandl's 
französischen Auszug aus meinem gröfsern Infusorien- Werke bezieht, so darf ich, um wis- 
senschaftlichen Mifsverständnissen vorzubeugen, nicht unterlassen zu bemerken, dafs, obwohl 
auf dem Titel jenes Auszugs, gewifs zufällig, mein Name so steht, dafs man glauben könnte, 
ich hätte selbst diesen Auszug besorgt, ich doch gar keinen Antheil an demselben habe. 
Auch sind unglücklicher Weise, wahrscheinlich durch die vom Buchhändler bedingte Eile, 
so viele sinnentstellende Fehler hinein gekommen, und die Copien der Abbildungen sind so 
flüchtig und unkenntlich, dafs ich bitten mufs, die Sachen nirgends nach dem Auszuge zu be- 
urtheilen und diesen Auszug nirgends bei wissenschaftlichen Erörterungen zum Grunde zu 
legen, obschon er Manchem eine Bequemlichkeit bieten mag. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord - Amerika. 337 









c. Desmidiacea. 


11 


Desmidium apiculosum 




22 


Euastrum Sol 


12 


— 


eustephanum 




23 


— verrucosum 


13 


— 


ramosum 




24 


Hyalotheca cylindrica 


14 


— 


senarium 




25 


— mucosa? 


15 


— 


tridens? 




26 


Micrasteiias heptactis 


16 


Arthrodesmus quadricaudatus 


27 


— Tetras 


17 


Euastrum 


americanum 




28 


— tricyclia 


18 


— 


ansalum 




29 


Pentasterias margaritac 


19 


— 


crenulatum 




30 


Xanthidium aculeatum 


20 


— 


margaritifcrum 


31 


— coronatum. 


21 


— 


Pecten 














d. Dinobryina. 


32 


Dinobryon sociale. 














e. Peri 


dinaea. 


33 


Peridiniur, 


ti cinclum? 









C. Kieselschalige Magenthierchen. 
a. Cr \ p t onio n nd in n. 
34* Trachelomonas aspera. 







b. Naviculacea. 




35 


Amphora rimosa 


51 


Navicula lineolata 


36 


Cocconeis finnica 


52 


Pinnularia borealis 


37 


Cocconema Fusidium 


53 


— 


Dactylus 


38 


— cymbiforme 


54 


— 


gibba 


39 


Eunotia amphioxys 


55 


— 


inaequalis 


40 


— bidens 


56 


— 


Iridis 


41 


— quinaria 


57 


— 


Lesrumen 

O 


42 


Gallionella aurichalcea 


58 


— 


nobilis 


43 


— crenulata 


59 


— 


Tabellaria 


44 


Gomphonema Pupula 


60 


— 


viridis 


45 


Himantidium Arcus 


61 


Stauroneis Baileyi 


46 


— JMonodon 


62 


— 


gracilis 


47 


Meridion vernale 


63 


Synedra 


lunaris 


48 


JSavicula amphisbaena 


64 


— 


Valens 


49 


— a jßnis 


65 


— 


Ulna 


50 


— gracilis 
Physik. -math. Kl. 1841. 


66 


Tabellar 


ia trinodis. 
Uu 



338 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

D. Nackte Räderthiere. 

67 Monocerca Rattus. 

E. Gepanzerte Räderthiere. 

68 Anuraea stipitata 69 Anuraea acuminata? 

Aufserdem befanden sich zwischen diesen selbstständigen mikroskopi- 
schen Organismen noch folgende characteristische kleine Pflanzen- und Thier- 
Fragmente : 

F. Kieselerdige Pflanzentheile. 

70 Amphidiscus Martü 74 Lithostylidium amphiodon 

71 — Rotula 75 Spongilla Erinaceus 

72 Lithodontium curvatum 76 — lacustris. 

73 — nasutum 

G. Weichhäutige Pflanzentheile. 
77 Pollen Pini 78 Pollen — ? 

H. Kalkerdige Thier-Fragmente. 
79 Cyclopis testete fragmenta. 

Aus diesen sämmtlichen Beobachtungen ergiebt sich folgendes Ver- 
zeichnifs der in New -York ermittelten mikroskopischen Lebensformen: 
A. Panzerlose, nackte Magenthierchen. 
1 Monas Termo 2 Trachelius trichophorus 

B. WeichschaligeMagenthierchen: 
a. Arcellina. 

3 Arcella constrieta 5* Difflugia acanthophora 

4 — hyalina 6 — oblonga? 

b. Closterina. 

7* Closterium amblyonema 13 Closterium setaceum 

8* — crenulatum 14 — striolatum 

9* — Cucumis 15 — tenue 

10 — Lunula 16 — Trabecula 

11 — moniliferum 17 — iurgidum. 

12 — Digitus? 

c. Desmidiacea. 

18 Arthrodesmus acutus 21 Desmidium aculeatum 

19 — quadricaudatus 22 — apiculosum 

20 — convergens 23 — glabrum 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord -Amerika. 339 



24* 


Desmidium eustephanum 


38 


Hyalotheca cylindrica 


25 


— ramosum 


39 


— 


mueosa? 


26* 


— senarium 


40 


Micrasterias Boryana 


27 


— Swartzü 


41 


— 


elliptica? 


28 


— Tridens 


42 


— 


heptactis 


29* 


Euastrum americanum 


43 


— 


Tetras 


30 


— ansatum 


44 


— 


tricyclia 


31 


— crenulatum 


45 


Pentasterias margaritacea 


32 


— Crux melitensis 46 


Xanthidium aculeatum 


33* 


— carinatum 


47* 


— 


Arctiscon 


34 


— margaritiferum 48 * 


— 


bisenarium 


35 


— Pecten 


49* 


— 


coronatum 


36* 


— Sol 


50 


— 


fascieülatum. 


37 


— verrucosum 












d. Dinobryina. 




51 


Dinobryon sociale. 












e. Peridinaea. 




52 


Peridinium einet um ? 










C. Kiesel 


schalige Mag 


enthierchen. 




a. 


Cryptomonadina. 




53* 


Trachelomonas asper a. 












b. Naviculacea. 




54** Amphiprora navicularis 


67 


Eunotia Monodon 


55 


Amphora rimosa 


68 


— 


parallela 


56 


Bacillaria paradoxa 


69* 


— 


praerupta 


57* 


Biddulphia? laevis 


70 


— 


Octodon 


58 


Cocconeis ßnnica 


71 


— 


quinaria 


59 


Cocconema Arcus 


72 


— 


Decaodon 


60 


— asperum 


73 


— 


Tetraodon 


61 


— cymbiforme 


74 


— 


Triodon 


62 


— Fusidium 


75 


— 


ventralis 


63 


Eunotia amphioxys 


76 


— 


Westermanni 


64 


— bidens 


77 


— 


zebrina 


65 


— Diodon 


78 


Fragilaria rhabdosoma 


66 


— granulata 


79 


— 


pinnata? 
Uu2 



340 

80 

81 
82 
83 
84 

85 



Eheejvberg: Verbreitung und Einflufs 



Gallionella aurichalcea 

— crenulata 

— distans 

— moniliformis 

— varians? 

— sulcata 



86* Gomphonema americanum 

87 — apiculatum 

88 — coronatum 

89 — gracile 

90 — nasutum 
91* — Pupula 

92 — subtile 

93 — turgidum 
94* - Turris 

95 Himantidium Arcus 

96 — Monodon 

97 Meridion vernale 

98 Navicula amphisbaena 



99 
100* 
101 
102 
103 
104 
105 



— a 



amphigomphus 
? americana 
alata 
Bacillum 
dilatata 

' "nis 
gracilis 



106 Navicula lineolata 

107 — Silicula 

108 Pinnularia amphioxys 



109* 

110 

111 

112 

113* 

114 

115 

116 

117" 

118 

119 

120 

121 



borealis 

Dactjlus 

gibba 

inacqualis 

Iridis 

Legumen 

macilenta 

nobilis 

Sillimanorum 



— suecica r 



Tabellaria 

viridis 

viridula 



122 Stauroneis Baileji 

123 — gracilis 
IIA Synedra lunaris 
125 — spectabilis 
126* — valens 

127 - Vlna 

128 Striatella arcuata? 

129 Surirella splendida 

130 Tabellaria trinodis. 



D. Nackte Räderthiere. 

131 Monocerca Rattus. 

E. Gepanzerte weichschalige Räderthiere. 

132 Anuraea acuminata? 133 Anuraea stipitata. 

F. Kieselerdige Pflanzentheile. 

134 Amphidiscus armatus 138 Lithodermatium jasciatum 

135 — Anchora 139 Lithodontium bicorne 

136 — Martii 140 — curvatum 

137 — Rotula 141 — furcatum 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 341 

142 Lithodontium nasutum 147 Spongolithis apiculata 



143 — Rhombus 148 



aspcra 



144 Lithostjlidium amphiodon 149 — inßexa 

145 Spongilla Erinaceus 150 — mesogongyla. 

146 — lacustris 

G. Weichhäutige Pflanzentheile. 
151 Pollen Pini. 152 Pollen —? 

H. Kalkerdige Thier-Fraguiente. 
153 Cjclopis testete fragmenta. 

Von den 1839 von mir verzeichneten Artnamen haben sich folgende 
verändert : Eunotia Arcus heifst nun Ilimantidium Arcus, Navicula amphi- 
oxys, suecica, viridis und viridula sind als Pinnulariae aufgeführt, Fragilaria 
trinodis ist seitdem als Tabellaria abgesondert, Gomphonema paradoxum 
(truncatum) nun zu G. turgidum gezogen, Spongia apiculata ist als Spongo- 
lithis verzeichnet. 

Unter den 133 selbstständigen Organismen, welche in 36 Genera ge- 
hören, sind 23 eigenthümliche Arten. Unter den 36 Generibus ist nur ein 
aufsereuropäisches. 

Die 3 sehr characteristisch ausgezeichneten Räderthiere sind europäi- 
sche Arten und Genera. Nur Anuraea acuminata könnte eine eigenthüm- 
liche Art sein, weil dem von mir beobachteten Exemplare die hintere Ver- 
dünnung des Panzers, der ganz rund war, abging, da aber diese Art auch bei 
uns den hintern Panzertheil oft durch Contraction und besonders beim Ster- 
ben durch Abplatten abstumpft, so habe ich Bedenken getragen einen beson- 
deren Namen zu geben. 

24. New-Yersey. 

(40° N. B. 74-75° W. L. v. Gr.) 
Von New-Yersey und Staten- Island sind durch Herrn Prof. Bailey 
seit 1842 2 jetzt lebende Infusorien -Formen bekannt, welche von Herrn 
Torrey demselben mitgetheilt worden sind. Sie sind beide nicht eigenthüm- 
lich und in der Abhandlung über die amerikanischen Bacillarien part. II. von 
ihm erwähnt und abgebildet : 

1. Fig. 27. Eunotia — ? = Eunotia gibba 

2. Fig. 3. Gallionella moniliformis = Gallionella moniliformis. 



342 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Connecticut. 

(41-42° N. B. 73° W. L. v. Greenw.) 

Es sind mir aus Connectitut die Formen sehr zahlreich in 3 fossilen 
Lagern zugänglich geworden, deren Proben ich den Herren Silliman und 
Bailey verdanke. (*) Überdiefs hat Herr Bailey 1842 6 lebende Formen 
von Stonington beschrieben. 

25. Andower, Connecticut. 

Das fossile Infusorien -Lager oder der Kieseiguhr von Town of Ando- 
wer in Connecticut, von Herrn Bailey entdeckt, hat bisher 29 verschiedene 
Arten kieselerdiger Körperchen erkennen lassen nach folgendem Verzeichnifs: 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Cocconema cymbiforme 12 Pinnularia Dactylus 

2 EuTiotia bidens 

3 — Diodon 

4 — nodosa 

5 — praerupta 

6 — tridentula 

7 Gallionella aurichalcea 

8 Gomphonema coronatum 

9 — gracile 

10 Himantidium Arcus 

11 — gracile 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

23 Amphidiscus Martii 27 Lithostylidium rüde 

24 — Rolula 28 — Serra 

25 Lithostylidium amphiodon 29 Spongilla Erinaceus 

26 — obliquum 30 — lacustris. 

Die Masse ist im trocknen Zustande dunkelgrau und bildet eine wenig 
zusammenhaltende sehr milde Erde, wie der Kieseiguhr von Franzensbad. 

(') Das Schreiben und die Sendung des Herrn Silliman junior vom November 1838 
hatte sich leider in England so verspätet, dafs ich die Sendung erst im October 1840 in 
Berlin erhielt. 



13 


— 


gibba 


14 


— 


macilenta 


15 


— 


nobilis 


16 


— 


Tabellaria 


17 


— 


viridis 


18 


— 


viridula 


19 


Stauroneis Baileyi 


20 


Synedra Scolaris? 


21 


Trachelomonas aspera 


22* 


_ 


areolata 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word Amerika. 343 

Nach einer chemischen Analyse des Herrn Professor Shepard enthielt diese 
Masse in 100 Theilen 

Kieselerde 64 

Thonerde 5 

Vegetabilische Stoffe (Kohle) 23 

Wasser 7 

99 
Die mikroskopische Analyse hat 22 Infusorien -Arten und 8 Pflanzen- 
Fragmente als Repräsentanten der Kieselerde erkennen lassen. Unter den 
Infusorien ist bisher nur 1 neue und eigenthümliche Form erkennbar gewe- 
sen, Trachelomonas areolata. Überhaupt ist diese Masse sehr reich an For- 
men der Gattung Trachelomonas und man kann mithin von ihr sagen, dafs 
sie zu einem ansehnlichen Theile aus Panzer- Monaden gebildet worden 
ist. Alle 9 Genera sind europäisch. 

26. New-Haven, Connecticut. 

Auch bei New-Haven hat Herr Prof. Bailey 1838 eine Infusorien- 
Erde entdeckt, die sich dadurch auszeichnet, dafs sie einen brennbaren Torf 
bildet. Die mir durch Herrn Prof. Sil lim an übersandte Probe dieses Tor- 
fes hat folgende 37 Arten feststellen lassen: 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Cocconeis striata 


14 


Gallionella varians 


2 

3 


Cocconema asperum 
— cornutum 


15 

16 


Gomphonema americanum 
— coronatum 


4 
5 


— cymbiforme 

— Fusidium 


17 

18 


— gracile 

— lanceolatum 


6 

7 


Eunotia biceps 
— Diodon 


19 
20 


Himantidium Arcus 
Navicula Silicula 


8 

9 

10 

11 


— granulata 

— gibberula 
Fragilaria biceps 

— . p binodis 


21 
22 
23 
24 


Pinnularia decurrens 

— Gastrum 

— heteropleura 

— inaequalis 


12 
13 


— pinnata 
Gallionella distans? 


25* 

26 


— porrecta 

— viridis 



344 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

27 Staurosira construens ] 29 Tabellaria trinodis. 

28 * — pinnata 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

30 Amphidiscus IMartii 34 Spongilla lacustris 

31 — Rotula 35 Spongolithis Aratrum 

32 Lithodontium furcatum 36 — injlexa 

33 Spongilla Erinaceus 37 Thylacium semiorbiculare. 

Unter den 29 Infusorien, welche diese Erde bildeten, sind nur 2 eigen- 
tümliche Ai'ten, das früher scheinbar eigenthüinliche Genus Staurosira hat 
sich auch in Europa und Asien gefunden. 

Bis-auf einige Spongolithen, die aber auch im brakischen Wasser vor- 
kommen oder Spongillen-Theile sein könnten, lassen sich alle Formen auf 
Süfswasserbildung beziehen. 

Hervorzuheben ist die grofse Menge der Staurosira construens, deren 
überaus kleine Körperchen weit gröfsere Zahlenverhältnisse bei den Massen- 
bildungen geben als Gallionella distans des Biliner Polirschiefers. 

27. Stonington, Connecticut. 
Herr Prof. Bailey erwähnt in seinem öfter angeführten Aufsatze von 
1842 über die amerikanischen Bacillarien 6 Arten jetzt lebender Infuso- 
rien aus der Nähe von Stonington, die ich, den dort gegebenen Abbildungen 
nach, folgendermafsen deute : 



1 


Gallionella sulcata 


= Gallionella sulcata 


2 


Navicula — ? 


= Pinnularia didyma 


3 


— — ? 


= Cocconeis finnica 


4 


— Sigma 


= Nai'icula Sigma 


5 


Bacillaria — ? 


= Grammatophora oceanica? 


6 


Tessella Catena 


= Tessella Catena. 



Eigentümliche Genera und Arten sind nicht dabei, aber 4, die beiden 
ersten und die beiden letzten, also die Mehrzahl, sind entschiedene Salzwas- 
ser-Formen. 

28. Stratford, Connecticut. 
Schon im Jahre 1838 hatte Herr Bailey auch bei Stratford in Connec- 
ticut eine fossile Infusorien-Erde oder Kieseiguhr entdeckt, deren Probe 
mir mitgetheilt wurde. Ich habe diese Substanz nur als geglühte weifse Erde 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 345 

gesehen und darin bisher folgende 36 verschiedene Organismen als consti- 
tuirende Theile erkannt, von denen Eunotia Octodon, Decaodon und serru- 
lata schon 1840 in der kurzen Nachricht über die 274 neuen Infusorien-Spe- 
cies (s. d. Monatsberichte der Akademie) als mit schwedischen und finnlän- 
dischen Arten übereinstimmend genannt worden sind. 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Cocconema cymbiforme 14 Himantidium Arcus 

2 Eunotia monodon 15 Navicula amphigomphus 

3 — Formica 16 — Bacillum 

4 — Diodon 17 — dilatata 

5 — Heptodoji 18 — Silicula 

6 — Octodon 19 Pinnularia dicephala 

7 — Enneodon 20 — inaequalis 

8 — Decaodon 21 — nobilis 

9 — scrrülata 22 — Tabellaria 

10 — Hendecaodon 23 — viridis 

11 Gallionella aurichalcea 24* Stauroneis ptcroidea 

12 — distans 25 — linearis 

13 Gomphonema gracile 26 Tabellaria trinodis 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

27 Amphidiscus armatus 32 Lithodontium nasutum 

28 — Mar tii 33 Lithostylidium rüde 

29 — Rotula 34 Spongilla lacustris 

30* Lithodermatium biconcavum 35 Spongolilhis philippensis 

31* — undulatum 36* — tracheotyla. 

Unter den 26 Infusorien -Arten aus 9 Generibus ist kein eigenes oder 
neues Genus, auch ist von allen nur 1 Art neu und characteristisch. Auffal- 
lend sind die zahlreichen, meist vielzahnigen Eunotien, welche in 9 Arten 
ganz dieselben Formen sind, wie sie in Schweden und Finnland schon früher 
von mir beobachtet wurden, deren aber vielleicht einige zur Gattung Himan- 
tidium gehören. 

Mit Ausnahme der Spongolithis sind alle bekannten Formen solche, 
welche im Süfswasser vorkommen. 

Physik.-math. Kl. 1841. Xx 



346 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Rhodes Island. 
(41-42° N. B. 71° W. L. v. Greenw.) 

In Rhodes Island hat Herr OwenMason 1838 sowohl ein fossiles 
Infusorien Lager von grofser Ausdehnung (very abundant) bei Sraithfield ent- 
deckt, als auch Eisenocker bei Cranston gefunden und derselbe hatte bei der 
Stadt Providence mancherlei lebende Infusorien gesammelt. Von all diesen 
Gegenständen erhielt ich 1840 Proben durch Herrn Prof. Bailey in West- 
Point. Die specielle Untersuchung hat allmälig folgende Übersicht der For- 
men dieses Staates ergeben. 

29. Providence in Rhodes Island. 

Die bei Providence gesammelten Algen enthielten aufser der von Hrn. 
Bailey angezeigten Meloseira nummuloides (= Gallionella lineatd) und mit 
derselben noch folgende entschieden jetzt dort lebende Formen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Achnanthes brevipes 


11 


Navicula amphioxys 


2 


Cocconeis oceanica 


12 


— Bacillum 


3 


— Scutellum 


13 


— curvula 


4 


Eunotia cingulata 


14 


— Sigma 


5 


Gallionella lineata 


15 


Pinnularia didyma 


6 


— nummuloides 


16 


— nobilis 


7 


Gomphonema minutissimum 


17 


— vii'idis 


8 


Grammatophora oceanica 


18 


Stauroneis phoenicenteron 


9 


— stricta 


19* 


Synedra gibba 


10 


Himantidium Arcus? 


20 


Tessella Catena. 



B. Kieselerdige Pflanzentheile. 
21 Spongolithis acicularis 22 Spongolithis aspera. 

Unter allen 20 Infusorien ist nur eine wohl eigenthümliche Art und 
sie gehören 12 europäischen Gattungen an. Viele dieser Formen sind nur 
als Salzwasser -Thierchen bekannt und in beiden Gallionellen, der Achnan- 
thes, Cocconeis Scutellum, Navicula Sigma und amphioxys und der Synedra 
war das eingetrocknete grüne Ovarium, als sicheres Zeichen des Lebens in der 
Jetztwelt, zu erkennen. 



des mikroslcopisclien Lebens in Süd- und IV ord- Amerika. 347 

30. Smithfield, Rhodes Island. 

Das sehr mächtige (oder ausgedehnte?) von Hrn. Owen Mason ent- 
deckte fossile Infusorien -Lager bei Smithfield in Rhodes Island erlaubte mir 
bis jetzt folgende mikroskopische Analyse seiner Bestandtheile : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Amphiprora navicularis 


22* 


Ilimantidium bidens 


2 


Cocconeis finnica 


23 


— gracile 


3 


Cocconema asperum 


24 


Navicula americana 


4 


— cymbiforme 


25 


— amphisbaena 


5 


Eunotia Diodon 


26 


— dilatata 


6 


— praerupta 


27 


— fulva 


7 


— Tetraodon 


28* 


Pinnularia coslata 


8 


— ventralis 


29 


— Dactylus 


9 


— zebrina 


30 


— diccphala 


10 


Gallionella aurichalcea 


31 


— inaequalis 


11 


— crenulala 


32 


— Legumen 


12 


Gomphonema acuminatum 


33 


— macilenta 


13 


— americanum 


34 


— nobilis 


14 


— apiculatum 


35 


— Tabcllaria 


15 


— clavatum 


36 


Stauroneis Baileyi 


16* 


— Glans 


37 


— pteroidea 


17 


— gracile 


38 


Surirella splendida 


18 


— rotundatum 


39 


Synedra speetabilis 


19 


— turgidum 


40 


— Ulna 


20 


— Turris 


41 


Tabellaria trinodis. 


21 


Ilimantidium Arcus 








B. Kieselerdige 


; Pflanzentheile. 


42 


Amphidiscus Martii 


49 


Lithostylidium calcaraium 


43 


— Rotula 


50 


— obliquum 


44 ( 


' Lilhodcrmatium Ossiculum 


51 


— rüde 


45 


— undulatum 


52 


— Serra 


46 


Lithodontium furcatum 


53 


Spongilla lacustris 


47 


— nasutum 


54 


— Erinaceus. 



48 Lithostylidium amphiodon 



Xx2 



348 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Unter den 41 Infusorien von Smithfield, welche 14 Generibus ange- 
hören, ist kein eigentümliches Genus und von den Speciebus sind die 3 mit 
Sternchen bezeichneten neu. Dieses fossile Lager enthält mithin so viele 
jetztlebende Formen, dafs es als ein Niederschlag der allerneuesten Oberflächen- 
Verhältnisse anzusehen ist. Alle bekannten Formen gehören dem Süfswas- 
ser an. 

Massachusetts. 

(41-43° N. B. 71-72° W. L. v. Gr.) 
Die Kenntnifs der mikroskopischen Organismen des Staates Massachu- 
setts ist durch Herrn Prof. Hitchcockzu einer grofsen Ausdehnung gelangt, 
indem dessen geognostische Untersuchungen im Jahre 1838 viele fossile La- 
ger kennen lehrten. Dergleichen fanden sich nämlich bei Andower, Boston, 
Bridgwater, Pelham, Spencer und Worcester, wozu sich neuerlich, Herrn 
Bailey's Nachricht zufolge, noch ein Lager bei Wrentham gesellt hat. Von 
all diesen Punkten verdanke ich den Herren Hitchcock, Bailey und Sil- 
liman Proben. Nur die von Worcester ist zufällig zurückgeblieben. Auch 
eine lebende Form, Pyxidicula operculata, wird von Hrn. Bailey aus Massa- 
chusetts 1842 erwähnt. Das fossile Lager von Andower ist 15 Fufs mächtig, 
und zu dem von Worcester ist bemerkt, dafs es «very abundant» überaus 
reich sei. Das Lager von Bridgwater ist so stark Brennstoff-haltig, dafs es als 
Torf gebrannt wird, obschon es vorherrschend aus Infusorien- Schalen be- 
steht. Speciellere Details sind mir über keines dieser Lager mitgetheilt wor- 
den, nur meldet Hr. Hitchcock, dafs sie überall in New-England unter dem 
Torfe gleichartig vorkommen, gerade wie es auch in Europa der Fall ist. Aus 
meinen Untersuchungen haben sich folgende Bestandtheile derselben ergeben. 

31. Andower, Massachusetts. 

Das 15 Fufs mächtige Lager von Infusorien -Erde bei der Stadt Ando- 
wer in Massachusetts wurde 1838 von Herrn Prof. Hitchcock entdeckt und 
eine Probe davon mir von ihm selbst durch Herrn Silliman übersendet. 
Folgende Bestandtheile an kleinen organischen Formen haben sich bisher fest- 
stellen lassen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Cocconema cymbiforme 3 Eunotia? Monodon 

2 Eunotia biceps 4 — parallela 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 349 



15* Pinnularia mesogongyla 



16 


— nobilis 


17 


— Tabellaria 


18 


— viridis 


19 


Stauroneis gracilis 


20 


— pteroidea 


21 


Synedra spectabilis 


22 


— JJlna 


23 


Trachelomonas? laevis. 



5 Eunotia praerupta 

6 Gallionella aurichalcea 

7 — dislans? 

8 Gomphonema gracile 

9 Himantidium Arcus 

10 — gracile 

11 Navicula amphigomphus 

12 — dilatata 
13* — Trabecula 
14 Pinnularia dicephala 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

24 Lithodermatium Ossiculum 27 Lithostylidium amphiodon 

25 Lithodontium curvatum 28 Spongilla Erinaceus. 

26 — nasutum 

Die 23 Infusorien, welche 10 Generibus angehören, enthalten kein eig 
nes Genus und nur 2 eigne Arten. Alle Formen gehören zum Süfswasser. 
Die Farbe dieser Erde ist im trocknen Zustande bläulich aschgrau, die Co- 
härenz locker. 

32. Boston, Massachusetts. 

Herr Prof. Bai ley sandte mir 1838 eine sehr kleine Erdprobe von 
grauer blafsbräunlicher Farbe, als von einer Torf- Wiese bei Boston in Mas- 
sachusetts stammend (from a peat meadow near Boston Mass.). Die Erde 
ist mager und locker wie vorige. Folgende 46 organische dem blofsen Auge 
unerreichbar kleine Bestandtheile sind von mir darin entdeckt worden : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Cocconema leploceros 


10 


Gallionella aurichalcea 


2 


Eunoth 


i biceps 


11 


— crenulata 


3 


— 


Diodon 


12 


— dislans 


4 


— 


Faba? 


13 


Gomphonema gracile 


5 


— 


Formica 


14 


Himantidium Arcus 


6 


— 


parallela 


15 


— bidens 


7 


— 


praerupta 


16 


— gracile 


8 


— 


Tetraodon 


17 


Navicula ambigua 


9 


Fragilaria diophthalma? 


18 


— amphigomphus 



350 E ii ß e n b e r g : Verbreitung und Einflufs 

i 9 Navicula amphioxys 28 Pinnularia viridis 

20 — dilaiata 29 Stauroneis Baileyi 

21 — Trabecula 30 — phoenicenteron 

22 Pinnularia Dactylus 3 1 Staurosira amphilcpta 

23 — inaequalis 32 Synedra speetabilis 

24 — Legumen 33 — TJlna 

25 — mesogongyla 34 Tabellaria nodosa 

26 — nobilis 35 — trinodis 

27 — Tabellaria 36 Trachelomonas laevis? 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

37 Ampkidiscus armatus 42 Lithostylidium serpentinum 

38 — clavatus 43 — obliquum 

39 — Martii 44 Spongilla lacustris 

40 — Rotula 45 — Erinaceus. 

4 1 Lithodontium furcatum 

C. Weichhäutige Pflanzentheile. 
46 Pollen Pini. 

Von diesen 46 mikroskopischen Körperchen gehören 36 zu den kiesel- 
schaligen polygastrischen Infusorien und zwar zu 12 verschiedenen Gattun- 
gen, die sämmtlich auch in Europa vorkommen. Neue, lokal ganz eigen- 
thümliche Arten sind nicht unter ihnen, aber doch mehrere, die nicht in 
Europa vorgekommen. 

Die ganze Ablagerung der Erde ist, den Formen nach, ein Product des 
süfsen Wassers. 

33. Bridgwater, Massachusetts. 

Von Bridgwater erhielt ich ein ansehnliches Stück, im trocknen Zu- 
stande bräunlich hellgrauer, sehr leichter Erde, wie sie daselbst ein Lager 
bildet. Sie ist von Prof. Hitchcock gesammelt worden und man bedient 
sich ihrer zur Feuerung wie Torf, des Rückstandes aber zum Poliren von 
Metall. 

Verzeichnifs der constituirenden Formen : 

A. Kieselschalige Infusorien: 

1 Amphora libyea 3* Cocconeis elongata 

2 Biblarium? Follis 4 — finnica 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 351 



5 


Cocconema asperum 


30 


Himantidium Arcus 


6 


— 


cornutum 


31 


Navicula 


affinis 


7 


— 


cymbiforme 


32 


— 


amphigomphus 


8 


— 


gracile 


33 


— 


amphioxys 


9 


Eunotic 


i biceps 


34 


— 


amphisbaena 


10 


— 


Faba 


35 


— 


biceps 


11 


— 


granulata 


36 


— 


dilatata 


12 


— 


ventralis 


37 


— 


Fusidium 


13 


— 


Tetraodon 


38* 


— 


gracilis 


14 


— 


Diadema 


39* 


— 


Hitchcockii 


15 


— 


Octodon 


40 


— 


lineolata ? 


16 


— 


Enneodon 


41 


— 


Silicula 


17 


— 


Decaodon 


42 


Pinnular 


ia Dactylus 


18 


Fragilaria acuta 


43 


— 


gibba 


19* 


— 


diophthalma 


44 


— 


inaequalis 


20 


— 


Entomon 


45 


— 


isocephala 


21 


— 


pinnala 


46 


— 


nobilis 


22 


— 


rhabdosoma 


47 


— 


viridis 


23 


Gallionella aurichalcea 


48 


Stauront 


'.'is Baileyi 


24 


— 


crenulata 


49 


— 


linearis 


25 


Gomph 


onema coronatum 


50 


— 


staurophaen a 


26* 




Cygnus 


51 


Stauropt 


era cardinalis 


27 




Glans 


52 


Surirella decora 


28 




gracile 


53 


Tabellar 


ia biceps 


29 




subtile 


54 


— 


trinodis. 



B. Kieselerdige Pflanzentheile. 
55 Spongilla lacustris 56 Spongilla Erinaceus. 

Die zahlreichen Formen auch dieses Lagers enthalten unter den 15 
Generibus, welchen sie angehören, kein eigenthümliches, und von den 54 
Speciebus sind nur ^ eigenthümliche Arten, nämlich die 4 mit Sternchen 
bezeichneten. 

Übrigens läfst sich aus den constituirenden Formen wieder deutlich 
erkennen, dafs kein Salzwasser an dem Orte ist, wo diese Ablagerung statt 
gefunden hat. 



352 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

34. Pelham, Massachusetts. 

Herr Prof. Hitchcock fand diese Erde bei Pelham unter Torf und 
hat mir ein ansehnliches Stück übersendet. Sie gleicht dem Kieseiguhr von 
Franzensbad in Böhmen an Cohärenz und Farbe zumeist. Die Mächtigkeit 
des Lagers ist nicht angegeben. Die Bestandtheile fand ich wie folgt : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

1 Amphiprora navicularis 14 Pinnularia costata 

2 Cocconema leptoceros 15 — inaequalis 

3 Eunotia biceps 16 — Legumen 

4 — Monodon 17 — nobilis? 
5* Fragilaria? anceps 18 — viridis 

6 Gallionella aurichalcea 19 Slauroneis phoenicenteron 

7 — crenulata 20* — platy Stoma 

8 — distans 21 Stauroptera cardinalis 

9 Gomphonema gracile 22 Synedra spectabilis 

10 Himantidium Arcus 23 — XJlna 

11 — hidens 24 Tabellaria biceps 

1 2 Navicula dilatata 25 — trinodis. 
13* Pinnularia Amphiprora 

B. Kieselerdige Pflanzentheile. 
26 Amphidiscus Roiula 27 Spongilla lacustris. 

Es sind unter den 25 Arten von Infusorien, welche das Lager bei Pel- 
ham bilden, nur 3 eigenthümliche, alle übrigen und sämmtliche 13 Genera, 
denen diese Formen angehören, sind weiter verbreitet. 

Auch dieses Lager gehört, den es zusammensetzenden Formen nach, 
zu den Süfswasser- Gebilden. 

35. Spencer, Massachusetts. 

Von Spencer in Massachusetts erhielt ich durch Herrn Prof. Hitch- 
cock 2 ansehnliche Stücke eines sehr weifsen Kieselguhrs von der Cohärenz 
und Farbe einer lockern Schreibkreide, aber bei sehr viel gröfserer Leichtig- 
keit. Ob diese weifse Farbe natürlich, oder durch Glühen erzeugt ist, blieb 
bei mir im Zweifel, auch ist die Mächtigkeit des Lagers nicht angegeben, nur 
bezieht sich offenbar darauf die Bemerkung, dafs alle diese Lager unter Torf 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 353 

vorkommen. Dafs die weifse Farbe künstlich erzeugt sei, möchte ich, ob- 
wohl sie eben so leicht natürlich sein könnte, daraus schliefsen, weil diese 
Erde von Herrn Hitchcock chemisch analysirt worden ist. Andererseits 
könnte sie von ihm gerade auch deshalb analysirt worden sein, weil sie von 
natürlich weifser Farbe und mithin in gröfserer Reinheit sich vorfand. Die 
beigefügte chemische Analyse des Herrn Hitchcock giebt folgende Be- 
standtheile an 

Wasser. . . . 10.00 

Kieselerde . . 86 . 46 

Thonerde . . 2.96 

Mangan -Oxyd 0.28 

Talkerde ... . 30 
100.00 

Die mikroskopische Analyse hat mir folgende organische Bestandtheile 
zur Kenntnifs gebracht : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Amphiprora navicularis 


11 


Himantidium bidens 


2 


Cocconema asperum 


12 


Navicula amphioccys 


3 


— leptoceros 


13 


Pinnularia costata 


4 


Eunotia amphioccys 


14 


— Dactylus 


5 


— praerupta 


15 


— inaequalis 


6 


Fragilaria pinnata 


16 


Stauroneis Baileyi 


7 


— rhabdosoma 


17 


— pteroidea 


8 


Gallionclla aurichalcea 


18 


Surirella Craticula 


9 


Gomphonema americanum 


19 


Synedra spectabilis. 


10 


Himantidium Arcus 







B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

20 Lithodontium curvatum 22 Lithostylidium amphiodon 

21 — nasutum 23 — crenulatum. 

C. Kalkschalige Polythalamien. 
24 Rotalia globulosa. 

Obwobl alle 19 Infusorien Süfswasserformen sind, und obwohl die 4 
kieselerdigen Pflanzentheile offenbar Theile von Landpflanzen sind, so ent- 
scheidet doch die einzige Rotalia globulosa darüber, dafs entweder einKreide- 
Physik.-math. Kl. 1841. Yy 



354 Ebrenberg: Verbreitung und Einflufs 

fels in der Nähe sein oder gewesen sein mufs, oder dafs das Lager dicht am 
Meere gelegen ist, denn diese letztere Form ist ein entschiedenes Seethierchen. 
Der vorherrschenden vielen Süfswasserformen halber mufs man wohl die Ab- 
lagerung dann als eine brakische vorläufig bezeichnen. 

Alle Arten und Genera sind den schon früher aus andern Punkten 
Nord - Amerikas verzeichneten gleich, viele sind europäisch. 

36. Worcester, Massachusetts. 

Unter einer Torfschicht bei Worcester findet sich eine Infusorien-Erde 
in überaus grofser Menge. Diese mir von Herrn Prof. Bailey zugekom- 
mene Nachricht sollte von einer Probe begleitet sein, allein die Probe scheint 
beim Verpacken liegen geblieben zu sein, und so ist denn die Nachricht über 
die Lokalität und den Reichthum allein hier anzumerken. 

37. Wrentham, Massachusetts. 

Ich erhielt im Jahre 1842 von Herrn Bailey unter anderen oben er- 
wähnten Erdproben auch eine kleine Probe einer weifsen Erde von Wrent- 
ham in Massachusetts. Ob der Übersender selbst oder ein Anderer sie ent- 
deckt, wie mächtig und verbreitet sie ist und wie sie vorkommt, ist nicht 
bezeichnet. An schneeweifser Farbe gleicht sie der Lüneburger Erde von 
Oberohe. Ich habe als Bestandtheile folgende 33 organische Formen in ihr 
ermittelt : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Eunotia biceps 


8 


Pinnularia macilenta 


2 


Gallionella distans? 


9 


— nobilis 


3 


Himantidium Arcus 


10 


— viridis 


4* 


— Monodon 


11 


Stauroneis phoenicenteron 


5 


Nai'icula dilatata 


12 


Trachelomonas aspera 


6 


Pinnularia Dactylus 


13* 


— granulata 


7 


— gibba 


14 


— Pyrum. 



B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

15 Amphidiscus armatus 19 Lithodermatium Ossiculum 

16 — Martii 20 Lithodontium furcatum 

17 — Rotula 21 — platyodon 

18 Lithodermatium biconcamm 22 — rostratum 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 355 



23 


Lühostylidiim 


i amphiodon 


29 


Spongolithii 


■ apiculaia 


24 


— 


calcaratum 


30 




— 


aspera 


25 


— 


obliquum 


31 




— 


mesogongyla 


26 


— 


quadratum 


32 




— 


Monile 


27 


— 


rüde 


33 




— 


setosa? 


28 


— 


serpentinum 











Von den 14 Infusorien, als alleinigen selbstständigen Organismen die- 
ser kleinsten Bestandtheile sind 2 eigenthümlich, aber die 7 Genera, denen 
alle 14 Formen angeboren, sind sämmtlich allgemein verbreitet. 

Den zablreicb beigemischten Spongolitben zufolge, wenn diese nicht 
Spongillen-Theile unbekannter Süfswasser- Formen sind, ist diese Erde eine 
mit Seewasser in Berührung gekommene Bildung. Unter den Infusorien sind 
aber keine kekannten Seethiere. 

Auffallend sind wieder die überaus zahlreichen Panzer- Monaden die- 
ser Erdart, wie in der Erde von Andower. 

Überdiefs hat Herr Prof. Hitchcock auch 3 sehr auffallend unter 
sich verschiedene Arten von Eisenocker aus Massachusetts zu meiner Ansicht 
gebracht, die jedoch sämmtlich schon in das unorganische Formenreich über- 
gegangen sind, wenn sie auch vielleicht einst in organischen Verhältnissen ge- 
bunden waren. Es sind ein blafsgelber, ein hochgelber und ein zie- 
gelrother. Der blafsgelbe ist von Newbury, der hochgelbe von Bradford 
und der ziegelrothe von Marlborugh. Dem äufsern und innern Ansehen 
nach sind diese Ocker sämmtlich aus Tertiär- Lagern. Sie können leicht 
durch Gallionella ferruginea erzeugt worden sein, jedoch war diese Form 
selbst nicht mehr darin erkennbar. Vielleicht sind die kleinen Kieselschalen 
in den feinen Kieselsand umgeändert, welcher diese Ocker erfüllt. 

Maine. 
(44° N.B. 70° W.L. v. Grecnw.) 

Aus dem Staate Maine sind mir durch Herrn Bailey 2 Erdarten über- 
sendet worden, welche 2 fossilen Infusorien -Lagern angehören, die Herr 
Dr. Charles T. Jackson 1838 daselbst entdeckt hat. Beide finden sich 
in der Nähe von Blue Hill Pond. 

Yy2 



356 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Da beide Lager wahrscheinlich in eigenthümlichen Lokalitäten vorkom- 
men, so habe ich vorgezogen, die von mir vorgenommene mikroskopische 
Analyse beider gesondert zu halten und sie mit I und II zu bezeichnen. 

38. Blue Hill Pond, Maine I. 

Die Farbe und Cohärenz dieser Erde ist der lockern Schreibkreide 
ähnlich, sehr weifs und leicht. Folgende 39 organische Bestandtheile haben 
sich darin als ihre constituirenden Elemente erkennen lassen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Cocconema cymbiforme 


17 


Pinnularia Dactylus 


2 


Eunotia Formica 


18 


— 


decurrens 


3 


— parallela 


19 


— 


dicephala 


4 


— praerupta 


20 


— 


gibba 


5 


— Tetraodon 


21 


— 


inaequalis 


6 


Gallionella aurichalcea 


22 


— 


Legumen 


7 


— distans 


23 


— 


macilenta 


8 


Gomphonema gracile 


24 


— 


nobilis 


9 


— Pupula 


25 


— 


viridis 


10 


— Turris? 


26 


Slauroneis Baileyi 


11 


Himantidium Arcus 


27 


Synedra spectabilis 


12 


— bidens 


28 


— 


Ulna 


13 


Navicula amphigomphus 


29 


Tabellaria nodosa 


14 


— dilatata 


30 


— 


trinodis 


15* 


— Formica 


31 


Trachelomonas Pyrum, 


16 


— Silicula 









B. Kieselerdige Pflanzentheile. 

32 Amphidiscus armatus 36 Lithostylidium amphiodon 

33 — Martii 37 Spongilla Erinaceus 

34 — Rotula 38 — lacustris 

35 Lithodontium furcatum 39 Spongolithis aspera. 

Unter den 31 Infusorien, welche 11 Generibus angehören, ist nur eine 
lokal eigenthümliche Form als neue Species eines bekannten Genus. Alle 
Genera sind schon bekannt, und alle Formen bezeugen, dafs die Bildung je- 
nes Erdlagers den süfsen Gewässern angehört. 



des mücroshopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 357 



39. Blue Hill Pond, Maine IL 

Auch diese Erde ist kreideartig, sehr weifs und sehr leicht, 
folgende organische Elemente ermittelt: 

A. Kieselschalige Infusorien. 



Ich habe 



1 


Cocconeis Jinnica 


18 


Navicula alata 


2 


Cocconema cymbiforme 


19 


— 


amphigomphus 


3 


— lanceolatum 


20 


— 


dilatata 


4 


— leptoceros 


21 


— 


obtusa 


5 


Eunotia amphioxys 


22 


— 


Trabecula 


6 


— biceps 


23 


Pinnularia Dactylus 


7 


— Diadema 


24 


— 


decurrens 


8 


— Tetraodon 


25* 


— 


Gigas 


9* 


— uncinata 


26 


— 


inaequalis 


10 


— ventralis 


27 


— 


macilenta 


11 


Gallionella crenulata? 


28 


— 


nobilis 


12 


— distans 


29 


— 


viridis 


13* 


— lirata 


30 


Stauroneis Baileyi 


14 


Gomphonema coronatum 


31 


— 


pteroidea 


15 


— gracile 


32 


— 


staurophaena 


16 


Himantidium Arcus 


33 


Surirella oblonga 


17 


— Monodon? 


34 


— 


splendida. 




B. Kieselerdige 


Pflanzenthei 


le. 


35 


Amphidiscus Rotula 


40* 


Spongolithis herculeana 


36 


Spongilla lacustris? 


41* 


__ 


Talus 



37* Spongolithis Crucc 42 — philippensis 

38 — fislulosa 43* — ramosa 

39* — St. Andreae 44 — setosa. 

Diese Erde ist von der vorigen durch die sehr zahlreichen Surirellen 
und besonders durch eigenthümliche zahlreiche Spongolithen sehr ausge- 
zeichnet und mufs daher einer andern und eigenthümlichen Lokalität ange- 
hören. Es tritt hier wieder die Schwierigkeit der Beurtheilung hervor, dafs 
scheinbare See -Spongolithen mit reinen Süfswasser- Infusorien vereint vor- 
kommen, und man sich fragen mufs, warum, wenn die Bildung eine marine 
war, sind keine Coscinodisci, Actinocycli u. s. w. dabei? Vorläufig ist es 



358 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

daher wohl als eine brakische Bildung zu betrachten, die in der Nähe des 
Meeres noch einige Schwamm- Arten in Gesellschaft hatte. 

Neue und eigenthümliche Arten sind unter den 34 Infusorien nur 3 
aus bekannten Generibus, wie denn sämmtliche 34 Arten 10 bekannten Gat- 
tungen angehören. 

Die beiden fossilen Lager von Maine enthalten 49 Infusorien -Arten 
und 16 Pflanzenfragmente. Beiden gemein sind nur 13 von den 49 Infuso- 
rien-Arten und nur 2 von den 16 Pflanzenfragmenten. Das Lager No. 1 
enthält 17 Infusorien- Arten die im Lager No. 2 bisher nicht erkannt wurden 
und 6 Pflanzentheile des Festlandes. Dagegen enthält das Lager No.2 20 
andere Infusorien und 8 Pflanzentheile, namentlich Spongolithen, letztere 
vermuthlich des Salzwassers. 

Herrn Bailey's Nachrichten zufolge hat man in Maine schon seit län- 
gerer Zeit die Erde No. 1 zu leichten gebrannten Ziegeln benutzt, natürlich 
ohne zu wissen, dafs es Infusorien -Schalen waren, durch welche Kenntnifs 
es nun möglich geworden, das scheinbar lokale Material überall aufzufinden. 

40. Neu-Fundland, Terre neuve. Tafel IV. 

(47-51° N.B. 53-59° W. L. v. Greenw.) 

Aus Erd-Theilchen, welche einem Scirpus ellipticus von Neu-Fund- 
land noch anhingen, die ich von Herrn Prof. Kunth erhielt, haben sich fol- 
gende neufundländische dort jetzt lebende mikroskopische Organismen er- 
mitteln lassen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Achnanthes brevipes 


12 


Gomphonema gracile 


2 


Cocconema cymbiforme 


13 


Himantidium Arcus 


3 


— lanceolatum? 


14 


Navicula affinis 


4 


— leploceros 


15 


— lineolata 


5 


Eunotia biceps 


16 


Pinnularia macilenta 


6 


— Faba 


17' 


Slauroptera Achnanthes 


7 


— Serra ? 


18 


Staurosira construens 


8 


— Triodon 


19 


— amphilepta 


9 


Fragilaria rhabdosoma 


20 


Surirella bifrons 


10 


Gallionella distans 


21 


Tabellaria trinodis. 


11 


— granulata 







des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 359 

B. Weichschalige Magenthierchen. 
22* Arcella lunata. 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

23 Amphidiscus armatus 25 Spongilla Erinaceus. 

24 Spongilla lacustiis 

Unter den 21 Infusorien aus 13 Generibus sind 2 neue Arten, aber 
kein eigenes Genus. Bis auf die Achjianth.es sind alle bekannten Arten Süfs- 
wasserformen, diese aber bezeicbnet, dafs an dem Orte , wo der Scirpus 
wuchs, sieb ein brakisches Wasser befunden hat. 

Auf Tafel IV sind 2 Formen abgebildet. 

41. Okak auf Labrador. Tafel IV. 
(57° N.B. 6S° W.L. v. Greenw.) 

Unterm 10. Juni 1841 (s. d. Monatsbericht) wurden der Akademie 
nachträglich die hier weiter auszuführenden Mittheilungen über mikrosko- 
pische Organismen aus Labrador gemacht. Der durch seine Reise nach Is- 
land bekannte und verdiente Naturforscher Dr. Thienemann in Dresden 
hatte mir Erdproben von Labrador zugesandt, die sich an Laubmooswur- 
zeln und an Wurzeln der Ilippuris vulgaris erhalten hatten. Die Erde der 
Mooswurzeln war am reichhaltigsten an dort lebenden Formen, von welchen 
schon damals von mir 51 Arten namentlich aufgeführt wurden, die nun hier 
nach der neuern systematischen Anordnung und nach neuen Untersuchungen 
revidirt und vermehrt folgen. 

A. Kieselschalige Infusorien. 



1 


Amphora libyea 


12 


Eunotia 


! parallela 


2* 


Cocconema acutum (Lunula) 


13 


— 


praerupta 


3 


— 


asperum 


14* 


— 


septena 


4 


— 


gracile 


15 


— 


Tetraodon 


5 


Eunolic 


i amphioxys 


16 


— 


Triodon 


6 


— 


bieeps 


17 


— 


uncinata 


7 


— 


Camelus 


18 


Fragilaria binodis 


8 


— 


Diadema 


19 


Himantidium Arcus 


9 


— 


JDiodon 


20 


— 


bidens 


10 


— 


Faba 


21 


— 


gracile 


11* 


— 


Hexaodon 


22 


_ 


Monodon 



36* 


Pinnularia pachyptera 


37 


Stauroneis birostris {cerato- 




gramma) 


38 


— phoenicenteron 




(crucigera) 


39 


Stauroptera aspera 


40 


— Isostauron 


41 


— Microstauron 


42* 


— scalaris 


43 


Striatella arcuata 


44 


Synedra Ulna 


45 


Tabellaria biceps 


46* 


— Gastrum 



3 60 Ehrenberg: Verbreitung und Einjlufs 

23 Navicula afßnis (ceratostigma) 

24 — dilalata 

25 — dirhynchus 

26 * — leptogongyla 

27 — lineolata 

28 * — mesolepta 

29 * — mesotyla 

30 — SemeTi 

31 — Silicula 

32 Pinnularia dicephala 

33 — g/5£a 

34 — heteropleura (inae- 

qualis) 

35 — macilenta AI — trinodis. 

B. Weichschalige Infusorien, Magenthiere. 
48* Arcella disphaera 51* Difflugia Lagena 

49 — hyalina 52 — oblonga. 

50 Closterium striolatum? 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 
53 Lithostylidium Serra. 

Unter den 52 Infusorien aus Labrador sind 12, mithin fast t, eigene 
Arten, aber von den 14 Generibus ist keins eigentümlich. 

Die meisten Formen gehören dem Süfswasser an, allein Striatella ar- 
cuata und Stauroptera aspera sind entschiedene Seethierchen, weshalb denn 
ein brakischer neuer Meeresabsatz jenen Moosen und Hippuris -Pflanzen zur 
Grundlage gedient hat. 

In dem 1841 gedruckten Verzeichnifs sind einige Namen derselben 
Körper verschieden von den jetzigen, was auf genauerer Erkenntnifs dersel- 
ben bei der stattgehabten Revision und veränderter Systematik beruht. Sie 
sind hier daneben gestellt. Die meisten sind gleich geblieben. 

Island. 
(63-67° N.B. 20° W.L. v. Greenw.) 
Die erste aus Island bekannt gewordene Form ist Isthmia obliquata, 
welche mein Freund, Dr. Thienemann, 1821 von dort mitgebracht und 
deren ich 1838 in dem gröfsern Infusorien -Werke Meldung gethan habe. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 361 

Ganz besonders reichhaltig war aber die spätere Ausbeute an isländi- 
schen kleinsten Organismen, die sich aus Torf-Erde und Meeres -Pflanzen 
ergaben, welche mir derselbe gelehrte Reisende 1841 auf meine Bitte zu- 
sendete. 

Ein Verzeichnifs von 48 Arten isländischer mikroskopischer Körper 
ist bereits 1841 im Juni, als Auszug der Fortsetzung dieses Vortrages, in den 
Monats -Berichten der Akademie abgedruckt worden, welches hier mit gerin- 
gen, durch die neue Überarbeitung bedingten Veränderungen in Übersicht 
gebracht wird. Ich halte für zweckmäfsig, die Land- und Süfswasser-Formen, 
wie sie getrennt vorkommen, auch hier von den See -Formen zu trennen. 

42. Husavic auf Island. 

Auf meine Anfrage, ob Herr Dr. Thienemann nicht eine Probe des 
torfigen Brennmaterials der Isländer, an Pflanzenwurzeln anhängend, mitge- 
bracht habe, erhielt ich von demselben alsbald dieses Brennmaterial selbst in 
einem Stücke zugesendet, wie es bei Husavic gewonnen wird. Von solchem 
isländischen, im Lande als Brennmaterial höchst wichtigen Torfe spricht Hr. 
Thienemann 1827 in seiner Reisebeschreibung pag. 132 und 364, wo auch 
die Pflanzen genannt sind, welche seiner Meinung nach, den Brennstoff lie- 
fern : Comarum palustre, Geum rivale, Menyanthes trifoliata, Betula nana 
und mehrere Carex und Juncus- Arten. Dieser Torf ist nun, meinen Un- 
tersuchungen nach, von einer überaus grofsen Menge von kieselschaligen In- 
fusorien erfüllt. Folgende 44 Formen, von denen nur 36 im Monatsberichte 
1841 pag. 204 namhaft gemacht wurden, haben sich bis jetzt erkennen lassen : 

A. Kieselschalige Infusorien. 

Eunolia gibba 

— pracrupta 

— Textricula 

— zebrina 
Fragilaria pinnata {striolatd)? 

— diophthalma 

— rhabdosoma 
Gallionella crenulata 

— distans 

10 — granulata 20 Gomphonema americanum 

Physik.-math. Kl. 1841 . Zz 



1 


Amphiprora navicularis 


11 


•2 


Amphora libyca 


12 


3 


— rimosa (hyalind) 


13 


V 


Cocconcis borealis 


14 


5* 


— longa 


15 


6 


— Placentula 


16 


7 


Cocconema asperum 


17 


8 


Eunolia amphioxys 


18 


9 


— Diodon 


19 



362 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

21 Gomphonema gracile {longiceps) 31 Pinnularia nobilis 

22 — laticeps(acuminatum) 32 — viridis 

23 — Pupula 33 * Stauroneis liostauron 

24 — truncatum 34 — pteroidea 

25 Himantidium bidens 35 Stauroptera cardinalis (micro- 

26 Navicula amphisbaena stauron)? 

27 * Pinnularia aequalis 36 Surirella splendida? 

28 — amphioxys 37 Synedra Ulna 

29 — Gastrum 38 Tabellaria trinodis. 

30 — Legumen 

B. Weichschalige Magenthiere. 

39 Arcella hyalina. 

C. Kieselerdige Pflanzentheile. 

40 Lithostylidium amphiodon 43 Lithostylidium rüde 

41 — crenulatum 44 Thylacium semiorbiculare. 

42 — polyedrum ~ 

Von den 39 polygastrischen Thierchen sind nur 4 und von den 17 Ge- 
neribus, welchen sie angehören, keins eigentümlich. 

Diese ganze Torfbildung ergiebt sich überdiefs, auch den mikrosko- 
pischen Characteren nach, als eine reine Süfswasserbildung, in welcher nicht 
einmal Spongolithen erkannt worden sind, und da nach Hrn. Thienemann 
diese Torfbildung eine sich jährlich fortsetzende ist, so müssen auch die ein- 
gestreuten mikroskopischen Formen, obschon sie keine Structur- Details er- 
kennen liefsen, jetztlebende sein. 

43. Reikiavic, Island. 

Aus dem Meere bei Reikiavic hatte Herr Dr. Thienemann schon die 
Isthmia obliquata selbst beobachtet. An See -Algen, die er mitgebracht 
und mir zusendete, sind dann 1841 12 jetzt lebende Formen von mir beob- 
achtet und namhaft gemacht worden. Diese 12 mikroskopischen Organis- 
men des isländischen Nordmeeres sind : 

Kieselschalige Infusorien. 

1 Cocconeis Scutellum 4 Gomphonema minutissimum 

2 Denticella aurita? (anBiddulph.?) 5* Grarnmatophora islandica 

3 Gomphonema clavatum 6 Navicula obtusa 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord-Amerika. 363 

7 Podosira moniliformis 1 Strktlclla orcuata 

8 Podosphenia cuneata? 11* — Thienemanni 

9 Stauroptera aspera 12 Synedra fasciculata? 

Sämmtliche 12 Seethierchen gehören 10 Generibus an, von denen 1 
(Podosira) Amerika eigentümlich, aber auch im Ocean bei Peru einheimisch 
ist. Zwei Arten bekannter Gattungen sind bis jetzt als characteristisch für 
Island anzusehen, und diese sind mit Sternchen bezeichnet. 

44. Kotzebue's Sund. Tafel IV. 
(67° N.B. 164° W.L. v. Greenw.) 
Aus den Wurzeln der Parnassia Kotzebuei, welche mein verstorbener 
Freund und College, Adalbert v. Chamisso, vom Kotzebue Sunde mitge- 
bracht hat, und deren Exemplare im Königl. Herbario aufbewahrt werden, 
entnahm der Botaniker Herr Philippi etwas Erde, die er mir in einem zu 
diesem Behuf ihm übergebenen Beagenzgläschen sorgfältig verwahrt gefälligst 
zur Untersuchung übergab. Es haben sich darauf folgende Formen jener 
Erdgegend als dort jetzt lebend anschaulich machen lassen : 
A. Kieselschalige Magenthiercben. 

1 Eunotia amphioxys 5 Naiicula Bacillum 

2 Fragilaria rhabdosoma 6 * Pinnularia borcalis 

3 Gallionella distans? 7 — inaequalis 

4 Naricula afßnis 8 — viridis. 

C. Weichschalige Magenthierchen. 
9 Arcella conslricta? 11 Difflugia areolala. 

10 — hyalina 

C. Kieselerdige Pflanzcntheile. 
12 LitJiodontium furcatum 15 Lithostylidium polyedrum 

13* — scabruTn 16 — rüde. 

14 Lithostylidium amphiodon 

Auch im hohen Norden des Kotzebue Sundes enthält hiernach selbst 
ein so kleines Erd-Körnchen, wie mir zu untersuchen gestattet war, eine an- 
sehnliche Reihe von unsichtbaren Lebensformen. Von den 1 1 Infusorien 
aus 7 bekannten Generibus ist zwar nur 1 Art neu, aber hinreichendes Inte- 
resse gewährt schon die Kenntnifs der Verbreitung jeder einzelnen die Erd- 
oberfläche so dicht erfüllenden Form. Alle die verzeichneten Körperchen 

Zz2 



364 Ehrknberg: Verbreitung und Einflufs 

sind übrigens Land- und Süfswasser- Gebilde. Scbliefslich reiht sich noch 
ein letzter Punkt Amerika's an : 

45. Spitzbergen. Tafel IV. 

(79° N.B. 342° W.L. v. Grecnw.) 
-Durch Herrn Dr. Thienemann erhielt ich nämlich 1841 auch etwas 
Seeschlamm vom Meeresgrunde bei Spitzbergen, den ich mit grofser Sorg- 
falt und Spannung, theils der hohen nördlichen Breite, theils auch der Tiefe 
halber, aus welcher er unter der Meeresfläche hervorgehoben worden, unter- 
sucht habe. Er war nicht sehr reich an deutlich erhaltenen mikroskopischen 
Formen, doch haben sich deren 9 ermitteln und systematisch feststellen 
lassen. 

A. Kieselschalige Infusorien (Magenthierchen). 

1 Coscinodiscus Patina? 3 Sjnedra Ulna. 

2 Stauroptera asper a 

ß. Kieselerdige Pflanzentheile. 

4 Spongolithis acicularis. 

C. Kalkschalige Polythalamien. 

5 * Wonionina arctica 7 Triloculina trigonula 
6* Rotalia borealis 8* Uvigerina? borcalis. 

C. Kalkschalige Annulaten. 
9* Serpula? Discus. 

Unter den 3 Infusorien aus 3 Gattungen ist keine neue und eigenthüm- 
liche Art noch Gattung, wohl aber sind mehrere neue Arten bekannter Gat- 
tungen unter den Polythalamien, die freilich wieder, selbst aus den uns na- 
hen Meeren, noch wenig untersucht und bekannt sind. 



Mit diesen 45 amerikanischen Lokalitäten ist aber das Bereich der mir 
bis heute bekannten kleinsten Lebensformen in Amerika und ihres Einflusses 
noch bei weitem nicht abgeschlossen. Sie betreffen ganz vorherrschend und 
fast ausschliefslich nur die kieselschaligen Organismen. Aber auch die kalk- 
schaligen kleinsten Organismen haben eine ansehnliche, ja sogar eine höchst 
bedeutende Verbreitung und Entwickelung in Amerika schon gezeigt. Ich 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 365 

habe bereits unterm 16. Juni 1842( J ) Mittheilungen über die sehr grofseVer- 
breitung des mikroskopischen Lebens als Felsmassen im centralen Nord- 
Amerika gemacht, welche die Kalkfelsbildungen betrafen und die ich hier nur 
noch berühren und in das allgemeine Bild summarisch aufnehmen kann. 

Schon durch Herrn Alexander von Humboldt's Bemühungen auf seinen 
Reisen waren entscheidende Materialien an Versteinerungen und Beobach- 
tungen seit dem Anfange dieses Jahrhunderts nach Berlin gekommen, welche 
erkennen liefsen, dafs es in den Andes- Gebirgen eine bedeutende Verbrei- 
tung der geologischen Kreideformation gebe. Durch Herrn Mortons( 2 ) 
synoptische Zusammenstellung der Kreide -Versteinerungen aus den Verei- 
nigten Staaten erweiterte sich die Erkenntnifs dieser geologischen Bildung 
von New-Yersey bis zum Missouri -Gebiet und Herr Leop old v. Buch hat 
dieses in seinem 1839 in französischer Sprache erschienenen Prachtwerke über 
die von Herrn v. Humboldt mitgebrachten Versteinerungen ( 3 ) nur auf 
das Entschiedenste bestätigt, so dafs in den Andes-Gebirgen der Aequatorial- 
Gegenden, sowie von New-Yersey bis zum Missouri -Gebiete, wie er sich 
ausdrückt, die Kreideformation ganz überwiegend und in einer 
riesenhaften Entwickelung auftritt. 

Seitdem der Akademie 1838 mitgetheilt worden war, dafs mit Hülfe 
einer besondern Beobachtungs- Methode es gelänge, die sämmtlichen Schreib- 
kreiden und auch viele dichte Kalkfelsen der Kreide als Zusammenhäufung 
unsichtbar kleiner Polythalamien zu erkennen, ist diese Methode auch seit 
1841 oder 1842 in Nord-Amerika von Herrn Bailey auf die dortige Kreide 
angewendet worden, und auch dort hat sich, brieflichen Nachrichten zufolge, 



(') S. d. monatlichen Berichte der Berl. Akad. d. Wissensch. 1842. pag. 187. 
( z ) Morton Synopsis of the organic remains of the cretaceous group of the United 
states. Philadelphia 1834. 

( 3 ) Petrifications recueillies en Amerique par Mr. Alexandre de Humboldt et par 
Mr. Charles Degenhardt, decrites par Leopold de Buch. Berlin 1839. 

Es heifst darin pag. 2. — Neithea (section des Peignes) — qui toute entiere est 
particuliere a la formation de la craye meine en Amerique, ou le Pecten quinqueco- 
status de cette section se trouve tout le long de la formation crayeuse depuis le New- 
Yersey jusqu'a la province d' Alabama et du Missouri. — Or la collection de Mr. de Hum- 
boldt et ses observations prouvent — que dans les montagnes des Andes equatoriales la 
formation crayeuse est tout ä fait preponderante et developpee sur une echelle gigantesque. 



366 Eiirenberg: Verbreitung und Einjlufs 

dasselbe Resultat ergeben. Die mir von Herrn Bailey 1842 zur weitern 
Vergleichung und Bestimmung der einzelnen Formen übersandten Proben der 
Kalkfelsen vom Missouri und Mississippi wie von New-Yersey haben jeden 
Zweifel über diesen so überaus grofsen Einflufs des unsichtbar kleinen Le- 
bens beseitigt, der nun als eine wissenschaftlich feste Thatsache zu betrach- 
ten und bei übersichtlichen Darstellungen der geognostischen Verhältnisse 
der Erde, besonders der Entwickelung der Erdoberfläche im ganzen centra- 
len Nord-Amerika, nothwendig zu berücksichtigen ist. 

Alle Einzelnheiten der neu gewonnenen reichen Resultate dieser Un- 
tersuchungen hier anzugeben würde zu weit führen , und da ich Gelegen- 
heit habe in dem gröfsern Werke, welches sich jetzt zum Abschlufs vorbe- 
reitet, die Details auch dieser Verhältnisse, sammt Abbildungen, vergleichend 
mit allen Kreidegebilden von Europa, Afrika und Asien mitzutheilen, so be- 
schränke ich mich auf die allgemeinere Anzeige. Nur sei hier bemerkt, dafs 
viele der europäischen Kreide - Polythalamien sich in Afrika, Asien und Ame- 
rika gleichartig finden, einige sind aber ganz lokal. Zu diesen gehört die 
Textilaria americana, deren erste und unterste Zellen rund sind, deren oberste 
gröfste Zellen aber immer warzenartiger, länger und spitzer werden und zu- 
letzt in einen Stachel auslaufen. Diese Form bildet fast die Hauptmasse der 
Kreide am obern Missouri. Ob Feuersteine oder deren Aequivalent, Kreide- 
mergel von See -Infusorien, dort in der Kreide gefunden worden, ist noch 
nicht gemeldet und sehr wünschenswert!! zu ermitteln. Vgl. Richmond Virg. 



IV. Alphabetische Übersicht aller beobachteten und eigentüm- 
lichen Formen. 

Um das Auffinden der Formen in den verschiedenen Lokalitäten zu 
erleichtern, ist die folgende Übersicht aller amerikanischen Gattungen und 
Arten zusammengestellt worden : 

A. Polygastrica, Magenthierchen: 
I. 1 Achnanthes brevipes Peru, Real del monte Mexico, Provi- 

dence Rhodes Island, Neufundland. 
— Figur Tafel I. in. 13. 
2 — *pachypus MaluinenL, Chile, Peru, Cuba I. Vera 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 367 





3 Achnanthes * 


rhomboides 




4 


* 


turgens 


IL 5 Actinocyclus 


quinarius 




6 


— 


denarius 




7 


— 


undenarius 




8 


— 


duodenarius 
(bisenarius) 




9 


— 


Jupiter 




10 


— 


bioctonarius 


III. 


11 AcTiitoPTYCHrs*hexapterus 




12 


— 


senarius 




13 




octonarius 




14 


— 


*nonarius 




15 


— 


* denarius 




16 


— 


duodenar. 




17 


— 


sedenarius 




18 


— 


*vicenarius 




19 


— 


'Jupiter 


IV. 


20 Amphipentas 


? * alternans 


V. 


21 Amphiprora 


* constricta 




22 


— 


* naiicularis 


VI. 


23 Amphora *gi 


•acilis 




24 


- lil 


>yca 



Cruz Mexico. — Fig. T. I. i. 16. I. 

ir. 28. I. in 32. II. vi. 31. III. vm. 29. 
Peru. 

Vera Cruz, Mexico. Fig. T. III. vn. 28. 
Richmond Virginien. 
Richinond Virginien. 
Richmond Virginien. 
Richmond Virginien. 

Cuba I. — Fig. T. II. vi. 15. 
Richmond Virginien. 
Vera -Cruz, Mexico, — Fig. T.III.vn.2. 
Maluinenl., Peru, Vera Cruz Mexico, 

Richmond Virg. Fig. T. I.i 27. I.m. 

21. III. vn. 1. 
Richmond Virginien. 
Peru, — Fig. T. I. m. 22. 
Richmond Virginien. 
Richmond Virginien. 
Richmond Virginien. 
Richmond Virginien. 
Richmond Virginien. 



Fig. T. H vi. 9. 
Fig. Taf. IL vi. 28. 



25 — lineolata 

26 — * navicularis 

27 — rimosa (hyalina) 



Cuba I. 
Cuba I. 

New -York, Smithfield Rhodes Island, 
Pelham Mass., Spencer Mass., Island. 
Real del monte Mexico. Fig. Taf. III. 
i.43. 

Real del monte Mexico, Vera CruzMex., 
Richmond Virg., Rridgwater Mass., La- 
brador?, Island. — Fig. Taf. III. i. 42. 
III. vn. 17. 

Peru? Vera Cruz Mex. Fig. T. I. iu. 12. 
Maluinen I. Fig. T. I. i. 12. 
New -York, Island. 



368 



Ehrenberg: Verbreitung und Etnflufs 



VII. 28 Aredia aculeala 


29 


— 


* americana 


30 


— 


* constrlcta 


31 


— 


* ecornis 


32 





* disphaera 


33 


— 


hyalina 



34 — * limata 

35 — *Nidus pcndulus 

36 — *P Ileus 



Moctezuma Fl. Mexico. Fig. T. HI. vi. 5. 

Brasilien. Fig. T. I. iv. 10a. 

New- York, Kotzebue's-Sund. Fig. Taf. 

IV. i. 35. IV. v. 1. 
Brasilien, Guiana angl., Beal del monte 

Mexico. — Fig. T. I. iv. 9. III. i. 46. 
Labrador. — Fig. Taf. IV. ii. 12. 
Chile, Moctezuma Fl. Mexico, New- 

York, Labrador, Island , Kotzebue's- 

Sund. — Fig. Taf. I. n. 31. III.vi.6. 

IV. i. 34. IV. v. 3. 
Neu Fundland. 
Real del inonte Mexico. — Fig. Taf. III. 

i. 48. 
Real del monte Mexico. — Fig. Taf. III. 

i.47. 



VIII. 3 7 Arthrodesmus quadricaudat. New - York 

38 — acutus 

39 — * Taenia 

40 — convergens 
IX. 4 1 Astasia oceanica 

X. 42 Bacillaria paradoxa 
XI. 43 Biblarium Follis 
XIL 44 Biddulphia pulchella 



Fig. T. 1. 1. 18. 



45 — tridentula 

46 — *?laevis 

XIII. 4 7 Campylodiscus* radiosus 

48 — *str latus 

XIV.49 C er atoneis* laminar Is 



New -York. 

Maluinen I. 

New -York. 

Brasilien. 

New -York. 

Bridgwater Massachus. 

Peru, Cuba L, Vera-Cruz Mexico. — 

Fig. T. I. in. 25. IL vi. 18. 
Riebmond Virg. 
New -York. 

Vera CruzMexico. — Fig. T.III.vn. 14. 
Vera CruzMexico. — Fig. T.III.vn. 13. 



Vera Cruz Mexico. —Fig. T.III.vn. 24. 
XV.50 CLiMAcospnEjviA*montllgera Cuba L, Vera CruzMexico. — Fig. T. 

(Echlnella monillg.) II. vi. 1 . 

XVI. 5 1 Closterlum acerosum Real del monte Mexico, San Pedro y S. 

Pablo Mexico, AtotonilcoelGr. Mex. 
— Fig. Taf. III. ii. 7. 



des mikroskopischen Lehens in Süd- und Word - Amerika. 369 



52 Closterium* amblyonema 



53 
54 
55 
56 

57 

58 
59 
60 

61 
62 
63 



* crenulatum 

* Cucumis 
Digitus? 
lineolatum 
Lunula 



Fig. Taf. IV. i. 29. 



New -York. 

New -York. 

New-York. — Fig. Taf. IV. i. 28. 

New -York. 

Real del monte Mexico. Fig. T. III. i. 45. 



Real del monte Mexico, New-York. — 

Fig. Taf. HI. i. 44. 
New-York. 
New-York. 
New-York, Labrador? — Fig. Taf. IV. 

i.30. 
New-York. 
New-York. 

New-York. - Fig. Taf. IV. i. 27. 
Moctezuma Fl. Mex. cfr. C.mexicana. 
amphiceros Richmond Virg. 

— * bor eal.(islandica)V er a-Cruz Mexico, Island. 

— * concentrica Real del monte Mex., Vera-Cruz Mex. — 



moniliferum 

setaceum 

striolatum 

tenue 

Trabecula 

turgidum 



XVII.64 Cocconcis* americana? 
65 
66 

67 

68 
69 
70 
71 



Fig.T.I.m.33. III. i.31. III.vii.16. 



— * decussata 

— * elongata 



Cuba I, 



- Fig. T. II. vi. 13. 



Bridgwater Massachus. 



'fasciata Peru. — Fig. T. I. in. 15. 

ßnnica Vera-Cruz Mex., New-York, Stonington 

Conn., Smithneid Rhodes I., Bridg- 
water Mass., Maine. — Fig. Taf. IH. 
vn. 15. IV. i. 9. 

island. (borealis) Vera-Cruz Mexico. 



72 - 

73 - 

74 - 

75 - 

76 - 



* leptoceros 
lineata 

* longa 

* mexicana 

Nai'icula:' 
Physik.- math. Kl. 1841. 



Richmond Virginien. 

Atotonilco el Gr. Mexico, Puente de 

Dios Mex. Vera-Cruz Mex. 
Island. 
Atotonilco el Gr. Mexico, Puente de 

Dios Mexico, — Fig. Taf. III. v. 7. 
Cuba I. 

Aaa 



370 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



77 Cocconeis oceanica 



78 — Placentula 



79 — *praetexta 



Peru, Cuba I., Providence Rhodes I. — 

Fig. T.I. m. 33 (14). II. vi. 11.12. 
Maluinen I., Chile, Atotonilco el Gr. 



Mex. , Island. 



Fig. T. I. i. 10. I. 



80 
81 



'punctata 
Scutellum 



82 - 



striata 



XVIII. 83 Cocconema* Arcus 

84 — "acut. (Lunula) 

85 — asperum 



86 — "cornutum 

87 — cymbiforme 



88 


— 'Fusidium 


89 


— *gracile 


90 


— lanceolatum 


91 


— *leptoceros 



ii. 24. 

San Miquel Mexico. — Fig. Taf. .111. 
m. 11. 

Real del monte Mex. Fig. T. III. i. 29. 

Maluinen I., Peru, Cubal., Vera-Cruz 
Mex., Florida, Providence Rhodesl., 
Island. — Fig. Taf. Li. 11. 1. m. 16. 
II. vi. 10. 

Cuba I., Real del monte Mexico, Vera- 
Cruz Mex., Newhaven Conn. — Fig. 
T. III. i. 30. 

New -York. 

Labrador. 

New- York, Newhaven C onn . , Smithfield 
Rhodes L, BridgwaterMass., Spencer 
Mass., Labrador, Island. 

Newhaven Conn., Bridgwater, Mass. 

Chile? (cfr. leptoceros), Real del monte 
Mex., Vera-Cruz Mexico, New-York, 
Newhaven Conn., Stratford Conn., 
Smithfield Rhodes L, AndowerMass., 
Bridgwater Mass., Maine, Neufundl. 
— Fig. T. III. i. 36. IV. i. 37. 

Cayenne, Surinam, New-York, Newha- 
ven Conn. Fig. T. II. i. 35. II. n. 21. 

Vera- Cruz Mexico, Bridgwater Mass. 
Labrador? — Fig. Taf. IV. n. 10? 

Maine, Neufundland? 

Chile? Cayenne, Boston,Pelham et Spen- 
cer Mass., Maine, Neufundland, — 
Fig. T. I. ii. 30. II. i. 36. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord -Amerika. 
92 Cocconema' 'Lunula 



371 



XIX. 93 Coscinodiscus Argus 



94 


— 


*concavus 


95 


— 


eccentricu 


96 


— 


"ßavicans 


97 


__ 


* Gigas 


98 


— 


limbatus 


99 


— 


lineatus 


100 


_ 


*marginatu& 


101 


— 


minor 


102 




Ocul. Iridis 


103 


— 


Patina 


104 


— 


radiatus 


105 


_ 


"radiolatus 



Maluinenl., Chile, Real del monte Me- 
xico, Vera - Cruz Mex., Atotonilco el 
Gr., Moctezuma Fl. Mex. — Fig. T. 
1. 1. 15. I. ii. 29. III. i. 37. IH. iv. 14. 

Richmond Virgin. 

Richraond Virgin. 
eccentricus Vera-Cruz Mexico. — Fig. T. III. vn. 5. 

Peru, St. Domingo I. — Fig. T. I. in. 
17. IL iv. 9? 

Richmond Virginien. 

Richmond Virginien. 

Peru, Vera-Cruz Mex., Richmond Vir- 



11D, 



— Fig. T. I. in. 20. IH vit 7. 8. 



106 



— * subtilis 



XX. 107 Denticella?*Biddulphia 

108 — aurita? 

XXI. 109 Desmidium aculeatum 
HO - 

111 

112 - 

113 — 



114 
115 



Peru, St. Domingo I.,CubaI., Vera-Cruz 
Mexico, Richmond Virginien, — Fig. 
T. n. iv. 8. II. vi. 17. III. vn. 3. 
Richmond Virgin. 
Spitzbergen? 

Vera-Cruz Mexico, Richmond Virg. 
Peru, CubaL, Richmond Virg. — Fig. 

T. I. in. 19. II. vi. 16. 
Peru, Vera -Cruz Mexico. — Fig. T. I. 
m. 18. IU. vn. 4. 
Cubal. — Fig. Taf. II. vi. 19. 
Island. 
New -York. 
apiculosum New -York. — Fig. Taf. IV. t 20. 
*custephanum New-York. — Fig. Taf. IV. t 23. 
glabrum New-York. 

hexaceros Rrasilien, New-York. — Fig. T. I. iv. 
10b. IV. i. 24. 
New-York. — Fig. Taf. IV. t 21. 
New-York. - Fig. Taf. IV. t 22. 
Aaa2 



ramosum 
"senarium 



372 



Ehren berg: Verbreitung und Einflufs 



1 1 6 Desmidium Swartzü New - York . 

— — tridens v.hexacer. New -York. 

XXII. 117 Dictyocha Crux Richmond Virgin 



118 

119 
120 
121 



— Fibula 



— * trifenestra 



XXIII. 122 Difflugia*areolata 



123 
124 
125 
126 
127 
128 



St. Domingo I., Richmond. — Fig. T. 
II. iv. 1 1 . 
Pentasterias Richmond Virgin. 
? *splendens Vera-Cruz Mexico. — Fig.T.III.vn.35. 

St. Domingo I. - Fig. T. IL iv. 12. 
Rrasilien, Cayenne, Guiana angl., Real 
del monte Mexico, Kotzebue's Sund. 
- Fig. Taf. I. iv. 8c IL i. 45. III. i. 
49. IV. v. 2. 
acanthophora New-York. — Fig. Taf. IV. i. 36. 
' denticulata Atotonilco el Gr. Mexico. 

Labrador. - Fig. Taf. IV. n. 11. 
Cayenne. — Fig. T. IL i. 43. 
New-York, Labrador. 
Cayenne. 
New-York. 



— * Lagena 

— * laet'igata 

— oblonga 

— * striolata 



- Fig. T. IL i. 44. 



XXIV 129 Dinobryon sociale 

— Echinclla? v. Podosphen. 
XXV. 130 Epistylis Anastatica? Carolina. 

XXVI 131 Euastrum*americanum New-York. — Fig. Taf. IV. i. 15. 

Fig. Taf. IV. i.18. 



132 
133 
134 
135 
136 

137 
138 
139 
140 



ansatum Ne w - Yo rk . 

* carinatum New - York . 

Crux melitens. New - York . 
*crenulaium New-York. — Fig. Taf. IV. i. 14. 

margaritifer. Moctezuma Fl. Mexico. New-York. 



Fig. Taf. III. vi. 4. IV. i. 19. 



Pecten 
Rota 
Sol 
verrueosum 



Fig. Taf. IV. i. 16. 



XXVII. 141 Eunotia aviphioxys 



New-York. 

New-York. 

New-York. 

New-York? --Fig. Taf. IV. i. 17. 

MaluinenL, Peru?, Cayenne, Surinam, 
Atotonilco el Gr. Mexico, New - York, 
Spencer Mass., Maine, Labrador, Is- 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord - Amerika. 373 



142 Eunotia * Argus 



1 43 — *biceps 



157 - 



144 


— 


*bidens (cfr 


145 


— 


*Camclus 


146 


— 


*cingulata 


147 


— 


Dccaodon 


148 


,.. 


*declivis 


149 


— 


*depressa 


150 





Diadema 


151 


_ 


Diodon 



152 - 


*dizyga 


153 


*Elephas 


154 - 


Enneodon 


155 


Faba 



1 56 — *Formi 



mica 



gibba 



land, Kotzebue's Sund. — Fig. T. I. 
i.26. I.in.6. IL i.15. IL ii. 16. III. iv. 
9. IV. v. 7. 

Cuba L, Atotonilco el Gr Mex. — Fig. 
Taf. IL vi. 33. III. iv. 7. 

MaluinenL, New- York, Newhaven Con- 
nect., And ower Mass., Boston, Bridg- 
water et Pelham Mass. , Wrentham 
Mass., Maine, Neufundland, Labra- 
dor. — Fig. T. 1. 1. 24. 
Himantid.) Brasilien, New- York, Andower Conn. 

Cayenne, Labrador, — Fig. T. II. i. 1. 

Cuba L, Providence Rhodes L, — Fig. 
Taf. II. vi. 34. 

New- York, Stratford Conn., Bridgwa- 
ter Mass. 

Cayenne. — Fig. T. II, i. 3. 

Brasilien. New-York? — Fig. T. I. iv. 
6b. IV. i. 12. 

Bridgwater Mass., Maine B. Labrador. 

St. Domingo L, Riebmond Virg., New- 
York, Andower Conn., Newhaven 
Conn. , Stratford Conn. , Smithfield 
Rbodes I. , Boston Mass. , Labrador, 
Island. - Fig. T. II. iv. 10. 

Cayenne. — Fig. T. II. i. 8. 

Brasilien. — Fig. T. I. iv. 5. 

Stratford Conn., Bridgwater Mass. 

Maluinen I. ? Boston et Bridgwater Mass. 
Neufundland, Labrador. — Fig. Taf. 
1. 1. 25. 

Guiana angl. , Stratford Conn., Boston 
Mass., Maine. 

Real de monte Mexico , Atotonilco el 
Gr. Mexico, Puente de Dios Mexico, 



374 



Ehrenberg: Verbreitung und Einftufs 



158 Eunotia *gibberula 



159 - 



165 - 

166 - 

167 - 

168 - 

169 - 

170 - 



granulata 



160 


Hendecaodon 


161 


Hexaodon 


162 - 


Heptodon 


163 


*Librile 



164 — *Monodon 



nodosa 

ocellata 
Octodon 

*parallela 

*Pileus 
* praerupta 



171 - 


*quaternaria 


172 - 


*quinaria 


173 


*Sella 


174 


- *septena 


175 


- Serra 


176 - 


- serrulata 



Moctezuma Fl. Mexico, New-Yersey, 
Island. - Fig. T. III. i. 39. 

Atotonilco el Gr. Mexico, Newhaven 
Conn. - Fig. T. III. iv. 8. 

New -York, Newhaven Conn., Bridgwa- 
ter Mass., Island. 

Stratford Conn. 

Labrador. 

Stratford Conn. 

Real del monte Mexico. — Fig. T. III. 
i.38. 

Gouadeloupe I. , San Miquel Mexico, 
Richmond Virg., New -York, Strat- 
ford Conn., Andower Mass., Pelham 
Mass. - Fig. T. II. v. 7. III. in. 3. 

San Miquel Mexico, Andower Conn. — 
Fig. Taf. III. in. 4. 

Peru? - Fig. T. I. in. 5 a. b. c. 

New -York, Stratford Conn., Bridgwater 
Mass. 

New -York, Andower Massus., Boston 
Mass., Maine, Labrador. 

Cayenne. — Fig. T. IL i. 5. 

New -York, Andower Conn., Smithneid 
Rhodes I. , Andower Mass. , Boston 
Mass., Spencer Mass., Maine, Labra- 
dor, Island. 

Cayenne. — Fig. T. II. i 13. 

Cayenne, New -York. - Fig. T. IL 1. 12. 
IV. i. 13. 

Cayenne. — Fig. T. IL i. 7. 

Labrador. — Fig. T. IV. n. 13. 

Stratford Conn. 

Neufundland? 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika 
177 Eunotia Tetraodon 



375 



178 


— 


*Textricula 


179 


— 


*tridentula 


180 


_ 


Ti'iodon 


181 


— 


turgida 


182 


— 


*ventralis 


183 


_ 


*uncinata 


184 


— 


Westermanni 


185 


— 


*zebrina 


186 


— 


*zygodon 



XXVIII. 187 Fragilaria acuta 



188 
189 
190 
191 

192 

193 



New- York, Srnithfield Rhodesl., Boston 

et Bridgvyater Mass., Maine, Labrador. 
Real del monte Mex., Vera-Cruz Mex.? 

Island. - Fig. T. III. i. 40. 
Cayenne, Andower Conn. — Fig. T. II. 

i. 14. 
New -York, Neufundland, Labrador. 
Brasilien, Atotonilco el Gr. Mexico. — 

Fig. T. III. iv. 6. 
New -York, Smithfield Rhodesl., Bridg- 

water Mass., Maine. 
Maine B., Labrador. 
New -York. 

New -York, Smithfield Rhodesl., Island. 
Cayenne, Guiana anglica. — Fig. T. IT. 

i.6. 
Surinam , Atotonilco el Gr. Mexico , 

Puente de Dios Mex., Moctezuma Fl. 

Mex., Bridgwater Mass. — Fig. T.II. 

ii. 12. in. iv. io. in. v. 7. in. vi. u. 

amphiceros Richmond Virg. 



Panceps 

bieeps 

?binodis 



— constrieta 



Pelham Mass. 

Newhaven Conn. 

Newhaven Conn., Neufundland, Labra- 
dor. 

MaluinenL, Moctezuma Fl. Mexico. — 
Fig. T.I. i. 21. III. vi. 10. 
diophthalma Surinam, San Miquel Mex., Moctezuma 
Fl. Mexico, Boston Mass.? Bridgwa- 
ter Mass., Island. — Fig. T. IL n. 13. 
14. IU. in. 10? III. vi. 7? 



194 


— 


*Entomon 


Bridgwater Mass. 


195 


— 


*glabra 


Guiana angl.? 


196 


— 


laevis 


Richmond Virg. 


197 


— 


?*Nai'icula 


Peru. — Fig. T. I. in. 8. 



376 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



1 98 Fragilaria *pinnata San Pedro y San Pablo Mexico, Mocte- 

zuma Fl. Mex., Riebmond Virginien, 
New -York?, Newbaven, Bridgwater, 
Spencer Mass., Island. — Fig. T. I. 
m. 9. III. vi. 8. 

199 — rhabdosoma Maluinen I., Surinam, Quito, Real del 

monte Mexico, Atotonilco el Gr., 
Vera-Cruz Mexico, New- York, Bridg- 
water et Spencer Mass., Neufundland, 
Island, Kotzebue's-Sund. — Fig. T. 
1. 1. 19 (et 20?) II. n. 15. III. i.26. III. 
iv. 1 1 . IV. v. 9. 

200 — *striolata Peru. — Fig. T. I. m. 9. 

201 — ?*Trachea Maluinen I.? an ad Gallionellam sulca- 

tam pertinens forma? 

202 — *Ventriculus Maluinen I.? an ad Fr. diophthalmam 

pertinens forma? — Fig. T. I. i. 20. 
_>03? - _ Cuba. - Fig. T.II.vi.29.cfr.iVac/cwfa 

Trabccula. 
XXIX. 204 Gallionella aurichalcea New -York, Andower Conn. , Stratford 

Conn., Smithfield Rhodes I. , Ando- 
wer Mass. , Boston , Bridgwater, Pel- 
bam , Spencer Mass. , Maine. — Fig. 
Taf. IV. i. 32. 

205 — *coarctaia San Miquel Mexico , Puente de Dios 

Mexico, Vera- Cruz Mexico. — Fig. 
T. III. m. 12. III. v. 9. 

206 — crenulata Cayenne, Real del monte Mexico?, New- 

York, Smitbfield Rbodes I., Boston 
et Bridgwater Mass., Pelham Mass., 
Maine, Island. - Fig. T. IL i. 41. 
III. i.28. IV. i.3l. 

207 — distans Brasilien?, Cayenne, Guiana angl.,INew- 

York, Newbaven Conn.?, Stratford 
Conn., Andower Mass., Boston Mass., 



des, mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 377 



208 Gallione 


IIa ferruginea 


209 


— 


* granulata 


210 


— 


lineata 


211 


— 


*lirata 


212 


— 


moniliformis 


213 


__ 


nummuloides 


214 


— 


sulcata 


215 




varians 


XXX. 216 i 


Gomphonema acuminat. 


217 


— 


americanum 


218 


— 


* anglicum 


219 


— 


*apiculatum 


220 


— 


Augur 


221 


_ 


clavatum 



222 

223 
224 
225 



coronatum 

*Cygnus 

*Glans 

gracile 



Physik. - math. Kl. 1841, 



Pelham Mass., Wrentham Massuch.? 

Maine, Neufundland, Island, Kotze- 

bue's-Sund. - Fig. T.I. iv.8a.b. IT. 

i. 42. 
Massachusetts. 
Brasilien?, Neufundland. 
Providence Rhodes I. 
Maine B. 
Peru?, New- York, New-Yersey. — Fig. 

T. I. m. 23. 24. 
Providence Rhodes I. 
Vera-Cruz Mexico, Richmond Virginien, 

New -York, Stonington Conn. — Fig. 

T.I. i.l7. m. vii. 9. 
New -York, Newhaven Conn. 
Smithneid Rhodes I. 
New- York, Newhaven Conn., Smithfield 

Rhodes I., Spencer Mass., Island. 
Real del monte Mexico. — Fig. T. III. 

i. 32. (auch in Irland, nicht Island). 
Cayenne, New-York, Smithfield, Rho- 
des I. - Fig. T. IL i. 38. 
Atotonilco el Gr. Mexico, New-York. 

- Fig. Taf. III. iv. 13. 
Maluinen I. , Chile, Cuba I., Real del 

monte Mex., Atotonilco el Gr. Mex., 

Smithfield Rhodes I., Island. — Fig. 

I. i. 13. I. ii. 26. II. iv. 32. III. i. 33. 
New-York, Andower Conn., Newhaven 

Conn., Bridgwater Mass., Maine. 
Bridgwater Mass. 

Smithfield Rhodes L, Bridgwater Mass. 
Chile, Cayenne, Real del monte Mex., 

Atotonilco, Moctezuma Fl. Mexico, 

New-York, Andower Conn., Newha- 
Bbb 



378 Eheenberg: Verbreitung und Einßufs 

ven Conn., Stratford Conn., Smith- 
field Rhodes I., Andower Mass., Bo- 
ston, Bridgwater et Pelham Mass., 
Maine, Neufundland, Island. — Fig. 
T. I. ii. 27. II. i. 39. m. i. 35. 

226 Gomphonema lanceolat. Cayenne, Newhaven Conn. — Fig. Taf. 

II. i. 37. 

227 — *laticeps Island. 

228 — minutissim. Maluinen I. , Providence Rhodes I. , Is- 

land. — Fig. T. 1. 1. 14. 

229 — *nasutum New -York. 

230 — *Pupula(pa- New -York, Maine, Island. 

radoxum) 

231 — rotundatum Chile, Surinam, Real del monte Mexico, 

Smithneid Rhodes I. - Fig. T. I. u. 
25. IL ii. 20. IU. i. 34. 

232 — * subtile New -York, Bridgwater Mass. 

233 — truncatum Island. 

234 — turgidum New -York, Smithfield Rhodes I. 

235 - *Turris New -York, Smithfield RhodesL, Maine? 

236 - "Vibrio Cayenne. - Fig. T. IL i. 40. 
XXXI. 237 Goniotmecium* RogersüVächmond Virg. 
XXXÜ.238 Grammatophora africana Vera-Cruz? 

239 — angulosa Peru, Cuba L, Vera-Cruz Mex. — Fig. 

T. I. in. 11. IL vi. 7. III. vii. 34. 

240 - *gibba Cuba I. - Fig. T. II. vi. 8. 

241 — *islandica Island. 

242 — mexicana Vera-Cruz Mexico. — Fig. T.UI.vii. 32. 

243 — oceanica Maluinen L, Peru, Cuba L, Vera- Cruz 

Mexico, Richmond Virg., Stonington 
Conn.? Providence Rhodes I. Fig. T. 
1. 1. 23. I. in. 10 et 33. II. vi. 5. 6. 

244 — *stricta Maluinen L, Vera Cruz Mexico, Provi- 

dence Rhodes L -Fig. T.I.i.22. in. 
vn. 31. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word -Amerika. 



379 



XXXIII. 246 Haliomma Medusa? 
247 — radiatum 

XXXIV. 24S Himantidium Arcus 



245 Grammatoph.undulat. Vera-Cruz Mex., Rhodes Isl., Richmond 

Virg. — Fig. T. IH. vii. 33. 

Richmond Virg. 

Vera-Cruz Mexico. 

Brasilien, Cayenne, Surinam, Guiana 
angl., Martinique, Richmond Virgin., 
New- York, Andower Conn., Newha- 
ven Conn., Stratford Conn., Smith- 
field et Providence Rhodes I., Ando- 
wer Mass., Boston Bridgwater et Pel- 
ham Mass., Spencer Mass., Wrentham 
Mass., Maine, Neufundland, Labrador. 
- Fig. T. I. iv. 6. aetc. II. i. 10. 11. 
IL ii. 17. IV. i. 11. 

Smithfield Rhodes Isl., Boston Mass., 
PelhamMass., Spencer Mass., Maine, 
Labrador, Island. 

Cayenne, Martinique I.?, Real del monte 
Mexico, Andower Conn., Smithfield 
Rhodes I. , Andower Mass. , Boston 
Mass. , Labrador. — Fig. T. II. i. 9. 

in. i.4i. 

— * guyanense Cayenne. — Fig. T. II. i. 4. 

— *Mono don New -York , Wrentham Mass., Maine?, 
Labrador. — Fig. Taf. IV. i. 10. IV. 
v. 6. 

*Papilio Cayenne. — Fig. T. II. i. 2a. 
XXXV. 254 Hyalotheca cjlindrica New -York. 
255 — mucosa? New-York. 

XXXVI. 256 Isthmia obliquata Island. 
XXXVII. 257 Meridion vernale New-York. 

XXX\I1I.2ÖS MssocE^A'/ieptagonaFeru. - Fig. T. I. in. 26. 
259 — 'octogona Peru. — Fig. T. I. in. 27. 

XXXXI. 260 Micrasterias Borjana Moctezuma Fl. Mexico, New-York. — 



249 



250 



— bidens 



— gracile 



251 
252 



253 - 



Fig. Taf. III. vi. 1 . 



Bbb2 



380 



Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 



261 Micrasterias elliptica 

262 — hcptactis 



263 - 



senaria 



- Fig. Taf. III. 



264 - Tetra» 

265 — tricyclia 
XL. 266 Monas Termo 

XLI. 267 Navicula *afßnis 



Caraccas, Gua- 



268 - 


alata 


269 - 


*ambigua 


270 - 


*americana 


271 


* Amphigomphus 



272 — *amphioxys 



273 - 



274 - 



*Amphirhynchus 
Amphisbaena 



New -York. 

Moctezuma Fl. Mexico. — Fig. Taf. III. 
vi. 3. 

Moctezuma Fl. Mexico, 
vi. 2. 

New -York. 

New -York. 

New -York. 

Surinam, Guiana angl.. 

deloupeL,St. DomingoI.,SanMiquel 
Mexico, Puente de Dios Mex. , New- 
York, Bridgwater Mass., Labrador, 
Neufundland, Kotzebue's Sund. — F. 
T. IL ii. 7. IL in. 2. IL iv. 4. IL v. 4. 
HI. in. 8. IV. ii. 6. IV. v. 10. 

New -York, Maine. 

Surinam, Boston Mass. — Fig. Taf. II. 
ii. 9. 

New -York, Smithfield Rhodes I. 

Real del monte Mexico, New- York, 
Stratford Conn., Andower Mass., Bo- 
ston et Bridgwater Mass., Maine. — 
Fig. Taf. III. i. 8. 

Maluinen L, Chile, Brasilien, Cajenne, 
Cuba L, Moctezuma Fl. Mex. , Pro- 
vidence Rhodes L, Boston, Bridgwa- 
ter Mass. , Spencer Mass. — Fig. T. 
I. ii. 8. 1. n.15. IL i.32. IL vi. 26. III. 
vi. 9. 

Real del monte Mex., Atotonilco el Gr. 
Mex., Moctezuma Fl. Mexico. — Fig. 
Taf. III. i. 10. 

Real del monte Mex., Sau Pedro y san 
Pablo Mexico, San Miquel Mexico, 
New -York, Smithfield Rhodes L, 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word- Amerika. 381 



275 Wai'icula * amphisphenia 

276 - *Bacillum 



277 — *biceps 



278 


— 


*Carassius 




— 


ceratostigma 




— 


ceratogramma 


279 


— 


curvula 


2*0 




*dilatata 



281 _ 



283 
284 



*dirhynchus 



282 - * dubia 



— *duplicala 

— fulva 



285 
286 
287 



ca 



- *Fon 

— *Fusia 



gracilis 



m 



Bridgwater Mass. Island. — Fig. Taf. 

HI. i. 12. III. ii. 2. IV. i.8. 
Guiana angl. 
Moctezuma Fl. Mex., New -York, Strat- 

ford Comi., Providence Rhodes L, 

Kotzebue's Sund. - Fig. T. IV. v. 8. 
Caraccas Venez.? Real del inonte Mex., 

Bridgwater Mass. — Fig. T. II. in. 3? 

m. 1. 13. 

Surinam. — Fig. T. IT. n. 11. 

v. N. affinis. 

v. Slauroneis birostris. 

St. Domingo I., Providence Rhodes I. 

- Fig. T. IL iv. 6. 

New -York, Stratford Conn., Smithfield 
Rhodes I., Andower Mass., Boston et 
Bridgwater Mass., Pelham, Wrentham 
Mass., Maine, Labrador. 

Real del monte Mex., Puente de Dios 
Mex., Moctezuma Fl. Mex., Labrador. 

- Fig. T. III. i. 11. 

Surinam, Caraccas Venez.? — Fig. T. 
II. n. 8. 

Cuba I. 

Guiana angl., Real del monte Mexico. 
San Pedro y San Pablo Mex., Atoto- 
nilco el Gr. Mex., Smithfield Rhodes 
I. - Fig. Taf. HI. i. 9. HI. ii. 1. III. 
iv. 2. 

Bridgwater Mass. 

Maine A. 

Brasilien, Cajenne, San Pedro y S. P. 
Mexico, San MiquelMex., Moctezuma 
Mexico, New- York, Bridgwater Mass. 

- Fig. T. I. iv. 2, IL i. 33. 



382 



Eheenberg: Verbreitung und Einfluß 



288 Navicula *Hitchcockii 



289 


— 


* Iridis (=Pinn, 


290 


— 


Heptogongjla 


291 


— 


Heptorhynchus 


292 


— 


Himbata 


293 


_ 


*lineolata 



294 


— *Ljra 


295 


— *mesolepta 


296 


— *mesotyla 


297 


— nodosa 


298 


— *oblonga 


299 


— *obtusa 


300 


— *paradoxa 


301 


— *rhombea 


302 


- *rhomboides 


303 


— Scalprum 


304 


— *Semen 


305 


— Sig?7ia 



306 



*Silicula 



307 — *sphaerophora 



308 — *Trabecula 



Bridgwater Mass. 
Iridis) New -York. - Fig. Taf. IV. i. 2. 

Labrador. 

Puente de Dios Mex. 

Chile. - Fig. T. I. ii. 16. 

Peru, Guianaangl.,MartiniqueI.,CubaL, 
New -York, Bridgwater Mass., Neu- 
fundland, Labrador. — Fig. T. I. in. 
4a. II. vi. 27. IV. i. 6. 

Maluinen I. — Fig. T. 1. 1. 9a. 

Labrador. - Fig. T. IV. n. 4. 

Labrador. - Fig. T. IV. n. 7. 

Cayenne. — Fig. T. II. i. 3 1 . 

Real del monte Mexico. — Fig. T. IL 
i. 14. 

Maine B., Island? 

Peru. — Fig. T. I. in. 4b. 

Vera-Cruz Mex. - Fig. T. IE. vi- 27. 

Real del monte Mexico. — Fig T. III. 
i.l5. 

Real del monte Mex., Atoton'co el Gr. 
Mex. - Fig. Taf. III. i. 1 • 

Chile?, Labrador. - Fig. n - L u. 17a.? 
IV. ii. 8. 

Peru, St. Domingo L, O b a L, Atoto- 
nilco el Gr. Mex., pchmond Virg., 
Stonington Conn. , -'rovidence Rho- 
des I. — Fig. T. *• ^- 5. II. vi. 25. 
m. iv. 4. 

New- York, Newha dn etStratford Conn., 
Bridgwater M^-> Maine, Labrador. 

Atotonilco el G M «. - Fig. Taf. III. 
iv. 3. 

Cuba?, And' ver Mass., Boston Mass., 
Maine. _ Fig. Taf. IL vi. 29 ? 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 



383 



309 


XLH. 310 


XLUI.311 


XLIV.312 


313 


XL V. 314 


315 


316 


317 


318 


319 


320 


321 


322 


323 


324 



Fig. Taf. 



Navicula*undosa Surinam. — Fig. T. II. n. 10. 

Naunema *amphioxys San Pedro yS. Pablo Mex. — 

III. n. 5. 
Pentasterias margaritac. New -York. — Fig. Tafel IV. i. 25. 
Peridinium — ? Quito. 

— cinctum? New -York. - Fig. T. IV. i. 38. 39. 
Pinnularia *acqualis Island. 

— *amphigomp. Cayenne. — Fig. T. II. i. 27. 

— *amphioxys New -York, Island. 

— *Amphiprora Pelham Mass. 



325 



326 — 



327 - 



Fig. T. in. vii. 20. 

, Spencer Mass., 



32S - 



Vera Cruz Mexico. — Fig. T.III. vu. 18. 

Chile, New -York, Kotzebue's Sund. — 
Fig. T. I. ii. 6. IV. i. 5. IV. v. 4. 

Chile Peru? — Fig. T. I. n. 2. 

Vera Cruz Mexico. - 

Smithneid Rhodes I 
Pelham Mass. 

Chile. — Fig. T. I. n. 7. 

New -York, Andower Conn., Smithfield 
Rhodes L, Roston Mass., Rridgwater 
Mass., Spencer Massuch., Wrentham 
Mass., Maine. — Fig. T. IV. i. 3. 

Real del monte Mex. , San Pedro y San 
Pablo, Mex., San Miquel Mex., New- 
haven Conn., Maine. — Fig. Taf. HI. 
i. 5. 

Rrasilien, Cayenne, Surinam, Martinique 
I., Stratford Conn., Smithfield Rho- 
des L, Andower Mass. , Maine, La- 
brador. — Fig. T. II. i. 29. II. ii. 5. 

St. Domingo, Vera Cruz Mexico, Sto- 

nington Conn., Providence Rhodes I. 

- Fig. T. H. iv. 3. II. vi. 24. in. vu. 

19. 

*diomphala Vera Cruz Mex. — Fig. Taf. III. vu. 25. 



*Apis 
*borealis 

*chilensis 
l*Conops 
*costata 

*Cyprinus 
*Dactylus 



*decurrens 



dicephala 



didyma 



384 




Ehrenberg 


329 Pinnularia 


*disphenia 


330 


— 


*Entomon 


331 


— 


*Esox 


332 


— 


*Gastrum 



333 - 



334 - 
335 

336 - 



337 
338 

339 



340 - 



341 

342 



gibba 



Verbreitung und Einflufs 

Vera Cruz Mexico. — Fig.T.III.vu.21. 
Maluinen I. — Fig. T. 1. 1. 3. 4. 
Chile. - Fig. T. I. ii. 4. 
Vera-Cruz Mex., Newhaven Conn., Is- 
land. - Fig. Taf. m. vii. 23. 
Chile, Cayenne, Real del monte Mex., 
San Miquel Mex. , Atotonilco el Gr. 
Mex., New-York, Andower Conn., 
Bridgwater Mass., Wrentham Mass., 
Maine, Labrador. — Fig. T. I. n. 3? 
8. II. i. 24. HI. i. 4. 
Maine B. 
*hcteropleura (inae- Newhaven Conn., Labrador. 

qualis) 
inaequalis Cayenne, Surinam, New-York, New- 

haven Conn., Stratford Conn., Smith- 
field Rhodes I., Bridgwater Pelham, 
Spencer Mass. , Maine , Kotzebue's 
Sund. — Fig. Taf. II. i. 28. IL n. 6. 
IV. v. 5. 
Iridis s. Navicula I. 
*isoceph.(c£r Monile) Bridgwater Mass. 
lanceolata 



*Gigas 



Legumen 



*macilenta 



*mesogongyla 
nobilis 



Real del monte Mex. — Fig. Taf. III. 
i.6. 

New-York, Smithfield Rhodes L, Bo- 
ston et Pelham Mass., Maine, Island. 
- Fig. Taf. IV. i. 7. 

Cavenne, Surinam, Guadeloupe L, St. 
Domingo I. , New-York, Andower 
Conn., Smithfield Rhodes L, Wrent- 
ham Mass., Maine, Neufundland, La- 
brador. - Fig. T. II. i.23. II. ii. 4. 
II. iv. 2. II. v. 3. 

Andower Mass., Boston Mass. 

Brasilien, Cayenne, Surinam, New-York, 



des inikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 385 



343 Pinnularia *obtusa 

344 — *pachyptera 

345 — *peregrina 



346 


— 


*Pisciculus 


347 


— 


*Placentula 


348 


— 


*polyptera 


349 


— 


*porrecta 


350 


— 


*Sillimanorum 


351 


— 


sinuosa 


352 


— 


suecica 


353 


— 


*Tabellaria 



354 



*Termes 



355 


— 


*Trabecula 


356 


— 


*Uiriculus 


357 


— 


viridis 



Physik, -math. Kl 1841. 



Andower Connect., Stratford Conn., 
Smithfield Rhodes I., Providence 
Rhodes I., Andower et Boston Mass., 
Bridgwater et Pelham Mass., Wrent- 
ham Mass., Maine, Island. — Fig. T. 
IL i. 25. H. ii. 3. 

Maine B. 

Labrador. — Fig. Taf. IV. n. 9. 

Maluinen L, St. Domingo L, Cuba L, 
Real del monte Mexico, Richmond 
Virg. — Fig. T. I. i. 5. 6. II. iv. 1 . II. 
vi. 22. HI. i.3. 

Cayenne. — Fig. T. II. i. 30. 

Vera-Cruz Mexico. — Fig. Taf. HE. 
vn. 22. 

Maine B. 

Newbaven Conn. 

New -York. 

Peru? 

New -York? 

Cayenne, Real del monte Mexico, San 
Miquel Mex., Atotonilco elGr. Mex., 
New -York, Andower Conn., Strat- 
ford Conn. , Smitbfield Rbodes I. , 
Andower et Boston Mass. — Fig. T. 
IL i. 26. HI. i. 7. III. in. 6. HI. iv. 5. 
IV. i. 4. 

Cuba L, San Miquel Mexico. — Fig. T. 

n. vi. 23. m. in. 5. 

Maine B. 

Vera-Cruz Mexico. 

Maluinen L, Peru, Brasilien, Cayenne, 

Guiana angl. , Caraccas, Guadeloupe 

L, Cuba L, Real del monte Mexico, 

San Pedro y san Pablo Mexico, San 

Ccc 



386 Ehrenbekg: Verbreitung und Einßufs 

Miquel Mexico, Atotonilco Mexico, 
New -York, Andower, Newhaven et 
Stratford Conn., Providence Rhodes 

1. , Andower, Boston et Bridgwater, 
Pelham et Wrentham Mass., Maine, 
Island, Kotzebue's Sund. — Fig. T. 

1. 1. 7. I. in. 3. I. iv. 3. II. i. 22. II. 
in. 1 . II. v. 2. II. vi. 21. IH. i. 1-2. 

358 Pinnularia viridula New -York, Andower Conn. 
XL VI. 359 PoDosma * moniliformis^ eru, Island. — Fig. T. I. in. 34. 
XL VII. 360 Podosphenia cuneata? Island. 

XL VIII. 361 Pyxidicula cruciata Vera Cruz Mex., Richmond Virginien. 
(= hellenica?) — Fig. T. III. vn. 6. 

362 — operculata Massachusetts. 

XLIX. 363RnizosoLEiriA *americ. Richmond Virg. 

L. 364 Sphenosira *Catena Real del monte Mexico, Atotonilco el 

Gr. Mex., Moctezuma Fl. Mexico. — 
Fig. T. III. i. 27. III. iv. 12. 
LI. 365 Spirillina *vivipara Vera Cruz Mexico. — Fig. T. III. vn. 

41. 
LH. 366 Stauroneis *amphilepta Chile. — Fig. T. I. n. 9 et 13. 

367 — *anceps Cayenne. — Fig. T. IL i. 18. 

368 — *Baileji New- York, Andower Conn., Smithfield 

Rhodes L, Boston Mass., Bridgwater 
Mass., Spencer Mass., Maine. 

369 — *birostris Surinam, Atotonilco el Gr. Mex. , La- 

brador (.ZV. ceratogramma) . — Fig. T. 
IL ii. 1. IV. u. 5. 

370 — *constricta Chile. - Fig. T. I. n. 12b. 

371 — *dilatata Chile, Real del monte Mexico. — Fig. 

T. I.n. 12a. HI. i. 18. 

372 — *Fenestra Cayenne. — Fig. T. II. i. 20. 
— — Folium v. phyllodes. 

373 — *gracilis Chile, Cayenne, New-York, Andower 

Mass. — Fig. T. I. n. 14. II. i. 17. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 
374 Stauroneis *linearis 



387 



375 
376 
377 

378 



Hineolata 
Hiostauron 



*3Ionogramma Surinam. 



Phoenicen- 
teron 



*platystoma 
*phyllodes 



Chile , Stratford Connect. , Bridgwater 

Mass. — Fig. T. I. n. 11. 
Cayenne. --Fig. T. IL i. 19. 
Island. 

Fig. T. II. ii. 2. 
Guadeloupe I., Real del monte Mexico, 

San Pedro y S. P., San Miquel Mex., 

ProvidenceRhodesL, Boston Pelham 

et Wrentham Mass. , Labrador (N. 

crucigera). — Fig. Tab. II. v. 1. III. 

1.17. 
Pelham Mass. 
Chile, Cayenne. — Fig. T. I. n. 10. II. 

i. 16. 
*polygramma Cuba I. — Fig. T. II. vi. 30. 
*pteroidea Stratford Conn., Smithfield Rhodes L, 

Andower Mass., Spencei Mass., Maine, 

Island. 
*staurophaena Bridgwater Mass. Maine. 
LIII.384 Stauroptera *Achnanthes San Miquel Mexico, Neufundland. — 

Fig. T. ni. in. 7. IV. m. 2. 
Maluinen L, Peru, Cuba L, Vera Cruz 

Mex., Labrador, Island, Spitzbergen. 

— Fig. Taf. I. i. 1*!l iii. 1 . 2, II. vi. 

20. III. vn. 26. IV. iv. 1. 
Chile, Cayenne, Bridgwater Mass., Pel- 
ham Mass., Island. — Fig. T. I. it. 1 . 

II. i.2l. 
Chile? (cfr. Pinnularia g.) — Fig. Taf. 

I. ii. 3. 
Labrador. — Fig. Taf. IV. II. 1 . 
Chile. — Fig. T. I. n. 5. 
Brasilien, Labrador. — Fig. T. I. iv. 1. 
ii. " 



379 
380 

381 
382 



383 — 



385 — 



386 



387 

388 
389 
390 



aspera 



cardinalis 



*g' 



•bbc 



* Isostauron 

*Legumen 

*Microstaur. 



391 



IV. ii. 2. 

*parva Real del Monte Mex. — Fig. T. III. 1. 19. 

Ccc2 



388 

392 
393 

LIV. 394 

395 

396 

LV.397 

398 

LVI.399 
400 

401 

402 



Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 
Stauroptera *scalaris 



Labrador. — Fig. T. IV. n. 3. 

Richmond Virg. 

Boston Mass., Neufundland. 

Newhaven Connecticut, Neufundland. 

Newhaven Conn. 

New -York, Labrador, Island. 

Island. 

Maluinen I. fragm. — Fig. T. I. i. 9b. 

Puente de Dios Mexico , Neufundland. 

— Fig. T. in. v. 5. IV. in. i. 
*Campylodiscus San Pedro y San Pablo Mexico, Puente 

de Dios Mexico. — Fig. T. III. v. 6. 
Chile, Guadeloupe I. , Real del monte 

Mexico, San Pedro y S. Pablo Mex., 

Spencer Mass. 

v. 5. III. i. 23. III. ii. 4. 



Staui'osira *amphilepta 

— *construens 

— *pinnata 
Striatella arcuata? 

— *Thienemanni 
Surirella ?*australis 

— bifrons 



— Craticula 



Fig. T. I. n. 18. II. 



403 — *decora 

404 — *elegans 

405 — *euglypta 

406 — fastuosa 

407 — *ßexuosa 

408 — *microcora 

409 — *myodon 

410 — oblonga 

411 — *oophaena 

412 — ^peruviana 

413 — * Regula 



Bridgwater Mass. 

Real del monte Mexico. — Fig. T. III. 

i.22. 
Puente de Dios Mexico. — Fig. T. III. 

v. 2. 4. 
St. Domingo I. , Cuba I. , Vera Cruz 

Mexico. — Fig. Taf. IL iv. 7. III. vu. 

11. 12. 
Real del monte Mexico. — Fig. T. III. 

i.20. 
Cayenne, Atotonilco el Gr. Mexico. — 

Fig. T. IL i. 34. 
Real del monte Mex., San Miquel Mex. 

- Fig. T. III. i.21. 
Brasilien?, Maine. — Fig. T. I. iv. 4. 
Puente de Dios Mex. — Fig. Taf. III. 

v. 1. 
Peru. - Fig. T. I. in. 4c 
Puente de Dios Mex. — Fig. T. III. v. 3. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 389 



414 Surfrella sigmoidea 



415 — splendida 
LVII. 416 Synedra acuta 



417 — *amphirhynchus 

418 — *Entomon 

419 — fasciculata 

420 — Gallionii 

421 — *gibba 

422 — Haevis 

423 — lunaris 

424 — *scalaris 

425 — *praemorsa 

426 — *spectabilis 



427 — *valens 



428 - ?7/na 



San Miquel Mexico. — Fig. Taf. III. 

in. 9. 
Atotonilco elGr. Mexico?. New -York, 

Smithfield Rhodes L, Maine, Island. 
Chile, Peru, San Pedro y San Pablo 

Mexico, San Miquel Mexico, Puente 

de Dios Mexico. — Fig. T. I. n. 22. 

i. in. 7. in. in. 2. 

Real del monte, San Pedro y San Pablo 
Mexico, Atotonilco el Gr. Mexico. 
— Fig. T. IE. i. 25. 

Chile. — Fig. T.I. ii.20. 21. 

Island. 

Cuba I., San Pedro y San Pablo Mex., 
San Miquel Mexico. — Fig. Taf. II. 
vi. 2. III. in. 1. 

Providence Rhodes I. 

Cuba I. — Fig. T. II. vi. 3. 

New -York. 

Surinam, Andower Conn.? — Fig. T. 
II. ii 18. 

Moctezuma Fl. Mexico. — Fig. T. III. 
vi. 11. 

Chile, Caraccas, Guadeloupe I., Real 
del monte Mexico , San Pedro y San 
Pablo Mex., Atotonilco el Gr. Mex., 
Puente de Dios Mexico, Vera -Cruz 
Mex., New -York, Smithfield Rhodes 
I., Andower et Boston Mass., Pelham, 
Spencer Mass., Maine. — Fig. Taf. I. 
n. 19. II. in. 4. IL v. 6. HI. i. 24. III. 
v. 8. 

San Pedro y San Pablo Mexico, New- 
York. — Fig. Taf. in. ii. 6. IV. I. 1. 

Chile, Brasilien, Surinam, Cuba I., 



390 



Ehrenbebg: Verbreitung und Einflufs 



LVIII. 429 Tabellaria *laem 


430 


— 


*biceps 


431 


_ 


*Gastrum 


432 


— 


*nodosa 


433 


— 


*sculpta 


434 


— 


trinodis 



Puente de DiosMex., MoctezumaFl., 
Vera Cruz Mex., Smithfield Rhodes 
I., Andower, Boston etPelhamMass., 
Maine, Labrador, Island, Spitzbergen. 
— Fig. T. I. ii. 23. I. iv. 7. II. ii. 19. 
II. vi. 4. IV. iv. 2. 

Cbile. — Fig. T.I. ii. 17b. 

Bridgwater Mass., Pelham Mass., La- 
brador. 

Labrador. 

New -York, Boston Mass., Maine. 

Chile cfr. Pinnularia borealis. 

New -York, Newhaven Conn., Stratford 
Conn., Smithfield Rhodes L, Boston, 
Bridgwater, Pelham Mass., Maine, 
Neufundland, Labrador, Island. 

Atotonilco el Gr. Mexico, Vera -Cruz 
Mex. — Fig. T. III. iv. 1 . III. vii. 30. 

Stonington Conn., Providence Rhodes 
Isl. 
Trachelius trichophorus New- York. 
Trachelomonas*areolata Andower Connect. 

— *aspera New -York, Andower Conn,, Andower 

Mass., WrenthamMass. — Fig. T. IV. 
i. 33. 

— *granul. Wrentham Mass. 

— *laeris Quito, Andower Mass., Boston. 

— *Pjrum Andower Mass., WrenthamMass., Maine. 
Triceralium Favus Vera- Cruz Mexico. 

— *obtusum Richmond Virgin. 
Xanthidium aculeatum New -York. 

— *Arctiscon New -York. 

— *bisenarium New -York. 

— *coronatum New -York. — Fig. 

— fasciculat. New -York. 



LIX. 435 Terpsinoe *musica 
LX. 436 Tessella Catena 



LXI.437 
LXn.438 

439 



440 

441 

442 

LXIII.443 

444 
LXIV445 

446 

447 
448 
449 



- Fig. III. vii. 10. 



T. IV. i. 26. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 



391 



Rotatoria, Räderthiere. 

LXV. 450 Anuraea acuminata? New-York. 

451 — stipitala 
LXVI. 452 Callidina rediviva 



LXVII. 453 Lepadella ovalis 

LXVIII. 454 Monocerca Rattus 
LXIX. 455 Monostyla cornuta? 



New -York. - Fig. T. IV. i. 40. 
Moctezuma Fl. Mexico?, Carolina? — 

Fig. T. HI. vi. 12. 
Moctezuma Fl. Mexico? — Fig. T. ffl. 

vi. 13. 
New -York. 
New -York (nachträglich). 



C. Plantarum particulae reguläres siliceae, s. Phytolitharia. 

LXX. 456 Amphidiscus Anchora New -York. 

457 — armatus New-York, Stratford Conn., Wrenthara 

Mass., Boston Mass., Maine, Neu- 
fundland. 

458 — clavalus Brasilien, Surinam, Boston Mass. — Fig. 

T. I. iv. 15b. II. ii. 23. 

459 — Marlü Brasilien, Surinam, New-York, Ando- 

wer, Newhaven et Stratford Conn., 
Smithfield Rhodes I., Boston Mass., 
Wrentham Mass., Maine. — Fig. T. 
II. n.22. IV. i.43. 

460 — Rotula Brasilien, Cajenne, New-York, Ando- 

wer, Newhaven, Stratford Connect., 
Smithfield Rhodes L, Boston, Pelham 
et Wrentham Mass., Maine. — Fig. 
T. II. i.46. IV. 1.41.42. 
— Globul. ■=. Lithosphaera 
LXXI. 461 Lithasteriscus oscul. Surinam. — Fig. T. n. n. 32. 



162 

463 
464 



radiatus Surinam, Vera Cruz Mexico. — Fig. T. 
{radiosus) U. n. 34. 
j-eniform.Cuba I. — Fig. T. H. vi. 35. 
tubercu- Brasilien, Surinam, Guiana angl., Vera- 
losus Cruz Mexico. — Fig. Taf. I. iv. 16b. 
II. ii. 33. 



392 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

LXXII. 465LlTBODEliMATIUM bicon- 

cavum Stratford Conn., Wrentham Mass. 

466 — fasciatum New -York. 

467 — macrostom.Quilo. 

468 — Ossiculum Smithfield Rhodes I. , Andower Mass. 
(= Thylacium Oss. 1841) Wrentham Mass. 

469 — undulatum Stratford Conn., Smithfield Rhodes I. 
LXXIII.470 Lithodontium 5/co7-neNew-York. 

471 — Bursa Brasilien, Caraccas Venez. — Fig. T. I. 

iv. 12. II. m. 8. 

472 — curvatum New -York, Andower Mass. , Spencer 

Mass. 

473 — furcalum Chile, Cayenne, Surinam, Real delmonte 

Mexico, San Micjuel Mexico, Vera- 
Cruz Mexico, New -York, Newhaven 
Conn., Smithfield Rhodes I., Boston 
et Wrentham Mass. , Maine , Kotze- 
bue's Sund. — Fig. T. I. n. 38. II. i. 
52. II. ii. 39. 40. in. i. 51. III. in. 14. 

474 — nasutum Cayenne, Surinam, Guiana angl., Vera- 

Cruz Mexico, New -York, Stratford 
Conn., Smithfield Rhodes I., Ando- 
wer Mass., Spencer Mass. — Fig. T. 
II. i.54. II. ii. 41. 

475 — platyodonWrentham Mass. 

476 — Pthombus New -York. 

477 — rostralwiCayerme, Guiana angl., Wrentham Mass. 

- Fig. T. II. i.51. 

478 — scabrum Kotzebue's Sund. 

479 — truncat. Brasilien, Cayenne. — Fig. T. II. i. 53. 
LXXIV. 480 Lithosphaera Argus Vera-Cruz Mexico. 

481 — didyma Vera-Cruz Mexico. 

482 — osculata Vera-Cruz Mexico. 

483 — ovata Vera-Cruz Mexico. 

484 — renifbrm.V era-Cruz Mexico. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 393 

485 Lithosphaera stellulosaVeva-Cruz Mexico. 
LXXV.486 Lithosttlidium amphi- Cayenne, Surinam, Guiana angl., Ca- 

odon raccas, Martinique I., Guadeloupe I., 

San Pedro y San Pablo Mex., Atoto- 
nilco el Gr. Mex., New -York, Ando- 
wer Conn., SmithfieldRhodesL, An- 
dowerMass., Spencer Mass., Wrent- 
ham Mass., Maine, Island, Kotzebue's 
Sund. - Fig. T. I. iv. 14. 16a. IL i. 57. 
II. n. 35. II. m. 6. II. v. 8. 

487 — articulcttum Brasilien. — Fig. Taf. I. iv. 13. 

488 — bicorne Quito. 

489 — Catena Cayenne, — Fig. T. II. i. 55d. 

490 — Clepsammid. Cayenne. — Fig. Taf. II. i. 55a.b. 

491 — calcaratum Real del monte Mex., San Pedro y San 

Pablo Mex., San Miguel Mex., Vera- 
Cruz Mexico, Smithfield Rhodes I., 
Wrentham Mass. — Fig. Taf. III. i. 
52. HI. in. 15. 

492 — crenulatum Quito, Spencer Mass., Island. 

493 — crucigerum Cayenne. — Fig. T. II. i. 55c. 

494 — dentatum Cbile, Cayenne, Quito, New-York. — 

Fig. T. I. il 33. II. i. 58. 

495 — fusiforme Chile. — Fig. Taf. I. n. 34 et 36. 

496 — geniculatum Surinam. — Fig. Taf. II. n. 38. 

497 — macrodon Brasilien. — Fig. Taf. I. iv. 15a. 

498 — obliquum Andower Conn., Smithfield Rhodes I., 

Boston et Wrentham Mass. 

499 — oi'atum Surinam. — Fig. T. II. n. 37. 

500 — polyedrum Cayenne, Guadeloupe I., San Pedro y 

San Pablo Mex., Island, Kotzebue's 
Sund. - Fig. Taf. II. i. 61. II. v. 9. 

501 — polypterum Quito. 

502 — quadratum Chile, Brasilien, Cayenne, Surinam, 

Guiana anglica, Caraccas, Wrentham 
Physik.- math. Kl. 1 84 1 . D d d 



394 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Mass. — Fig. Taf. I. n. 35. IL i. 56. 
II. m. 7. 

503 LiTSOSTTLiDiUMru de Brasilien, Quito, SanPedro y San Pablo 

Mex. , Andower et Stratford Conn., 
Smithfield RhodesL, WrenthamMass., 
Island, Kotzebue's Sund. 

504 — Serpentin. Boston Mass., Wrentham Mass. 

505 — Serra Chile? (cfr. amphiodon), Brasilien, Ca- 

yenne, Surinam, Guiana angl., Quito, 
Martinique I., Real del monte Mex.', 
San Miquel, Atotonilco el Gr. Mex., 
Vera-Cruz Mexico, Andower Conn., 
Smithfield Rhodes I. , Labrador. — 
Fig. Taf. I. ii. 37. IL i. 59. 60. IL ii. 
36. III. i.50. III. in. 13. 
LXXVI. 506 Pileolus paradoxus Vera-Cruz Mexico. 

LXXVII. 507 Spongilla Erinaceus Brasilien, Cayenne, New-York, Ando- 
wer et Newhaven Conn., Smithfield 
Rhodes I. , Andower Mass. , Boston 
Mass. , Bridgwater Mass. , Maine , 
Neufundland. — Fig. T. II. i. 49. 
508 — lacustris Chile, Peru, Brasilien, Cayenne, Carac- 

cas, San Miquel et Atotonilco Mex., 
New-York, Andower et Newhaven 
Conn. , Stratford Conn. , Smithfield 
Rhodes L, Boston Mass., Maine, 
Bridgwater Mass. , Pelham Mass. , 
Neufundland. — Fig. T. I. n. 32. I. 
in. 2u. II. i. 48. II. in 5. 

LXXVTII.509 SpoNGOLiTHisacicula7'Ma\uinen I. , Peru, Surinam, Cuba L, 

Vera Cruz Mex., Richmond Virgin., 
Providence Rhodes I. , Spitzbergen. — 
Fig. Taf. 1. 1. 28. I. in. 29. II. u. 24. 
II. vi. 35. 
510 — Acus Surinam, Cuba I. , Vera-Cruz Mexico. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 395 



5 1 1 Spongolithis Agaricus 



512 



519 

520 
521 



522 — 



526 



527 



anceps 



513 


— 


St. Andreae 


514 


— 


Anchora 


515 


— 


apiculata 


516 


_ 


Aratrum 


517 


— 


armata 


518 


— 


aspera 



capitata 



523 


— 


Crux 


524 


— 


fistulosa 


525 


— 


foraminosa 



- Fig. Taf. IL ii. 28. IL vi. 36. III. 
vi. 39. 

Vera-Cruz Mexico. — Fig. Taf. III. vn. 

38. 
Surinam, Vera-Cruz Mex. —Fig. T. II. 

ii. 26b? 
Maine B. 

Vera-Cruz Mex. — Fig. T. HI. vn. 36. 
Surinam, New -York, Wrentham Mass. 

Fig. Taf. IL ii. 29. 
Newhaven Conn. 
Vera-Cruz Mexico. 
MaluinenL, New -York, Providence 

Rhodes L, Wrentham Mass., Maine. 

- Fig. T. I. 2. 9. 
Maluinen L, St. Domingo I. — Fig. T. 

Li. 34. II. iv. 13. 

Caput Serpentis Richmond Virgin. 

cenocephala MaluinenL, Surinam, Guiana anglica, 

Vera -Cruz Mexico, Richmond Virg. 
Fig. T.Li. 32. H. ii. 31. 
Maluinen I. , (St. Domingo L?) Vera- 
Cruz Mexico, Richmond Virginien. 

- Fig. T. I. i. 35. (IL iv. 13?) III. 
vn. 40. 

Maine B. 

Cayenne. — Fig. T. II. i. 50. 

Cayenne, Surinam, Richmond Virgin., 
Maine B. - Fig. Taf. II. i. 47. IL n. 
30. 

Maluinen L, Peru, Cayenne, Surinam, 
Cuba I. , Vera - Cruz Mexico , Rich- 
mond Virgin. — Fig. T. I. i. 29-31. 
I. in. 30. II. ii. 26a. 

Maine B. 

Ddd2 



Clavus 



Fustis 



herculeana 



396 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

528 Spongolithis inflexa Brasilien (Spongilla) , Surinam , New- 

York, Newhaven Conn. — Fig. Taf. 
IL ii. 27. 

529 — mesogong. New -York, Wrentham Mass. 

530 — Monile Wrentham Mass. 

531 — neptunia Vera-Cruz Mexico. 

532 — obtusa Brasilien [Spongilla [rudisj), Cayenne, 

Surinam. — Fig. Taf. II. n. 25. 

533 — Palus Maine B. 

534 — Pilobolus Vera-Cruz Mex. 

535 — philippensisStralford Conn., Maine II. 

536 — ramosa Maine B. 

537 — setosa Wrentham Mass.? Maine II. 

538 — tracheotyl. Stratford Conn. 
— — rudis v. obtusa 

539 — Triceras Cuha I., Vera-Cruz Mexico. — Fig. T. 

II. vi. 37. 

540 — uncinata Vera- Cruz Mexico. — Fig. Taf. III. vn. 

37. 

541 — Zygaena Vera-Cruz Mex. 
LXXIX.542 Spongopbtllium can- Vera-Cruz Mex. 

cellalum 
LXXX. 543 TsTLAciuMsemiorbicul. Brasilien, Quito, Martinique I., New- 
haven Conn., Island. 

D. Plantarum particulae reguläres molles 

LXXXI.544 Pollen Pini New -York, Boston Mass. - Fig. Taf. 

IV. i. 44. 

545 — — ? New- York. - Fig. Taf. IV. i.45. 

E. Entomostracorum fragmenta calcarea: 
LXXXII.546 Cyclopis testae fragm. New- York. 

F. Annulatorum involucra calcarea. 
547 Serpula? Discus Spitzbergen. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und JS ord- Amerika. 397 

G. Polythalamia, Kalkschalige Schnörkel-Corallen oder 

Polythalamien. 

LXXXm.54$ALLOTBECA*megatn. Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vii. 49. 
LXXXIV. 549 Biloculina* elongata Vera-Cruz Mex. 

550 — 'tenella 

LXXXV551 Cristellaria*vitrea Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 47. 

LXXXVI. 551Dimorphina*Planular.^ era-Cruz Mex. 

553 — *tenella Vera-Cruz Mex. 

LXXXVII. 55 AEA T TnocHzrs*septatus Vera-Cruz Mex. 

LXXXVIQ.555 Gbammostomum Vera-Cruz Mex. 

*gracile 

556 — *plicatum Vera-Cruz Mex. 

557 — *porosum Vera-Cruz Mex. 

558 — *tenue Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 45. 
LXXXIX. 559Megathyra *dilatat a Vera-Cruz Mex. 

560 — *Planul. Vera-Cruz Mex. 

XC. 56 1 Nonionina *arctica Spitzbergen. 

562 — *integra Vera- Cruz Mex. 

563 — *MilleporaV era-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 50. 
X.CI.564PHAifEiiosTOMUM Vera-Cruz Mex. 

"integerrimum 
565 — *ocellatum Vera-Cruz Mex. 
XCI1. 566 Planularia P*Pelagi Vera-Cruz Mex. - Fig. T. III. vn. 43. 
XCIII. 567 Planulina'areolata Vera- Cruz Mex. 

568 — * Argus Vera-Cruz Mex. 

569 — *aspera Vera-Cruz Mex. 

570 — *Oceani Vera-Cruz Mex. 

571 — *tenuis Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 48. 
XCIV. 572 Potymorphina*austrl.Vera-Cruz Mex. 

XCV. 573 PTTGosTOMUM*oligo- Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 51. 

porum 
XCVI. 57 4 Rosalina globigera Vera-Cruz Mex. 

575 — *micropora Vera-Cruz Mex. 

576 — *tenerrima Vera-Cruz Mex. 
XC VII. 577 Rotaüa* Antillarum Cuba I. 



398 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

578 Rotalia *borealis Spitzbergen. 

579 - ^Cochlea Cuba I. - Fig. T. II. 42. 

580 — *depressa Cuba I. 

581 - *egena Cuba I. — Fig. T. II. 43. 

582 — *glaucopis Cuba I. 

583 — globulosa Vera-Cruz Mex., Spencer Mass. 

584 — *pelagica Vera-Cruz Mex. 

585 — perforata Cuba I. — Fig. T. II. vi. 41. 

586 — *peruviana Peru. — Fig. T. I. in. 31. 
XC VIII. 587 Sorites *edentulus Vera-Cruz Mex. 

XCIX. 588 Spiroloculina *ambullarM er a-Cruz Mex. 

589 - *Lagena Vera-Cruz Mex. - Fig. T. III. vn. 42. 

590 — * vulgaris Vera- Cruz Mex. 
C.591 Textilaria aculeata Vera-Cruz Mex. 

592 — *americana Ober Missouri (fossil). 

593 — *areolata Vera- Cruz Mex. 

594 — globulosa Vera-Cruz Mex. 

595 — *incrassata Vera-Cruz Mex. 

596 — ocellata Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 44. 
— — plicata (1841 = Grammostomum pl.) 

597 — *semipunctata Cuba I. — Fig. T. II. vi. 44. 

598 — *stichopora Vera-Cruz Mex. — Fig. T. III. vn. 46. 
CI. 599 Triloculina*AntillarumCubA I. — Fig. T. II. vi. 39. 

600 — *trigonula Spitzbergen. 

601 - 'turgida Cuba I. — Fig. T. II. vi. 40. 
CIL 602 TJvigerina *borealis Spitzbergen. 

CHI.*603 -? Vera-Cruz Mex. 

Von Herrn Aleide d'Orbigny sind aufserdem an solchen kleinen kalk- 
schaligen Organismen, die man noch mit blofsem Auge gut sehen kann, und 
die ich bei meinen eigenen Beobachtungen hier gar nicht berücksichtigt habe, 
die aber ebenfalls der Gruppe der Polythalamien angehören, folgende 27 
amerikanische Formen des Meeres -Sandes, meist von den Antillen, verzeich- 
net worden, die er in 17 Genera vertheilt hat: 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord-Amerika. 399 

1 Amphistegina gibba 15 Robulina marginata 

2 Calcarina Calcar 16 Rosalina opercularia 

3 Cristellaria gibba 17 — semistriata 

4 Dendritina Antillarum 18 — valvulata 

5 Gyroidina carinata 19 Rotalia armata 

6 Lingulina carinata 20 — deformis 

7 Nonionina communis 21 — rosea 

8 — elegans 22 — squamosa 

9 Orbiculina numismalis 23 Triloculina Brongniartü 

10 Planularia Crepidula 24 — oblonga 

1 1 Polyslomella angularis 25 — suborbicularis 

12 — Lessonii 26 Truncatulina JMiquclonensis 

13 Quinqueloculina variolala 27 Turbinularia Beccarii. 

14 — vulgaris 

Die Rotalia armata ist auf den Antillen und in Cayenne beobachtet. 
Die Nonionina elegans und Truncatulina Miquelonensis sind von Neufund- 
land, das Pofystomatium (Polyslomella) Lessonii von den Maluinen, alle übri- 
sind von den Antillen. 

Einige wenige der früher angegebenen und in dem Auszuge in den 
Monatsberichten von 1841 angeführten, aber nicht mit Diagnosen befestigten 
und hier fehlenden Namen sind mit zweckmäfsigeren vertauscht worden und 
haben mithin keine weitere Geltung. Die Zahl der Synonyme mit ihnen zu 
mehren schien unzweckmäfsig. 

V. Characteristik der neuen Genera und Species. 

Sämmtliche im vorigen Abschnitte aufgezählten amerikanischen Le- 
bensformen gehören schon bekannten Klassen von Organismen an. Auch 
gehört kein einziger der selbstständigen Organismen zu einer bisher unbe- 
kannten Familie. Allein es sind unter den 603 Arten, welche in 103 Gene- 
ribus untergebracht sind, 25 bisher meistentheils ganz unbekannte, theils we- 
nigstens noch nicht ganz fest aufgestellte Genera, welche hier in Kürze näher 
zu characterisiren sind. 

Nur die Gruppe, welche ich mit dem Namen Phytoliiharia bezeichne, 
ist neu und kommt einer eigenen Familie gleich, sie enthält aber keine selbst- 



400 E hk e nb e r g : Verbreitung und Einflufs 

ständigen Organismen, sondern nur regelmäfsige Theile von selbstständigen 
Organismen. 

Rücksichtlich des vorhergehenden Verzeichnisses und der hier folgen- 
den Diagnosen bemerke ich noch, dafs diese Bestimmungen amerikanischer 
Formen nicht den Grad von Abrundung in der Beobachtung haben konnten, 
als ich ihn bei den europäischen Formen zu erreichen gesucht habe. Oft 
sah ich von den amerikanischen nur wenige, zuweilen einzelne etwas unklare 
Exemplare, zuweilen auch nur charactei istische Fragmente. Dennoch schien 
es mir zweckmäfsig die Beobachtung festzuhalten. Einen Maafsstab für diese 
Bemerkung und ihre Ursache findet man in den beigefügten Abbildungen. 

Auch was Species und Varietäten anlangt, ist einer weiteren Entwicke- 
lung überlassen. Es galt hier Gleichheit oder Ungleichheit der Form in ver- 
schiedenen Erdgegenden zu ermitteln. Ob diese zuweilen Varietäten einer 
und derselben Species waren, liefs sich oft jetzt nicht entscheiden und es 
waren doch Namen für die Formen zu geben, um den wichtigeren Zweck der 
geographischen Übersicht zu erlangen. 

A. Characteristik von 10 neuen Generibus der Polygastrica. 

I. Actinoptjchus, Fächer-Dose. Tafel 1. 1. 27. I. in. 22. 

Genus e familia Bacillariorum , sectione Naviculaceorum. Testulis sili- 
ceis orbicularibus binis in discum aut formam lenticularem conjunctis, 
septis internis radiatis in totidem loculos divisis. 

Diese Formen verband ich früher mit den Formen der Gattung 
Actinocyclus unter dem letzteren Namen. Die grofse Zahl von Arten 
nöthigt jetzt Abtheilungen zu machen und es giebt wesentliche generische 
Merkmale für beide Gruppen. Beide schliefsen sich zunächst an Pyxi- 
dicula, nicht an Gallionella, wie ich früher vermuthete, weil sie nie Ket- 
ten bilden, sondern eine vollständig abschliefsende Selbsttheilung haben. 
Y on Pyjcidicula unterscheiden sich beide durch eine strahlige Schalenbil- 
dung. Diese Strahlen sind bei Actinocyclus ohne Verbindung mit in- 
nern gleichlaufenden Leisten oder Wänden, indem der innere Raum 
dieser Formen ungetheilt ist. Bei Actinoptychus ist er durch mit den 
Strahlen gleichlaufende Wände oder Falten getheilt. In der Abhandlung 
über die jetzt lebenden Kreidethiere 1840 habe ich diese Structur schon 
zur Unterabtheilung benutzt, sie hat aber offenbar generischen Werth. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord-Amerika. 401 

II. Amphipentas, Fünfeck. Tafel II. vi. Fig. 9. 

Genus e familia Naviculaceorum. Animalculum liberum, lorica simplici 
(bivalvi) pentagona silicea. 

Man vergl. die Abhandlung über die jetztlebenden Kreidethiere 
1840 p.43, wo dieser Gattung nebenbei Erwähnung geschehen. 

III. Amphiprora, Wechselstirn. Tafel II. vi. Fig. 28. 

Genus e familia Bacillariorum, sectione Naviculaceorum. Characteres 
Pinnulariae, sed aperturae binae terminales utrinque mediae nee mar- 
ginales. 

IV. Climacosphenia, Treppenkeilchen. Taf. II. vi. Fig. 1. 

Genus e familia Bacillariorum, sectione Echinelleorum. Lorica simplex 
silicea, singula longior quam lata, sessilis autlibera, euneata, septis inter- 
nis transversis loculosa, tanquam scalaris. (:= Podosphenia, an Echinella? 
septis internis a latere loculosa et scalaris.) 
V. Goniothecium, Krystallsäulchen. 

Genus e familia Bacillariorum , sectione Naviculaceorum. Lorica sim- 
plex silicea teresnunquam catenata, strictura media (fine utroque subito 
attenuato et truncato hinc tanquam anguloso. = Pyxidicula media con- 
strieta utrinque truncata). 
VI. Mesocena, Dornenring. Tafel I. m. Fig. 26. 27. 

Genus e Familia Bacillariorum, nova sectione Lithotheciorum. Lorica 
simplex silicea univalvis, annulum circularem aut angulosum, saepe spi- 
nescentem referens (= Dictyocha cellulis mediis destituta). 

Als Unterabtheilung von Dictyocha ist diese Formenreihe bereits 
1840 abgesondert worden. Der Mangel der mittleren Zellen scheint 
aber eine schärfere Trennung zu verlangen. 

Da übrigens die systematische Stellung dieser sämmtlichen früher 
(1839) als Dictyocha verzeichneten Formen seit Entdeckung des leben- 
den Thieres bei Kiel (1840) sich entschieden hat, so sind diese Formen 
nun bei denBacillarien einzureihen, bei denen wieder die Desmidiaceen 
die ihnen verwandteste Gruppe bilden würden. Da aber alle bisher be- 
kannten Desmidiaceen nur häutige Panzer besitzen, so schien es zweck- 
mäfsig diesen kieselschaligen Formen zunächst bei den Desmidiaceen eine 
besondere Abtheilung (Lithothecia) anzuweisen. Man vergleiche den 
kalkschaligen Coniocyclus. 
Physik. -math. Kl. 1 84 1 . E e e 



402 Ehrenberg: Verbreitung und Eiiiflufs 

VI. Podosira, Stielkette. Taf. I. in. 34. 

Diese bis jetzt nur amerikanische Gattung sollte hier in der Reihe 
nicht fehlen, ist aber schon 1840 in der Abhandlung über die jetzt le- 
benden Kreidethiere p. 48. ausführlich bezeichnet worden. 
VII. Rhizosolenia, Zaser-Röhrchen. 

Genus e familia Bacillariorum, sectione Naviculaceorum. Characteres 
Pjxidiculae aut Gallionellae, loricae tubulosae altero fine rotundato 
clauso, altero attenuato inultifido, tanquam radiculoso. 

Eine sonderbare , systematisch ^unsichere, aber ausgezeichnete 
Form, von welcher ich nur 3 Exemplare gesehen habe, die sämmtlich 
nicht ganz vollständig waren. 
VIIL Sphenosira, Keilkette. Taf. III. i. 27. IV. 12. 

Genus e familia Bacillariorum, sectione Naviculaceorum. Characteres 
Fragilariae, sed bacillorum forma in adverso latere cuneata, Gompho- 
nematis speciem referens. 

IX. Spirillina, Kieselspirale. Taf. III. vn. 41. 

Genus e familia Arcellinorum? Lorica tubulosa spiralis silicea, Planor- 
bem referens. (= Difflugia lorica silicea). 

Vielleicht gehört noch die Spirulina Ammoiiis des Herrn Bory 
de St. Vincent in diese Gattung, deren Name schon 1825 von Bory 
gegeben wurde, die aber leicht eine kleine Planorbis gewesen sein kann. 
Da der Name Spirolina von Lamarck, welcher noch früher ist, sprach- 
widrige Bildung hat, so ist er von mir bei den Polythalamien in Spiru- 
lina verwandelt worden, wie es offenbar gemeint war. Bory's Spiru- 
lina habe ich denn jetzt in Spirillina umgewandelt. — Säure wirkte 
nicht auf die Schale. 

X. Terpsinoe, Musikthierchen. Tafel III. iv. 1. vn. 30. 

Genus e familia Bacillariorum, sectione Naviculaceorum. Lorica sim- 
plex bivalvis silicea compressa quadrangula libera, latior quam longa, tri- 
locularis, loculi singuli septis binis medio interruptis ibique incrassatis, 
hinc 6. signorum musicorum duplicem oppositam seriem referentibus. 
Dieser höchst ausgezeichneten Form zunächst steht die asiatische 
und afrikanische Gattung Tetragramma, welche in einfacher Zelle 4 
notenförmige Zwischenwände hat und fast eben so lang als breit ist. 
Beide reihen sich an Grammatophora, sind aber weit voluminöser. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Word- Amerika. 403 

B. Characteristik von 9 Generibus der regeltnäfsigen kiesel- 
erdigen unkrystallinischen Pflanzentheile, Phytolitharia. 

Mit dem Namen Phytolitharia bezeichne ich hier zuerst, im Gegensatz 
von einer eben so wichtigen Gruppe der kalkerdigen Zoolitharia, eine Gruppe 
von regelmäfsigen kieselerdigen Körperchen organischen Ursprungs, welche 
für Bildung von Erden- und Steinmassen ganz denselben Werth haben, wie 
die kieselschaligen Infusorien, die auch, eben so wie diese, geologisch dazu 
dienen können, sichre Schlüsse darüber zu machen, ob gewisse Bildungen 
See- oder Süfswasserbildungen sind, ob sie der Jetztwelt oder der Vorzeit an- 
gehören, und bei immer intensiver fortgesetzten Studien wird es auch immer 
möglicher werden, noch feinere Unterscheidungen durchBeobachtung dieser 
Formen wie der Infusorien und Polythalamien, selbst für geologische Zwecke 
zu erringen. 

Diese wichtige, bisher ganz unbeachtet gebliebene Gruppe von Er- 
scheinungen, welche sich dem blofsen Auge einzeln gar nicht, unter dem Mi- 
kroskop aber bedeutend bemerklich macht, war zwar schon im Allgemeinen 
in so fern bekannt, als man wufste, dafs es in gewissen Pflanzen Kieselabson- 
derungen gebe. Allein dafs diese Absonderungen regelmäfsige Körper bil- 
den, die man systematisch ordnen kann, die unter allen Climaten und in sehr 
verschiedenen Pflanzenkörpern gleichartig wiederkehren, die endlich einen 
geologischen Werth erlangen könnten, das war bisher von Niemand ausge- 
sprochen noch vermuthet worden. 

Es könnte zwar scheinen, als ob die von mir gegebene Systematik und 
Namens -Verzeichnisse deshalb überflüssig oder unrichtig aufgefafst wären, 
weil zuweilen mehrere, ja viele solcher verschiedenen Formen in einem ein- 
zelnen Individio eines Schwammes oder einer Tethya vorkommen, allein das 
hat keinen Einflufs auf den hier vor Augen liegenden wichtigen Zweck. Es 
sind besondere, oft gesondert vorkommende regelmäfsige Formen, oft sehr 
entschieden gleichartige Theile, Bausteine, ganz verschiedener Organismen, 
welche eine geographische Verbreitung organischer ähnlicher oder gleicher 
Verhältnisse mit Sicherheit ermitteln lassen. Den Ursprung aller dieser Kör- 
perchen mit entschiedener Sicherheit nachzuweisen wird noch eine lange Be- 
schäftigung und viele dem Glück und Zufall anheimfallende Umstände erhei- 
schen. Bis dahin möge die hier vorgeschlagene systematische Methode mit 

Eee2 



404 Ehrenberg: Verbreitung und Ein/lufs 

ihren Namen den allgemeineren Beziehungen für klare Auffassung zu Hülfe 
kommen. Was keinen Namen hat existirt nicht für die Wissenschaft und 
kann nicht verglichen werden. Später wird man die meisten dieser Formen 
zu ihren Pflanzen und Thieren zu stellen wissen. 

Im Allgemeinen ist noch zu bemerken, dafs diese Formen schon seit 
1837 und 1839 in meinen Vorträgen über die fossilen Infusorien -Erden als 
Spongiarum et Spongillarum aut Tethyarum particulae namentlich verzeich- 
net worden sind. Die Aufmerksamkeit war schon viel früher auf sie gelenkt, 
allein die systematische Unterscheidung ist erst dann weiter ausgeführt wor- 
den, als sich ein geologisches Interesse daran knüpfte. In der Zwischenzeit 
sind auch in England diese Verhältnisse bei den Schwämmen beobachtet wor- 
den, und Hr. Bowerbank hat mehrere Aufsätze darüber seit 1841 geliefert, 
ja sogar, wie auch Hr. Flemming, eigene Genera aus solchen Schwämmen 
gebildet, die er von Tethyen nicht scharf unterschieden zu haben scheint. 
Die von ihm gegebenen Abbildungen solcher Verhältnisse werden hier citirt. 
Einige dieser pflanzlichen Kieselabsonderungen sind, auf mein Anrathen, 1835 
schon von Herrn Struve zu seiner Inaugural- Dissertation benutzt worden, 
die in Herrn H. Rose's Laboratorium von ihm mit Fleifs ausgeführt wor- 
den ist, die auch Abbildungen enthält, welche hier an ihrem Orte angeführt 
werden. Sehr viel mehr Abbildungen und Details sind seit Jahren schon 
für das gröfsere Werk über die fossilen mikroskopischen Verhältnisse in Ku- 
pfer gestochen und zusammengestellt worden. 

XI. Lithasteriscus, Kieselsternchen. 

Globuli rotundi oblongi reniformes aut constricti, superficie saepe as- 
pera, tuberculosa aut longius radiata, silicei nee porosi. 

In Tethyarum cortice denso agmine obvii, similes in Spongiis 
nonnullis sparsi. (') 
XH.? Amphidiscus, Glücksrädchen. 

Particulae siliceae lineares utroque fine dilatatae, saepe tanquam rotu- 
lis duabus inclusae, laeves aut hispidae. 



(') Solche Lithasterisca aus lebenden Spongien sind von Herrn Bowerbank in den Trans- 
actions of the Microscopical Society of London Vol. I. Taf. VI. 1841 abgebildet. In den Te- 
thyen (T. CitJiaris Lam.?) bat sie auch Dr. Peters 1842 beobachtet und der Berliner Ge- 
sellschaft Naturforsch. Freunde vorgelegt. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord - Amerika. 405 

Diese Formen habe ich 1840 (Berichte der Akademie, Novem- 
ber) zu den Bacillarien gezogen, halte sie aber jetzt für Pfianzentheile. 

XIII. Lithodermatium, Kieselhäutchen. 

Particulae laminares, siliceae, solidae, difformes, in superficie regula- 
riter varie sculptae. 

Ex Equisetorum, Palmarum et Graminearum epidermide ori- 
undae.^) 

XIV. Lithodontium, Kieselzähnchen. 

Particulae siliceae subtriangulae aut furcatae, intus saepius cavae, 
Squalorum dentibus forma fere similes. 

Has particulas Graminearum nonnullarum denticulos foliorum 
marginales esse observavi. 
XV .■Lithosphaera, Siebkugel. 

Globuli rotundi oblongi reniformes aut constricti superficie porosa, 
poris interdum stellatis. 

E cortice Tethyarum. 
XVI. Lithostylidium, Kiesel-Stiftchen. 

Particulae siliceae styliformes saepe compressae alataeque marginibus 
dentatis, saepe intus cavae. 

E Graminearum cellulis internis. 
XVTL? Pileolus. Kiesel-Hütchen. 

Particulae campanulatae intus cavae (siliceae?), pilei forma. 

An fragmenta Spongolithidis Agarici? Coniocorynae? 
XVlJJ. Sponßolithis, Schwamm-Nadel. 

Particulae aciculares, hami, furcae. acus , clavae , uncini, Agarici aut 
anchorae, crucis aut stellae specie, siliceae, laeves aut asperae, solidae 
cavaeve, integrae aut porosae.( 2 ) 

E Tethyis et Spongiis marinis. 

(') In Dr. Struve's Inaugural - Dissertation de Silicia in plantis nonnullis Berolini 1835 
sind einige Abbildungen: Fig. 1. und 2. ist Lithod. Equiseti hjemalis. Fig. 4. ist L. Equiseti 
limosi, Fig. 5 L. E. arvensis und Fig. 6. L. Calami Rotang. Keine von diesen Formen ist 
bis jetzt fossil vorgekommen. 

( 2 ) In Herrn Bowerbanks Abhandlung (lificroscop. Society of London Vol. I. p. 63. 1842) 
sind mehrere Abbildungen solcher Spongolithen aus jetzt lebenden Seeschwämmen der Nord- 
see, vielleicht Tethjren, die der Verfasser nicht glücklich Pachymalisma Jonslonia und Bus- 



406 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

Spongilla, Flufsschwamm-Nadel. 

Diese aus Flufsschwämmen stammenden, meist dünneren, Na- 
deln, die auch nie vorn knopfartig, noch auch ankerartig sind, habe 
ich bisher aus geologischen Gründen von den Spongolithen gesondert 
gebalten. Da es aber doch keinen scbarf trennenden systematischen 
Cbarakter für sie zu geben scheint, so schliefse ich sie von nun an den 
Spongolithen ganz an. Spongilla lacustris, Erinaceus = Spongolithis 
lacustris, Erinaceus u. s. w. 

Diese Nadeln wurden früher von Lyngbye als Echinella acuta 
bei den Algen und von Bory bei den Infusorien als Lunulina diaphana 
verzeichnet. 
XUL Spongophjllium, Kieselblättchen. 

Particulae laminares figura variae, saepe alatae, porosae, tenues, 
fractae, siliceae. 

E. Spongiis marinis oriundae videntur, incertae originis. 
XX. Thylacium, Steinbeutelchen. 

Particulae semiorbiculares, triquetrae et globuli segmento similes, fo- 
veolatae laeves aut hispidae, intus cavae. 



eideia Kirkii, als besondere Genera, benennt. Die dargestellten Formen werden von mir, 
wie folgt, namentlich verzeichnet: 

1 Spongolithis triceros Taf. 6. Fig. 5. 

2 — Fustis — Fig. 7a. 

3 — ramosa — Fig. 3. 4. 

Taf. 7. Fig. 5. 

4 — acicularis — Fig. 1. 

5 — Caput serpentis — Fig. 2. 

6 — cenocephala — Fig. 3. 

7 — aspera — Fig. 4. 

8 — uncinata — Fig. 6: 

Derselbe Beobachter hat auch in den Annais and Magazine of Natural history Vol. 
VII. pl. ÜI. Fig. 4. noch eine andere Form abgebildet, die ich als Spongol. Anchora bezeich- 
net habe. Die Schwämme mit 3-strahligen Spongolithen (Spongol. triceros) hat Hr. Flem- 
ming als besonderes Genus, Grantia, abgesondert. Diese selben Spongolithen hat Herr v. 
Lobarzewski in v. Schlechtendals botanischerZeitschriftLinneal840 als besonderes Genus 
von Algen (Triceros paradoxus) mit mehreren Infusorien beschrieben und abgebildet, dabei 
aber hier und da von thierischen Ovarien gesprochen. Seine Bacillaria adriatica ist Gram- 
matophora oceanica, seine Synedra gigantea ist Echinella fulgens. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 407 

Incertae originis. 

Dieser Name umfafste früher, bis 1841, auch einige Formen 
der jetzt als Lithodontium verzeichneten Körperchen. (') 

C. Characteristik von 5 neuen Generibus aus der Klasse 
der kalkschaligen Polythalamien. 

XXI. Allotheca, Wechselrädchen. 

Familia Rotalinorum. Cellulae non equitantes sed spiram perle c- 
tam alternae tegentes, hinc spira ab utroque latere semitecta (utrinque 
conspicua) apertura in cujusvis cellulae sinistro latere rotunda sim- 
plici. — Rotaliae affinis forma. 



(') An diese kieselerdigen geformten Theile schliefsen sich noch kalkerdige kleine Theile 
an, welche sich im Meeresschlamm zu finden pflegen. Schon vor einigen Jahren habe ich 
auf die geformten kleinen Steinchen aus Kalkerde (kohlensaurem Kalk) aufmerksam gemacht, 
welche sich in den weichen Theilen der Halcyoninen und Gorgoninen u. s. w. finden 
(Beiträge zur Kenntnifs der Corallenthiere 1834 pag. 20). Eben solche Steinchen habe ich 
bei den Holothurien in wieder anderer, sehr eigenthümlich schnallenartiger, ankerartiger und 
noch anderer Form angezeigt. Während meines Aufenthaltes am rothen Meere in den Jah- 
ren 1823 und 1825 habe ich viele dergleichen Beobachtungen gesammelt und in den Ab- 
handlungen der Akademie über die Akalephen und die Medusa aurita 1836 pag. 59, sowie 
schon 1833 in Poggendorff's Annalen der Physik B. 28, St. 3, p. 465, 466 ihrer Erwähnung 
gethan. Die zahllosen Knochentheilchen des Skeletts der Echinen Asterien und gar vieler 
anderer Seethiere geben eine sehr breite Basis für diese Betrachtungen. Neuerlich hat be- 
sonders Herr Quatrefages seine speciellere und umsichtige Aufmerksamkeit auf eine Beihe 
solcher Erscheinungen gelenkt, die er bei einer Holothurie, deren Formen ich am rothen 
Meere ebenfalls studirt hatte, und die er Synapta nennt, fand. Diese Arbeit ist Ende No- 
vember 1841 in Paris vorgetragen worden. Anna/, d. sc. nat. II. Serie Tom. 17. 

Jedenfalls ist es nun wichtig bei mikroskopischen Analysen von Erdarten sich aller 
dieser Formen als nicht selbstständiger Organismen , vielmehr als organischer Theile und 
Fragmente zu erinnern, und eben so wichtig ist es, diese Körperchen sofort mit bezeich- 
nenden Benennungen festzuhalten und sogar selbst als Vergleichungspunkte zu benutzen. 

Da es zur scharfen Unterscheidung aller Formen unerläfslich ist mit chemischen Mit- 
teln sich zu überzeugen, ob die Körperchen aus Kieselerde oder Kalkerde bestehen, da man 
oft nur einzelne hat, und da auch wo mehrere gefunden worden die chemischen Versuche 
feiner Art sein müssen, so sind viele Schwierigkeiten zu überwinden und an Mifsgriffen wird 
es eine Zeitlang nicht fehlen, bis erst eine gewisse Menge feststehender Beobachtungen über- 
sichtlich geworden ist. 

Besonders irreleitend sind oft solche Verhältnisse, wo kleine geformte Kalktheile in 
organischen Schleim gehüllt sind und dadurch die Einwirkung von Säuren nicht gestatten. 



408 Ehrenberg: Verbreitung und JLinjlufs 

XXII. Entrochus, Kreisel-Träubchen. 

Familia Uvellinorum, cellularum serie spirali regulari, continua, aper- 
tura non conspicua, singulis cellulis (magnis) lineis (duabus) traDsver- 
sis tanquam totidem sepimentis divisis. 



So sind meine Vorgänger in der Beobachtung der kleinen Kalkkrystalle in den Augenstielen 
der Medusen irre geleitet worden. Durch Zerquetschen und hin und her Bewegen der Ob- 
jecte kann man solche Zweifel endlich mit Sicherheit entfernen. Einige von mir fraglich 
zu den Gattungen Dictyocha und Mesocena gezogenen Körperchen können leicht auch noch 
Kalktheilchen sein. 

Es giebt für die nöthigen Übersichten auch dieser Erscheinungen kein anderes Mittel 
als Namengebung im Einzelnen und systematische Zusammenstellung. Diese wird zum Sam- 
meln und Vergröfsern der Schemata anregen und das Material zur Vergleichung schnell be- 
festigen. Ein grofses, geordnetes Material ist keine Last, nur Segen. 

Ich schlage folgendes Schema vor: 

Zoolilharia, 
Kalkerdige geformte mikroskopische Theile organischer Körper. 



1 ohne Basal 
gelenk 



{Enden spitz Conioraphis, Kalkspindel. 
fE. gleichförmig Coniostylis, Kalksäulchen. 
P I End. verdickt Coniocoryna, Kalkknöpfch. 



Nadelartige < (mitBasalgelenk Coniocentrum, Kalkstachel. 

[ # , fhakenartige Coniocampyla, Kalkhäkchen 

[ ° | baumartige Coniodendron, Kalkbäumch. 

(dichte Coniopelta, Kalkschildchen 
durchbrochne f rin g art 'g e Coniocyclus, Kalkringelchen 
j netzartige Coniodictyum, Kalknetzchen. 

f eckige Coniocybus, Kalkwürfel 

Kugelartige | runde Coniosphaera, Kalkkugel. 

Die von Herrn Quatrefages gegebenen Darstellungen führe ich mit folgenden Namen 
ein: Es finden sich in der Synapta Duvernaea 1) Coniocampyla Duvcrnaeae Taf. HI. Fig. 2. 
6. 7. 10. 11. 2) C. nodosa Fig. IV. T. 10. 3) Coniodictyum Duoernaeae Fig. 4. 5. 8. 9. 12. 13. 
4) Coniocyclus Ocellus (JOuvernaeae) T. rV. Fig. 3 ex parte, 5) C. spinulosus, Fig. 9. 6) Conio- 
raphis laevis (Duvernaeae) Fig. 3 ex parte, 7) C. inaequalis Fig. 12. 8) Coniocoryna reticulala 
Fig. 8. 9) C. Ossiculum Fig. 3 ex. p. 10) Coniodendron crispum (Duvernaeae) F. 7. 11) C. fle- 
xuosum (Duvernaeae) F. 11. 

Vielleicht ist Dictyocha splendens vom Meeresgrunde bei Vera -Cruz, die von Säure 
damals nicht angegriffen wurde, dennoch eine Kalkform, ein Coniodictyum, so wie Spongo- 
lithis Anchora ß vielleicht eine Coniocampyla ist, die dann beide Hautschildchen eines Echi- 
noderma (Synapta) sein könnten. In der Abhandlung über die Bildung der Kreidefelsen 
aus mikroskopischen Thieren 1839 p. 12 ist auf ähnliche Schwierigkeiten der Untersuchung 
aufmerksam gemacht worden, indem zuweilen auch mikroskopische kalkschalige Thiere frei 
verkieseln, wie die grofsen Muscheln. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 409 

Grammostomum, Goldbücbscben. 

Familia Textilarinorum. Cellulae omnes alternae, apertura rostro de- 

stituta, a vertice decurrente, lineari aut oblonga. = (Vukulina d'Or- 

bigny). 

XXIII. Megathyra, Thüren-Rädchen. 

Familia Rotalinorum, spira a latere uno libera, complanata, margine 
simplici, apertura nuda in cujusvis cellulae pariete anteriore maxima, 
disco umbilicali nullo. — Planulinae affinior forma. 

XXIV. Phanerostomum, Rundmündchen. 

Familia Rotalinorum. Spira in utroque latere conspicua perfecta, uno 
latere piano, altero turgidulo, apertura frontis basali media distineta, 
rotunda, simplice. — Planorbulinae et Rotaliae affinis. 

XXV. Ptygostomum, Faltenmund. 

Familia Rotalinorum. Spira a latere uno teeta ibique turgida, ab 
altero latere libera, plana, margine integro, apertura in plica frontis 
basali media. — Gyroidinae affinis forma. 

D. Kurze Cbaracteristik von 309 neuen Thier-Arten. 

A. Polygastricorum. 259 Species. 

1 Achnaktbes rhomboides, testulis valde turgidis, a ventre lanceolatis 

rbomboidibus, apieibus acutis. 

2 A. turgens, testulis a latere ter longioribus quam latis, a ventre lanceo- 

lato-oblongis, obtusis. A. paehypodis babitu sed turgentior. Icon! 

3 AcTiNOPTTcnus heccapterus, radiis sex crassis solidis conicisque, margine 

crasso undulato, intus denticulato. An particula calcarea Echinoder- 
matis? Coniopelta? Icon! 

4 A. nonarius, sepimentis radiisque novem. Icon! 

5 A. denarius, sepimentis radiisque decem. 

Die sogenannte Madreporenplatte der Seesterne Iäfst sich als Coniopelta gyrosa {Aste- 
riae violaceae u. s. w.), die eingelenkten oft sehr kleinen Stacheln der Echinodermen lassen 
sich als Coniocenlra verzeichnen und festhalten. 

Die geologischen Beziehungen dieser Thierfragmente werden, wenn auch anfangs sich 
eine Opposition gegen diese Namen hilden sollte, späterhin wahrscheinlich den Werth sol- 
cher Bezeichnungen mehr erkennen lassen, da sie bei meinen eignen Untersuchungen mir 
immer mehr zum Bedürfnifs geworden sind. 

Physik. - math. ££1841. F f f 



410 Ehrenberg: Verbreitung und Einflufs 

6 A. vicenarius, sepimentis radiisque viginti. 

7 A. Jupiter, sepimentis radiisque viginti quatuor. 

8 Amphipentas? alternans, testulae 5 lateribus concavis, angulis obtusis, 

medii alterius minoris pentagoni inajoris angulis alternantibus, umbone 
medio circulari. — An particula calcarea Echinodermatis? Conio- 
pelta? lconl 

9 Amphiprora constricta, testulislaevibus a latere mediis constrictis, babitu 

Naviculae alatae. Icon? 

10 A. navicularis, oblonga testulis transverse striatis (pinnatis), a latere mediis 

turgidis, apicibus obtusis, babitu Pinnulariae. 

11 Amphora gracilis, parva striata, media longitudinali taenia laevi, apicibus 

truncatis. lconl 

12 AS 72aw'e«Zam, navicularis parva, apicibus acutis, ubique transverse striata. 

An Cocconema? Porös terminales non vidi. Icon! 

13 Arcella americana, oblonga , apertura parva rotunda extra medium 

sita. Icon! 

14 A constricta, ovata, apertura maxima marginali ibique leviter constricta. 

Multas vidi. Icon! 

15 A. clisphaera, oblonga, strictura fere media in globulos duos divisa, altero 

apertura marginali toto occupato. Icon! 

16 A. ecornis, magna bemispbaerica, nee tessellata, apertura extra medium 

magna rotunda, margine testulae integro. Habitu A. aculeatae. Icon! 

17 A. lunata, subglobosa magna, apertura semilunari magna extra me- 

dium sita. 

18 A. Nidus pendulus, ovato-oblonga laxe areolata hyalina, apertura antica 

marginali oblonga. Icon! 

19 A. Pilcus, bemispbaerica depressa rufescens, subtilissime eleganter tessel- 

lata, apertura media rotunda. Icon! 

20 Arthrodesmus Taenia, bacillis flexilibus angustis, octiesfere longioribus 

quam latis, laevibus, habitu Arth. striatuli, tenuior. Icon! 

21 Biddulphia? laevis, testulis laevibus, margine integerrimis, auriculis in 

quovis angulo minimis. Icon Baileyi! 1842. 

22 Campt lodiscus radiosus, testulis minoribus media parte laevibus, margine 

late et dense radiatis, radiis fere 70. Icon! 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 411 

23 C? striatus, testulae media transversa parte laevi, 13 striarum parallela- 

rum serie utrinque duplici. Icon! 

24 Ceratoneis laminaris, parva, testulae tenuissime striatae ellipticae api- 

eibus subito styliforunbus acutis. Coccone'is? Icon! 

25 Climacospuekiä moniligera, testulis inajoribus latere subtilissime striatis, 

septis 10-11. Icon! 

26 Closterium amblyonema, filiforme cylindricum laeve utroque fine pa- 

rum attenuatum apice rotundum. Icon Baileyi! 1841. 

27 Cl. crenulatum,rectura, subclavatum, laeve, stricturae mediae margine tu- 

mido, apieibus truncatis, altero crenulato. Icon! 

28 Cl. Cucumis, oblongum turgidum leviter curvum, laeve, apieibus obtu- 

sis. Icon. 

29 Cocconeis americana, laevis, babitu C. mexicanae (striis obsoletis?) 

30 C. borealis, minor, valde elongata elliptica, transverse striata (■= C islan- 

dica Mexico). 

31 C. concentrica, minor , late elliptica, lineis longitudinalibus utrinque 4. 

Icon! 

32 C. decussata, major, late elliptica, aspera, apiculorum seriebus decus- 

satis. Icon! 

33 C. elongata, minor, laevis, ovato - elliptica , plana. Placentulae affinis, 

semper paullo longior. An var? 

34 C. fasciata, elliptica, major, longitudinaliter lineata, fascia laevi transversa 

media. Icon! 

35 C. Leptoceros, major, punetato-striata rbomboides, apieibus longe rostra- 

tis, babitu Amphicerotis, rostris valde longioribus. 

36 C longa, parva, laevis, linearis, utrinque rotundata. 

37 C. meocicana, rbomboides, punetato-striata, minor, apieibus obtusisparum 

produetis. C. Rhombo minor, obtusior. Icon! 

38 C praetexta, major elliptica lineis longit. utrinque 6, margine lato laevi 

praetexta. Icon! 

39 C. punctata, minor elliptica, lineis longitud. punetatis 8 utrinque. Icon! 

40 Cocconbmä Arcus, lineare utroque latere curvum, striatum, obtusum, 

ventre medio non tumido. 

41 C? acutum, parvum, gracile, leviter curvum, laeve(?), utrinque acutum 

ventre medio turgidulo. TSaviculae amphioxydis (curvae) babitu. 

Fff2 



412 Ehkenberg: Verbreitung und Einßufs 

42 C. cornutum, majus, striatum, lunatuin, ventre medio sensim tuinido api- 

cibus sensim longe attenuatis obtusis. 

43 C. Fusidium, brevius, lunatum, turgidum striatum, cornubus parum pro- 

ductis subacutis, ventre tumido. Icon! 

44 C. gracile, lineari lanceolatum rectum aut leviter curvum, dorso convexo, 

ventre piano, apicibus tenuibus subacutis. Icon! 

45 C. Leptoceros, elongatum gracile leviter curvum, ventre medio subito tu- 

mido, apicibus attenuatis. Icon! 

46 C. Lunula, semiorbiculare, subtiliter striatum parvum, ventre piano, dorso 

convexo, cornubus obsoletis. Proximum C. Cistulae. Icon! 

Hae omnes formae distinguendae sunt, cum possint distingui, de 
specifico characterum valore sensim firmius Judicium eruetur. 

47 Coscinodiscus concavus, singula testula valde concava, oppositae con- 

junctae binae valde convexum integrum animalculum formantes, cellu- 
lis aequalibus magnis in r J-j- lineae 4^, non radiatis. 

48 C.flavicans, minor subtilissimis cellulis non radiatis, penetrante luce flavus, 

refracta luce albus. Icon! 

49 C. Gigas, maximus, cellulis radiatis mediis minimis , marginalibus maxi- 

mis. Icon Baileji! 1842. 

50 C. marginatus, cellulis subaequalibus, radiatis, majoribus, margine radiatim 

lineolato. 

51 C. radiolatus, cellulis minimis aequalibus radiatis, in ^ lineae 18. Icon! 

52 C. subtilis, cellulis minimis aequalibus radiatis, in ^lineae 24. Icon! 

53 Denticellä Biddulphia, babitu et superficei caelatura Biddulphiae pul- 

chellae similis, setis lateralibus mediis (interdum deciduis?) longis. 
Icon! 

54 Desmidium eustephanum , laterum integrorum angulis productis apice 

spinulosis, spinularum furcatarum Corona media dorsuali. Icon! 

55 D. senarium, priori simile, sed laterum parietibus spinulis furcatis binis 

(sex), Corona dorsuali senaria. Icon! 

56 Dicttocha? splendens, tabularis oblonga, aperturis (cellulis) denticulatis 

13. Sin calcarea = Coniopella. Icon! 

57 D. trijcnestra, reticulo quadi-ato, angulis aculeatis, cellulis tribus mediis, 

dentatis. Icon! 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 413 

58 Difflugia acanthophora, lorica ovato-oblonga, laxe areolata, ore den- 

tato, postica parte tribus quatuorve aculeis annata. leon! 

59 D. areolata, lorica ovato-oblonga, laxe areolata, ore dentato, postica 

parte nuda. Icon! 

60 D. denticulata, lorica ovato-oblonga laevi, oris dentibus duodeeim. 

61 D. Lagena, major, lorica clavata, forma lagenae, curva, laevi, obsolete 

reticulata, ore integro. Iconl 

62 D. laevigata, lorica ovato - oblonga laevi, oris dentibus octonis, Denticu- 

latae valde affinis. Icon! 

63 D. striolata, lorica ovato-oblonga, longitudinaliter striolata, ore den- 

tato. Iconl 

64 Eu ästrum americanum, majus, lenticulare, oblongum laciniatum, laci- 

niis late excisis, ubique spinulosum. Icon! 

65 E. carinatum, turgidum, corpore gemino obtuse triangulo, carina? longi- 

tudinali media, superficie scabra. Icon Baileji! 

66 E. Sol, maximum lenticulare, profunde et anguste laciniatum, laciniis li- 

nearibus bidentatis undique radiatum, laeve. Icon! 

67 Evnotia amphioxjs, anguste linearis dorso leviter convexo laevi, ventre 

leviter coneavo subtiliter striato, apieibus subito attenuatis. Icon! 
E. Dianae affinis. 

68 E. Argus, striata, testula a dorso oblonga recte quadrangula, ocellorum 

serie duplici ad E. ocellatam accedens, quae utroque apice constringi- 
tur. Icon! 

69 E. bieeps, striata anguste linearis curva, apieibus rotundatis paululum re- 

volutis. Icon! 

70 E. bidens, striata, ventre piano, dorso convexo medio exciso (bidentato), 

apieibus dilatatis truncatis. = E. Diodon apieibus truncatis. 

71 E. Camelus, striata parva, dorsi elati gibbere duplice, apieibus produetis 

attenuatis obtusis. Icon! 

72 E.? cingulata , laevis , parva, dorso convexo, ventris margine (binorum 

cingulo medio longitudinali) tumido. E. gibberulae affinis. Icon! 

73 E. declivis, striata, latior, ventre piano, dorso convexo, leviter exciso, bi- 

dentato, dentibus in apices acutos reeta declivi linea produetis. Icon! 

74 E. depressa, striata , anguste linearis, ventre piano aut leviter coneavo, 

dorso depresso piano, prope apices rotundatos subito attenuato. Icon! 



414 Ehuenbekg: Verbreitung und Einflufs 

75 E. dizyga, striata? latior, ventre concavo, dorso convexo quadridentato, 

dentibus mediis approximatis. Icon' 

76 E. Elephas, striata, latissima, curva, apicibus late rotundatis, dorso, tri- 

dentato. Icon! 

77 E. Formica, striata linearis, media parte utrinque et utroque apice turgi- 

dis. E. nodosa apicibus non reflexis, sed inflatis rectis. 

78 E. gibberula, punctato -striata parva, dorso late elato, apicibus leviter re- 

volutis constrictis. Icon? 

79 E Librile, stricta, interstitiis punctatis, elongata, ventre concavo, dorso 

medio aequaliter convexo, ad apices leviter revolutos obtusos subito 
decrescente. Icon! 

80 E. Monodon, striata elongata, ventre concavo, dorso aequaliter convexo 

ad apices leviter revolutos obtusos sensim decrescente. Icon! 

81 E. parallela, striata valida, linearis, curva, apicibus simpbciter rotundatis. 

82 E. Pileus, striata parva subquadrata, a latere ventre latiore, dorso angu- 

stiore eoque leviter exciso, apicibus parura productis obtusis. Icon! 

83 E. praerupta, striata elongata, dorso aequaliter convexo ad apices dilata- 

tos truncatos (praeruptos) sensim decurrente. 

84 E. quaternaria, parva anguste linearis curva, dorso quadridentato, apici- 

bus leviter revolutis. Icon! 

85 E. quinaria, parva anguste linearis striata, dorso 5-dentato. Icon! 

86 E. Sella, striata dilatata, dorso medio exciso bidentato, boc curvatura con- 

vexa in apices acutos abeunte. Icon! 

87 E. seplena, parva, anguste linearis, dorsi dentibus 7. Icon ! 

88 E. Textricula, parva, parallela, dorso aequaliter convexo sensim in apices 

non constrictos rotundos abeunte, striis lateralibus raris validis, inter- 
stitiis longitudinaliter lineolatis. Icon? 

89 E. tridentula, parva, anguste linearis, striata, dorso tridentato. Icon! 

90 F. ventralis, magna linearis striata, curva, ventre medio tumido, dorso 

aequali, apicibus tumidis rotundatis. 

91 E. uncinata, parva, anguste linearis, curva, apicibus valde constrictis et 

capitatis. 

92 E. zebrijia, striata, elongata, dorso aequaliter convexo sensim ad apices 

constrictos obtusos decurrente, striarum interstitiis punctatis. 



des mikroskopischeji Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 415 

93 E. Zygodon, striata linearis oblonga, dorso medio exciso bidentato, hoc 

curvatura convexa in apices rotundatos abeunte. Icon! 

94 Fragilaria amphiceros?, = Cocconc'is amphiceros, apertura media desti- 

tuta. Insignis, sed paradoxa forma. 

95 F.? anccps, parva linearis testulis a latere laxe striatis, apicibus constrictis 

obtusis subcapitatis. Gomphonemati Pupillae affinis. 

96 F. biceps, parva linearis, testulis laevibus, apicibus constrictis subito sub- 

acutis. 

97 F.? binodis = Navicula binodis 1841. 

98 F. ? constricta, lineari - oblonga laevis, strictura media levi, apicibus subito 

acutis. Icon! 

99 F.? Entomon, linearis elongata laevis, media arctius constricta, apicibus 

rostratis. 

100 F.? glabra, linearis laevis, apicibus attenuatis obtusis. An bicipitis va- 

rietas? 

101 F.? laevis, Forma amphicerotis, sed striis punctatis destituta. 

102 F.? Naiicula, oblonga laevis, bacillis a dorso quater aut quinquies lon- 

gioribus quam latis, strictura media levissima. Iconl 

103 F. pinnata, lineari - oblonga striis validis in ^ lin. 15, apicibus simpli- 

citer rotundatis. Affinis striolatae et syriacae. Iconl 

104 F.? striata, oblonga turgida striis validis rarioribus in ^ lin 8. An 

pinnatae varietas? Icon I. in. 9. Ex errore, semel striolata vocata. 

Has Fragilarias dictas formas non omnes concatenatas vidi, sed 
saepe singula bacilla observavi, hinc de genere haesitavi. Specierum 
characteres etiam firmius stabiliendae sunt. Formas, cum obvenerint, 
non negligendas putavi. 

105 Gallionella coarctata, articulis laevibus coarctatis, habitu G. varian- 

tis, sed striis lateralibus destituta. Iconl 

106 G. granulata, articulis coarctatis, tota superficie lineis punctatis trans- 

versis (catenarum longitudinalibus) varia, habitu G. aurichalceae. 

Brasiliana forma ad G. decussatam propius accedereposset, quae 
punctorum lineis decussatis differt. Longitudinales lineae punctatae 
(in catenis transversae) G. marchicam indicant. 

107 G. lirata, habitu G. granulatae, lineis validioribus liratim continuis. 

108 Gomphonema anglicum, testula a dorso bis constricta, capitulo rotun- 



416 Ehrenberg: Verbreitung und Einßufs 

dato paullo graciliore, quam corpus oblongum in pedem linearem de- 
crescens. Icon\ G. subtili affine. 

109 G. apiculatum, testula a dorso rhomboide-cuneata, utroque fine sensim 
tenuiore, pede longiore, capite acuto. Nulla Icon. 
G. Augur mexicanum differt capitis apice constricto parvo mucrone 
terminato. Ibidem forma apiculata guianensis referenda est. Cfr. 
Sphcnosiram. 

110. G. Cygnus, testula anguste lanceolato-lineari longa, media turgida, ca- 
pite obtuso lineari longo. 

111 G. Glans, testula ovato oblonga, tumida, capitulo a latere rotundato, 

collo parum constricto. G. clavato affine, brevius, validius, obtu- 
sius. 

112 G laticeps, babitu G. coronati, sedbrevius, capitulo a latere latiore, quam 

corpus medium. 

113 G. tiasutum,a latere ovatum, pede tenui brevi, collo nullo, capitis non 

constricti apiculo parvo. Proxime ad G. Augurem accedit, sed bre- 
vius et validius est. 

114 G.1 Pupula, a latere lineari clavatum, margine undulatum, striis raris 

tanquam stricturis totidem insigne, capitulo saepe paullo angustiore. 
An Meridion? 

115 G. subtile, testula tenuis, dorso bis constricta, capitulo parvo obtuso sub- 

truncato in collo elongato tenui. 

116 G. Turris, testula validiore elongata, capituli elongati latitudine corpus 

aequante, apice subito acuto, cuneato. G. gracili affine crassius. 

117 G. Vibrio, testula lanceolato-lineari elongata, capitulo sensim attenuato 

longo subacuto, subrostrato. G. gracili affinis, longior gracilior, ad 
Pinnulariam amphioxydem accedens. 

118 Goniothecium Rogersii, articulis laevibus, hyalinis. 

119 Grammatophora gibba, bacillis a dorso quadrangulis, utrinque striatis, 

a latere angustioribus medio tumidis, apicibus rotundatis, plicis inter- 
nis rectis apice tantum inflexis. Iconl 

120 G. islandica, bacillis a dorso quadratis aut oblongis a latere naviculari- 

bus, striatis, plicis internis ter inflexis, medio recurvis. G. africanae 
affinis, quae nunc ipsa ibidem obviam facta videtur, sicut ad Vera- 
Cruz. 



des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nord- Amerika. 417 

121 G. strieta, bacillis a dorso quadratis aut oblongis, a latere navicularibus 

laevibus, plicis internis rectis, nee apice inflexis. 

122 Himantidium bidens, = Eunotia bidens propagatione in catenas abiens. 

Iconl 

123 II. gracile, bacillis concatenatis H. Arcus habitu, sed a latere dimidia 

crassitie. Iconl 

124 II. guianense, bacillis striatis a latere mediis dilalatis dorso leviter exciso 

bidentato, apieibus attenuatis leviter rellexis. Iconl 

125 TZ. JMonodon, = Eunotia JMonodon propagatione concatenata. Iconl 

Utrum Eunoiiae illae ab Ilimant. vere differant posterioris curae sit. 

126 II. Papilio, bacillis striatis, a latere mediis valde dilatatis, subquadratis, 

dorso exciso, bidentato, prope apices obtusos utrinque constricto. 
Iconl T. II. i. 2a-e. 

127 Mesocejva? heptagona, annuli denticulis externis Septem. Iconl 

128 M.l octogona, annuli denticulis externis octo. Iconl 

129 Micrasterias senaria , dicyclia, corpusculorum duodenorum circulo 

externo, senorum interno, uno medio, dentibus marginalibus obsole- 
tis. Iconl 

130 Naficula affinis, testula a dorso linearis, utroque apice constricto ob- 

tuso. Pinnulariae dicephalae affinis. Iconl 

131 N. ambigua, testula a dorso lineari- oblonga utroque apice constricto 

brevi tenui obtuso. Iconl Priori similis; an pulli Pinnulariae dice- 
phalae? 

132 JV.. P americana, testula a dorso oblonga turgida, media leviter constrieta, 

apieibus late rotundatis. An Pinnularia? 

133 N. Amphigomphus, testula major oblonga, lateribus a dorso planis api- 

eibus argute euneatis, lineis longitud. obsoletis insignis. Iconl 

134 N. amphioxys, testula a dorso anguste lineari -lanceolata, utrinque sen- 

sim attenuata subacuta. Iconl N. gracili gracilior. 

135 N. Amphirhynchus , testula a dorso anguste lanceolata, apieibus subito 

rostratis obtusis. Iconl N. Amphisbaena forma latiore differt. 

136 N